Die Geschich­te „meiner ehema­li­gen“ Firma, in der ich den Großteil meines beruf­li­chen Lebens tätig war

Im Jahr 2009 wurde die 2te Real-Teilung des bishe­ri­gen Firmen­ver­ban­des vorge­nom­men. Dazu wurde in © Wirtschaft Regio­nal 10.02.2009 der folgen­de Text veröffentlicht:

Die beiden Famili­en­stäm­me und Eigner der Leitz Holding GmbH & Co. KG, zu der die Leitz GmbH & Co. KG und die LMT-Gruppe mit sechs Firmen gehören, haben zur langfris­ti­gen und verant­wor­tungs­vol­len Vorbe­rei­tung des Genera­tio­nen­wech­sels verein­bart, den Leitz-Firmen­ver­band in zwei jeweils eigen­stän­di­gen Unter­neh­mens­grup­pen in die Zukunft zu führen. Die Entschei­dung wurde nun getrof­fen und soll zum 30. Juni dieses Jahres vollzo­gen sein. Dann wird die bishe­ri­ge Leitz Holding ihre Funkti­on als Dachge­sell­schaft beenden. Derzeit sind rund 7.000 Mitar­bei­ter beschäf­tigt. In Vorbe­rei­tung auf diese Entschei­dung, die auf dem Wege der Realtei­lung vollzo­gen wurde und die als „epochal angese­hen werden kann“, so Dr. Dieter Bruck­la­cher, werden alle Entschei­dun­gen und Geschäf­te seit Jahres­be­ginn in der Verant­wor­tung der jewei­li­gen Unter­neh­mens­grup­pen vollzogen. 

Der Famili­en­stamm Bruck­la­cher wird den inter­na­tio­nal führen­den produ­zie­ren­den Dienst­leis­ter und Komplett­an­bie­ter für Werkzeu­ge für die Bearbei­tung von Holz, Holzwerk­stof­fen und Kunst­stof­fen, die Leitz GmbH & Co. KG einschließ­lich der bishe­ri­gen LMT-Firmen Boehle­rit (Kapfen­berg, Öster­reich) sowie die Bilz Werkzeug­fa­brik in Ostfil­dern übernehmen. 

Der Famili­en­stamm Bengel wird die vier Spezia­lis­ten für Werkzeu­ge für die Bearbei­tung von Metall- und Verbund­werk­stof­fe, Fette (Schwar­zen­bek), Kienin­ger (Lahr), Belin (Frank­reich) und Onsrud (USA) der LMT-Gruppe sowie den Weltmarkt­füh­rer für Tablet­tier­ma­schi­nen, Fette Compac­ting (Schwar­zen­bek) überneh­men. Beide Unter­neh­mens­grup­pen bleiben in Oberko­chen ansäs­sig.
Diese Lösung wurde schon immer als eine von verschie­de­nen strate­gi­schen Optio­nen für die nachhal­ti­ge Entwick­lung des Famili­en­un­ter­neh­mens betrach­tet. „Die Entschei­dung und deren Zeitpunkt haben nichts mit der aktuel­len Wirtschafts­kri­se zu tun. Vielmehr spielen Verän­de­run­gen im Erbschafts­steu­er­recht eine gewich­ti­ge Rolle“, erklär­te gestern Dr. Dieter Bruck­la­cher, Beirats­vor­sit­zen­der der Holding, auf Anfrage.

Mit den beiden somit neu aufge­stell­ten Unter­neh­mens­grup­pen, Leitz-Gruppe und LMT-Gruppe, entstün­den nach Auffas­sung beider Famili­en­stäm­me zwei in ihren jewei­li­gen Märkten hervor­ra­gend positio­nier­te Akteu­re mit bedeu­ten­dem Entwick­lungs­po­ten­zi­al. „Mit unserer Entschei­dung schaf­fen wir die Voraus­set­zun­gen für einen erfolg­rei­chen Genera­tio­nen­wech­sel“, sagte Bruck­la­cher. In den kommen­den Tagen würde die Leitz-Gruppe über Verän­de­run­gen in der Geschäfts­lei­tung infor­mie­ren. Bruck­la­chers Tochter Dr. Corne­lia Bruck­la­cher steht für Aufga­ben bereit, mögli­cher­wei­se wird Bruck­la­cher selbst wieder im opera­ti­ven Geschäft tätig werden. „Die beiden Gruppen machen in Zukunft opera­tiv all das gemein­sam, was sinnvoll und vorteil­haft für beide Seiten ist. Entspre­chend ist etwa die weite­re Zusam­men­ar­beit unserer Firmen Boehle­rit und Bilz mit der LMT-Gruppe fest verein­bart“, begrün­det Dr. Dieter Bruck­la­cher als Sprecher seiner Familie den Schritt.

