„Bär“ – Martin Gold „Schmid­jörg­le“ aus dem Adalbert-Stifter-Weg 10
Martin Gold? Wer war das? Aber wenn vom „Bär“ die Rede war, dann wusste man, wer das war.
Der Bär war ein wasch­ech­ter Oberko­che­ner und weit gereist. „Bär“ nannte man ihn seit dem Kinder­gar­ten, als er im Bären­kos­tüm vortanz­te und so blieb er der „Bär“ bis er starb.

Sein Vater, der Schmied­jör­gles Karl, war in Oberko­chen ebenfalls ein Begriff: Als gstudier­ter Bauer hatte er einst den elter­li­chen Hof (jetzt Kreis­spar­kas­se) übernom­men. Dort hat er auch geschuf­tet, als eines von 14 Kindern und Freizeit war ein Fremd­wort. Er musste auf Geheiß des Vaters in Unter­ko­chen Metzger lernen und ging dann auf Wander­schaft nach Speyer, Stutt­gart, Augsburg und Frank­furt. Mit 22 Lenzen machte er in Augsburg den Meister. Zehn Jahre lang war er dann als selbst­stän­di­ger Metzger im Wester­wald tätig und anschlie­ßend 34 Jahre lang als freier Vertre­ter für Metzge­rei-Maschi­nen unter­wegs. Zurück in Oberko­chen engagier­te er sich mit Herzblut in vielen Verei­nen. Die Kolping­fa­mi­lie, im Verbund damit die katho­li­sche Kirchen­ge­mein­de und der Heimat­ver­ein waren ihm beson­ders ans Herz gewach­sen. 1954 trat er in Frank­furt in die Kolping­fa­mi­lie ein, im Wester­wald hatte er als Bezirks­se­ni­or gleich drei Kolping­fa­mi­li­en gegrün­det. Genau so eng vernetzt ist Martin Gold mit dem Heimat­ver­ein. Neben Dietrich Bantel war auch er eine Trieb­fe­der für die Gründung des Vereins im Jahre 1987. Bei Festen sorgte der „Bär“ über zig Jahre für die Verpfle­gung. Zusam­men mit dem damali­gen Pfarrer Jan Snoeren rief er das Kirch­weih­fest in Oberko­chen wieder ins Leben. Wenn bei Kolping geschlach­tet wurde, war er zur Stelle und bei den belieb­ten Mühlen­fes­ten des Heimat­ver­eins füllte er die Speise­kar­te. Über 50 Jahre war er Mitglied in der CDU und saß selbst zehn Jahre im Stadt­par­la­ment. Mit seinem Schalk im Nacken sei er beliebt und gern gesehen, wie es Bürger­meis­ter Peter Traub vor ein paar Jahren bei einer Faschings­ver­an­stal­tung zum Ausdruck brach­te: „Der Martin Gold, im Volks­mund auch der Bär, ist einer unserer liebs­ten Bürger, der bekannt ist aller­orts durch seine Art und mit Spaß und Späßchen niemals spart.“

