„Bohrermacher“ oder „Bohrerspitzer“ – das waren früher stolze Arbeiter
So nannte man die Arbeiter, die bei uns im 19. Jahrhundert die ersten Bohrer produzierten. Der erste Bohrerfabrikant bei uns war Jakob Christoph Bäuerle. Die sog. Gründerväter dieser Branche waren die Unternehmer
- Jakob Christoph Bäuerle Gründung 1860
- Albert Leitz Gründung 1876
- Jakob Schmid Gründung 1882
- Wilhelm Grupp „Wigo“ Gründung 1890
- August Oppold Gründung 1896
- Karl Wannenwetsch „KWO“ Gründung 1903
- Karl Gold Gründung 1953
Sie alle sorgten dafür, dass Oberkochen, neben Remscheid und Schmalkalden zum Zentrum der Werkzeugherstellung für die Holz- und Kunststoffbearbeitung wurde. Es wurden und werden bis heute in Oberkochen hochmoderne Werkzeuge zum Bohren, Sägen, Fräsen und Hobeln entwickelt. Von den o.g. Firmen hat sich LEITZ zum Weltmarktführer entwickelt und darf im Jahr 2026 sein 150jähriges Jubiläum feiern.
„Bombabeck“ – Heinrich Brammen aus dem Hasengässle 6
Als Ausgebombter kam er nach dem II. Weltkrieg zu uns nach Oberkochen und wurde Nachfolger auf der Bäckerei Wannenwetsch im Kies.
„Bondele“ – Max Wirth aus der Aalener Straße 38
Woher der Name „Bondele“ stammt, war nicht zu ermitteln. In den Unterlagen der ersten Arbeitsgruppe ist nur der Vermerk „Hausname“ zu finden. Eine Nachfrage bei der Familie Wirth führte auch zu keinem Ergebnis. Dafür hat mich Max Andreas Wirth aus dem Dreißental mit reichlich Material zu seiner Familie versorgt.
Dann will ich die Gelegenheit nützen, um die Familie Wirth näher zu beschreiben. Was viele nicht wissen, der Familienname Wirth gehört mit zu den ältesten Namen in Oberkochen:
Johann Balthasar Wirth *1770 in Essingen, gab der Anna Böckle anno 1800 in Oberkochen das Ja-Wort und verblieb am Trauort. Er ist der Sohn des Andreas Wirth und der Dorothea geb. Grupp von Essingen. In der Urkarte von 1830 finden wir im Gebäude 43 (im Bereich der Katzenbachstraße) als Bewohner o.g. Balthes Wirth. Hinweis: Die Karte aus dem Jahr 1830 findet sich Bericht 831.
Er hatte 2 Kinder
- Wilhelm Wirth *1869 †1894 (mehr ist nicht bekannt)
- Johann Michel Wirth
Johann Michel Wirth *1848 †1927 war einmal verwitwet und heiratete erneut. Die erste Ehefrau war Barbara Wirth geb. Maier *1847 †1900. Die zweite Ehefrau war Magdalena Wirth *1860 †1926. Das Wohnhaus befand sich in der Aalener Straße 38.
Er hatte 6 Kinder:
- Maria Grupp geb. Wirth
- Rosine „Rösle“ Borgfeld geb. Wirth
- Pauline Gold, geb. Wirth
- Berta Wirth
- Elisabeth Wirth -> ist nach New York in USA ausgewandert und war dort als Elise Wirth Schrott bekannt
- Max Wirth

Johann Michael Wirth mit seiner Frau Barbara (überlassen von Max Wirth)
Max Wirth *1889 †1965 war gelernter Werkzeugmacher und übernahm die „J.M. Wirth Bohrer und Werkzeugfabrik“ von seinem Vater in der Aalener Straße 38.
Das Gebäude wurde 1982 bei einem Brand zerstört. Auch er war einmal verwitwet und heiratete ein zweites Mal. Die erste Ehefrau war Anna Wirth geb. Kopp *1890 †1934. Die zweite Ehefrau war Anna Wirth geb. Lochstampfer *1905 †1971. Die Aalener Str. 38 war neben der Firmenanschrift auch das Wohnhaus von Max Wirth mit seiner Frau Anna.

