CZ und das Wohnen – eines der Hauptprobleme im damaligen Oberkochen. Die Inbetriebnahme des Oberkochener Werkes im Juni 1946 wurde durch eine Belegschaft von rund 200 Mitarbeitern geleistet: Zu den Wissenschaftlern und Ingenieuren aus Jena waren neu eingestellte Optiker und Feinmechaniker — Einheimische und Flüchtlinge sowie aus der Kriegsgefangenschaft entlassene „Zeissianer“ — hinzugetreten. Im Januar 1947 meldeten sich die ersten aus Jena geflüchteten Mitarbeiter in Oberkochen. Für sie mussten auf dem Werksgelände Notunterkünfte eingerichtet werden. Im März 1948 wurde ein Werkswohnungsausschuss gebildet und paritätisch von der Geschäftsleitung und vom Betriebsrat besetzt. Bis November 1949 waren 258 Werkswohnungen — 123 davon werkseigen und 135 werksgefördert — errichtet. Gleichzeitig war die Mitarbeiterzahl von 750 im Juni 1948 auf 1400 angestiegen. Hiervon waren rund ein Drittel Einheimische, ein weiteres Drittel stammte aus Jena, den Rest stellten aus der Tschechoslowakei vertriebene Deutsche. Planmäßig wurde die Mitarbeiterzahl weiter ausgebaut: Im März 1951 betrug sie bereits 2300. Dabei war der Anteil der Jenaer auf relativ 25% zurückgegangen, während die Einheimischen konstant 33% der Mitarbeiter stellten. Angestiegen durch gezieltes Anwerben von Fachkräften war die Anzahl der Heimatvertriebenen auf 42%. Das rasche Anwachsen der Mitarbeiter verstärkte den Bedarf an weiterem Wohnraum, den die 1951 vorhandenen 400 13 Vgl. ad 3/1971 ff. 4 14 Vgl. Zeiss im Bild (im Weiteren: ZiB) 3/1978 ff. sowie Aalener Volkszeitung vom 25. November 1989 werkseigenen bzw. werksgeförderten Wohnungen noch immer nicht befriedigen konnten. Ende 1954 waren mit staatlicher Hilfe 1.175 Wohnungen errichtet. (Quelle: Klaus J. Becker „Sie sind unser Schicksal“). Im Jahr 1955 wurde eine Erweiterung der Baracken vorgenommen und 1976 wurde nahezu alle abgerissen. Dazu gibt es auch meinen Bericht 662 mit dem Titel „Nach dem Krieg — Ein Dorf platzt aus allen Nähten“

1957: Heute nicht mehr vorstellbar, in welchen Dimensionen und Bauzeiten damals bezahlbarer Wohnraum erstellt wurde (Archiv Müller)

Im Jahr 1976 wurden Baracken im großen Stil abgerissen (Foto: Archiv Zeiss Jena)

Im Jahr 1955 wurden weitere Baracken erbaut (Foto: Archiv Zeiss Jena)
CZ und seine Feste – ab und zu wurde groß gefeiert.
Da war zum einen das Betriebssportfest, das 1952 zum ersten Mal veranstaltet wurde. Später gab es das ein oder andere Familienfest. Und ihr könnt sicher sein – kein Fest ohne Thüringer Rostbratwurst.
Hervorheben möchte ich das Festwochenende aus dem Jahr 1986 vom 16. bis 18. Juni. Es gab eine Betriebsversammlung im Festzelt / das internationale Leichtathletikfest / Fußballspiele / und das berühmte „Fest der 100 Pfennige“ (vermutlich hat alles nur 100 Pfennige gekostet)
Rund 6.000 Zeissianer feierten im Festzelt im Schwörz ihr Betriebsfest. Der bunte Abend wurde von Michael Branik vom SDR moderiert und Eberhard Gienger ging noch weit nach Mitternacht ans Reck. Ehrlich! Natürlich fand das Fest rund um den 17. Juni statt – kein besseres Datum als dieses. Das war in der Tat ein Jahrhundertfest: „1,6 Tonnen Leberkäs, 120 kg Schweinebauch, 190 kg Rauchfleisch / 2.000 Paar Wienerle / 27.153 Thüringer Rostbratwürste / 22.000 Liter Bier und wenn der Bäcker lieferte, gingen 700 Wecken in 5 Minuten über den Tresen.“
PS: Bei diesem Event gab sich auch der F.C. Wettingen aus der Schweiz die Ehre, damals sogar Erstligist und für den UEFA-Cup qualifiziert (Wettingen ist ein Nachbarort von meinem Schweizer Domizil Geroldswil). Heute nur noch 6.Liga.

