Danke. Mein beson­de­res Danke­schön geht für diesen Bericht an Reinhold Bahmann, Ludwig Burghard, Melanie Jerg, Heidi Pröhl und den Nachkom­men der Wingert-Schwes­tern sowie Herrmann Metz. Mein Dank geht aber auch in die USA an Petra Dobbs geb. Reimann, Günther Lübeck und Patrick Ditz. Auch meinen Schul­freun­den und ‑freun­din­nen danke ich herzlich: Werner Bernl­öhr, Chris­tia­ne Gaert­ner-Lemoi­ne, Werner Hilgart und Peter Meroth. Nicht zu verges­sen Robert Fischer-Liersch von der Firma Pfaud­ler. Die Recher­che hat viele Monde lang gedau­ert und viel Zeit im Frakti­ons­zim­mer und in diver­sen Daten­ban­ken mit sich gebracht.

Hinweis. Diese Reihe ist für Oberko­chen wichtig, weil Auswan­de­rung bisher nicht umfas­send recher­chiert und darüber berich­tet wurde. Es ist also ein wichti­ger Beitrag zur Ortsge­schich­te und sollte aus meiner Sicht offizi­ell in das Städti­sche Archiv aufge­nom­men werden.

Struk­tur. Der Bericht hat 10 Teile und fast jedem Teil wird eine nament­li­che Liste mit rund 950 ausge­wan­der­ten Perso­nen aus Oberko­chen hinten­an­ge­stellt und das Ganze mit ein paar Fotos garniert.

Intro. Der erste nament­lich genann­te deutsche Auswan­de­rer war Franz Daniel Pasto­ri­us, der in Verhand­lun­gen mit William Penn 1683 die Einwan­de­rungs­er­laub­nis für eine Gruppe deutscher Siedler in Pennsyl­va­nia erwirk­te. Zusam­men mit 13 auf einem späte­ren Schiff nachfol­gen­den Krefel­der Famili­en gründe­te und organi­sier­te er die Siedlung „German­town“, heute ein Vorort von Philadel­phia. In der Periode von 1850 bis 1890 stell­ten die Deutschen sogar die größte natio­na­le Einwan­de­rer­grup­pe. Von den 5,9 Millio­nen Menschen, die in der Zeit von 1820 bis 1928 nach Übersee gingen, wander­ten 5,3 Millio­nen, d. h. fast neun Zehntel, in die USA aus, gegen­über nur 200.000 nach Brasi­li­en, 145.000 nach Kanada (ab 1851) und 120.000 nach Argen­ti­ni­en (ab 1861).

Zeitleis­te: Deutsche Auswan­de­rung im 19. Jahrhundert

1816–1830: Erste größe­re Wellen

  • Nach dem „Jahr ohne Sommer“ 1816: Hungers­nö­te und Missern­ten führen zu ersten Auswan­de­run­gen nach Nordamerika.
  • Viele Auswan­de­rer stammen aus Südwest­deutsch­land (Baden, Württem­berg).
    Erklä­rung: Die bemer­kens­wer­te Wechsel­wir­kung zwischen einem deutli­chen Rückgang der Sonnen­ak­ti­vi­tät und großen Vulkan­aus­brü­chen, wie dem Vulkan Mayon auf den Philip­pi­nen und dem Berg Tembo­ra in Indone­si­en (der größte in den letzten 1.300 Jahren aufge­zeich­ne­te Ausbruch), verur­sach­te einen Rückgang der globa­len Tempe­ra­tu­ren um 0,4 bis ‑0,7 °C. Infol­ge­des­sen machte dieses Phäno­men den Sommer 1816 in Europa zum kältes­ten Sommer, der zwischen 1766 und 2000 dokumen­tiert wurde. Dieser Klima­wan­del löste schwe­re Nahrungs­mit­tel­knapp­heit auf der gesam­ten Nordhalb­ku­gel aus, zusam­men mit anderen damit zusam­men­hän­gen­den Phäno­me­nen, die im Folgen­den unter­sucht werden.

