„d‘ Becke“ – Sieglinde Bezler von der Bäckerei Bezler im Dreißental
Dui kennt en Haufa vrzähle, wenn se denn wett… ond wenn’s bloß dui G’schicht vom „nie gemalten Bild an der Hauswand“ ihrer alten Bäckerei wär.
„Bedeller“ – Thomas Gentner aus der Heidenheimer Straße 27 (ois von zwoi Backschtoiheiser bei oas)
Enkel von Alt-Bürgermeister Frank. Sein Leitspruch: “Bedeller bedahlt” – Besteller bezahlt. Das ist eine lustige Geschichte: „Im August 1970 waren Thomas Gentner, Eberhard Haag, Lothar König, Wolfgang Elmer und Gerhard Bahmann in Dalmatien im Zelturlaub. Am ersten Tag gingen sie direkt nach der Ankunft in die kleine Beiz bei der Rezeption. Dort bestellte Gerhard eine Runde Bier. Als es ans Zahlen ging, fragte der Ober, wer die Runde bezahle. Thomas sagte: „Bedeller bedahlt“. Seit diesem Zeitpunkt heißt er eben „Bedeller“!“
„Beeca“ – Hubert Wunderle aus dem Kapellenweg 14/1
Der Name geht auf die Frisur „Vokuhila“ zurück – vorne kurz und hinten lang. Hubert ließ sich seine Haare damals so schneiden und dann hieß es: „Du siehst ja aus wie ein Beatle-Charly“. Das war zu lang und zu umständlich, also entstand flugs durch Komprimierung der „Beeca“. Näbbabei – das war wieder die Modefrisur im Jahr 2023.
„Benno-Karle“ – Karl Gold aus dem Silcherweg 22
Sohn des früheren Gemeindepflegers.
„Benzin“ oder „Tankstella-Balle“ – Karl Balle aus der Katzenbachstraße 8
Am 17. September 1954 heißt es im Protokoll des Gemeinderats: „Gegen das Baugesuch des Mechanikers Karl Balle auf Errichtung einer Tankstelle vor Gebäude 8 der Katzenbachstraße (Zehntstadel) werden Einwendungen nicht erhoben.“ Und so betrieb er diese jahrzehntelang
mit Werkstatt und hatte viele Stammkunden. Seine Nachkommen sind dann in die Aalener Straße 82 umgezogen und betreiben dort eine Tankstelle, eine Waschstraße und eine Kfz-Werkstatt.
„Beppo“ – Michael Bernlöhr aus der Heidenheimer Straße 34
„d Berg“ und „dr Turm“ – Unser Hausberg, der Volkmarsberg, dessen Namensherkunft bis heute im Dunklen liegt
Nahezu alle, die ihre Heimat mal wieder besuchen, zieht es zu einer Wanderung hinauf auf den Berg. Es lässt sich nicht erklären, es steckt tief in einem drin. Weit über die Region hinaus bekannt ist unser Hausberg mit seiner Höhe von 743 m ü. N., der zum Wandern und Radfahren einlädt. Die Schutzhütte des Schwäbischen Albvereins mit einem schönen rundum Panorama. Mit seiner Heidelandschaft ist der Volkmarsberg ein vielbesuchtes und durchwandertes Naturschutzgebiet mit reicher Flora. Vom 23 Meter hohen Aussichtsturm bietet sich dem Besucher ein herrlicher Rundblick. Bei schönem Wetter und guter Sicht ist die Alpenkette zu sehen. Die Wacholderheide auf der Hochfläche ist eine frühere Schafweide, die teilweise vom Wald zurückerobert wurde. Sie ist seit 1928 unter Naturschutz gestellt. Der unbewaldete Teil des Naturschutzgebiets präsentiert sich heute als parkähnliche Wacholderheide, die von alten Buchen, Eichen und Linden belebt wird. Ich will hier nicht alles wiederholen, denn vieles lässt sich nachlesen im Bericht „90 Jahre Volkmarsbergturm“ vom 22. Mai 2020 (ohne Nummer) und in den Berichten 18, 558 und 560 sowie die Berichte 155, 156 und 309 zum Bau der Volkmarsbergstraße sowie auf der Website unseres Schwäbischen Albvereins.

