Mit Erlaub­nis des Journa­lis­ten Maximi­li­an Modler schlie­ße ich mit seinem Bericht „Zeiss: Vom Mikro­skop-Pionier zum Hightech-Konzern“ aus dem Jahr 2025 in den DWN Deutsche Wirtschaftsnachrichten“:

Zeiss prägt die Optik­in­dus­trie seit fast zwei Jahrhun­der­ten. Vom ersten Mikro­skop bis zur Halblei­ter­tech­nik von heute spiegelt die Firmen­ge­schich­te alle Brüche und Erfol­ge der deutschen Histo­rie wider. Der Weg des Unter­neh­mens führt durch Kriege, Spaltung und Wieder­ver­ei­ni­gung, aber auch durch bahnbre­chen­de Innova­tio­nen. Heute gehört Zeiss weltweit zur Spitze der Hochtech­no­lo­gie — und ist verant­wort­lich für mehre­re Nobel­prei­se, Oscars, die Fotos bei der ersten Mondlan­dung und vieles mehr.

Der Gründer der Zeiss AG, Carl Zeiss, wurde am 11. Septem­ber 1816 in Weimar geboren. Gemein­sam mit Ernst Abbé gelang es ihm den Mikro­skop­bau auf eine wissen­schaft­li­che Grund­la­ge zu stellen — der Grund­stein für das weltweit agieren­de Unter­neh­men Zeiss (Foto: ZEISS Archiv).

Zeiss: Eine Firmen­ge­schich­te im Spiegel der deutschen Historie

Zeiss ist ein deutsches Vorzei­ge­un­ter­neh­men, dessen Geschich­te untrenn­bar mit der deutschen Histo­rie verwo­ben ist. Von Kamera­ob­jek­ti­ven, die bereits bei der Mondlan­dung zum Einsatz kamen, bis zur Laser­tech­no­lo­gie, die eine essen­zi­el­le Rolle in der weltwei­ten Halblei­ter- und damit Compu­ter­chip­pro­duk­ti­on spielt: Trotz Krise läuft es gut für den inzwi­schen recht großen Mittel­ständ­ler aus dem schwä­bi­schen Oberkochen.

Warum Oberko­chen?

Warum hat Zeiss seinen Sitz ausge­rech­net im schwä­bi­schen Oberko­chen, obwohl die Firma ursprüng­lich aus Jena stammt? Dazu gibt es die Legen­de, dass nach Ende des Zweiten Weltkriegs ein US-Laster einen Haufen Spitzen­kräf­te von Zeiss in Jena auflud und ihm auf dem Rückweg in den Westen in Oberko­chen womög­lich der Sprit ausging – weshalb Zeiss heute dort ansäs­sig ist. Natür­lich wird diese Anekdo­te mit einem Augen­zwin­kern erzählt, doch sie symbo­li­siert zugleich die vielen Zufäl­le und histo­ri­schen Ereig­nis­se, die den Verlauf der Firmen­ge­schich­te mitge­prägt haben. Klar ist jeden­falls, dass sämtli­che Irrun­gen und Wirrun­gen der deutschen Geschich­te auch in der Unter­neh­mens­his­to­rie ihre Spuren hinter­las­sen haben.

Jena, Neugas­se 7 im Jahr 1846 – der Künst­ler ist in Oberko­chen kein Unbekann­ter – René Babil­lo­te (Foto: Archiv Zeiss Jena)

Die Anfän­ge in Jena

Im Jahr 1846 eröff­ne­te der damals 30-jähri­ge Mecha­ni­ker Carl Zeiss in Jena seine Werkstatt für Feinme­cha­nik und Optik und legte damit den Grund­stein für das heute weltweit tätige Techno­lo­gie­un­ter­neh­men Zeiss. Hierfür erhielt er eine “Großher­zog­li­che Konzes­si­on zur Ferti­gung und zum Verkauf mecha­ni­scher und optischer Instru­men­te”. 1847 stell­te er August Löber als ersten Lehrling ein, der später Werks­meis­ter bei Zeiss wurde. Ende des Jahres entstan­den bereits die ersten einfa­chen Mikro­sko­pe in der Werkstatt. 1852 beschäf­tig­te Zeiss zehn Mitar­bei­ter. Der Beginn der Zusam­men­ar­beit mit dem Physi­ker und Mathe­ma­ti­ker Ernst Abbé im Jahr 1866 war der erste Schritt zum Durch­bruch von der Werkstatt zum Unter­neh­men und machte die enge Verbin­dung zur Wissen­schaft zum Bestand­teil der Unter­neh­mens-DNA – ein entschei­den­der Erfolgsfaktor.

