CZ und das Wohnen – eines der Haupt­pro­ble­me im damali­gen Oberko­chen. Die Inbetrieb­nah­me des Oberko­che­ner Werkes im Juni 1946 wurde durch eine Beleg­schaft von rund 200 Mitar­bei­tern geleis­tet: Zu den Wissen­schaft­lern und Ingenieu­ren aus Jena waren neu einge­stell­te Optiker und Feinme­cha­ni­ker — Einhei­mi­sche und Flücht­lin­ge sowie aus der Kriegs­ge­fan­gen­schaft entlas­se­ne „Zeissia­ner“ — hinzu­ge­tre­ten. Im Januar 1947 melde­ten sich die ersten aus Jena geflüch­te­ten Mitar­bei­ter in Oberko­chen. Für sie mussten auf dem Werks­ge­län­de Notun­ter­künf­te einge­rich­tet werden. Im März 1948 wurde ein Werks­woh­nungs­aus­schuss gebil­det und paritä­tisch von der Geschäfts­lei­tung und vom Betriebs­rat besetzt. Bis Novem­ber 1949 waren 258 Werks­woh­nun­gen — 123 davon werks­ei­gen und 135 werks­ge­för­dert — errich­tet. Gleich­zei­tig war die Mitar­bei­ter­zahl von 750 im Juni 1948 auf 1400 angestie­gen. Hiervon waren rund ein Drittel Einhei­mi­sche, ein weite­res Drittel stamm­te aus Jena, den Rest stell­ten aus der Tsche­cho­slo­wa­kei vertrie­be­ne Deutsche. Planmä­ßig wurde die Mitar­bei­ter­zahl weiter ausge­baut: Im März 1951 betrug sie bereits 2300. Dabei war der Anteil der Jenaer auf relativ 25% zurück­ge­gan­gen, während die Einhei­mi­schen konstant 33% der Mitar­bei­ter stell­ten. Angestie­gen durch geziel­tes Anwer­ben von Fachkräf­ten war die Anzahl der Heimat­ver­trie­be­nen auf 42%. Das rasche Anwach­sen der Mitar­bei­ter verstärk­te den Bedarf an weite­rem Wohnraum, den die 1951 vorhan­de­nen 400 13 Vgl. ad 3/1971 ff. 4 14 Vgl. Zeiss im Bild (im Weite­ren: ZiB) 3/1978 ff. sowie Aalener Volks­zei­tung vom 25. Novem­ber 1989 werks­ei­ge­nen bzw. werks­ge­för­der­ten Wohnun­gen noch immer nicht befrie­di­gen konnten. Ende 1954 waren mit staat­li­cher Hilfe 1.175 Wohnun­gen errich­tet. (Quelle: Klaus J. Becker „Sie sind unser Schick­sal“). Im Jahr 1955 wurde eine Erwei­te­rung der Baracken vorge­nom­men und 1976 wurde nahezu alle abgeris­sen. Dazu gibt es auch meinen Bericht 662 mit dem Titel „Nach dem Krieg — Ein Dorf platzt aus allen Nähten“

1957: Heute nicht mehr vorstell­bar, in welchen Dimen­sio­nen und Bauzei­ten damals bezahl­ba­rer Wohnraum erstellt wurde (Archiv Müller)

Im Jahr 1976 wurden Baracken im großen Stil abgeris­sen (Foto: Archiv Zeiss Jena)

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Im Jahr 1955 wurden weite­re Baracken erbaut (Foto: Archiv Zeiss Jena)

CZ und seine Feste – ab und zu wurde groß gefei­ert.
Da war zum einen das Betriebs­sport­fest, das 1952 zum ersten Mal veran­stal­tet wurde. Später gab es das ein oder andere Famili­en­fest. Und ihr könnt sicher sein – kein Fest ohne Thürin­ger Rostbratwurst.

Hervor­he­ben möchte ich das Festwo­chen­en­de aus dem Jahr 1986 vom 16. bis 18. Juni. Es gab eine Betriebs­ver­samm­lung im Festzelt / das inter­na­tio­na­le Leicht­ath­le­tik­fest / Fußball­spie­le / und das berühm­te „Fest der 100 Pfenni­ge“ (vermut­lich hat alles nur 100 Pfenni­ge gekostet)

