Maßgeblich am Erfolg beteiligt waren nachfolgend aufgeführte Führungspersonen (die Auflistung erfolgt namentlich A‑Z und ist meine subjektive Auswahl):

Prof. Walter Wilhelm Johannes Bauersfeld * 23. Jan. 1879 in Berlin † 28.10.1959 in Heidenheim (Foto: Archiv Zeiss Jena)
Prof. Dr. Walter Bauersfeld, Geboren: 23. Januar 1879 in Berlin; gestorben am 28. Oktober 1959 in Heidenheim an der Brenz. Studium des Maschinenbaus an der TH Berlin‑Charlottenburg, Diplom 1902; Promotion 1904. Ab 1908 Mitglied der Geschäftsleitung bei Carl Zeiss Jena. 1927–1945 außerordentlicher Professor für Physik an der Universität Jena; nach 1945 Honorarprofessor in Stuttgart. Ab 1919 entwickelte Bauersfeld das erste Planetarium; 1923 wurde es im Deutschen Museum München vorgestellt. Nach 1945 Mitaufbau der optischen Werke in Oberkochen. Er genoss als Erfinder des Planetariums Weltruhm.

Dr. Ing Peter H. Grassmann * 21. Nov. 1939 in München (Foto: Archiv Zeiss Jena)
Dr. Ing. Peter H. Grassmann. Geboren: 21. November 1939 in München. Aufgewachsen in Dresden und Bayern; frühe Prägung durch naturwissenschaftliches Umfeld. Studium der Physik an der TU München. Promotion 1968 am Max‑Planck‑Institut für Physik im Bereich Plasmaphysik (bei Werner Heisenberg). Forschungsaufenthalt am MIT, Cambridge/USA.
Er ist ein deutscher Physiker, Top‑Manager und später Wirtschaftsethiker, der sowohl bei Siemens als auch bei Carl Zeiss zentrale Transformationsprozesse leitete. Besonders bekannt wurde er durch die Sanierung der Carl Zeiss Gruppe in den 1990er‑Jahren. Er spielte in der Zeiss‑Geschichte der 1990er‑Jahre eine Schlüsselrolle: Er war der Manager, der die Sanierung, Neuordnung und strategische Neuausrichtung der Carl‑Zeiss‑Gruppe nach der deutschen Wiedervereinigung durchsetzte. Sein Wirken gilt als entscheidender Wendepunkt der modernen Zeiss‑Historie: Er sicherte das Überleben der Zeiss‑Gruppe. 1994 stand Zeiss Jena kurz vor dem Zusammenbruch. Grassmanns Sanierung verhinderte die Zerschlagung. Seine Zeit in Oberkochen dauerte bis 2001.
Er legte durch seine Arbeit die Basis für spätere Weltmarktführerschaften in der
- Halbleiteroptik → Grundlage für ASMLs Aufstieg
- Medizintechnik → späterer Erfolg von Zeiss Meditec
- Messtechnik → global führend
- Zudem modernisierte er die Stiftungsstruktur und führte Zeiss in eine moderne, global ausgerichtete Unternehmensform – ohne die Stiftungsprinzipien Ernst Abbes aufzugeben
Ausgangslage: Zeiss nach der Wiedervereinigung
Nach 1990 befand sich die Zeiss‑Gruppe in einer historischen Ausnahmesituation:
- Zwei Unternehmen trugen den Namen „Carl Zeiss“: Zeiss Oberkochen (Stiftungsunternehmen, Westdeutschland) und VEB Carl Zeiss Jena (DDR‑Kombinat).
- Die wirtschaftliche Lage in Jena war kritisch, die Strukturen veraltet, die Märkte weggebrochen.
- Die Stiftung suchte eine Führungspersönlichkeit, die Technologie, Management und Restrukturierung beherrschte.
