Meine liebe Schul­freun­din Chris­tia­ne „Chris“ Gaert­ner-Lemoi­ne (früher Silcher­weg 26) hat mir ebenfalls einen sehr persön­li­chen Bericht aus Paris geschrie­ben: Lieber Billie, wir sagen « ExPat » in Frank­reich und benen­nen damit Aus- oder Einsied­ler aus oder in außereuropäische(n) Länder(n), die meist zeitlich befris­tet ins Ausland gehen. Häufig handelt es sich um Verset­zun­gen, die vom Arbeit­ge­ber organi­siert werden. Zu meiner Geschich­te oder so vieler Expats in meiner Jugend: Die Schwe­den­häu­ser im Silcher­weg wurden ca. 1960 von Zeiss gebaut. Dort wurden verschie­dent­lich ExPats unter­ge­bracht. Als meine Eltern das eine der beiden «Endhäu­ser» kauften, wohnten in den 3 mittle­ren Häusern weiter­hin solche Expats. Zuerst hatten wir spani­sche Nachbarn, mit denen sich meine Eltern sofort angefreun­det hatten. Ich erinne­re mich wage an einen für damali­ge Zeiten exoti­schen Abend mit Pedro und seiner Familie…Danach kam eine ameri­ka­ni­sche Familie aus New Jersey mit 2 Mädchen ungefähr in unserem Alter, Jim, Chris, Karen und Nancy. Von denen lernten wir, dass man sich unter der Woche zur Arbeit «fein» anzieht und zum Wochen­en­de die coole Masche wählt. Für mich war das der erste Ansporn, Englisch zu sprechen. Meine Mutter mochte sie beson­ders gern. Sie hat auch diese Familie später in New Jersey besucht. Danach kamen Kanadi­er. Das war, glaube ich, schon nach der Schei­dung meiner Eltern. Auch mit denen hatte meine Mutter lange Kontakt. Wenig später zog die Familie Holz in das vorletz­te Haus (Silcher­weg 32) Sicher erinnerst Du Dich an Cornie (Corne­li­us), vielleicht auch an Petra. Ich glaube, sie kamen damals aus Kenia, Petra und Cornie waren schon 2‑sprachig, und ich habe mich schnell mit Petra angefreun­det. Sie sind später nach Canada weiter­ge­zo­gen. Heute lebt Petra verhei­ra­tet in Austra­li­en, Toowoom­ba (Queens­land) und heißt Lehmann. Lange Zeit kam Petra einmal im Jahr nach Deutsch­land, um ihre Mutter in Göttin­gen zu besuchen. Dies ist nun auch vorbei, und es ist gut möglich, dass sie nicht mehr kommt. (Anmer­kung: nach dem Auszug der Familie Holz ist die Familie Grünler in dieses Haus einge­zo­gen, aus München kommend. (Inlands-ExPats).

1991: Chris, wie ich sie noch in Erinne­rung habe (überlas­sen von Chris­tia­ne Gaertner-Lemoine)

Nun zu mir oder worum geht es eigent­lich? Ich bin in einer vom Krieg und der Nachkriegs­zeit «zerfled­der­ten» Familie aufge­wach­sen. Mein Vater war Oberschle­si­er, seine überle­ben­den Schwes­tern und ein Bruder haben sich in Bremer­ha­ven, Essen und in Halle nieder­ge­las­sen. Die Eltern meiner Mutter waren geschie­den (die Berli­ner Oma 2 Mal verhei­ra­tet und geschie­den!!), Oma und ein Halbbru­der blieben in Berlin, ein Bruder meiner Mutter ging nach Stadt Allen­dorf, der andere blieb in Ostber­lin, aus Überzeu­gung. Der Opa, auch wieder­ver­hei­ra­tet, lebte in Magde­burg mit 2 weite­ren Halbschwes­tern. Mitte der 50iger Jahre hat mein Vater, der Augen­op­ti­ker war, den Job bei Zeiss Opton angetre­ten und wir sind nach Oberko­chen gezogen, weit von Berlin und auch noch weiter vom Rest der Familie.