Das allererste Betriebsfest am 12.7.1952 wurde zünftig abgehalten (Archiv Müller)

Schlechthin das Fest der Feste im Jahr 1986 – Eröffnung des Carl-Zeiss-Stadions am 17. Juni (Archiv Zeiss Oberkochen)
CZ und der Verkehr – ein dynamischer Mitkämpfer für die Umgehungsstraße B 19. Der Zustand und die Straßenführung der B19 war allen (den Bürgern, den Politikern und der Industrie) ein Dorn im Auge geworden. Wachsender Verkehr, bedingt durch das ungeheure wirtschaftliche Wachstum, sorgte für eine Überlastung der alten B19. Auch bestand durch den wachsenden Verkehr ein höheres Unfallrisiko. Im Auftrag von Dr. Ing. Heinz Küppenbender erstellte Zeiss eine Verkehrsstudie, um für das entscheidende Gespräch am Samstag, 7. Mai 1955 um 15 Uhr gewappnet zu sein. Dieses fand dann wohl im „Rössle“ in Königsbronn in einem kleinen Kreis statt. Teilnehmer waren der baden-württembergische Wirtschaftsminister Dr. Hermann Veit, die Landräte und die Landtagsabgeordneten der Kreise Aalen und Heidenheim sowie aus der Industrie Direktor Hugo Rupf von Voith, Direktor Drechsel von Schwenk-Zement und Dr.-Ing Heinz Küppenbender von Zeiss. Küppenbender präsentierte an diesem Tag eine Bildmappe über die 64 km lange Strecke zwischen Aalen und Ulm, um auch visuell auf den miserablen Zustand dieser Strecke aufmerksam zu machen. Die Mappe war so eindrücklich, dass sogar der Fachverband Zement um eine Kopie bat, damit bundesweit auf den allgemeinen Zustand der deutschen Straßen aufmerksam gemacht werden konnte.

Das berühmt-berüchtigte frühere „Adler-Eck“ in Unterkochen (Archiv Müller)

Die Ortsdurchfahrt in Oberkochen – Höhe Abzweigung zum Rathaus (Archiv Müller)
Zusammenfassende Schilderung (in Auszügen) des Zustandes der Bundesstraße B19 von Aalen bis Ulm
Die Bundesstraße 19, die in den Grundlagen zum großen Teil noch der alten Poststraße entspricht, befindet sich gegenwärtig in einem derartigen Zustand, dass die Verkehrssicherheit auf der gesamten Strecke (von Aalen bis Ulm), mit ganz geringen Ausnahmen, stark gefährdet ist. ….. Jedes Jahr steht die gesamte Industrie im Kocher-/Brenz-Tal in großer Sorge den Auswirkungen der Frostschäden gegenüber, die auf der Bundesstraße 19 vor 2 Jahren katastrophale Ausmaße angenommen hatten. ….. Durch die starken Niederschläge im vergangenen Jahr und die inzwischen vollkommen verwitterte Vorlage der Straßendecke, können wir Frostschäden in nie gekanntem Ausmaß erwarten. ….. Wir geben den verantwortlichen Stellen somit offiziell bekannt, dass das Eintreten der Katastrophe durch die vollständige Versumpfung des Straßengrundes, besonders entlang dem Flusslauf der Brenz, zwischen Königsbronn und Heidenheim, im Bereich des Möglichen liegt. ….. Die gepanzerten Fahrzeuge der Besatzungsmacht, anlässlich des NATO-Herbst-Manövers 1954, im Raum Ulm, Aalen, Stuttgart haben die