Vor 20 Jahren habe ich den ersten Bericht mit der Nr. 500 geschrieben „Das erste Fertighaus in Oberkochen“. Bis dato sind es inzwischen 238 Berichte geworden. Anfangs waren es noch nicht so viele, denn bis Mai 2016 arbeitete ich bei Leitz und Dietrich „Didi“ Bantel war auch noch aktiv. Nachdem „Didi“ im Jahr 2018 starb, habe ich dann richtig Gas gegeben. Schau mr mal, wie lange mich Kreativität, Material und Unterstützer tragen — momentan sieht es aus, dass es bis 2028 / 2029 möglich sein wird interessante Berichte zu schreiben. Von 2006 bis 2016 habe ich 38 Berichte geschrieben und von 2017 bis heute 200. Daraus lässt sich schon erkennen, womit ich meine Zeit als fleißiger Rentner verbringe. Und da das Feedback in der Regel gut ist, mache ich das wirklich mit Herzblut. Was waren denn die Highlights? Nachstehend eine subjektive Auswahl:
Ein buntes Kaleidoskop
- Das Eiscafé „Italia“ (525 und 526)
- Das Schleicher’sche Kino (538 und 539)
- Kegelclub Sonnenberg (548)
- Unsere Wirtshäuser und Vereinsheime (562, 795 und 796 sowie 801 bis 803 und 810 bis 812 und anschließend 814, 826 bis 828 und 833 bis 836)
- Ein schwäbischer Katalane – José Sogas (607)
- Erich und Helmut Hahn (614)
- Beat- und Jugendclub (622–1 und 622–2)
- Das Spielwarengeschäft Unfried (634)
- Der Kindergarten im Wiesenweg (635)
- D’r hentere Balle (636)
- Das Fest der Feste „Fronleichnam“ (640)
- Wohnen nach dem Krieg – Ein Dorf platzt aus seinen Nähten (662)
- Unser Kinderfest am Volkmarsberg (675 und 676)
- Oberkochen und sein „Kies“ – des isch gwieß (694 bis 696)
- Schneedorf Oberkochen (699 und 710)
- Unsere Feuerwehren (705 und 707)
- Besondere Tage im Jahreskreislauf (713 bis 716)
- Meilensteine der 40er, 50er, 60er und 70er Jahre (719 bis 721 und 733 bis 735 und 839 bis 841)
- Unsere Schulen und Lehrer (722 bis 726 und 757 bis 760)
- Leben im Dreißental (746 bis 753)
- Die Straßen von Oberkochen (763 bis 771)
- Autoren aus Oberkochen (774 bis 778)
- Das „Goldene Buch der Stadt“ und seine Einträge (788 bis 792)
- Die Bäume von Oberkochen (804 und 805 sowie 809 und 816 bis 818)
- 160 Jahre Brenzbahn (806 bis 808)
- Alle unsere Lebensmittelgeschäfte (819 bis 823)
- 80 Jahre Kriegsende in Oberkochen (824 und 825)
- Die Urkarte von Oberkochen (831)
- Hall of Names (846 und 847 sowie 851 bis 855 und vermutlich bis 2028!)
- Unsere Auswanderer (857 bis 863 und 865 bis 867)
Aus dem Rathaus
- Die Bürgermeister von Oberkochen (685)
- Richard Frank – ehemaliger Bürgermeister (727)
- Oberkochen und seine Schwimmbäder (784)
- Gemeinderatswahlen (797 und 798)
- Ein unvergessener Bürgermeister Gustav Bosch (813)
- Schnipsel aus dem Rathaus (837 und 838)
- Eine kleine Gemeinde aus dem Jahr 1890/91 (843 und 844)
- Alle unsere Bürgermeister (845)
Über Personen
- Wolfgang Porzig (762)
- Thomas Vilgis (782 und 783)
- Christhard Schrenk (785)
- Willibald Mannes (829)
- Dietrich Bantel (832)
- Bruno Balle (848)
- Albert Holz (856)
- Eckard Norkus (864)
Und über 2 Firmen, die dieses Jahr ein Jubiläum haben
- 150 Jahre Leitz in Oberkochen (Mehrteiler ab 16. Oktober zu lesen)
- 80 Jahre Carl Zeiss in Oberkochen (Mehrteiler ab 31. Juli zu lesen)
Über mein Leben und das meiner Eltern
- Kindheit am Sonnenberg (595 bis 597)
- Die Geschichte meiner Mutti und meines Vatis (642 und 644)
- Das Härtsfeld (669)
- When I’m 64 oder ein Arbeitsleben geht zu Ende (680)
- Ich das Haus Sonnenberg 34 (756)
Ein paar Anmerkungen dazu von einigen „Ausgewanderten, die gerne meine Berichte unterstützen, lesen und wertschätzen.

