Die Geschichte „meiner ehemaligen“ Firma, in der ich den Großteil meines beruflichen Lebens tätig war
Im Jahr 2009 wurde die 2te Real-Teilung des bisherigen Firmenverbandes vorgenommen. Dazu wurde in © Wirtschaft Regional 10.02.2009 der folgende Text veröffentlicht:
Die beiden Familienstämme und Eigner der Leitz Holding GmbH & Co. KG, zu der die Leitz GmbH & Co. KG und die LMT-Gruppe mit sechs Firmen gehören, haben zur langfristigen und verantwortungsvollen Vorbereitung des Generationenwechsels vereinbart, den Leitz-Firmenverband in zwei jeweils eigenständigen Unternehmensgruppen in die Zukunft zu führen. Die Entscheidung wurde nun getroffen und soll zum 30. Juni dieses Jahres vollzogen sein. Dann wird die bisherige Leitz Holding ihre Funktion als Dachgesellschaft beenden. Derzeit sind rund 7.000 Mitarbeiter beschäftigt. In Vorbereitung auf diese Entscheidung, die auf dem Wege der Realteilung vollzogen wurde und die als „epochal angesehen werden kann“, so Dr. Dieter Brucklacher, werden alle Entscheidungen und Geschäfte seit Jahresbeginn in der Verantwortung der jeweiligen Unternehmensgruppen vollzogen.
Der Familienstamm Brucklacher wird den international führenden produzierenden Dienstleister und Komplettanbieter für Werkzeuge für die Bearbeitung von Holz, Holzwerkstoffen und Kunststoffen, die Leitz GmbH & Co. KG einschließlich der bisherigen LMT-Firmen Boehlerit (Kapfenberg, Österreich) sowie die Bilz Werkzeugfabrik in Ostfildern übernehmen.
Der Familienstamm Bengel wird die vier Spezialisten für Werkzeuge für die Bearbeitung von Metall- und Verbundwerkstoffe, Fette (Schwarzenbek), Kieninger (Lahr), Belin (Frankreich) und Onsrud (USA) der LMT-Gruppe sowie den Weltmarktführer für Tablettiermaschinen, Fette Compacting (Schwarzenbek) übernehmen. Beide Unternehmensgruppen bleiben in Oberkochen ansässig.
Diese Lösung wurde schon immer als eine von verschiedenen strategischen Optionen für die nachhaltige Entwicklung des Familienunternehmens betrachtet. „Die Entscheidung und deren Zeitpunkt haben nichts mit der aktuellen Wirtschaftskrise zu tun. Vielmehr spielen Veränderungen im Erbschaftssteuerrecht eine gewichtige Rolle“, erklärte gestern Dr. Dieter Brucklacher, Beiratsvorsitzender der Holding, auf Anfrage.
Mit den beiden somit neu aufgestellten Unternehmensgruppen, Leitz-Gruppe und LMT-Gruppe, entstünden nach Auffassung beider Familienstämme zwei in ihren jeweiligen Märkten hervorragend positionierte Akteure mit bedeutendem Entwicklungspotenzial. „Mit unserer Entscheidung schaffen wir die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Generationenwechsel“, sagte Brucklacher. In den kommenden Tagen würde die Leitz-Gruppe über Veränderungen in der Geschäftsleitung informieren. Brucklachers Tochter Dr. Cornelia Brucklacher steht für Aufgaben bereit, möglicherweise wird Brucklacher selbst wieder im operativen Geschäft tätig werden. „Die beiden Gruppen machen in Zukunft operativ all das gemeinsam, was sinnvoll und vorteilhaft für beide Seiten ist. Entsprechend ist etwa die weitere Zusammenarbeit unserer Firmen Boehlerit und Bilz mit der LMT-Gruppe fest vereinbart“, begründet Dr. Dieter Brucklacher als Sprecher seiner Familie den Schritt.