Straßenränder vollends gänzlich zerstört. ….. Die Ortsdurchfahrt in Oberkochen wird durch den sehr starken Fußgängerverkehr vom Bahnhof entlang der Bundesstraße zu den Werken, besonders während der Anfangs- und Endzeiten in einem Maße behindert, dass es schon erstaunlich ist, dass sich nicht mehr Unfälle ereignet haben. Dieses Problem kann nur durch die Verlegung der B19 unter Umgehung des Ortes Oberkochen gelöst werden. ….. Die Strecke zwischen Oberkochen und Königsbronn weist an den Straßenrändern mit den größten Schaden auf. ….. Dadurch entstehen Verkehrsstauungen, welche die Ursache dafür sind, dass sich zeitweise Fahrzeiten für die Strecke Aalen-Heidenheim von 3 Stunden ergeben. ….. Erschwerend kommt die Vielzahl von landwirtschaftlichen Fahrzeugen hinzu. ….. Zwischen Königsbronn und Itzelberg kommt es wegen der Ausfahrt beim Schotterwerk zu häufigen Unfällen. ….. Vor Aufhausen ist die Strecke stark versumpft ….. und die Durchfahrt in Schnaitheim ist durch scharfe Kurven und Fahrbahnverengungen besonders schlecht. ….. Die Fotografien zeigen die Auswirkungen der Frostschäden von vor 2 Jahren. Eine Ausbesserung war nur oberflächlich möglich.

Vergangenheit und Zukunft treffen sich auf der alten B19 (Archiv Müller)

Das kann man ja kaum noch eine Straße nennen – es wurde höchste Zeit für eine neue B19 (Archiv Müller)
CZ und die Kindergärten. Der erste Kindergarten befand sich in einer der Baracken auf dem Zeiss-Firmengelände. 1949 zog der CZ-Kindergarten in das alte Mannes-Haus im Kapellenweg 3. (im Jahr 2026 abgerissen). Danach ist der Kindergarten, vermutlich 1956, ins Bergheim im Turmweg 24 gezogen, bis das Kinderhort 1960 im Schubartweg fertiggestellt war. In den Jahren 2013/2014 wurde das neue, deutlich größerer, Kinderhaus im Wiesenweg 11 als gemeinsames Projekt von Stadt und Zeiss verwirklicht. Im Jahr 2023 entstand wiederum als gemeinsames ein weiteres Kinderhaus mit dem Namen „Einstein“ in der Rudolf-Eber-Straße 1.

Der erste Kindergarten im Bereich der Baracken – einige meiner Mitschüler waren dort auch zu finden (überlassen von Werner Hilgart)
CZ und das Jugendwohnheim. Im Jahr 1957 wurde der Rohbau des CZ-Jugendwohnheims in der Jenaer Straße 2 errichtet. Eigentümer des CZ-Jugendwohnheims war das Jugendsozialwerk e. V. in Stuttgart. Die Belegung schwankte von anfänglich über 70 bis später bei rund 30 Jugendlichen. Für die Einzel- und Doppelzimmer gab es mehrere Toiletten und einen großen Waschraum, einen Aufenthaltsraum und einen Leseraum im Hauptgebäude. Im Souterrain unter dem Saal entwickelte sich in den Sechzigerjahren ein Jugendtreff, zu dem sich sehr bald auch sogenannte »Nicht-Zeissler« einfanden. Es gab Feste, Bälle, Vorträge. Gelegentlich traten das »Bildungswerk«, der Vorläufer der Oberkochener Volkshochschule, und andere Organisationen als Veranstalter auf.