Die Entwick­lung des Leitz-Firmen­ver­ban­des sei bisher eine Erfolgs­ge­schich­te gewesen. Durch die strate­gi­sche Verselbst­stän­di­gung in zwei Firmen­grup­pen würden die Voraus­set­zun­gen geschaf­fen, um die Erfolgs­ge­schich­te in zwei Linien fortzu­set­zen. „Wir fokus­sie­ren beide Gruppen auf ihre jewei­li­gen Märkte. Das Verselbst­stän­di­gen in die Leitz-Gruppe und die LMT-Gruppe erfolgt in bestem Einver­neh­men. Klar ist, dass die bewähr­te Einbin­dung von Boehle­rit und Bilz in das Vertriebs­netz der LMT weiter­ge­führt wird. In dieser Hinsicht ändert sich für unsere Kunden nichts“, erläu­tert Regine Bengel für die Gesell­schaf­ter der künfti­gen LMT-Gruppe. Auch werde sich für die Mitar­bei­ter der Firmen nichts ändern. „Beide Firmen­grup­pen sind Weltmarkt­füh­rer mit ihren Produk­ten. Und beide haben die besten Chancen, auch diese wirtschaft­li­che Krise zu meistern. Durch diese Zelltei­lung können beide Gruppen neues Wachs­tum generie­ren“, zeigte sich Bruck­la­cher gestern optimis­tisch.
Bruck­la­cher beschreibt die Holz- und Metall­werk­zeug­märk­te als unter­schied­lich. „Der Holzsek­tor erscheint komple­xer und erfor­dert eine andere Markt­be­ar­bei­tung und andere Antwor­ten. Holzver­ar­bei­ten­de Handwer­ker ticken anders als Automo­bi­lis­ten und deren Zulie­fe­rer“, sagte er. Viele Optio­nen seien zum weite­ren Vorge­hen und Organi­sie­ren der Famili­en­be­trie­be der beiden Gruppen in den vergan­ge­nen Monaten durch­ge­spielt worden. „Man muss seine Form wie eine Amöbe ändern, um sich den Markt­ge­ge­ben­hei­ten anzupas­sen. Die jetzt gefun­de­ne Firmen­ar­chi­tek­tur ist eine Überzeu­gungs­tat“, sagte Brucklacher.

Bei der Verlei­hung des Verdienst­kreu­zes 1. Klasse durch Minis­ter­prä­si­dent Günther Öttin­ger (Archiv Leitz)

Leitz und ein Netzwerk zu Wirtschaft und Politik. Durch die verschie­de­nen ehren­amt­li­chen Funktio­nen gewann Dr. Bruck­la­cher rasch die Nähe zu Entschei­dern aus Wirtschaft und Politik. Sei es aus Kreis, Bundes­land BaWü oder bundesweit.

  • Präsi­dent des VDMA — Von 2004 bis 2007 leite­te er den Verband Deutscher Maschi­nen- und Anlagen­bau, eine der wichtigs­ten Indus­trie­or­ga­ni­sa­tio­nen Deutschlands. 
  • Vorstands­mit­glied im VDMA — Bereits 1994 wurde er in den VDMA‑Vorstand gewählt, bevor er später Präsi­dent wurde. 
  • Vorsit­zen­der des Kurato­ri­ums der VDMA‑Impuls‑Stiftung — Dieses Amt hatte er von 2008 bis 2014 inne. Die Stiftung fördert Forschung und Zukunfts­pro­jek­te im Maschinenbau. 
  • Vizeprä­si­dent des BDI — 2007 bis 2008 war er Vizeprä­si­dent des Bundes­ver­bands der Deutschen Indus­trie, dem Dachver­band der deutschen Industrie. 
  • Vizeprä­si­dent des BDA — Gleich­zei­tig war er Vizeprä­si­dent des Bundes­ver­bands Deutscher Arbeitgeberverbände. 
  • Vorstands­mit­glied im Landes­ver­band der Baden‑Württembergischen Indus­trie — 1998 — 2014 war er dort im Vorstand aktiv.
  • Mitglied des Präsi­di­ums der IHK Ostwürt­tem­berg – 1999–2008
  • Kurato­ri­ums­mit­glied der Hochschu­le Aalen — Engage­ment im Bildungsbereich. 
  • Kurato­ri­ums­mit­glied der Inter­na­tio­na­len Musik­schul­aka­de­mie Schloss Kapfenburg

