Bohrer­ma­cher“ oder „Bohrer­spit­zer“ – das waren früher stolze Arbei­ter
So nannte man die Arbei­ter, die bei uns im 19. Jahrhun­dert die ersten Bohrer produ­zier­ten. Der erste Bohrer­fa­bri­kant bei uns war Jakob Chris­toph Bäuerle. Die sog. Gründer­vä­ter dieser Branche waren die Unternehmer

  • Jakob Chris­toph Bäuerle Gründung 1860
  • Albert Leitz Gründung 1876
  • Jakob Schmid Gründung 1882
  • Wilhelm Grupp „Wigo“ Gründung 1890
  • August Oppold Gründung 1896
  • Karl Wannen­wetsch „KWO“ Gründung 1903
  • Karl Gold Gründung 1953

Sie alle sorgten dafür, dass Oberko­chen, neben Remscheid und Schmal­kal­den zum Zentrum der Werkzeug­her­stel­lung für die Holz- und Kunst­stoff­be­ar­bei­tung wurde. Es wurden und werden bis heute in Oberko­chen hochmo­der­ne Werkzeu­ge zum Bohren, Sägen, Fräsen und Hobeln entwi­ckelt. Von den o.g. Firmen hat sich LEITZ zum Weltmarkt­füh­rer entwi­ckelt und darf im Jahr 2026 sein 150jähriges Jubilä­um feiern.

„Bomba­beck“ – Heinrich Brammen aus dem Hasen­gäss­le 6
Als Ausge­bomb­ter kam er nach dem II. Weltkrieg zu uns nach Oberko­chen und wurde Nachfol­ger auf der Bäcke­rei Wannen­wetsch im Kies.

„Bonde­le“ – Max Wirth aus der Aalener Straße 38
Woher der Name „Bonde­le“ stammt, war nicht zu ermit­teln. In den Unter­la­gen der ersten Arbeits­grup­pe ist nur der Vermerk „Hausna­me“ zu finden. Eine Nachfra­ge bei der Familie Wirth führte auch zu keinem Ergeb­nis. Dafür hat mich Max Andre­as Wirth aus dem Dreißen­tal mit reich­lich Materi­al zu seiner Familie versorgt.
Dann will ich die Gelegen­heit nützen, um die Familie Wirth näher zu beschrei­ben. Was viele nicht wissen, der Famili­en­na­me Wirth gehört mit zu den ältes­ten Namen in Oberkochen:

Johann Baltha­sar Wirth *1770 in Essin­gen, gab der Anna Böckle anno 1800 in Oberko­chen das Ja-Wort und verblieb am Trauort. Er ist der Sohn des Andre­as Wirth und der Dorothea geb. Grupp von Essin­gen. In der Urkar­te von 1830 finden wir im Gebäu­de 43 (im Bereich der Katzen­bach­stra­ße) als Bewoh­ner o.g. Balthes Wirth. Hinweis: Die Karte aus dem Jahr 1830 findet sich Bericht 831.
Er hatte 2 Kinder

  1. Wilhelm Wirth *1869 †1894 (mehr ist nicht bekannt)
  2. Johann Michel Wirth 

Johann Michel Wirth *1848 †1927 war einmal verwit­wet und heira­te­te erneut. Die erste Ehefrau war Barba­ra Wirth geb. Maier *1847 †1900. Die zweite Ehefrau war Magda­le­na Wirth *1860 †1926. Das Wohnhaus befand sich in der Aalener Straße 38.
Er hatte 6 Kinder: 

  1. Maria Grupp geb. Wirth 
  2. Rosine „Rösle“ Borgfeld geb. Wirth 
  3. Pauli­ne Gold, geb. Wirth 
  4. Berta Wirth
  5. Elisa­beth Wirth -> ist nach New York in USA ausge­wan­dert und war dort als Elise Wirth Schrott bekannt
  6. Max Wirth

Johann Micha­el Wirth mit seiner Frau Barba­ra (überlas­sen von Max Wirth)

Max Wirth *1889 †1965 war gelern­ter Werkzeug­ma­cher und übernahm die „J.M. Wirth Bohrer und Werkzeug­fa­brik“ von seinem Vater in der Aalener Straße 38.
Das Gebäu­de wurde 1982 bei einem Brand zerstört. Auch er war einmal verwit­wet und heira­te­te ein zweites Mal. Die erste Ehefrau war Anna Wirth geb. Kopp *1890 †1934. Die zweite Ehefrau war Anna Wirth geb. Lochstamp­fer *1905 †1971. Die Aalener Str. 38 war neben der Firmen­an­schrift auch das Wohnhaus von Max Wirth mit seiner Frau Anna.