Die Ursprünge des Volkmarsbergturmes — ein Vermessungsturm (Archiv Müller)

Der Turm mit erster Hütte — 1961 endete seine US-Besatzungszeit (Archiv Müller)
„s Bergheim“ – Gebäude im Turmweg 24
Erbaut wurde es während des 1000jährigen Reichs für 40 Tsd. RM im Jahr 1938 als HJ-Heim (HJ = Hitlerjugend). Es war damals das einzige im Altkreis Aalen. Auch Oberkochen hat eine gern vergessene braune Nazi-Vergangenheit. Die Mädels vom KHD = Kriegshilfsdienst belegten bis Kriegsende die oberen Räume. 1944 wurde daraus ein KLV-Lager für Kinder, die im Rahmen der KLV=Kinderlandverschickung zur Erholung aus zerbombten Großstädten aufs Land kamen. Als ich noch beim Leitz arbeitete, hatte ich eines Tages einen Vertreterbesuch. Nach Ende des geschäftlichen Gesprächs fragte er mich, ob ich das Bergheim kenne. Natürlich – als alter Sonnenbergler. Wir fuhren hinauf, er schaute sich alles an, zeigte emotionale Anzeichen der Erinnerung und sagte, dass er 1944 hier als Kind aus Stuttgart mehrere Wochen hergeschickt worden war. Der Krieg ging im Mai 1945 zu Ende. Jetzt bekam das Bergheim andere Gäste. Es wurde ein Männerwohnheim für Flüchtlinge, die hier oft ihre erste Anlaufadresse hatten. Wenn wir die alten Meldedaten anschauen, so war hier ein ständiges Kommen und Gehen. 1952 wurde am 10. Juni der erste Carl-Zeiss-Kindergarten dort oben eingerichtet. Nach dem Krieg nutzte auch die kath. und evang. Jugend diese Räume. Bis zur Einweihung des Rupert-Mayer-Hauses 1967 war dort auch der kath. Kindergarten untergebracht. Ein weiterer Einschnitt erfolgte im April 1958: Das Progymnasium als Außenstelle des Schubart-Gymnasiums zog mit einer Klasse ein und blieb bis 1962. Denn nun war das neue Progymnasium in seiner ersten Ausbaustufe fertig. Da aber manche Oberkochner Schulen zu klein waren, nutzten sie einige Räume bis 1971. Danach wurde das Bergheim Domizil der 1970 gegründeten Sonnenbergschule. Die Tage des Bergheims sind gezählt – der Abriss ist bereits beschlossen. An der Stelle sollen 3 Gebäude mit 20 Wohnungen und 1 Kanzlei entstehen.

1938: Richtfest des HJ-Heims am Turmweg 24 – ein geschichtsträchtiges Gebäude in Oberkochen (Archiv Müller)
„(Bernhards) Bernhärdle“ – Bernhard Brunnhuber aus der Heidenheimer Straße 55
Konschtrukteur mit Hut (in meiner Erinnerung oft mit Strohhut), Architekt im Nebenberuf und bekannt mit dem markanten Spruch „Kies – Ich komme” (aus dem Vatikan herkommend – nicht aus Rom, sondern aus „dr Gruab“). Er war der Vater vom „Bundes-Schorsch“ – unserem Ehrenbürger und Ex-Bundestagsabgeordneten Georg Brunnhuber. Die Verniedlichung mit dem schwäbischen „le“ wurde wohl notwendig, weil es noch andere Brunnhubers mit dem Vornamen Bernhard gab. Eine Zumutung war für ihn der Bodenrüttler (eine mächtige, sich bemerkbar machende Formmaschine) der Bäuerle-Gießerei. Um 6 Uhr morgens erwachte die Maschine und damit alle umliegenden Häuser. Da konnte es schon vorkommen, dass s‘ Bernhärdle erregt zum Fenster hinausrief: „Ei‘r Bude mach‘ I scho au no zua.“ Das dauerte aber bis 1974 und nicht Bernhard, sondern die Umstände, schlossen die „Bude“, also die altehrwürdige Gießerei. Wie das Bild beweist, war er ein begeisterter Bergsteiger und Bergwanderer. Er erkletterte sowohl die Zugspitze als auch den Watzmann. In den letzten Jahren war sein Wandergebiet das Zillertal. Dort war er mehrmals im Jahr und ist dort meistens von Hütte zu Hütte gewandert. Seine Geschwister waren „Bernhardsfranz, Bernhardsjosefine, Bernhardsanna, Bernhardspaul und Bernhardsmathilde“.