Die Entwicklung des Leitz-Firmenverbandes sei bisher eine Erfolgsgeschichte gewesen. Durch die strategische Verselbstständigung in zwei Firmengruppen würden die Voraussetzungen geschaffen, um die Erfolgsgeschichte in zwei Linien fortzusetzen. „Wir fokussieren beide Gruppen auf ihre jeweiligen Märkte. Das Verselbstständigen in die Leitz-Gruppe und die LMT-Gruppe erfolgt in bestem Einvernehmen. Klar ist, dass die bewährte Einbindung von Boehlerit und Bilz in das Vertriebsnetz der LMT weitergeführt wird. In dieser Hinsicht ändert sich für unsere Kunden nichts“, erläutert Regine Bengel für die Gesellschafter der künftigen LMT-Gruppe. Auch werde sich für die Mitarbeiter der Firmen nichts ändern. „Beide Firmengruppen sind Weltmarktführer mit ihren Produkten. Und beide haben die besten Chancen, auch diese wirtschaftliche Krise zu meistern. Durch diese Zellteilung können beide Gruppen neues Wachstum generieren“, zeigte sich Brucklacher gestern optimistisch.
Brucklacher beschreibt die Holz- und Metallwerkzeugmärkte als unterschiedlich. „Der Holzsektor erscheint komplexer und erfordert eine andere Marktbearbeitung und andere Antworten. Holzverarbeitende Handwerker ticken anders als Automobilisten und deren Zulieferer“, sagte er. Viele Optionen seien zum weiteren Vorgehen und Organisieren der Familienbetriebe der beiden Gruppen in den vergangenen Monaten durchgespielt worden. „Man muss seine Form wie eine Amöbe ändern, um sich den Marktgegebenheiten anzupassen. Die jetzt gefundene Firmenarchitektur ist eine Überzeugungstat“, sagte Brucklacher.

Bei der Verleihung des Verdienstkreuzes 1. Klasse durch Ministerpräsident Günther Öttinger (Archiv Leitz)
Leitz und ein Netzwerk zu Wirtschaft und Politik. Durch die verschiedenen ehrenamtlichen Funktionen gewann Dr. Brucklacher rasch die Nähe zu Entscheidern aus Wirtschaft und Politik. Sei es aus Kreis, Bundesland BaWü oder bundesweit.
- Präsident des VDMA — Von 2004 bis 2007 leitete er den Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, eine der wichtigsten Industrieorganisationen Deutschlands.
- Vorstandsmitglied im VDMA — Bereits 1994 wurde er in den VDMA‑Vorstand gewählt, bevor er später Präsident wurde.
- Vorsitzender des Kuratoriums der VDMA‑Impuls‑Stiftung — Dieses Amt hatte er von 2008 bis 2014 inne. Die Stiftung fördert Forschung und Zukunftsprojekte im Maschinenbau.
- Vizepräsident des BDI — 2007 bis 2008 war er Vizepräsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, dem Dachverband der deutschen Industrie.
- Vizepräsident des BDA — Gleichzeitig war er Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Arbeitgeberverbände.
- Vorstandsmitglied im Landesverband der Baden‑Württembergischen Industrie — 1998 — 2014 war er dort im Vorstand aktiv.
- Mitglied des Präsidiums der IHK Ostwürttemberg – 1999–2008
- Kuratoriumsmitglied der Hochschule Aalen — Engagement im Bildungsbereich.
- Kuratoriumsmitglied der Internationalen Musikschulakademie Schloss Kapfenburg

erste Reihe z.B. Ministerpräsident Erwin Teufel, Wirtschaftsminister Dr. Walter Döring, Hans-Dietrich Gentscher, Prof. Dr. Berthold Leibinger, vermutl. Karl-Heinz Böhm

Dr. Brucklacher mit Ministerpräsident Erwin Teufel (Archiv Leitz)

Dr. Brucklacher auf Auslandsreise mit Bundeskanzlerin Merkel (Archiv Leitz)
Brucklacher zieht sich aus Leitz-Geschäftsführung zurück 01.07.2014. Dr. Dieter Brucklacher ist nach seinem 75. Geburtstag zum 1. Juli 2014 aus der Geschäftsführung des Werkzeugherstellers Leitz GmbH & Co. KG ausgeschieden und in den bis dahin von Dieter Maier geleiteten Beirat des Unternehmens gewechselt. Beiratsvorsitzende wurde Frau Dr. Cornelia Brucklacher, Dieter Maier Ehrenmitglied im Beirat.
