Intro. Jahrzehnte lang war der 17. Juni unser Nationalfeiertag in der BRD, an dem wir im Westen an den Volksaufstand in der DDR im Jahr 1953 gedachten. Nachdem wir inzwischen den 3. Oktober als neuen Nationalfeiertag haben (zum Gedenken an den Mauerfall), verschwindet das Wissen um den 17. Juni immer mehr. Daher sehe ich es als notwendig an, diese Zeit nochmals zu beleuchten.
Was nicht möglich war. Bilder vom Volksaufstand 1953 aus Jena kann ich leider nicht integrieren, wegen einer unsicheren Urheberrechtslage. Von der Ostthüringer Zeitung, der Funke-Medien-Gruppe und vom Stadtarchiv Jena kam leider keinerlei Unterstützung, geschweige denn eine Antwort.
Dank. Besonders danke ich Uwe Norkus für die Unterstützung und die Bereitstellung von Bildern und Dokumenten. Da schicke ich doch gleich noch eine lustige Episode voraus. Seine Mutter Ruth war lange Jahre eine feste Größe im Hausfrauenbund. Meine frühere Frau, La-ied, eine Thailänderin, kam eines Tages nach Hause und berichtete, dass sie eine Frau kennengelernt habe, die Madame „Nogood“ heißt. Erst habe ich gestutzt, aber mit dem Wissen, dass eine Thai kein ordentliches „R“ und auch kein „S“ am Schluss sprechen kann, war mit klar, dass „Nogood“ einfach „Norkus“ heißen musste. Ich selbst kenne Uwe noch aus der Schulzeit. Als seine Klasse nach Aalen wechselte, um dort das Abitur zu machen, übergab er mir den „Brabandt-Lesezirkel“ zum Austragen. Wer den noch kennt (lag u.a. in vielen Arztpraxen aus) kann sich vorstellen, was das für mich mit dem Fahrrad für ein Aufwand war. Für die schulischen Leistungen war das sicher abträglich, aber für den Geldbeutel einträglich.

1963: Eckhard Norkus, wie wir ihn in Erinnerung haben (Archiv Norkus)
Eckard Norkus beendete seinen Bericht aus dem Jahr 1957, die sehr persönliche Erlebnisse zum 17. Juni 1953 beinhalten, mit folgenden Worten: „Ist das alles vergessen? Wissen die freien Menschen des Westens noch, was Freiheit ist? Wir haben sie nötig, wie der freie Vogel die Luft! Nur, wenn die Freiheit bedroht ist, muss man um sie kämpfen. Wir wollen keine Sklaven sein!“
Dieser Schlusssatz könnte nicht aktueller sein, daher stelle ich ihn an den Anfang dieses Berichtes. Es ist schade, dass er den Mauerfall nicht mehr erlebt hat und was er heute zur politischen Entwicklung in der BRD und besonders in seinem Heimatland Thüringen sagen würde, können wir leicht erahnen.
Persönliches zum 17. Juni 1953 – aufgeschrieben von Eckard Norkus. Heute, vier Jahre nach dem Volksaufstand, habe ich wohl genügend Abstand von jenen dramatischen Ereignissen gewonnen, um leidenschaftslos zu urteilen. Von der Presse der sowjetisch besetzten Zone Deutschlands als Faschist, Provokateur und Verbrecher abgestempelt, so stehe ich heute in der Bundesrepublik als Arbeiter und frage mich, ob unser Kampf am 17. Juni 1953 Berechtigung und Sinn gehabt habe. Ich bin auch gefragt worden, ob ich mir über die Folgen meines Tuns klar geworden sei, und diese Frage spricht wohl den Kern dessen an, worum es geht. Als junger Mensch war auch ich mit all den Idealen unserer (verführten und missbrauchten) Generation zur Wehrmacht gegangen, hatte den großen Krieg mitgemacht und in dieser Zeit die Enttäuschung erlebt und das bröckelnde und dann tosende Brechen einer Fassade, die vor uns aufgerichtet worden war. Und dann standen wir fassungslos vor dem Ende, und es begann die Umkehrung aller Begriffe, was uns wie Hexenspuk schien. Es blieb uns überlassen, einen neuen Standort zu gewinnen, vor allem in der Zeit der Nürnberger Prozesse, in der auch unser Tun als Verbrechen gebrandmarkt wurde. Manch einem, so auch mir, blieb die Frage: „Warum hast Du damals geschwiegen?“ Oft habe ich nachgedacht, was eine Diktatur wohl zusammenhalte. Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass es neben der rohen Gewalt der Machthaber das fehlende Verantwortungsbewusstsein der Menschen sei, die tatenlos einer solchen Entwicklung zusehen oder sie gar aus Bequemlichkeit noch begrüßen.
