„Billie“ (vom Sonnenberg) – Wilfried „Wichai“ Müller aus der Sonnenbergstraße 34
Ich bin der älteste Sohn vom „Hebammen-Schorsch“ Georg Müller aus Brastelburg und seiner Ehefrau Hildegard Pavlat aus Mährisch-Aussee/Sudetenland (heute Usov Tschechien). Der Name geht auf meinen früheren Deutschlehrer Rudolf Thiem am damaligen Pro-Gymnasium zurück. Meine Aufsätze waren auffällig und basierten z.T. auf Leseerlebnissen von Westernheften (u.a. Billy the Kid) und reichlich Fantasie. Aus diesem Grund verpasste mir der Lehrer bei einem Wandertag diesen Namen (Da ich aber kein „Y“ am Ende mag, habe ich den Billie mit „ie“ kreiert). Beruflich verbrachte ich mein Leben bei der Marine (Logistik auf dem Zerstörer „Mölders“ – das Schiff ist heute im Marinemuseum in Wilhelmshaven zu besichtigen) und bei Leitz (in der Organisation sowie bei weltweiten IT-Einsätzen in der LEITZ-Welt) und sammelte, außer Berufserfahrung, reichlich See- und Flugmeilen. Ich schreibe seit 2006 für den Heimatverein und das Amtsblatt heimatkundliche Berichte (bisher über 222 an der Zahl). Den zweiten Namen „Wichai“ erhielt ich während meiner zahlreichen Reisen nach Thailand, weil die dort lebenden Menschen ein sprachliches Problem mit den Buchstaben “r, l und n“ haben und „Wifid“ hat mir gar nicht gefallen. Meine erste Frau La-ied (geb. Wefer) ist die erste Thailänderin, die in Oberkochen sesshaft wurde (damals in den 70ern gab es eine Thai mit Namen Roschke in Königsbronn und eine namens Schneider in Fachsenfeld, die Frau vom Kunststoff-Schneider). La-ied stammt von einem Deutschen und einer Thailänderin aus Bangkok ab. Ihr Großvater hieß Bernhard Wefer, kam Ende des 19ten Jahrhunderts mit der Marine nach Bangkok, musterte dort ab und blieb für den Rest seines Lebens in Bangkok (was Oliven- „gkok“ und dorf „ban“ bedeutet). Er heiratete die Thailänderin Fanny. Sie hatten 4 Kinder und gaben ihnen die Namen Leila, Albert, Bertha und Arthur (der Vater von La-ied). In den 80ern durfte sie als Statistin in einem TV-Film mitwirken und bekam dafür satte 600 DM für „einmal durchs Bild laufen“. In früheren Zeiten hätte man mich am Ort wohl zum „Thailand-Müller“ gemacht. Zu Billies Leben siehe auch die Berichte 595 bis 597 und 680.

25. August 1978 – Wilfried „Billie“ Müller“ heiratete La-ied Wefer aus Bangkok – die erste Thailänderin in Oberkochen (Archiv Müller)
„Bilz und Bilzhütte“ – Gebiet im Wald
Die Bilz ist ein knapp drei Kilometer westlich von Oberkochen im hinteren Tiefental gelegenes und an die Gemarkung von Essingen grenzendes Waldgebiet. Seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts bis Anfang des 19. Jahrhunderts befand sich dort eine Siedlung von Einwanderern aus Österreich. Aus dieser Zeit sind noch das Fundament eines Steinhauses, „Bilzhaus“ genannt, sowie ein Regenwassersammelbecken, „Bilzhülbe“ genannt, erhalten. Das zwischen 1989 und 2003 ausgegrabene Bilzhaus ist ein Archäologisches Denkmal in Baden-Württemberg. Die Bilz ist seit dem Beginn des 13. Jahrhunderts als Siedlung belegt. Im Dreißigjährigen Krieg ging die Einwohnerzahl Oberkochens von ca. 500 auf ca. 100. Diese Ausdünnung der Bevölkerung verursachte in der Folgezeit eine Einwanderungswelle. Nach Oberkochen kamen fast ausnahmslos Katholiken aus Kärnten, der Steiermark, Tirol und dem damaligen Fürsterzbistum Salzburg. Den Ärmeren unter den Einwanderern wurde die Möglichkeit gegeben, sich in der Bilz niederzulassen. Darüber gibt es reichlich „Stoff“ in den Berichten 81, 84, 86, 111, 125, 275, 288 und 325.