Am 27.09.2016 um 22:29 Uhr veröffentlichte die Schwäbische Post zum Tode von Dr. Dieter Brucklacher den nachfolgenden Artikel:
Dr. Dieter Brucklacher ist tot. Am Dienstagmorgen verstarb unerwartet nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt Dr. Dieter Brucklacher im Alter von 77 Jahren. Der frühere Vorsitzende der Geschäftsführung der Leitz GmbH & Co. KG und ehemalige Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) war eine herausragende Unternehmerpersönlichkeit in der Region und bis zu seinem Tod aktiv in der Leitz-Firmengruppe tätig.
Dr. Dieter Brucklacher wurde am 12. Juni 1939 in Oberkochen geboren, sein Großvater Wilhelm Grupp war Gründer der Firma WIGO. Von 1959 bis 1966 studierte er Physik an den Universitäten Stuttgart und Karlsruhe und war von 1966 bis 1974 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Material- und Festkörperforschung am Kernforschungszentrum Karlsruhe. 1978 promovierte er als Doktor-Ingenieur an der Fakultät für Maschinenbau der Uni Karlsruhe. 1974 trat er in das Familienunter-nehmen seiner Frau Monika Brucklacher, einer Ur-Enkelin des Firmengründers Albert Leitz, ein und wurde 1975 zum Geschäftsführer bestellt. Von 1982 bis 2014 war er Vorsitzender der Geschäftsführung, danach wechselte er in den Beirat. Seit 1. September dieses Jahres ist Jürgen Köppel (53) Sprecher der Leitz-Geschäftsführung. Dieter Brucklacher entwickelte Leitz strategisch weitsichtig zu einem weltweit agierenden Global Player mit Gesellschaften u.a. in den USA, Brasilien, Indien und China. Ein Meilenstein war die Gründung der Leitz Metalworking Technology Group (LMT), in der hochspezialisierte Hersteller von Werkzeugen für die Metall- und Kunststoffbearbeitung zusammengeschlossen wurden. Brucklacher scheute auch nicht vor schwierigen Entscheidungen zurück. Die Realteilung des Leitz-Firmenverbandes in die eigenständige Gruppen Leitz (Holz, Familie Brucklacher) und LMT (Metall, Familie Bengel) war 2009 für ihn ein “entscheidender Schritt zur Zukunftssicherung der Unternehmen”.
Tabellarische Übersicht der heutigen Brucklacher Group (Stand 2026).
Gründungen Leitz Produktionsfirmen
- 1876 Leitz GmbH & Co. KG in Oberkochen (D)
- 1961 Leitz GmbH & Co. KG in Riedau (Österreich)
- 1964 Leitz GmbH & Co. KG in Unterschneidheim (D)
- 1973 Leitz Italia S.r.l. in Lana (Italien)
- 1974 Leitz GmbH & Co. KG in Zell a. d. Pram (Österreich)
- 1979 Leitz — Ferramentas e Sistemas de Precisão in Sao Sebastiäo (Brasilien)
- 1996 Leitz Italia S.r.l.in Navazzo (Italien)
- 1997 Leitz Tooling Systems (China) Co., Ltd. In Nanjing (China)
- 2024 Leitz Tooling Systems India Pvt Ltd. In Bangalore (Indien)
Gründungen Leitz Vertriebsfirmen
- 1955 Leitz Service BV in Elst „früher Waddinxveen + Nieuwerkerk und anfangs in Rotterdam“ (Niederlande)
- 1959 Emil Leitz GmbH in Oberkochen (D‑Süd) „Zum Leitz gehört die Firma seit 1959. Als selbständige Firma wurde sie 1921 gegründet. Das Ganze ging mit einem Umzug von der Bahnhofstraße an den Ölweiher einher”
- 1960 Leitz GmbH in Lenzburg „früher in Dietikon und anfangs in Zürich“ (Schweiz)