So stand ich eines Tages wieder in Jena – unser Werk war „volkseigen“ geworden! Zunächst an der Drehbank, dann am Werktisch. Trotz mancher Abkapselung und meiner Resignation, wollte in mir der Vorwurf nicht stumm werden: „Ist das deine ganze Konsequenz? Warum schweigst auch du? Bist auch du feige? Willst du wieder mitschuldig werden?“
Es wurde der erste „Betriebskollektiv-Vertrag ***“ der Belegschaft vorgelegt: Es war ein Eingriff in unsere Rechte als Zeissianer. Als ich als Delegierter unserer Abteilung diesen Vertrag bejahen sollte, als „Aufklärer“ uns mit Druck und Drohungen zwingen wollten, diesen Vertrag anzunehmen, da fand sich ein Kreis von aufrechten Menschen, die – gestützt auf die Stimmen ihrer Betriebskameraden – den Mut und die Verantwortung aufbrachten, diese Vergewaltigung abzulehnen.
*** Der Betriebskollektiv-Vertrag (BKV) wurde in der DDR seit 1951 jährlich auf der Grundlage des Betriebsplans zwischen dem Betriebsleiter und der Betriebsgewerkschaftsleitung (BGL) in allen Betrieben, in denen eigene Betriebsgewerkschaftsorganisationen bestanden, abgeschlossen. Er sollte dazu beitragen, die Planaufgaben zu erfüllen und gezielt zu überbieten sowie die Arbeits- und Lebensbedingungen der Beschäftigten zu verbessern.
Wenig später wurde ich als „Gewerkschaftsgruppenorganisator“ der Abteilung „Ophtalmo“ von meinen Arbeitskameraden gewählt. Damit begann der Kleinkrieg um vernünftige Normen, Ferienplätze, Zuteilung von Schuhen und Arbeitsanzügen; es begannen die Auseinandersetzungen mit ABL und BGL*** (***Abteilungsgewerkschaftsleitung in Großbetrieben Betriebsgewerkschaftsleitung). Immer größer wurde die Kluft zwischen den Wortender Machthaber und den harten Realitäten im Land der 17 Millionen Deutschen, die keine Deutschen mehr sein sollten. Walter Ulbricht verkündete den Weg zum „Sozialismus“ *** (*** ist eine politische Weltanschauung, die darauf abzielt, eine solidarische Gesellschaft zu schaffen, in der die Grundwerte Freiheit und Gleichheit verwirklicht werden.) Ein Schritt nach dem anderen machte das Leben qualvoller, ließ uns immer mehr unsere Rechtlosigkeit in einem sowjetischen Satellitenstaat erkennen. Und der Bogen, allzu straff gespannt, zerbrach:
Am 11. Juni 1953 wurde der neue Kurs verkündet. Eine Fülle von Vergehen wurde zugegeben und auf untere Organe die Verantwortung dafür abgewälzt; unter dem Eindruck des geschlossenen Widerstandes der Arbeitnehmerschaft wurden Versprechungen gemacht, die allen Hohn sprechen, was wir erlebt hatten.