Folglich Umgewöh­nung, alles neu, alles anders. Ganz logisch also, dass ich das Reisen fast mit in die Wiege bekom­men habe. Mindes­tens einmal im Jahr fuhren wir nach Berlin, anfäng­lich zu Weihnach­ten und zu Ostern, mit der Isetta in 2 Tagen mit Übernach­tung Ab ‘59÷60 Sommer­fe­ri­en an der Ostsee, Schar­beutz, 1966 Dänemark und ab 1967 Spani­en. Meine Berli­ner Oma düste auch laufend irgend­wo herum. Als Hebam­me hatte sie schon seit kurz vor dem Krieg ein Auto, einen Dixie, später einen DKW und dann einen ganz moder­nen Renault Dauphi­ne. In den 50er und 60er Jahren machte sie Urlaub am Garda­see, wir habe sie auch am Titisee getrof­fen und in Tirol. Später reiste sie nach Bulga­ri­en, wo sie ihren DDR-Sohn treffen konnte. Immer auf Achse. Im Herbst 1968 wurden meine Eltern geschie­den, mein Vater zog nach Aalen und überließ meiner Mutter und mir das Haus im Silcherweg.1969 wurde mein Vater nach Tokyo versetzt. Voraus­ge­se­hen waren 3 Jahre, es wurden 4 ½. Das war schon großes Kino. Japan war zu der Zeit noch nicht das Land aller Träume und kein Mensch hatte je Sushi oder Sashi­mi geges­sen. Für meinen Vater war das beruf­lich gesehen der große Sprung nach oben, aber auch finan­zi­ell. In dem Gehalt wurde die neue Situa­ti­on auch insofern berück­sich­tigt, als man davon ausging, dass ein Occiden­ta­le (Europä­er, Ameri­ka­ner) nicht nach japani­schem Standard leben könnte. Alle irgend­wie «western­style» Lebens­mit­tel koste­ten horren­des Geld und einen westli­chen Lebens­stil führen, musste bezahlt werden. Die Freizeit­kon­tak­te waren vor allem andere «Expats», Ameri­ka­ner, Europä­er etc., die man in den verschie­de­nen Clubs Bars oder Restau­rant der großen Hotel­ket­ten traf (Nikko, Hilton…).

Wahre japani­sche Freun­de waren eher eine Ausnah­me. Aber mein Vater, der dem Anschein nach eher streng und Respekt erregend auftrat, hat es durch seine Einfühl­sam­keit und Feinfüh­lig­keit geschafft, die Zunei­gung der Japaner zu gewin­nen. Das hat ihm auch zu dicken Verträ­gen verhol­fen. Er hatte schnell festge­stellt, dass man nicht mit der Tür ins Haus fallen darf, wenn man Geschäft mit Japanern machen wollte. Zuerst wird Tee getrun­ken, man unter­hält sich über die Familie, Gott und die Welt, dann geht’s evtl. in die Sauna. Eines Tages in Sappo­ro sagte mein Vater, dass er etwas später einen Rückflug gebucht hatte. Kein Problem, wurde umgebucht, Abend­essen war schon geplant, Übernach­tung organi­siert, und erst am nächs­ten Morgen wurde Business disku­tiert. Obwohl die Verstän­di­gung vor allem auf Englisch statt­fand, hat er doch ein paar Brocken Japanisch gelernt. Sieglin­de, seine zweite Frau lernte auch Japanisch und Ikeba­na. Beide haben nur positi­ve Erfah­run­gen gemacht und schöne Erinne­run­gen behalten.

Warum erzäh­le ich das alles, wo Du doch auf mehr über «Auswan­de­rung» wissen möchtest? Diese Geschich­ten aus der Kindheit und Jugend sind für mich grund­le­gend für meine eigene Geschich­te. Die Entschei­dung, nach Paris zu ziehen, war für mich nicht schwie­ri­ger, als wenn ich zurück nach Berlin gezogen wäre oder sonst wohin, weit weg von der Alb (es wäre fast Athen gewor­den…). Viel wichti­ger in dieser Geschich­te war die Trennung von meinem langjäh­ri­gen Lebens­part­ner und der Anfang einer neuen Bindung. Ich habe mir absolut keine Gedan­ken gemacht über eventu­el­le existen­ti­el­le Schwie­rig­kei­ten oder über das für und wider Deutsch­land oder Frank­reich. Der Anfang war ein einfa­cher Umzug in ein europäi­sches Nachbar­land, das ich nach vielen Reisen schon etwas kannte.

