„Bär“ – Martin Gold „Schmidjörgle“ aus dem Adalbert-Stifter-Weg 10
Martin Gold? Wer war das? Aber wenn vom „Bär“ die Rede war, dann wusste man, wer das war.
Der Bär war ein waschechter Oberkochener und weit gereist. „Bär“ nannte man ihn seit dem Kindergarten, als er im Bärenkostüm vortanzte und so blieb er der „Bär“ bis er starb.
Sein Vater, der Schmiedjörgles Karl, war in Oberkochen ebenfalls ein Begriff: Als gstudierter Bauer hatte er einst den elterlichen Hof (jetzt Kreissparkasse) übernommen. Dort hat er auch geschuftet, als eines von 14 Kindern und Freizeit war ein Fremdwort. Er musste auf Geheiß des Vaters in Unterkochen Metzger lernen und ging dann auf Wanderschaft nach Speyer, Stuttgart, Augsburg und Frankfurt. Mit 22 Lenzen machte er in Augsburg den Meister. Zehn Jahre lang war er dann als selbstständiger Metzger im Westerwald tätig und anschließend 34 Jahre lang als freier Vertreter für Metzgerei-Maschinen unterwegs. Zurück in Oberkochen engagierte er sich mit Herzblut in vielen Vereinen. Die Kolpingfamilie, im Verbund damit die katholische Kirchengemeinde und der Heimatverein waren ihm besonders ans Herz gewachsen. 1954 trat er in Frankfurt in die Kolpingfamilie ein, im Westerwald hatte er als Bezirkssenior gleich drei Kolpingfamilien gegründet. Genau so eng vernetzt ist Martin Gold mit dem Heimatverein. Neben Dietrich Bantel war auch er eine Triebfeder für die Gründung des Vereins im Jahre 1987. Bei Festen sorgte der „Bär“ über zig Jahre für die Verpflegung. Zusammen mit dem damaligen Pfarrer Jan Snoeren rief er das Kirchweihfest in Oberkochen wieder ins Leben. Wenn bei Kolping geschlachtet wurde, war er zur Stelle und bei den beliebten Mühlenfesten des Heimatvereins füllte er die Speisekarte. Über 50 Jahre war er Mitglied in der CDU und saß selbst zehn Jahre im Stadtparlament. Mit seinem Schalk im Nacken sei er beliebt und gern gesehen, wie es Bürgermeister Peter Traub vor ein paar Jahren bei einer Faschingsveranstaltung zum Ausdruck brachte: „Der Martin Gold, im Volksmund auch der Bär, ist einer unserer liebsten Bürger, der bekannt ist allerorts durch seine Art und mit Spaß und Späßchen niemals spart.“
Anlässlich seines Todes im Jahr 2010 lesen wir in der Schwäpo: „Martin Gold, ein Oberkochener Original und liebevoll „Bär” genannt, ist überraschend gestorben. Der „Bär” war einer, dessen Meinung, aber vor allem sein Witz und seine Schlagfertigkeit über viele Jahrzehnte hinweg in Oberkochen geschätzt waren. Ein Mann der Kommunalpolitik und des Heimatvereins, für den sein Herz besonders geschlagen hat. 1984 wurde Martin Gold zum ersten Mal in den Gemeinderat gewählt, 1989 wurde er mit 2525 Stimmen und dem dritthöchsten Ergebnis der CDU wiedergewählt. Am 29. August 1994 wurde Martin Gold aus dem Stadtrat verabschiedet, nachdem er zur Wiederwahl nicht mehr angetreten war. Als vor fast 20 Jahren Dr. Gert Littmann den Namen „Schillerhaus” als Namensvorschlag fürs Haus der Vereine in der Aalener Straße eingebracht hatte und sich Widerspruch von einigen Räten artikulierte, weil der große Dichter nie in diesem Hause gewesen sei, meinte Martin Gold — gelernter Fleischer und Metzger — plastisch: „In der Bierwurst war noch nie ein Bier und in der Königin-Pastete nie eine Königin…” Der Bann war gebrochen, das Haus der Vereine wurde zum Schillerhaus getauft. Dieses Schillerhaus wurde für Martin Gold zur zweiten Heimat, wie eben auch „sein Heimatverein”. Der Verstorbene hatte Bantels Initiative zur Gründung des Heimatvereins nachhaltig unterstützt, wie auch die Höhlenaktivitäten beim Römerkeller. Martin Gold war Vorstandsmitglied im Heimatverein und bis zu seinem Tod Mitglied im Ausschuss. Mit Akribie kümmerte er sich um Exponate fürs Heimatmuseum. Nach und nach entstand ein regionaler Teil auf der Bühne des Heimatmuseums, den man “Bärenhöhle” getauft hat. Martin Gold hat sich auch vehement für den städtischen Erwerb des Mühlenareals eingesetzt und sich dabei hart gegen die damalige Meinung seiner CDU-Parteifreunde gestellt. Auch hat er die Aktion „Grabung in der Bilz” von 1989 bis 2003 nachhaltig gefördert und unterstützt. Nicht nur Insider wissen, dass der „Bär” der stärkste Schnupftabakschnupfer der Ostalb war, bis ihm der Arzt dies untersagte
„Bärenhöhle“ – Dachgeschoss in der Aalener Straße 19 (Heimatmuseum)
Nein, es handelt sich nicht um die gleichnamige Höhle in der Nähe von Sonnenbühl-Erpfingen, die viele während ihrer Schulzeit besuchen mussten, um den Unterschied zwischen Stalaktiten und Stalagmiten zu begreifen. Diese Bärenhöhle zeigt vieles an landwirtschaftlichem Sammelsurium, was der „Bär“ Martin Gold im Laufe der Jahre für den Heimatverein gesammelt hat und dort unter dem Dach angeschaut werden kann.