erste Reihe z.B. Minis­ter­prä­si­dent Erwin Teufel, Wirtschafts­mi­nis­ter Dr. Walter Döring, Hans-Dietrich Gentscher, Prof. Dr. Berthold Leibin­ger, vermutl. Karl-Heinz Böhm

Dr. Bruck­la­cher mit Minis­ter­prä­si­dent Erwin Teufel (Archiv Leitz)

Dr. Bruck­la­cher auf Auslands­rei­se mit Bundes­kanz­le­rin Merkel (Archiv Leitz)

Bruck­la­cher zieht sich aus Leitz-Geschäfts­füh­rung zurück 01.07.2014. Dr. Dieter Bruck­la­cher ist nach seinem 75. Geburts­tag zum 1. Juli 2014 aus der Geschäfts­füh­rung des Werkzeug­her­stel­lers Leitz GmbH & Co. KG ausge­schie­den und in den bis dahin von Dieter Maier gelei­te­ten Beirat des Unter­neh­mens gewech­selt. Beirats­vor­sit­zen­de wurde Frau Dr. Corne­lia Bruck­la­cher, Dieter Maier Ehren­mit­glied im Beirat.

Am 27.09.2016 um 22:29 Uhr veröf­fent­lich­te die Schwä­bi­sche Post zum Tode von Dr. Dieter Bruck­la­cher den nachfol­gen­den Artikel:

Dr. Dieter Bruck­la­cher ist tot. Am Diens­tag­mor­gen verstarb unerwar­tet nach einem kurzen Kranken­haus­auf­ent­halt Dr. Dieter Bruck­la­cher im Alter von 77 Jahren. Der frühe­re Vorsit­zen­de der Geschäfts­füh­rung der Leitz GmbH & Co. KG und ehema­li­ge Präsi­dent des Verban­des Deutscher Maschi­nen- und Anlagen­bau­er (VDMA) war eine heraus­ra­gen­de Unter­neh­mer­per­sön­lich­keit in der Region und bis zu seinem Tod aktiv in der Leitz-Firmen­grup­pe tätig.

Dr. Dieter Bruck­la­cher wurde am 12. Juni 1939 in Oberko­chen geboren, sein Großva­ter Wilhelm Grupp war Gründer der Firma WIGO. Von 1959 bis 1966 studier­te er Physik an den Univer­si­tä­ten Stutt­gart und Karls­ru­he und war von 1966 bis 1974 Wissen­schaft­li­cher Mitar­bei­ter am Insti­tut für Materi­al- und Festkör­per­for­schung am Kernfor­schungs­zen­trum Karls­ru­he. 1978 promo­vier­te er als Doktor-Ingenieur an der Fakul­tät für Maschi­nen­bau der Uni Karls­ru­he. 1974 trat er in das Famili­en­un­ter-nehmen seiner Frau Monika Bruck­la­cher, einer Ur-Enkelin des Firmen­grün­ders Albert Leitz, ein und wurde 1975 zum Geschäfts­füh­rer bestellt. Von 1982 bis 2014 war er Vorsit­zen­der der Geschäfts­füh­rung, danach wechsel­te er in den Beirat. Seit 1. Septem­ber dieses Jahres ist Jürgen Köppel (53) Sprecher der Leitz-Geschäfts­füh­rung. Dieter Bruck­la­cher entwi­ckel­te Leitz strate­gisch weitsich­tig zu einem weltweit agieren­den Global Player mit Gesell­schaf­ten u.a. in den USA, Brasi­li­en, Indien und China. Ein Meilen­stein war die Gründung der Leitz Metal­wor­king Techno­lo­gy Group (LMT), in der hochspe­zia­li­sier­te Herstel­ler von Werkzeu­gen für die Metall- und Kunst­stoff­be­ar­bei­tung zusam­men­ge­schlos­sen wurden. Bruck­la­cher scheu­te auch nicht vor schwie­ri­gen Entschei­dun­gen zurück. Die Realtei­lung des Leitz-Firmen­ver­ban­des in die eigen­stän­di­ge Gruppen Leitz (Holz, Familie Bruck­la­cher) und LMT (Metall, Familie Bengel) war 2009 für ihn ein “entschei­den­der Schritt zur Zukunfts­si­che­rung der Unternehmen”.