Über 48 Jahre später aber blicke ich mit gewis­sem Stolz auf all die Hürden zurück, die ich genom­men habe. Heute betrach­te ich diese Umsie­de­lung als Neuan­fang in vieler Hinsicht. Wenn man sich voll integrie­ren will, muss man zualler­erst die Spreche gut lernen. Das ist das A und O. Ohne Sprache keine Kultur (Theater, Kino etc.) und vor allem keine Anerken­nung. Das war meine erste und bedeu­ten­de Hürde. Meine Sprach­be­ga­bung hat mir gehol­fen, diese Hürde in 2 bis 3 Monaten zu nehmen. Ich gebe aber auch zu, dass das mein Ding ist. Ich liebe es, mich verstän­di­gen zu können und liebe Sprachen aller Art, weil Sprachen der Grund­stein zur Kontakt­auf­nah­me mit anderen ist.

Ins europäi­sche Ausland gehen? Einfach mal so!!! Eben doch nicht, jeden­falls nicht ganz so einfach im Jahr 1977. Erster Kontakt beim franzö­si­schen Konsu­lat in Stutt­gart : «Wo arbei­ten Sie? Haben Sie ein Stellen­an­ge­bot? » …. Öhhh, nee, das will ich vor Ort finden….Ich habe die detail­lier­te Liste meiner Umzugs­gü­ter vorge­legt (alle Schall­plat­ten, Bücher etc. gezählt), er hat sie gestem­pelt und mir den Umzug erlaubt. (An der Grenze hat das kein Schwein inter­es­siert). Später habe ich in Paris den Antrag auf Aufent­halts­er­laub­nis gestellt. Ein umfang­rei­ches Kapitel, das auch in ein extra Spezi­al- Kapitel «Europa» gehört! Auch 2 Jahre später die Einfüh­rung meines Autos, sowie die ersten Passerneue­run­gen am Konsu­lat. Damals wie heute ein Europa der europäi­schen Bürger und ein politi­sches Europa.

1987: Chris mit Sohn Thomas auf der champs elysées (überlas­sen von Chris­tia­ne Gaertner-Lemoine)