Bernhard Brunnhuber – s Bernhärdle aus em „Kies“ — die Berge waren seine zweite Heimat (Archiv Brunnhuber)
„Bernhards-Franz“ – Der alte Franz Brunnhuber der Zimmerei in der Heidenheimer Straße 82
Niemand sagte Franz Brunnhuber, sondern man bestellte die Kohlen beim „Bernhards Franz“. Der nachfolgende Chef, der auch Franz hieß, wurde nicht mehr so genannt. Dazu empfehle ich den Bericht 694 über den „Kies“.
„Bernhards-Michel“ – Michael Brunnhuber
Er war Bahnarbeiter und ist in den 1920er oder 30er-Jahren nach Unterkochen gezogen.
„Besenbinder“
In der kleinen Höhle unter dem Kreuz auf dem Rodstein hielt sich früher untertags ein Besenbinder namens Bösner auf. Er stellte Besen her und flocht Körbe. Hier und da soll er auch das Wild in Augenschein genommen haben, um sein kümmerliches Dasein durch einen saftigen Braten zu versüßen. Später handelte er mit Hafnergeschirr und wohnte im Haus des Landwirts Karl Hägele. Zwei seiner Töchter zogen nach Amerika, seine Familie gibt es in Oberkochen nicht mehr.
„Biathlon“ – einst eine Oberkochener Spezialität
Dieser Sport bleibt in Oberkochen auf immer mit der Familie Fickert verbunden. Biathlet Hartmut Arnold (geb. Fickert), Mitglied des TV Oberkochen, wurde 1976 in Ruhpolding Deutscher Jugendmeister – dreimal nahm er an der Weltmeisterschaft der Junioren teil. Er erinnert sich dabei an Zeiten seines Sportes in denen man „manchmal zwei Stunden lang überhaupt kein Publikum gesehen hat“. Seine Schwester Heidrun (heute Miese) war die erste Frau, die einen Biathlon-Wettbewerb absolvierte. „Das war damals schon ein echtes Kuriosum“, erinnert sie sich an ihren ersten Platz im Fünf-Kilometer-Sprint wie auch an ihre Teilnahme am berühmten Engadin-Skimarathon.
Die KI fasst das Ganze mal zusammen
Die Anfänge im TV Oberkochen
- In den 1960er Jahren war der TV Oberkochen ein klassischer Breitensportverein: Turnen, Leichtathletik, Skisport.
- Wintersport hatte in der Region Ostalb eine gewisse Tradition – Langlauf und Schießen waren populär, und genau hier entstand die Grundlage für Biathlon.
- Kinder und Jugendliche wurden früh an den Sport herangeführt, unter ihnen die Geschwister Hartmut und Heidrun Fickert.
Hartmut Arnold geb. Fickert – der Weg ins nationale Rampenlicht
- Geburtsjahr: 1958 in Ellwangen
- Schule: Bis 1974 Gymnasium Oberkochen, danach Jugenddorf-Christophorusschule in Berchtesgaden (Sportschule für Wintersportler)
- Verein: Seit 1963 Mitglied im TV Oberkochen, wo er seine sportliche Laufbahn begann
- Schon als Schüler am Gymnasium Oberkochen zeigte Hartmut großes Talent.
- 1976 gewann er in Ruhpolding die Deutsche Jugendmeisterschaft – ein Meilenstein für den Verein.