1830–1850: Etablie­rung der Auswanderung

  • Gründung von Auswan­de­rungs­agen­tu­ren in Bremen und Hamburg.
  • Reede­rei­en wie HAPAG und Norddeut­scher Lloyd bieten spezi­el­le Auswandererpassagen.
  • Ziel: vor allem die USA, insbe­son­de­re Pennsyl­va­nia, Ohio und Missouri.

1850–1870: Diver­si­fi­zie­rung der Ziele

  • Neben den USA auch Auswan­de­rung nach Südame­ri­ka (Brasi­li­en, Argen­ti­ni­en) und Australien.
  • Politi­sche Gründe: Nachwir­kun­gen der Revolu­ti­on von 1848.
  • Erste deutsche Siedlun­gen in Südame­ri­ka entstehen.

1871–1890: Hochpha­se der Auswanderung

  • Nach der Reichs­grün­dung 1871: wirtschaft­li­che Umbrü­che und sozia­le Spannungen.
  • Über 1 Milli­on Deutsche wandern in diesem Zeitraum aus.
  • Ellis Island wird zum zentra­len Einwan­de­rungs­tor in den USA.

Die meisten Auswan­de­rer betra­ten US-Boden in Ellis Island (Wikipe­dia 2018)

1890–1914: Rückgang und neue Dynamik

  • Wirtschaft­li­che Besse­rung im Deutschen Reich reduziert die Auswanderung.
  • Gleich­zei­tig wächst die Zahl der Rückkehrer.
  • Neue Ziele: Kanada, Südafri­ka, Chile. 

Allge­mein lässt sich sagen

  • Bis 1945: Die frühen Auswan­de­run­gen fanden in einer Übergangs­pha­se zwischen agrari­scher Gesell­schaft und Indus­trie­zeit­al­ter statt. 
  • Nach 1945: Die Emigra­ti­on verla­ger­te sich zuneh­mend in Richtung wirtschaft­lich motivier­ter Wande­rung. Viele Deutsche suchten nach dem Zweiten Weltkrieg neue Perspek­ti­ven in Übersee, insbe­son­de­re in Kanada, den USA, Brasi­li­en und Argentinien.

Haupt­pha­sen der Auswan­de­rung aus Süddeutschland

  1. Frühe Phase (ab 1709) Winter 1709:
    Einer der kältes­ten Winter Europas führte zu einer ersten großen Auswan­de­rungs­wel­le, beson­ders aus der Pfalz, dem Elsass und Teilen Württem­bergs. Viele flohen über die Nieder­lan­de nach England und weiter nach Nordame­ri­ka, insbe­son­de­re nach Pennsylvania.
  2. Napoleo­ni­sche Zeit und Folge­jah­re (ca. 1800–1830)
    Kriegs­fol­gen, wirtschaft­li­che Not und politi­sche Repres­si­on nach dem Ende des Heili­gen Römischen Reichs führten zu verstärk­ter Auswan­de­rung. Viele Süddeut­sche wander­ten auf Einla­dung der Zarin Katha­ri­na II. nach Russland aus, insbe­son­de­re in die Gebie­te entlang der Wolga und später nach Bessa­ra­bi­en (heute im Großen und Ganzen zur Republik Moldau gehörend).
  3. Hunger­jah­re 1816/17 („Jahr ohne Sommer“)
    Der Ausbruch des Vulkans Tambo­ra 1815 führte zu Missern­ten und Hungers­nö­ten. Beson­ders betrof­fen: Baden, Württem­berg und Bayern. Viele wander­ten nach Nordame­ri­ka aus, vor allem in die USA.
  4. Massen­aus­wan­de­rung im 19. Jahrhun­dert (1830–1880)
    Bevöl­ke­rungs­wachs­tum, Armut, fehlen­de Indus­tria­li­sie­rung und politi­sche Unzufrie­den­heit trieben viele zur Emigra­ti­on. Die Kartof­fel­fäu­le führte Mitte des 19. Jahrhun­derts zu einer schwe­ren Hungers­not, die auch in Deutsch­land eine Auswan­de­rungs­wel­le auslös­te – beson­ders zwischen 1845 und 1848. Süddeut­sche wander­ten in großer Zahl nach Nordame­ri­ka, aber auch nach Brasi­li­en, Argen­ti­ni­en und Austra­li­en aus. Nach der geschei­ter­ten Revolu­ti­on von 1848/49 kam es zu einer bedeu­ten­den Auswan­de­rungs­wel­le aus Deutsch­land, insbe­son­de­re durch politisch Verfolg­te, die als „Achtund­vier­zi­ger“ (engl. Forty-Eighters) bekannt wurden. Diese Emigra­ti­on war nicht nur zahlen­mä­ßig relevant, sondern hatte auch kultu­rel­le und politi­sche Auswir­kun­gen in den Ziellän­dern, vor allem in den USA.

