Nach 1900 gab es 21 Hafner­be­trie­be in Oberko­chen. Die meisten hatten als Neben­er­werb etwa fünf Hektar Land (15 Morgen) und sechs bis sieben Stück Vieh. Die Blüte­zeit des Oberko­che­ner Hafner­ge­wer­bes ging in der Zeit um den Ersten Weltkrieg zu Ende. Damals gaben immer mehr Hafner ihren Beruf auf, weil sich die Arbeit nicht mehr lohnte. Fabri­ken, die Alumi­ni­um­ge­schirr herstell­ten, konnten ihre Erzeug­nis­se billi­ger auf den Markt bringen als die Oberko­che­ner Handwer­ker, die vorwie­gend Tonkoch­ge­schirr töpferten.

Ein “Wurf” Geschirr koste­te 85 Pfennig und bestand entwe­der aus 16 “Salat­schüs­seln”, mit etwa einem Liter Raumin­halt oder aus vier großen “Teigschüs­seln” oder aus 24 kleinen Schüs­seln. Die Oberko­che­ner Töpfer­wa­ren genos­sen weithin einen sehr guten Ruf. Abneh­mer der Erzeug­nis­se waren Geschirr­lä­den und verschie­de­ne Händler, die mit ihren großen Wagen von Ort zu Ort zogen. Expor­tiert wurde das Oberko­che­ner Geschirr in die nähere u. weite­re Umgebung, teilwei­se sogar bis in die Bregen­zer Gegend.

Vor dem Verkauf der Töpfer­wa­ren stand mühseh­li­ge Arbeit. Zuerst mußte die Toner­de aus Zang oder Ochsen­berg herbei­ge­schafft werden. Dazu benötig­te man einen “Berech­ti­gungs­schein”, den der “Vorsit­zen­de der Hafner­ge­nos­sen­schaft” ausstell­te. Diese Funkti­on übte in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg Anton Hug aus, der 1913 starb. Mit dem Berech­ti­gungs­schein in der Tasche fuhren die Hafner mit einem Wagen, der von Kühen gezogen wurde, zu den Toner­de­stel­len. Dort gruben sie ihr Rohma­te­ri­al aus und bezahl­ten es an Ort und Stelle. Zu Hause mußte die Toner­de mit den Händen “durch­ge­schafft” werden. Kein noch so kleines Stein­chen durfte in der Töpfer­mas­se zurück­blei­ben, die man danach “wie einen Nudel­teig”, zwischen zwei paral­lel aufein­an­der­lie­gen­den Rollen “durch­walz­te”. Dabei mußte ständig ein wenig Wasser zugesetzt werden. Im nächs­ten Arbeits­gang formte der Hafner seinen Lehm in Porti­ons­stü­cke, die er neben seiner Töpfer­schei­be aufbau­te. Nun erst konnte die eigent­li­che Arbeit begin­nen. Während er mit den Füßen die Töpfer­schei­be antrieb, formte er mit den Händen seine Gefäße. Erfah­re­nen Hafnern ging diese Arbeit sehr schnell von der Hand. Eine alte Faust­re­gel sagt, daß ein Hafner sieben bis acht Jahre lernen müsse, bis man das Töpfern “richtig raus hat”.

Die mit kundi­ger Hand geform­ten Tonpro­duk­te wurden zuerst getrock­net und später glasiert. Norma­ler­wei­se mußte dieser Vorgang zwei– bis dreimal wieder­holt werden. Die Glasur kaufte der Hafner in festem Zustand als “faust­gro­ßen Stein”. Diesen “Stein” mußten meist seine Kinder in mühsa­mer, langer Arbeit in einem etwa 40 Zenti­me­ter hohen Mörser mit einem schwe­ren “Eisen­stäm­pel zu Mehl” zerstamp­fen. Im nächs­ten Arbeits­gang wander­te das “Mehl” zusam­men mit wenig Wasser in die “Glätten­müh­le”. So entstand eine flüssi­ge “Brühe”, die Glasur, mit der die Gefäße nach einem ersten Brenn­vor­gang sorgfäl­tig einzu­strei­chen waren. Dann wurde das Geschirr zum Trock­nen auf regalar­ti­ge Stangen gesetzt, die sich in der ganzen Töpfer­stu­be unter der Decke befan­den. Auf diese Weise nützten die “Hafner” den Platz in den oft kleinen Töpfer­stu­ben optimal aus.

Auch das Brennen der Töpfer­wa­ren ist eine Kunst. Der Hafner mußte ganz beson­ders darauf achten, daß das Geschirr in den Brenn­ofen “pünkt­lich neibeigt” wurde. Ein solcher Ofen war über zwei Meter hoch und hatte eine Grund­flä­che von mehr als einen auf zwei Quadrat­me­tern. Zum Brennen wurde er mit Geschirr “ganz vollge­füllt” und zugemau­ert. Der Brenn­vor­gang dauer­te 48 Stunden. Es war sehr wichtig, in dieser Zeit für ein gleich­mä­ßi­ges Feuer unter dem Ofen zu sorgen. Zum Heizen benutz­ten die Hafner gespal­te­ne Holzschei­te von etwa einem Meter Länge. Am Ende des Brenn­vor­gangs wurde mit Birken­holz “ausge­brannt”. Nach dem Brennen musste die ganze Hafner­fa­mi­lie das Geschirr sauber zu putzen und zu sortie­ren, bevor es zum Verkauf in die “Haras­sen” hinein­ge­sta­pelt werden konnte. Als Haras­sen wurden die “Kisten” bezeich­net, in denen das Geschirr zum Versand kam. Sehr große Bestel­lun­gen umfaß­ten bei der Auslie­fe­rung bis zu einem ganzen Eisen­bahn­wa­gen gefüllt mit Harassen.

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