Werkmeis­ter August Löber mit Mecha­ni­kern und Lehrlin­gen, 1864. V.l.n.r.: Carl Müller, Fried­rich Pfaffe, Joseph Rudolph, Wilhelm Böber, Heinrich Pape, Fritz Müller und August Löber. (Foto: Archiv Zeiss Jena)

Zeiss im 20. Jahrhundert

Der Erste Weltkrieg, die Weltwirt­schafts­kri­se und der Zweite Weltkrieg führten zu Jahren des Auf und Ab. Infol­ge des Zweiten Weltkriegs wurde das Unter­neh­men gespal­ten in das späte­re Kombi­nat VEB Carl Zeiss Jena und Carl Zeiss West-Germany.

Die ameri­ka­ni­schen Besat­zer brach­ten zwischen 70 und 120 ausge­wähl­te Mitar­bei­ter der Zeiss-Werke von Jena nach Heiden­heim. Die “Opton Optische Werke Oberko­chen GmbH” wurde als Tochter­un­ter­neh­men der Carl-Zeiss-Stiftung gegrün­det. Bis 1953 arbei­te­ten die Unter­neh­men in Jena und Oberko­chen noch eng zusam­men. Ab dem Frühjahr 1953 entwi­ckel­ten sich Carl Zeiss in Oberko­chen und der VEB Carl Zeiss Jena unabhän­gig vonein­an­der weiter. Die im geteil­ten Deutsch­land getrennt agieren­den Unter­neh­men durch­lie­fen eine unter­schied­li­che Entwicklung.

Das änder­te sich mit der Deutschen Wieder­ver­ei­ni­gung in den Jahren 1989 und 1990. Es war klar, dass auch Zeiss in Ost und West wieder zusam­men­wach­sen musste. In einem länge­ren Prozess wurden die beiden Unter­neh­mens­tei­le wieder vereint. Zeiss durch­lief dabei eine tiefe Krise, aus der das Unter­neh­men gestärkt hervor­ging und sich weltweit erfolg­reich entwickelte.

“Zeiss hat als Unter­neh­men eine beson­de­re und sehr beweg­te Geschich­te. Viele techni­sche Meilen­stei­ne zeigen, dass immer wieder die Grenzen des physi­ka­lisch und technisch Machba­ren verscho­ben wurden. Diese beson­de­re Innova­ti­ons­kraft hat unsere Unter­neh­mens­kul­tur nachhal­tig geprägt und hilft unseren Kunden und uns, erfolg­reich zu sein”, beschreibt es Dr. Karl Lamprecht, Vorstands­vor­sit­zen­der von Zeiss, der am 1. April 2025 von seinem Nachfol­ger Andre­as Pecher abgelöst wird.

Das Problem mit den Mikroskopen

Carl Zeiss hatte zwar schon früh Erfol­ge, doch er musste dabei eine große Heraus­for­de­rung bewäl­ti­gen: Der 1860 zum “Univer­si­täts­me­cha­ni­kus” ernann­te Zeiss war mit der Quali­tät seiner Mikro­sko­pe nicht zufrie­den. Jedes Mikro­skop war nämlich ein Unikat. Man hatte zwar große Übung darin, Linsen durch Probie­ren (“Pröbe­l­ei”) zu einem vollstän­di­gen Mikro­skop­ob­jek­tiv zusam­men­zu­stel­len, doch es gab keine Möglich­keit, die Eigen­schaf­ten eines Mikro­skops voraus­zu­be­rech­nen und gezielt zu optimie­ren. Der Mathe­ma­ti­ker Fried­rich Wilhelm Barfuß versuch­te zwischen 1850 und 1854, Mikro­skop-Optiken zu berech­nen, um die Grund­la­gen für einen wissen­schaft­li­chen Mikro­skop­bau zu schaf­fen. Er hatte jedoch keinen Erfolg. Zeiss arbei­te­te deshalb ab 1866 mit Ernst Abbé, einem Physik­pro­fes­sor der Univer­si­tät Jena, zusam­men. Diesem gelang es nach jahre­lan­ger Arbeit und Rückschlä­gen, eine Theorie der Mikro­skop-Optik aufzu­stel­len. Als weltweit einzi­ges Unter­neh­men war Carl Zeiss nun in der Lage, Mikro­sko­pe mit vorbe­rech­ne­ten Eigen­schaf­ten zu produ­zie­ren. Damit begann eine einzig­ar­ti­ge Erfolgs­ge­schich­te. Bereits 1875 beschäf­tig­te Carl Zeiss 60 Mitarbeiter.