Rund 6.000 Zeissia­ner feier­ten im Festzelt im Schwörz ihr Betriebs­fest. Der bunte Abend wurde von Micha­el Branik vom SDR moderiert und Eberhard Gienger ging noch weit nach Mitter­nacht ans Reck. Ehrlich! Natür­lich fand das Fest rund um den 17. Juni statt – kein besse­res Datum als dieses. Das war in der Tat ein Jahrhun­dert­fest: „1,6 Tonnen Leber­käs, 120 kg Schwei­ne­bauch, 190 kg Rauch­fleisch / 2.000 Paar Wiener­le / 27.153 Thürin­ger Rostbrat­würs­te / 22.000 Liter Bier und wenn der Bäcker liefer­te, gingen 700 Wecken in 5 Minuten über den Tresen.“

PS: Bei diesem Event gab sich auch der F.C. Wettin­gen aus der Schweiz die Ehre, damals sogar Erstli­gist und für den UEFA-Cup quali­fi­ziert (Wettin­gen ist ein Nachbar­ort von meinem Schwei­zer Domizil Gerolds­wil). Heute nur noch 6.Liga.

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Das aller­ers­te Betriebs­fest am 12.7.1952 wurde zünftig abgehal­ten (Archiv Müller)

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Schlecht­hin das Fest der Feste im Jahr 1986 – Eröff­nung des Carl-Zeiss-Stadi­ons am 17. Juni (Archiv Zeiss Oberkochen)

CZ und der Verkehr – ein dynami­scher Mitkämp­fer für die Umgehungs­stra­ße B 19. Der Zustand und die Straßen­füh­rung der B19 war allen (den Bürgern, den Politi­kern und der Indus­trie) ein Dorn im Auge gewor­den. Wachsen­der Verkehr, bedingt durch das ungeheu­re wirtschaft­li­che Wachs­tum, sorgte für eine Überlas­tung der alten B19. Auch bestand durch den wachsen­den Verkehr ein höheres Unfall­ri­si­ko. Im Auftrag von Dr. Ing. Heinz Küppen­ben­der erstell­te Zeiss eine Verkehrs­stu­die, um für das entschei­den­de Gespräch am Samstag, 7. Mai 1955 um 15 Uhr gewapp­net zu sein. Dieses fand dann wohl im „Rössle“ in Königs­bronn in einem kleinen Kreis statt. Teilneh­mer waren der baden-württem­ber­gi­sche Wirtschafts­mi­nis­ter Dr. Hermann Veit, die Landrä­te und die Landtags­ab­ge­ord­ne­ten der Kreise Aalen und Heiden­heim sowie aus der Indus­trie Direk­tor Hugo Rupf von Voith, Direk­tor Drech­sel von Schwenk-Zement und Dr.-Ing Heinz Küppen­ben­der von Zeiss. Küppen­ben­der präsen­tier­te an diesem Tag eine Bildmap­pe über die 64 km lange Strecke zwischen Aalen und Ulm, um auch visuell auf den misera­blen Zustand dieser Strecke aufmerk­sam zu machen. Die Mappe war so eindrück­lich, dass sogar der Fachver­band Zement um eine Kopie bat, damit bundes­weit auf den allge­mei­nen Zustand der deutschen Straßen aufmerk­sam gemacht werden konnte.

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Das berühmt-berüch­tig­te frühe­re „Adler-Eck“ in Unter­ko­chen (Archiv Müller)

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Die Ortsdurch­fahrt in Oberko­chen – Höhe Abzwei­gung zum Rathaus (Archiv Müller)

Zusam­men­fas­sen­de Schil­de­rung (in Auszü­gen) des Zustan­des der Bundes­stra­ße B19 von Aalen bis Ulm