Am 16. Juni 1953 abends hörte ich von dem Protestmarsch der Arbeiter in der Stalinallee. Mit Normenforderungen fing es an. Aber der jahrelange angestaute Druck ließ die Menschen, nachdem sie einmal aus ihrer Resignation herausgerissen waren, offen auf den Straßen Berlins demonstrieren. Die Normenforderungen, die der Ausgangspunkt der Demonstrationen waren, schlugen in politische Forderungen um:
- Gesamtdeutsche Wahlen
- Wiedervereinigung in einem Deutschland des Rechtes und des sozialen Ausgleichs
- Neuwahl der Regierung
- Herabsetzung der HO-Preise *** das staatliche Einzelhandelsunternehmen Handels-Organisation kurz HO genannt
- Hebung des Lebensstandards
- und dann der Schrei nach Freilassung der zu Tausenden hinter grauen Mauern eingekerkerten politischen Gefangenen
An diesem Tag saßen wir bis in die tiefe Nacht am Radio, bangend, hoffend. All das beschäftigte uns am anderen Morgen beim Gang zur Arbeit. Wenige Minuten nach dem Klingelzeichen trafen sich die Gewerkschaftsgruppenorganisatoren der MBL (Metallarbeiter-Betriebsleiter) ***. Als wir bei unserem ABL-Vorsitzenden waren, um Klarheit über die Normenfrage zu erhalten – es war für den VEB (Volkseigener Betrieb)*** eine 10%ige Normenerhöhung angesetzt worden – kam der Betriebsleiter dazu: „Meine Herren, in der gesamten Montage wird gestreikt. Gehen Sie in Ihre Abteilungen und sorgen Sie dafür, dass die Arbeit wieder aufgenommen wird!“ Es wurde uns versprochen, die anstehenden Fragen in einer Werkleiterbesprechung zu klären, weshalb wird dann in unsere Abteilungen gingen. Aber es kam nur zu einer Berichterstattung über die Besprechung. Als ein Betriebsleiter in der Nachbarabteilung überraschen auftauchte, da strömte alles dorthin. Zwischen den Werkbänken stehend und auf ihnen sitzend hörten wir die Aufforderung „Ruhe zu bewahren“ und die Arbeit wieder aufzunehmen. Aber das dumpfe Schweigen schlug plötzlich in zornige Erregung um, als der Sekretär der Betriebsparteiorganisation sprach und dabei die sogenannte DDR als „Arbeiter- und Bauernstaat“ bezeichnete. Dieses Wort, diese dreifache Lüge riss alle meine inneren Schranken nieder. Ich jagte ihn von seinem Platz und forderte meine Arbeitskollegen auf, sich anzuschließen an die Front der Arbeiter in der Stalinallee, sich solidarisch zu erklären mit ihren Forderungen auf Freiheit und mit uns um 10 Uhr auf dem Marktplatz zu demonstrieren, dass sie nicht allein seien, die die Freiheit verlangten, sondern dass alle Arbeiter in der sowjetischen Besatzungszone geschlossen hinter diesen Forderungen stünden. Um 9:30 Uhr waren wir dann auf dem Fabrikhof. Aber es hatte keiner den Mut, diese Masse in Bewegung zu setzen. So kletterte ich auf eine Baubude, die in der Mitte stand, und rief von dort nochmals zur Demonstration für freie Wahlen auf, zu einer Demonstration gegen all die Dinge, die es zu beseitigen galt. Am Schluss meiner Rede fiel mein Blick auf die Fenster, hinter denen ich mit meinem Freund oft genug über Probleme der Zeit diskutiert hatte und dann rief ich plötzlich: „Denkt an die politischen Gefangenen!“
Was dann geschah, kann nur der verstehen, der es miterlebt hat: Jena gehörte uns, kein Volkspolizist, keine Partei, nichts stellte sich uns in den Weg, als wir durch die Stadt zogen. Weg war der Spuk der vergangenen acht Jahre. Arbeiter und Angestellte in blauen Kitteln oder weißen Mänteln verließen die ehemaligen Zeiss-Werke. Uns schlossen sich an die Bauarbeiter, die vielen Menschen, die an diesem Tage, getrieben von einer inneren Unruhe, auf den Straßen waren, der halbnackte Kohlentrimmer mit seiner Schaufel wie der Geschäftsmann, der sich noch vor der Enteignung hatte retten können. Alle, alle waren wir einig, diesem, auf Befehl Moskaus begonnenen Weg ein Ende zu bereiten.
Doch nun geschah etwas Unvorhergesehenes. Das Feuer der Begeisterung schlug nach der jahrelangen Unterdrückung über:
- Es flogen die Transparente mit den Bildern der sowjetischen Machthaber
- und die Bilder ihrer deutschen Handlanger in den Staub,
- die Untersuchungshaftanstalt wurde aufgebrochen,
- die Glocken der Stadtkirche läuteten und riefen.
- Studenten verließen die Hörsäle und stießen zu uns
- Die Geschäftsstellen der Parteien
- Und des FDGB wurden gestürmt
- Und auf den Straßen türmten sich fußhoch die Broschüren, die plötzlich keine Parolen, nur noch Makulatur waren
- In dem Gebäude des Staatssicherheitsdienstes wurden Akten gefunden. Wenige Augenblicke später waren sie in einem Auto verladen und wurden weggefahren
Da geschah es. Um 13 Uhr rückten die ersten sowjetischen Panzer in die Stadt. Verhaftungen, Schüsse, Schreie und am nächsten Morgen Anschläge überall. Faschisten und Verbrecher seien wir gewesen. Alfred Diener *** war von einem sowjetischen Standgericht zum Tode verurteilt worden. Aus ihren Löchern, in die sie sich voll Todesangst wie Ratten verkrochen hatten, kamen die Bonzen unter dem Schutz der sowjetischen Panzer wieder und führten das aus, was Moskau befahl.