Beherrscht er es oder tut er nur so? – (überlassen von Bruno Brandstetter)

Weibliche Schönheit und italienisches Design – die perfekte Kombination (überlassen von Bruno Brandstetter)
Zwoi Dreißadaler, Bruno und Maria Brandstetter, Aalen: „Lieber „Billie vom Sonnenberg“. Auch wenn wir vor 60 Jahren von Oberkochen in das 10 KM entfernte Aalen ausgewandert sind, haben wir immer großes Interesse an der geschichtlichen Entwicklung unseres Heimatortes vom Bauerndorf Oberkochen zur Stadt, zum Stadtdorf oder zur Dorfstadt. Dank deiner Berichte werden wir immer wieder überrascht, was der „Billie” wieder neues Altes über die Heimatgeschichte in alten Archiven oder sonst wo entdeckt hat. Jetzt kannst du 20 Jahre Heimatberichte, die im Amtsblatt „Bürger und Gemeinde“ und auf der Website des Heimatvereins veröffentlicht werden, mit 238 Berichten feiern — eine große Leistung. Die ausgewanderten Oberkochener werden durch die wirklich tolle Website im Internet informiert. Da haben die Macher Müller – Müller – Preuß einen Internet-Auftritt erster Klasse hingelegt und deine Heimatberichte können somit auf der ganzen Welt gelesen werden. So können die Auswanderer, die ja tatsachlich auf verschiedenen Erdteilen zu Hause sind (wie deine mehrteilige Reihe über die Auswanderer deutlich zeigt) viel neues Altes über die Heimat und andere Auswanderer erfahren. So sind wir alle froh und dankbar, dass du Heimatforschung betreibst und deine Berichte akribisch recherchierst und in einem gut lesbaren Stil schreibst und das jetzt schon 20 Jahre lang. Schreiben ist die eine Sache und die passenden Ideen dazu finden die andere. Wir gratulieren herzlich.“

Wer kann schon behaupten jemals an diesem weltberühmten Tisch gesessen zu haben (überlassen von Meroths)
Peter Meroth, geborener Dreißentaler und Journalist, Berlin: „Wie soll man das nennen, was der Mann da seit 20 Jahren treibt? Er ist Wiederholungstäter. 238 Mal hat er bereits zugeschlagen. Er ist triebgesteuert, kann einfach nicht die Finger davon lassen, Anschlag für Anschlag seine raffinierten Traktate in die Welt zu setzen. Gräbt längst vergangene Geschichten aus, reißt manchmal auch Wunden auf, nimmt die Gegenwart aufs Korn und wer weiß, was er in Zukunft noch alles ausheckt.
Sein bürgerlicher Name, Wilfried Müller, klingt nicht unbedingt gefährlich. Aber seine Herkunft – aus dem berüchtigten oberen Dreißental, verharmlosend oft auch „Sonnenberg“ genannt – gibt zu denken. Und sein Kampfname „Billie“ spricht Bände. Erinnert an die Jazzlegende Billie Holiday und ihre abenteuerliche Karriere zwischen Babyknast und Weltruhm, oder an Billy the Kid, den kaltblütigen Revolverhelden. Nicht von ungefähr trägt der Oberkochener Billie quasi als Markenzeichen gern einen blutroten Stetson.

Der Mann mit dem roten Hut – immer auf der Suche nach alten Geschichten (Archiv Müller)
Fragt man ChatGPT was von diesem Wilfried „Billie“ Müller zu halten sei, dann weiß auch das KI-Sprachmodell, dass der Gesuchte an seinem Heimatort „in den vergangenen zwanzig Jahren eine unverwechselbare Spur hinterlassen“ hat. Angeblich soll er hier ein „altes Backsteinhaus in der Kaiserstraße“ besucht haben (offenbar ein geheimes Schlupfloch). Und in einem „Gründerzeitviertel“ habe er Pläne von archäologischen Grabungen studiert (vermutlich, weil dort die Beute von Postkutschen-Überfällen versteckt war).