- Am 17. März 1994 erklärte der Stiftungskommissar vor den Führungskräften
- Treuhandmittel sind aufgebraucht
- Das Eigenkapital reicht noch für ein Jahr
- Mit Jena schreibt die Stiftung Verluste
- Auch ohne Jena ist die Situation unbefriedigend
- Es ist sofort zu handeln
- Es ist keine Zeit für Diskussionen
- Externe Hilfe ist erforderlich
- Am 20. Oktober 1994 erklärte der Stiftungskommissar im Hotel Fontana in Stuttgart-Vaihingen: „Zeiss ist ein Sanierungsfall!“
- Am 9. November 1994 stand in den Zeitungen: „Peter Grassmann wird neuer Chef bei Zeiss“.
- 1994 wurde Peter Grassmann vom Stiftungskommissar Hermann Franz als Vorstandsvorsitzender berufen, um Zeiss zu sanieren.
Die Lage in Oberkochen war 1994 mehr als angespannt. Es ging um alles. Mein Bruder, Harald „Boxer“ Müller war als gebürtiger Oberkochener mit einem Fernsehteam aus Stuttgart in seinen Heimatort geschickt worden, um die Demos ins Fernsehen zu bringen. Diese fanden in Stuttgart-Vaihingen vor dem Hotel Fontana (heute Pullmann Stuttgart Fontana, bis heute mein Stamm-Hotel, wenn ich in Stuttgart bin) und in Oberkochen statt. Am 26. Oktober 1994 demonstrierten 4.500 Zeiss-Mitarbeiter für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze; am 10. November 1994 erneut 3.500 vor dem Vorstandshaus in Oberkochen.
- Es ging um bis zu 3.000 Stellen, davon über 1.500 im Westen.
- Auf Plakaten standen Slogans wie „Aufbau Ost, Abbau West – wir sagen nein“.
- Die Stimmung war aufgeheizt, weil viele glaubten, die Integration von Zeiss Jena sei Ursache der Krise.
- Der damalige Betriebsratsvorsitzende Edwin Michler warnte vor einer Eskalation kurz vor einer entscheidenden Sitzung am 20. Oktober 1994.
- Die Region Ostalb „zitterte“, weil Zeiss der wichtigste Arbeitgeber war.
- Der Vorstandssprecher Jobst Herrmann trat in dieser Phase zurück.
- 1996 wurde das Werk Bopfingen mit 100 Beschäftigten geschlossen.
Die Proteste zeigten auch einen deutlichen Konflikt zwischen den Standorten:
- Viele Beschäftigte in Oberkochen glaubten, die Verluste in Jena seien der Hauptgrund für die Krise.
- In Jena wiederum protestierten Beschäftigte gegen weitere Kürzungen und verwiesen auf bestehende Vereinbarungen, die Entlassungen eigentlich ausschließen sollten.
Grassmanns strategische Maßnahmen in den Jahren 1994 bis 1998
Sanierung des Standorts Jena.
- Rückführung in profitables Arbeiten
- Neuordnung der Geschäftsbereiche
- Vorbereitung späterer Ausgründungen (z. B. Jenoptik, Zeiss Meditec)
Integration zweier Unternehmenskulturen. Er musste zwei sehr unterschiedliche Systeme zusammenführen:
- Westdeutsche High‑Tech‑Strukturen
- Ostdeutsche Großkombinat‑Strukturen Dies war ein sozial, organisatorisch und politisch hochkomplexer Prozess.