Ursachen der Auswan­de­rung nach 1848. 

Schei­tern der Märzre­vo­lu­ti­on: Die Hoffnung auf natio­na­le Einheit, Demokra­tie und Bürger­rech­te wurde zerschla­gen. Viele Revolu­tio­nä­re wurden verfolgt oder inhaftiert.

Politi­sche Repres­si­on: Nach der Nieder­schla­gung der Aufstän­de verschärf­ten die deutschen Fürsten die Kontrol­le, was viele Opposi­tio­nel­le zur Flucht zwang.

Wirtschaft­li­che Not: Neben politi­scher Verfol­gung litten viele unter Armut, Hunger und fehlen­den Perspektiven.

Zielre­gio­nen der „Achtund­vier­zi­ger“

  • USA: Die Verei­nig­ten Staaten waren das Haupt­ziel. Dort gab es keine Einwan­de­rungs­be­schrän­kun­gen, und viele Deutsche fanden Aufnah­me und neue politi­sche Betäti­gungs­fel­der. Bekann­te Persön­lich­kei­ten wie Carl Schurz (er war der erste gebür­ti­ge Deutsche, der Mitglied des Senates der Verei­nig­ten Staatenwurde) und Fried­rich Hecker (Col. Frede­ric Hecker 82nd Ill. Inf., er befeh­lig­te während des Bürger­krie­ges das 82. Infan­te­rie­re­gi­ment des Staates Illinois. Bei seinem Begräb­nis sollen rund 1000 Menschen anwesend gewesen sein) wurden zu wichti­gen Figuren in der ameri­ka­ni­schen Politik und Gesellschaft.
  • Austra­li­en: Auch hier fanden einige Exilan­ten Zuflucht, beson­ders in den libera­le­ren Kolonien.
  • Schweiz, Frank­reich, England: Diese Länder dienten oft als erste Stati­on im Exil, bevor eine Weiter­rei­se erfolgte
  • Zentren der Auswan­de­rung: Schwarz­wald, Hunsrück, Allgäu, Schwä­bi­sche Alb.

Zielre­gio­nen der Süddeut­schen Auswanderer

  • USA: Beson­ders beliebt waren Ohio, Wiscon­sin, Missou­ri und Texas.
  • Russland: Wolga­deut­sche und Schwarz­meer­deut­sche Kolonien.
  • Südame­ri­ka: Deutsche Kolonien in Brasi­li­en (z. B. Blumen­au) und Argentinien.
  • Osteu­ro­pa: Ungarn, Sieben­bür­gen, Galizien

Nach der Gründung der Bundes­re­pu­blik Deutsch­land und der Locke­rung der Einrei­se­be­din­gun­gen in den wichtigs­ten Ziellän­dern gab es seit Anfang der 1950er Jahre wieder einen starken Anstieg der Auswan­de­rung. Von 1946 bis 1961 wander­ten laut dem Statis­ti­schen Bundes­amt 780.000 Deutsche nach Übersee aus, davon etwa die Hälfte in die USA, 234.000 nach Kanada und 80.000 nach Austra­li­en. Außer­dem emigrier­ten zwischen 1945 und 1952 schät­zungs­wei­se 180.000 Deutsche in westeu­ro­päi­sche Staaten, insbe­son­de­re nach Frank­reich und Großbritannien. 