„Bilzhannes“ – Mathias Widenhöfer aus dem Hasengässle 6
Der Bilzhannes, geboren am 25. Juni 1780, war ein sagenumwobener FlurWaldSchütz, der in der Bilz wohnte und im Auftrag der Gemeinde Oberkochen den Wald und das Wild zu beaufsichtigen hatte. In den Ort Oberkochen kam er nur im Winter, um Brot und Branntwein zu holen. Ein schwarzer Schlapphut, struppiges, langes Haar und ein Kinnbart ließen den Bilzhannes etwas unheimlich aussehen. Er sei ein Trinker, aber auch ein besonders guter Treiber auf Jagden gewesen. Im November 1810 nahm er an einer königlichen Treibjagd teil. König Friedrich I. von Württemberg sei in das Bilzhaus gekommen, wo der alte Kachelofen stark rauchte. Als es unerträglich wurde, habe der König gerufen: „Aber Hannes, du hast einen lumpigen Ofen, da hält es der Teufel nicht aus.“ Mit einem Ast habe er den Kachelofen umgestoßen und zertrümmert. Schließlich habe der König den verstörten Bilzhannes mit mehreren Silbertalern beschwichtigt und ihm später einen gusseisernen Ofen aus der Gießerei in Königsbronn schicken lassen. Mit größter Wahrscheinlichkeit handelte es sich beim Bilzhannes um den am 25. Juni 1780 in Oberkochen geborenen Mathias Widenhöfer. In Oberkochener Urkunden wird er auch mit den Vornamen „Mattes“, „Matthias“, „Matthäus“ und dem Nachnamen „Widenhöfer“ erwähnt.
1830 taucht auf einer Liste der Hausbesitzer sein Name für das Haus Nummer 26 auf – das alte Rathaus! Zu der Zeit war er von der Gemeinde als „Flur“ beschäftigt und wohnte daher auch zurecht im alten Rathaus. In seinen letzten Lebensjahren bewohnte er wieder sein altes Stammhaus im heutigen Hasengässle 6. Er starb am 13. August 1840 im Alter von „60 Jahr, 1 Monat und 18 Tag an Brechruhr und Nervenschlag.“ Seine Witwe Magdalena, geb. Späth (* 4. Dezember 1774; † 20. April 1852), überlebte ihn um zwölf Jahre. Das Ehepaar hatte keine Kinder.
Dazu gibt es einiges an Berichten wie z.B. die Nummern 80, 82, 83, 289 und 324.

Der Bilz-Hannes verkleidet als Hans Gold oder umgekehrt (Archiv Müller)
Über ihn gibt es ein altes Gedicht, dass viele Kinder früher auswendig konnten. Anlässlich des 125jährigen Jubiläums der Realgenossenschaft trug Hans Gold „Schmidjörgle“ das Gedicht, als „Bilzhannes“ verkleidet vor:
Dr Bilzhanns isch a argr Fetz,
on wann der sauft isch bodalätz.
Nao haut’r s’Weib on d’Kender rom -
Des Weib des sprengt zom Pfarrer drom:
»Mei Lomp vrsauft voll Hab on Guat -
Herr Pfarrer sen se doch so guat,
on schwätzat Sie a Wörtle drei,
on zendat S’m ens Gwissa nei.
So kao’s amaol net weitr gau,
der soll sei Saufa bleiba lau.«
Dr Pfarrer hot’n grad erwischt,
wian’r vom Wirtshaus komma ischt.
»Du, Hannes«, said’r, »descht a Schand, -
vrsaufscht jao vollends Dein Vrschtand,
guck no amaol den Ochsa a, -
der sauft, was’r vrtraga ka,
on wann’r gnuag hot, hört’r auf.«
Dr Bilzhanns said vrächtlich drauf:
»Herr Pfarrer — wann i Wasser sauf,
nao hör i au von selbr auf.«
„Die Blaue Lagune“ – da kommt ihr nie drauf, ist in der Heidenheimer Straße 116 zu finden
Nicht nur Autos müssen betankt werden, auch einzelne Menschen müssen sich mitunter betanken. Und weil das in den Firmen seit Jahrzehnten nicht mehr geht, wurden diese halb Verdursteten kreativ, was die Beschaffung und die Erfindung eines geheimen Codewortes für diese Tankstelle angeht. Sie ist auch blau, nennt sich ARAL und befindet sich Richtung Süden. Die „Original Blaue Lagune“ befindet sich in Wolfsburg und ist natürlich eine ARAL-Tankstelle, an der sich die „Schichtis“ auf ein Bier treffen.