Die Bundes­stra­ße 19, die in den Grund­la­gen zum großen Teil noch der alten Poststra­ße entspricht, befin­det sich gegen­wär­tig in einem derar­ti­gen Zustand, dass die Verkehrs­si­cher­heit auf der gesam­ten Strecke (von Aalen bis Ulm), mit ganz gerin­gen Ausnah­men, stark gefähr­det ist. ….. Jedes Jahr steht die gesam­te Indus­trie im Kocher-/Brenz-Tal in großer Sorge den Auswir­kun­gen der Frost­schä­den gegen­über, die auf der Bundes­stra­ße 19 vor 2 Jahren katastro­pha­le Ausma­ße angenom­men hatten. ….. Durch die starken Nieder­schlä­ge im vergan­ge­nen Jahr und die inzwi­schen vollkom­men verwit­ter­te Vorla­ge der Straßen­de­cke, können wir Frost­schä­den in nie gekann­tem Ausmaß erwar­ten. ….. Wir geben den verant­wort­li­chen Stellen somit offizi­ell bekannt, dass das Eintre­ten der Katastro­phe durch die vollstän­di­ge Versump­fung des Straßen­grun­des, beson­ders entlang dem Fluss­lauf der Brenz, zwischen Königs­bronn und Heiden­heim, im Bereich des Mögli­chen liegt. ….. Die gepan­zer­ten Fahrzeu­ge der Besat­zungs­macht, anläss­lich des NATO-Herbst-Manövers 1954, im Raum Ulm, Aalen, Stutt­gart haben die Straßen­rän­der vollends gänzlich zerstört. ….. Die Ortsdurch­fahrt in Oberko­chen wird durch den sehr starken Fußgän­ger­ver­kehr vom Bahnhof entlang der Bundes­stra­ße zu den Werken, beson­ders während der Anfangs- und Endzei­ten in einem Maße behin­dert, dass es schon erstaun­lich ist, dass sich nicht mehr Unfäl­le ereig­net haben. Dieses Problem kann nur durch die Verle­gung der B19 unter Umgehung des Ortes Oberko­chen gelöst werden. ….. Die Strecke zwischen Oberko­chen und Königs­bronn weist an den Straßen­rän­dern mit den größten Schaden auf. ….. Dadurch entste­hen Verkehrs­stau­un­gen, welche die Ursache dafür sind, dass sich zeitwei­se Fahrzei­ten für die Strecke Aalen-Heiden­heim von 3 Stunden ergeben. ….. Erschwe­rend kommt die Vielzahl von landwirt­schaft­li­chen Fahrzeu­gen hinzu. ….. Zwischen Königs­bronn und Itzel­berg kommt es wegen der Ausfahrt beim Schot­ter­werk zu häufi­gen Unfäl­len. ….. Vor Aufhau­sen ist die Strecke stark versumpft ….. und die Durch­fahrt in Schnait­heim ist durch schar­fe Kurven und Fahrbahn­ver­en­gun­gen beson­ders schlecht. ….. Die Fotogra­fien zeigen die Auswir­kun­gen der Frost­schä­den von vor 2 Jahren. Eine Ausbes­se­rung war nur oberfläch­lich möglich. 

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Vergan­gen­heit und Zukunft treffen sich auf der alten B19 (Archiv Müller)

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Das kann man ja kaum noch eine Straße nennen – es wurde höchs­te Zeit für eine neue B19 (Archiv Müller)

CZ und die Kinder­gär­ten. Der erste Kinder­gar­ten befand sich in einer der Baracken auf dem Zeiss-Firmen­ge­län­de. 1949 zog der CZ-Kinder­gar­ten in das alte Mannes-Haus im Kapel­len­weg 3. (im Jahr 2026 abgeris­sen). Danach ist der Kinder­gar­ten, vermut­lich 1956, ins Bergheim im Turmweg 24 gezogen, bis das Kinder­hort 1960 im Schub­art­weg fertig­ge­stellt war. In den Jahren 2013/2014 wurde das neue, deutlich größe­rer, Kinder­haus im Wiesen­weg 11 als gemein­sa­mes Projekt von Stadt und Zeiss verwirk­licht. Im Jahr 2023 entstand wieder­um als gemein­sa­mes ein weite­res Kinder­haus mit dem Namen „Einstein“ in der Rudolf-Eber-Straße 1.

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Der erste Kinder­gar­ten im Bereich der Baracken – einige meiner Mitschü­ler waren dort auch zu finden (überlas­sen von Werner Hilgart)

CZ und das Jugend­wohn­heim. Im Jahr 1957 wurde der Rohbau des CZ-Jugend­wohn­heims in der Jenaer Straße 2 errich­tet. Eigen­tü­mer des CZ-Jugend­wohn­heims war das Jugend­so­zi­al­werk e. V. in Stutt­gart. Die Belegung schwank­te von anfäng­lich über 70 bis später bei rund 30 Jugend­li­chen. Für die Einzel- und Doppel­zim­mer gab es mehre­re Toilet­ten und einen großen Wasch­raum, einen Aufent­halts­raum und einen Leseraum im Haupt­ge­bäu­de. Im Souter­rain unter dem Saal entwi­ckel­te sich in den Sechzi­ger­jah­ren ein Jugend­treff, zu dem sich sehr bald auch sogenann­te »Nicht-Zeiss­ler« einfan­den. Es gab Feste, Bälle, Vorträ­ge. Gelegent­lich traten das »Bildungs­werk«, der Vorläu­fer der Oberko­che­ner Volks­hoch­schu­le, und andere Organi­sa­tio­nen als Veran­stal­ter auf.