Tabel­la­ri­sche Übersicht der heuti­gen Bruck­la­cher Group (Stand 2026). 

Gründun­gen Leitz Produktionsfirmen

  • 1876 Leitz GmbH & Co. KG in Oberko­chen (D)
  • 1961 Leitz GmbH & Co. KG in Riedau (Öster­reich)
  • 1964 Leitz GmbH & Co. KG in Unter­schneid­heim (D)
  • 1973 Leitz Italia S.r.l. in Lana (Itali­en)
  • 1974 Leitz GmbH & Co. KG in Zell a. d. Pram (Öster­reich)
  • 1979 Leitz — Ferra­men­tas e Siste­mas de Precis­ão in Sao Sebas­ti­äo (Brasi­li­en)
  • 1996 Leitz Italia S.r.l.in Navaz­zo (Itali­en)
  • 1997 Leitz Tooling Systems (China) Co., Ltd. In Nanjing (China)
  • 2024 Leitz Tooling Systems India Pvt Ltd. In Banga­lo­re (Indien)

Gründun­gen Leitz Vertriebsfirmen

  • 1955 Leitz Service BV in Elst „früher Waddinx­ve­en + Nieuwer­kerk und anfangs in Rotter­dam“ (Nieder­lan­de)
  • 1959  Emil Leitz GmbH in Oberko­chen (D‑Süd) „Zum Leitz gehört die Firma seit 1959. Als selbstän­di­ge Firma wurde sie 1921 gegrün­det. Das Ganze ging mit einem Umzug von der Bahnhof­stra­ße an den Ölwei­her einher”
  • 1960  Leitz GmbH in Lenzburg „früher in Dieti­kon und anfangs in Zürich“ (Schweiz)
  • 1961 Leitz S.à.r.l. in Colmar (Frank­reich)
  • 1964 Leitz Werkzeug­dienst GmbH in Biele­feld (D‑Nord)
  • 1964 Leitz Werkzeug­dienst GmbH in Trois­dorf „und anfangs in Sieglar“ (D‑West))
  • 1965 Leitz-Service N.V. in Grimber­gen „zu Beginn in Strom­beek“ (Belgi­en)
  • 1966 Leitz-Servicio S.r.L in Maria­no-Comense (Itali­en)
  • 1982 Leitz Tooling UK Ltd. In Harlow (Großbri­tan­ni­en)
  • 1984 Leitz Tooling Systems LP in Grand Rapids (USA)
  • 1985 Leitz-Service SARL, Holzem in Luxemburg
  • 1988 Leitz Tooling Co. Ltd. In Yokoha­ma (Japan)
  • 1992 Leitz Tooling Systems Pty. Ltd in Bayswa­ter (Austra­li­en)
  • 1993 Leitz Hungá­ria Szerszám Kft. in Érd (Ungarn)
  • 1993 Leitz Kesici Takım­lar San. Tic. A.Ş. in Gebze (Türkei)
  • 1993 Leitz Tooling Systems LP in Vaughan „früher in Kitche­ner“ (Canada)
  • 1993 Leitz-nástro­je s.r.o. in Prag (Tsche­chi­sche Republik)
  • 1993 OOO Leitz Instru­men­ti in Moskau (Russland)
  • 1993 Leitz Tooling Asia Pte Ltd. In Singa­pur (Singa­pur)
  • 1994 Herra­mi­en­tas Leitz S.L. Vilas­sar de Dalt in Barce­lo­na (Spani­en)
  • 1995 Leitz orodja d.o.o. in Kranj (Slowe­ni­en)
  • 1997 Leitz Tooling (M) Sdn. Bhd. In Subang Jaya (Malay­sia)
  • 1997 Leitz Polska Sp. z o.o. in Radom­sko (Polen)
  • 1997 PT Leitz Tooling Indone­sia, Jl Kapt in Subijan­to (Indone­si­en)
  • 1999 Leitz Tooling Systems India Pvt Ltd. in Banga­lo­re (Indien)
  • 2001 Leitz Kes Metal­li Oy in Uurai­nen (Finnland)
  • 2002 Leitz-nástro­je s.r.o. in Bratis­la­va (Slova­kei)
  • 2004 Leitz México, S.A. de C.V. in El Marqués (Mexiko)
  • 2004 Leitz Romania S.R.L. in Brasov (Rumäni­en)
  • 2006 Leitz Tooling Co., Ltd in Bangkok (Thailand)
  • 2006 Leitz Tooling Systems SA in Johan­nes­burg (Südafri­ka)
  • 2007 Leitz Instru­men­ty Ukrai­na LLC in Kiew (Ukrai­ne)
  • 2012 Leitz Tooling Asia Pte Ltd in Tainan (Taiwan)
  • 2021 Leitz Tooling Vietnam Compa­ny Limit­ed in An Phuoc Ward (Vietnam)
  • 2021 Leitz Baltic UAB, in Girai­te (Litau­en)
  • 2025 Herra­mi­en­tas Leitz S.L. in Lissa­bon (Portu­gal)