Schott und das Glas

Ein zentra­les Problem konnten Zeiss und Abbé jedoch nicht lösen: die Herstel­lung von spezi­el­lem optischem Glas, das ganz neue Optiken ermög­lich­te. Sie arbei­te­ten deshalb mit dem Chemi­ker Otto Schott zusam­men, den sie nach Jena holten. Nach erfolg­rei­chen Glasschmelz­ver­su­chen für das Unter­neh­men Carl Zeiss bauten sie das Jenaer Glaswerk Schott und Genos­sen auf, heute die Schott AG. 1875 entschloss sich Carl Zeiss, seinem Freund Ernst Abbé die Teilha­ber­schaft an der Firma anzubie­ten. Roderich Zeiss, der ältes­te Sohn von Carl Zeiss, trat ein Jahr später ebenfalls in das Unter­neh­men ein. Carl Zeiss starb 1888 und hinter­ließ ein bedeu­ten­des Unter­neh­men mit nun 327 Beschäf­tig­ten und glänzen­den Perspektiven.

Vor dem Ersten Weltkrieg: Aufstieg eines Unternehmens

Vor dem Ersten Weltkrieg erleb­te das Unter­neh­men einen rasan­ten Aufstieg, der selbst mit dem Kriegs­aus­bruch nicht stopp­te. In beiden Weltkrie­gen zählte das Unter­neh­men zu den bedeu­tends­ten deutschen Produ­zen­ten von rüstungs- und kriegs­re­le­van­ten Optiken. So wurde 1912 in Wien eine Fabrik eröff­net, für die in den Kriegs­jah­ren 1916 und 1917 nach Plänen des Archi­tek­ten Robert Oerley ein vierge­schos­si­ger Neubau entstand: das Zeiss-Werk Wien.

Zeiss im Nationalsozialismus

Nach anfäng­li­chen Konflik­ten mit den natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Macht­ha­bern betei­lig­te sich das Unter­neh­men in den 1930er Jahren an der Aufrüs­tung der Wehrmacht und unter­stütz­te die sogenann­te Rassen­for­schung an der Univer­si­tät Jena. Während des Zweiten Weltkriegs beschäf­tig­te Zeiss Tausen­de Zwangs­ar­bei­ter – sowohl am Haupt­stand­ort in Jena als auch in verschie­de­nen Produk­ti­ons­stät­ten und Beteiligungsgesellschaften.

Spaltung nach dem Zweiten Weltkrieg

Carl Zeiss in Jena

Nach dem Rückzug der ameri­ka­ni­schen Truppen aus Thürin­gen übernahm die Rote Armee die Kontrol­le über das Unter­neh­men und begann mit der Demon­ta­ge. 1946/47 wurde das Werk nahezu vollstän­dig abgebaut und am 1. Juli 1948 verstaat­licht. Das Jenaer Werk ging als VEB Carl Zeiss Jena in die DDR-Staats­in­dus­trie über. In diesem Zusam­men­hang entstan­den auch Auftrags­ar­bei­ten für das Minis­te­ri­um für Staats­si­cher­heit, darun­ter das Infra­rot-Licht­sprech­ge­rät JO‑4.03, ein streng gehei­mes Projekt mit dem Deckna­men “Palme”.

Das Dresd­ner Werk der Tochter­fir­ma Zeiss Ikon wurde ebenfalls verstaat­licht und firmier­te zunächst als VEB Zeiss Ikon. 1960 erfolg­te die Zusam­men­le­gung mit der optischen Abtei­lung des VEB Feinmess Dresden, die das Bonotar produ­zier­te. Daraus entstand eine Ferti­gungs­ab­tei­lung von Zeiss.