Die Heimlei­ter­stel­le war anfangs zweige­teilt: Herr Riedel, war für die pädago­gi­sche Jugend­be­treu­ung und Herr Karl Ehren­berg von 1958 ‑1964 für die Verwal­tung und das Finanz­we­sen verant­wort­lich. Sowohl er als auch Herr Riedel waren seiner­zeit neben­bei sehr darum bemüht, zusätz­li­che Gelder für Fahrten, auch ins Ausland, locker zu machen, indem sie bei der Oberko­che­ner Indus­trie vorspra­chen. Die Hausmeis­ter­stel­le wurde vom Ehepaar Plötner, die in der Hausmeis­ter­woh­nung im Jugend­wohn­heim wohnten, beklei­det. Da das Jugend­wohn­heim nicht immer voll belegt war, wurden dort von der Firma auch junge auslän­di­sche Schulungs­leu­te unter­ge­bracht, so dass unter den Jugend­li­chen inter­na­tio­na­le Kontak­te geknüpft werden konnten.

Frau Rachota, die ab 1962 Küchen­che­fin war schil­dert die Zeit eindrück­lich: „Die Buben mussten damals noch morgens um 7:20 Uhr antre­ten. Da gab’s noch keine Gleit­zeit — die mussten pünkt­lich sein. Dann ist man halt morgens rauf auf die Zimmer und hat die Jungen rausge­fegt, wenn sich gar nichts gerührt hat. Ersatz­mut­ter war man, und gleich­zei­tig Feldwe­bel, — letzte­res vor allem bei den Tanzver­an­stal­tun­gen, wenn die Kerle nicht gespurt haben. Manch­mal half Herr Klett vom CZ-Heim Aalen aus, wenn größe­re Feste gefei­ert wurden. Aber schön war’s — und immer war was los. Als das Heim jetzt abgeris­sen wurde, kam Wehmut auf.“

CZ und seine Stand­ort­fonds (Teil des ZEISS Förder­fonds). Der ZEISS Stand­ort­fonds unter­stützt neben MINT‑Bildung auch Kultur­pro­jek­te, die breite Bevöl­ke­rungs­grup­pen errei­chen. Dazu gehören z. B.:

  • Kultu­rel­le Initia­ti­ven Projek­te, die Kunst und Kultur zugäng­lich machen, können geför­dert werden.
  • Regio­na­le Kultur­pro­jek­te Förde­rung erfolgt an Stand­or­ten mit mindes­tens 200 Mitar­bei­ten­den – darun­ter Oberkochen/Aalen, Jena, Göttin­gen, Wetzlar, Berlin, Braun­schweig, Dresden, München und Roßdorf.
  • Sozia­le und kultu­rel­le Teilha­be Auch Projek­te, die Integra­ti­on oder kultu­rel­le Teilha­be ermög­li­chen, sind förderfähig

CZ und der Kultur­ring. Das war eine inter­ne Kultur­platt­form des Unter­neh­mens, die über viele Jahre hinweg Konzer­te, Lesun­gen, Theater­auf­füh­run­gen, Vorträ­ge und kultu­rel­le Begeg­nun­gen für Mitar­bei­ten­de, Famili­en und die lokale Öffent­lich­keit organisierte.

Das Ganze geht auf einen Fond zurück, der anläss­lich des 150. Geburts­ta­ges von Carl Zeiss, im Jahr 1966 gestif­tet wurde. Oberko­chen hat seitdem nie wieder eine so hohe kultu­rel­le Quali­tät in seinen Veran­stal­tun­gen gesehen (mit Ausnah­me der Jazz-Lights). Wer ließ sich nicht alles in Oberko­chen sehen: „Die Bamber­ger Sympho­ni­ker / die Stutt­gar­ter Philhar­mo­ni­ker / das Münch­ner Kammer­or­ches­ter / das Theater in der Josephs­stadt aus Wien / das Wiener Burgthea­ter / Horst Jankowk­sy mit Chor und Orches­ter / James Last und seine Truppe / das ukrai­ni­sche Tanz- Volks­kunst-Ensem­ble / Hazy Oster­wald / das Orches­ter Erwin Lehn / der genia­le Trompe­ter Maurice André / viele bekann­te Schau­spie­ler und Kabaret­tis­ten aus Funk und Fernse­hen u.v.a.m.“

Anläss­lich der Eröff­nung des neuen Carl-Zeiss-Saales, den die Bamber­ger Sympho­ni­ker am 25. Sep. 1967 festlich eröff­ne­ten, fragte die Schwä­Po: „Welchen Sinn kann diese Maßnah­me in einer Zeit haben, in der durch Funk und Fernse­hen täglich Konzer­te, Theater­auf­füh­run­gen u.a.m. bequem ins eigene Haus gelie­fert werden?“ Es ging und geht dabei immer um das persön­li­che Erleben und die Atmosphä­re, die dabei entsteht. Zeiss hat dafür gesorgt, dass wir Vorstel­lun­gen gesehen haben, die sonst nur in größe­ren Städten möglich gewesen sind. Das kann man nachträg­lich nicht hoch genug bewerten.