Anläss­lich seines Todes im Jahr 2010 lesen wir in der Schwä­po: „Martin Gold, ein Oberko­che­ner Origi­nal und liebe­voll „Bär” genannt, ist überra­schend gestor­ben. Der „Bär” war einer, dessen Meinung, aber vor allem sein Witz und seine Schlag­fer­tig­keit über viele Jahrzehn­te hinweg in Oberko­chen geschätzt waren. Ein Mann der Kommu­nal­po­li­tik und des Heimat­ver­eins, für den sein Herz beson­ders geschla­gen hat. 1984 wurde Martin Gold zum ersten Mal in den Gemein­de­rat gewählt, 1989 wurde er mit 2525 Stimmen und dem dritt­höchs­ten Ergeb­nis der CDU wieder­ge­wählt. Am 29. August 1994 wurde Martin Gold aus dem Stadt­rat verab­schie­det, nachdem er zur Wieder­wahl nicht mehr angetre­ten war. Als vor fast 20 Jahren Dr. Gert Littmann den Namen „Schil­ler­haus” als Namens­vor­schlag fürs Haus der Verei­ne in der Aalener Straße einge­bracht hatte und sich Wider­spruch von einigen Räten artiku­lier­te, weil der große Dichter nie in diesem Hause gewesen sei, meinte Martin Gold — gelern­ter Fleischer und Metzger — plastisch: „In der Bierwurst war noch nie ein Bier und in der Königin-Paste­te nie eine Königin…” Der Bann war gebro­chen, das Haus der Verei­ne wurde zum Schil­ler­haus getauft. Dieses Schil­ler­haus wurde für Martin Gold zur zweiten Heimat, wie eben auch „sein Heimat­ver­ein”. Der Verstor­be­ne hatte Bantels Initia­ti­ve zur Gründung des Heimat­ver­eins nachhal­tig unter­stützt, wie auch die Höhlen­ak­ti­vi­tä­ten beim Römer­kel­ler. Martin Gold war Vorstands­mit­glied im Heimat­ver­ein und bis zu seinem Tod Mitglied im Ausschuss. Mit Akribie kümmer­te er sich um Expona­te fürs Heimat­mu­se­um. Nach und nach entstand ein regio­na­ler Teil auf der Bühne des Heimat­mu­se­ums, den man “Bären­höh­le” getauft hat. Martin Gold hat sich auch vehement für den städti­schen Erwerb des Mühlen­are­als einge­setzt und sich dabei hart gegen die damali­ge Meinung seiner CDU-Partei­freun­de gestellt. Auch hat er die Aktion „Grabung in der Bilz” von 1989 bis 2003 nachhal­tig geför­dert und unter­stützt. Nicht nur Insider wissen, dass der „Bär” der stärks­te Schnupf­ta­bak­schnup­fer der Ostalb war, bis ihm der Arzt dies untersagte

„Bären­höh­le“ – Dachge­schoss in der Aalener Straße 19 (Heimat­mu­se­um)
Nein, es handelt sich nicht um die gleich­na­mi­ge Höhle in der Nähe von Sonnen­bühl-Erpfin­gen, die viele während ihrer Schul­zeit besuchen mussten, um den Unter­schied zwischen Stalak­ti­ten und Stalag­mi­ten zu begrei­fen. Diese Bären­höh­le zeigt vieles an landwirt­schaft­li­chem Sammel­su­ri­um, was der „Bär“ Martin Gold im Laufe der Jahre für den Heimat­ver­ein gesam­melt hat und dort unter dem Dach angeschaut werden kann.

„Baracken“ – das war einst sehr bezahl­ba­res Wohnen, zwangs­wei­se oder freiwillig

  • Es gab welche auf dem Gelän­de Fritz Leitz (Heute Gelän­de Carl Zeiss). Dort waren Zwangs­ar­bei­ter während des II. Weltkriegs untergebracht.
  • Auch im Gebiet „Schwörz“ (Nähe Haus Mannes) gab es solche Unterkünfte.
  • Nach dem Krieg gab es Wohnba­ra­cken am „Staren­weg“ (das sog. Isarta­ler Haus).
  • Im Einwoh­ner­ver­zeich­nis von 1949/1950
    • finden wir die Baracken unter der Anschrift „Zeiß-Opton-Siedlung“ mit 23 gemel­de­ten Personen.
    • Und unter der Anschrift „Zeiß-Siedlung“ sind 6 Perso­nen aufge­lis­tet (Warum da unter­schie­den wird ist mir ein Rätsel).
    • Und unter „Beim Ölwei­her“ finden wir 12 gemel­de­te Personen.
  • Im Einwoh­ner­buch von 1959 sind die alten Zeiss-Baracken­woh­nun­gen (früher Beim Ölwei­her) neu unter „Carl-Zeiss-Straße geführt (Hausnr. 21,23,25,27,29, und 31). Anschrif­ten lassen sich dort bis mindes­tens 1961 finden. Es war zu hören, dass mancher dort gar nicht weg wollte, weil die Mieten sehr preis­wert waren.

Mehr Details zu den verschie­de­nen Lagern aus der Zeit des II. Weltkrie­ges findet Ihr in den Berich­ten 313 bis 317.