Die Heimleiterstelle war anfangs zweigeteilt: Herr Riedel, war für die pädagogische Jugendbetreuung und Herr Karl Ehrenberg von 1958 ‑1964 für die Verwaltung und das Finanzwesen verantwortlich. Sowohl er als auch Herr Riedel waren seinerzeit nebenbei sehr darum bemüht, zusätzliche Gelder für Fahrten, auch ins Ausland, locker zu machen, indem sie bei der Oberkochener Industrie vorsprachen. Die Hausmeisterstelle wurde vom Ehepaar Plötner, die in der Hausmeisterwohnung im Jugendwohnheim wohnten, bekleidet. Da das Jugendwohnheim nicht immer voll belegt war, wurden dort von der Firma auch junge ausländische Schulungsleute untergebracht, so dass unter den Jugendlichen internationale Kontakte geknüpft werden konnten.
Frau Rachota, die ab 1962 Küchenchefin war schildert die Zeit eindrücklich: „Die Buben mussten damals noch morgens um 7:20 Uhr antreten. Da gab’s noch keine Gleitzeit — die mussten pünktlich sein. Dann ist man halt morgens rauf auf die Zimmer und hat die Jungen rausgefegt, wenn sich gar nichts gerührt hat. Ersatzmutter war man, und gleichzeitig Feldwebel, — letzteres vor allem bei den Tanzveranstaltungen, wenn die Kerle nicht gespurt haben. Manchmal half Herr Klett vom CZ-Heim Aalen aus, wenn größere Feste gefeiert wurden. Aber schön war’s — und immer war was los. Als das Heim jetzt abgerissen wurde, kam Wehmut auf.“
CZ und seine Standortfonds (Teil des ZEISS Förderfonds). Der ZEISS Standortfonds unterstützt neben MINT‑Bildung auch Kulturprojekte, die breite Bevölkerungsgruppen erreichen. Dazu gehören z. B.:
- Kulturelle Initiativen Projekte, die Kunst und Kultur zugänglich machen, können gefördert werden.
- Regionale Kulturprojekte Förderung erfolgt an Standorten mit mindestens 200 Mitarbeitenden – darunter Oberkochen/Aalen, Jena, Göttingen, Wetzlar, Berlin, Braunschweig, Dresden, München und Roßdorf.
- Soziale und kulturelle Teilhabe Auch Projekte, die Integration oder kulturelle Teilhabe ermöglichen, sind förderfähig
CZ und der Kulturring. Das war eine interne Kulturplattform des Unternehmens, die über viele Jahre hinweg Konzerte, Lesungen, Theateraufführungen, Vorträge und kulturelle Begegnungen für Mitarbeitende, Familien und die lokale Öffentlichkeit organisierte.
Das Ganze geht auf einen Fond zurück, der anlässlich des 150. Geburtstages von Carl Zeiss, im Jahr 1966 gestiftet wurde. Oberkochen hat seitdem nie wieder eine so hohe kulturelle Qualität in seinen Veranstaltungen gesehen (mit Ausnahme der Jazz-Lights). Wer ließ sich nicht alles in Oberkochen sehen: „Die Bamberger Symphoniker / die Stuttgarter Philharmoniker / das Münchner Kammerorchester / das Theater in der Josephsstadt aus Wien / das Wiener Burgtheater / Horst Jankowksy mit Chor und Orchester / James Last und seine Truppe / das ukrainische Tanz- Volkskunst-Ensemble / Hazy Osterwald / das Orchester Erwin Lehn / der geniale Trompeter Maurice André / viele bekannte Schauspieler und Kabarettisten aus Funk und Fernsehen u.v.a.m.“
Anlässlich der Eröffnung des neuen Carl-Zeiss-Saales, den die Bamberger Symphoniker am 25. Sep. 1967 festlich eröffneten, fragte die SchwäPo: „Welchen Sinn kann diese Maßnahme in einer Zeit haben, in der durch Funk und Fernsehen täglich Konzerte, Theateraufführungen u.a.m. bequem ins eigene Haus geliefert werden?“ Es ging und geht dabei immer um das persönliche Erleben und die Atmosphäre, die dabei entsteht. Zeiss hat dafür gesorgt, dass wir Vorstellungen gesehen haben, die sonst nur in größeren Städten möglich gewesen sind. Das kann man nachträglich nicht hoch genug bewerten.