- 1977 folgte der Titel als Deutscher Juniorenmeister mit der Staffel.
- Damit war er einer der ersten Athleten aus Baden-Württemberg, der in der Biathlonszene bundesweit Beachtung fand.
Heidrun Miese geb. Fickert – Pionierin im Frauenbiathlon
- Während Biathlon für Frauen noch nicht olympisch etabliert war, wagte Heidrun den Schritt in diese junge Disziplin.
- Sie gehörte zu den frühen Athletinnen, die den Sport in Deutschland prägten – ein mutiger Weg, da Frauenbiathlon erst in den 1980er Jahren richtig Fahrt aufnahm.
- Ihr Engagement machte Oberkochen zu einem Ort, der gleich zwei Talente in dieser Sportart hervorbrachte.
Bedeutung für Oberkochen
- Auch wenn Oberkochen nie ein Biathlonzentrum wie Oberhof oder Ruhpolding wurde, brachte es durch die Fickerts zwei Namen in die nationale Szene.
- Der TV Oberkochen kann stolz darauf sein, dass seine Nachwuchsarbeit Athleten hervorbrachte, die überregionale Bedeutung erlangten.
- Für die Stadt bleibt die Biathlon-Geschichte ein Stück Identität: ein kleiner Ort, der durch seine Sportler Teil einer großen Tradition wurde.
Reichlich zur Geschichte des Wintersports bei uns gibt es in den Berichten 699 und 710.

Hartmut Arnold das Oberkochener Aushängeschild im Biathlon (Jubiläumsschrift T.V.O.)
„Biba“ – Eckart Irion aus der Dreißentalstraße 26
Er ist der jüngste Sohn des Apothekers Ulrich Irion aus der Volkmarsberg-Apotheke. Von Beruf Pflanzenzüchter, Landwirt, Forschungsleiter und ÖkoKontrolleur in Unterreit/Bayern (Hof Grub). Im Fernsehen (BR), in der Reihe „Unter unserm Himmel“ lief 2003/2004 ein Film über ihn mit dem Titel „Der Ährenmann “. In Oberkochen hielt er am 12. Mai 2005 im Schillerhaus einen Vortrag zum Thema “Dinkel und Emmer – fast vergessene Getreide“, zu dem er auch eigenes gebackenes Brot mitbrachte. Siehe auch Bericht 479.
In einer Beschreibung zu dem o.g. Film (ist auf You Tube bestimmt zu finden) heißt es:
„Eckart Irion ist ein besonderer Mann mit einem besonderen Beruf: er erforscht und züchtet neue Getreidesorten. Dabei arbeitet er nicht mit gentechnischen Methoden, sondern hält sich an das uralte Prinzip der Auslese. Und er hat ganz andere Ideale als die moderne Agrarindustrie, die darauf abzielt, einige wenige Hochertragssorten zu züchten, die möglichst universell einsetzbar sind und möglichst resistent gegen Ungeziefer und Krankheiten. Das lässt sich oft nur indirekt erreichen, indem man Resistenzen gegen bestimmte Herbizide, Pestizide und Insektizide erzeugt, also einen Chemieeinsatz mit einkalkuliert. Eckart Irions Ziel hingegen ist eine gesunde Landwirtschaft – ohne schädliche Chemie. Er setzt auf die Steigerung der natürlichen Widerstandskraft, die er durch eine jahrelange gezielte Auslese der besten und kräftigsten Pflanzen erreicht. Natürlich geht es auch ihm um eine Steigerung des Ertrages – allerdings nicht um jeden Preis. Der Standort ist dabei ein entscheidender Faktor: je nach Bodenbeschaffenheit, Lage und Klima sind andere Getreidearten geeignet, und so züchtet Eckart Irion viele verschiedene Sorten mit spezifischen Eigenschaften: neben Roggen, Weizen und Hafer neuerdings auch den Emmer, eine rund 8.000 Jahre alte heimische Weizenart, die irgendwann in Vergessenheit geraten ist.“
Ab 2010 Aufbau der Beratungsstelle für Reinkarnationsarbeit und Beziehungsfragen im Lebendigen.