Eine weite­re Baracke im Bereich des Staren­wegs (Archiv Müller)

Die ehema­li­gen Baracken auf dem Gelän­de der Firma Carl Zeiss (Archiv Müller)

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Eine der vielen Baracken, vor dem sich ein Teil des Lebens abspiel­te (Archiv Müller)

„Barba­ros­sa-Jäger“ – aus Oberko­chen, das damals aber noch nicht so hieß
Fried­rich I., genannt Barba­ros­sa (italie­nisch für „Rotbart“) (* um 1122; † 10. Juni 1190 im Fluss Saleph nahe Seleu­ciaKlein­ar­me­ni­en), aus dem Adels­ge­schlecht der Staufer war von 1147 bis 1152 als Fried­rich III. Herzog von Schwa­ben, von 1152 bis 1190 römisch-deutscher König und von 1155 bis 1190 Kaiser des römisch-deutschen Reiches. Zu jener Zeit soll hier einst ein Jäger gewohnt haben, der den Kaiser Barba­ros­sa auf seinen Jagden beglei­te­te. Aber auch auf des Kaisers Heeres­zü­gen und bei der Schlacht von Legna­no soll er dabei gewesen sein. Die Kunde, dass der Kaiser ertrun­ken sei, wollte damals kein Mensch glauben, am wenigs­ten sein treuer Jäger.

„Baron von Letten – Johann Micha­el Gold aus der Hausnum­mer 191 (Ziegel­hüt­te Oberko­chen)
Auch „Letten­ba­ron“ oder „Herr von Letten“ genannt. Näheres siehe unter „Ziegler“.
Der „Letten“ ist klebri­ge tonige Erde, aus denen Ziegel herge­stellt wurden, und die hatten ihn durch­aus wohlha­bend gemacht.

„Basch­te und Basti“ – beide hießen Sebas­ti­an Schaup

Der eine, der Basti: Mit Datum vom 17.5.1617 steht in ellwan­gisch-fürst­prob­s­tei­li­chen Urkun­den geschrie­ben: „Sebas­ti­an Schaupp (Basti), Müller zu Oberko­chen, verkauft seine ingehab­te »Fahlmihl« (?) seinem Sohn Wilhelm Schaupp… im Beisein Melchi­or Strei­cher, ellwan­gisch Schult­heis, Dietrich März, württem­ber­gisch Schult­heis, Jerg Glaser, Jerg Hanen und Hannss Hüber.“

Der andere, der Basch­te: „Er war Obermül­ler zu Oberko­chen und kaufte im Jahr 1640 die Obere Mühle (ellw.).…hinter dem Stadel von Hanns­sen Dritt­ler.“ So steht es im alten Heimatbuch.

Dazu die Geschich­te dieser Mühle: Abgeris­sen wurde sie im Jahr 1953. Aus den von Kuno Gold zusam­men­ge­tra­ge­nen Unter­la­gen geht hervor, dass die »Obere Mühle« bereits vor dem 30-jähri­ge Krieg bestan­den hat. Der vorletz­te nachweis­ba­re Müller war Franz Anton Lindner oder Linder, der am 17.1.1843 um Geneh­mi­gung für den Einbau eines Ofens in seine Mühlstu­be und 1847 um Geneh­mi­gung für die Einrich­tung einer »Gypsmüh­le« mit oberschläch­ti­gem Wasser­werk in sein schon bestehen­des Wasch- und Backhaus jenseits des Kocher­ka­nals ersuch­te. 1852 ersuch­te Müller Lind(n)er um Geneh­mi­gung für die Ausbes­se­rung der Vertä­fe­lung am Giebel. Laut Gebäu­de­brand­ver­si­che­rung aus dem Jahre 1942 entsteht ein Jahr später, im Jahre 1853, ein Mühlen­neu­bau. 1876 übernimmt Müller Sopho­ni­as Zimmer­mann, der letzte Müller auf der »Oberen Mühle«, die Mühle. 1890 erwirbt sie der Ingenieur und Fabri­kant Hugo Laißle. Bereits 1893 ist die Mühle, ebenfalls mit allen Zusatz­ge­bäu­den, von Fabri­kant Gottlieb Günther übernom­men, und 1929 von der Firma Bäuerle. Die Unter­la­gen der Gebäu­de­brand­ver­si­che­rung (1942) waren immer sehr zuverlässig.