CZ und seine Kulturförderung der Carl-Zeiss-Stiftung. Die Carl-Zeiss-Stiftung ist eine der bedeutendsten privaten Wissenschafts- und Innovationsstiftungen in Deutschland. Sie fördert vor allem Forschung, Bildung und Wissenschaft, aber auch Wissenschaftskommunikation und damit kulturelle Vermittlung. Beispiele aus aktuellen Projekten:
- Modernisierung des Zeiss-Planetariums Jena zum 100-jährigen Jubiläum
- Förderung von Projekten in KI, Materialwissenschaften, Biotechnologie u. v. m.
Diese Aktivitäten werden manchmal als Teil der „Kultur der Wissenschaft“ verstanden – aber „Kulturierung“ ist kein offizieller Begriff.
CZ und seine Planetarien. 1913 hatte der Gründer des Deutschen Museums in München, Oskar von Miller, die Idee für einen Apparat, der die Bewegungen der Sonne, des Mondes und der Planeten gleichzeitig mit denen der Sterne sichtbar machen sollte. Er fragte bei ZEISS nach Ideen für ein solches Planetarium. Der Erste Weltkrieg unterbrach die Entwicklung. Im März 1919 präsentierte Walther Bauersfeld, Mitglied der Geschäftsleitung von Carl Zeiss Jena, den Entwurf eines Projektionsplanetariums. Anschließend arbeiteten er und seine Mitarbeiter die Details der Konstruktion aus. Der lang ersehnte Moment kam im Oktober 1923 als der künstliche Himmel im Deutschen Museum erstmals erstrahlte. Am 21. Oktober 1923 präsentierte ZEISS das für das Deutsche Museum in München entwickelte Projektionsplanetarium. Es war die erste öffentliche Vorführung und gilt heute als Geburtsstunde des modernen Planetariums. Am 7. Mai 1925 nahm das Zeiss Planetarium im Deutschen Museum den Regelbetrieb auf. Das Sterntheater bietet heute als moderne Hightech-Kuppel faszinierende Vorführungen und ist auch nach einem Jahrhundert mehr denn je ein Publikumsmagnet.
- 1923 gilt als Geburtsstunde des Planetariums
- Heute gibt es weltweit ca. 4.000 feste Planetariums-Installationen
- 700 hat Carl Zeiss in 100 Jahren weltweit installiert

Das erste Planetarium von 1923 (Foto: Archiv Zeiss Jena)
Fußnote der Geschichte: Oberkochen sollte auch einmal ein Planetarium erhalten. Geplanter Standort im Spitztal – direkt hinter dem Segelfliegerhäusle in der Katzenbachstraße. Dem Bäcker Fichtner wurde damals von Bürgermeister Bosch der neue Standort seiner Bäckerei damit schmackhaft gemacht. Er hatte ihn von der Frühlingsstraße in die Katzenbachstraße gelockt. Das Planetarium ging dann aber nach Stuttgart und für Oberkochen blieb ein Bolzplatz und eine versunkene Eisbahn übrig.
CZ und der Sport. Auch wenn ich im Netz keine Belege für eine Finanzierung gefunden habe, lässt allein schon die Namensänderung von „Kocherstadion“ auf „Carl-Zeiss-Stadion“ darauf schließen, dass ZEISS einen beträchtlichen finanziellen Beitrag geleistet haben muss. Zudem gab es früher einige hochkarätig besetzte Leichtathletik-Feste, die auch gesponsort werden mussten.
ZEISS hat die moderne „Weitenmessung in der Leichtathletik“ entscheidend geprägt. Bei den Olympischen Spielen 1972 in München kam erstmals ein elektro‑optisches Messsystem von ZEISS zum Einsatz, welches das Maßband ablöste und die Sportwelt veränderte.