CZ und seine Kultur­för­de­rung der Carl-Zeiss-Stiftung. Die Carl-Zeiss-Stiftung ist eine der bedeu­tends­ten priva­ten Wissen­schafts- und Innova­ti­ons­stif­tun­gen in Deutsch­land. Sie fördert vor allem Forschung, Bildung und Wissen­schaft, aber auch Wissen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on und damit kultu­rel­le Vermitt­lung. Beispie­le aus aktuel­len Projekten:

  • Moder­ni­sie­rung des Zeiss-Plane­ta­ri­ums Jena zum 100-jähri­gen Jubiläum
  • Förde­rung von Projek­ten in KI, Materi­al­wis­sen­schaf­ten, Biotech­no­lo­gie u. v. m.

Diese Aktivi­tä­ten werden manch­mal als Teil der „Kultur der Wissen­schaft“ verstan­den – aber „Kultur­ie­rung“ ist kein offizi­el­ler Begriff.

CZ und seine Plane­ta­ri­en. 1913 hatte der Gründer des Deutschen Museums in München, Oskar von Miller, die Idee für einen Apparat, der die Bewegun­gen der Sonne, des Mondes und der Plane­ten gleich­zei­tig mit denen der Sterne sicht­bar machen sollte. Er fragte bei ZEISS nach Ideen für ein solches Plane­ta­ri­um. Der Erste Weltkrieg unter­brach die Entwick­lung. Im März 1919 präsen­tier­te Walther Bauers­feld, Mitglied der Geschäfts­lei­tung von Carl Zeiss Jena, den Entwurf eines Projek­ti­ons­pla­ne­ta­ri­ums. Anschlie­ßend arbei­te­ten er und seine Mitar­bei­ter die Details der Konstruk­ti­on aus. Der lang ersehn­te Moment kam im Oktober 1923 als der künst­li­che Himmel im Deutschen Museum erstmals erstrahl­te. Am 21. Oktober 1923 präsen­tier­te ZEISS das für das Deutsche Museum in München entwi­ckel­te Projek­ti­ons­pla­ne­ta­ri­um. Es war die erste öffent­li­che Vorfüh­rung und gilt heute als Geburts­stun­de des moder­nen Plane­ta­ri­ums. Am 7. Mai 1925 nahm das Zeiss Plane­ta­ri­um im Deutschen Museum den Regel­be­trieb auf. Das Stern­thea­ter bietet heute als moder­ne Hightech-Kuppel faszi­nie­ren­de Vorfüh­run­gen und ist auch nach einem Jahrhun­dert mehr denn je ein Publikumsmagnet.

  • 1923 gilt als Geburts­stun­de des Planetariums
  • Heute gibt es weltweit ca. 4.000 feste Planetariums-Installationen
  • 700 hat Carl Zeiss in 100 Jahren weltweit installiert

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Das erste Plane­ta­ri­um von 1923 (Foto: Archiv Zeiss Jena)

Fußno­te der Geschich­te: Oberko­chen sollte auch einmal ein Plane­ta­ri­um erhal­ten. Geplan­ter Stand­ort im Spitz­tal – direkt hinter dem Segel­flie­ger­häus­le in der Katzen­bach­stra­ße. Dem Bäcker Ficht­ner wurde damals von Bürger­meis­ter Bosch der neue Stand­ort seiner Bäcke­rei damit schmack­haft gemacht. Er hatte ihn von der Frühlings­stra­ße in die Katzen­bach­stra­ße gelockt. Das Plane­ta­ri­um ging dann aber nach Stutt­gart und für Oberko­chen blieb ein Bolzplatz und eine versun­ke­ne Eisbahn übrig.

CZ und der Sport. Auch wenn ich im Netz keine Belege für eine Finan­zie­rung gefun­den habe, lässt allein schon die Namens­än­de­rung von „Kocher­sta­di­on“ auf „Carl-Zeiss-Stadi­on“ darauf schlie­ßen, dass ZEISS einen beträcht­li­chen finan­zi­el­len Beitrag geleis­tet haben muss. Zudem gab es früher einige hochka­rä­tig besetz­te Leicht­ath­le­tik-Feste, die auch gespons­ort werden mussten.

ZEISS hat die moder­ne „Weiten­mes­sung in der Leicht­ath­le­tik“ entschei­dend geprägt. Bei den Olympi­schen Spielen 1972 in München kam erstmals ein elektro‑optisches Messsys­tem von ZEISS zum Einsatz, welches das Maßband ablös­te und die Sport­welt veränderte.