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Die „Obere Mühle“ – auch Schaupp-Mühle genannt in der Bahnhof­stra­ße 6A – vor langer Zeit abgeris­sen (Archiv HVO Ruoff)

„beson­de­re bäuer­li­che Tage“ – allge­mein, nicht unbedingt alle wichtig für Oberkochen

  • Mariä Licht­mess (2. Febru­ar): Tradi­tio­nell das Ende der Weihnachts­zeit und Beginn der Vorbe­rei­tung auf die Feldar­beit. An diesem Tag wurde früher der Christ­baum entsorgt, denn man hatte noch eine gute Stube, die immer unbeheizt war.
  • Josefs­tag (19. März): Schutz­pa­tron der Bauern und oft Beginn der Aussaat
  • Ostern: Ein wichti­ger religiö­ser Feier­tag, der oft mit dem Beginn der inten­si­ven Feldar­beit zusammenfiel
  • Georgs­tag oder auch Jörgen­tag (23. April): Schutz­pa­tron der Viehhir­ten, oft Beginn der Weidesaison
  • Johan­nis­tag (24. Juni): Sommer­an­fang und oft ein Tag der Erntevorbereitung
  • Jakobi­tag (25. Juli): Tradi­tio­nell ein Tag der Erntearbeit
  • Ernte­dank­fest (varia­bel, meist Ende Septem­ber oder Anfang Oktober): Dank für die einge­brach­te Ernte
  • Michae­lis­tag (29. Septem­ber): Oft ein wichti­ger Zahltag und Beginn der Herbstarbeiten
  • Martins­tag (11. Novem­ber): Ein weite­rer wichti­ger Zahltag und Beginn der Winterruhe
  • Advent und Weihnach­ten: Zeit der Ruhe und Besin­nung, oft auch mit Vorbe­rei­tun­gen für das nächs­te Jahr verbunden

„Bau52“ – Eine wichti­ge Exkla­ve der Firma Carl Zeiss
Bei der Firma Zeiss gibt es verschie­de­ne Gebäu­de mit Nummern, die mehr oder weniger wichtig sind wie z.B. Bau 7 (das große blaue Gebäu­de paral­lel zum Kocher), Bau 17 (das Hochhaus), 17m (Mittel­bau), 17a (bis zum Eck Nähe Bäcke­rei „Gnaier“ oder Bau 8 (die tolle Kanti­ne). Aber der wichtigs­te Bau ist ohne Zweifel „Bau52“, der für die Grund­ver­sor­gung einiger Kolle­gen, sei es Bier, Schnaps, Kartof­fel­sa­lat u.ä.m. zustän­dig ist. Und jetzt die Frage „wo ist dieser mächti­ge Bau?“ Das ist der „Hättre“ mit seinem Biergärtle????.

„Bauar­bei­ter“ – teilwei­se spezi­el­le Unter­künf­te
Als ich im Rahmen der Recher­che zu den Auswan­de­rern die alten Amtsblatt­aus­ga­ben durch­fors­te­te, fielen mir beson­de­re Melde­adres­sen für italie­ni­sche Bauar­bei­ter auf. Ordnung muss schließ­lich sein:

  • Wohnla­ger Umgehungsstraße
  • Bauba­ra­cke bzw. Wohnla­ger Dyker­koff & Widmann
  • Bauba­ra­cke
  • Bühlstra­ße 30a

Bauern­re­gel“ – aus jedem Monat eine. In Zeiten der Klima­ver­än­de­run­gen taugen sie vielleicht nicht mehr viel.

  • Knarrt im Januar Eis und Schnee, gibt’s zur Ernt’ viel Korn und Klee
  • Wenn’s im Febru­ar nicht schneit, schneit’s in der Osterzeit
  • Märzen­schnee und Jungfern­pracht halten oft nur eine Nacht
  • Der April macht, was er will
  • Maire­gen bringt Segen
  • Ist der Juni warm und nass, gibt’s viel Korn und noch mehr Gras
  • Juli schön und klar, gibt ein gutes Bauernjahr
  • Bringt der August viel Gewit­ter, wird der Winter kalt und bitter
  • Viel Eicheln im Septem­ber, viel Schnee im Dezember
  • Wenn’s im Oktober friert und schneit, bringt der Jänner milde Zeit
  • Hält der Baum die Blätter lang’, macht ein später Winter bang’
  • Dezem­ber, kalt mit Schnee tut dem Ungezie­fer weh