Bedeutung für Oberkochen und die Ostalb: Grassmann hatte für Oberkochen eine zentrale, fast existenzielle Bedeutung, weil er in den 1990er‑Jahren die Sanierung und strategische Neuausrichtung von Carl Zeiss leitete – und damit den wichtigsten Arbeitgeber der Stadt stabilisierte und modernisierte. Die Stabilisierung des Unternehmens war für die Region wirtschaftlich überlebenswichtig, da Zeiss der größte Arbeitgeber der Ostalb ist. Oberkochen ist eng mit Zeiss verbunden – wirtschaftlich, sozial und kulturell. Grassmanns Kurswechsel
- beruhigte die Lage in Oberkochen
- verhinderte massive Arbeitsplatzverluste und eine mögliche Zerschlagung des Konzerns
- stabilisierte die Region Ostalb
- machte Oberkochen zu einem Hightech‑Zentrum
- und legte die Basis für das spätere Wachstum
Ohne seine Eingriffe wäre Oberkochen in nahezu allen Belangen wohl kaum wiederzuerkennen.
Bedeutung für die Zeiss‑Geschichte: Warum war Grassmann so wichtig für die Lösung der Krise? Weil er gleichzeitig Manager, Stratege und Vermittler war:
- Er brachte Erfahrung aus der Siemens‑Medizintechnik mit.
- Er verstand die Bedeutung der Stiftungskonstruktion.
- Er konnte zwischen Oberkochen, Jena, Politik und Belegschaft vermitteln.
(Quellen TAZ, Schwäbische Post, KI, Wikipedia und Schwäbische Zeitung)
Seit seinem Ausscheiden bei Carl Zeiss ist der Träger des Verdienstordens 1. Klasse der Bundesrepublik als Politik- und Wirtschaftsberater, Autor und Wirtschaftsethiker tätig. Peter H. Grassmann, der in der Nähe von München lebt, gilt als Verfechter einer werteregulierten Marktwirtschaft, ohne die der Kapitalismus langfristig nicht überleben werde.
Zu dem Thema hat er auch drei Bücher geschrieben: „BurnOut – Wie wir eine aus den Fugen geratene Wirtschaft wieder ins Lot bringen“ und „Plateau 3 – Zukunft vererben – Werteregulierte Marktwirtschaft und Bürgerdemokratie“. Grassmann ist unter anderem Mitglied des Beirats der Deutschen Umweltstiftung, sitzt im Vorstand der Umwelt-Akademie und in den Kuratorien des Vereins Mehr-Demokratie und des Forums ökosoziale Marktwirtschaft. Sein neuestes Buch „Demokratie neu denken“ veröffentlichte er im Alter von 86 Jahren im Jahr 2025.
In diesem Buch beschreibt er u.a. seine Arbeit bei Zeiss wie folgt: „… Die spektakulärste Entscheidung war, bei Carl Zeiss in das kapitalintensive Feld der Extremoptiken für die Chip-Industrie zu investieren. Diese Industrie ist sehr zyklisch. Die Investitionsbereitschaft bewegt sich in starken Spitzen auf und ab. Die notwendigen Reinraumfabriken waren zu finanzieren im Finanzverbund mit der Schwesterfirma Schott. Deren Vorstand war gegen dieses Engagement. Ich aber antwortete: „Wir machen das!“ Der Finanzvorstand, der für beide Firmen zuständig war, erklärte daraufhin seinen Rücktritt bei Carl Zeiss. Damit ohne Finanzvorstand, aber mit dem Rückenwind der Kapitalkraft von ASML konnten wir in die Hochleistungsoptiken für die Chip-Industrie einsteigen. Diese Millionen teuren Optiken waren und sind die Basis des holländischen Produzenten von Lithograhie-Systemen ASML, der aufgrund dieser Entscheidung in den Folgejahren zu einer der erfolgreichsten Aktiengesellschaften Europas aufstieg und dies bis heute ist…“ (mit Erlaubnis von Dr. Peter Grassmann)

Paul Henrichs * 3. Jan. 1882 in Aachen † 7. Nov. 1962 – Zum 50sten Dienstjubiläum am 22.3.1951 (Foto: Archiv Zeiss Jena)
Kaufmann Dr. Paul Henrichs. Geboren: 3. Januar 1882 in Aachen; gestorben: 7. November 1962. 1901: Beginn der kaufmännischen Lehre bei Carl Zeiss Jena. Frühe Karriere: Ausbildung im In- und Ausland; mit 24 Jahren Leiter der Zeiss‑Niederlassung London. Nach dem Ersten Weltkrieg: Aufbau der nationalen und internationalen Vertriebsorganisation von Zeiss. 1926: Eintritt in die Geschäftsführung von Carl Zeiss. 1934: Mitglied der Geschäftsleitung des Jenaer Glaswerks Schott & Gen. 1941: Bevollmächtigter der Carl‑Zeiss‑Stiftung. Nach 1945: Mitwirkung beim Wiederaufbau der Zeiss‑Unternehmen in Oberkochen; später u. a. Aufsichtsratsvorsitzender der Zeiss Ikon AG. Er war einer der prägenden Manager der deutschen Feinmechanik‑ und Optikindustrie. Er professionalisierte den internationalen Vertrieb von Zeiss, führte das Unternehmen durch Krisenzeiten und spielte nach 1945 eine Schlüsselrolle beim Wiederaufbau der westdeutschen Zeiss‑Strukturen.