Bisher war Billies Tarnung als redlicher Chronist des Oberkochener Lebens perfekt. „Was seine Berichte besonders macht“, schreibt Chat GPT, „ist die Nähe zum Ort und zu den Menschen. Billie hört aufmerksam zu, fragt beharrlich nach und lässt Stimmen zu Wort kommen, die sonst im Hintergrund bleiben. Seine Interviews sind kein Ablesen, sondern Gespräche, die Vertrauen schaffen und Perspektiven öffnen. So entsteht eine Chronik, die mehr ist als eine Ansammlung von Fakten: Eine lebendige Erinnerungskiste, in der Geschichte greifbar wird und der Alltag seinen respektvollen Platz findet.“
Betrachtet man seine Vorgehensweise aber mit den kriminalistisch geschulten Augen eines Hercule Poirot oder einer Miss Marple, ergibt sich ein anderes Bild.
Wilfried Müllers großartige Idee, Oberkochener Auswanderergeschichten zurück bis ins 18. Jahrhundert zu erzählen, ist vordergründig eine spannende Variante zum Thema Migration, die mal nicht von zugezogenen Fremden handelt, sondern von unseren Nachbarn und Landsleuten, die ihr Glück in der Fremde suchen. Aber dahinter könnten sich auch Fluchtpläne seines alten Egos verstecken. Schon jetzt pendelt Billie regelmäßig in die Schweiz. Recherchiert er nun nach Steueroasen oder ‑Paradiesen in Übersee?
Ein Anruf beim BKA (Billie Kritikaster Amt) schafft Klarheit. Ich bin erleichtert. Billie bleibt uns erhalten. Und auch die städtischen Instanzen vom Kümmerer bis zum Kämmerer geben Entwarnung. Der Bürger Müller, W., hat sich unschätzbare Verdienste erworben, von Verdienst oder Schätzen könne nicht die Rede sein. Seine Arbeit war ehrenamtlich.
Der Lohn ist unsere Anerkennung. Zum Beispiel dafür, dass er unlösbar scheinende Rätsel der Geschichte entschlüsselt hat. Wie Alexander der Große (vermutlich im November 333 vor Christus) sein Schwert zückte, um den gordischen Knoten zu durchschlagen, spitzte er die Feder, um (Achtung: historische Parallele) im November 2014 den Balle-Knoten aufzudröseln. Nachzulesen im Bericht 636 vom „Tankstellen-Balle“, dem „CDU-Balle“ und vor allem dem „hentere Balle“.
Oder dafür, dass er in der Chronik der Oberkochener Schulen auch in die schleimige Ursuppe der Frauendiskriminierung eintauchte. Aus dem Jahr 1896 förderte er den Hinweis zutage „dass der männliche Lehrer geeigneter für die Erziehung von Mädchen ist (weil)…nur der Mann das Weib erziehen kann. Er weiß es besser als sie selbst, welche Eigenschaften ihm an ihr am besten gefallen, am wünschenswertesten sind, welche die notwendigen Ergänzungen seiner eigenen Natur bilden.“ Und noch im Jahr 1916 hieß es „Nur dem Manne gebührt eine Stellung in der Öffentlichkeit… der Mann ist der Erhalter und Fortsetzer der Kultur. Alle Gebiete des öffentlichen Lebens, die dem Kulturfortschritte dienen, sind sein Tätigkeitsbereich: mithin gehört ihm auch die Schule.“ Wie unsere Lehrer einst sagten: Auch Einbildung ist eine Bildung. Nachzulesen im Bericht 723
Umso mehr staunt der geneigte Leser, dass es Dr. Marianne Schwarz war, die nach dem Zweiten Weltkrieg als erste Ärztin Deutschlands eine Kassenzulassung bekam und erst in der Aalener Straße praktizierte, im alten katholischen Schwesternhaus, später in der Frühlingstraße (Bericht 749). Frauenemanzipation made in Oberkochen.
Wilfried Müller hat geforscht, gesammelt, nachgefragt, selbst aufgeschrieben, was war, und hat und oft auch andere dazu ermuntert.
Nachzulesen in seinen eigenen Worten, bei seinem Dank an Co-AutorInnen und InformantInnnen für das Dreißental-Projekt: „Ohne Euch, wäre dieser Bericht so nicht möglich gewesen. Es genügt nicht, etwas zu wissen, es ist viel wichtiger dieses Wissen zu teilen, besser noch schriftlich mitzuteilen und dann kann ich es der Öffentlichkeit als unser gemeinsames Wissen anbieten. Dafür ein herzliches Vergeltsgott“. (Bericht 746)
Und nun, nach 20 Jahren und 238 Berichten ist auch er dran bei der märchenhaft glitzernden Ausschüttung von Frau Holle. Er, der Chronist, der Stadtschreiber oder, ganz einfach „Billie der Große“.

