Und? Das ist die kürzes­te schwä­bi­sche Gesprächs­er­öff­nung, die ich kenne und die kein Thema von vornher­ein ausschließt. Albert Holz verwen­de­te sie nicht selten, um ein Gespräch zu begin­nen. Voraus­schi­cken will ich, dass man der Person Albert Holz nicht gerecht werden würde, ihn nur aufgrund seiner Leistun­gen zu würdi­gen. Er war ein Mensch, wir sagen heute oft „oiner vom alta Schlag“ und da gehören einfach Geschich­ten mit und über ihn dazu. Privat war Rosema­rie die Frau an seiner Seite und im „Geschäft“ war Helga Rassel seine jahrzehn­te­lan­ge Sekre­tä­rin. Und so begin­ne ich einfach zu erzäh­len — s wird scho rächt werra. Der Bericht erscheint wegen der großen Auswan­de­rer-Reihe eine Woche vor seinem Geburtstag.

Schon in jungen Jahren fesch angezo­gen. Die junge Frau an seiner Seite möge sich bitte melden, da nament­lich unbekannt (Archiv Müller)

Intro. Albert Holz, ein Oberko­che­ner Kind, das im Brunkel das Licht der Welt erblick­te, Ausbil­dung und sein ganzes beruf­li­ches Leben bei einer Firma durch­lief, für seine Familie in der Katzen­bach­stra­ße ein Haus baute, viele Freun­de hatte und sich bei seinen Kunden großer Beliebt­heit erfreu­te sowie eine enge Bezie­hung zu „seinen“ Vertre­tern hatte. Er war gerne unter Menschen. Sei es unter seinen Freun­den, mit der Kolpings­fa­mi­lie, dem Leitz-Freun­des­kreis, der Bagage, auf Vertre­ter­ta­gun­gen, auf den jährli­chen Messe­ver­an­stal­tun­gen (auf seiner „IHM“ in München und später auf der „HOLZ-Handwerk“ in Nürnberg), bei den Fachver­bän­den und beson­ders unter seinen Kunden.

Famili­en­her­kunft. Sein Eltern­haus finden wir heute noch in der Nähe des Kochers in der Mühlstra­ße 10. Seine Großel­tern waren die Hebam­me „Hefat­tel“ There­sia Holz geb. Elmer *17.5.1876 / †10.5.1970 und Albert August Holz *29.4.1871 / †2.1.1959.

Mit seinem Mitar­bei­ter Claus Dieter Weick beim Tages­ge­schäft (Archiv Müller)

Meilen­stei­ne – beruf­lich und privat

1936 — Am 3. Mai in Oberko­chen geboren

1942 - Einschulung

1950 - Schul­ent­las­sung und Beginn einer 3jährigen Lehrzeit bei Emil Leitz in der Bahnhof­stra­ße 7 als 14jähriger Bub

1953 - Er durfte mit 17 Jahren den Führer­schein machen, weil der ehema­li­ge Geschäfts­füh­rer Karl Kümmer­le aufs Landrats­amt nach Aalen fuhr und dort die Notwen­dig­keit für die Firma erläuterte

1959 — Umzug von der Bahnhof­stra­ße in den Ölwei­her 2 – heute Leitz­stra­ße 2

1959 - Einglie­de­rung Emil Leitz als Vertrieb SÜD in die Firmen­grup­pe Gebr. Leitz

1966 - Hochzeit mir Rosema­rie Barba­ra Honikel

1966 - Geburt der Tochter Petra 

1967 - Ertei­lung der Proku­ra für Emil Leitz sowie später für die neuen Nieder­las­sun­gen Trois­dorf Vertrieb WEST und Biele­feld Vertrieb NORD

1968 - Einzug im neuen Haus in der Katzenbachstraße

1968 - Geburt des Sohns Andre­as „Andi“

1971 - Gesamt­pro­ku­ra für Gebr. Leitz

1975 - 25jähriges Jubilä­um bei Emil Leitz. Ein beson­de­rer Gast war einge­la­den – der erste Kunde, den Albert Holz einst besuch­te – er war wohl auch eine Zeitlang als Vertre­ter unterwegs

1983 - Geschäfts­füh­rer Emil Leitz

1987 - Einwei­hung des Josefs­ka­pel­le unter­halb des Rodsteins. Eine tolle Leistung der „Bagage“

1989 — Fall der Mauer und da musste rasch gehan­delt werden. Abenteu­er­li­che Reisen in spannen­den Zeiten, um neue Service­stel­len und Vertre­ter im Vertrieb SÜD und NORD zu installieren