Die vier Perso­nen sind vlrn: Annelie­se verh. Engel­fried, Anna Wirth, Max Wirth, Karl Max Wirth (überlas­sen von Max Wirth)

Er hatte 3 Kinder: 

  1. Karl Max Wirth *1923 †1990
  2. Annelie­se Engel­fried geb. Wirth *1920 †2008 è sie heira­te­te den Metzger­meis­ter Ernst Engelfried

Das Ehepaar Engel­fried hat 10 Kinder

  • Gerda Engel­fried *1943
  • Eberhard Engel­fried *1945
  • Wolfgang Max Engel­fried *1947
  • Ernst Engel­fried *1948
  • Margrit Engel­fried *1950
  • Werner Engel­fried *1952
  • Thomas Engel­fried *1953
  • Annelie­se Engel­fried *1955
  • Judith Engel­fried *1956
  • Ulf Engel­fried *1958

  1. Albert Wirth *1939 †2009è ist nach Kitche­ner (Nähe Toron­to) in Canada ausge­wan­dert und hat dort mit Ehefrau Helga vier Kinder
    • Sabine *1963
    • Heidi *1965
    • Micha­el Albert *1967
    • Martin Thomas *1968

    Karl Max Wirth *1923 †1990 machte bei Gebr. Leitz eine kaufmän­ni­sche Lehre und wurde später Geschäfts­füh­rer der Fa. Max Wirth Maschi­nen­han­del, hatte den General­ver­trieb für Bäuerle-Maschi­nen und war Mitin­ha­ber der Fa. OKOMA. Im Katzen­bach, auf dem heuti­gen Grund­stück der Familie Ebert, befand sich die ehema­li­ge Werkstatt der Fa. Max Wirth Maschinenhandel.

    Seine Ehefrau hieß Irma Wirth geb. Grupp *1929 †2017. Die Ehe wurde später geschie­den. Danach blieb er unverheiratet.

blank

Karl Max Wirth mit Frau Irma (überlas­sen von Max Wirth)

Er hatte 1 Kind:

  1. Axel Fried­rich Wirth *1948 †2012

Axel Fried­rich Wirth *1948 †2012 heira­te­te Irma Wirth geb. Litz *1951 und wohnte im Tulpen­weg 5. Er war gelern­ter Kaufmann. Den Beruf erlern­te er bei der Fa. KWO (Karl Wannen­wetsch Oberko­chen). Später wurde er Gründer und Namens­ge­ber der Fa. Axel Wirth Maschi­nen.
Er und Irma haben zwei Kinder:

  1. Heike Bäuerle geb. Wirth *1974

Sie ist Verwal­tungs­an­ge­stell­te und verhei­ra­tet mit Wolfgang Bäuerle *1963. Sie haben 2 Kinder

  • Johan­na Bäuerle *2001
  • Jonas Bäuerle *2001

  1. Max Andre­as Wirth *1977

Max Andre­as Wirth *1977 ist geschäfts­füh­ren­der Gesell­schaf­ter der Fa. Axel Wirth Maschi­nen GmbH und ist mit Karin Kratzer-Wirth geb. Kratzer *1965 verhei­ra­tet. Sie wohnen in der Dreißen­tal­stra­ße 38/1.
Er und Karin haben ein Kind:

  1. Katha­ri­na Wirth *2006

Firmen­ge­schich­te erzählt von Max Andre­as Wirth: 1878 gründe­te Johann Michel Wirth die „J.M. Wirth Bohrer und Werkzeug­fa­brik“ und übergab die Firma um 1921 an Max Wirth (leider ist nicht bekannt, wann dies genau war und bis wann die Firma existier­te). Es ist überlie­fert, dass Ende der 20er-Jahre ca. 5 Mitar­bei­ter beschäf­tigt waren. Karl Max Wirth gründe­te die Firma „Max Wirth Maschi­nen­han­del“ nach dem II. Weltkrieg, paral­lel zu seiner Anstel­lung bei Adolf Bäuerle. Schwer­punkt war der An- und Verkauf von Gebraucht- und Neuma­schi­nen für die holzver­ar­bei­ten­den Handwerks- und Indus­trie­be­trie­be sowie der General­ver­trieb von Bäuerle-Maschi­nen. Die Partner­schaft mit Bäuerle war über mehre­re Jahrzehn­te für beide Seiten sehr erfolg­reich. Noch heute sehe ich bei Kunden alte Bäuerle-Maschi­nen mit dem Typen­schild meines Opas. Nach seiner Ausbil­dung bei KWO (Wannen­wetsch) stieg Axel Fried­rich Wirth bei „Max Wirth Maschi­nen­han­del“ als Angestell­ter seines Vaters ein. Nach der Insol­venz von Bäuerle im Jahr 1974 übernahm Karl Max Wirth das Firmen­ge­län­de zusam­men mit seinem Partner Kurt Büttner und gründe­te paral­lel zu seiner Handels­fir­ma die „OKOMA“ (Oberko­che­ner Maschi­nen­fa­brik) im Jahr 1975. Die „OKOMA“ war auf Grund von Entwick­lungs­vor­sprün­gen und Paten­ten einer der Markt­füh­rer von Holzfens­ter-Ferti­gungs­an­la­gen. 1983 schied Karl Max Wirth bei der OKOMA aus. Karl Max Wirth ging mit seinem Maschi­nen­han­del nach Ebnat und betrieb in einem kleinen Rahmen bis zu seinem Tod einen Maschi­nen- und Werkzeug­han­del. 1983 gründe­te Irma Wirth die Firma „I. Wirth Maschi­nen­han­del“ und schaff­te so die Grund­la­ge für die späte­re Firma „Axel Wirth Maschi­nen“, die im Jahr 1986 gegrün­det wurde. 1986 bestand die Firma „Axel Wirth Maschi­nen“ aus 2 Perso­nen und agier­te erst vom Adelbert Stifter Weg aus und später aus dem Tulpen­weg 5. Im Jahr 2001, bedingt durch eine schwe­re Erkran­kung von Axel Fried­rich Wirth fing sein Sohn Max Andre­as Wirth als Aushil­fe bei „Axel Wirth Maschi­nen“ an. Nachdem klar wurde, dass eine Nachfol­ge möglich war, ging es mit der Entwick­lung von neuen Maschi­nen los. Eine große Hilfe war die Erfin­dung einer Anlage zum Veredeln von Parkett, die im Markt einen sehr guten Anklang fand. 2006 erfolg­te dann die Einstel­lung des ersten weite­ren Mitar­bei­ters, zur Planung, Monta­ge und Inbetrieb­nah­me. Monta­ge­räum­lich­kei­ten in der Aalener Str. 76 wurden bezogen. 2009 wurde die „Axel Wirth Maschi­nen GmbH“ gegrün­det, die dann kurz vor dem Tod von Axel Fried­rich Wirth im Jahr 2012 aktiviert wurde. Seit diesem Zeitpunkt ist Max Andre­as Wirth, allei­ni­ger geschäfts­füh­ren­der Gesell­schaf­ter. Der Kunden­stamm hat sich seit 2014 elemen­tar verän­dert. Nach dem Rückgang der Nachfra­ge aus dem Handwerk bzw. der Holzin­dus­trie ging die Entwick­lung der Maschi­nen immer mehr in Richtung Sonder­ma­schi­nen­bau.
Heute sind Beschich­tungs­ma­schi­nen aus dem Hause Wirth weltweit in vielen Sparten im Einsatz.
Beispiel­haft können folgen­de Brancen genannt werden: Carbon­brem­sen­her­stel­lung, Schuh­pro­duk­tio­nen, Stato­ren­bau, Autoin­dus­trie, Baubran­che, Möbel­in­dus­trie, Kunst­stoff­tech­nik, Solar­plat­ten­in­dus­trie, Karto­na­gen­pro­duk­tio­nen, Glasver­pa­ckun­gen und natür­lich immer noch im kleinen Rahmen die Holzin­dus­trie und das Handwerk.…..