Erst seit 1954 gibt es zuver­läs­si­ge statis­ti­sche Daten, nach denen es zwischen 1954 und 1959 eine jährli­che Auswan­de­rung von etwa 100.000 Perso­nen aus Deutsch­land gab. Ab Anfang der 1960er Jahre führte der Wirtschafts­auf­schwung in Deutsch­land zu einem spürba­ren Rückgang der Auswanderung.

Ab den 70er Jahren bis heute ist oft eine beruf­li­che Verän­de­rung der Grund für die Ausrei­se, die nicht selten nur für ein paar Jahre geplant war und dann doch endgül­tig wurde, vor allem dann, wenn Kinder im Ausland geboren und einge­schult wurden.

Wie war das einst wirklich – Schau­en wir uns das mal im Detail an

Organi­sa­ti­on der Auswanderung

Im 19. Jahrhun­dert wurde die deutsche Auswan­de­rung meist durch priva­te Initia­ti­ven, Vermitt­ler und teils auch durch Gemein­den organi­siert und finan­ziert. Viele Auswan­de­rer mussten die Kosten selbst tragen, doch es gab auch Unter­stüt­zung durch öffent­li­che Stellen.

Auswan­de­rungs­agen­tu­ren und Vermitt­ler: Diese spezia­li­sier­ten sich auf die Organi­sa­ti­on der Reise, halfen bei der Buchung von Schiffs­pas­sa­gen und der Abwick­lung von Forma­li­tä­ten. Sie warben aktiv in Dörfern und Städten für die Auswanderung.

Reede­rei­en wie HAPAG oder Norddeut­scher Lloyd boten spezi­el­le Auswan­de­rer­pas­sa­gen an. Sie unter­hiel­ten eigene Auswan­der­er­hal­len und sorgten für die Einschif­fung in Häfen wie Hamburg oder Bremen.

Auswan­de­rer­ver­ei­ne und kirch­li­che Organi­sa­tio­nen unter­stütz­ten beson­ders bedürf­ti­ge Famili­en bei der Planung und Durchführung.

Gemein­den und Behör­den: In wirtschaft­lich schwa­chen Regio­nen unter­stütz­ten manche Gemein­den die Auswan­de­rung, um die lokale Armut zu lindern. Sie übernah­men teilwei­se die Kosten für die Überfahrt.

Wie wurde Auswan­de­rung finanziert?

  • Eigen­fi­nan­zie­rung: Die meisten Auswan­de­rer mussten ihre Reise selbst bezah­len. Dazu verkauf­ten sie oft ihren Besitz oder erhiel­ten Unter­stüt­zung von Verwandten.
  • Gemeind­li­che Zuschüs­se: In Fällen großer Not übernah­men Gemein­den die Kosten der Überfahrt, um Sozial­aus­ga­ben zu senken.
  • Vorschüs­se durch Agenten: Manche Vermitt­ler gewähr­ten Kredi­te für die Passa­ge, die später in der neuen Heimat zurück­ge­zahlt werden mussten.
  • Staat­li­che Unter­stüt­zung: In Einzel­fäl­len förder­ten auch staat­li­che Stellen die Auswan­de­rung, etwa durch die Bereit­stel­lung von Infor­ma­tio­nen oder die Verein­fa­chung bürokra­ti­scher Prozesse.

Wie war der Ablauf einer Auswanderung?

  • Entschei­dung und Anmel­dung: Die Auswan­de­rung musste bei lokalen Behör­den angezeigt werden.
  • Reise­vor­be­rei­tung: Vermitt­ler organi­sier­ten die Route, oft über Zwischen­sta­tio­nen wie Le Havre oder Rotter­dam. Nicht selten verlo­ren Einwan­de­rer ihr Geld, bevor sie Europa verlas­sen konnten, weil sie Betrü­gern aufge­ses­sen waren.
  • Überfahrt: Die Schiffs­rei­se dauer­te je nach Ziel zwischen 4 und 12 Wochen. Die Bedin­gun­gen waren oft beengt und hygie­nisch problematisch.
  • Ankunft und Einwan­de­rung: In den USA etwa erfolg­te die Einrei­se über Ellis Island, wo medizi­ni­sche und recht­li­che Prüfun­gen stattfanden.