Im Jahr 1986 wurde vor 5.000 Zuschau­ern ein rauschen­des Inter­na­tio­na­les Leicht­ath­le­tik Fest im neuen Carl-Zeiss-Stadi­on (früher Kocher-Stadi­on) veran­stal­tet mit durch­aus bemer­kens­wer­ten Ergebnissen:

Bei den Frauen wurden 400m in 55,03 Sek. gelau­fen / die 100m in 11,0 / die 200m in 24,49 und die 100m Hürden in 13,04 / Im Hochsprung wurden 1,90 M erreicht und im Weitsprung 5,93 M

Bei den Männern wurden 200m in20,7 Sek. gelau­fen / die 100m in 10,22 / die 400m in 46,9 / die 800m in 1:49,13 / die 3000m in 7:49,23 / im Weitsprung wurden 7,89 M erreicht / im Hochsprung 2,19 M und im Stabhoch­sprung 5,25 M sowie im Dreisprung 15,37 M / die Kugel flog 19,97 M weit und der Speer 70,48 M.

CZ und sein Forum. „Das ZEISS Forum ist Ihr kompe­ten­ter Partner im Bereich Businesse­vents im Raum Aalen. In einer hoch moder­nen Event-Locati­on im Ostalb­kreis bietet Ihnen unser Team maßge­schnei­der­ten Service, bei dem Komfort und Flexi­bi­li­tät an erster Stelle stehen. Erleben Sie auf 2.000 qm ein archi­tek­to­nisch einma­li­ges Ambien­te mit 17 hochmo­dern ausge­stat­te­ten Veran­stal­tungs­räu­men für Veran­stal­tun­gen von 5 bis 310 Perso­nen. Wir beglei­ten Sie bei der Planung und Durch­füh­rung von Tagun­gen, Business-Meetings, (virtu­el­len) Konfe­ren­zen und Firmen­fei­ern. Bauzeit zwischen Mai 2013 und Juli 2014 mit einem Inves­ti­ti­ons­vo­lu­men von rund 14 Mio. € und der Eröff­nung am 11. Juli 2014.“

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Hier entsteht das neue Zeiss-Forum – aufge­nom­men am 8.7.2013 (Archiv Müller)

CZ und sein Museum. Früher „Optisches Museum – heute „Zeiss Museum der Optik“.

  • 1971 – Eröff­nung des ersten Optischen Museums in Oberkochen
  • 1997 – Umzug in neue Räume
  • 2014 – Eröff­nung des heuti­gen, komplett neu gestal­te­ten ZEISS Museums der Optik im Zeiss‑Forum

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Das alte Optische Museum – aufge­nom­men am 19.09.1971 (Foto: Archiv Zeiss Jena)

CZ und seine Kalen­der. Im Archiv finden sich inter­es­san­te Kalen­der ab 1914. ZEISS hat über viele Jahrzehn­te verschie­de­ne Kalen­der­rei­hen veröf­fent­licht – vor allem Kunst­ka­len­der und Weltraum-/Wissen­schafts­ka­len­der. Der ZEISS Kunst­ka­len­der ist die bekann­tes­te und bis heute gepfleg­te Kalen­der­rei­he. Er erscheint jährlich in limitier­ter Aufla­ge und wird von inter­na­tio­nal renom­mier­ten Fotografinnen gestal­tet. Beispie­le aus den Quellen:

  • Kunst­ka­len­der 2011 — „Size and the City“ von Bryan Adams 
  • Kunst­ka­len­der 2013 — „Imagi­na­ti­on“, u. a. mit Patrick Dempsey, Michel Comte 

Kunst­ka­len­der 2014 — „Moments in the City“ von Mary McCart­ney, mit Alec Baldwin & 

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Ein typisches Weinhold’sches Stille­ben, in diesem Fall Brillen (Foto: Archiv Zeiss Jena)

CZ und sein Archiv. An dieser Stelle sage ich einmal DANKESCHÖN. Selten habe ich bei meinen Recher­chen ein hilfs­be­rei­te­res Archiv erlebt als das Carl Zeiss Archiv in Jena. Deshalb hier kurz ein geschicht­li­cher Abriss:

Geschicht­li­che Entwick­lung des Carl‑Zeiss‑Archivs Jena

Gründung 1948 – Sammlung der verblie­be­nen Überlie­fe­rung. Das Archiv wurde 1948 gegrün­det. Anlass war die Notwen­dig­keit, die schrift­li­che Überlie­fe­rung zu sichern, die den Zweiten Weltkrieg, die ameri­ka­ni­schen Beschlag­nah­mun­gen und die sowje­ti­sche Demon­ta­ge überstan­den hatte. Damit entstand ein zentra­ler Ort, an dem die verstreu­ten Dokumen­te des Unter­neh­mens zusam­men­ge­führt wurden.