1965 wurde der VEB Carl Zeiss Jena zum Stamm­be­trieb des gleich­na­mi­gen Kombi­nats, dem nach und nach weite­re VEB der optisch-feinme­cha­ni­schen und Elektro­nik-Indus­trie zugeord­net wurden. 1965 kam der VEB Rathe­nower Optische Werke hinzu. Weite­re Kombi­nats­be­trie­be befan­den sich in Dresden, Suhl, Gera, Saalfeld, Eisfeld und Freiberg. 1985 wurde das Kombi­nat VEB Penta­con Dresden integriert, in dem bereits große Teile der sächsi­schen optisch-feinme­cha­ni­schen Indus­trie aufge­gan­gen waren, darun­ter Zeiss Ikon, Meyer-Optik, Ihagee, Filmos­to und Prakti­ca. In den 1980er Jahren umfass­te das Kombi­nat Carl Zeiss Jena insge­samt 25 Betrie­be mit bis zu 70.000 Beschäftigten.

Techno­lo­gi­sche Höhepunk­te des VEB Carl Zeiss

Seit den 1970er Jahren erhielt das Werk von der Sowjet­uni­on zuneh­mend militä­ri­sche Entwick­lungs- und Produk­ti­ons­auf­trä­ge. Dadurch gewann das Kombi­nat an Bedeu­tung als Rüstungs­be­trieb: Eine Vielzahl optischer Militär­ge­rä­te wurde hier entwi­ckelt und gefer­tigt, darun­ter das Univer­sal­mess­ge­rät UMGPi für Pionie­re, das Stereo-Nacht­sicht­ge­rät PM 1 für Pionier­pan­zer, der Zielsuch­kopf der Luft-Luft-Rakete K‑13M, die Feuer­leit­an­la­ge Wolna für den T‑55 A sowie der Zielent­fer­nungs­mes­ser für den T‑72.

Carl Zeiss in Oberkochen

Am Ende des Zweiten Weltkrie­ges wurden Thürin­gen und damit auch Jena zunächst von US-ameri­ka­ni­schen Truppen besetzt. Bevor Thürin­gen verein­ba­rungs­ge­mäß an die Sowjet­uni­on überging, brach­ten die Ameri­ka­ner im Juni 1945 hochran­gi­ge Zeiss-Mitar­bei­ter von Jena nach Heiden­heim (Württem­berg). In einem Konvoi ameri­ka­ni­scher Militär­fahr­zeu­ge reisten zwischen siebzig und 120 Perso­nen – die Angaben variie­ren – mit Möbeln, Hausrat sowie Konstruk­ti­ons­zeich­nun­gen, Paten­ten und Lizenzen.

Nach monate­lan­ger Suche fanden sie in ungenutz­ten Werks­ge­bäu­den der ehema­li­gen Rüstungs­fir­ma Fritz Leitz in Oberko­chen einen geeig­ne­ten Stand­ort für den Neuan­fang. Im Febru­ar 1946 geneh­mig­te die ameri­ka­ni­sche Militär­re­gie­rung der neu gegrün­de­ten „Opton Optische Werke Oberko­chen GmbH“ den Betrieb einer Werkstatt zur Repara­tur optischer Geräte. Am 1. August 1946 nahmen rund zweihun­dert ehema­li­ge Zeiss-Mitar­bei­ter aus Jena die Arbeit auf. 1947 wurde der Name in „Zeiß-Opton Optische Werke Oberko­chen GmbH“ geändert. Nach Verle­gung des Rechts­sit­zes der Stiftung nach Heiden­heim ging die GmbH in der inzwi­schen gegrün­de­ten Firma Carl Zeiss Oberko­chen auf.

Auswahl techni­scher Meilen­stei­ne Carl Zeiss West (1946–1989)

1949 wurden neue Brillen­glä­ser berech­net, die erstmals die physio­lo­gi­schen Sehbe­din­gun­gen des Menschen berück­sich­tig­ten. 1950 präsen­tier­te Zeiss die komplett neuent­wi­ckel­te Mikro­skop-Modell­rei­he „Standard“, die zur weltweit erfolg­reichs­ten und meist­ver­kauf­ten Mikro­skop­ge­ne­ra­ti­on avancier­te. Es folgte eine Reihe weite­rer Erfin­dun­gen, darun­ter das Elektro­nen­mi­kro­skop EM9, der Xenon-Licht­ko­agu­la­tor sowie das Simul­tan-Spektro­me­ter. Die Fotogra­fien der ersten Mondlan­dung 1969 entstan­den mit Zeiss-Objektiven.