Im Jahr 2021 erhielt er die bayrische Staatsmedaille für sein Lebenswerk im Öko-Landbau.
Vita Eckart Irion
(Quelle BESQUATI ‑Eckart Irion — Beratungsstelle für Reinkarnationsarbeit und Beziehungsfragen)
- Etappe: In den ersten 15 Jahren meines Lebens waren Garten, Wald, Natur für mich sehr wichtig. Dann kam die Phase, wo mich das Menschen-Sein immer mehr interessierte und beschäftigte. Vor und nach dem Abitur führten mich meine Wege bei Pädagogik, Psychologie, Medizin, Musik vorbei, freudige Wege, verschlungene Wege oder auch Sackgassen – es waren meine Wege.
- Etappe, ab 1974: Landwirtschaftsstudium an der Universität Hohenheim, Fachrichtung Pflanzenbau, Spezialisierung Pflanzenzüchtung. Andere Gesichtspunkte hinzunehmen, aus einem anderen Blickwinkel hinschauen, war schon damals mein Anliegen: Im biodynamischen Landbau fand ich diese Ergänzungen – das Thema lautete, den Blick weiten.
- Etappe, ab 1979: Beruflicher Einstieg in die biodynamische Pflanzenzüchtung, Einarbeitung in die Roggen- und Weizenzüchtung bei Ilsabe Mutzenbecher und Selbständig-werden in Hof Grub, d.h. Pflanzenzüchtung innerhalb eines biodynamischen Hofes: Es ist ein faszinierender Vorgang, man hat die Ernte vor sich liegen, Körner und Ähren von verschiedenen Pflanzen und Linien, wählt aus, was man haben will, wo innere Energie vorhanden ist. Man bereitet den Boden für die Aussaat vor, sät die Samen aus, d.h. man legt die Samen — und das sind lebendige Impulse — in die Erde, übergibt sie dem Leben der Erde. Sie lässt es wachsen und man selbst begleitet es liebevoll, erlebt wie die Fülle des Sommers heranwächst und in der Reife sich konzentriert, zusammenzieht.
- Etappe, ab 2008: Berufliche Krise, Hindernisse auf meinem Weg, das heißt, innehalten, hinschauen, hinhören, den Blick weiten, wie kann das Bisherige sich verwandeln: Ausbildung in Reinkarnations-therapie bei Gabi und Mathias Wendel in München.
- Etappe, ab 2010: Aufbau der Beratungsstelle für Reinkarnationsarbeit und Beziehungsfragen im Lebendigen. Die Erdung = Arbeit an der Erde und an den Pflanzen bleibt, wenn auch in kleinerem Umfang.

Eckart „Biba“ Irion – ein Sohn des ersten Apothekers in Oberkochen – Ulrich Irion (Archiv Irion)
„Biebe“ – Günther Harner aus dem Heckenrosenweg 5
Das Boxen in Oberkochen erlebte in den 60ern eine Flaute. In den 70er ging es mit den Neuzugängen vom VfR Aalen — die Gebrüder Peter und Erich Schichta, Günther Harner und Helmut Rudat an vorderster Front – wieder aufwärts. Es kam wieder Leben in den Ring und 1973 beherrschte der BCO eindeutig die Box-Szene im Ländle. Der BCO war in die Bundesliga aufgestiegen.
Die KI weiß dazu folgendes: „Günther Harner, ein Name, der in der Welt des Boxens widerhallt, hat einen unvergesslichen Eindruck im Sport hinterlassen. In der Blütezeit des Boxens in Oberkochen, den 70er und 80er Jahren, füllte der Boxclub Oberkochen (BCO) Hallen und Arenen. Unter den bemerkenswerten Boxern befanden sich Günter Harner und Helmut Rudat, die an vorderster Front standen.“ Sein Sohn Michael ist ausgebildeter Osteopath mit eigener Praxis in Aalen. Davor begleitete dieser einige Jahre lang als persönlicher Physiotherapeut den Formel-1-Rennfahrer Michael Schumacher.