„BotJug“ – Otto Krug vom Ahorn­rain 1
Er war Lehrer am hiesi­gen (Pro-)Gymnasium. Der Spitz­na­men setzt sich zusam­men aus „Bot“ (franzö­sisch Krug) und Jug (englisch Krug). Es gab Zeiten, da waren Schüler sehr kreativ beim Kreieren von Spitz­na­men.
Er kam mit Familie am 11. April 1960 nach Oberko­chen und erhielt damals die 2te ständi­ge Lehrstel­le am hiesi­gen Progym­na­si­um, das damals noch am Turmweg 24 behei­ma­tet war. Geboren wurde er am 7. Febru­ar 1920 in Gamburg a. d. Tauber. Es war ihm wichtig zu erwäh­nen, dass seine Eltern und Großel­tern Bauern und Handwer­ker waren. Von 1930 bis 1938 besuch­te er das Gymna­si­um in Tauber­bi­schofs­heim, das er mit dem Abitur in der Tasche verließ. In der damali­gen Zeit schloss sich Arbeits­dienst, Wehr- und Kriegs­dienst an, gefolgt von der üblichen Kriegs­ge­fan­gen­schaft. Danach begann er mit dem Studi­um der Neuphi­lo­lo­gie (konkret Franzö­sisch, Englisch und Geschich­te) an der Univer­si­tät in Erlan­gen und 1950 legte er die Staats­prü­fung für das höhere Lehramt ab. Als Studi­en­re­fe­ren­dar war er in Heidel­berg tätig und als Asses­sor an einer katho­li­schen Privat­schu­le in Bruch­sal. 1953 erhielt er einen Lehrauf­trag am Burghardt-Gymna­si­um in Buchen im Odenwald an der er 1955 zum Oberstu­di­en­rat beför­dert wurde. Im Rahmen einer Famili­en­zu­sam­men­füh­rung bat er um Verset­zung nach Oberko­chen. Er war der erste am Gymna­si­um, der mit seiner Klasse ein Schul­land­heim besuch­te. Später sollten Studi­en­fahr­ten nach Rom, Berlin und Prag folgen. Am Aufbau der Schule stand er an vorders­ter Front und engagier­te sich als Perso­nal­rat und Betreu­er des Rechnungs­we­sens. Die Instal­la­ti­on des Sprach­la­bors geht auf ihn zurück und auch die Partner­schaft mit Dives-sur-Mer brauch­te ihn wegen seiner Franzö­sisch-Kennt­nis­se. Auch im Bildungs­werk hatte er einige Jahre mitge­ar­bei­tet. Beim Abschied, im Jahr 1983, beton­te Schul­lei­ter Schrenk, dass die ruhige stille Art und sein Gespür für das Wesent­li­che im Kolle­gi­um vermisst werden würde. Auch sei ihm der Abbau von Rücksichts­lo­sig­kei­ten und Aggres­si­on ein Herzens­an­lie­gen gewesen. Sein Franzö­sisch war aller­dings nicht gerade dazu angetan eine Fremd­spra­che so zu lernen, dass man damit gut zurecht­kam. Wie sagte er einst zu Richard Burger: „Wenn du mal nach Frank­reich kommst, sag nieman­dem, dass du bei mir Franzö­sisch gelernt hast.“ Levez vous – Assejez vous – Come to the Black­board – Some expres­si­ons now – das war unser “BotJug” in Franzö­sisch und Englisch. Leider ist ihm keine erbau­li­che Zeit als Pensio­när geblie­ben. Vier Monate nach seiner Pensio­nie­rung verstarb er nach kurzer schwe­rer Krank­heit am 2. Dezem­ber 1983. Er war damals schon als Lehrer aus der Zeit gefal­len, stand aber immer auf Seiten der Schüler. Hat er mich doch, Ende der 70er, als ich wieder in Oberko­chen zurück war, einmal auf einem Fest angespro­chen und sich dafür entschul­digt, wie man mit mir 1968/1969 auf dem Gymmi „umgegan­gen“ sei. Er war da in keiner Weise betei­ligt, aber er hat das natür­lich im Kolle­gi­um mitbe­kom­men. Einfach ein feiner Mensch, der bei mir einen Stein im Brett hatte und ich wohl bei ihm auch.

blank

Lehrer am hiesi­gen Gymna­si­um Otto Krug – von den Schülern BotJug genannt (Archiv HVO Ruoff)

„dr Bowang“ – Gibt‘s nemme: Alte Holzma­cher­sied­lung
Zwischen 1718 und 1728 haben vermut­lich 5 bis 6 Holzma­cher­fa­mi­li­en dort gewohnt. Ab 1733 spiel­te sich das Holzmach­er­le­ben mit weniger Famili­en wieder auf der „Bilz“ ab, bis sie sich 1740 auflös­ten. Aus dieser Zeit stammt vermut­lich auch der Spruch: „Descht a Waldech­ter!“ Etwas mehr dazu im alten Heimat­buch auf Seite 359.