Hier ist ein Beispiel für eine typische deutsche Auswan­de­r­errei­se im Jahr 1850 – von der Entschei­dung bis zur Ankunft in den USA:

  1. Entschei­dung zur Auswanderung
  • Motiva­tio­nen: Wirtschaft­li­che Not, politi­sche Unruhen (z. B. nach der Revolu­ti­on 1848), religiö­se Verfol­gung oder Hoffnung auf ein besse­res Leben.
  • Infor­ma­ti­ons­quel­le: Flugblät­ter, Zeitungs­an­zei­gen, Berich­te von Rückkeh­rern oder Agenten.

  1. Anmel­dung und Vorbereitung
  • Behörd­li­che Geneh­mi­gung: Auswan­de­rung musste bei der lokalen Verwal­tung angezeigt werden.
  • Verkauf von Besitz: Haus, Land oder Vieh wurden verkauft, um die Überfahrt zu finanzieren.
  • Kontakt mit Agenten: Vermitt­ler organi­sier­ten die Passa­ge und halfen bei Dokumenten.

  1. Reise zum Hafen
  • Trans­port­mit­tel: Mit Pferde­wa­gen oder Eisen­bahn (sofern verfüg­bar) ging es nach Bremen oder Hamburg.
  • Zwischen­sta­tio­nen: Oft mehre­re Tage Aufent­halt in Auswan­der­er­hal­len zur medizi­ni­schen Unter­su­chung und Registrierung.

  1. Überfahrt nach Amerika
  • Dauer: 6–12 Wochen, abhän­gig von Wetter und Schiffstyp.
  • Bedin­gun­gen: Enge Unter­künf­te im Zwischen­deck, einfa­che Verpfle­gung, hohe Krankheitsgefahr.
  • Kosten: Etwa 30–50 Taler pro Person – oft durch Verkauf von Besitz oder Kredi­te gedeckt.

  1. Ankunft in den USA
  • Einrei­se­ort: Meist New York (Castle Garden, später Ellis Island).
  • Kontrol­len: Medizi­ni­sche Unter­su­chung, Regis­trie­rung, manch­mal Ableh­nung bei Krankheit.
  • Weiter­rei­se: Mit Dampf­schiff oder Eisen­bahn ins Landes­in­ne­re – z. B. nach Ohio, Wiscon­sin oder Missouri

Württem­berg. Armut war einst zuhau­se im Ländle und so wurden die Armen früher nicht selten zur Auswan­de­rung gedrängt. Für viele Gemein­den war es billi­ger ihnen die Auswan­de­rung zu finan­zie­ren, als sie im Armen­haus durch­zu­füt­tern. Allein im Jahr 1819 waren 2.726 Menschen nament­lich bekannt, die von Raub und Diebstahl lebten. Berüch­tigt war die Gegend zwischen Göppin­gen und Geislin­gen. Mitte des 19ten Jahrhun­derts lebten 1,8 Millio­nen Menschen im Ländle, darun­ter 120.000 unter dem Existenzminimum.