Die vier Personen sind vlrn: Anneliese verh. Engelfried, Anna Wirth, Max Wirth, Karl Max Wirth (überlassen von Max Wirth)
Er hatte 3 Kinder:
- Karl Max Wirth *1923 †1990
- Anneliese Engelfried geb. Wirth *1920 †2008 è sie heiratete den Metzgermeister Ernst Engelfried
Das Ehepaar Engelfried hat 10 Kinder
- Gerda Engelfried *1943
- Eberhard Engelfried *1945
- Wolfgang Max Engelfried *1947
- Ernst Engelfried *1948
- Margrit Engelfried *1950
- Werner Engelfried *1952
- Thomas Engelfried *1953
- Anneliese Engelfried *1955
- Judith Engelfried *1956
- Ulf Engelfried *1958
- Albert Wirth *1939 †2009è ist nach Kitchener (Nähe Toronto) in Canada ausgewandert und hat dort mit Ehefrau Helga vier Kinder
- Sabine *1963
- Heidi *1965
- Michael Albert *1967
- Martin Thomas *1968
Karl Max Wirth *1923 †1990 machte bei Gebr. Leitz eine kaufmännische Lehre und wurde später Geschäftsführer der Fa. Max Wirth Maschinenhandel, hatte den Generalvertrieb für Bäuerle-Maschinen und war Mitinhaber der Fa. OKOMA. Im Katzenbach, auf dem heutigen Grundstück der Familie Ebert, befand sich die ehemalige Werkstatt der Fa. Max Wirth Maschinenhandel.
Seine Ehefrau hieß Irma Wirth geb. Grupp *1929 †2017. Die Ehe wurde später geschieden. Danach blieb er unverheiratet.

Karl Max Wirth mit Frau Irma (überlassen von Max Wirth)
Er hatte 1 Kind:
- Axel Friedrich Wirth *1948 †2012
Axel Friedrich Wirth *1948 †2012 heiratete Irma Wirth geb. Litz *1951 und wohnte im Tulpenweg 5. Er war gelernter Kaufmann. Den Beruf erlernte er bei der Fa. KWO (Karl Wannenwetsch Oberkochen). Später wurde er Gründer und Namensgeber der Fa. Axel Wirth Maschinen.
Er und Irma haben zwei Kinder:
- Heike Bäuerle geb. Wirth *1974
Sie ist Verwaltungsangestellte und verheiratet mit Wolfgang Bäuerle *1963. Sie haben 2 Kinder
- Johanna Bäuerle *2001
- Jonas Bäuerle *2001
- Max Andreas Wirth *1977
Max Andreas Wirth *1977 ist geschäftsführender Gesellschafter der Fa. Axel Wirth Maschinen GmbH und ist mit Karin Kratzer-Wirth geb. Kratzer *1965 verheiratet. Sie wohnen in der Dreißentalstraße 38/1.