Die ersten Wochen in Paris waren hart. Ich hatte mein Studen­ten­le­ben zurück­ge­las­sen, wo ich es gewohnt war, zu disku­tie­ren und als «Chris» in meinem Freun­des­kreis persön­lich anerkannt zu sein. Nun war ich bombar­diert durch Radio, Fernse­hen und Diskus­sio­nen auf Franzö­sisch, und war nur «die Freun­din von….». Die schwie­rigs­te Phase war die, in der ich anfing gut zu verste­hen, aber noch nicht am Gespräch teilneh­men konnte. Anfang Oktober 1977 habe ich meinen ersten Job bei Berlitz angetre­ten. Berlitz war ein idealer Eintritt ins Berufs­le­ben für mich. In der Berlitz­schu­le lehrte man ausschließ­lich seine Mutter­spra­che. So waren meine Kolle­gen natür­lich Deutsche und Öster­rei­cher, und viele Englän­der, Ameri­ka­ner, Austra­li­er, Spani­er, Brasi­lia­ner, Italie­ner, Japaner, etc. Es ähnel­te ein wenig einem Campus. So war es ganz natür­lich, dass meine ersten Freun­de in Paris Briten waren. Wir waren uns in gewis­ser Weise ähnlich, da wir die gleichen Integra­ti­ons­pro­ble­me hatten. Vor allem aber litten wir am gleichen Mangel in Paris : Keine Kneipen!! Massen­wei­se Cafés, Bistros oder Nacht­bars, aber die Kneipe, in der man auf ein Glas Freun­de, Bekann­te oder Unbekann­te trifft, kannte man in Paris damals nicht. Auch ist im Pariser Sozial­le­ben kein Platz für Sponta­ni­tät. Man ruft sich an, lädt sich gegen­sei­tig zum Essen ein oder geht gemein­sam ins Theater oder Kino. (Erst 5 Jahre später, im Vorort von Paris haben wir ein reiche­res Sozial­le­ben gefun­den. Paris ist einfach eine funkeln­de Fassa­de mit reich­li­chem Kultur­ange­bot). Nach und nach lernte ich alles neu: Wo und wie bekommt man welche Papie­re, welche Rechte und Verbo­te gelten für europäi­sche Auslän­der, aber auch die kultu­rel­len Referen­zen. ALLES ist neu. Keiner kennt deine Kinder­lie­der, deine Lieblings­ge­rich­te, deine Kinder­bü­cher, deine dummen Sprüche oder Sprich­wör­ter, sogar Hits und Filme und all die Gewohn­hei­ten, die so alltäg­lich und normal waren. Alles, was man in der Schule gelernt hat, kommt nun in eine Schub­la­de und man muss sich mit all dem, was in meinem Fall die Franzo­sen gelernt haben, ausein­an­der­set­zen und es nach und nach «inkor­pu­rie­ren». Alle Referen­zen müssen neu erlernt werden und plötz­lich wird klar, wie wenig Kultur­gut über die Grenzen kommt: Litera­ri­sche Bestsel­ler, Filme, Humor !!! Niemand kennt Loriot in Frank­reich, aber kennt man Coluche in Deutsch­land? Ich beschrei­be hier in keiner Weise was gut ist oder schlecht, besser oder schlech­ter, das sind nur Beobach­tun­gen und Tatsa­chen. In den ersten Jahren ohne Inter­net, Low-Cost-Flügen und mit teuren Telefon­ge­büh­ren, habe ich mich sehr von Deutsch­land entfernt, bin aber immer Deutsche geblie­ben. Kann man seine Herkunft, seine Erzie­hung, seine Kultur verleug­nen? Ich nicht. Als ich 1980 gehei­ra­tet habe, hätte ich automa­tisch die franzö­si­sche Staats­bür­ger­schaft anneh­men können, hätte aber dafür die deutsche ablegen müssen. (Diese Regelung hat sich inzwi­schen geändert) Das stand für mich außer Frage. Mit dem Tod meiner Mutter habe ich wieder viel Deutsches gelernt. Wo bekommt man welche Papie­re, was musss man tun, wenn…. etc. Völli­ges Neuland nach 45 Jahren Abwesen­heit! Das ist immer noch aktuell. Durch eine unerwar­te­te Erbschafts­an­ge­le­gen­heit habe ich erfah­ren, dass es in Deutsch­land einen Erbschein gibt, welche Funkti­on dieser hat und wie er funktio­niert. Gottsei­dank hilft mir ein netter Notar­an­ge­stell­ter im Ruhestand, der meine Mutter überhaupt ausfin­dig gemacht hat. Am Anfang habe ich immer nur Bahnhof verstan­den…. Es geht in dieser Angele­gen­heit nicht um großes Geld, nur um Grund­buch­be­rei­ni­gung. Da ich aber solche Angele­gen­hei­ten sehr ernst nehme und ich einfach verste­hen muss, was ich tue, beansprucht diese Geschich­te viel Zeit und beschäf­tigt mich ausgie­big. Damit komme ich zu einem Fazit, was die Angele­gen­heit «Auswan­de­rer» betrifft: Egal wie man es angeht oder wie es einem vorge­schla­gen wird, «auswan­dern» oder jegli­che wesent­li­che örtli­che Verän­de­rung bedarf Flexi­bi­li­tät, Offen­heit, Neugier (viel Neugier), Anpas­sungs­fä­hig­keit und guten Willen. Ich habe gelernt, «Wasser in meinen Wein» zu tun. «Mettre de l’eau dans son vin» was so viel bedeu­tet wie einen Kompro­miss einge­hen, seine Forde­run­gen oder Erwar­tun­gen zu reduzie­ren. Ich sehe mein Herkunfts­land und meine Kultur weniger kritisch und wäge mehr das Für und Wider sowohl kultu­rell als auch sozial oder politisch. Ich halte es für ein Privi­leg, im Leben nie auszu­ler­nen. Die alten Griechen sagten «panta rhei», alles fließt, alles ändert sich. Aber auch wo komme ich her und wo gehöre ich hin? Eindeu­tig Europa, dann Deutsch­land mit unter­schied­li­chen Einflüs­sen mehre­rer Wurzeln, all das gut gemischt mit franzö­si­scher Erfah­rung in 48 Jahren. A suivre…..

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1997: Chris mit Ehemann (überlas­sen von Chris­tia­ne Gaertner-Lemoine)