„Baracken“ – das war einst sehr bezahlbares Wohnen, zwangsweise oder freiwillig
- Es gab welche auf dem Gelände Fritz Leitz (Heute Gelände Carl Zeiss). Dort waren Zwangsarbeiter während des II. Weltkriegs untergebracht.
- Auch im Gebiet „Schwörz“ (Nähe Haus Mannes) gab es solche Unterkünfte.
- Nach dem Krieg gab es Wohnbaracken am „Starenweg“ (das sog. Isartaler Haus).
- Im Einwohnerverzeichnis von 1949/1950
- finden wir die Baracken unter der Anschrift „Zeiß-Opton-Siedlung“ mit 23 gemeldeten Personen.
- Und unter der Anschrift „Zeiß-Siedlung“ sind 6 Personen aufgelistet (Warum da unterschieden wird ist mir ein Rätsel).
- Und unter „Beim Ölweiher“ finden wir 12 gemeldete Personen.
- Im Einwohnerbuch von 1959 sind die alten Zeiss-Barackenwohnungen (früher Beim Ölweiher) neu unter „Carl-Zeiss-Straße geführt (Hausnr. 21,23,25,27,29, und 31). Anschriften lassen sich dort bis mindestens 1961 finden. Es war zu hören, dass mancher dort gar nicht weg wollte, weil die Mieten sehr preiswert waren.
Mehr Details zu den verschiedenen Lagern aus der Zeit des II. Weltkrieges findet Ihr in den Berichten 313 bis 317.

Eine weitere Baracke im Bereich des Starenwegs (Archiv Müller)

Die ehemaligen Baracken auf dem Gelände der Firma Carl Zeiss (Archiv Müller)

Eine der vielen Baracken, vor dem sich ein Teil des Lebens abspielte (Archiv Müller)
„Barbarossa-Jäger“ – aus Oberkochen, das damals aber noch nicht so hieß
Friedrich I., genannt Barbarossa (italienisch für „Rotbart“) (* um 1122; † 10. Juni 1190 im Fluss Saleph nahe Seleucia, Kleinarmenien), aus dem Adelsgeschlecht der Staufer war von 1147 bis 1152 als Friedrich III. Herzog von Schwaben, von 1152 bis 1190 römisch-deutscher König und von 1155 bis 1190 Kaiser des römisch-deutschen Reiches. Zu jener Zeit soll hier einst ein Jäger gewohnt haben, der den Kaiser Barbarossa auf seinen Jagden begleitete. Aber auch auf des Kaisers Heereszügen und bei der Schlacht von Legnano soll er dabei gewesen sein. Die Kunde, dass der Kaiser ertrunken sei, wollte damals kein Mensch glauben, am wenigsten sein treuer Jäger.
„Baron von Letten – Johann Michael Gold aus der Hausnummer 191 (Ziegelhütte Oberkochen)
Auch „Lettenbaron“ oder „Herr von Letten“ genannt. Näheres siehe unter „Ziegler“.
Der „Letten“ ist klebrige tonige Erde, aus denen Ziegel hergestellt wurden, und die hatten ihn durchaus wohlhabend gemacht.