Übernah­me von Firmen im Metallbearbeitungsbereich

  • 1988 Übernah­me der Fa. Wilhelm Fette in Schwar­zen­bek (D) ***
  • 1990 Übernah­me der Fa. Boehle­rit in Kapfen­berg (A) und in Düssel­dorf (D)
  • 1993 Übernah­me der Fa. Walter Kienin­ger in Lahr (D) ***
  • 1999 Übernah­me der Fa Onsrud-Cutter in Wauke­gan (USA) ***
  • 2000 Übernah­me der Fa. Bilz in Ostfil­dern (D)
  • 2001 Übernah­me der Fa. Belin (F) ***

*** gehören seit der Trennung zum Famili­en­stamm Bengel und sind nicht Bestand­teil der Brucklacher-Group

Übernah­me von Firmen im Holzbearbeitungsbereich

  • 1984 WIGO Wilhelm Grupp in Neres­heim und Oberko­chen (D)
  • 1994 KWO Werkzeu­ge GmbH in Oberko­chen (D)
  • 1998 Schuma­cher, Remscheid Oberko­chen (D)

Der Boehle­rit Konzern. Boehle­rit ist weltweit mit drei eigenen Produk­ti­ons- sowie zahlrei­chen Vertriebs­stand­or­ten präsent. Das Stamm­haus ist die Boehle­rit GmbH & Co. KG mit Sitz in der öster­rei­chi­schen Indus­trie­re­gi­on Kapfen­berg. Als Hartme­tall­pio­nier sind seit mehr als 90 Jahren die Metall­ur­gie und Formge­bung des Hartme­talls sowie dessen Beschich­tung eine Kernkom­pe­tenz des Unter­neh­mens. Basie­rend auf dieser Schneid­stoff­kom­pe­tenz bietet Boehle­rit ein umfang­rei­ches Programm an Werkzeug­sys­te­men für die vielfäl­ti­gen Aufga­ben in der Standard- und Sonder­zer­spa­nung von Metall, Advan­ced Materi­als oder Holz. Mit Erfah­rung in der Werkzeug­aus­le­gung und den spezi­fi­schen Kennt­nis­sen bei schwer zerspan­ba­ren Materia­li­en bietet Boehle­rit Bauteil­kom­pe­tenz in der Komplett­be­ar­bei­tung anspruchs­vol­ler Kompo­nen­ten für fast alle Branchen in der Zerspa­nungs­in­dus­trie. Als System- und Entwick­lungs­part­ner von Werkzeug­her­stel­lern bietet Boehle­rit maßge­schnei­der­te Lösun­gen und Dienst­leis­tun­gen für die Anfor­de­run­gen ihrer Kunden in der Zerspa­nung. Das Produkt­pro­gramm im Bereich Verschleiß­schutz deckt unter­schied­lichs­te und häufig kunden­spe­zi­fi­sche Anfor­de­run­gen in Branchen wie der Lebens­mit­tel­in­dus­trie, Landwirt­schaft, Öl und Gas, Umform­in­dus­trie und viele mehr ab. Eine Tochter­ge­sell­schaft von Boehle­rit befin­det sich in Oberko­chen und produ­ziert hier seit 1998.