In die Neue Welt. Bis Mitte der 1880er Jahre war ein Gleich­stand zwischen Segel- und Dampf-Auswan­de­rer­schif­fen erreicht und um 1900 befuh­ren, bis auf wenige Ausnah­men, nur noch Dampf­schif­fe die Auswan­de­rer­li­ni­en nach Nord- und Südame­ri­ka. Die Zustän­de auf den Schif­fen waren anfangs noch sehr schlecht. Der Platz­be­darf für Kessel, Maschi­ne und Kohle­vor­rä­te ging zum Teil zu Lasten der Passa­gier­plät­ze. In den 1870er und 1880er Jahren setzten sich allge­mei­ne Verbes­se­run­gen durch. So wurde für den Bau und die Einrich­tung von Auswan­de­rer­schif­fen Verord­nun­gen und Geset­ze erlas­sen, die den Raumbe­darf je Passa­gier, die Schlaf­plät­ze, Venti­la­ti­on, Beleuch­tung, sanitä­re Einrich­tun­gen, Verpfle­gung, medizi­ni­sche Betreu­ung, Rettungs­aus­rüs­tung (Schwimm­wes­ten etc.) und die wasser­dich­te Unter­tei­lung der Schif­fe vorschrie­ben. Das Dampf­schiff löste im Laufe des 19. Jahrhun­derts das Segel­schiff zuneh­mend ab. Mit der Einfüh­rung des regel­mä­ßi­gen Linien­ver­kehrs mit Dampf­schif­fen legte die Auswan­de­rung weiter an Fahrt zu. Während ein Segel­schiff 44 Tage für die Überfahrt benötig­te, waren es für das Dampf­schiff nur noch 14 Tage. Die deutschen Häfen für Auswan­de­rer waren Bremen, Bremer­ha­ven und Hamburg. (Mit meinem Schiff „Zerstö­rer Mölders“ brauch­ten wir 1974 und 1976 nur noch 5–7 Tage – je nach Treib­stoff­ver­brauch). Heute haben ca. 50 Millio­nen US-Ameri­ka­ner deutsche Vorfah­ren! Verges­sen wir dabei nicht, dass das beson­ders im 18ten und 19ten Jahrhun­dert überwie­gend bitter­ar­me Wirtschafts­flücht­lin­ge waren.

Eine Annon­ce von „Holz und Diemer“ aus den 50ern (Amtsblatt Oberkochen)

AUSWANDERER LISTEN

Fast jedem der 10 Teile ist eine Liste mit ausge­wan­der­ten Perso­nen angefügt, die in der Ferne ihr Glück gesucht haben. Die Recher­che war zeit- und kosten­auf­wen­dig! Dem frühe­ren Bürger­meis­ter Peter Traub sei für die Unter­stüt­zung herzlich gedankt. Mehrfach-Nennun­gen sind möglich, da auf verschie­dens­ten Platt­for­men und Daten­ban­ken recher­chiert wurde. Die Recher­che beschränkt sich, bis auf ein paar Ausnah­men, auf die Jahre bis 1979.

Aus diver­sen Unter­la­gen und Quellen

Nach Austra­li­en

  • Fischer, Felici­tas
  • Fischer, Heinz (2024 gestor­ben)
  • Kolb, Adolf und Liesel aus der Dreißentalstraße 
  • Maier, die ganze Familie aus der Dreißen­tal­stra­ße 77

blank

Passa­gier­lis­te nach Austra­li­en mit der Familie Maier aus dem Dreißen­tal (Archiv Müller)

Nach Belgi­en und Tunesien

  • Metz, Hermann aus der Dreißen­tal­stra­ße (beruf­lich als Expat, inzwi­schen längst zurück in Breisach)

Nach Brasi­li­en

  • Bernl­öhr, Werner (beruf­lich als Expat, zurück in Neunkirchen)
  • Gold, Josef (Ziegen­pa­ter Frater Stanis­lau Maristenbruder)
  • Hug Anton Rochus (Frater Casimir Bruno Maristenbruder)
  • Hug, Willi­bald (Frater Emilio Conrad Maristenbruder)
  • Spieg­ler, Wilhelm und Irma mit Kindern Irmhild und Wilfried

Nach Canada

  • Balle, Elisa­beth
  • Heid, Dieter aus dem Finken­weg 4 (Sohn der Witwe Anna Heid)
  • Heid, Werner aus dem Finken­weg 4 (Sohn der Witwe Anna Heid)
  • Hirner, Adolf aus der Sperber­stra­ße 32 (Sohn der Eheleu­te Karl Hirner und Maria geb. Fischer)
  • Holster, Willy aus der Feigen­gas­se 14
  • Radünz, Stefan (für Leitz beruf­lich nach Kanada, frühe­rer Besit­zer des Hauses Sonnen­berg­stra­ße 32)
  • Rühle, Willy (Sohn der Eheleu­te Wilhelm Rühle und Marie geb. Spahr)
  • Thierer, Paul
  • Tritt­ler, Franz aus der Dreißen­tal­stra­ße 44 (Sohn der Eheleu­te Franz Tritt­ler und Sophie geb. Ratgeb)