Er und Karin haben ein Kind:
- Katharina Wirth *2006
Firmengeschichte erzählt von Max Andreas Wirth: 1878 gründete Johann Michel Wirth die „J.M. Wirth Bohrer und Werkzeugfabrik“ und übergab die Firma um 1921 an Max Wirth (leider ist nicht bekannt, wann dies genau war und bis wann die Firma existierte). Es ist überliefert, dass Ende der 20er-Jahre ca. 5 Mitarbeiter beschäftigt waren. Karl Max Wirth gründete die Firma „Max Wirth Maschinenhandel“ nach dem II. Weltkrieg, parallel zu seiner Anstellung bei Adolf Bäuerle. Schwerpunkt war der An- und Verkauf von Gebraucht- und Neumaschinen für die holzverarbeitenden Handwerks- und Industriebetriebe sowie der Generalvertrieb von Bäuerle-Maschinen. Die Partnerschaft mit Bäuerle war über mehrere Jahrzehnte für beide Seiten sehr erfolgreich. Noch heute sehe ich bei Kunden alte Bäuerle-Maschinen mit dem Typenschild meines Opas. Nach seiner Ausbildung bei KWO (Wannenwetsch) stieg Axel Friedrich Wirth bei „Max Wirth Maschinenhandel“ als Angestellter seines Vaters ein. Nach der Insolvenz von Bäuerle im Jahr 1974 übernahm Karl Max Wirth das Firmengelände zusammen mit seinem Partner Kurt Büttner und gründete parallel zu seiner Handelsfirma die „OKOMA“ (Oberkochener Maschinenfabrik) im Jahr 1975. Die „OKOMA“ war auf Grund von Entwicklungsvorsprüngen und Patenten einer der Marktführer von Holzfenster-Fertigungsanlagen. 1983 schied Karl Max Wirth bei der OKOMA aus. Karl Max Wirth ging mit seinem Maschinenhandel nach Ebnat und betrieb in einem kleinen Rahmen bis zu seinem Tod einen Maschinen- und Werkzeughandel. 1983 gründete Irma Wirth die Firma „I. Wirth Maschinenhandel“ und schaffte so die Grundlage für die spätere Firma „Axel Wirth Maschinen“, die im Jahr 1986 gegründet wurde. 1986 bestand die Firma „Axel Wirth Maschinen“ aus 2 Personen und agierte erst vom Adelbert Stifter Weg aus und später aus dem Tulpenweg 5. Im Jahr 2001, bedingt durch eine schwere Erkrankung von Axel Friedrich Wirth fing sein Sohn Max Andreas Wirth als Aushilfe bei „Axel Wirth Maschinen“ an. Nachdem klar wurde, dass eine Nachfolge möglich war, ging es mit der Entwicklung von neuen Maschinen los. Eine große Hilfe war die Erfindung einer Anlage zum Veredeln von Parkett, die im Markt einen sehr guten Anklang fand. 2006 erfolgte dann die Einstellung des ersten weiteren Mitarbeiters, zur Planung, Montage und Inbetriebnahme. Montageräumlichkeiten in der Aalener Str. 76 wurden bezogen. 2009 wurde die „Axel Wirth Maschinen GmbH“ gegründet, die dann kurz vor dem Tod von Axel Friedrich Wirth im Jahr 2012 aktiviert wurde. Seit diesem Zeitpunkt ist Max Andreas Wirth, alleiniger geschäftsführender Gesellschafter. Der Kundenstamm hat sich seit 2014 elementar verändert. Nach dem Rückgang der Nachfrage aus dem Handwerk bzw. der Holzindustrie ging die Entwicklung der Maschinen immer mehr in Richtung Sondermaschinenbau.
Heute sind Beschichtungsmaschinen aus dem Hause Wirth weltweit in vielen Sparten im Einsatz.
Beispielhaft können folgende Brancen genannt werden: Carbonbremsenherstellung, Schuhproduktionen, Statorenbau, Autoindustrie, Baubranche, Möbelindustrie, Kunststofftechnik, Solarplattenindustrie, Kartonagenproduktionen, Glasverpackungen und natürlich immer noch im kleinen Rahmen die Holzindustrie und das Handwerk.…..
„BotJug“ – Otto Krug vom Ahornrain 1
Er war Lehrer am hiesigen (Pro-)Gymnasium. Der Spitznamen setzt sich zusammen aus „Bot“ (französisch Krug) und Jug (englisch Krug). Es gab Zeiten, da waren Schüler sehr kreativ beim Kreieren von Spitznamen.