*** Alfred Diener (* 1. Februar 1927 in Jena; † 18. Juni 1953 in Weimar) war ein deutscher Schlosser, der am Aufstand des 17. Juni 1953 in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) teilnahm, durch sowjetische Besatzungstruppen verhaftet und einen Tag später in Weimar zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde.

Zum Gedenken an Alfred Diener am Holzmarkt in Jena (Archiv Müller)

Als Konsequenz – Beendigung des Arbeitsverhältnisses bei Carl Zeiss Jena (Archiv Norkus)
Am 21. Juni 1953 wurde ich verhaftet, von Vernehmung zu Vernehmung verschleppt, aber niemals konnte ich etwas anderes sagen als: „Ich habe es von mir aus getan, niemand gab mir den Befehl; nur mein eigenes Gewissen hatte mich aufgerufen, gegen eine Diktatur Sturm zu laufen, die alles, was wir im nationalistischen Deutschland erlebt hatten, in den Schatten stellte.“ Ich wurde wegen Rädelsführerschaft beim Landfriedensbruch nach § 125 I und II des Strafgesetzbuches zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach 2 ¾ Jahren der grauen Eintönigkeit wurde ich entlassen. Ich floh in die Bundesrepublik Deutschland. Ist das alles vergessen? Wissen die freien Menschen des Westens noch, was Freiheit ist? Wir haben sie nötig, wie der freie Vogel die Luft! Nur, wenn die Freiheit bedroht ist, muss man um sie kämpfen. Wir wollen keine Sklaven sein!

1953: Familie Norkus vlnr.: NN, Mama Ruth, Uwe und Papa Eckhard (Archiv Norkus)
Haftkosten – für diese musste der Häftling aufkommen. Es wurden ihm nach der Haft in der Anstalt Gräfentonna am 29. Februar 1956 folgende Kosten in Rechnung gestellt: „Haftkosten für 397 Tage à 1,50 DM, an denen keine Arbeit geleistet wurde, Summe 595,50 DM, zuzgl. Porto für Kostenrechnung 0,20 DM ergibt eine Gesamtsumme 595,70 DM“

Haftkostenabrechnung für Eckhard Norkus nach verbüßter Haft (Archiv Norkus)
Historisches zum 17. Juni 1953. (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung)
Wie kam es zum Aufstand? Die DDR kämpfte seit ihrer Gründung mit innenpolitischen Problemen. Die hohen Reparationszahlungen an die Sowjetunion belasteten ihre wirtschaftliche Entwicklung. Um dem entgegenzuwirken, beschloss die SED auf ihrer zweiten Parteikonferenz im Juli 1952 den Aufbau des Sozialismus nach sowjetischem Vorbild: Betriebe wurden verstaatlicht, die Landwirtschaft zu Kollektiven zusammengeschlossen. Parallel wurde die Abschottung der DDR vom Westen Deutschlands vorangetrieben. Die Bevölkerung litt im Vergleich zur Bundesrepublik unter Versorgungsengpässen und Lebensmittelrationierungen, da die Regierung den Wiederaufbau des Militärs und der Schwerindustrie der Lebensmittel- und Konsumgüterindustrie vorzog. Allein im Jahr 1952 verließen 182.000 Ostdeutsche die DDR, 1953 waren es bis Ende Mai knapp 186.000. Der DDR-Wirtschaft mangelte es an Arbeitskräften. Die SED-Führung reagierte auf diese ökonomische Krise am 28. Mai 1953 mit einem Beschluss zur Erhöhung der Arbeitsnormen um 10 Prozent. Mehr Arbeit für einen gleichbleibenden Lohn – das rief Unmut bei Arbeiterinnen und Arbeitern hervor, der auch nicht durch die Rücknahme der Normerhöhung am 16. Juni 1953 besänftigt wurde.
Wo gingen die Menschen auf die Straße und wie viele waren es? Der Aufstand fand sowohl in den größeren Städten wie Ost-Berlin oder Leipzig, als auch auf dem Land statt. Bereits ab dem 12. Juni 1953 zeigten Teile der Landbevölkerung öffentlich Unmut über die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG). Am 15. und 16. Juni streikten Arbeiterinnen und Arbeiter auf Großbaustellen in Ost-Berlin. Für den darauffolgenden Tag riefen sie zum Generalstreik auf. Immer mehr Menschen schlossen sich an, um ihre Unzufriedenheit über die herrschenden Zustände zu äußern. Insgesamt beteiligten sich rund eine Millionen Menschen in über 700 Städten und Gemeinden der DDR an den Demonstrationen und Streiks. Die stärksten Streikbewegungen konzentrierten sich auf die Industriezentren Halle, Merseburg und Magdeburg sowie auf den Industriebezirk Leipzig und Ost-Berliner Betriebe. Mobilisiert durch die Geschehnisse am 17. Juni 1953 in den Städten kam es bis zum 21. Juni 1953 zu Arbeitsniederlegungen und Austritten aus den LPG in mindestens 302 Dörfern.