„dr Beatclub“ – Gibt‘s nemme: Veran­stal­tungs­ort im Zeiss-Jugend­wohn­heim in der Jenaer Straße 2
Wir schrei­ben das Jahr 1964 und mein Nachbar, eine Art großer Bruder für mich, Wolfgang ‚Wolfi‘ Dubiel begann eine Feinme­cha­ni­ker­leh­re bei Carl Zeiss in Oberko­chen. Dort traf er 1965 die Mitlehr­lin­ge Hartmann, Korn und Schel­len­berg. Dieje­ni­gen, die ihm Wohnheim unter­ge­bracht waren, stöber­ten im Haus herum und fanden einen Raum voller Musik­in­stru­men­te wie Vibra­pho­ne, Schlag­zeug und anderes mehr. Wie zu erfah­ren war, wurde zur damali­gen Zeit von jungen Leuten, die ein Volon­ta­ri­at bei ZEISS machten, Jazz im Keller gespielt – und das anschei­nend gar nicht übel. Sogar Klaus Doldin­ger soll hier mal mit von der Partie gewesen sein. Hartmann, Korn und Dubiel nahmen die Dinge in die Hand und gestal­te­ten den Keller um (vermut­lich mit den Erlösen aus dem Verkauf der Instru­men­te, sicher ist das aber nicht). Wolfgang Dubiel und sein Schwa­ger Ulrich Rassel hatten die Aufga­be eine Musik­an­la­ge mit Boxen zu bauen, die sie mit viel Herzblut zusam­men­bau­ten (Ulrich war aller­dings nie im Beat Club, ihm ging es nur ums techni­sche Machen).

Der Name BEAT CLUB entstand nach dem Vorbild der gleich­na­mi­gen legen­dä­ren Musik­sen­dung von RADIO BREMEN, die seiner­zeit von Uschi Nerke und einigen männli­chen Kolle­gen wie Gerd Augus­tin, Dave Lee Travis. Dave Dee und Eddi Vickers moderiert wurde.

Erste Sendung am 25. Septem­ber 1965 um 16:45 Uhr im „ERSTEN“ und von Wilhelm Wieben mit folgen­den Worten angekün­digt: „Sie aber, meine Damen und Herren, die Sie Beat-Musik nicht mögen, bitten wir um Verständ­nis …“ Alles weite­re finden wir in den Berich­ten 622–1 und 622–2.

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Der Beatclub – hier mit Wolfgang Dubiel (hinten li), Frank-Heiner Hillje (hinten re) und Rolf Frank im Vorder­grund (Archiv Müller)

„Bebel“ – Josef Fischer aus der Heiden­hei­mer Straße 11
Landwirt (heute steht auf dem Gelän­de das Gebäu­de mit der Volkmars­berg­apo­the­ke). Die Fischers kamen im Jahr 1720 aus Bartho­lo­mä und stammen wohl von Andre­as Fischer ab. Mit Ausnah­me der Pflug-Fischers, sollen alle anderen von dieser Linie abstam­men. Da es heute auch viele zugezo­ge­nen Fischer gibt, stimmt die Aussa­ge wohl nicht ganz.

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Das Bebel’sche Haus sehen wir links des Gebäu­des Hägele, in dem der „Sogas“ seine Anfän­ge hatte (Archiv Müller)

„Beckaber­ge­le“ oder „Becka­gäss­le“ – Hasen­gäss­le
Leitet sich von Bäcker ab, die (vom Kies) alle, einer nach dem anderen, im Hasen­gäss­le 6 ihr Zuhau­se hatten.

„Becka-Lena“ – Lina Grupp geb. Wannen­wetsch aus der Dreißen­tal­stra­ße 21
Dazu habe ich von Luitgard folgen­de Infos bekom­men:
Die Geschwis­ter von Lina waren: Georg (1912), angehen­der Bäcker und sehr beliebt, da er von Stutt­gart, wo er eine Lehre gemacht hat, als erster „Eis nach Oberko­chen“ gebracht hat. 1938 war er mit dem Fahrrad unter­wegs und ist auf Höhe Zimme­rei Brunn­hu­ber von einem Motorad­fah­rer angefah­ren und dabei tödlich verletzt worden. Marie Wannen­wetsch (1905), die Schwes­ter von Lina, hat den Laden von jungen Jahren an geführt, ist aber krank gewor­den und so wurde an Brammen und Nachfol­ger vermie­tet. Dann ist sie zurück in den Laden, aber bereits 1953 gestor­ben. Paul Wannen­wetsch (1919) ist in Stalin­grad gefal­len. Der Vater, Georg Wannen­wetsch (1871−1938) ist zusam­men mit einigen Brüdern (Karl, Ludwig, Paul, David, und der Schwes­ter Emma Maria in Oberko­chen aufge­wach­sen. Die Schwes­ter hat den „Storchen­beck“ gehei­ra­tet und hat damit auch eine Bäcke­rei geführt.