1990 - 40jähriges Jubilä­um bei Emil Leitz

1990 - Ehren­me­dail­le des Landes BaWü für sein 40jähriges

1990 — Ehren­na­del in Gold für beson­de­re Verdiens­te um das Glaser- und Fensterhandwerk

1996 - Albert-Leitz-Medail­le in Gold. Dem Verneh­men nach war das die erste und wohl auch eine beson­de­re Ausgabe

1999 - Albert verlässt die Firma offizi­ell am 19. Januar. Nach 27 Jahren als Verkaufs­lei­ter Gebr. Leitz und 15 Jahren als Geschäfts­füh­rer Emil Leitz. Emil Leitz – das ist seine Erfolgs­ge­schich­te und „Das Holzfens­ter“ seine Passion

2016 - Der Jahrgang 1936 feiert seine 80er. Jahrgän­ger waren u.a. die verstor­be­nen Paul Tritt­ler, Bruno Balle, Sigrid Schoch, Manfred Fischer, Josef Pavcek, Gerhard Sengtel­ler, Max Trittler

2021 - Am 2 — Mai, einen Tag vor seinem 85sten Geburts­tag, verstarb Albert

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1990 in der Fachpres­se (Archiv Müller)

Erinne­run­gen von seinem Schul- und „Bagage“-Freund Bruno Brand­stet­ter: „Mein Schul­freund in der Volks­schu­le war Willi Sauter, der in Oberko­chen gegen­über meinem Eltern­haus wohnte. Diese Freund­schaft ging 1942 mit dem Ende der Schul­zeit langsam zu Ende. Der neue Freund wurde Albert. Wir gingen mit Bruno Balle in die Kaufmän­ni­sche Berufs­schu­le nach Aalen. Albert ging zu Leitz, Bruno zu Bäuerle und ich zu Edelmann. Wir 3 waren immer zusam­men. Zuerst bei der kath. Schwa­ben­ju­gend und ab 18 bei Kolping in Oberko­chen. Doch nun zu Albert. Er war immer dabei, kein Anfüh­rer, kein Rädels­füh­rer, kein Erfin­der von Strei­chen – aber immer mitge­macht. Eine kleine Geschich­te will ich zum Besten geben:

Es war wohl in der Zeit zwischen 1957 und 1960. Ich nannte einen grünen Lambret­ta-Motor­rol­ler mein Eigen. Auch besaß ich eine Klein­bild­ka­me­ra und ein Foto-Entwick­lungs-Labor. Das Entwi­ckeln und das Erstel­len von Abzügen, die am Schluss zum Trock­nen an einer Schnur aufge­hängt wurden, machte uns viel Spaß. Dann hatten Albert und ich DIE Idee: Wir könnten doch Fotos von Veran­stal­tun­gen und Versamm­lun­gen machen und dazu einen Bericht für die Schwä­Po schrei­ben. Gesagt — Getan. Ran an den Speck. Rasch zu der oder dieser Veran­stal­tung, ein paar Bilder gemacht, einen schnel­len Bericht geschrie­ben und am gleichen Abend noch mit der Lambret­ta nach Aalen zur Redak­ti­on gefah­ren. Das gelang uns aber nur zwei Mal! Beim dritten Mal hieß es bei der Redak­ti­on, dass wir keine Berich­te mehr bringen dürften, da in Oberko­chen der lokale Chefbe­richt­erstat­ter Robert Wolff sei. Tja, am Platz­hirsch kamen wir halt nicht vorbei.

Erinne­run­gen eines ehema­li­gen Mitar­bei­ters:
Umwelt: Bei einem Termin (1974) im Schärf­dienst München-Pasing bei den Herren Sanwald und Nagel entdeck­te Herr Holz auf dem Grund­stück eine dunkle Stelle. Nach Rückfra­ge stell­te es sich heraus, dass hier Enthar­zungs­mit­tel entsorgt wurde. O‑Ton Herr Holz: „Sorgen Sie dafür, dass so etwas nicht mehr gemacht wird, denn ich will wegen solcher Verstö­ße nicht in der Bildzei­tung erscheinen.“