Dr. Michael Kaschke * 18. Jun. 1957 in Greiz (Foto: Archiv Zeiss Oberkochen)
Prof. Dr. Michael Kaschke. Geboren: 1957 in Greiz (Thüringen). Studium der Physik an der Friedrich‑Schiller‑Universität Jena. Promotion und Habilitation 1986/88 im Bereich Laserphysik. Forschungsaufenthalte in den USA (u. a. IBM New York). Ab 1992 bis 2020 in Führungspositionen bei Zeiss, lebt seitdem in Oberkochen. Er ist ein deutscher Physiker, Technologie- und Wissenschaftsmanager und ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Carl Zeiss AG. Er gilt als einer der prägenden Gestalter der modernen Zeiss‑Gruppe und war maßgeblich daran beteiligt, das Unternehmen technologisch, organisatorisch und global neu auszurichten Er gilt als einer der wichtigsten Zeiss‑Manager der letzten Jahrzehnte. Er prägte das Unternehmen durch:
- Technologische Fokussierung (Halbleiteroptik, Medizintechnik, Mikroskopie)
- Globalisierung des Konzerns
- Sanierung der Augenoptik und Börsengang der Medizintechnik
- Beschleunigte Digitalisierung der Geschäfte
- Stärkung der Innovationskultur
Unter seiner Führung entwickelte sich Zeiss zu einem der erfolgreichsten High‑Tech‑Konzerne Europas. Heute Gesellschafter und Mitglied des Aufsichtsrats der Robert Bosch GmbH, Mitglied der Leopoldina und Präsident des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft.

Dr. Gerhard Kühn * 3. Jan. 1902 † 1990 – aufgenommen am 27.3.1962 anlässlich seines 60sten Geburtstags (Foto: Archiv Zeiss Jena)
Dr. Gerhard Kühn (Ehrenbürger in Oberkochen). Geboren 1907. Gestorben 1988. Studium der Physik; Promotion im Bereich Optik. Ab den 1930er‑Jahren wissenschaftliche Tätigkeit bei Carl Zeiss Jena. Nach 1945 führende Rolle beim Wiederaufbau der Forschungsabteilungen. Später Direktor für Forschung und Entwicklung. Kühn gehörte zu jener Generation von Zeiss‑Wissenschaftlern, die die Optikforschung in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg neu strukturierten. Seine Arbeit stärkte die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Zeiss und prägte die Entwicklung moderner optischer Mess‑ und Analysegeräte.