Der Bilz Konzern. Bilz ist ein global agieren­der Spezia­list für das präzi­se Spannen, das definier­te Bewegen sowie die manuel­le Schnell­wech­se­lung von Präzi­si­ons­werk­zeu­gen. Die Firmen­zen­tra­le befin­det sich in Ostfil­dern bei Stutt­gart. Das Unter­neh­men verfügt über Produk­ti­ons­stand­or­te in Deutsch­land und Indien (Banga­lo­re) sowie über eigene Vertriebs­töch­ter (USA/UK) , die die inter­na­tio­na­len Schlüs­sel­märk­te in denen Verbren­nungs­mo­to­ren und Antriebs­kom­po­nen­ten für Fahrzeu­ge produ­ziert werden, bearbei­ten. Darüber hinaus bietet Bilz Lösun­gen für die Indus­trie­be­rei­che Inves­ti­ti­ons­gü­ter, Aerospace, Gesenk– und Formen­bau, Medizin­tech­nik sowie die Bearbei­tung von Holz, Holzwerk­stof­fen und Verbund­werk­stof­fen. Die Stärke von Bilz ist die Entwick­lung und Ferti­gung kunden­spe­zi­fi­scher Produk­te in kleinen und mittle­ren Losgrö­ßen mit kurzen Liefer­zei­ten. Dies ist gleich­zei­tig die Basis zahlrei­cher Partner­schaf­ten mit namhaf­ten Herstel­lern von Bearbei­tungs­ma­schi­nen und Präzi­si­ons­werk­zeu­gen in Ausrüstungsprojekten.

Weltmarkt­füh­rer. Dieser Begriff taucht im Bericht einige Male auf. Dazu eine kurze Erklä­rung. Die „Wirtschafts­wo­che“ und die „Uni St. Gallen“ betrei­ben seit Jahren das wichtigs­te wissen­schaft­lich basier­te Weltmarktführer‑Ranking im deutsch­spra­chi­gen Raum. Warum ist dieses Ranking so einfluss­reich? Weil es wissen­schaft­lich geprüft ist, keine bezahl­ten Einträ­ge zulässt, inter­na­tio­nal anerkannt ist und stren­ge, harte Daten verlangt.

Hidden Champi­ons. So werden relativ unbekann­te größe­re Unter­neh­men (mit mehr als 50 Millio­nen Euro Umsatz oder mehr als 500 Mitar­bei­tern) bezeich­net, die in ihrer Branche Markt­füh­rer sind. In kleine­ren Geschäfts­be­rei­chen können auch Unter­neh­men mit weniger Mitar­bei­tern und Umsatz als solche bezeich­net werden. Der Begriff „Hidden Champi­ons“ wurde als Forschungs­kon­strukt erstmals 1990 in einer Studie von Hermann Simon, die in der Zeitschrift für Betriebs­wirt­schaft publi­ziert wurde, in die betriebs­wirt­schaft­li­che Diskus­si­on einge­führt. Die Krite­ri­en zur Klassi­fi­zie­rung eines Unter­neh­mens als Hidden Champi­on definier­te Simon wie folgt:

  • Sie sind in ihrer Branche die Nummer 1, 2 oder 3 auf dem Weltmarkt, oder
  • Nummer 1 auf ihrem Heimatkontinent.
  • Der Jahres­um­satz liegt in der Regel unter 3 Milli­ar­den Euro.
  • In der Öffent­lich­keit sind sie kaum bekannt, da sie meist inhaber­ge­führt, nicht börsen­no­tiertsind und oft einen Nischen­markt bedienen

Leitz wird dort seit der ersten Buchver­öf­fent­li­chung im Jahr 1996 geführt und gilt somit als „klassi­scher“ Hidden Champion.