- 1961 Leitz S.à.r.l. in Colmar (Frankreich)
- 1964 Leitz Werkzeugdienst GmbH in Bielefeld (D‑Nord)
- 1964 Leitz Werkzeugdienst GmbH in Troisdorf „und anfangs in Sieglar“ (D‑West))
- 1965 Leitz-Service N.V. in Grimbergen „zu Beginn in Strombeek“ (Belgien)
- 1966 Leitz-Servicio S.r.L in Mariano-Comense (Italien)
- 1982 Leitz Tooling UK Ltd. In Harlow (Großbritannien)
- 1984 Leitz Tooling Systems LP in Grand Rapids (USA)
- 1985 Leitz-Service SARL, Holzem in Luxemburg
- 1988 Leitz Tooling Co. Ltd. In Yokohama (Japan)
- 1992 Leitz Tooling Systems Pty. Ltd in Bayswater (Australien)
- 1993 Leitz Hungária Szerszám Kft. in Érd (Ungarn)
- 1993 Leitz Kesici Takımlar San. Tic. A.Ş. in Gebze (Türkei)
- 1993 Leitz Tooling Systems LP in Vaughan „früher in Kitchener“ (Canada)
- 1993 Leitz-nástroje s.r.o. in Prag (Tschechische Republik)
- 1993 OOO Leitz Instrumenti in Moskau (Russland)
- 1993 Leitz Tooling Asia Pte Ltd. In Singapur (Singapur)
- 1994 Herramientas Leitz S.L. Vilassar de Dalt in Barcelona (Spanien)
- 1995 Leitz orodja d.o.o. in Kranj (Slowenien)
- 1997 Leitz Tooling (M) Sdn. Bhd. In Subang Jaya (Malaysia)
- 1997 Leitz Polska Sp. z o.o. in Radomsko (Polen)
- 1997 PT Leitz Tooling Indonesia, Jl Kapt in Subijanto (Indonesien)
- 1999 Leitz Tooling Systems India Pvt Ltd. in Bangalore (Indien)
- 2001 Leitz Kes Metalli Oy in Uurainen (Finnland)
- 2002 Leitz-nástroje s.r.o. in Bratislava (Slovakei)
- 2004 Leitz México, S.A. de C.V. in El Marqués (Mexiko)
- 2004 Leitz Romania S.R.L. in Brasov (Rumänien)
- 2006 Leitz Tooling Co., Ltd in Bangkok (Thailand)
- 2006 Leitz Tooling Systems SA in Johannesburg (Südafrika)
- 2007 Leitz Instrumenty Ukraina LLC in Kiew (Ukraine)
- 2012 Leitz Tooling Asia Pte Ltd in Tainan (Taiwan)
- 2021 Leitz Tooling Vietnam Company Limited in An Phuoc Ward (Vietnam)
- 2021 Leitz Baltic UAB, in Giraite (Litauen)
- 2025 Herramientas Leitz S.L. in Lissabon (Portugal)
Übernahme von Firmen im Metallbearbeitungsbereich
- 1988 Übernahme der Fa. Wilhelm Fette in Schwarzenbek (D) ***
- 1990 Übernahme der Fa. Boehlerit in Kapfenberg (A) und in Düsseldorf (D)
- 1993 Übernahme der Fa. Walter Kieninger in Lahr (D) ***
- 1999 Übernahme der Fa Onsrud-Cutter in Waukegan (USA) ***
- 2000 Übernahme der Fa. Bilz in Ostfildern (D)
- 2001 Übernahme der Fa. Belin (F) ***
*** gehören seit der Trennung zum Familienstamm Bengel und sind nicht Bestandteil der Brucklacher-Group
Übernahme von Firmen im Holzbearbeitungsbereich
- 1984 WIGO Wilhelm Grupp in Neresheim und Oberkochen (D)
- 1994 KWO Werkzeuge GmbH in Oberkochen (D)
- 1998 Schumacher, Remscheid Oberkochen (D)
Der Boehlerit Konzern. Boehlerit ist weltweit mit drei eigenen Produktions- sowie zahlreichen Vertriebsstandorten präsent. Das Stammhaus ist die Boehlerit GmbH & Co. KG mit Sitz in der österreichischen Industrieregion Kapfenberg. Als Hartmetallpionier sind seit mehr als 90 Jahren die Metallurgie und Formgebung des Hartmetalls sowie dessen Beschichtung eine Kernkompetenz des Unternehmens. Basierend auf dieser Schneidstoffkompetenz bietet Boehlerit ein umfangreiches Programm