Heinrich „Heinz“ Küppenbender („Küpp“) * 23. Jan. 1901 in Waldniel † 5.Jul. 1989 – aufgenommen zum 25sten Dienstjubiläum am 1.9.1952 (Foto: Archiv Zeiss Jena)
Dr. Heinz Küppenbender (Ehrenbürger in Oberkochen). Geboren: 23. Februar 1901 in Waldniel; gestorben: 4. Juli 1989. Studium des Maschinenbaus an der TH Aachen, Diplom 1924; Assistent 1926–1927. Ab 1927: Tätigkeit bei Carl Zeiss Jena. 1929–1941: Chefkonstrukteur bei Zeiss Ikon in Dresden. 1941: Mitglied der Geschäftsleitung von Carl Zeiss Jena. 1947–1972: Technischer Leiter bei Carl Zeiss Oberkochen. 1966–1970: Mitglied der Bildungskommission des Deutschen Bildungsrates. Küppenbender war einer der wichtigsten technischen Köpfe der Zeiss‑Gruppe im 20. Jahrhundert. Seine Arbeit an der Contax‑Kamera und seine jahrzehntelange technische Leitung in Oberkochen machten ihn zu einer Schlüsselfigur der deutschen Optik‑ und Kamerageschichte. Er verkündete im Jahr 1957 erstmals eine Jahresabschlussprämie in Höhe von 3 % des Jahresgehaltes.

Dr. Dieter Kurz * 4. Feb. 1948 in Tübingen – aufgenommen beim Presseempfang im Jahr 2006 im Gespräch mit Wolfgang Schmidt (Foto: Archiv Zeiss Jena)
Dr. Dieter Kurz. Geboren: 1948 in Tübingen. Studium der Physik an der Universität Tübingen. Promotion 1976 im Bereich Festkörperphysik. Ab 1979 bis 2010 bei Carl Zeiss in verschiedenen technischen und strategischen Funktionen.
Er ist ein deutscher Physiker, Technologiemanager und ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Carl Zeiss AG. Er zählt zu den prägenden Führungspersönlichkeiten der modernen Zeiss‑Geschichte und führte das Unternehmen durch eine Phase tiefgreifender technologischer und struktureller Erneuerung. Er gilt als einer der zentralen Architekten des modernen Zeiss‑Konzerns. Er prägte das Unternehmen durch:
- Technologische Exzellenz und klare Innovationsstrategie
- Stabilisierung und Wachstum in einer Phase globaler Marktveränderungen
- Stärkung der Halbleiteroptik, die heute das wichtigste Zukunftsfeld von Zeiss ist
- Modernisierung der Stiftungsstrukturen
Unter seiner Führung entwickelte sich Zeiss zu einem globalen High‑Tech‑Akteur mit klarer strategischer Ausrichtung.

Dr. Wolfgang Pfeiffer * unbekannt – aufgenommen am 5.6.1979 (Foto: Archiv Zeiss Jena)
Dr. Wolfgang Pfeiffer. Geboren: 1929. Gestorben: 2003. Studium der Physik, Promotion im Bereich Optik. Ab den 1950er‑Jahren bei Carl Zeiss Oberkochen. Aufstieg über Forschung, Entwicklung und Produktmanagement in die Unternehmensführung.
Er war ein deutscher Physiker, Technologie‑Manager und langjähriges Mitglied der Geschäftsführung von Carl Zeiss. Er zählt zu den zentralen Gestaltern der Zeiss‑Entwicklung in der Nachkriegszeit und prägte insbesondere die Bereiche Mikroskopie, Optikforschung und strategische Unternehmensführung. Er gilt als einer der intellektuellen und strategischen Köpfe der Zeiss‑Gruppe. Er prägte das Unternehmen durch:
- Stärkung der wissenschaftlichen Exzellenz
- Modernisierung der Mikroskopie‑ und Optikforschung
- Strategische Weiterentwicklung des Konzerns
- Gestaltung der Zeiss‑Strukturen in der Zeit der Wiedervereinigung
Sein Wirken trug wesentlich dazu bei, dass Zeiss in den 1980er und 1990er Jahren seine Position als globaler Technologieführer behaupten konnte.