Im Jahr 1986 wurde vor 5.000 Zuschauern ein rauschendes Internationales Leichtathletik Fest im neuen Carl-Zeiss-Stadion (früher Kocher-Stadion) veranstaltet mit durchaus bemerkenswerten Ergebnissen:
Bei den Frauen wurden 400m in 55,03 Sek. gelaufen / die 100m in 11,0 / die 200m in 24,49 und die 100m Hürden in 13,04 / Im Hochsprung wurden 1,90 M erreicht und im Weitsprung 5,93 M
Bei den Männern wurden 200m in20,7 Sek. gelaufen / die 100m in 10,22 / die 400m in 46,9 / die 800m in 1:49,13 / die 3000m in 7:49,23 / im Weitsprung wurden 7,89 M erreicht / im Hochsprung 2,19 M und im Stabhochsprung 5,25 M sowie im Dreisprung 15,37 M / die Kugel flog 19,97 M weit und der Speer 70,48 M.
CZ und sein Forum. „Das ZEISS Forum ist Ihr kompetenter Partner im Bereich Businessevents im Raum Aalen. In einer hoch modernen Event-Location im Ostalbkreis bietet Ihnen unser Team maßgeschneiderten Service, bei dem Komfort und Flexibilität an erster Stelle stehen. Erleben Sie auf 2.000 qm ein architektonisch einmaliges Ambiente mit 17 hochmodern ausgestatteten Veranstaltungsräumen für Veranstaltungen von 5 bis 310 Personen. Wir begleiten Sie bei der Planung und Durchführung von Tagungen, Business-Meetings, (virtuellen) Konferenzen und Firmenfeiern. Bauzeit zwischen Mai 2013 und Juli 2014 mit einem Investitionsvolumen von rund 14 Mio. € und der Eröffnung am 11. Juli 2014.“

Hier entsteht das neue Zeiss-Forum – aufgenommen am 8.7.2013 (Archiv Müller)
CZ und sein Museum. Früher „Optisches Museum – heute „Zeiss Museum der Optik“.
- 1971 – Eröffnung des ersten Optischen Museums in Oberkochen
- 1997 – Umzug in neue Räume
- 2014 – Eröffnung des heutigen, komplett neu gestalteten ZEISS Museums der Optik im Zeiss‑Forum

Das alte Optische Museum – aufgenommen am 19.09.1971 (Foto: Archiv Zeiss Jena)
CZ und seine Kalender. Im Archiv finden sich interessante Kalender ab 1914. ZEISS hat über viele Jahrzehnte verschiedene Kalenderreihen veröffentlicht – vor allem Kunstkalender und Weltraum-/Wissenschaftskalender. Der ZEISS Kunstkalender ist die bekannteste und bis heute gepflegte Kalenderreihe. Er erscheint jährlich in limitierter Auflage und wird von international renommierten Fotografinnen gestaltet. Beispiele aus den Quellen:
- Kunstkalender 2011 — „Size and the City“ von Bryan Adams
- Kunstkalender 2013 — „Imagination“, u. a. mit Patrick Dempsey, Michel Comte
Kunstkalender 2014 — „Moments in the City“ von Mary McCartney, mit Alec Baldwin &

Ein typisches Weinhold’sches Stilleben, in diesem Fall Brillen (Foto: Archiv Zeiss Jena)
CZ und sein Archiv. An dieser Stelle sage ich einmal DANKESCHÖN. Selten habe ich bei meinen Recherchen ein hilfsbereiteres Archiv erlebt als das Carl Zeiss Archiv in Jena. Deshalb hier kurz ein geschichtlicher Abriss:
Geschichtliche Entwicklung des Carl‑Zeiss‑Archivs Jena
Gründung 1948 – Sammlung der verbliebenen Überlieferung. Das Archiv wurde 1948 gegründet. Anlass war die Notwendigkeit, die schriftliche Überlieferung zu sichern, die den Zweiten Weltkrieg, die amerikanischen Beschlagnahmungen und die sowjetische Demontage überstanden hatte. Damit entstand ein zentraler Ort, an dem die verstreuten Dokumente des Unternehmens zusammengeführt wurden.