Carl Zeiss nach 1990

Ab 1990 unter­stand der VEB Carl Zeiss Jena der Verwal­tung der Treuhand­an­stalt und wurde zwischen 1990 und 1991 in die Carl Zeiss Jena GmbH sowie die Jenop­tik GmbH aufge­spal­ten. Erste­re übernahm das optische Kernge­schäft. Carl Zeiss Oberko­chen und Jenop­tik teilten sich die Gesell­schaf­ter­an­tei­le an der Carl Zeiss Jena GmbH. 1995 übernahm Carl Zeiss in Oberko­chen die Antei­le der Jenop­tik. Aufgrund der Unter­neh­mens­kri­se des Gesamt­kon­zerns und der Folgen der Wieder­ver­ei­ni­gung kam es Mitte der 1990er Jahre zu mehre­ren Entlassungswellen.

In den folgen­den zehn Jahren wurde das Unter­neh­men neu ausge­rich­tet. Die größe­ren Geschäfts­be­rei­che wurden eigen­stän­di­ge Tochter­un­ter­neh­men mit voller Verant­wor­tung für Entwick­lung, Produk­ti­on und Vertrieb. In Oberko­chen entstand ein neues Werk für die Halbleitertechnik.

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Die Zeiss-Werke in Jena im Jahr 1996 (Foto: Archiv Zeiss Jena)

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Die Zeiss-Werke in Oberko­chen im Jahr 1997 (Foto: Archiv Zeiss Jena)

Strate­gi­sche Partner­schaft mit ASML

1983 liefer­te Zeiss Oberko­chen erstmals eine Litho­gra­phie-Optik an die heuti­ge ASML. Seit 1997 besteht eine strate­gi­sche Partner­schaft zwischen beiden Unter­neh­men mit dem Ziel, gemein­sam Techno­lo­gie- und Markt­füh­rer in der Halblei­ter­fer­ti­gung zu sein. 2001 gründe­te die Carl Zeiss AG die Carl Zeiss SMT GmbH als Tochter­ge­sell­schaft für die Entwick­lung und Produk­ti­on von Optiken für die Halblei­ter­fer­ti­gung. 2005 erfolg­te die erste Liefe­rung von EUV-Projek­ti­ons­op­tik an ASML. Durch die erfolg­rei­che Nutzung von EUV-Strah­lung mit 13,5 Nanome­ter Wellen­län­ge wurde die weite­re Struk­tur­ver­klei­ne­rung von Compu­ter­chips in den Nanome­ter­be­reich ermög­licht. Die Carl Zeiss SMT ist ein essen­zi­el­ler Bestand­teil der Herstel­lung der weltweit einzi­gen EUV-Litho­gra­fie-Anlagen und damit ein Schlüs­sel­un­ter­neh­men der globa­len Digita­li­sie­rung. Laut Konzern­web­site werden 80 Prozent aller Mikro­chips weltweit mit Zeiss-Optiken gefertigt.

Zeiss heute

Heute ist Zeiss ein weltweit führen­des Techno­lo­gie­un­ter­neh­men in der optischen und optoelek­tro­ni­schen Indus­trie. Das Unter­neh­men gliedert sich in die vier Sparten Semicon­duc­tor Manufac­tu­ring Techno­lo­gy, Indus­tri­al Quali­ty & Research, Medical Techno­lo­gy und Consu­mer Markets. Über 34.000 Mitar­bei­ten­de sind in fast 50 Ländern für Zeiss tätig. Die 1889, nach dem Tod von Carl Zeiss, durch Ernst Abbé gegrün­de­te Carl-Zeiss-Stiftung zählt heute zu den größten wissen­schafts­för­dern­den Stiftun­gen in Deutschland.

Was kann man von Zeiss lernen?

Klar, auch Zeiss hat Proble­me im gegen­wär­ti­gen Konsum­kli­ma inner­halb der aktuel­len geostra­te­gi­schen Konflik­te. Es wird mit einer weite­ren Verlang­sa­mung der Geschäf­te gerech­net. Dennoch hat das Unter­neh­men schon verschie­de­ne Krisen erfolg­reich überstan­den. Das hat vor allem zwei Gründe:

Inves­ti­tio­nen in Innovationen

Zeiss inves­tiert ganze 15 Prozent des Konzern­um­sat­zes in Forschung und Entwick­lung. Die Gelder, die das Unter­neh­men aus Oberko­chen zusätz­lich in Lehrstüh­le und Dritt­un­ter­neh­men steckt, sind darin nicht einmal enthal­ten. Zum Vergleich: Die entspre­chen­de Quote der weltweit 500 größten Unter­neh­men lag 2022 laut den Unter­neh­mens­be­ra­tern von EY bei 6,1 Prozent. Bei Konzer­nen mit Sitz in den Verei­nig­ten Staaten betrug sie 8,1 Prozent, in Deutsch­land lag sie mit 5,4 Prozent nur bei etwas mehr als einem Drittel dessen, was Zeiss aufwendet.