Er kam mit Familie am 11. April 1960 nach Oberkochen und erhielt damals die 2te ständige Lehrstelle am hiesigen Progymnasium, das damals noch am Turmweg 24 beheimatet war. Geboren wurde er am 7. Februar 1920 in Gamburg a. d. Tauber. Es war ihm wichtig zu erwähnen, dass seine Eltern und Großeltern Bauern und Handwerker waren. Von 1930 bis 1938 besuchte er das Gymnasium in Tauberbischofsheim, das er mit dem Abitur in der Tasche verließ. In der damaligen Zeit schloss sich Arbeitsdienst, Wehr- und Kriegsdienst an, gefolgt von der üblichen Kriegsgefangenschaft. Danach begann er mit dem Studium der Neuphilologie (konkret Französisch, Englisch und Geschichte) an der Universität in Erlangen und 1950 legte er die Staatsprüfung für das höhere Lehramt ab. Als Studienreferendar war er in Heidelberg tätig und als Assessor an einer katholischen Privatschule in Bruchsal. 1953 erhielt er einen Lehrauftrag am Burghardt-Gymnasium in Buchen im Odenwald an der er 1955 zum Oberstudienrat befördert wurde. Im Rahmen einer Familienzusammenführung bat er um Versetzung nach Oberkochen. Er war der erste am Gymnasium, der mit seiner Klasse ein Schullandheim besuchte. Später sollten Studienfahrten nach Rom, Berlin und Prag folgen. Am Aufbau der Schule stand er an vorderster Front und engagierte sich als Personalrat und Betreuer des Rechnungswesens. Die Installation des Sprachlabors geht auf ihn zurück und auch die Partnerschaft mit Dives-sur-Mer brauchte ihn wegen seiner Französisch-Kenntnisse. Auch im Bildungswerk hatte er einige Jahre mitgearbeitet. Beim Abschied, im Jahr 1983, betonte Schulleiter Schrenk, dass die ruhige stille Art und sein Gespür für das Wesentliche im Kollegium vermisst werden würde. Auch sei ihm der Abbau von Rücksichtslosigkeiten und Aggression ein Herzensanliegen gewesen. Sein Französisch war allerdings nicht gerade dazu angetan eine Fremdsprache so zu lernen, dass man damit gut zurechtkam. Wie sagte er einst zu Richard Burger: „Wenn du mal nach Frankreich kommst, sag niemandem, dass du bei mir Französisch gelernt hast.“ Levez vous – Assejez vous – Come to the Blackboard – Some expressions now – das war unser “BotJug” in Französisch und Englisch. Leider ist ihm keine erbauliche Zeit als Pensionär geblieben. Vier Monate nach seiner Pensionierung verstarb er nach kurzer schwerer Krankheit am 2. Dezember 1983. Er war damals schon als Lehrer aus der Zeit gefallen, stand aber immer auf Seiten der Schüler. Hat er mich doch, Ende der 70er, als ich wieder in Oberkochen zurück war, einmal auf einem Fest angesprochen und sich dafür entschuldigt, wie man mit mir 1968/1969 auf dem Gymmi „umgegangen“ sei. Er war da in keiner Weise beteiligt, aber er hat das natürlich im Kollegium mitbekommen. Einfach ein feiner Mensch, der bei mir einen Stein im Brett hatte und ich wohl bei ihm auch.

Lehrer am hiesigen Gymnasium Otto Krug – von den Schülern BotJug genannt (Archiv HVO Ruoff)
„dr Bowang“ – Gibt‘s nemme: Alte Holzmachersiedlung
Zwischen 1718 und 1728 haben vermutlich 5 bis 6 Holzmacherfamilien dort gewohnt. Ab 1733 spielte sich das Holzmacherleben mit weniger Familien wieder auf der „Bilz“ ab, bis sie sich 1740 auflösten. Aus dieser Zeit stammt vermutlich auch der Spruch: „Descht a Waldechter!“ Etwas mehr dazu im alten Heimatbuch auf Seite 359.