Wie wurde der Aufstand beendet? Die sowjetische Besatzungsmacht verhängte am Nachmittag des 17. Juni über 167 der 217 Land- und Stadtkreise den Ausnahmezustand. Damit herrschte Kriegsrecht und die Sowjetunion übernahm die oberste Befehlsgewalt. Demonstrationen und Versammlungen wurden verboten. Mit Hilfe der Volkspolizei schlug das sowjetische Militär die Erhebung gewaltsam nieder. Zwischen 21 und 5 Uhr herrschte landesweit Ausgangssperre. Die Westmächte griffen nicht ein.
Für die Toten des Volksaufstands vom 17. Juni 1953 In Jena gibt es zwei Gedenkorte. Zum einen eine Skulptur in der Rathauspassage und zum anderen eine Tafel am Gebäude der Sparkasse am Holzmarkt.
Link: Die Toten des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 | Der Aufstand des 17. Juni 1953 | bpb.de
- 34 Demonstranten, Passanten und Zuschauer wurden am 17. Juni und den Tagen danach (bis zum 23. Juni) von Volkspolizisten und sowjetischen Soldaten erschossen bzw. starben an den Folgen der ihnen zugefügten Schussverletzungen
- fünf Männer wurden von Instanzen der sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland zum Tode verurteilt und hingerichtet
- zwei Todesurteile wurden von DDR-Gerichten verhängt und vollstreckt
- vier Personen starben in Folge menschenunwürdiger Haftbedingungen
- vier in Zusammenhang mit dem Juni-Aufstand Festgenommene begingen in der (Untersuchungs-)Haft Selbstmord, wobei zumindest in zwei Fällen Fremdeinwirkung nicht auszuschließen ist
- ein Demonstrant verstarb beim Sturm auf ein Volkspolizei-Revier an Herzversagen
- fünf Angehörige der DDR-Sicherheitsorgane wurden getötet: zwei Volkspolizisten und ein MfS-Mitarbeiter bei der Verteidigung eines Gefängnisses von Unbekannten erschossen, ein Mitarbeiter des Betriebsschutzes von einer wütenden Menge erschlagen und ein weiterer Volkspolizist versehentlich von sowjetischen Soldaten erschossen
Fluchtbewegungen aus der DDR von 1953 bis 1961 (Jahreszahl / Anzahl der Geflüchteten / %Satz für unter 25jährige)
| 1953 | 331 390 | 48,7 |
| 1954 | 184 198 | 49,1 |
| 1955 | 252 870 | 49,1 |
| 1956 | 279 189 | 49,0 |
| 1957 | 261 622 | 52,2 |
| 1958 | 204 092 | 48,2 |
| 1959 | 143 917 | 48,3 |
| 1960 | 199 188 | 48,8 |
| 1961 | 207 026 | 49,2 |
Aus dem Amtsblatt Bürger und Gemeinde Oberkochen 1953 bis 1961 aus der Rubrik „Willkommen in unserer Gemeinde“
Zur Erinnerung an alle Mitbürger, die zwischen dem 1953 und 1961 nach Oberkochen kamen, liste ich aus Respekt vor dieser schweren Entscheidung ihre Namen auf. Ich habe mich aber entschlossen, nur die aus Jena aufzulisten, sonst würde es den Rahmen dieses Berichtes sprengen. Intern habe ich aber alle erfasst – von A wie Apolda bis Z wie Zeist. Hinweis: Es konnten nur jene berücksichtigt werden, die sich direkt umgemeldet haben. Personen, die vorher woanders im Westen gemeldet waren, wie z.B. in Bad Antogast oder ähnlichen Orten bzw. in anderen Gemeinden, konnten leider nicht recherchiert werden.
1953 aus Jena 18 + 17 aus anderen Orten (z.B. Ingrid Wöhner aus Ratenow):
- Biel, Gerhard und Anna-Luise
- Dobberstein, Renate
- Eichler, Helmut
- Heckl, Hans
- Kindermann, Walter
- Kratz, Hans
- Lindner, Hans
- Merkl, Annemarie
- Merkl, Dorid
- Merkl, Walter
- Merkle, Gudrun (Kind ?)