Günther Lübeck aus Boise in Idaho schrieb den folgen­den Bericht: Ich wuchs wohlbe­hü­tet im Zeppe­lin­weg 45 auf. Meine Eltern Marga­re­te und Siegfried Lübeck hatten alle Hände voll zu tun uns Kinder im Griff zu haben. Im Zeppe­lin­weg galt die Regel, dass alle, die gerade da waren, dazu gezählt haben. Da wurde keiner ausge­grenzt. Von 1970 bis 1979 habe ich meine Schul­zeit in der Dreis­sen­tal­schu­le verbracht, die eigent­lich rasend schnell vorbei­ging. Halt! Nicht ganz, denn die ersten 2 Jahre waren wir wegen Platz­man­gel in die Sonnen­berg­schu­le ausge­glie­dert worden. Nun war die Schule für mich nicht wie für andere Schüler einfach nur eine Schule – es war die Schule, an der meine Großel­tern als Hausmeis­ter fungier­ten. Deshalb konnte ich auch nach dem Unter­richt Zeit mit meinen Geschwis­tern, Cousins und Cousi­nen in der Schule verbrin­gen. Nach Beendi­gung der Volks­schu­le habe ich eine Lehre als Feinme­cha­ni­ker bei Carl Zeiss absol­viert und bin heute noch für die Firma unter­wegs.
Von Oberko­chen aus hatte ich dann die Möglich­keit die Welt zu berei­sen, was ich immer sehr spannend fand. In der ersten Etappe verließ ich Oberko­chen, um im Werk Göttin­gen zu arbei­ten. Mit dem Fall der Mauer wurde die Arbeit rasch von Göttin­gen in das Werk nach Jena verlegt. Dennoch bin ich oft in Oberko­chen zu Besuch gewesen und habe mich immer wieder gefreut, in der Heimat vorbei­zu­schau­en. Von Jena aus bin ich dann zuneh­mend mehr und mehr auf Reisen gewesen, die sich dann auch mal in länge­ren Auslands­auf­ent­hal­ten nieder­ge­schla­gen hat. Glasgow, Nimwe­gen, Newcast­le und Singa­pur waren meine damali­gen Statio­nen. Auf einer meiner beruf­li­chen Reisen bin ich dann nach Boise in Idaho gekom­men. Oft habe ich gesagt, dass ich nie nach USA ziehen möchte und doch hat es mich mit meiner Frau dorthin verschla­gen. Es gab das beruf­li­che Angebot in Boise als „Service Engineer“ zu arbei­ten und so wurden die USA unsere neue Heimat. Einmal dort gewesen wussten wir das es unser Platz werden kann. Ich denke es ist nicht nur die Natur, sondern auch die Freund­lich­keit der Leute die uns hier begeis­tert. Den Vorteil, dass ich nun meistens „Local“ arbei­te und nur beding­te Reise­tä­tig­kei­ten habe, hat mein Leben doch sehr zum Vorteil verän­dert.
Natür­lich hat es erstmal eine Weile gedau­ert, hier Wurzeln zu schla­gen. Nach dem Anfangs­stress wegen Papie­ren und Formu­la­ren, haben wir dann versucht, unser Leben zu gestal­ten. Irgend­wann habe ich dann bemerkt, dass wir doch schon mehr wie die Amis leben. Proble­me? Ja, gab es hier und da. Eines der lustigs­ten war, als wir ein Nummern­schild mit den Buchsta­ben „SCHWOB“ besor­gen wollten. Diese Beschrif­tung wurde mehrmals abgelehnt. Dennoch haben wir (in diesem Fall meine Frau) es dann doch geschafft. Und noch heute haben wir unser Nummern­schild und werden es auch behalten.

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Günther Lübeck mit seiner außer­ge­wöhn­li­chen Autonum­mer (Archiv HVO Dietrich Bantel)

Was sind so die 5 haupt­säch­li­chen Unter­schie­de „D zu USA“? Immer wieder fallen uns hie und da die Unter­schie­de zu unserem frühe­ren Leben in Deutsch­land auf. Wir kochen viel, da ein Leben ohne Spätz­le und Maulta­schen eigent­lich nicht schön sein kann. Loriot würde dazu sagen: „Ein Leben ohne Spätz­le ist möglich, aber sinnlos.“ Meine Frau ist zwar norddeut­scher Herkunft, hat aber die Vorzü­ge der Schwä­bi­schen Küche schät­zen gelernt. Reisen mit dem Auto ist auch so eine Sache. Zwar haben wir in Idaho eine Geschwin­dig­keits­be­gren­zung von 80 Meilen/Stunde, fahren aber fast so schnell wie in Deutsch­land. Die länge­ren Strecken machen es dann aus. Auffal­lend ist, dass stunden­lan­ges Fahren deutlich entspann­ter ist. Es wird auch mehr an den Wochen­en­den unter­nom­men, da zusam­men­hän­gen­der Urlaub, wie in „D“ üblich fast nicht gemacht wird, außer wir sind auf Heimat­ur­laub.
Wir leben jetzt seit 20 Jahren in Idaho. Ich versu­che schon hier und da zu erfah­ren, was in Oberko­chen so los ist, aller­dings kann halt das Amtsblatt „Bürger und Gemein­de“ nur bedingt wieder­ge­ben, was in Oberko­chen passiert. Bin aber jetzt in einem Vertei­ler des „Billie vom Sonnen­berg“ gelan­det, der seit 2019 wöchent­lich Infos aus Oberko­chen bundes- und weltweit verschickt.
Da wir allein in Boise leben, gibt es hie und da ein Telefon­ge­spräch in die alte Heimat. Auch der eine oder andere Austausch mit Kolle­gen, die aus der Firma anrei­sen, ist immer ein willkom­me­ner Austausch. Erst neulich hatte ich Kolle­gen aus Oberko­chen bei uns in Boise zu Besuch und bei solchen Gelegen­hei­ten zeige ich unseren Besuchern gerne die Umgebung.