Drei Milli­ar­den Euro inves­tiert Zeiss übrigens allein in den kommen­den fünf Jahren in Infra­struk­tur in Deutsch­land. Das Ergeb­nis solcher Ausga­ben für Forschung sind Geräte, für die Zeiss kürzlich zweimal den Deutschen Zukunfts­preis erhielt.

Nominiert war auch ein Opera­ti­ons­mi­kro­skop für Gehirn­chir­ur­gen. Was das deutsche Spezi­al­pro­dukt so beson­ders macht, ist unter anderem, dass die Entwick­ler gezielt nach den Bedürf­nis­sen der Chirur­gen gefragt haben. Die Antwort: unter anderem auch mal eine Pause, um zusätz­li­che Daten abrufen zu können. Danach wollen sie das roboti­sche Opera­ti­ons­sys­tem exakt dort anset­zen, wo sie unter­bro­chen haben. Mit den Geräten von Zeiss ist das nun möglich – eine Punktlandung.

Unter­neh­mens­struk­tur fördert langfris­ti­ges Denken

Die Carl Zeiss AG gehört zu 100 Prozent der Carl-Zeiss-Stiftung, ebenso wie die Otto Schott AG, ein ebenfalls florie­ren­der deutscher Herstel­ler von Spezi­al­glas, etwa für die Medizin­tech­nik. Diese Konstruk­ti­on besteht seit 20 Jahren und entstand in einer Zeit, als Zeiss in einer Krise steckte.

Sie hat zwei entschei­den­de Vortei­le: Die unter ihr verein­ten Unter­neh­men Zeiss und Schott sind als Aktien­ge­sell­schaf­ten struk­tu­riert, als wären sie börsen­no­tiert. Die Fachwelt spricht von “Gover­nan­ce” und meint damit eine weitge­hen­de Trans­pa­renz, die Misswirt­schaft und das Verschlei­ern von Verlus­ten verhindert.

Gleich­zei­tig fördert die Stiftung langfris­ti­ge Inves­ti­tio­nen. “Es ist die Grund­la­ge dafür, dass ein Unter­neh­men mehr Geduld haben kann”, sagt ein Sprecher. Ein Beispiel: der Bereich Syste­me für die Halblei­ter­pro­duk­ti­on, SMT genannt. Heute boomt dieser Bereich bei Zeiss, doch in den 1990er Jahren war er noch ein zartes Pflänz­chen. Dass dieser Hoffnungs­trä­ger nicht vorschnell aufge­ge­ben wurde, verdankt Zeiss seiner Stiftungs­kon­struk­ti­on und der unter­neh­me­ri­schen Weitsicht.

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Carl Zeiss Stamm­werk Oberko­chen – aktuell (Foto: Archiv Zeiss Oberkochen)

Lehren für Deutschland

Wenn es für Deutsch­land so gut liefe wie für Zeiss, wäre wohl keine Rede mehr von Krise. Was also können sich Unter­neh­mer oder auch die neue Bundes­re­gie­rung von dieser Erfolgs­ge­schich­te abschauen?

  1. Ordent­lich Geld in die eigene Forschung und Entwick­lung investieren.
  2. Stabi­li­tät durch bewähr­te, verläss­li­che Produk­te mit Dynamik in der Entwick­lung neuer Techno­lo­gien und Geschäfts­fel­der verbinden.
  3. Nachhal­tig wirtschaf­ten und nicht über die eigenen Verhält­nis­se gehen.
  4. Quali­tät und Quanti­tät nicht gegen­ein­an­der ausspie­len – beides kann Hand in Hand gehen, wenn sinnvoll skaliert wird.
  5. Langfris­tig denken und nicht nur auf kurzfris­ti­ge Gewin­ne setzen.
  6. Inter­na­tio­na­le Koope­ra­ti­on fördern und die besten Fachkräf­te ins Unter­neh­men holen.
  7. Optima­le Arbeits­be­din­gun­gen bieten – schon im späten 19. Jahrhun­dert veran­ker­te Ernst Abbé betrieb­li­che Sozial­po­li­tik (etwa Kranken­ver­si­che­rung, Pensio­nen und den Acht-Stunden-Tag) als Recht der Mitar­bei­ter, nicht als gönner­haf­te Wohltat der Unter­neh­mens­füh­rung. Dazu gehören auch Toleranz gegen­über Herkunft, Kultur und Religion.
  8. Wissen­schaft und Kultur aktiv fördern.