Dr. Horst Skoludek * 26. Mai. 1927 in Penzig † 11. Nov. 2020 – aufgenommen am 19.8.1961 (Foto: Archiv Zeiss Jena)
Dr. phil. nat. Horst Skoludek. Geboren: 26. Mai 1927 in Penzig (heute Piensk, Polen). Gestorben: 11. November 2020 im Alter von 93 Jahren. Studium der physikalischen Chemie, Physik, Mineralogie und Betriebswirtschaft in Jena, Göttingen und Frankfurt; Promotion 1960 zum Dr. phil. nat. Er war kein lauter Visionär, sondern ein strategischer Realist
- der bodenständig war
- klar in Entscheidungen
- loyal zum Unternehmen
- und mit einem starken Verantwortungsgefühl gegenüber Mitarbeitern
- Sein Stil prägte die Unternehmenskultur nachhaltig.
Er war einer der prägenden Industriemanager der deutschen Optikbranche und über Jahrzehnte eine zentrale Führungspersönlichkeit bei Carl Zeiss Oberkochen. Als Vorstandssprecher (1982–1992) führte er das Unternehmen durch Internationalisierung, wirtschaftliche Erneuerung und – besonders bedeutend – durch die Wiedervereinigung der Zeiss‑Betriebe in Ost und West.
Skoludek war für Carl Zeiss einer der wichtigsten strategischen Gestalter der Nachkriegszeit. Seine Bedeutung liegt vor allem in drei Bereichen: Modernisierung, Internationalisierung und der Wiedervereinigung der Zeiss‑Unternehmen nach 1990. Seine Rolle war nicht nur die eines Managers, sondern die eines Transformers: Er führte Zeiss aus einer technisch exzellenten, aber organisatorisch veralteten Struktur in ein global wettbewerbsfähiges Hightech‑Unternehmen. Skoludek erkannte früh, dass Zeiss zwar technisch führend war, aber zu sehr wie ein akademisches Institut funktionierte. Unter seiner Führung wurde Zeiss
- marktorientierter – stärkere Ausrichtung auf Kundenbedürfnisse
- professioneller im Management – klare Verantwortlichkeiten, moderne Führungsstrukturen
- finanziell robuster – Aufbau großer Rückstellungen, hohe Investitionen
Er verwandelte Zeiss von einem „Hochschulinstitut mit Werkstätten“ in ein internationales Technologieunternehmen und er war einer der ersten Zeiss‑Manager, die global dachten. Seine Station in New York (1966–1969) prägte ihn – und später das Unternehmen.
Er trieb maßgeblich voran:
- den Aufbau starker US‑ und Asien‑Präsenzen
- die Professionalisierung des weltweiten Vertriebs
- die Positionierung von Zeiss als globaler Premiumanbieter
Damit legte er die Grundlage für die heutige internationale Stärke des Konzerns.
Die Wiedervereinigung der Zeiss‑Betriebe war sein größtes Vermächtnis. Nach 1990 mussten die jahrzehntelang getrennten Unternehmen Zeiss Oberkochen und Zeiss Jena wieder zusammengeführt werden – wirtschaftlich, organisatorisch und kulturell. Er war der Architekt dieses Prozesses:
- Er verhandelte mit Politik, Treuhand und Belegschaften
- Er setzte auf Kooperation statt Konfrontation
- Er bewahrte die Marke Zeiss vor einer Zerschlagung
Unter seiner Führung (1982–1992) gab es eine starke wirtschaftliche Wirkung:
- stieg der Umsatz von 500 Mio. DM auf 2,4 Mrd. DM
- investierte Zeiss 1 Mrd. DM in Zukunftstechnologien
- wurden 800 Mio. DM Pensionsrückstellungen aufgebaut
Teil 3 der Zeiss-Story nach der Sommerpause
Immer auf der Suche, auch nach Firmen-Geschichten – Billie vom Sonnenberg