Archiv des VEB Carl Zeiss Jena (ab 1948). Nach der Gründung wurde das Archiv zum Firmen­ar­chiv des VEB Carl Zeiss Jena, dem größten Indus­trie­kom­bi­nat der DDR im Bereich Optik und Feinmechanik.

Zentral­ar­chiv des Kombi­nats Carl Zeiss Jena. Mit der Entwick­lung des Kombi­nats wurde das Archiv zum Zentral­ar­chiv des gesam­ten VEB‑Kombinats Carl Zeiss Jena. Es verwal­te­te nun nicht nur die Unter­la­gen des Stamm­werks, sondern zuneh­mend auch die Dokumen­te der verschie­de­nen Kombinatsbetriebe.

Neuord­nung nach der Wende 1989/90. Nach der politi­schen Wende wurde das Archiv Teil der Carl Zeiss Jena GmbH. Damit begann eine Phase der Reorga­ni­sa­ti­on, in der die Archiv­be­stän­de neu bewer­tet und teilwei­se neu struk­tu­riert wurden.

Seit den 1990er Jahren – Konzern­ar­chiv der Carl Zeiss AG. Heute ist das Archiv das Zentral­ar­chiv der Carl Zeiss AG und fungiert als weltwei­tes Konzern­ar­chiv. Es bewahrt Dokumen­te aus über 150 Jahren Unter­neh­mens­ge­schich­te auf, darunter:

  • Akten
  • Fotos
  • Paten­te
  • Techni­sche Dokumentationen
  • Geräte und Produktunterlagen 

Archiv­struk­tur – ein wichti­ger Teil der Entwick­lung. Die Archiv­struk­tur selbst hat sich ebenfalls histo­risch entwickelt:

  • Ursprüng­lich wurde ein Einheits­be­stand (BACZ) angelegt, der Unter­la­gen vor 1945, des VEB und teilwei­se des Kombi­nats zusammenfasste.
  • Erst 1998 entschied man, die Kombi­nats­be­trie­be als eigene Bestän­de zu führen. 

Diese Struk­tur erklärt, warum ältere Bestän­de weiter­hin unter der Signa­tur BACZ zitiert werden.

Bedeu­tung des Archivs. Das Archiv ist heute eine zentra­le Forschungs­stel­le für:

  • Unternehmens‑ und Technikgeschichte
  • Optik‑ und Fotogeschichte
  • Produkt‑ und Patentgeschichte

Es bietet Recher­che­mög­lich­kei­ten, Repro­duk­tio­nen histo­ri­scher Fotos und Zugang zu Fertigungs‑ und Versand­lis­ten histo­ri­scher Geräte.

Die prägen­de Person des Carl‑Zeiss‑Archivs ist langjäh­ri­ge Leiter des Archivs Dr. Wolfgang Wimmer. 

  • Er ist die zentra­le Figur der moder­nen Archivorganisation 
  • Er ist die Schlüs­sel­per­son, wenn es um die wissen­schaft­li­che Aufar­bei­tung und Profes­sio­na­li­sie­rung des Archivs seit den 1990er‑Jahren geht.
  • Zudem fungiert er als Autor mehre­rer grund­le­gen­der Publi­ka­tio­nen zur Archiv­ge­schich­te, u. a.:
    • Die Geschich­te des Zeiss‑Archivs (1999)
    • Erschlie­ßung für das Inter­net: Das Beispiel Carl Zeiss Archiv (2004)
    • Ein Firmen­ar­chiv mit beson­de­rem Bezug zur Fotoge­schich­te (2008)
  • Und er ist verant­wort­lich für die digita­le Erschlie­ßung und die heuti­ge Bestandsstruktur

Zeiss-Archiv wird digital erschlos­sen. Diese Infor­ma­ti­on ließ sich 1999 im Netz finden. Per Inter­net und Intra­net finden Wissen­schaft­ler und inter­es­sier­te Laien bald einen ersten, virtu­el­len Zugang ins Unter­neh­mens­ar­chiv der Carl Zeiss Jena GmbH. In einem gemein­sa­men Projekt erarbei­ten der Wirtschafts- und Sozial­his­to­ri­ker Prof. Dr. Rolf Walter (Univer­si­tät Jena) und Firmen­ar­chi­var Dr. Wolfgang Wimmer neue Wege, um die Archiv­be­stän­de des 150 Jahre alten Optik- und High-Tech-Konzerns syste­ma­tisch zu erschlie­ßen und multi­me­di­al und online zugäng­lich zu machen. Die Volks­wa­gen-Stiftung unter­stützt das Vorha­ben in den nächs­ten drei Jahren mit insge­samt rund 700.000 Mark. Mit dem Geld werden neuer EDV-Technik drei befris­te­te Arbeits­plät­ze für ausge­bil­de­te Firmen­ar­chi­va­re geschaffen.“