Archiv des VEB Carl Zeiss Jena (ab 1948). Nach der Gründung wurde das Archiv zum Firmenarchiv des VEB Carl Zeiss Jena, dem größten Industriekombinat der DDR im Bereich Optik und Feinmechanik.
Zentralarchiv des Kombinats Carl Zeiss Jena. Mit der Entwicklung des Kombinats wurde das Archiv zum Zentralarchiv des gesamten VEB‑Kombinats Carl Zeiss Jena. Es verwaltete nun nicht nur die Unterlagen des Stammwerks, sondern zunehmend auch die Dokumente der verschiedenen Kombinatsbetriebe.
Neuordnung nach der Wende 1989/90. Nach der politischen Wende wurde das Archiv Teil der Carl Zeiss Jena GmbH. Damit begann eine Phase der Reorganisation, in der die Archivbestände neu bewertet und teilweise neu strukturiert wurden.
Seit den 1990er Jahren – Konzernarchiv der Carl Zeiss AG. Heute ist das Archiv das Zentralarchiv der Carl Zeiss AG und fungiert als weltweites Konzernarchiv. Es bewahrt Dokumente aus über 150 Jahren Unternehmensgeschichte auf, darunter:
- Akten
- Fotos
- Patente
- Technische Dokumentationen
- Geräte und Produktunterlagen
Archivstruktur – ein wichtiger Teil der Entwicklung. Die Archivstruktur selbst hat sich ebenfalls historisch entwickelt:
- Ursprünglich wurde ein Einheitsbestand (BACZ) angelegt, der Unterlagen vor 1945, des VEB und teilweise des Kombinats zusammenfasste.
- Erst 1998 entschied man, die Kombinatsbetriebe als eigene Bestände zu führen.
Diese Struktur erklärt, warum ältere Bestände weiterhin unter der Signatur BACZ zitiert werden.
Bedeutung des Archivs. Das Archiv ist heute eine zentrale Forschungsstelle für:
- Unternehmens‑ und Technikgeschichte
- Optik‑ und Fotogeschichte
- Produkt‑ und Patentgeschichte
Es bietet Recherchemöglichkeiten, Reproduktionen historischer Fotos und Zugang zu Fertigungs‑ und Versandlisten historischer Geräte.
Die prägende Person des Carl‑Zeiss‑Archivs ist langjährige Leiter des Archivs Dr. Wolfgang Wimmer.
- Er ist die zentrale Figur der modernen Archivorganisation
- Er ist die Schlüsselperson, wenn es um die wissenschaftliche Aufarbeitung und Professionalisierung des Archivs seit den 1990er‑Jahren geht.