„Boxer“ – Harald Müller *1958 †2017 aus der Sonnenbergstraße 34
Bruder von Wilfried „Billie“ Müller. War bis zu seinem frühen Tod im Jahr 2017 Fernsehredakteur beim SWR, verantwortlich für die Sendung „Treffpunkt” und die jährlichen Fastnachtsumzüge; Kollege von Sonja Schrecklein-Faber, die an seiner Beerdigung eine sehr persönliche, treffende Abschiedsrede hielt. Beim SWR war er auch als „Der Mann mit Hut“ bekannt. Er hörte gerne das Lied „The Boxer” von Simon und Garfunkel und sein Name leitet sich wohl davon ab. Er hatte viele Freunde aus dem „Kies“ und diese nahmen auch an der Beerdigung in Holzgerlingen teil. Sportlich ein guter Fußballer und ein begnadeterer Tischtennisspieler, der seine Mannschaftskameraden in Holzgerlingen nicht immer erfreute, weil er zeitweise ohne Training besser spielte als sie mit Training – das mochte man nicht so gerne. Beim SWR nannte man ihn auch „Harry das Wiesel“. Wenn jemand etwas suchte, legte er sofort los und wenn das gesuchte Blatt Papier in einem großen Stapel steckte – Harry zog es in atemberaubender Geschwindigkeit zielsicher hervor. Auch war er ein Kümmerer und damit auch nicht von ungefähr beim Sender gewerkschaftlich engagiert. Seine ersten Filmerfahrungen hat er mit einer Kamera vom Zahnarzt Frank Gebert gemacht. Bei ihm assistierte er auch gelegentlich samstags in der Praxis. Später, während seiner Studienzeit wohnte er auf dem berühmten Österberg in Tübingen im Haus „Stuttgardia“ (das damals fest in Oberkochner Hand war). Da er während seines Studiums Vater wurde, musste er Brötchen verdienen und war an der Tübinger Uniklinik mit der Filmkamera im OP-Bereich dabei, um einzelne Operationen filmisch festzuhalten.
Bemerkenswert: Der Oberkochener Prof. Manfred Muckenhaupt hat 1991 in Tübingen den Aufbaustudiengang „Medienwissenschaft – Medienpraxis“ eingerichtet, aus dem sich das heutige „Institut für Medienwissenschaft“ entwickelt hat. Bei ihm hat „Boxer“ seine erste Ausbildung genossen, die ihn schließlich zum SWR geführt hat. Er wäre gerne in die Sportredaktion beim SWR gegangen, aber da ging ohne Vitamin B bzw. dem richtigen Parteibuch gar nichts und an dem damaligen Sportchef Gerhard Meier-Röhn kam eh keiner vorbei – auch der „Boxer“ nicht. Bevor ich’s vergesse: In der besten Zeit des „Fässles“ unter Horst Lagler bediente er am Wochenende. Damals standen die Jungs und Mädls in 3er Reihen am Tresen und die Gäste kamen sogar von auswärts – denn „s‘ Fässle“ war einstmals Kult.

Der SWR-Fernsehredakteur vom „Treffpunkt“ Harald „Boxer“ Müller – Billie’s Bruder (Archiv Müller)
„Briah“ – dafür lasse mir älles andere standa
„Alde Henna ond alte Kiah, gäbet oft dia beschte Briah“. Eine Sonntags‑, noch besser eine Feschtagssuppe mit Einlagen (et vom Diddel) sondern mit Maultaschen, Grießnockerl, Butter- und Bratklößchen. Aber auch eine gute Flädlesuppe verlangt eine SuperSuppenBrühe. Ein schwäbisches Sonntagsessen ohne Suppe – gatt gar et. Wie hieß es in meiner Kindheit bei uns zu Hause? „Wer viel suppt, lebt lang“ – na denn. Wir werden oft auch „Suppaschwoaba“ genannt.
Hier ist ein einfaches Rezept, um diese köstliche Suppe selbst zuzubereiten:
Zutaten:
- 3 Rinderbeinscheiben
- 2 Zwiebeln
- 2 Karotten
- 1 Knollensellerie
- 1 Lauch
- 4 Liter Wasser
- Salz, Pfeffer, Lorbeerblätter, Wacholderbeeren
- Maultaschen, Grießnockerl, Butterklößchen, Brätklößchen (nach Belieben)
Zubereitung:
- Die Rinderbeinscheiben in einem großen Topf mit Wasser aufkochen und den entstehenden Schaum abschöpfen.
- Zwiebeln, Karotten, Sellerie und Lauch grob schneiden und zusammen mit den Gewürzen in den Topf geben.
- Alles bei niedriger Hitze etwa 2–3 Stunden köcheln lassen, bis eine kräftige Brühe entsteht.
- Die Brühe durch ein Sieb gießen und das Fleisch und Gemüse entfernen.
- Die Einlagen (Maultaschen, Grießnockerl, etc.) in die heiße Brühe geben und kurz ziehen lassen.