Nach China-Hongkong und New York

  • Wieland, Dieter geb. Pickel­mann (beruf­lich als Expat, wohnhaft in Speyer)

Nach Frank­reich

  • Lemoi­ne-Gaert­ner, Chris­tia­ne aus dem Silcher­weg 26

Nach Griechen­land und später Schweiz

  • Wingert, Günther aus dem Jäger­gäss­le (Glaserei Wingert)

Nach Großbri­tan­ni­en

  • Gold, Paul „Englän­der-Paul“ (während des I. Weltkrie­ges inter­niert, später zurückgekehrt)
  • Slater, Regina geb. Frank aus der Bahnhof­stra­ße (frühe­re Arbeits­kol­le­gin von mir bei Leitz)

Nach Itali­en

  • Hügle, Fritz und Luitgard geb. Grupp aus em Dreißadaal
  • Wingert, Paul aus der Glase­rei Wingert im Jäger­gäss­le (beruf­lich, ist aber zurück­ge­kom­men und residiert im Schwarzwald)

Nach Japan

  • Porzig, Wolfgang (einige Jahre beruf­lich für Zeiss)

Nach Nieder­lan­de

  • Hüben­thal, Prof. Dr. Christoph 

Nach Öster­reich

  • Braun, Jürgen (Musiker, Sohn von Helma Braun und Enkel des ermor­de­ten Förster Braun)
  • Enders, Dr. Sigurd (frühe­rer Lehrer am hiesi­gen Gymna­si­um für Deutsch und Geografie)
  • Seidl, Marion geb. Wöhner aus der Walter-Bauersfeldstraße

Nach Schweiz

  • Fischer geb. Steck, Ingrid 
  • Salzmann, Regine
  • Wingert, Johan­nes (Pfarrer in Zürich und Dietikon)

Nach Spani­en

  • Gremer­ath, Siegfried 
  • Hörndl, Wolfgang

Nach Südafri­ka

  • Point­ner, Heinz (1979 zurück)

Nach USA

  • Angst­en­ber­ger, Fred und Maria geb. Gold
  • Balle, Paul aus der Katzen­bach­stra­ße 6
  • Betzler, Eugen mit Frau Barba­ra geb. Mall
  • Betzler, Micha­el
  • Beusch­lein, Wilma 
  • Borst, Dr. Phil., L. Walter 
  • Brotesser geb. Fischer, Sigrid 
  • Combs geb. Maier, Erika 
  • Cook Charles und Maria geb. Kolb
  • Couey, Elfrie­de und Ron 
  • Dobbs geb. Reimann, Petra (Mitglied des berühm­ten Bantel’schen Sechser-Clubs)
  • Doppel­bau­er geb. Gold, Agnes 
  • Dummer, Fred und Liese geb. Fischer
  • Eisele, Karl und Anne geb. Ebert
  • Erz, die gesam­te Familie 
  • Fünfschil­ling, Frank und Marie geb. Gold
  • Goehring, Karin
  • Gold, Kreszen­tia aus der Aalener Straße 32 
  • Grund­ler Wolfgang und Gabi (beruf­lich für Leitz – längst wieder zurück)
  • Güntsche, Harald (beruf­lich anfangs für Leitz, dortge­blie­ben, zu früh gestorben)
  • Hauber, August
  • Hauber, Gustl und Gertrud „Trudl“ geb. Wingert (s andere Mädle vom Glaser Wingert im Jägergässle)
  • Heaton, David
  • Helmle, Anton und Francis geb. Staudenecker
  • Helmle, Karl und Giesela 
  • Honold, Micha­el und Hildegard 
  • Johnson geb. Ortler, Barbara 
  • Jrizarr, Ferdi­nand und Fränzi geb. Helmle
  • Juhasz geb. König, Gerda M. 
  • Jurgi, Philip und Brigit­te geb. Helmle
  • Köhler, Micha­el (beruf­lich anfangs für Leitz und dann dortgeblieben)
  • König, Werner E. 
  • Kopp, William
  • Kunert, Martin und Mathil­de geb. Gold
  • Labbert, Frank und Regina geb. Röttinger
  • Lampe, Hermann
  • Link geb. Berger, Ursula 
  • Miller, geb. Bauer, Anneliese 
  • Muldrow, Barba­ra
  • Muldrow, Waltraud
  • Pantke, Herbert
  • Pantke, Erhard
  • Pracht, Hans und Annemarie 
  • Proehl, Heidi mit der gesam­ten Familie
  • Remde, Heinz und Irene geb. Wingert (au a Mädle vom Glaser Wingert im Jägergässle)
  • Roeder, Manfred
  • Roos, Dr. Reinhard
  • Rosen­kranz, Fritz 
  • Rötter, M.K.
  • Schaupp, Franz Xaver 
  • Siegel geb. Filler, Gerda 
  • Steckel, Oskar
  • Suess, Sigmar und Martha
  • Truken­mül­ler, Leo
  • Tynan, William und Gerlin­de geb. Herrmann
  • Veit geb. Piesch, Hildegard 
  • Vogel, Ulrich und Anna geb. Starz
  • Wands geb. Rau, Dagmar aus der Walter-Bauersfeld-Straße
  • Weise, Helena
  • Weise, Richard
  • Wirth, Elisa­beth (in New York bekannt als Elise Wirth Schrott, Tochter von Johann Micha­el Wirth)
  • Witt, Emil
  • Zimmer geb. Fischer, Maria 