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Günther an seinem Lieblings­ort – der Natur (überlas­sen von Günther Lübeck)

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Günther liebt und genießt gerne die Natur – das merkt man (überlas­sen von Günther Lübeck)

Während meiner Auslands­auf­ent­hal­te habe ich schnell gelernt, dass man nie verglei­chen soll, wo es besser ist und wo nicht. Der Punkt ist einfach, dass es anders ist. Die Natur in Idaho hat es uns schon angetan. Im Norden ist die Vegeta­ti­on ähnlich wie in Oberko­chen. Um aber einen Leber­kä­se zu bekom­men kann ich nicht einfach mal schnell um die Ecke – da muss ich schon 7 Stunden fahren, um bei einem sehr guten Metzger deutsche Schman­kerln wie Landjä­ger, Leber­käs, Leber­wurst und Weißwürs­te einzu­kau­fen.
Wenn wir dann mal in Oberko­chen zu Besuch sind, ist das immer so eine Sache. Erstmal freue ich mich wieder da zu sein, wo ich mich immer noch ein bisschen ausken­ne, und beson­ders, noch erkannt werde. Freun­de zu treffen und sich zu unter­hal­ten, was denn so alles los ist. Dank der heuti­gen Möglich­kei­ten bin ich schon im Groben (Danke für das Amtsblatt online) infor­miert. Und durch die Facebook Seiten der Oberko­che­ner Gruppen (Danke an die Admins) sind auch Bilder dabei, die ich hier in den USA immer freudig zeige.
HEIMAT, was für ein Begriff. Für mich ist Heimat nicht „wo” ich bin, nicht „was” ich bin. sondern „wer” ich bin. Meiner Meinung nach ist jeder Mensch ein Teil seiner Umgebung, die ihn geprägt hat. Und in diesem Sinne bin ich froh und stolz aus Oberko­chen zu stammen. Also kurz gesagt, egal wo mein Zuhau­se ist, Oberko­chen ist immer in mir und bleibt auch da.
Eine kleine Episo­de. Vor einigen Jahren haben unsere Freun­de aus den USA, uns bei einem Besuch in die alte Heimat Oberko­chen beglei­tet. Heute noch, nach vielen Jahren, erzäh­len sie immer noch gerne von ihrem Aufent­halt in Oberko­chen. Eine Geschich­te ist für sie aber bis heute beson­ders gewesen: „Wir hatten ein paar Drinks bestellt. In den USA wird normal das Glas komplett voll mit Eiswür­feln gefüllt. In Deutsch­land ist es üblich den Drink zuzube­rei­ten und am Ende drei Eiswür­fel dazuzu­ge­ben. Mein Freund hat mich gefragt, ob ich nicht mehr Eiswür­fel haben möchte und ob ich nicht fragen wolle. Ich habe ihm gesagt, dass das schon gut so sei, aber ich für ihn habe ich dann doch nachge­fragt. Die Antwort des Wirtes: „Warum mehr Eis? Ich habe dir doch extra die großen gegeben (Tja, im Schwo­ab­land wird scho no gschpart – au mit Eis).