„dr Bleamle“ – Andreas Blümle aus Katzenbachstraße 33
Ehemaliger Böllermeister. Geböllert wurde früher an besonderen Tagen wie an Fronleichnam oder dem Kinderfest vom „Böllerheisle“ aus. Wenn heute geböllert wird, empfinden das einige als Ruhestörung oder fragen verstört auf FACEBOOK nach, ob der Krieg ausgebrochen sein.
„Blechle“ – Walter Borst aus der Gartenstraße 12
Er betrieb dort ein Installationsgeschäft. Walter Borst kam am 1. April 1935 von Essingen. Dort betrieben schon sein Vater und Großvater eine Flaschnerei. Anfangs arbeitete er bei Karl Wannenwetsch in der Aalener Straße und ab 1940 in eigener Werkstatt in unmittelbarer Nachbarschaft zu KWO. 1952 wurde der Betrieb in die Gartenstraße verlegt. 1975 hat er den Betrieb an seinen Sohn Walter übergeben.
„d blend Marie“ – Marie Gold
Sie war nicht richtig blind, aber schon ziemlich. Sie heiratete den Schulmeister Stütz. Stützen’s hatten wiederum eine Tochter namens Zita und diese heiratete den Sebastian „Seba“ Fischer. Originalzitat von Marie: „Dr Kratzers Done isch a ganz a Schlechter, dem därf mr bloß end Auga gugga“. Die allgemeine Antwort darauf fiel wie folgt aus: „Ausgrechnet dui, ond hat doch nix gsäha bis auf en Schemmr.“
„Blubber“ – Reinhard Krug aus dem Ahornrain 1
Sohn des Lehrers Otto Krug. Hat nach irgendeinem abgebrochenen Studium und „spannenden“ Jahren in Heidelberg auf Informatik gewechselt und bei JSO Jakob Schmid ein Praxissemester und seine Diplomarbeit gemacht. In Heidelberg hat er dann eine erfolgreiche Softwarefirma gegründet (Vermutlich Krug + Partner). Ist unter tragischen Umständen viel zu früh gestorben.
„Bodenwaage“
Im Jahr 1953 wurde entschieden, dass die alte Viehwaage, die sich vor dem Gasthaus „Ochsen“ befand und seit Jahren vom Eichamt Aalen beanstandet wurde, bis zum Sommer durch eine neue ersetzt werden muss. Als Standort für die neue Bodenwaage wurde der Platz vor den Häusern Renner und Brunnhuber in der Heidenheimer Straße (wo sich heute der Kies-Brunnen befindet) bestimmt. Da aber eine Viehwaage grundsätzlich überdacht sein sollte und von einem regen Auflauf von Kühen und Schweinen auszugehen ist, war der neue Standort nicht ideal.
Es gab längere Diskussionen im Gemeinderat und Probleme mit dem Hausbesitzer am neuen Standort, der Beeinträchtigungen und Wertverluste befürchtete. Am 21. Mai 1954 wurde der Kauf einer 30-Tonnen-Bodenwaage genehmigt (Haushaltsplan 20.000 DM). Die Installation erfolgte auf dem gemeindeeigenen Grundstück vor den Gebäuden mit der Hausnr. 76 und 78.
Die Wiegezeiten waren sommers von 6 bis 20 Uhr und winters von 7 bis 19 Uhr. Für die Bestimmung des Leergewichts mit anschl. Vollwiegung betrugen die Gebühren anfangs 30 PF und für sonstige Lasten zwischen 500 KG 60 PF und über 25.000 KG 4 DM. Als Wiegemeister fungierten über lange Zeit die Polizeidiener (auch Wachtmeister) Josef Gold und NN Maier. Später waren Wiegemeister Joseph Balle sowie Karl Gold und der letzte war Karl Renner, als die Waage im „Kies“ stand.