Nach Vietnam

  • Hartwig, Sabine aus der Jenaer Str. 20 (Tochter von Hans und Erika Hartwig)

Weiß Gott wohin

  • Winter, Ludwig aus der Volkmars­berg­stra­ße 15
  • Balle, Paul (Sohn des Ignaz Peter Paul und Bruder vom Tankstel­len-Balle Karl)

Liste vom Bürger­meis­ter Stadt Oberko­chen (jährli­cher Weihnachtsbrief)

  • Ammon, Gertrud Australien
  • Berroth, Dr. Erika USA
  • Borst, Dr. Walter USA
  • Combs, Erika USA
  • Couey, Elfrie­de USA
  • Dreyer, Ingrid USA
  • Ebert, Alois Canada
  • Einsied­ler, Mario Ungarn
  • Fischer, Heinz Australien
  • Freiburg, Lothar (früher Rektor in OKO) Italien
  • Fritscher, Peter V. USA
  • Fritscher, Philip USA
  • Geist­hö­vel, Micha­el Brasilien
  • Geul, Sabine USA
  • Gold, Georg USA
  • Hassin­ger, Eva Frankreich
  • Heid, Dieter Canada
  • Hirner, Adolf Canada
  • Honold, Micha­el USA
  • Hügle, Fritz und Luitgard Italien
  • Keller, Margot Schweiz
  • Kinder­mann, Dieter USA
  • Köhler, Georg Argentinien
  • Kolb, Adolf Australien
  • Lübeck, Günther USA
  • Lukom­bo, Jean (früher kath. Pfarrer OKO)  Kongo
  • Miller, Annelie­se B. USA
  • Minder, Lucia Portugal
  • Pantke, Herbert USA
  • Rank, Harald du Saadiah Malaysia
  • Dobbs geb. Reimannn, Petra USA
  • Sari, Maria Australien
  • Scherer, Marti­na Schweiz
  • Schür­mey­er, Fritz Portugal
  • Seidl, Marion Österreich
  • Seidler, Chris­ta Südafrika
  • Slater geb. Frank, Regina Großbritannien
  • Strecker, Helmut und Monika (früher Rektor Gym) Portugal
  • Tritt­ler, Frank Canada
  • Walther, Eberhard Schweiz
  • Wands geb. Rau, Dagmar USA
  • Westphal-Mansour Frank­reich
  • Willi­man-Wingert, Petra Schweiz
  • Winter Amaral de Figuei­re­do, Ulrike Portugal
  • Witt, Ernst Frankreich

Wilfried „Wichai“ Müller – Billie vom Sonnen­berg – Der Nicht-Ausgewanderte

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