Von Patrick Ditz aus Atlan­ta stammt eine recht frische Auswan­de­rungs­ge­schich­te.
Meine Eltern sind Siegfried und Gerlin­de Ditz aus der Weingar­ten­stra­ße 19. Zuerst ein bisschen etwas über meine Schul- und Ausbildungszeit

• Dreis­sen­tal­schu­le
• Georg-Elser-Schule Königs­bronn
• Techni­sche Schule Aalen (Ausbil­dung zum Fachin­for­ma­ti­ker)
• Theodor-Heuss-Gymna­si­um Aalen (Abitur)
• Univer­si­tät Stutt­gart (Bache­lor of Science, Wirtschafts­in­for­ma­tik)
• 2000–2003 Berufs­aus­bil­dung zum Fachin­for­ma­ti­ker bei der TSI GmbH in Aalen

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Patrick mit Frau, Tochter und Hund (überlas­sen von Patrick Ditz)

Der Grund für die Auswan­de­rung nach USA? Der Haupt­grund für meine Auswan­de­rung war eine Kombi­na­ti­on aus beruf­li­chen Chancen und meiner schon lange bestehen­den Faszi­na­ti­on für das „Land der unbegrenz­ten Möglich­kei­ten“. Bereits während meines Studi­ums absol­vier­te ich 2008 ein sechs­mo­na­ti­ges Prakti­kum bei der „Grenze­bach Gruppe“ in der Nähe von Atlan­ta. In dieser Zeit konnte ich das Land kennen­ler­nen und knüpf­te Freund­schaf­ten, die bis heute bestehen. Nach meinem Studi­um erhielt ich ein Joban­ge­bot bei der „Libel­le AG“ mit der Möglich­keit, in die US-Nieder­las­sung nach Atlan­ta zu wechseln. Dadurch bekam ich mein Arbeits­vi­sum und zog 2011 mit zwei Koffern in die USA. Später eröff­ne­te mir die Green Card weite­re beruf­li­che Möglich­kei­ten. Nach mehre­ren Jahren mit „Deloit­te und Accen­ture“, arbei­te ich jetzt bei „World Wide Techno­lo­gy“ *** als Senior Manager und leite die „Cyber Securi­ty Praxis“.

*** Als Techno­lo­gen und Innova­to­ren ermög­licht uns unsere Exper­ti­se in KI, Cyber­si­cher­heit, digita­ler Trans­for­ma­ti­on, Cloud- und Rechen­zen­trums­in­fra­struk­tur, Netzwer­ken, Daten­ana­ly­se, Automa­ti­sie­rung und mehr, bahnbre­chen­de Lösun­gen zu liefern, die Unter­neh­men neu definie­ren, Branchen revolu­tio­nie­ren, Gemein­schaf­ten trans­for­mie­ren und die Erwar­tun­gen übertref­fen. Wir stellen uns nicht nur eine besse­re Zukunft vor – wir schaf­fen sie. Unser Advan­ced Techno­lo­gy Center (ATC) befähigt Organi­sa­tio­nen, Ideen zu testen, Strate­gien zu validie­ren und Innova­tio­nen mit Zuver­sicht zu beschleu­ni­gen. Mit Sitz in St. Louis beschäf­ti­gen wir mehr als 14.000 Mitar­bei­ter und betrei­ben fast 5 Millio­nen Quadrat­fuß Lager‑, Vertriebs- und Integra­ti­ons­flä­che in mehr als 20 Stand­or­ten weltweit. Unser unerschüt­ter­li­ches Engage­ment für unsere Mitar­bei­ter, unsere Kunden, unsere Partner, unsere Kultur und unsere Grund­wer­te leitet weiter­hin alles, was wir tun.
Atlan­ta ist für mich ein idealer Wohnort, weil sich dort beruf­li­che Chancen und Lebens­qua­li­tät gut verbin­den lassen. Die Stadt ist wirtschaft­lich sehr stark und bietet viele Karrie­re­mög­lich­kei­ten, insbe­son­de­re im inter­na­tio­na­len Umfeld, und daher ein „Melting Pot“ für viele Europä­er. Man kann sich also hier als „Auslän­der“ ganz wohl fühlen. Durch meine Tätig­keit als IT-Consul­tant bin ich regel­mä­ßig auf Achse, und habe dadurch so ziemlich alle Flecken der USA bereist. Klar gibt es auch schöne­re Orte, aber ich habe mich dort immer sehr wohl gefühlt. Mit dem verkehrs­reichs­ten Flugha­fen der Welt, gibt es auch mehre­re tägli­che Direkt­flü­ge nach Deutsch­land, was Besuche bei Familie und Freun­den erleichtert.

