„1. Mai und Maiwanderung“
30. April: In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai wurden gerne Aktionen durchgeführt. Lustige, grenzwertige, aber auch zerstörerische. In früheren Zeiten wurden ganze Heuwagen auseinandergenommen und auf dem Dach des zu Belustigenden wieder zusammengesetzt. Es wurden Gartentürchen und Gartenbänke verschleppt und versteckt und auch Piratenflaggen auf Schulgebäuden gehisst. Auch das Stehlen des Maibaums war eine Zeitlang angesagt. Aber wie das so im Laufe der Zeit ist, heute ist Kreativität selten geworden und die zerstörerische Wut kann dafür bestaunt werden. 2025 wurde einfach kurzerhand ein privater, von Kindeshand erstellter, Maibaum umgesägt. In Berlin und Hamburg sind inzwischen extreme Ausbrüche die Regel geworden.
Diese Nacht ist übrigens auch die Walpurgisnacht, in der die Hexen mit dem Besen auf den Blocksberg flogen. Wir haben zwar auch einen „Hexafelsa“ – aber dort wurden noch keine fliegenden Besen beobachtet.
1. Mai: Wenn alle die Nacht gut überstanden hatten, hat man sich in Gruppen zusammengefunden, um eine Maiwanderung zu starten. Die gingen überwiegend in die nähere Umgebung wie Tauchenweiler, Nietheim oder zur Theres nach Niesitz. Und immer das Lied auf den Lippen „Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus“. Wie oben angedeutet sind es heute eher die Autonomen, die ausschlagen.
„Die 11er Fête“ – eine damals übliche Veranstaltung, um die Studienfahrt zu finanzieren der 11ten Klasse des hiesigen Gymnasiums. Aber im Jahr 1988 haben sie es richtig krachen lassen. Der damalige Klassensprecher war Ralf Kürbitz. Er und seine Klasse schafften es, den SDR3 nach Oberkochen in die Schwörz-Halle zu holen. Am 5. November 1988 wurde von 18:30 Uhr bis 24:00 Uhr gefeiert, wobei die SDR-Fête von 20 Uhr bis 23 Uhr live sendete. Bei den Planungen ging man von rund 2.000 Besuchern aus. Es spielte die Band „Fusion“ für einen Eintritt von 4 DM. Natürlich ging das nicht ohne Auflagen der Stadt. Ich will hier nur einige knackige Punkte aufzählen und vermute, dass sich das heute niemand mehr zutrauen würde:
- Das Gymnasium haftet für alle Schäden im Rahmen der Veranstaltung
- Ein Bodenbelag muss extra verlegt und am Ende wieder entfernt werden
- 10 volljährige Ordner für die Eingangskontrolle
- Absolutes Rauchverbot
- Stromkosten bezahlt der Veranstalter
- Brandsicherungswache auf Kosten des Veranstalters
- Lehrer Hans-Peter Grimm ist die verantwortliche Person seitens der Schule

Eine Mega-11er Fête des Gymnasiums, die live im Radio lief (Archiv Rathaus)
„dr 30jährige Krieg“ - 1618 bis 1648
Eine beliebte Frage an Schüler lautete: „Wie lange dauerte der 30jährige Krieg“ und die Antworten waren tlw. mehr als erstaunlich, besser gesagt befremdlich. Es war ein Konflikt um die Hegemonie im Heiligen Römischen Reich und in Europa, der als Religionskrieg begann und als Territorialkrieg endete. Als Auslöser des Krieges gilt der Prager Fenstersturz vom 23. Mai 1618. Die Kriegshandlungen und die durch sie verursachten Hungersnöte und Seuchen hatten ganze Landstriche verwüstet und entvölkert. In Teilen Süddeutschlands überlebte nur ein Drittel der Bevölkerung. Insgesamt sind wohl 40 % der Landbevölkerung umgekommen. Die Verheerungen bei uns begannen erst 1631/1632 und erreichten 1634 ihren Höhepunkt, als 70.000 Soldaten im Zusammenhang mit der Schlacht bei Nördlingen unsere Gegend heimsuchten. Im Jahr 1629 wohnten in Oberkochen 370 Menschen in 57 Häusern. Kaum 60 davon überlebten Pest, Hunger und Krieg.
„d Abodeek“ – Gibt‘s nemme: Die erste Apotheke im Brunkel
Bevor bei uns die erste Apotheke am 1. Oktober 1950 eröffnete, musste Medizin von auswärts beschafft werden. Kaspar Scheerer, der Mühlen-Besitzer ließ im Kapellenweg 7 ca. 1947 ein Haus bauen. Gebaut hat das Haus die Baufirma Wingert u.a. mit den Mitarbeitern Hubert Wunderle und Josef Bihlmaier. An diesem Ort ließ sich der Apotheker Ulrich Irion nieder, bevor er 1952 im Dreißental die „Volkmarsberg-Apotheke“ eröffnete. Mein Schulfreund Hartmut Kratzsch (heute Wätzel) und sein Bruder Gernot wohnten mit ihren Eltern einst zeitweise in diesem Haus. Im Frühjahr 2024 wurde es abgerissen, um Platz für das neue Blaulichtzentrum zu schaffen. Eine weitere Apotheke wurde 1964 von Werner Mögel unter dem Namen „Kochertal-Apotheke“ in der Heidenheimer Straße 16 gegründet. Seine Jahreskalender mit Oberkochener Motiven sind bis heute unvergessen.