Sozial: Als ich 1982 in viel Eigen­leis­tung mein Haus gebaut habe, hatte Herr Holz viel Verständ­nis dafür, dass ich pünkt­lich Feier­abend machten musste. Nach dieser Zeit hatte er deutlich darauf hinge­wie­sen, dass die Arbeit nun wieder im Vorder­grund zu stehen hat.
Mach mal: Dieser Ausdruck war sehr häufig von ihm zu hören. Was das zu bedeu­ten hatte war oft unklar und mit einem Frage­zei­chen. Als Rentner habe ich Herr Holz gefragt, was er damit eigent­lich sagen wollte. Kurz und knapp antwor­te­te er: „Macht einfach und wenn es schief geht stehen wir zusammen.“

Religiö­se Glaube: Bei der Mitar­bei­ter­aus­wahl stand die Quali­fi­ka­ti­on schon im Vorder­grund, aber der Famili­en­stand und die kirch­li­che Zugehö­rig­keit hatten schon auch ihren Stellen­wert. Nachdem ich einmal den Lebens­lauf eines Bewer­bers vorge­tra­gen hatte, sagte Herr Holz „…und wenn er jetzt noch katho­lisch ist, dann passts.“

Sparsam­keit: Das klang schon in einigen Kommen­ta­ren durch, dass das eine Grund­tu­gend war, auch gepaart mit Humor. Ein Parade­bei­spiel der lusti­gen Art war eine seiner „selbst gebas­tel­ten“ Visitenkarten.

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eine selbst gebas­tel­te sehr spezi­el­le Visiten­kar­te zeigt seinen Humor (Archiv Müller)

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er wird sie hoffent­lich nicht allzu oft angewen­det haben (Archiv Müller)

Als alter Leitz’ler habe auch ich, der „Billie“, einiges mit ihm erlebt:

  • Es war die „Zeit der Assis­ten­ten“. Karl Wirth † hatte Roland Fürst, Manfred Mischak † den Edwin Franz † und Albert Holz den Karl Mühlber­ger. Und so trug sich einst folgen­de Geschich­te zu, die eindeu­tig belegt, dass man bei Leitz durch­aus telepa­thi­schen Fähig­kei­ten einset­zen konnte:

Karl kommt zu mir ins Büro mit den Worten „Du sollst mir die Unter­la­gen geben“. Darauf ich: „Welche Unter­la­gen“ und Karl zog wieder ab. Karl zu Albert: „Der Billie weiß von nichts.“ Albert zu Karl: „Der wois scho!“ Karl stand wieder in meinem Büro und sagte: „Du dätscht scho wissa“. Ich überleg­te kurz, sah meine ganzen Ordner an, zog einen heraus, gab ihn Karl und der ging damit zu Albert, der kurz hinein­schau­te und sagte: „Geht doch!“