„die Bielitzer“ – vertrieben aus ihrer Heimat und in Oberkochen heimisch geworden
Dazu schrieb der bekannte Robert Michalik die Berichte 279 und 280. Daraus ein paar Auszüge: „Bielitz-Biala war eine schlesische Kreisstadt und eine deutsche Sprachinsel in der ehemaligen Monarchie Österreich-Ungarn. Die Stadt liegt am Nordrand der Beskiden, dem nordwestlichen Ausläufer der Karpaten. Das Grenzflüsschen Bielke trennte das österreichische Schlesien und Galizien und bildete die Volksgrenze. Bielitz blieb die einzige deutsche Stadt mit überwiegend deutscher Bevölkerung in Polen bis zum Kriegsbeginn im Jahr 1939. Da die Russen kurz vor der Stadt standen, wies man die Firma an, Teile dieser Produktion nach Oberkochen auszulagern. In den Kriegsjahren arbeitete die Produktion (Lafettenbau) der Firma J. A. Bäuerle teilweise mit der Fa. Gustav Josephy in Bielitz zusammen. Einige Betriebsangehörige von Oberkochen hatten zuvor die Firma Josephy in Bielitz besichtigt. In großen Kisten wurden viele Geräte, Maschinen und Material für den Lafettenbau von Bielitz nach Oberkochen transportiert. Eine Gruppe von 14 Facharbeitern kam Ende Februar 1945 hier an. Ein kleiner Stab von Ingenieuren, Technikern und Meistern war schon zuvor als Vorkommando angekommen. Die zugereisten Facharbeiter waren mit Marschbefehl ausgerüstet; sie hatten den Befehl, nach Ankunft in Oberkochen sich sofort zu melden und die Produktionsarbeit aufzunehmen. Die Neuankömmlinge, es war der 14. Februar 1945, erhielten in der Kantine der Fa. Bäuerle ein warmes Mittagessen. Zum Übernachten waren im Saal des Gasthofs »Grüner Baum« Stockwerkbetten als Notlager für die erste Zeit aufgeschlagen. Die Pächterfamilie Betz bemühte sich, den Bielitzern den Neuanfang zu erleichtern. Auch der damalige Bürgermeister Heidenreich war den Bielitzern in allen Belangen sehr behilflich. Im Lauf der Tage kamen weitere Personen aus Bielitz an. Ich möchte nun einige Namen von Personen nennen, die seinerzeit allein oder im Rahmen der Familienzusammenführung hierher nach Oberkochen kamen und größtenteils in unserem Städtchen oder dessen Umkreis die zweite Heimat gefunden haben.
Es waren bis 1946, (vor 80 Jahren) die Familien Urbanke, Bathelt, Mickler, Michalik, Stana, Walloschke, Dubiel, Scharek, Piesch, Böhn, Englert, Homa, Janotta, Schwarz, Zipser, Hess, Staschek, Steckel, Wenzel, Jakobschy, Schymik, Zender, Bartelmuss, Lehrer, Gürtler, Kaiser, Biesok, Kwasny, Buchmann, Woldschläger, Niesyt, Jenker u. a.“
„Bier iiiebr d Schtroaß“ – offenes Bier über die Straße verkaufen
Im Mittelalter, tranken viele Menschen Bier nicht aus Genuss, sondern weil es gesünder war als Wasser. Das sogenannte Dünnbier war nahrhaft, kräftigend und deutlich unbedenklicher als Brunnen- oder Quellwasser. Heute bekommen die Brauereien Probleme, weil nicht mehr genug Bier getrunken wird. Wir schauen uns aber die Zeit an, als man Bier wegen des Genusses trank.
Früher, also viel früher, eher ganz früher, also vor ganz langer Zeit, war es noch üblich das Bier „offen“ zu holen. Meist wurden die Buben mit einem Bierkrug losgeschickt, um das Feierabend-Bier zu holen.
Josef Wunderle weiß, dass im Sommer die Buben mal den Schaum vom kühlen Bier getrunken haben, so dass der Ehle (oder Ähle) den Schwund sehr wohl bemerkte und die Buben nochmals zum Wirt rüberschickte und nachschenken ließ.