Besonders in Anspruch genommen wurde die Waage beim Bau der Umgehungsstraße, der B19.

Der Waagemeister Renner (Archiv Rathaus)
Für die Problematik das Vieh zu wiegen brachte sich Caspar Scheerer ins Gespräch. Er hatte sich eine nigelnagelneue moderne Viehwaage gekauft und bot an, sich vom Eichamt als offizieller Wäger vereidigen zu lassen und seine Waage der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Die alten Gebühren wurden allerdings als zu niedrig erachtet: 25 Pfennige für Kühe und Schweine und 65 Pfennige für alle anderen Güter.
„Böblinger Sepp“ – ehemaliger Amtsleiter in Böblingen Josef Fischer „Bebel“ aus Oberkochen
Erst an der Böblinger „Wall of Fame“ und jetzt auch in der Oberkochener „Hall of Names“.
Am 2. Oktober 2023 erschien in den „Stuttgarter Nachrichten“ der folgende Artikel über einen bemerkenswerten Mann, den wir alle noch gut aus Oberkochener Zeiten kennen und ich würde sagen – der Josef hatte einen Traumjob:

Josef Fischer — der Böblinger Sepp aus der “Bebel-Sippe” (Archiv Müller)
Ein Amtsleben für Jugend, Schule und Sport.
Er hat alle Oberbürgermeister erlebt, war einer der dienstältesten Mitarbeiter auf dem Böblinger Rathaus und 34 Jahre als Amtsleiter für die Jugend, die Schulen und den Sport verantwortlich. Wenn Josef Fischer durch das Amt für Jugend, Schule und Sport marschiert, dann ist die Hoppla-jetzt-kommt-der-Chef-Stimmung ganz weit weg. Kein plötzliches auf geschäftig machen, kein verschwörerischer Blick zum Kollegen hinüber, keine Anwandlung, dem Boss gefallen zu müssen. Baumwollhemd, Jeans, Turnschuhe, hier ein Schwätzle, dort ein Späßle: Da ist einer mit einnehmender Herzlichkeit unterwegs, ein Amtsleiter, der mit strenger Hierarchie und mit dem Habitus des steifen Verwalters nichts am Hut hat. Seit knapp 34 Jahren läuft der Laden unter der Leitung von Josef Fischer, der hier und überall nur „Sepp“ genannt wird. 15 Schulen, 50 Vereine, zig Hallen, Gebäude und Jugendeinrichtungen werden unter seiner Leitung von einer 12-köpfigen Kerntruppe betreut und verwaltet.
Das Menscheln zählte zum Programm
Amt für Schule, Jugend, Sport – das ist mehr als nur ein Begriff aus dem Organigramm der Rathauswelt. Dort wird ein Herzstück der Stadt bearbeitet, dort werden Dinge erledigt, die aus der Stadt eine Gemeinschaft formen: Kein Training würde stattfinden, kein Verein hätte ein Dach über dem Kopf, keine Band einen Proberaum, kein Jugendhaus würde funktionieren und kein Schulunterricht in dieser Stadt über die Bühne gehen, ohne diese Leute. Wenn das „Menscheln“ in dieser Verwaltung irgendwo zum Programm gehört, dann ist es im Amt von Sepp Fischer. Einmal ein Amt leiten? Das wollte Sepp Fischer eigentlich zunächst gar nicht. 1978 hatte er bereits die Lizenz zum Akademiker-Dasein in der Hand: An der Uni Karlsruhe hätte der Landwirtssohn aus Oberkochen bei Aalen Wirtschaftsingenieurwesen studieren können. Die Aussicht auf ein ordentliches Ausbildungsgehalt wies ihm dann doch den Weg ins heimatliche Rathaus, um dort die gehobene Verwaltungslaufbahn einzuschlagen.