„Brot aufschneiden“ – früher bei Oma und Opa
Bei uns zu Hause gab es die üblichen langweiligen Brote wie z.B. Weizenmischbrot. Ein völlig anderes Brot gab es bei Oma in Waldhausen. Ich denke es hatte viel Ähnlichkeit mit dem Altdeutschen Landbrot, das eine traditionelle, deutsche Brotsorte ist, die in der Regel aus Roggen- und Weizenmehl (60:40) hergestellt wird. Es zeichnet sich durch eine kräftige Kruste, eine dunkle Krume und einen herzhaften Geschmack aus. Dieses Brot war supergut. Esse ich heute noch gerne, wenn ich so etwas finde.
Die Hauptmerkmale eines Altdeutschen Landbrotes sind:
- Mehlmischung: Typischerweise wird eine Mischung aus Roggen- und Weizenmehl verwendet, was dem Brot seine charakteristische Textur und seinen Geschmack verleiht.
- Sauerteig: Oft wird Sauerteig als Triebmittel verwendet, was zu einem leicht säuerlichen Geschmack führt, und die Haltbarkeit des Brotes erhöht.
- Kruste: Die Kruste ist meist kräftig und dunkel gebacken, was durch lange Backzeiten bei hoher Temperatur erreicht wird.
- Krume: Die Krume ist dicht, saftig und hat eine dunklere Farbe, die vom Roggenmehl und der langen Fermentation herrührt.
- Aromatischer Geschmack: Der Geschmack ist voll und aromatisch, oft leicht säuerlich durch den Sauerteig.
Grundsätzlich galt bei Mutti und Oma: Mit dem Messer wurde ein dreifaches Kreuz über dem Brot geschlagen, bevor man es vor die Brust setzte und mit dem Messer zur Brust hin die notwendigen Scheiben abschnitt.
„Brot vom Vortag“
Hörte ich als Kind oft beim Bäcker. Warum war das teilweise beliebt? Weil Hausfrauen, die auf das Geld achten mussten, damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlugen: erstens war es billiger und zweitens aßen die ihren zuhause dann nicht so viel – weil frisches Brot viel besser schmeckte. Das kann ich durchaus nachvollziehen, obwohl das bei uns zuhause nicht üblich war, aber in der Pubertät, als ich in einem Jahr 12 cm wuchs, aß ich abends zeitweise 10 bis 12 Wurstbrote, belegt mit Bierschinken vom „Sogas“.
„Brunkel / Bronkel / Brunnquell“ – Ortsteil
Das klingt alt und dunkel und bedeutet wohl „Bronnquell“, also Brunnenquelle. Wir verstehen darunter den Flurbereich eingegrenzt von Bahnlinie, Kocher / Kocherkanal. Die dazugehörigen Straßen sind die verzweigte Mühlstraße, mit Wohlwollen ein kleiner Teil der Bahnhofstraße sowie der Kapellenweg bis zur Röchlingstraße. Früher gehörte sicher auch die alte Kuhsteige dazu, die längst als Viehtriebweg aufs Härtsfeld vergessen wurde, das Gebiet zwischen Bahnlinie und Waldrand, da die Bundestraße B19 in dieser Zeit noch nicht existierte. Der Kapellenweg war wohl ein geschotterter Verbindungsweg zwischen der Kapelle St. Ottilie (Ölberg) und der Wiesenkapelle. Dort befand sich auch eine Quelle, die sich an der Kapelle vorbei in den Kocher ergoss. Bereits 1650 wurde die Ölberg-Kapelle (die der Hl. Ottilie geweiht war, Patronin der Blinden und Helferin bei Augen‑, Ohren- und Kopfleiden) urkundlich erwähnt. Geprägt wurde dieses Viertel durch die Quelle(n), die sumpfigen Wiesen, die Kapellen, den katholischen Friedhof, die Scheerer-Mühle, das Armenhaus, den Baracken (hier sei auf den Bericht 316 von D. Bantel verwiesen, der die damalige Situation anschaulich verdeutlicht) und dem romantischen Teil des Kochers und der umliegenden Obstwiesen. Der Katasterauszug von 1823 zeigt eine sehr dünne Besiedelung, die sich im Laufe der Zeit deutlich änderte.