an Werkzeugsystemen für die vielfältigen Aufgaben in der Standard- und Sonderzerspanung von Metall, Advanced Materials oder Holz. Mit Erfahrung in der Werkzeugauslegung und den spezifischen Kenntnissen bei schwer zerspanbaren Materialien bietet Boehlerit Bauteilkompetenz in der Komplettbearbeitung anspruchsvoller Komponenten für fast alle Branchen in der Zerspanungsindustrie. Als System- und Entwicklungspartner von Werkzeugherstellern bietet Boehlerit maßgeschneiderte Lösungen und Dienstleistungen für die Anforderungen ihrer Kunden in der Zerspanung. Das Produktprogramm im Bereich Verschleißschutz deckt unterschiedlichste und häufig kundenspezifische Anforderungen in Branchen wie der Lebensmittelindustrie, Landwirtschaft, Öl und Gas, Umformindustrie und viele mehr ab. Eine Tochtergesellschaft von Boehlerit befindet sich in Oberkochen und produziert hier seit 1998.
Der Bilz Konzern. Bilz ist ein global agierender Spezialist für das präzise Spannen, das definierte Bewegen sowie die manuelle Schnellwechselung von Präzisionswerkzeugen. Die Firmenzentrale befindet sich in Ostfildern bei Stuttgart. Das Unternehmen verfügt über Produktionsstandorte in Deutschland und Indien (Bangalore) sowie über eigene Vertriebstöchter (USA/UK) , die die internationalen Schlüsselmärkte in denen Verbrennungsmotoren und Antriebskomponenten für Fahrzeuge produziert werden, bearbeiten. Darüber hinaus bietet Bilz Lösungen für die Industriebereiche Investitionsgüter, Aerospace, Gesenk– und Formenbau, Medizintechnik sowie die Bearbeitung von Holz, Holzwerkstoffen und Verbundwerkstoffen. Die Stärke von Bilz ist die Entwicklung und Fertigung kundenspezifischer Produkte in kleinen und mittleren Losgrößen mit kurzen Lieferzeiten. Dies ist gleichzeitig die Basis zahlreicher Partnerschaften mit namhaften Herstellern von Bearbeitungsmaschinen und Präzisionswerkzeugen in Ausrüstungsprojekten.
Weltmarktführer. Dieser Begriff taucht im Bericht einige Male auf. Dazu eine kurze Erklärung. Die „Wirtschaftswoche“ und die „Uni St. Gallen“ betreiben seit Jahren das wichtigste wissenschaftlich basierte Weltmarktführer‑Ranking im deutschsprachigen Raum. Warum ist dieses Ranking so einflussreich? Weil es wissenschaftlich geprüft ist, keine bezahlten Einträge zulässt, international anerkannt ist und strenge, harte Daten verlangt.
Hidden Champions. So werden relativ unbekannte größere Unternehmen (mit mehr als 50 Millionen Euro Umsatz oder mehr als 500 Mitarbeitern) bezeichnet, die in ihrer Branche Marktführer sind. In kleineren Geschäftsbereichen können auch Unternehmen mit weniger Mitarbeitern und Umsatz als solche bezeichnet werden. Der Begriff „Hidden Champions“ wurde als Forschungskonstrukt erstmals 1990 in einer Studie von Hermann Simon, die in der Zeitschrift für Betriebswirtschaft publiziert wurde, in die betriebswirtschaftliche Diskussion eingeführt. Die Kriterien zur Klassifizierung eines Unternehmens als Hidden Champion definierte Simon wie folgt:
- Sie sind in ihrer Branche die Nummer 1, 2 oder 3 auf dem Weltmarkt, oder
- Nummer 1 auf ihrem Heimatkontinent.