- Müller, Edeltraut
- Müller, Ingeborg
- Pleß, Horst
- Tryller, Rotraud
- Wagner, Rolf
- Walter, Gudrun
- Weschke, Bernhard
1954 aus Jena 13 + 16 aus anderen Orten (z.B. Josef, Ernestine und Heidrun Flügel aus Magdeburg):
- Enders, Brigitte
- Graiche, Heinz
- Hädrich, Walter
- Händel, Charlotte
- Händel, Gisela (Kind ?)
- Händel, Jutta (Kind ?)
- Händel, Karl-Heinz
- Helas, Wilhelm
- Junghans, Gerda
- Junghans, Otto
- Noack, Erna
- Sammler, Harald
- Schmidt, Anneliese
1955 aus Jena 64 + 32 aus anderen Orten (Elisabeth, Christoph und Stefan Stumpf aus Heiligenstadt; Richard war schon da):
- Arpert, Roland
- Bauer, Michael
- Bischoff, Max
- Boldnan, Siegfried
- Bufleb, Gerhard
- Buksch, Lothar
- Carl, Dora
- Carl, Kurt
- Carl, Peter (Kind)
- Carl, Wolfgang (Kind)
- Eckartsberg, Bodo (Kind)
- Eckartsberg, Martha
- Faenger, Wolfgang
- Fischer, Willy
- Freundel, Günter
- Fromholz, Erich
- Gerber, Siegfried
- Giesert, Hildegard
- Giesert, Petra
- Giesert, Ute
- Göhring, Dieter
- Haas, Walter
- Haase, Günther
- Hamburg, Hans
- Hamburg, Katharina
- Herbert, Michael
- Höller, Willy
- John, Gerhard
- Katsch, Werner
- Klein, Jürgen
- Köhler, Heinz-Erhard
- Köhler, Kurt
- Kühner, Albin
- Kütschan, Rainer
- Lindner, Margarete
- Lindner, Ellen
- Meichsner, Gerhard
- Meisel, Doris
- Müller, Klaus
- Müller, Kurt
- Palme, Gerda
- Puchta, Gerhard
- Rüthowitz, Max
- Sachse, Dieter
- Sammler, Isolde
- Schiller, Alfred
- Schmittinger, Bernhard
- Schrumpf, Borchert (Kind)
- Schrumpf, Günther (Kind)
- Schrumpf, Kurt
- Schrumpf, Lotte
- Seyffarth, Brigitta (Kind)
- Seyffarth, Elsa
- Susaneck, Heinz
- Thierig, Arno
- Tröber, Armin
- Tyrolf, Walter
- Uschner, Erich
- Vogt, Dieter
- Vogt, Konrad
- Wagenknecht, Ernst
- Weber, Fritz
- Weber, Klaus (Kind)
- Welsch, Ludwig
- Wetzig, Margarete
- Wetzig, Rita (Kind)
- Wötzel, Günther
- Würfel, Walter
- Zöllner, Jörg-Peter
- Zothe, Gertrud
1956 aus Jena 110 + 50 aus anderen Orten (z.B. Ursula und Sabine Meinert aus Rudolstadt; Hermann war schon da und Uwe kam später)
- Abel, Heinrich
- Abel, Jürgen (Kind)
- Abel, Margot
- Abel, Ritha (Kind)
- Barthel, Frieda
- Baumgarten, Helga (Kind)
- Baumgarten, Liesbeth
- Bischof, Dora
- Blässig, Thea
- Blobel, Heinrich
- Borrmann, Dieter
- Brand, Gisela
- Ditschler, Fritz
- Dömel, Friedrich
- Dorfmüller, Werner
- Eberth, Dieter
- Eilenberger, Alma
- Fechner, Brigitte
- Fechner, Dieter
- Fechner, Reinhold
- Fischer, Renate
- Fischer, Wolfgang Klaus
- Franke, Margit
- Fromholz, Helmut (Kind)
- Fromholz, Johanna
- Glatte, Frieda
- Göring, Ewald
- Göttermann, Christiane (Kind)
- Göttermann, Heidrun
- Göttermann, Lena
- Göttermann, Wieland (Kind)
- Grohmann, Rudolf
- Gumpert, Margarete
- Henne, Erika
- Hesse, Gudrun
- Hofmann, Else
- Hofmann, Georg
- Hofmann, Rüdiger (Kind)
- Hurrle, Dietmar (Kind)
- Hurrle, Gertrud
- Hurrle, Joseph
- Jungk, Gabriele
- Jungk, Gabriele (Kind)
- Jungk, Horst (Kind)
- Jungk, Otto
- Kahaun, Irmgard