„German Standards“ und „Aus bester Familie“.  Viele Jahre hatte Dr. Flori­an Langen­scheidt führen­de Positio­nen in der Langen­scheidt Verlags­grup­pe von Brock­haus bis Duden inne. Er gründe­te selbst Unter­neh­men, und den Gründe­rIn­nen mehre­rer anderer konnte er dabei helfen, erfolg­reich zu werden. Als Kurato­ri­ums­vor­sit­zen­der des Deutschen Gründer­prei­ses setzt er sich beson­ders für die Unter­stüt­zung innova­ti­ver Ideen ein. Er ist Heraus­ge­ber aller Publi­ka­tio­nen im Kosmos der Deutschen Standards, wie dem „Lexikon der deutschen Famili­en­un­ter­neh­men”, „Aus bester Familie”, dem „Lexikon der Deutschen Weltmarkt­füh­rer”, den „Marken des Jahrhun­derts” und den „German Standards“.

Flori­an Langen­scheids „Lexikon der Deutschen Famili­en­un­ter­neh­men“ (Archiv Müller)

Die Entwick­lung der Firma in Verbin­dung mit den prägen­den Persön­lich­kei­ten im Kurzüberblick:

Franz Fried­rich Leitz:  Ansie­de­lung in Oberko­chen und Umzug an den Ölweiher

Albert Leitz sen.:  Gründung der Firma Leitz

Albert Leitz jun.: Industrialisierung

Leonhard Stützel und Karl Kümmer­le: Zentral-Europäi­sche Ausrich­tung von Produk­ti­on, Vertrieb und Service

Dr. Dieter Bruck­la­cher:  Globa­le Ausrich­tung, Integra­ti­on durch Zukauf verschie­de­ner Wettbe­wer­ber und Diver­si­fi­zie­rung durch Zukauf verschie­de­ner Metallbearbeitungsfirmen

Dr. Corne­lia Bruck­la­cher:  Digita­li­sie­rung, Trans­for­ma­ti­on, Nutzung von Syner­gien, Sicher­stel­lung der schwie­ri­ger werden­den Rohstoffbeschaffung

Ich beende die Rückschau mit Worten von Dr. Corne­lia Bruck­la­cher: „Leitz formt die Zukunft und bietet Lösun­gen in neuen Dimen­sio­nen – als Famili­en­un­ter­neh­men, Weltmarkt- und Innova­ti­ons­füh­rer.“ Nicht von ungefähr hält Leitz 250 Patente.

Familie Bruck­la­cher Corne­lia, Monika und Dieter (Archiv Leitz)

Persön­li­che Erinne­run­gen. In meiner Lehrzeit, Ende der 60er, übergab Leonhard Stützel in der Weihnachts­zeit uns Lehrlin­gen das Weihnachts­geld in Höhe von 50 DM persön­lich in einem Brief­um­schlag. Das war schon etwas Beson­de­res. Die Abtei­lung Organi­sa­ti­on Ende der 70er Jahre, damals in perso­na Uwe Meinert und Wilfried Müller, bekam immer die erfor­der­li­chen finan­zi­el­len Möglich­kei­ten, um die gesam­te Verwal­tung mit Mobili­ar und Technik modern und zeitge­mäß ausstat­ten zu können. Was mir auch stark in Erinne­rung geblie­ben ist, war die jährli­che Preis­fest­set­zung für die jährli­chen Katalo­ge. Jedes Jahr warte­te der Wettbe­werb so lange mit seiner eigenen Preis­ge­stal­tung, bis Leitz seinen neuen Preis­ka­ta­log auf den Markt brach­te. Ab 1985 durfte ich in einer rund 20köpfigen Gruppe mitar­bei­ten, welche die Aufga­be hatte, die Produk­ti­on und die Verwal­tung auf ein moder­nes IT-System umzustel­len. Nach über 2 Jahren Vorbe­rei­tung gingen wir im Januar 1988 an den Start. Das brach­te tiefgrei­fen­de Verän­de­run­gen mit sich und der Start war für alle Kolle­gen­In­nen eine gewal­ti­ge Heraus­for­de­rung und führte zu einem Zusam­men­ge­hö­rig­keits­ge­fühl, das bis heute andauert.