- Der Jahresumsatz liegt in der Regel unter 3 Milliarden Euro.
- In der Öffentlichkeit sind sie kaum bekannt, da sie meist inhabergeführt, nicht börsennotiertsind und oft einen Nischenmarkt bedienen
Leitz wird dort seit der ersten Buchveröffentlichung im Jahr 1996 geführt und gilt somit als „klassischer“ Hidden Champion.
„German Standards“ und „Aus bester Familie“. Viele Jahre hatte Dr. Florian Langenscheidt führende Positionen in der Langenscheidt Verlagsgruppe von Brockhaus bis Duden inne. Er gründete selbst Unternehmen, und den GründerInnen mehrerer anderer konnte er dabei helfen, erfolgreich zu werden. Als Kuratoriumsvorsitzender des Deutschen Gründerpreises setzt er sich besonders für die Unterstützung innovativer Ideen ein. Er ist Herausgeber aller Publikationen im Kosmos der Deutschen Standards, wie dem „Lexikon der deutschen Familienunternehmen”, „Aus bester Familie”, dem „Lexikon der Deutschen Weltmarktführer”, den „Marken des Jahrhunderts” und den „German Standards“.

Florian Langenscheids „Lexikon der Deutschen Familienunternehmen“ (Archiv Müller)
Die Entwicklung der Firma in Verbindung mit den prägenden Persönlichkeiten im Kurzüberblick:
Franz Friedrich Leitz: Ansiedelung in Oberkochen und Umzug an den Ölweiher
Albert Leitz sen.: Gründung der Firma Leitz
Albert Leitz jun.: Industrialisierung
Leonhard Stützel und Karl Kümmerle: Zentral-Europäische Ausrichtung von Produktion, Vertrieb und Service
Dr. Dieter Brucklacher: Globale Ausrichtung, Integration durch Zukauf verschiedener Wettbewerber und Diversifizierung durch Zukauf verschiedener Metallbearbeitungsfirmen
Dr. Cornelia Brucklacher: Digitalisierung, Transformation, Nutzung von Synergien, Sicherstellung der schwieriger werdenden Rohstoffbeschaffung
Ich beende die Rückschau mit Worten von Dr. Cornelia Brucklacher: „Leitz formt die Zukunft und bietet Lösungen in neuen Dimensionen – als Familienunternehmen, Weltmarkt- und Innovationsführer.“ Nicht von ungefähr hält Leitz 250 Patente.

Familie Brucklacher Cornelia, Monika und Dieter (Archiv Leitz)
Persönliche Erinnerungen. In meiner Lehrzeit, Ende der 60er, übergab Leonhard Stützel in der Weihnachtszeit uns Lehrlingen das Weihnachtsgeld in Höhe von 50 DM persönlich in einem Briefumschlag. Das war schon etwas Besonderes. Die Abteilung Organisation Ende der 70er Jahre, damals in persona Uwe Meinert und Wilfried Müller, bekam immer die erforderlichen finanziellen Möglichkeiten, um die gesamte Verwaltung mit Mobiliar und Technik modern und zeitgemäß ausstatten zu können. Was mir auch stark in Erinnerung geblieben ist, war die jährliche Preisfestsetzung für die jährlichen Kataloge. Jedes Jahr wartete der Wettbewerb so lange mit seiner eigenen Preisgestaltung, bis Leitz seinen neuen Preiskatalog auf den Markt brachte. Ab 1985 durfte ich in einer rund 20köpfigen Gruppe mitarbeiten, welche die Aufgabe hatte, die Produktion und die Verwaltung auf ein modernes IT-System umzustellen. Nach über 2 Jahren Vorbereitung gingen wir im Januar 1988 an den Start. Das brachte tiefgreifende Veränderungen mit sich und der Start war für alle KollegenInnen eine gewaltige Herausforderung und führte zu einem Zusammengehörigkeitsgefühl, das bis heute andauert.