Linas Mann war: Paul Grupp (1908−1966) (eines der 19 Kinder des Franz Anton Grupp)

Linas Kinder sind: Luitgard Hügle, Herbert „Hätte­re“ Grupp und Paul Grupp jun.

„Beckama­rie“ – Marie Wannen­wetsch aus dem Hasen­gäss­le 6
Bäcke­rei Wannen­wetsch, später Brammen, dann “Hätte­re” und heute der Geträn­ke­han­del mit Catering Ulli Grupp.

Dieser Ort war und ist, in abgewan­del­ter Form, auch heute noch eine Insti­tu­ti­on im Kies. Die Bäcke­rei wurde am 26. Juni 1870 von David Wannen­wetsch aus Zang im Haus des Leinwe­bers Wieden­hö­fer im Hasen­gäss­le „auf dem Kies“ gegrün­det. Die junge Bäckers­frau hieß Magda­le­na Wieden­hö­fer. Eine Bäcke­rei war damals in erster Linie eine Lohnbä­cke­rei für die Menschen, die keinen eigenen Backofen hatten. Ferti­ge Backwa­re beim Bäcker konnten sich nur „besse­re Leut‘“ leisten. Die Menschen im Kies waren froh, dass sie nun ihren „Davids-Bäck“ hatten und die Wege somit kürzer waren. 1901 erfolg­te die Überga­be an den Sohn Georg, der das Geschäft mit seiner Frau Katha­ri­na (Tochter des angese­he­nen Zimmer­manns Ernst) fast 40 Jahre lang weiter­führ­te. 1929 wurde komplett umgebaut und der reine Holzofen musste zuguns­ten eines moder­nen, brikett-betrie­be­nen Dampf­back­ofens weichen. Georg starb am 1. Jan 1938 und damit brach das Unheil über die Familie herein. Sohn Paul sollte nun der Nachfol­ger werden, aber Stalin­grad ließ ihn nicht mehr heimkom­men. Die beiden Töchter Marie und Lina verpach­te­ten die Bäcke­rei nach dem Krieg an Heinrich Brammen, auch „Bomba-Beck“ genannt. Später führten Marie Wannen­wetsch, die Angestell­ten und die späte­ren Erben die Bäcke­rei mit einem kleinen Lebens­mit­tel­ge­schäft weiter. Seit 1967 hatte der umtrie­bi­ge, allseits belieb­te Urenkel des Gründers, Herbert Grupp, „Hättre“ genannt, das Geschäft übernom­men und mit seiner Mutter Lina in alter Tradi­ti­on weiter­ge­führt. Herbert Grupp hatte Bäcker gelernt war aber anfangs für BÄKO als Verkäu­fer unter­wegs. Als er später Chef in der Bäcke­rei war, hat er es manch­mal morgens nicht geschafft. Da musste Paul helfen und bei den anderen Bäcke­rei­en alles aufkau­fen was möglich war, damit die Stamm­kund­schaft um 6:30 Uhr nicht enttäuscht wurde – a Wegga isch halt a Wegga, egal woher. Die ersten Bretzeln holten sich manch­mal frühmor­gens BM Gustav Bosch und Bernhard „Bernhärd­le“ Brunn­hu­ber ab, die sich gelegent­lich um diese Zeit auf dem Heimweg von wichti­gen langwie­ri­gen Sitzun­gen befan­den. Herbert war Bäcker mit Leib und Seele und hat den Teig mit Hinga­be bearbei­tet. Später wurde das Geschäft umgebaut und die Backöfen leiste­ten da gute Diens­te – denn seine Fleisch­ge­rich­te aus den alten Bäcker­öfen schmeck­ten einfach saumä­ßig gut. „Hätte­re“ ist 2003 bereits mit 61 Jahren gestor­ben und so musste der Ulli ran. Das Essen ist immer noch gut und der Kartof­fel­sa­lat ein Gedicht und ein Maßstab „wie er sei muass“ – schlon­zig, mir send schließ­lich „Nasses­ser“.

Jetzt aber auf d‘ Berg und dann geht’s weiter – „Billie vom Sonnenberg“

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