- Zudem fungiert er als Autor mehrerer grundlegender Publikationen zur Archivgeschichte, u. a.:
-
- Die Geschichte des Zeiss‑Archivs (1999)
- Erschließung für das Internet: Das Beispiel Carl Zeiss Archiv (2004)
- Ein Firmenarchiv mit besonderem Bezug zur Fotogeschichte (2008)
- Und er ist verantwortlich für die digitale Erschließung und die heutige Bestandsstruktur
Zeiss-Archiv wird digital erschlossen. Diese Information ließ sich 1999 im Netz finden. „Per Internet und Intranet finden Wissenschaftler und interessierte Laien bald einen ersten, virtuellen Zugang ins Unternehmensarchiv der Carl Zeiss Jena GmbH. In einem gemeinsamen Projekt erarbeiten der Wirtschafts- und Sozialhistoriker Prof. Dr. Rolf Walter (Universität Jena) und Firmenarchivar Dr. Wolfgang Wimmer neue Wege, um die Archivbestände des 150 Jahre alten Optik- und High-Tech-Konzerns systematisch zu erschließen und multimedial und online zugänglich zu machen. Die Volkswagen-Stiftung unterstützt das Vorhaben in den nächsten drei Jahren mit insgesamt rund 700.000 Mark. Mit dem Geld werden neuer EDV-Technik drei befristete Arbeitsplätze für ausgebildete Firmenarchivare geschaffen.“
Im Jahr 2004 wurde die erfolgreiche Umsetzung vermeldet. … Im Archiv von Carl Zeiss in Jena befinden sich nach Firmenangaben etwa 3.500 laufende Meter Akten, etwa 100.000 Fotografien und 90.000 Druckschriften. Bereits jetzt stehen Beschreibungen von 19.000 Akten online zur Verfügung. Weitere 20.000 Datensätze werden derzeit bearbeitet. Der Zugang zu den Archivalien ist über Klassifikationen, über verschiedene Indices und natürlich auch über Volltextrecherche möglich. Diese Vielfalt der Zugangsmöglichkeiten ist laut Zeiss bisher einmalig in der Welt. …
Anmerkung: Das ist wirklich beeindruckend, was bei Zeiss im Rahmen dieses Archiv-Projekts auf die Beine gestellt wurde. Ein Eldorado – nicht nur für Wissenschaftler und Journalisten, sondern auch für interessierte Laien, die sich mit Heimatforschung beschäftigen und für ehemaliger Zeissianer.
Bücher zum Thema. Die 8 wichtigsten Bücher über Carl Zeiss – aus meiner subjektiven Sicht
Nur der Name war geblieben – Armin Hermann
Erzählt die dramatische Geschichte von 1945 bis 1990 – spannend, menschlich, historisch präzise. Warum wichtig: Evakuierung, Neugründung, West‑Zeiss‑Identität.
Die deutsch‑deutsche Geschichte der Firma Carl Zeiss – Armin Hermann
Es ist die kompakteste, klarste und modernste Darstellung der Teilung und Wiedervereinigung von Zeiss. Dieses Buch ist für Oberkochen Pflichtlektüre.
Warum wichtig für Oberkochen:
- erklärt die politische und wirtschaftliche Spaltung
- zeigt die Rivalität zwischen Jena und Oberkochen
- beschreibt die Wiedervereinigung aus Unternehmenssicht
- ideal als Einstieg in die deutsch‑deutsche Zeiss‑Thematik
Die Spaltung von Carl Zeiss – Rüdiger Stutz
Das wissenschaftlich fundierte Standardwerk zur Teilung. Warum wichtig: Markenstreit, Stiftungsrecht, Kalter Krieg.
Carl Zeiss – Ein deutsches Unternehmen – Rolf Beck
Das große Gesamtwerk von der Gründung bis ins 20. Jahrhundert. Warum wichtig: Fundament für das Verständnis der Zeiss‑Kultur.
Die Carl‑Zeiss‑Stiftung 1889–2000 – Jürgen John
Das zentrale Werk zur Stiftungsstruktur. Warum wichtig: Ohne Stiftung kein Oberkochen.
Zeiss – Geschichte eines Weltunternehmens – Dieter Hoffmann
Technik‑ und Wissenschaftsgeschichte auf hohem Niveau. Warum wichtig: Innovationskultur, Forschung, Optik.
Vom Jenaer Glas zum Weltkonzern – Helmut Hentschel
Das Standardwerk zur Glas‑ und Materialgeschichte. Warum wichtig: Schott als Grundlage der Optikfertigung.
Das gläserne Wunder – Fritz Scheffel
Populär erzählte Firmengeschichte über Carl Zeiss, Ernst Abbé und Otto Schott – stark narrativ, weniger wissenschaftlich, aber historisch interessant. Warum wichtig: Es ist eines der frühesten, populärsten und identitätsstiftenden Bücher über die Zeiss‑Gründer. Es prägte über Jahrzehnte das öffentliche Bild von Zeiss, Abbé und Schott.
Teil 6 und Schluss in Kürze
Immer auf der Suche, auch nach Firmen-Geschichten – Billie vom Sonnenberg