Ein Sprungbrettbeamter war er nie
Danach, vor 41 Jahren, landete der ausgebildete Jung-Verwalter im Böblinger Rathaus, dem er bis zum Schluss treu geblieben ist. Denn ein Sprungbrettbeamter, der den Amtsleiterjob nur als Durchgangsepisode auf dem Weg zum Bürgermeister benutzen wollte, war Sepp Fischer nie. Angebote gab’s zwar, aber der 65-Jährige war schon immer Realist: „Ich bin eine gute Nummer zwei“, sagt er. Die hat einmal dort begonnen, wo es das Ende zu verwalten gab. Der junge Stadtinspektor wurde bei der Kämmerei mit dem Böblinger Friedhofswesen beauftragt. Im Jahr 1989 übernahm Fischer dann das Schul- und Sportamt, inzwischen Amt für Jugend, Schule und Sport. Und mittlerweile ist Josef Fischer der Dinosaurier in den Fluren des Böblinger Rathauses. Keiner dürfte so lange wie er an Bord des Verwaltungsschiffes sein und keiner dürfte den Wandel der Strukturen und Kulturen in der Böblinger Kommandozentrale so intensiv miterlebt haben.
Als „Buale“ neben dem Monument
Als Josef Fischer eingestellt wurde, hieß der Oberbürgermeister noch Wolfgang Brumme. „Als Buale“ habe er sich neben diesem Monument der Macht alter Schule gefühlt. Zum Nachfolger und Förderer Alexander Vogelgsang hingegen hatte er eine ganz enge Verbindung. „Er hat mir immer eine lange Leine gelassen“, sagt Sepp Fischer – ein Verhalten, das nicht zu den ausgeprägten Tugenden Vogelgsangs zählte. Am aktuellen Chef schätzt er hingegen dessen großes Interesse an den Menschen und den Mitarbeitenden. Stefan Belz erkläre immer, was er tut, und sei viel unter den Leuten. „Das macht ihn nahbar“, sagt Sepp Fischer. Ein wenig von diesen Wesenszügen scheint auch bei Josef Fischer angelegt zu sein. Unter den Leuten zu sein, machte einen großen Teil seines Job aus – egal, ob in den Einrichtungen oder bei den vielen Ehrenamtlichen, die es zu unterstützen galt – oder als Böblinger Delegationsleiter bei den unzähligen Partnerstadt-Olympiaden, wo er das Bindeglied zwischen Sportlern, Ausrichtern und der eigenen Stadtverwaltung war. „Andere stärken, dass sie ihren Job machen können“ – das war immer seine Maxime, sagt Sepp Fischer.
Sahnehäubchen und Stahlbäder
Dies hat dem Stadtoberverwaltungsrat auch manches Stahlbad beschert. Zum Beispiel als der Gemeinderat die Idee hatte, die Wilhelm-Hauff-Schule zu schließen, als die Schulleiterin der Mörikeschule unter Sektenverdacht stand, als bei der Partnerstadt-Olympiade im türkischen Bergama die Teilnehmer aufbegehrten, oder als klar wurde, dass die Sporthalle, das Aushängeschild der Stadt, abgerissen werden wird. Bei allem Verdruss, allem Druck und allem Aufruhr: Die Frohnatur Sepp Fischer blieb die Frohnatur Sepp Fischer – oder ließ es sich zumindest nicht anmerken, wenn es einmal nicht so war. Hinter dem großen Schnauzbart und unter den markanten Augenbrauen war zumindest kein Anflug von Trübnis zu erkennen. Vielleicht weil Sepp Fischer auch wusste, mit Gegenwind umzugehen. „Kritik“, sagt er, „war für mich immer kostenlose Beratung“ und Probleme gab es für ihn nie – „nur Aufgaben“, sagt Fischer und grinst. Wenn er jetzt zurückblickt auf die vielen Rathausjahre, dann haben die schönen Momente überwogen. „Ich habe 40 Jahre im richtigen Aufgabenfeld und mit einem super Team gearbeitet“, räsoniert er. „Glücksgefühle“ hat Sepp Fischer der Job beispielsweise verabreicht, als er die Partnerstadt-Olympiade 1995 und 2017 vor heimischem Publikum organisierte, zufrieden blickt er zurück auf die Zeit, als er im Waldstadion in Dagersheim durch Umgestaltung ein zusätzliches Rasenspielfeld einbringen konnte oder als 2000 das „Paladion“ am Silberweg entstand.