Im Jahr 2004 wurde die erfolg­rei­che Umset­zung vermel­det. … Im Archiv von Carl Zeiss in Jena befin­den sich nach Firmen­an­ga­ben etwa 3.500 laufen­de Meter Akten, etwa 100.000 Fotogra­fien und 90.000 Druck­schrif­ten. Bereits jetzt stehen Beschrei­bun­gen von 19.000 Akten online zur Verfü­gung. Weite­re 20.000 Daten­sät­ze werden derzeit bearbei­tet. Der Zugang zu den Archi­va­li­en ist über Klassi­fi­ka­tio­nen, über verschie­de­ne Indices und natür­lich auch über Volltext­re­cher­che möglich. Diese Vielfalt der Zugangs­mög­lich­kei­ten ist laut Zeiss bisher einma­lig in der Welt. … 

Anmer­kung: Das ist wirklich beein­dru­ckend, was bei Zeiss im Rahmen dieses Archiv-Projekts auf die Beine gestellt wurde. Ein Eldora­do – nicht nur für Wissen­schaft­ler und Journa­lis­ten, sondern auch für inter­es­sier­te Laien, die sich mit Heimat­for­schung beschäf­ti­gen und für ehema­li­ger Zeissianer.

Bücher zum Thema. Die 8 wichtigs­ten Bücher über Carl Zeiss – aus meiner subjek­ti­ven Sicht

Nur der Name war geblie­ben Armin Hermann
Erzählt die drama­ti­sche Geschich­te von 1945 bis 1990 – spannend, mensch­lich, histo­risch präzi­se. Warum wichtig: Evaku­ie­rung, Neugrün­dung, West‑Zeiss‑Identität.

Die deutsch‑deutsche Geschich­te der Firma Carl Zeiss Armin Hermann
Es ist die kompak­tes­te, klars­te und moderns­te Darstel­lung der Teilung und Wieder­ver­ei­ni­gung von Zeiss. Dieses Buch ist für Oberko­chen Pflichtlektüre.

Warum wichtig für Oberkochen:

  • erklärt die politi­sche und wirtschaft­li­che Spaltung
  • zeigt die Rivali­tät zwischen Jena und Oberkochen
  • beschreibt die Wieder­ver­ei­ni­gung aus Unternehmenssicht
  • ideal als Einstieg in die deutsch‑deutsche Zeiss‑Thematik

Die Spaltung von Carl Zeiss Rüdiger Stutz
Das wissen­schaft­lich fundier­te Standard­werk zur Teilung. Warum wichtig: Marken­streit, Stiftungs­recht, Kalter Krieg.

Carl Zeiss – Ein deutsches Unter­neh­men Rolf Beck
Das große Gesamt­werk von der Gründung bis ins 20. Jahrhun­dert. Warum wichtig: Funda­ment für das Verständ­nis der Zeiss‑Kultur.

Die Carl‑Zeiss‑Stiftung 1889–2000 Jürgen John
Das zentra­le Werk zur Stiftungs­struk­tur. Warum wichtig: Ohne Stiftung kein Oberkochen.

Zeiss – Geschich­te eines Weltun­ter­neh­mens Dieter Hoffmann
Technik‑ und Wissen­schafts­ge­schich­te auf hohem Niveau. Warum wichtig: Innova­ti­ons­kul­tur, Forschung, Optik.

Vom Jenaer Glas zum Weltkon­zern Helmut Hentschel
Das Standard­werk zur Glas‑ und Materi­al­ge­schich­te. Warum wichtig: Schott als Grund­la­ge der Optikfertigung.

Das gläser­ne Wunder Fritz Schef­fel
Populär erzähl­te Firmen­ge­schich­te über Carl Zeiss, Ernst Abbé und Otto Schott – stark narra­tiv, weniger wissen­schaft­lich, aber histo­risch inter­es­sant. Warum wichtig: Es ist eines der frühes­ten, populärs­ten und identi­täts­stif­ten­den Bücher über die Zeiss‑Gründer. Es prägte über Jahrzehn­te das öffent­li­che Bild von Zeiss, Abbé und Schott.

Teil 6 und Schluss in Kürze

Immer auf der Suche, auch nach Firmen-Geschich­ten – Billie vom Sonnenberg

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