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Carl Zeiss Südwerk Oberko­chen – aktuell (Foto: Archiv Zeiss Oberkochen)

Zeiss’ Geschich­te und Errun­gen­schaf­ten auf einen Blick

Zeiss (Carl Zeiss AG) zählt zu den führen­den Techno­lo­gie­un­ter­neh­men in den Berei­chen Mikro­sko­pie, indus­tri­el­le Mess- und Medizin­tech­nik. Allei­ni­ge Eigen­tü­me­rin ist die Carl-Zeiss-Stiftung.

  • Weltweit entwi­ckeln, produ­zie­ren und vertrei­ben über 30.000 Mitar­bei­ter in rund 50 Ländern die Techno­lo­gien von Zeiss.
  • Als Teil einer Stiftung engagiert sich Zeiss auch sozial und nachhal­tig: So unter­stützt das Unter­neh­men den Kampf gegen Tuber­ku­lo­se und inves­tier­te 2019 über eine halbe Milli­ar­de Euro in Forschung und Entwicklung.
  • Zudem spiel­te Zeiss nicht nur bei mehre­ren Nobel­prei­sen und der Mondlan­dung eine Rolle, sondern erhielt auch Oscars und prägte den Fußball.

Zeiss-Techno­lo­gien als Grund­la­ge für mehr als 20 Nobelpreise

Zwar gewann Zeiss selbst keine Nobel­prei­se, doch insbe­son­de­re seine Mikro­sko­pe ermög­lich­ten bahnbre­chen­de wissen­schaft­li­che Erkennt­nis­se. Mehr als 20 Forscher­teams erhiel­ten den Nobel­preis mit Hilfe von Zeiss-Geräten.

Der erste auf der Liste der „Zeiss-Nobel­preis­trä­ger“ war Robert Koch, der 1905 für seine medizi­ni­schen Entde­ckun­gen ausge­zeich­net wurde. Mit Zeiss-Mikro­sko­pen identi­fi­zier­te er in den 1880er-Jahren die Bakte­ri­en, die Tuber­ku­lo­se und Chole­ra verursachen.

Die bislang letzten waren 2014 John O’Kee­fe, May-Britt Moser und Edvard Moser. Ihre Entde­ckung der sogenann­ten „Gitter­zel­len“ des Nerven­sys­tems gelang mit verschie­de­nen Licht- und Stereo­mi­kro­sko­pen von Zeiss.

Die Firmen­ge­schich­te von Zeiss im Überblick

1846: Im Alter von dreißig Jahren gründe­te der Mecha­ni­ker Carl Zeiss eine Werkstatt für optische und feinme­cha­ni­sche Instru­men­te. Anfangs warte­te und entwi­ckel­te er wissen­schaft­li­che Geräte, zudem bot er Brillen und Fernroh­re an.

1866: Der Physi­ker Ernst Abbé trat in die Firma ein und liefer­te bahnbre­chen­de Erkennt­nis­se für das Verständ­nis optischer Syste­me. Zeiss spezia­li­sier­te sich darauf­hin auf Mikro­sko­pe, die schnell inter­na­tio­na­le Anerken­nung fanden.

1889: Nach dem Tod von Carl Zeiss gründe­te Ernst Abbé die Carl-Zeiss-Stiftung und sicher­te damit die Zukunft des Unter­neh­mens. Zeiss gehör­te zu den wenigen Firmen mit betrieb­li­cher Kranken­kas­se und einem Acht-Stunden-Arbeitstag.

1914: Zeiss wuchs zu einem Unter­neh­men mit über fünftau­send Angestell­ten. Während des Ersten Weltkriegs wurde die Produk­ti­on auf optische Geräte für das Militär umgestellt.