Josef „Sepp“ Merz erzählte mir einst die Geschichte vom „Wasser“alfinger Bier: Früher konnte man in verschiedenen Gasthäusern an einem Schalter Fassbier im Krügle kaufen. Auch ich musste ab und zu mal für meinen Opa im „Grünen Baum“ Bier holen. Damit meinem Opa nichts passiert, habe ich immer einen kleinen Probeschluck genommen – denn ich war ja sein persönlicher unbekannter Vorkoster. Zwischen dem „Grünen Baum“ und dem „Sparkassen-Wingert“ verlief ein kleines Gässchen zum dortigen Schlachthaus. Da konnte ich an einem Wasserhahn das verbliebene Bier wieder auffüllen. Zuhause, als Opa das einwandfrei getestete Bier probierte sagte er weise und vielsagend: „Hesch m’r heit‘ wiedr a WASSER-alfinger broacht?“
Auch Reinhold Bahmann woiß ebbes: Das „Rössle“ ist stark mit meinen ersten Kindheitserinnerungen verbunden. Musste ich doch abends für meinen Goldenbauer-Opa eine Maß Bier holen. Dazu gab es ein kleines Fenster durch den man mitgebrachten Krug hineinreichte und aus dem der volle Krug wieder herausgereicht wurde.
Brandstetters Bruno erinnert sich, dass gelegentlich auch Bier im Café Gold in Milchkannen geholt wurde, wenn es ein Familienfest gab.
Jürgen Kempf schickte mir aus seinem Archiv eine Karte adressiert an „Herrn Maier z. Rößle
in Königsbronn“ mit folgendem Text:
„Schicken Sie mir heute Donnerstag Abend Bier nicht wie das letztemahl es ist ganz warm angekommen so kann ich keins mehr verkaufen — K. Gold“
Der Ton des Wirtes K. Gold (Gaststättenzuordnung ist unklar) ist etwas gereizt, aber damals war es ja nicht einfach, Bier zu kühlen und trotzdem wollte niemand warmes Bier. Die Postkarte ist nach dem Poststempel in Oberkochen am 30.08.1894 abgeschickt worden und noch am gleichen Tag laut Ankunftsstempel in Königsbronn angekommen. Leider wissen wir nicht, ob es mit dem „Rößle“ zu einer Einigung gekommen ist.
Und wenn ich etwas aus den Zeiten brauche, an die keiner mehr denkt, dann ist Joachim „Schreiberle“ Fischer der richtige Mann, in diesem Fall aus dem Jahr 1747, als die Gemeinde noch konfessionell geteilt war. Die damalige Sprache, schlichtweg eine Herausforderung (wie mögen einst unsere Nachfahren sprechen). Es wurde eine gerichtliche Befragung durchgeführt. Es ist nicht ganz klar was verboten war. Ging es um fehlende Konzessionen oder war das Problem, dass evangelisches Bier aus Königsbronn im katholischen Teil Oberkochens verkauft wurde?
Verbottenes bier abhollen bey Melchior Schneider württembergisch zu Oberkochen:
Nachdem bei Amt glaubbahr vorgekommen, welcher gestalten? sich einige Unterthanen unterfrechet, wider das herrschaftliche Verbott a: 1 fl 30 x von dem württembergischen Bürgermeister Melchior Schneider kein solches Bier, so er von Königsbronn nach Oberkochen überführet, aus seinem Haus über Gasse zutrag, vihl weniger in denselben zur zechen, und nun nachfolgendte Unterthanen vergleichen unterzogen haben sollte, als wurden selbe folgendter vernohmen, und zwarn
Georg Schaupp Es seye wahr, das Bier abholen lassen, alleinig erhoffe er eine gnädige Straf
Caspar Gold Er habe ein halbes Bier bei dem Schneider getrunken, gestallen? er dem Leonhard Schneider bey dem Schneider wegen Verfertigung eines Bachofen gesuhet und der Schneider ihme befraget, ob ihm ein halbes Bier beliebte, worüber er ihm eines bey bringen lassen.