Ortsteil Brunkel in der Ur-Karte von 1830 (Archiv Müller)
„Bsondere Autos“ – die früher nicht jeder hatte, aber in der Sonnenbergstraße standen bzw. in meiner Härtsfeld-Familie gefahren wurde.
„Messerschmitt“. Der KR 175 (KR steht für Kabinenroller) hatte einen Einzylindermotor mit 173 cm³ Hubraum und 9 PS Leistung von Fichtel & Sachs. Das reichte für eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Der Tagesausstoß lag bei bis zu 80 Fahrzeugen, bei einem Endverkaufspreis von zunächst 2100 DM. Die Produktionszahlen des KR 175 entwickelten sich in den ersten beiden Jahren nach Produktionsbeginn deutlich. Im Jahr 1953 wurden insgesamt 1.609 Fahrzeuge hergestellt, während die Produktion im darauffolgenden Jahr 1954 auf 8.644 Einheiten gesteigert werden konnte.
Anfang 1955 erschien das Nachfolgemodell KR 200 mit 10,2‑PS-Motor (191 cm³) und einer Höchstgeschwindigkeit von etwa 90 km/h. Wie ein Automobil verfügte der KR 200 über drei Pedale (Kupplung, Bremse, Gas) und an der rechten Fahrzeuginnenseite befindet sich der Ganghebel mit „sequentieller“ Ratschenschaltung: nach hinten ziehen = herunterschalten, nach vorn drücken = heraufschalten.
„BMW Isetta“. Das war ein Rollermobil, das die Bayerischen Motorenwerke von 1955 bis 1962 in Lizenz bauten. Der Hersteller bezeichnete das zwischen Motorrad und Auto einzuordnende Fahrzeug als „Motocoupé“. In Italien ließ Renzo Rivolta, der Eigentümer des Kälteanlagen- und Motorradherstellers Iso Rivolta, von den Flugzeugingenieuren Ermenegildo Preti und Pierluigi Raggi ein Rollermobil in ungewöhnlicher Form konstruieren: die Iso Isetta, die 1954 vorgestellt wurde. Wie bei einem Lastensegler klappte man bei diesem Fahrzeug eine große Fronttür auf; Preti hatte während des Zweiten Weltkriegs ein Flugzeug dieser Bauart (Aeronautica Lombarda AL.12) projektiert. Das Lenkrad schwenkte mit der Fronttür nach vorn und zur Seite und auf diese Weise konnte gut in den für zwei Personen ausreichenden Innenraum eingestiegen werden.
Billie: Meine Oma, die Hebamme Babette von Waldhausen, fuhr eine Isetta, aber wenn sie einstieg, hatte fast niemand mehr Platz.
Das Goggomobil (kurz: Goggo) ist ein Kleinstwagen der Hans Glas GmbH in Dingolfing, der von 1955 bis 1969 in verschiedenen Versionen hergestellt wurde. Es war das erste Automobil dieses Herstellers. Als in den 1950er Jahren die Motorradhersteller in eine Krise gerieten, weil die möglichen Kunden zunehmend „ein Dach über dem Kopf“ forderten, entwickelte der Landmaschinenhersteller Glas das Goggomobil. Die ersten Serienfahrzeuge liefen Anfang 1955 vom Band. Es war eine kleine viersitzige Limousine mit einer Karosserie, die sich an herkömmlichen Automobilen orientierte. Laut Werbung bot das Goggomobil vier erwachsenen Personen Platz, der jedoch mit einer Innenraumlänge von etwa 1,60 m zwischen Pedalen und Rücksitzlehne knapp war.
„Buabakaffee“
Der Kolpings-Gedenktag am 4. Dezember (auch Barbaratag) in der katholischen Kirche mit anschließendem „Buaba-Kaffee in dr Gruab“. Damals war es noch Vorschrift, bei der Kommunion nüchtern zu sein (nicht frei von Alkohol, sondern komplett nüchtern wie bei der Blutabnahme). Deshalb war nach dem Kirchgang Frühstück in „dr Gruab“ angesagt. Es gab Malzkaffee und Hefekranz, auf schwäbisch oifach Kranzes. Der Kaffee kam von der „Grube“, der Kranzes von der Bäckerei Geissinger.