Nah dran an Sportlern, Stars und Sternchen
Und dann war da natürlich noch die Sporthalle, die zeitweise in Sepp Fischers Verantwortungsbereich gehörte. Die Verträge mit den Veranstaltern liefen alle über seinen Tisch und Sepp Fischer war immer dabei, wenn die Folgen seiner Unterschrift – Sportler, Stars und Sternchen – zu sehen waren: Egal ob Ernst Moschs Volksmusiker ins Rund tröteten, die Pop-Größen dieser Welt dort ihre Hits verbreiteten, Thomas Gottschalk sich durch die Wettshows moderierte, oder die Fußballnationalmannschaft ein Lied in der Sporthalle sang und danach hinter der Bühne auch die Hand des Amtsleiters schüttelte. „Das waren Sahnehäubchen für den Verwaltungsbeamten“, sagt Josef Fischer, der diese auch zu genießen wusste. „Ich habe mir immer mein blaues Anzügle angezogen und mich bei den TV-Shows in die Nähe des Intendanten gesetzt. Dann kam ich garantiert im Fernsehen“, erzählt er schmunzelnd. Und aus seiner Heimat auf der Ostalb folgten die Kommentare: „Warsch mol wieder em Fernseha?“. Stammgast in der Arena von Liverpool
Diese Episoden sind schon lange Geschichte. Am 1. Oktober ist es auch Sepp Fischer. Die Verabschiedungsurkunde hat er vom Oberbürgermeister bereits erhalten, der Abschied im Gemeinderat folgt am Mittwoch und dann ist Schluss mit Sport, Jugend und Schule in Böblingen. Fast. Denn mit den „Rathauskickern“ und den „Kanneknoblern“ wird Sepp Fischer weiterhin dem runden Leder nachjagen und sein passives Verhältnis zum Fußball soll unter dem Ruhestand auch nicht leiden. Mindestens fünf Mal in der Saison geht der scheidende Mann vom Amt nach Liverpool, um dort seinem internationalen Lieblingsverein bei der Arbeit zuzuschauen, dann müssen noch die wichtigen Champions-League-Spiele besucht werden, und in Heidenheim, bei Sepp Fischers Geburtsort gleich um die Ecke, gibt’s neuerdings auch einen Bundesligaklub. Der hat nun einen Edel-Fan und Dauerkarten-Besitzer mehr.
„Böllerheisle“ – Gibt‘s nemme: alter Standort heutige Josefskapelle unterhalb des Rodsteins
Errichtet wurde das Böllerhäusle als Blockhaus irgendwann nach dem 1. Weltkrieg, wohl in den Zwanzigerjahren, vom damaligen Militärverein. Geschossen wurde zu privaten Anlässen, auch bei Taufen und anderen festlichen Ereignissen. Böllergenehmigung hatte auch die katholische Kirchengemeinde, die zu Fronleichnam böllern ließ. Und zum Kinderfest, vor der Tagwache durch den Musikverein, war es gang und gebe, dass geböllert wurde. Heute würde man das als Ruhestörung empfinden und zur Anzeige bringen oder gar denken, dass der nächste Krieg ausgebrochen sei. Man schaue sich nur die Kommentare auf Facebook an, wenn wieder geböllert wird. Mehr Details im Bericht 113.

Böller-Aktion am Boller-Heisle – ob das wohl dr Bleamle isch (Archiv Müller)
„Böni“ – Bernhard Freitag aus der Beethovenstraße 4
Schüler des Progymnasiums und Schwarm vieler Schülerinnen in der damaligen Zeit. Nach meiner Erinnerung hat er sich zur Prüfung als Starfighter-Pilot gemeldet, wurde aber nicht angenommen. Zuletzt fand ich seine Spuren als Lehrer an der Geschwister-Scholl-Schule in Leutkirch. Diese Schule verfügt über eine Lernfabrik 4.0, die für die Vermittlung von Konzepten im Zusammenhang mit Industrie 4.0 genutzt wird. Die Lernfabrik simuliert einen realen Produktionsprozess und ermöglicht es den Schülern, in Bezug auf Steuerungssysteme, Kommunikation und Mechanismen im Kontext von Industrie 4.0 zu lernen. Sie wird in verschiedenen Bildungsprogrammen eingesetzt, einschließlich Berufsschulen und technischen Gymnasien.
In Gedanken an die nicht immer gute alte Zeit – „Billie vom Sonnenberg“