- Keiner, Klara
- Keiner, Max
- Kienle, Elsa
- Kirstein, Hans
- Kirstein, Helga (Kind)
- Kirstein, Hildegard
- Klee, Hans
- Krause, Lothar
- Krauß, Alfred
- Krumbein, Gabriele (Kind)
- Krumbein, Karl
- Krumbein, Ruth
- Kurth, Günther
- Larras, Willy
- Läser, Hans
- Lehmann, Irene (Kind)
- Lehmann, Katharina
- Lehmann, Wilfried
- Meder, Rosel
- Meichsner, Helga
- Meißner, Gudrun
- Michaelis, Ursula
- Mildner, Alois
- Mittelstädt, Charlotte
- Mittelstädt, Gertrud
- Mondon, Herbert
- Müller, Magdalena
- Müller, Rudolf
- Neuendorf, Edith
- Petzold, Fritz
- Pfanstiel, Hildegard
- Pfanstiel, Werner
- Pröschild, Günther
- Röder, Bernd (Kind)
- Sailer, Peter
- Scheiding, Karl
- Schorcht, Walter
- Schröder, Alfred
- Schulze, Martin
- Schwimmer, Werner
- Siegmund, Dieter
- Stamm, Else
- Stiebritz, Hans
- Thierig, Dora
- Truckenbrodt, Claus
- Vierling, Christa
- Waldmann, Heinz
- Weigl, Rosemarie
- Weingärtner, Vinzenz
- Werner, Wolfgang
- Wientzek, Georg
- Wientzek, Irmgard
- Winkler, Gertrud
- Wosch, Harald (Kind)
- Wosch, Helga
- Wosch, Rolf
- Zothe, Marie
- Zothe, Walter (Kind)
- Zuppa, Helena
- Zuppa, Karin (Kind)
- Zuppa, Oskar
1957 aus Jena 106 + 32 aus anderen Orten (z.B. Eberhard Mehlhorn aus Saalfeld):
- Baumgarten, Brigitte
- Bell, Doris
- Bolze, Lothar
- Brake, Ute
- Clemen, Gerda
- Clemen, Herbert
- Clemen, Hubert (Kind)
- Decker, Brigitte
- Decker, Wolfram (Kind)
- Dömel, Helga
- Dömel, Karin (Kind)
- Dömel, Siegfried (Kind)
- Eigenbrandt, Urda
- Elfner, Hans
- Erdmann, Nathanael
- Fiedler, Luzie
- Fischer, Hildegard
- Freitag, Bernhard (Kind)
- Freitag, Gerda
- Gabriel, Hans-Peter
- Geiling, Heinz
- Geißler, Helga
- Geißler, Thomas (Kind)
- Görbing, Erich
- Görbing, Ruth
- Göring, Helga (Kind)
- Göring, Hildegard
- Göring, Karin (Kind)
- Gottwaldt, Dieter
- Gottwaldt, Günther
- Gretzki, Heinz
- Grohmann, Hans
- Grunert, Christa (Kind)
- Grunert, Elisabeth
- Grünert, Heinz
- Helmich, Günther
- Hendel, Johanna
- Heselich, Bernd (Kind)
- Heselich, Ilse
- Heyduk, Gisela
- Hollmann, Anna
- Hollmann, Siegfried
- Hommel, Gertrud
- Hommel, Jörg (Kind)
- Hommel, Ursula (Kind)
- Kämmerzell, Fritz
- Köhler, Wilfried
- König, Anneliese
- König, Heidemarie (Kind)
- König, Peter (Kind)
- Koppe, Ruth
- Kuczera, Evelyne
- Kuczera, Lydia
- Kuczera, Ursula
- Kurtz, Rosemarie
- Landgraf, Christa
- Lärz, Annie
- Lärz, Uwe (Kind)
- Lärz, Werner
- Läser, Bodo (Kind)
- Läser, Helga
- Läser, Hildegard
- Limbecher, Heinz (Kind)
- Limbecher, Margarete
- Majanek, Barbara (Kind)
- Majonek, Inge
- Maul, Margit
- Müller, Erich
- Oeser, Renate
- Pfanstiel, Christine
- Pröschild, Alfred
- Rehe, Elfriede
- Rehe, Klaus (Kind)
- Rehe, Monika (Kind)
- Reinhardt, Lisa
- Rote, Gerda
- Rüdiger, Siegfried
- Schmidt, Dieter
- Schreiber, Otto
- Schulze, Ruth
- Schulze, Werner (Kind)
- Schulze, Wolfgang (Kind)
- Schürer, Helga
- Siegmund, Bernd (Kind)
- Siegmund, Hilde
- Sippach, Marga
- Sippach, Otto