Histo­rie ist wichtig, aber im Tages­ge­schäft spielt sie keine Rolle. Als ich einmal (2005) geschäft­lich in Kanada unter­wegs war, erzähl­te mir ein dorti­ger Vertre­ter, dass er bei einem Kunden seine Firma Leitz mit folgen­den Worten vorge­stellt hatte: „Leitz is a compa­ny with more than 125 years experi­ence……“ Der Kunde unter­brach ihn und antwor­te­te: „So what. What is your offer? What is your price. That counts…..nothing else“. Die Zeiten sind härter gewor­den. Und in Bangkok antwor­te­te ein thailän­di­scher Kunde einst in den 80er Jahren auf den Hinweis des jüngst verstor­be­nen Vertriebs­man­nes Bruno Kienin­ger, dass unsere Werkzeu­ge auf dem Holz eine seiden­glat­te Oberflä­che hinter­las­sen: „Wenn ich das will, hole ich mir ein paar Leute von der Straße. Das ist billi­ger.“ Wir sehen, die angebo­te­ne Quali­tät ist das eine, ob es der Kundschaft den Preis wert ist, ist das andere. Weiche Fakto­ren waren daher oft neben­säch­lich, was zählte waren harte Fakten wie Preis, Maschi­nen­lauf­zei­ten und Schärf-Inter­val­le. Das ist vermut­lich bis heute so geblie­ben, auch wenn ich alters­be­dingt keinen genau­en Überblick mehr habe (seit über 10 Jahren in Rente, aber der Firma immer noch sehr verbunden).

Aus dieser Verbun­den­heit heraus lege ich heute noch Wert auf den Zusam­men­halt mit frühe­ren Kolle­gen und Kolle­gIn­nen und organi­sie­re seit rund 15 Jahren jeweils im Frühjahr und Herbst ein zwang­lo­ses Treffen, um über aktuel­le und alte Zeiten zu plaudern. Da ist jeder willkom­men – egal welche Funkti­on sie früher hatte oder wo er in der Hierar­chie einst stand.

Ein bisschen stolz bin ich darauf, wenn ich heute höre, dass Lösun­gen, die ich einst vorge­schla­gen habe, immer noch funktio­nie­ren und Liefe­ran­ten, die ich einst ins Boot geholt habe, immer noch mit Leitz zusammenarbeiten.

Unser Frühjahrs-Meeting im Jahr 2019 – vlnr.: Horst Knaus, Berthold Kern, Franz Schwin­gen­schlögl, Edgar Strom­mer, Wilfried Müller, Thomas Balda­sti, Helmut Hammer, Alwin Zaiser, Iring Mäurer und Siegfried Neunteu­fel (Archiv Müller)

Priva­te Schluss­be­mer­kung. Leitz war immer ein Famili­en­be­trieb und legte Wert darauf die gesam­te Beleg­schaft als Familie zu betrach­ten. So konnte ich gar nicht anders, als meinen zweiten Lebens­part­ner in der Leitz-Familie zu finden: Die einsti­ge „KeyUse­rin“ Renate Seiter von Leitz Dieti­kon (heute ist Leitz in Lenzburg sesshaft) in einem meiner vielen IT-Projek­te und das ist jetzt auch schon über 26 Jahre her. Das ist grenz­über­schrei­ten­de geleb­te Leitz-Famili­en-Kultur par Excel­lence. Ich selbst war 47 Jahre bei Leitz mit einer Unter­bre­chung von 4 Jahren und 9 Monaten, die ich bei der Marine „auf Sylt“ und auf dem „Zerstö­rer Mölders“ sowie auf Weiter­bil­dung in Düssel­dorf verbrach­te. Heute verbrin­ge ich einen großen Teil meiner Zeit mit dem Recher­chie­ren und Schrei­ben von Geschich­ten zur Oberko­che­ner Geschichte.

Damit schlie­ße ich den Bericht über „meine“ Firma, bei der ich den Großteil meines beruf­li­chen Lebens tätig war. Von der „Württem­ber­gi­schen Holzbohr­er­fa­brik A. Leitz, Oberko­chen“ aus dem Jahr 1876 spannt sich der Bogen bis aktuell ins Jahr 2026, in welchem die Firma als „Leitz GmbH & Co KG“ firmiert und weltweit als Weltmarkt­füh­rer aktiv ist. Zum 150jährigen Firmen­ju­bi­lä­um meinen aller­HERZ­lichs­ten Glückwunsch.

Wilfried „Billie Wichai“ vom Sonnenberg

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