  • Im dritten Lehrjahr, ich war inzwi­schen Dispo­nent für den Produkt­be­reich Sägen. Leitz fertig­te damals noch keine Sägen, sondern ich musste das Standard­pro­gramm beim Leuco in Horb und die Sonder­sä­gen bei Wigo in Neres­heim bestel­len. Es war im tiefs­ten Winter Anfang der 70er-Jahre, Albert stürm­te in mein Büro: „Billie! Pack Deine Ordner, wir fahr’n zum Leuco nach Horb. Jetzt!“ Also, der Lehrling Billie nahm alle relevan­ten Ordner mit ins Auto und sortier­te während der winter­li­chen Fahrt über die Schwä­bi­sche Alb auf der Rückbank alle offenen Aufträ­ge, um für das Gespräch gewapp­net zu sein. Wir trafen um die Mittags­zeit in Horb ein und der Verlaufs­lei­ter Horrer empfing uns mit den Worten: „Gehen wir doch erst mal Essen“, worauf Albert entgeg­ne­te: „Noi, I will jetzt meine Säga“. Also kein Essen, statt­des­sen Bespre­chungs­zim­mer. Das Gespräch wogte hin und her, eine Einigung weit und breit nicht zu erken­nen (es stand die Vermu­tung im Raum, dass Leuco die Endab­neh­mer bevor­zug­te und uns als Händler und Konkur­rent bewusst hängen ließ), bis Albert irgend­wann der Kragen platz­te und er ausrief: „Billie! Jetzt sag halt au Mal was!“ Das verschlug dem Lehrling Billie komplett die Sprache. Fazit: Viel Lärm um nichts. Wir nahmen ca. 100 Sägen im Koffer­raum als Good-Will mit und auf der Rückfahrt gab es dann doch etwas zum Essen. Die Lage wurde aber nicht besser. Die Konse­quenz war, dass Leitz dann eine eigene Sägen­fer­ti­gung in Unter­schneid­heim aufbaute
  • Als ich 1978 nach meiner Marine­zeit wieder zu Leitz zurück­kam, führte mich meine erste Geschäfts­rei­se wegen eines 2‑tägigen Seminars nach Stutt­gart-Vaihin­gen. Ich überleg­te am ersten Tag: Fahre ich nach Oberko­chen zurück, um am nächs­ten Tag wieder früh im Hotel zu sein oder bleibe ich über Nacht? Ich entschied mich dafür im Hotel zu bleiben. Als ich dann meine Spesen­ab­rech­nung bei Albert abgab, schau­te er sich das kurz an und sagte: „Das unter­schreib ich Dir nicht, das Zimmer kostet ja mehr, als mein Zimmer bei der Handwerks­mes­se in München“. Oooops – da stand ich nun…
  • Anfang der 80er Jahre war ich mit Albert auf Besuch bei unserer Nieder­las­sung in Trois­dorf und wieder trat Alberts Sparver­hal­ten an den Tag. Wir übernach­te­ten im Canisius-Haus. Ich kam abends auf das Zimmer und dachte mich trifft der Schlag. So ein Zimmer hatte ich bis dahin und auch später auf der ganzen Welt nicht gesehen. Die Tapete hing in Fetzen von der Wand und auch sonst „Zum Verges­sen“ und nachts haben die noch Karne­val gefei­ert – ich bekam kein Auge zu. Erkennt­nis: „Man fährt zwischen Weiber­fast­nacht und Faschings­diens­tag nicht beruf­lich ins Rhein­land“. Und Canisius ist für mich seitdem ein Synonym für übertrie­be­ne Sparsamkeit
  • Einst bekamen wir einen neuen Mitar­bei­ter bei Emil Leitz, der es bis heute versteht, fast so gut wie HaPe Kerke­ling, Leute, Sprachen und Dialek­te nachzu­ma­chen. Bei seiner ersten Weihnachts­fei­er gab er eine Probe seines Könnens ab und die ganze Truppe lachte sich halb tot. Als er gerade ins (Pseudo)Russische wechsel­te, trat Albert ein und war von seinem Mitar­bei­ter sehr beein­druckt und versprach ihm, dass man sich im neuen Jahr unbedingt zusam­men­set­zen müsse, denn ein Mann, der Russisch beherrscht, müsse doch geför­dert werden…..
  • Gehalts­ver­hand­lun­gen bei Emil Leitz liefen Ende der 70er tlw. etwa wie folgt ab. Vertre­ter zu Albert: „Ich habe im Wohnzim­mer eine neue Holzde­cke installiert…..“
  • Früher leite­te ich die jährli­che Inven­tur bei Leitz und bei Karl Kümmer­le lernten wir, dass wir am Samstag großzü­gig zu den Kolle­gen sein sollten, weil sie ja ihre Freizeit dafür herga­ben. Also feier­ten wir nach der Inven­tur eine Grill­par­ty mit Bier und Steaks am Ölwei­her. Unser Ferien­ar­bei­ter Wolfgang Seitz (leider viel zu früh verstor­ben) fuhr mit dem Moped nach der Party nach Hause und sah wohl am Linden­brun­nen mehr als einen Baum und fuhr gegen einen der drei und brach sich dabei den Oberschen­kel. Auf die polizei­li­che Frage, wo er denn herkom­me, gab er Auskunft: „Vom Leitz“ und dann nahmen die Dinge ihren Lauf und ich lernte was „Verlet­zung der Aufsichts­pflicht“ heißt. Albert klärte die Sache mit dem Vater von Wolfgang und dem Anwalt Arthur Fischer und ich kam ohne Blessu­ren aus der Nummer heraus. Auch so war Albert – er ließ keine Kühe auf dem Eis, sondern sorgte dafür, dass die Dinge geregelt wurden
  • Albert: „Wilfried Müller? Kenne ich nicht!““ Ach was, das ist der Billie?“ Den kennen wir und mit aus diesem Grund bin ich noch heute als der BILLIE bekannt
  • Als ich mich Ende 1977 nach Marine­zeit und Ausbil­dung zum Organi­sa­tor wieder bei Leitz bewarb, lief Albert zu den alten Kolle­gen bei Emil Leitz und sagte: „Der Billie war doch gut oder? Der kommt wieder!“
  • Das Engli­sche war seine Sache nicht und so bezeich­ne­te er immer das neue Software-Release als Relais. Relais oder Release – was solls – mir dädet scho wisse
  • Und als es in einem heimat­kund­li­chen Bericht über seinen Brunkel ging, war er mit Herzblut dabei