1930er-Jahre: Zeiss-Plane­ta­ri­en sorgten weltweit für Aufse­hen. In Städten wie Mailand, Chica­go und Tokio entstan­den mehr als zwanzig Sternentheater.

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Carl Zeiss Oberko­chen startet im Jahr 1946 (Foto: Archiv Zeiss Jena)

1946: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Werk in Jena verstaat­licht, während in Oberko­chen ein neues Zeiss-Werk entstand, das bis heute als Firmen­sitz dient.

1990er-Jahre: Nach dem Mauer­fall rückten die beiden Zeiss-Werke wieder näher zusam­men. Dennoch führten fehlen­de Aufträ­ge zu umfas­sen­den Umstruk­tu­rie­run­gen und zahlrei­chen Entlassungen.

2004: Nach tiefgrei­fen­den Verän­de­run­gen wurde Zeiss eine Aktien­ge­sell­schaft, die vollstän­dig der Carl-Zeiss-Stiftung gehört.

2019: Mit über 30.000 Mitar­bei­tern und einem Jahres­um­satz von mehr als sechs Milli­ar­den Euro ist Zeiss weltweit tätig, unter anderem in Dublin, Shang­hai und Minneapolis.

Zeiss‘ Beitrag zur Mondlan­dung 1969

Als Neil Armstrong und Buzz Aldrin am 20. Juli 1969 den Mond betra­ten, war Zeiss-Technik mit dabei. Die ikoni­schen Bilder der Mondlan­dung entstan­den mit Zeiss-Objektiven.

Das Unter­neh­men entwi­ckel­te eigens ein Weitwin­kel­ob­jek­tiv, das außer­ge­wöhn­li­che Schär­fe und hohe Kontras­te bot. Während der Apollo-Missio­nen zwischen 1962 und 1972 entstan­den rund 30.000 Bilder, ergänzt durch über 100.000 Aufnah­men in der Vorbereitung.

Übrigens: Während der bislang letzten bemann­ten Mondmis­si­on 1972 ließen die Astro­nau­ten eine Kamera auf dem Mond zurück. Das Objek­tiv könnte bei einer zukünf­ti­gen Mondlan­dung genutzt werden, um die Auswir­kun­gen der Sonnen­strah­lung auf Glas zu untersuchen.

Mehr Oscars als Leonar­do DiCaprio

Anders als Holly­wood-Star Leonar­do DiCaprio, der erst 2016 als Bester Haupt­dar­stel­ler ausge­zeich­net wurde, gewann Zeiss in der Katego­rie „Science and Enginee­ring“ bereits drei Oscars.

1987 würdig­te die „Acade­my of Motion Pictu­re Arts and Scien­ces“ die beson­ders licht­star­ken Kamera­ob­jek­ti­ve von Zeiss. 1999 und 2012 folgten zwei weite­re Auszeich­nun­gen für das Konzept und das optische Design der ZEISS/ARRIFLEX Varia­ble Prime Lenses sowie der ARRI/ZEISS Master Prime Lenses. (Herzli­chen Dank an Maximi­li­an Modler für diesen Bericht).

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Zum Schluss nochmal ein Bild vom Portier­haus (Foto: Archiv Zeiss Jena)

Abschluss. Trotz der Proble­ma­tik des Zeitdrucks und einer komplet­ten Umpla­nung meiner Berich­te für das 2. Halbjahr hat es Freude gemacht, diesen Bericht zu erstel­len. Als Autor für Oberko­che­ner Heimat­ge­schich­te ist es mir gerade in diesem Bericht ein beson­de­res Anlie­gen darauf hinzu­wei­sen, dass heuti­ge Erfol­ge auf den Entschei­dun­gen der Menschen in frühe­ren Zeiten fußen und wir ab zu mit Respekt an diese Menschen denken sollten – Dazu abschlie­ßend ein paar Sätze, die genau das wieder­ge­ben, was ich meine:

Der Erfolg von heute ist die Handschrift derer, die gestern entschie­den haben.
Wir stehen auf Wegen, die andere für uns gebaut haben.
Wer heute führt, verdankt viel jenen, die gestern Verant­wor­tung trugen.
Entschei­dun­gen verge­hen, ihre Wirkung bleibt – und verdient Respekt.

Immer auf der Suche, auch nach Firmen-Geschich­ten – Billie vom Sonnenberg

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