„Boxer“ – Harald Müller *1958 2017 aus der Sonnen­berg­stra­ße 34
Bruder von Wilfried „Billie“ Müller. War bis zu seinem frühen Tod im Jahr 2017 Fernseh­re­dak­teur beim SWR, verant­wort­lich für die Sendung „Treff­punkt” und die jährli­chen Fastnachts­um­zü­ge; Kolle­ge von Sonja Schreck­lein-Faber, die an seiner Beerdi­gung eine sehr persön­li­che, treffen­de Abschieds­re­de hielt. Beim SWR war er auch als „Der Mann mit Hut“ bekannt. Er hörte gerne das Lied „The Boxer” von Simon und Garfun­kel und sein Name leitet sich wohl davon ab. Er hatte viele Freun­de aus dem „Kies“ und diese nahmen auch an der Beerdi­gung in Holzger­lin­gen teil. Sport­lich ein guter Fußbal­ler und ein begna­de­te­rer Tisch­ten­nis­spie­ler, der seine Mannschafts­ka­me­ra­den in Holzger­lin­gen nicht immer erfreu­te, weil er zeitwei­se ohne Training besser spiel­te als sie mit Training – das mochte man nicht so gerne. Beim SWR nannte man ihn auch „Harry das Wiesel“. Wenn jemand etwas suchte, legte er sofort los und wenn das gesuch­te Blatt Papier in einem großen Stapel steck­te – Harry zog es in atembe­rau­ben­der Geschwin­dig­keit zielsi­cher hervor. Auch war er ein Kümme­rer und damit auch nicht von ungefähr beim Sender gewerk­schaft­lich engagiert. Seine ersten Filmerfah­run­gen hat er mit einer Kamera vom Zahnarzt Frank Gebert gemacht. Bei ihm assis­tier­te er auch gelegent­lich samstags in der Praxis. Später, während seiner Studi­en­zeit wohnte er auf dem berühm­ten Öster­berg in Tübin­gen im Haus „Stutt­gar­dia“ (das damals fest in Oberkoch­ner Hand war). Da er während seines Studi­ums Vater wurde, musste er Brötchen verdie­nen und war an der Tübin­ger Unikli­nik mit der Filmka­me­ra im OP-Bereich dabei, um einzel­ne Opera­tio­nen filmisch festzu­hal­ten.
Bemer­kens­wert: Der Oberko­che­ner Prof. Manfred Mucken­haupt hat 1991 in Tübin­gen den Aufbau­stu­di­en­gang „Medien­wis­sen­schaft – Medien­pra­xis“ einge­rich­tet, aus dem sich das heuti­ge „Insti­tut für Medien­wis­sen­schaft“ entwi­ckelt hat. Bei ihm hat „Boxer“ seine erste Ausbil­dung genos­sen, die ihn schließ­lich zum SWR geführt hat. Er wäre gerne in die Sport­re­dak­ti­on beim SWR gegan­gen, aber da ging ohne Vitamin B bzw. dem richti­gen Partei­buch gar nichts und an dem damali­gen Sport­chef Gerhard Meier-Röhn kam eh keiner vorbei – auch der „Boxer“ nicht. Bevor ich’s verges­se: In der besten Zeit des „Fässles“ unter Horst Lagler bedien­te er am Wochen­en­de. Damals standen die Jungs und Mädls in 3er Reihen am Tresen und die Gäste kamen sogar von auswärts – denn „s‘ Fässle“ war einst­mals Kult.

blank

Der SWR-Fernseh­re­dak­teur vom „Treff­punkt“ Harald „Boxer“ Müller – Billie’s Bruder (Archiv Müller)

„Briah“ – dafür lasse mir älles andere standa
„Alde Henna ond alte Kiah, gäbet oft dia beschte Briah“. Eine Sonntags‑, noch besser eine Fesch­tags­sup­pe mit Einla­gen (et vom Diddel) sondern mit Maulta­schen, Grieß­no­ckerl, Butter- und Bratklöß­chen. Aber auch eine gute Flädle­sup­pe verlangt eine Super­Sup­pen­Brü­he. Ein schwä­bi­sches Sonntags­es­sen ohne Suppe – gatt gar et. Wie hieß es in meiner Kindheit bei uns zu Hause? „Wer viel suppt, lebt lang“ – na denn. Wir werden oft auch „Suppa­schwo­a­ba“ genannt.
Hier ist ein einfa­ches Rezept, um diese köstli­che Suppe selbst zuzube­rei­ten:
Zutaten:

  • 3 Rinder­bein­schei­ben
  • 2 Zwiebeln
  • 2 Karot­ten
  • 1 Knollen­sel­le­rie
  • 1 Lauch
  • 4 Liter Wasser
  • Salz, Pfeffer, Lorbeer­blät­ter, Wacholderbeeren
  • Maulta­schen, Grieß­no­ckerl, Butter­klöß­chen, Brätklöß­chen (nach Belieben)

Zuberei­tung:

  1. Die Rinder­bein­schei­ben in einem großen Topf mit Wasser aufko­chen und den entste­hen­den Schaum abschöpfen.
  2. Zwiebeln, Karot­ten, Selle­rie und Lauch grob schnei­den und zusam­men mit den Gewür­zen in den Topf geben.
  3. Alles bei niedri­ger Hitze etwa 2–3 Stunden köcheln lassen, bis eine kräfti­ge Brühe entsteht.
  4. Die Brühe durch ein Sieb gießen und das Fleisch und Gemüse entfernen.
  5. Die Einla­gen (Maulta­schen, Grieß­no­ckerl, etc.) in die heiße Brühe geben und kurz ziehen lassen.