„Baschte und Basti“ – beide hießen Sebastian Schaup
Der eine, der Basti: Mit Datum vom 17.5.1617 steht in ellwangisch-fürstprobsteilichen Urkunden geschrieben: „Sebastian Schaupp (Basti), Müller zu Oberkochen, verkauft seine ingehabte »Fahlmihl« (?) seinem Sohn Wilhelm Schaupp… im Beisein Melchior Streicher, ellwangisch Schultheis, Dietrich März, württembergisch Schultheis, Jerg Glaser, Jerg Hanen und Hannss Hüber.“
Der andere, der Baschte: „Er war Obermüller zu Oberkochen und kaufte im Jahr 1640 die Obere Mühle (ellw.).…hinter dem Stadel von Hannssen Drittler.“ So steht es im alten Heimatbuch.
Dazu die Geschichte dieser Mühle: Abgerissen wurde sie im Jahr 1953. Aus den von Kuno Gold zusammengetragenen Unterlagen geht hervor, dass die »Obere Mühle« bereits vor dem 30-jährige Krieg bestanden hat. Der vorletzte nachweisbare Müller war Franz Anton Lindner oder Linder, der am 17.1.1843 um Genehmigung für den Einbau eines Ofens in seine Mühlstube und 1847 um Genehmigung für die Einrichtung einer »Gypsmühle« mit oberschlächtigem Wasserwerk in sein schon bestehendes Wasch- und Backhaus jenseits des Kocherkanals ersuchte. 1852 ersuchte Müller Lind(n)er um Genehmigung für die Ausbesserung der Vertäfelung am Giebel. Laut Gebäudebrandversicherung aus dem Jahre 1942 entsteht ein Jahr später, im Jahre 1853, ein Mühlenneubau. 1876 übernimmt Müller Sophonias Zimmermann, der letzte Müller auf der »Oberen Mühle«, die Mühle. 1890 erwirbt sie der Ingenieur und Fabrikant Hugo Laißle. Bereits 1893 ist die Mühle, ebenfalls mit allen Zusatzgebäuden, von Fabrikant Gottlieb Günther übernommen, und 1929 von der Firma Bäuerle. Die Unterlagen der Gebäudebrandversicherung (1942) waren immer sehr zuverlässig.

Die „Obere Mühle“ – auch Schaupp-Mühle genannt in der Bahnhofstraße 6A – vor langer Zeit abgerissen (Archiv HVO Ruoff)
„besondere bäuerliche Tage“ – allgemein, nicht unbedingt alle wichtig für Oberkochen
- Mariä Lichtmess (2. Februar): Traditionell das Ende der Weihnachtszeit und Beginn der Vorbereitung auf die Feldarbeit. An diesem Tag wurde früher der Christbaum entsorgt, denn man hatte noch eine gute Stube, die immer unbeheizt war.
- Josefstag (19. März): Schutzpatron der Bauern und oft Beginn der Aussaat
- Ostern: Ein wichtiger religiöser Feiertag, der oft mit dem Beginn der intensiven Feldarbeit zusammenfiel
- Georgstag oder auch Jörgentag (23. April): Schutzpatron der Viehhirten, oft Beginn der Weidesaison
- Johannistag (24. Juni): Sommeranfang und oft ein Tag der Erntevorbereitung
- Jakobitag (25. Juli): Traditionell ein Tag der Erntearbeit
- Erntedankfest (variabel, meist Ende September oder Anfang Oktober): Dank für die eingebrachte Ernte
- Michaelistag (29. September): Oft ein wichtiger Zahltag und Beginn der Herbstarbeiten
- Martinstag (11. November): Ein weiterer wichtiger Zahltag und Beginn der Winterruhe
- Advent und Weihnachten: Zeit der Ruhe und Besinnung, oft auch mit Vorbereitungen für das nächste Jahr verbunden
„Bau52“ – Eine wichtige Exklave der Firma Carl Zeiss
Bei der Firma Zeiss gibt es verschiedene Gebäude mit Nummern, die mehr oder weniger wichtig sind wie z.B. Bau 7 (das große blaue Gebäude parallel zum Kocher), Bau 17 (das Hochhaus), 17m (Mittelbau), 17a (bis zum Eck Nähe Bäckerei „Gnaier“ oder Bau 8 (die tolle Kantine). Aber der wichtigste Bau ist ohne Zweifel „Bau52“, der für die Grundversorgung einiger Kollegen, sei es Bier, Schnaps, Kartoffelsalat u.ä.m. zuständig ist. Und jetzt die Frage „wo ist dieser mächtige Bau?“ Das ist der „Hättre“ mit seinem Biergärtle????.