Historie ist wichtig, aber im Tagesgeschäft spielt sie keine Rolle. Als ich einmal (2005) geschäftlich in Kanada unterwegs war, erzählte mir ein dortiger Vertreter, dass er bei einem Kunden seine Firma Leitz mit folgenden Worten vorgestellt hatte: „Leitz is a company with more than 125 years experience……“ Der Kunde unterbrach ihn und antwortete: „So what. What is your offer? What is your price. That counts…..nothing else“. Die Zeiten sind härter geworden. Und in Bangkok antwortete ein thailändischer Kunde einst in den 80er Jahren auf den Hinweis des jüngst verstorbenen Vertriebsmannes Bruno Kieninger, dass unsere Werkzeuge auf dem Holz eine seidenglatte Oberfläche hinterlassen: „Wenn ich das will, hole ich mir ein paar Leute von der Straße. Das ist billiger.“ Wir sehen, die angebotene Qualität ist das eine, ob es der Kundschaft den Preis wert ist, ist das andere. Weiche Faktoren waren daher oft nebensächlich, was zählte waren harte Fakten wie Preis, Maschinenlaufzeiten und Schärf-Intervalle. Das ist vermutlich bis heute so geblieben, auch wenn ich altersbedingt keinen genauen Überblick mehr habe (seit über 10 Jahren in Rente, aber der Firma immer noch sehr verbunden).
Aus dieser Verbundenheit heraus lege ich heute noch Wert auf den Zusammenhalt mit früheren Kollegen und KollegInnen und organisiere seit rund 15 Jahren jeweils im Frühjahr und Herbst ein zwangloses Treffen, um über aktuelle und alte Zeiten zu plaudern. Da ist jeder willkommen – egal welche Funktion sie früher hatte oder wo er in der Hierarchie einst stand.
Ein bisschen stolz bin ich darauf, wenn ich heute höre, dass Lösungen, die ich einst vorgeschlagen habe, immer noch funktionieren und Lieferanten, die ich einst ins Boot geholt habe, immer noch mit Leitz zusammenarbeiten.

Unser Frühjahrs-Meeting im Jahr 2019 – vlnr.: Horst Knaus, Berthold Kern, Franz Schwingenschlögl, Edgar Strommer, Wilfried Müller, Thomas Baldasti, Helmut Hammer, Alwin Zaiser, Iring Mäurer und Siegfried Neunteufel (Archiv Müller)
Private Schlussbemerkung. Leitz war immer ein Familienbetrieb und legte Wert darauf die gesamte Belegschaft als Familie zu betrachten. So konnte ich gar nicht anders, als meinen zweiten Lebenspartner in der Leitz-Familie zu finden: Die einstige „KeyUserin“ Renate Seiter von Leitz Dietikon (heute ist Leitz in Lenzburg sesshaft) in einem meiner vielen IT-Projekte und das ist jetzt auch schon über 26 Jahre her. Das ist grenzüberschreitende gelebte Leitz-Familien-Kultur par Excellence. Ich selbst war 47 Jahre bei Leitz mit einer Unterbrechung von 4 Jahren und 9 Monaten, die ich bei der Marine „auf Sylt“ und auf dem „Zerstörer Mölders“ sowie auf Weiterbildung in Düsseldorf verbrachte. Heute verbringe ich einen großen Teil meiner Zeit mit dem Recherchieren und Schreiben von Geschichten zur Oberkochener Geschichte.
Damit schließe ich den Bericht über „meine“ Firma, bei der ich den Großteil meines beruflichen Lebens tätig war. Von der „Württembergischen Holzbohrerfabrik A. Leitz, Oberkochen“ aus dem Jahr 1876 spannt sich der Bogen bis aktuell ins Jahr 2026, in welchem die Firma als „Leitz GmbH & Co KG“ firmiert und weltweit als Weltmarktführer aktiv ist. Zum 150jährigen Firmenjubiläum meinen allerHERZlichsten Glückwunsch.
Wilfried „Billie Wichai“ vom Sonnenberg