Viele deutsche Firmen, wie z.B. Porsche, Merce­des, oder Lufthan­sa haben in Atlan­ta Ihren US-Haupt­sitz, und mit ca. 17.000 deutschen Expats hat Atlan­ta viel zu bieten, was deutsche Kultur angeht. Außer­dem gibt es in Atlan­ta eine große deutsche Commu­ni­ty mit vielen deutschen Firmen und kultu­rel­len Angebo­ten, wie z.B. die German Ameri­can Chamber of Commer­ce (GACC), die German Ameri­can Cultu­re Founda­ti­on (GACF), das Goethe Insti­tut, sowie drei komplett deutsch­spra­chi­ge Schulen. Nicht zu verges­sen, auch einen deutschen Biergar­ten, Bäcke­rei, Metzge­rei, und sogar auch Lidl und Aldi. Dadurch fällt es leich­ter, sich als Deutscher einzu­le­ben und gleich­zei­tig den Kontakt zur Heimat zu behalten

Im Allge­mei­nen kann ich mich sehr gut mit dem Lebens­stiel der Ameri­ka­ner identi­fi­zie­ren. Es ist alles etwas locke­rer hier, die Menschen sind freund­lich (man spricht oft von der „Southern Hospi­ta­li­ty“), und man hat generell viele Freihei­ten, die man in Deutsch­land so nicht hat.

Was waren die Anfangs­schwie­rig­kei­ten? Wie bei jeder Auswan­de­rung war der Anfang eine Heraus­for­de­rung. Viele Dinge, die in Deutsch­land selbst­ver­ständ­lich waren, muss man als Auswan­de­rer wieder erneut lernen. Angefan­gen beim Bankkon­to eröff­nen, wie es bei der Führer­schein­stel­le abläuft, wie man ein Haus kauft, usw. Wie schon erwähnt, gibt es glück­li­cher­wei­se eine große „German Commu­ni­ty“, und jeder ist bereit zu helfen. Dadurch konnte ich mich schnell einle­ben und die anfäng­li­chen Schwie­rig­kei­ten gut meistern. Nach 15 Jahren, muss man natür­lich auch einge­ste­hen, dass nicht immer alles Gold ist was glänzt, und es gibt defini­tiv Dinge, die man nur schwer akzep­tie­ren kann und einfach so hinneh­men muss, aber ich denke das ist überall so.

Was sind so die haupt­säch­li­chen Unter­schie­de Deutsch­land zu USA? Zentra­le Klima­an­la­gen: Da muss ich ehrlich zugeben, dass ich mittler­wei­le sehr verwöhnt bin, was die Besuche in Deutsch­land im Sommer unange­nehm machen kann. Sprit­prei­se: Der Liter Benzin kostet umgerech­net ca. 0,80 €, was für mich als Autonarr natür­lich wie im Paradies ist. Drive through: Von Banken bis zum Kaffee, die Ameri­ka­ner sind sehr bequem und es hat fast alles einen „Drive through“, sodass man bequem vom Auto aus alles erledi­gen kann.

Persön­li­ches. Familie: Ich bin nun schon seit über 15 Jahren in den USA. Meine Frau heißt Leigh Ann und wir haben zwei Kinder (Nora, 7 Jahre, und Bruno, 5 Monate). German Background: Meine Frau und die Kinder lieben deutsches, oder besser gesagt, schwä­bi­sches Essen, und die Koffer sind nach einem Besuch in Deutsch­land immer vollge­packt mit Maulta­schen. Alles andere kann man mittler­wei­le auch vor Ort kaufen, egal ob Schnit­zel, Weißwurst, oder Leber­kä­se. Staats­an­ge­hö­rig­keit: Meine Kinder haben die doppel­te Staats­bür­ger­schaft und wachsen zweispra­chig auf. Meine Tochter geht samstags zusätz­lich zur „German School of Atlan­ta“ und ich habe sie seit 2021.

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40 Patrick mit KIndern (überlas­sen von Patrick Ditz)

Heimat und Kontakt zu ihr: Laut Defini­ti­on ist Heimat „ein Begriff der ein starkes Gefühl der Zugehö­rig­keit, Gebor­gen­heit und Vertraut­heit beschreibt, oft verbun­den mit dem Ort der Kindheit oder Herkunft“. Meine Heimat ist defini­tiv Oberko­chen, und wird es auch immer bleiben, aber mein Lebens­mit­tel­punkt ist mittler­wei­le die USA. Ich komme ca. 2–3‑mal im Jahr nach Deutsch­land und meine Familie aus Deutsch­land kommt auch öfter auf Besuch in die USA, daher sieht man sich dann doch relativ häufig.

Wilfried „Wichai“ Müller – Billie vom Sonnen­berg – Der Nicht-Ausgewanderte

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