„Bauarbeiter“ – teilweise spezielle Unterkünfte
Als ich im Rahmen der Recherche zu den Auswanderern die alten Amtsblattausgaben durchforstete, fielen mir besondere Meldeadressen für italienische Bauarbeiter auf. Ordnung muss schließlich sein:
- Wohnlager Umgehungsstraße
- Baubaracke bzw. Wohnlager Dykerkoff & Widmann
- Baubaracke
- Bühlstraße 30a
„Bauernregel“ – aus jedem Monat eine. In Zeiten der Klimaveränderungen taugen sie vielleicht nicht mehr viel.
- Knarrt im Januar Eis und Schnee, gibt’s zur Ernt’ viel Korn und Klee
- Wenn’s im Februar nicht schneit, schneit’s in der Osterzeit
- Märzenschnee und Jungfernpracht halten oft nur eine Nacht
- Der April macht, was er will
- Mairegen bringt Segen
- Ist der Juni warm und nass, gibt’s viel Korn und noch mehr Gras
- Juli schön und klar, gibt ein gutes Bauernjahr
- Bringt der August viel Gewitter, wird der Winter kalt und bitter
- Viel Eicheln im September, viel Schnee im Dezember
- Wenn’s im Oktober friert und schneit, bringt der Jänner milde Zeit
- Hält der Baum die Blätter lang’, macht ein später Winter bang’
- Dezember, kalt mit Schnee tut dem Ungeziefer weh
„dr Beatclub“ – Gibt‘s nemme: Veranstaltungsort im Zeiss-Jugendwohnheim in der Jenaer Straße 2
Wir schreiben das Jahr 1964 und mein Nachbar, eine Art großer Bruder für mich, Wolfgang ‚Wolfi‘ Dubiel begann eine Feinmechanikerlehre bei Carl Zeiss in Oberkochen. Dort traf er 1965 die Mitlehrlinge Hartmann, Korn und Schellenberg. Diejenigen, die ihm Wohnheim untergebracht waren, stöberten im Haus herum und fanden einen Raum voller Musikinstrumente wie Vibraphone, Schlagzeug und anderes mehr. Wie zu erfahren war, wurde zur damaligen Zeit von jungen Leuten, die ein Volontariat bei ZEISS machten, Jazz im Keller gespielt – und das anscheinend gar nicht übel. Sogar Klaus Doldinger soll hier mal mit von der Partie gewesen sein. Hartmann, Korn und Dubiel nahmen die Dinge in die Hand und gestalteten den Keller um (vermutlich mit den Erlösen aus dem Verkauf der Instrumente, sicher ist das aber nicht). Wolfgang Dubiel und sein Schwager Ulrich Rassel hatten die Aufgabe eine Musikanlage mit Boxen zu bauen, die sie mit viel Herzblut zusammenbauten (Ulrich war allerdings nie im Beat Club, ihm ging es nur ums technische Machen).
Der Name BEAT CLUB entstand nach dem Vorbild der gleichnamigen legendären Musiksendung von RADIO BREMEN, die seinerzeit von Uschi Nerke und einigen männlichen Kollegen wie Gerd Augustin, Dave Lee Travis. Dave Dee und Eddi Vickers moderiert wurde.
Erste Sendung am 25. September 1965 um 16:45 Uhr im „ERSTEN“ und von Wilhelm Wieben mit folgenden Worten angekündigt: „Sie aber, meine Damen und Herren, die Sie Beat-Musik nicht mögen, bitten wir um Verständnis …“ Alles weitere finden wir in den Berichten 622–1 und 622–2.

Der Beatclub – hier mit Wolfgang Dubiel (hinten li), Frank-Heiner Hillje (hinten re) und Rolf Frank im Vordergrund (Archiv Müller)
„Bebel“ – Josef Fischer aus der Heidenheimer Straße 11
Landwirt (heute steht auf dem Gelände das Gebäude mit der Volkmarsbergapotheke). Die Fischers kamen im Jahr 1720 aus Bartholomä und stammen wohl von Andreas Fischer ab. Mit Ausnahme der Pflug-Fischers, sollen alle anderen von dieser Linie abstammen. Da es heute auch viele zugezogenen Fischer gibt, stimmt die Aussage wohl nicht ganz.

Das Bebel’sche Haus sehen wir links des Gebäudes Hägele, in dem der „Sogas“ seine Anfänge hatte (Archiv Müller)
„Beckabergele“ oder „Beckagässle“ – Hasengässle
Leitet sich von Bäcker ab, die (vom Kies) alle, einer nach dem anderen, im Hasengässle 6 ihr Zuhause hatten.