„Brot aufschnei­den“ – früher bei Oma und Opa
Bei uns zu Hause gab es die üblichen langwei­li­gen Brote wie z.B. Weizen­misch­brot. Ein völlig anderes Brot gab es bei Oma in Waldhau­sen. Ich denke es hatte viel Ähnlich­keit mit dem Altdeut­schen Landbrot, das eine tradi­tio­nel­le, deutsche Brotsor­te ist, die in der Regel aus Roggen- und Weizen­mehl (60:40) herge­stellt wird. Es zeich­net sich durch eine kräfti­ge Kruste, eine dunkle Krume und einen herzhaf­ten Geschmack aus. Dieses Brot war super­gut. Esse ich heute noch gerne, wenn ich so etwas finde.
Die Haupt­merk­ma­le eines Altdeut­schen Landbro­tes sind:

  • Mehlmi­schung: Typischer­wei­se wird eine Mischung aus Roggen- und Weizen­mehl verwen­det, was dem Brot seine charak­te­ris­ti­sche Textur und seinen Geschmack verleiht.
  • Sauer­teig: Oft wird Sauer­teig als Trieb­mit­tel verwen­det, was zu einem leicht säuer­li­chen Geschmack führt, und die Haltbar­keit des Brotes erhöht.
  • Kruste: Die Kruste ist meist kräftig und dunkel gebacken, was durch lange Backzei­ten bei hoher Tempe­ra­tur erreicht wird.
  • Krume: Die Krume ist dicht, saftig und hat eine dunkle­re Farbe, die vom Roggen­mehl und der langen Fermen­ta­ti­on herrührt.
  • Aroma­ti­scher Geschmack: Der Geschmack ist voll und aroma­tisch, oft leicht säuer­lich durch den Sauerteig.

Grund­sätz­lich galt bei Mutti und Oma: Mit dem Messer wurde ein dreifa­ches Kreuz über dem Brot geschla­gen, bevor man es vor die Brust setzte und mit dem Messer zur Brust hin die notwen­di­gen Schei­ben abschnitt.

„Brot vom Vortag“
Hörte ich als Kind oft beim Bäcker. Warum war das teilwei­se beliebt? Weil Hausfrau­en, die auf das Geld achten mussten, damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlu­gen: erstens war es billi­ger und zweitens aßen die ihren zuhau­se dann nicht so viel – weil frisches Brot viel besser schmeck­te. Das kann ich durch­aus nachvoll­zie­hen, obwohl das bei uns zuhau­se nicht üblich war, aber in der Puber­tät, als ich in einem Jahr 12 cm wuchs, aß ich abends zeitwei­se 10 bis 12 Wurst­bro­te, belegt mit Bierschin­ken vom „Sogas“.

„Brunkel / Bronkel / Brunn­quell“ – Ortsteil
Das klingt alt und dunkel und bedeu­tet wohl „Bronn­quell“, also Brunnen­quel­le. Wir verste­hen darun­ter den Flurbe­reich einge­grenzt von Bahnli­nie, Kocher / Kocher­ka­nal. Die dazuge­hö­ri­gen Straßen sind die verzweig­te Mühlstra­ße, mit Wohlwol­len ein kleiner Teil der Bahnhof­stra­ße sowie der Kapel­len­weg bis zur Röchling­s­tra­ße. Früher gehör­te sicher auch die alte Kuhstei­ge dazu, die längst als Viehtrieb­weg aufs Härts­feld verges­sen wurde, das Gebiet zwischen Bahnli­nie und Waldrand, da die Bundestra­ße B19 in dieser Zeit noch nicht existier­te. Der Kapel­len­weg war wohl ein geschot­ter­ter Verbin­dungs­weg zwischen der Kapel­le St. Ottilie (Ölberg) und der Wiesen­ka­pel­le. Dort befand sich auch eine Quelle, die sich an der Kapel­le vorbei in den Kocher ergoss. Bereits 1650 wurde die Ölberg-Kapel­le (die der Hl. Ottilie geweiht war, Patro­nin der Blinden und Helfe­rin bei Augen‑, Ohren- und Kopflei­den) urkund­lich erwähnt. Geprägt wurde dieses Viertel durch die Quelle(n), die sumpfi­gen Wiesen, die Kapel­len, den katho­li­schen Fried­hof, die Schee­rer-Mühle, das Armen­haus, den Baracken (hier sei auf den Bericht 316 von D. Bantel verwie­sen, der die damali­ge Situa­ti­on anschau­lich verdeut­licht) und dem roman­ti­schen Teil des Kochers und der umlie­gen­den Obstwie­sen. Der Katas­ter­aus­zug von 1823 zeigt eine sehr dünne Besie­de­lung, die sich im Laufe der Zeit deutlich änderte.

blank

Ortsteil Brunkel in der Ur-Karte von 1830 (Archiv Müller)