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Das Großraum­bü­ro Emil Leitz und Verkauf Gebr. Leitz in den 70ern – heute befin­det sich dort ein kleines Museum (Archiv Müller). Linke Bildhälf­te Perso­nen vlnr: Claus Dieter Weick, Gustav Jäck, NN, Fritz Matuschek, Georg Sorg, Chris­ta NN verh. Hubel, NN, Marlies Bösner verh. Schubert / Bildmit­te: Karl Mühlber­ger und Gabrie­le Grund­ler / Rechte Bildhälf­te: Conny Betzler verh. Hartmann, Günther Helden­mai­er, NN, vermut­lich Werner Stübing (Archiv Müller)

Albert Holz und seine Vertre­ter. Anton Balle erinnert sich an einen beson­de­ren Abend.

Die folgen­de Geschich­te spiel­te sich im Rahmen der „IHM“ in München ab. Die 80er waren noch rusti­kal. Rauchen in Lokalen war noch erlaubt und von vielen wurde auch noch kräftig gequalmt. Der Humor war mitun­ter noch deftig und die Vertre­ter­schaft der Fa. Emil Leitz hatte schon einige „Hochka­rä­ter“ in ihren Reihen. Albert Holz war Nicht­rau­cher – hat aber in Gesel­lig­keit doch mal gerne eine Kippe „geschnorrt“ und so wurde er an diesem Abend „ausge­sucht“. Die Damen aus dem Messe­ser­vice haben doch tatsäch­lich 1 Zigaret­te mit einem „Ladycra­cker“ (früher sagte man Juden­furz dazu – isch heute vermut­lich schtreng­schtens unter­sagt) präpa­riert. Alle 30 Anwesen­den wussten Bescheid – nur der Haupt­ak­teur nicht. Die präpa­rier­te Zigaret­te wurde so in eine Zigaret­ten­schach­tel gesteckt, dass sie 2 cm heraus­rag­te und beim Griff an die Schach­tel einfach genom­men werden musste. Und so nahmen die Dinge ihren Lauf. Der Gelegen­heits­rau­cher griff zu – nahm ein auf dem Tisch liegen­des Feuer­zeug – zog an der Zigaret­te und sie explo­dier­te wie geplant in seiner Hand. Albert Holz kippte vor Schreck fast vom Stuhl und der ganze Saal tobte vor Lachen. Mit einem „Ihr Saumen­scher“ warf er den Rest der Zigaret­te weg und bestell­te sich auf den Schreck erst mal einen „Under­berg“.

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Bei einer Emil-Leitz-Vertre­ter­ta­gung abends im Gasthof „Pflug“ während der Ehrung des Vertre­ters Günther Schmidt (Archiv Müller)

Auch die KI kennt Albert Holz: Albert Holz war eine prägen­de Persön­lich­keit aus Oberko­chen, die sowohl beruf­lich als auch gesell­schaft­lich tiefe Spuren hinter­las­sen hat.

Beruf­li­cher Werdegang:

  • Er arbei­te­te fast 50 Jahre lang für die Firma Leitz in Oberko­chen, den führen­den Herstel­ler von Präzi­si­ons­werk­zeu­gen für die Holzbearbeitung.
  • Nach seiner kaufmän­ni­schen Ausbil­dung begann er dort im Vertrieb und stieg über die Jahre zum Gesamt­ver­triebs­lei­ter, Proku­ris­ten und schließ­lich Geschäfts­füh­rer auf.

Er war maßgeb­lich am Aufbau der Vertriebs- und Service­ge­sell­schaf­ten betei­ligt und wurde für seine Verdiens­te mit der Albert-Leitz-Ehren­na­del (es war natür­lich die Medail­le) in Gold ausgezeichnet.

  • Albert Holz hatte bei Leitz eine beein­dru­cken­de Karrie­re, aber sie war keines­wegs frei von Heraus­for­de­run­gen. Hier sind einige der größten Hürden, die er laut Berich­ten gemeis­tert hat:
  • Aufbau eines flächen­de­cken­den Vertriebs­net­zes In den 1960er- bis 1980er-Jahren war es eine enorme Aufga­be, die Vertriebs- und Service­ge­sell­schaf­ten in Deutsch­land aufzu­bau­en. Holz war maßgeb­lich daran betei­ligt, neue Stand­or­te wie Trois­dorf (West) und Biele­feld (Nord) zu etablie­ren – inklu­si­ve Perso­nal­auf­bau, Logis­tik und Kundenbindung.
  • Branchen­ver­tre­tung und Messe­ar­beit. Als Beirat in Fachver­bän­den und auf Messen wie der Ligna in Hanno­ver, der IHM in München und der Holz-Handwerk in Nürnberg war er ein gefrag­ter Ansprech­part­ner. Diese Rolle erfor­der­te diplo­ma­ti­sches Geschick, Fachwis­sen und ein gutes Gespür für Branchentrends.