Da konnte man schon sehen, dass aus diesem Jungen mal „äbbes gscheits werden wird“ (überlassen von Thomas Vilgis)
Prof. Dr. Thomas Vilgis aus em Huga-Clan, Mainz. Seit meiner Kindheit bin ich Leser des Amtsblattes „Bürger & Gemeinde“ – und damit stets bestens informiert über das pulsierende Leben meiner alten, so beeindruckend florierenden Heimat. Doch neben all diesen wirtschaftlichen Glanzlichtern gibt es noch etwas, das mein Herz ganz besonders höherschlagen lässt: Die Berichte des Heimatvereins. Wilfried „Billie Wichai“ Müller setzt hier Maßstäbe. Als würdiger Nachfolger des legendären Dietrich „Didi“ Bantel gelingt es ihm mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit, wahre Schätze der Vergangenheit ans Licht zu holen. Jeder einzelne Beitrag ist eine wahre Zeitreise.
Seine Texte sind für mich weit mehr als bloße „Heimatberichte“ – sie sind Zeitmaschinen. Mit jeder Zeile werde ich auf eine Reise in längst vergangene Tage mitgenommen. Vergessen geglaubte Erinnerungen erwachen zu neuem Leben: der unverwechselbare Duft aus Mutters Küche, das ganz eigene Aroma des Fuchsbaus, der Dreißentalschule, ja selbst Zigarettenqualm und Bierdunst aus dem „Café Muh“ scheinen plötzlich wieder greifbar nah, fast meint man, gleich würde aus der Küche hinter dem Tresen eine Portion frisch gegrillter Ražnjići serviert werden. Oder wenn ein paar Meter weiter, vor dem Lindenbrunnen, bei der Halben „Fürstenberg” aus dem Glaskrug ***, Ochsen-Annas raue Stimme hinterm Tresen ertönt. *** Bei mir steht noch die (fast) komplette Bierglas-Sammlung des „Gasthof Ochsen“ in der Vitrine im Wohnzimmer auf einem Ehrenplatz. Noi – et gschtola!
Wer Billies Heimatberichte aufmerksam liest, hat trotz Detailgenauigkeit nicht das Gefühl, eine Chronik in Händen zu halten. Es ist vielmehr, als würden sich die Texte selbst erzählen, sich räuspern und beginnen zu erzählen. Leise, geduldig, mit einem Blick für das, was andere längst übersehen haben. Häuser, die verschwunden sind. Wege, die heute anders verlaufen. Menschen, deren Namen kaum noch jemand kennt – und die doch, in seinen Texten, wieder eine Stimme bekommen.
Wilfried schreibt nicht mit der kühlen Distanz des Historikers. Er gibt Lesern das Gefühl, er gehört dazu, und lädt alle ein, mit ihm auf die Reise zu gehen. Wie einer, der weiß, dass Geschichte nicht nur in großen Ereignissen steckt, sondern im Alltäglichen: im alten Kino, den alten Gasthäusern, Wirtschaften und Beizen, in vergessenen Straßenzügen. Immer, begleitet mit kleinen Anekdoten, die sich wie feine Risse durch die Gegenwart ziehen und plötzlich den Blick freigeben auf das, was einmal war.
Seine Sorgfalt ist bewundernswert. Hinter jeder Zeile spürt man die Geduld, das Suchen, die tiefe Recherche und das Zusammenfügen von Spuren. Es ist, als würde er die Vergangenheit nicht einfach beschreiben, sondern sie behutsam freilegen – Schicht für Schicht, bis darunter etwas sichtbar wird, das man beinahe verloren glaubte. In verschiedenen Archiven gräbt er aus, setzt zusammen, siehe nur diese unglaubliche, gerade begonnene Serie über „Auswanderer“. Hand aufs Herz, wer hätte heute noch davon gewusst? Und vielleicht liegt genau darin die stille Größe seiner Arbeit: Er bewahrt nicht nur Fakten. Er bewahrt Erinnerung.
Und nicht zuletzt: Seine Berichte inspirieren. Sie haben mich schon oft zu gedanklichen Spaziergängen durch Oberkochen verleitet – manchmal digital per Street View, manchmal einfach beim Zurücklehnen in Gedanken, mit verschlossenen Augen. Auch wenn sich nicht jeder Winkel virtuell erkunden lässt, entsteht doch ein wunderbares Bild: ein Ort, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart in bemerkenswerter Gelassenheit begegnen.
In den Texten von Billie Müller atmet das einstige Dorf und heutige Stadt Oberkochen über Generationen. Dafür gebührt Wilfried „Billie Wichai“ Müller Ehre und Anerkennung. Mögen die Stadtoberen und Honoratioren ihm dafür einen dicken Orden schmieden.
Ob ich die 1.000 noch schaffe? – Billie vom Sonnenberg