„Bsonde­re Autos“ die früher nicht jeder hatte, aber in der Sonnen­berg­stra­ße standen bzw. in meiner Härts­feld-Familie gefah­ren wurde.
„Messer­schmitt“. Der KR 175 (KR steht für Kabinen­rol­ler) hatte einen Einzy­lin­der­mo­tor mit 173 cm³ Hubraum und 9 PS Leistung von Fichtel & Sachs. Das reich­te für eine Höchst­ge­schwin­dig­keit von 80 km/h. Der Tages­aus­stoß lag bei bis zu 80 Fahrzeu­gen, bei einem Endver­kaufs­preis von zunächst 2100 DM. Die Produk­ti­ons­zah­len des KR 175 entwi­ckel­ten sich in den ersten beiden Jahren nach Produk­ti­ons­be­ginn deutlich. Im Jahr 1953 wurden insge­samt 1.609 Fahrzeu­ge herge­stellt, während die Produk­ti­on im darauf­fol­gen­den Jahr 1954 auf 8.644 Einhei­ten gestei­gert werden konnte.
Anfang 1955 erschien das Nachfol­ge­mo­dell KR 200 mit 10,2‑PS-Motor (191 cm³) und einer Höchst­ge­schwin­dig­keit von etwa 90 km/h. Wie ein Automo­bil verfüg­te der KR 200 über drei Pedale (Kupplung, Bremse, Gas) und an der rechten Fahrzeug­innen­sei­te befin­det sich der Ganghe­bel mit „sequen­ti­el­ler“ Ratschen­schal­tung: nach hinten ziehen = herun­ter­schal­ten, nach vorn drücken = herauf­schal­ten.
„BMW Isetta“. Das war ein Roller­mo­bil, das die Bayeri­schen Motoren­wer­ke von 1955 bis 1962 in Lizenz bauten. Der Herstel­ler bezeich­ne­te das zwischen Motor­rad und Auto einzu­ord­nen­de Fahrzeug als „Motocou­pé“. In Itali­en ließ Renzo Rivol­ta, der Eigen­tü­mer des Kälte­an­la­gen- und Motor­rad­her­stel­lers Iso Rivol­ta, von den Flugzeug­inge­nieu­ren Ermene­gil­do Preti und Pierlui­gi Raggi ein Roller­mo­bil in ungewöhn­li­cher Form konstru­ie­ren: die Iso Isetta, die 1954 vorge­stellt wurde. Wie bei einem Lasten­seg­ler klapp­te man bei diesem Fahrzeug eine große Front­tür auf; Preti hatte während des Zweiten Weltkriegs ein Flugzeug dieser Bauart (Aeronau­ti­ca Lombar­da AL.12) projek­tiert. Das Lenkrad schwenk­te mit der Front­tür nach vorn und zur Seite und auf diese Weise konnte gut in den für zwei Perso­nen ausrei­chen­den Innen­raum einge­stie­gen werden.
Billie: Meine Oma, die Hebam­me Babet­te von Waldhau­sen, fuhr eine Isetta, aber wenn sie einstieg, hatte fast niemand mehr Platz.
Das Goggo­mo­bil (kurz: Goggo) ist ein Kleinst­wa­gen der Hans Glas GmbH in Dingol­fing, der von 1955 bis 1969 in verschie­de­nen Versio­nen herge­stellt wurde. Es war das erste Automo­bil dieses Herstel­lers. Als in den 1950er Jahren die Motor­rad­her­stel­ler in eine Krise gerie­ten, weil die mögli­chen Kunden zuneh­mend „ein Dach über dem Kopf“ forder­ten, entwi­ckel­te der Landma­schi­nen­her­stel­ler Glas das Goggo­mo­bil. Die ersten Serien­fahr­zeu­ge liefen Anfang 1955 vom Band. Es war eine kleine viersit­zi­ge Limou­si­ne mit einer Karos­se­rie, die sich an herkömm­li­chen Automo­bi­len orien­tier­te. Laut Werbung bot das Goggo­mo­bil vier erwach­se­nen Perso­nen Platz, der jedoch mit einer Innen­raum­län­ge von etwa 1,60 m zwischen Pedalen und Rücksitz­leh­ne knapp war.

„Buabak­af­fee“
Der Kolpings-Gedenk­tag am 4. Dezem­ber (auch Barbara­tag) in der katho­li­schen Kirche mit anschlie­ßen­dem „Buaba-Kaffee in dr Gruab“. Damals war es noch Vorschrift, bei der Kommu­ni­on nüchtern zu sein (nicht frei von Alkohol, sondern komplett nüchtern wie bei der Blutab­nah­me). Deshalb war nach dem Kirch­gang Frühstück in „dr Gruab“ angesagt. Es gab Malzkaf­fee und Hefekranz, auf schwä­bisch oifach Kranzes. Der Kaffee kam von der „Grube“, der Kranzes von der Bäcke­rei Geissinger.