Persön­li­ches Engagement:

  • Albert Holz war tief in der Oberko­che­ner Gemein­schaft verwur­zelt. Er engagier­te sich in der Kolping­fa­mi­lie und war Teil der Freun­des­grup­pe „Bagage“, mit der er unter anderem die Josefs-Kapel­le miter­rich­te­te und pflegte.
  • Er galt als warmher­zi­ger, hilfs­be­rei­ter Mensch, der stets für andere da war. Sein plötz­li­cher Tod im Mai 2021 – kurz vor seinem 85. Geburts­tag – traf viele in der Gemein­de unerwartet.

Ein echtes Oberko­che­ner Urgestein – beruf­lich brillant, mensch­lich geschätzt. Sein Erfolgs­re­zept? Fachli­che Kompe­tenz, strate­gi­sches Denken – und ein echtes Herz für das Handwerk. So die KI!

Seine wichtigs­ten Freun­des­krei­se waren:

Die Kolping-Familie. Im Jahr 2021 wurden Bruno Balle, Bruno Brand­stet­ter, Alois Burkhards­mei­er, Franz Brunn­hu­ber, Albert Holz, Hariolf Seibold und Franz Weber für 65 Jahre Mitglied­schaft ausgezeichnet.

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Im Kreise seiner Kolpings­fa­mi­lie (Archiv Müller)

Die Leitz-Freun­de. Albert Holz, Wim Dissel (Holland), Manfred Dorigo (Itali­en), Hermann Haslau­er (Öster­reich), Hans-Ruedi Neukomm (Schweiz). Die Truppe fuhr jährlich, zusam­men mit den Ehefrau­en, in Urlaub.

Die Bagage. Bruno Balle †, Bruno Brand­stet­ter, Albert Holz †, Rudolf Hug †, Max Tritt­ler † und Franz Weber †. Mit ihnen verbrach­te er gerne seine knapp bemes­se­ne Freizeit.

Spuren? Was Gerd Hubel für Gebr. Leitz Oberko­chen und Helmut Hammer für Gebr. Leitz Unter­schneid­heim waren – das war Albert Holz für Emil Leitz Oberko­chen. Prägend! Emil Leitz ohne ihn? Das konnten wir uns viele Jahre einfach nicht vorstel­len. Er hatte mir mal gesagt: „Beim Leitz geht’s mitun­ter rau zu, aber herzlich“ – und er sorgte dafür, dass das Zweite nicht auf der Strecke blieb.

Nachklang. Im Jahr 1972 fuhren wir anläss­lich eines bemer­kens­wer­ten Lehrlings­aus­flu­ges mit dem Bus Richtung König­see. Wie das früher so war, im hinte­ren Busteil saßen immer die Aufge­dreh­ten und Angesag­ten, und bald stimm­ten wir das Lied von Manue­la „Prost Onkel Albert, mach die Leinen los“ an – wir Lehrlin­ge mochten ihn und dachten auch damals im Bus an ihn. Er war nicht verkopft oder verkrampft – er war authen­tisch: Oiner vom Bronkel, der es geschafft hatte und wir Jungen merkten so etwas. Am Maifei­er­tag 2021 war er noch mit der „Bagage“ in der Josefs-Kapel­le unter­halb des Rodsteins und am nächs­ten Tag, dem 2. Mai 2021, machte er einen Tag vor seinem 85sten Geburts­tag für immer die Leinen los.

Nachtrag: Da er wusste, dass ich viel Zeit in der Schweiz verbrin­ge und dort auch entspre­chen­de Kontak­te habe, gab er mir die Aufga­be, ihn zu infor­mie­ren, sobald sein alter Wegge­fähr­te Hans Ruedi Neukomm verstor­ben sei. Diese Aufga­be konnte ich nicht mehr ausfüh­ren, da Hans Ruedi im 93sten Lebens­jahr am 17. Jan 2022, verstor­ben ist.

Wilfried „Wichai“ Müller – Billie vom Sonnenberg

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