Franz Bezler Er habe zwar keines abgeholet, wohl aber des Schneiders Weib ihm dergleichen selbsten in das Haus gebracht.
Ernst Eyresser Ja, habe eines holen lassen weilen der Michael Bezler liederliches Bier braue.
Johannes Gold Habe allda gezecht mit dem Flurer und zwar nur ein halbes Bier.
Franz Küninger Ja, habe dergleichen abholen lassen.
Jerg Wöhrle Ist ganz berauschet und vor Amt dessertwegen nicht erscheinen können solle jedoch Bier abgeholet haben so er Confirmiret.
Johannes Bezler gestehe er das er alda bey einem Leib kauff gewesen, allein seye er ein armer mann und nichts im Vermögen mithin kein Gelt da vorgegeben
Caspar Burr Er habe kein Bier hollen lassen, wohl aber habe er alda einen Brandwein, und mit nichten Bier getrunken
Anton Veil Er habe keinen Tropfen weder getrunken noch holen lassen, der württembergische Jäger ware in seinem Haus gewesen, welcher durch seine Baas 3 Maas bier in sein Haus bringen lassen
Andreas Fischer Ja, könne es nit laugnen, weile er ein Nachbaur? seye
Caspar Schnepf Er habe dem Schneider geschaffet, und alda ein Glas Brandwein und Bier bei ihm getrunken
Franz Veil Ja, habe eines holen lassen weilen sein Weib als ein Kindbetterin solches ?er-dulten können
Leonhard Schmid Habe zum öfteren alda getrunken
Melchior Trittler Ja, habe alda Bier abholen lassen
„Bierhallawirt“ – Anton Fischer aus der Heidenheimer Straße 71
Die „Bierhalle“ ist die älteste Wirtschaft in Aalen und einer der Pächter war Anton Fischer. Er wohnte unter dieser Anschrift (dem früheren Mauser-Haus). Der Name ging auf die Kinder über z.B. auf seine Tochter Maria, die dann „Bierhallawirts-Maria“. Anton verunglückte tödlich an dem nahegelegenen Bahnübergang (heute nicht mehr vorhanden).
Die Geschichte der Bierhalle geht bis in das Jahr 1686 zurück. Balthasar Simon benannte seine Brauerei damals „Grüner Baum“. Seine 3 Söhne nannte er, nach den Hl. Drei Königen, Caspar, Melchior und Balthasar. Auch Christian Daniel Friedrich Schubart verkehrte hier. 1816 verlegte Johann Georg Simon seine Brauerei nach Ellwangen. Neuer Chef wurde ein Wagenseil aus Bopfingen. Das Gebäude kam durch Erbschaft in den Besitz der Fam. Böhringer und durch Heirat an den Bierbrauer Christian Schmid vom Sophienhof (bei Essingen). Seit 1876 wurde erstmals der Begriff „Bierhalle“ verwendet. Um 1901 übernahm der Oberkochener Anton Fischer die Bierhalle und sorgte für die damalige Zeit für traumhafte Umsätze – in Jahr 1908 stehen 1.000 Hektoliter zu Buche. Der bekannteste Pächter war vermutlich der einst stadtbekannte Kroate „Dodo“, der ab 1990 rund 25 Jahre lang das Wirtshaus führte. Mehr Infos unter dem Link Bierhalle — Bar NOIR — Kocherbote (bierhalle-aalen.de) und in dem herausragend gestalteten Buch „Bürger Bauer Stammtischhocker“ von Erwin Hafner (leider vergriffen).

Die Bierhalle in der Aalener Fußgängerzone hat auch eine Verbindung zu Oberkochen (Archiv Müller)
„Bierhallawirts-Rosa“ – Rosa Wunderle aus der Heidenheimer Straße 70
Vorstand des Frauenchors beim Sängerbund und Frau von Franz Wunderle.
Jetzt erscht a Bier ond nao gat’s weitr – „Billie vom Sonnenberg“