„Buaba­stamm­tisch“ – Freun­des­kreis, später auch als „Party­club“ bekannt
Das ist ein gewach­se­ner Freun­des­kreis, welcher seinen Ursprung im hiesi­gen Kinder­gar­ten am Wiesen­weg hat. Dazu Ludwig Burghard: „Wir waren seiner­zeit Jahrgän­ger 1947/48. Es gesell­ten sich während der Schul‑, Lehr- und Studi­en­zeit einige gute und gleich­ge­sinn­te Kamera­den dazu. Ergänzt wurde der Buaba­stamm­tisch schließ­lich noch durch Freun­de aus den Fußball­ver­ei­nen FCO und TVO und auch durch die Geschwis­ter von Freun­den und letzt­end­lich freilich durch deren Ehepart­ner. Unser Kreis wuchs somit auf ca. 25 Mitglie­der (ohne Ehegat­ten) an, wobei sich die Spanne der Jahrgän­ge zwischen 1947 und 1952 bewegt. In Zeiten der Ehelo­sig­keit waren laufend Partys auf dem Wochen­end­pro­gramm angesagt, welche meist im Unter­ge­schoß vom alten Schul­haus in Oberko­chen statt­fan­den, in welchem mein Vater ja der Hausmeis­ter war. Ein Zaungast hatte einst diese Veran­stal­tun­gen zu Ohren bekom­men und betitel­te uns somit als „Party­club“, worauf wir als dieser weiter­hin genannt wurden. Sturm- und Drang­zei­ten sind liegen inzwi­schen unver­ges­sen hinter uns und wir feier­ten später gemein­sam die Hochzei­ten unserer Freun­de und bis heute die jewei­li­gen volle Geburts­ta­ge“. Mehr dazu in einem Bericht (ohne Nummer) vom Huga-Paule aus dem Jahr 2016.

blank

dr Buaba­stamm­tisch, Vorgän­ger des späte­ren „Party­clubs“, im Kinder­gar­ten Wiesen­weg (Archiv Burghard) Vlnr: Reinhold Bahmann, Arthur Hügler, Peter Rütsche, Georg Brunn­hu­ber, Willi­bald Grupp, Paul Grupp, Clemens Grupp, Ludwig Burghard

„Bürger­meis­ter Boschs Alpträu­me – gefun­den in einer Amtsblatt­aus­ga­be des Jahres 1953
Der Mann hatte viele Eigen­schaf­ten und neben seinen schrift­stel­le­ri­schen Fähig­kei­ten durch­aus auch eine humoris­ti­sche Seite:
„Auf meinen Spazier­gän­gen rufen sie mich an, und in schlaf­lo­sen Nächten umste­hen sie in Alpträu­men mein Lager wie der Chor in der griechi­schen Tragö­die – überwie­gend freund­lich bittend, mitun­ter ungestüm fordernd, in einigen Exempla­ren heimlich und offen mit Schrei­en auf den Kothur­nen vermeint­li­cher Rechte alter und neuer Art wie Riesen drohend: Die Anlie­ger nämlich der

  • Garten­stra­ße
  • Der vom ev. Fried­hof bis zum alten Sport­platz auszu­bau­en­der Katzenbachstraße
  • Der oberen Dreißentalstraße
  • Der Volkmars­berg­stra­ße
  • Des Turmwe­ges
  • Der Blumen­stra­ße
  • Der Mühlstra­ße
  • Des Kapel­len­wegs
  • Der Sonnen­berg­stra­ße
  • Der Weingar­ten­stra­ße
  • Des Panora­ma­wegs
  • Der Brunnen­hal­de­stra­ße
  • Des Zeppe­lin­wegs
  • Des Feigen­gäss­les, Schrei­ner­gäss­les, Wiesen­wegs und der Pfluggasse
  • Der Kelten­stra­ße, des Jäger­gäss­les sowie Hasen- und Kronengässles
  • Der ganzen Vogel­schar im Dreißental

Eine halbe Milli­on DM würde knapp hinrei­chen, um das unver­gleich­lich rasch angewach­se­ne Dorf in seinen Straßen einem Indus­trie­städt­chen ähnlich zu machen. Der Frage­stel­ler verzei­he es mir daher, wenn ich ihm den gewünsch­ten Zeitpunkt der Sonnen­berg­stra­ße nicht nennen kann. Ich verzich­te auch darauf, ihn mit dem Kanzleit­rost der verflos­se­nen Militär­re­gie­run­gen abzufin­den „I’ll see what I can do for you!“ Der Frage­stel­ler möge dem Gemein­de­rat vertrau­en, dass er bei möglichs­ter Schonung des Geldbeu­tels der Steuer­zah­ler die rechte Reihen­fol­ge zur rechten Zeit findet.“

dr Bruder vom „Boxer“ – „Billie vom Sonnenberg“

Weitere Berichte aus dieser Kategorie

Weitere Berichte