„Buabastammtisch“ – Freundeskreis, später auch als „Partyclub“ bekannt
Das ist ein gewachsener Freundeskreis, welcher seinen Ursprung im hiesigen Kindergarten am Wiesenweg hat. Dazu Ludwig Burghard: „Wir waren seinerzeit Jahrgänger 1947/48. Es gesellten sich während der Schul‑, Lehr- und Studienzeit einige gute und gleichgesinnte Kameraden dazu. Ergänzt wurde der Buabastammtisch schließlich noch durch Freunde aus den Fußballvereinen FCO und TVO und auch durch die Geschwister von Freunden und letztendlich freilich durch deren Ehepartner. Unser Kreis wuchs somit auf ca. 25 Mitglieder (ohne Ehegatten) an, wobei sich die Spanne der Jahrgänge zwischen 1947 und 1952 bewegt. In Zeiten der Ehelosigkeit waren laufend Partys auf dem Wochenendprogramm angesagt, welche meist im Untergeschoß vom alten Schulhaus in Oberkochen stattfanden, in welchem mein Vater ja der Hausmeister war. Ein Zaungast hatte einst diese Veranstaltungen zu Ohren bekommen und betitelte uns somit als „Partyclub“, worauf wir als dieser weiterhin genannt wurden. Sturm- und Drangzeiten sind liegen inzwischen unvergessen hinter uns und wir feierten später gemeinsam die Hochzeiten unserer Freunde und bis heute die jeweiligen volle Geburtstage“. Mehr dazu in einem Bericht (ohne Nummer) vom Huga-Paule aus dem Jahr 2016.

dr Buabastammtisch, Vorgänger des späteren „Partyclubs“, im Kindergarten Wiesenweg (Archiv Burghard) Vlnr: Reinhold Bahmann, Arthur Hügler, Peter Rütsche, Georg Brunnhuber, Willibald Grupp, Paul Grupp, Clemens Grupp, Ludwig Burghard
„Bürgermeister Boschs Alpträume – gefunden in einer Amtsblattausgabe des Jahres 1953
Der Mann hatte viele Eigenschaften und neben seinen schriftstellerischen Fähigkeiten durchaus auch eine humoristische Seite:
„Auf meinen Spaziergängen rufen sie mich an, und in schlaflosen Nächten umstehen sie in Alpträumen mein Lager wie der Chor in der griechischen Tragödie – überwiegend freundlich bittend, mitunter ungestüm fordernd, in einigen Exemplaren heimlich und offen mit Schreien auf den Kothurnen vermeintlicher Rechte alter und neuer Art wie Riesen drohend: Die Anlieger nämlich der
- Gartenstraße
- Der vom ev. Friedhof bis zum alten Sportplatz auszubauender Katzenbachstraße
- Der oberen Dreißentalstraße
- Der Volkmarsbergstraße
- Des Turmweges
- Der Blumenstraße
- Der Mühlstraße
- Des Kapellenwegs
- Der Sonnenbergstraße
- Der Weingartenstraße
- Des Panoramawegs
- Der Brunnenhaldestraße
- Des Zeppelinwegs
- Des Feigengässles, Schreinergässles, Wiesenwegs und der Pfluggasse
- Der Keltenstraße, des Jägergässles sowie Hasen- und Kronengässles
- Der ganzen Vogelschar im Dreißental
Eine halbe Million DM würde knapp hinreichen, um das unvergleichlich rasch angewachsene Dorf in seinen Straßen einem Industriestädtchen ähnlich zu machen. Der Fragesteller verzeihe es mir daher, wenn ich ihm den gewünschten Zeitpunkt der Sonnenbergstraße nicht nennen kann. Ich verzichte auch darauf, ihn mit dem Kanzleitrost der verflossenen Militärregierungen abzufinden „I’ll see what I can do for you!“ Der Fragesteller möge dem Gemeinderat vertrauen, dass er bei möglichster Schonung des Geldbeutels der Steuerzahler die rechte Reihenfolge zur rechten Zeit findet.“
dr Bruder vom „Boxer“ – „Billie vom Sonnenberg“