„Becka-Lena“ – Lina Grupp geb. Wannenwetsch aus der Dreißentalstraße 21
Dazu habe ich von Luitgard folgende Infos bekommen:
Die Geschwister von Lina waren: Georg (1912), angehender Bäcker und sehr beliebt, da er von Stuttgart, wo er eine Lehre gemacht hat, als erster „Eis nach Oberkochen“ gebracht hat. 1938 war er mit dem Fahrrad unterwegs und ist auf Höhe Zimmerei Brunnhuber von einem Motoradfahrer angefahren und dabei tödlich verletzt worden. Marie Wannenwetsch (1905), die Schwester von Lina, hat den Laden von jungen Jahren an geführt, ist aber krank geworden und so wurde an Brammen und Nachfolger vermietet. Dann ist sie zurück in den Laden, aber bereits 1953 gestorben. Paul Wannenwetsch (1919) ist in Stalingrad gefallen. Der Vater, Georg Wannenwetsch (1871−1938) ist zusammen mit einigen Brüdern (Karl, Ludwig, Paul, David, und der Schwester Emma Maria in Oberkochen aufgewachsen. Die Schwester hat den „Storchenbeck“ geheiratet und hat damit auch eine Bäckerei geführt.
Linas Mann war: Paul Grupp (1908−1966) (eines der 19 Kinder des Franz Anton Grupp)
Linas Kinder sind: Luitgard Hügle, Herbert „Hättere“ Grupp und Paul Grupp jun.
„Beckamarie“ – Marie Wannenwetsch aus dem Hasengässle 6
Bäckerei Wannenwetsch, später Brammen, dann “Hättere” und heute der Getränkehandel mit Catering Ulli Grupp.
Dieser Ort war und ist, in abgewandelter Form, auch heute noch eine Institution im Kies. Die Bäckerei wurde am 26. Juni 1870 von David Wannenwetsch aus Zang im Haus des Leinwebers Wiedenhöfer im Hasengässle „auf dem Kies“ gegründet. Die junge Bäckersfrau hieß Magdalena Wiedenhöfer. Eine Bäckerei war damals in erster Linie eine Lohnbäckerei für die Menschen, die keinen eigenen Backofen hatten. Fertige Backware beim Bäcker konnten sich nur „bessere Leut‘“ leisten. Die Menschen im Kies waren froh, dass sie nun ihren „Davids-Bäck“ hatten und die Wege somit kürzer waren. 1901 erfolgte die Übergabe an den Sohn Georg, der das Geschäft mit seiner Frau Katharina (Tochter des angesehenen Zimmermanns Ernst) fast 40 Jahre lang weiterführte. 1929 wurde komplett umgebaut und der reine Holzofen musste zugunsten eines modernen, brikett-betriebenen Dampfbackofens weichen. Georg starb am 1. Jan 1938 und damit brach das Unheil über die Familie herein. Sohn Paul sollte nun der Nachfolger werden, aber Stalingrad ließ ihn nicht mehr heimkommen. Die beiden Töchter Marie und Lina verpachteten die Bäckerei nach dem Krieg an Heinrich Brammen, auch „Bomba-Beck“ genannt. Später führten Marie Wannenwetsch, die Angestellten und die späteren Erben die Bäckerei mit einem kleinen Lebensmittelgeschäft weiter. Seit 1967 hatte der umtriebige, allseits beliebte Urenkel des Gründers, Herbert Grupp, „Hättre“ genannt, das Geschäft übernommen und mit seiner Mutter Lina in alter Tradition weitergeführt. Herbert Grupp hatte Bäcker gelernt war aber anfangs für BÄKO als Verkäufer unterwegs. Als er später Chef in der Bäckerei war, hat er es manchmal morgens nicht geschafft. Da musste Paul helfen und bei den anderen Bäckereien alles aufkaufen was möglich war, damit die Stammkundschaft um 6:30 Uhr nicht enttäuscht wurde – a Wegga isch halt a Wegga, egal woher. Die ersten Bretzeln holten sich manchmal frühmorgens BM Gustav Bosch und Bernhard „Bernhärdle“ Brunnhuber ab, die sich gelegentlich um diese Zeit auf dem Heimweg von wichtigen langwierigen Sitzungen befanden. Herbert war Bäcker mit Leib und Seele und hat den Teig mit Hingabe bearbeitet. Später wurde das Geschäft umgebaut und die Backöfen leisteten da gute Dienste – denn seine Fleischgerichte aus den alten Bäckeröfen schmeckten einfach saumäßig gut. „Hättere“ ist 2003 bereits mit 61 Jahren gestorben und so musste der Ulli ran. Das Essen ist immer noch gut und der Kartoffelsalat ein Gedicht und ein Maßstab „wie er sei muass“ – schlonzig, mir send schließlich „Nassesser“.
Jetzt aber auf d‘ Berg und dann geht’s weiter – „Billie vom Sonnenberg“