- Sippach, Wolfgang (Kind)
- Straube, Christa (Kind)
- Straube, Marga
- Straube, Max
- Straube, Regina (Kind)
- Straube, Stephan (Kind)
- Trentzsch, Barbara (Kind)
- Trentzsch, Christine (Kind)
- Trentzsch, Heinz
- Trentzsch, NN
- Trentzsch, Ursula
- Weber, Alma
- Weber, Marta
- Weber, Wolfgang
- Werner, Harald
- Werner, Jürgen
- Woitalla, Anneliese
- Woitalla, Regina (Kind)
- Woitalla, Volker (Kind)
1958 aus Jena 21 + 11 aus anderen Orten (z.B. Heinz, Hertha und Carmen Gäbler aus Dresden)
- Baumann, Wilhelm
- Buschak, NN
- Geschke, Fritz
- Gottwaldt, Lisbeth
- Heselich, Barbara (Kind)
- Hofmann, Doris
- Kämmerzahl Roswitha (Kind)
- Kämmerzahl, Frieda
- Kirchner, Günther
- Kötschau, Peter
- Kurtz, Brigitte
- Nolau, Dieter
- Nolau, Theda
- Scheiding, Elfriede
- Scheiding, Hannelore (Kind)
- Schlönvoigt, Doris
- Schulz, Anna Maria
- Schulz, Elfriede
- Szymanczak, Therese
- Vogt, Gisela
- Vogt, Rudolf
1959 aus Jena 20 + 17 aus anderen Orten (z.B. Hermann Lissner aus Maua)
- Berger, Jörg
- Burghardt, Lothar
- Gräbner, Horst
- Gräbner, Ines
- Gräbner, Michele (Kind)
- Greifzu, Volker
- Haag, Gertrud
- Hartung, Peter
- Langguth, Anna
- Rosenfeld, Anny
- Rosenfeld, Wolfgang (Kind)
- Roß, Christa
- Ruprecht, Ulrich
- Seedorf, Walter
- Spengler, Hans
- Strauch (Jürgen)
- Strauch, Charlotte
- Weber, Günter
- Ziesche, Helmut (Kind)
- Ziesche, Johanna
1960 aus Jena 13 + 30 aus anderen Orten (z.B. Alfred und Gertrud Zimmermann aus Pößneck)
- Dresselt, Horst
- Fechner, Bernd
- Fechner, Regina
- Grün, Elsa
- Hendrich, Ralf-Lothar
- Krüger, Frieda
- Lange, Lisbeth
- Reichelt, Helmut
- Sange, Charlotte
- Szymanczak, Hedwig
- Szymanczak, Roman,
- Triemer, Fritz
- Triemer, Marie
- Vogt, Reiner
1961 aus Jena 35 + 23 aus anderen Orten (z.B. Hans-Jürgen Kresse aus Halle)
- Ahl, Karl
- Arendt, Hannelore (Kind)
- Arendt, Margot
- Eilenberger, Rolf
- Eilenberger, Waltraud
- Elze, Bernd Rainer
- Elze, Dietmar
- Elze, Erika
- Elze, Thomas (Kind)
- Hirtz, Lisbeth
- Kisser, Erika
- Kriese, Hans
- Lanke, Siegfried
- Letsch, Heinz
- Liersch, August
- Liersch, Marie
- Luschnig, Oskar
- Maier, Erna
- Mauersberger, Gisela
- Mauersberger, Rainer
- Mauersberger, Rita (Kind)
- Mauersberger, Thomas (Kind)
- Mauersberger, Udo
- Meier, Karl
- Merker, Rolf
- Pitzel, Paul
- Popp, Siegmund
- Rabis, Max
- Richsteig, Gerd Robert
- Rub, Lothar
- Schönfeld, Rainer
- Schreiber, Bernd
- Steinhauer, Udo
- Tänzer, Lothar
- Vogt, Jutta
- Wagner, Helga
Rund 4,5 Millionen Menschen flüchteten seit der Gründung der DDR im Jahr 1949 bis zu ihrem Ende 1990 in die Bundesrepublik. Bereits nach dem Mauerfall konnte ein weiterer enormer Wechsel von Ost- nach Westdeutschland verzeichnet werden. Innerhalb von 25 Jahren nach der Wende sind rund 1,8 Millionen Menschen von Ostdeutschland in den Westen gezogen.
Das war's aus Jena. Warum es eigentlich nicht zu einer Partnerstadt gereicht hat ist mir ein kleines Rätsel - "Billie vom Sonnenberg"