Die erste Apotheke in Oberkochen befand sich in diesem Haus im Brunkel – Abriss 2024 (Archiv Müller)
„hiesiger Adel“ – gibt’s tatsächlich
- Brigitte Gräfin Adelmann von Adelmannsfelden:
Brigitte Tischer, eine Tochter von Emil und Waltraud Tischer aus dem Silcherweg 2, die Nikolaus Graf Adelmann heiratete und wohl in Hohenstadt wohnt.
- Reichsfrau Ruth Speth von Schülzburg
geb. 1915 gest. 1998 (letzte Ruhestatt auf dem städtischen Friedhof Oberkochen) wurde in Waterberg (Südwestafrika) geboren. Ihr Vater war der Freiherr Otto Reinhard Freiherr Speth von Schülzburg, geb. 1883 zu Schöntal (Kreis Schwäbisch Hall) und gest. 1945 in Berlin. Dessen Vater Johann Baptist Freiherr von Schülzburg geb. 1846 auf der Schülzburg gest. 1909 in Ellwangen war Königlicher Förster im Ellwängischen (Forsthaus Hohenberg). Wenn man die Linie immer weiter zurückgeht, landet man bei Albrecht Speth von Schülzburg, der die Burg 1452 erworben hatte. Ein Sohn der o.g. Reichsfrau ist der frühere kfm. Ausbildungsleiter von Carl Zeiss und ehemalige Stadtrat Hartmut Müller. Gemäß den gültigen Gesetzen hätte er einen Anspruch auf diesen Namen geltend machen können.
- Hans Udo von Schulz. Über ihn konnte ich nur in Erfahrung bringen, dass er einst in der Frühlingstraße 2 wohnte (also in dem Haus, in dem ich heute wohne) und 1975 mit Frau Sophie in die USA ausgewandert ist.
- Freiherr von Ledebur, Ingo. Ledebur (auch Ledebuer oder tschechisch Ledebour) ist der Name eines alten westfälischenAdelsgeschlechts, das mit Wicbertus Lethebur, Ministerialer des Bischofs von Osnabrück, im Jahr 1195 erstmals urkundlich erscheint und auch die Stammreihe Auch schon lange weggezogen.
- Erich von Heintschel-Heinegg, von Beruf Verkaufspsychologe, zieht 1976 vom Tiersteinweg 5 nach Niederstotzingne
- Friedrich August Diepold Leopold Alfred Freiherr von Köckritz. Da habe ich keine Daten mehr gefunden, vermute aber, dass auch er in den 70erm weggezogen ist.

Freifrau Ruth Speth von Schülzburg — Die Mutter von Hartmut Müller (Archiv der andere Müller)
„Ähle“ vielleicht doch eher „Ehle“ – Josef Fischer aus der Katzenbachstraße 31
„Ärmle“ – Adolf Fischer aus der Dreißentalstraße 13
Bruder vom Karl Fischer „Napoleon“. Er hatte eine Holzprothese, also „n Holzara“ (Holzarm).
„Albturm“ – erst in Heubach und dann in Oberkochen gescheitert
Das Projekt wurde im Jahr 2017 unter dem damaligen Heubacher Bürgermeister Frederick Brütting ins Leben gerufen. Entworfen hat den Turm der Heubacher Prof. Jürgen Graf, der an der TU Kaiserslautern das Fachgebiet Tragwerk und Material leitet. Mit über 61 Metern wäre der Albturm der größte Holzturm Deutschlands geworden, errichtet aus speziellem Buchenholz. Für Heubach bzw. Oberkochen waren mindestens 13 Millionen Euro veranschlagt, vermutlich wären es deutlich über 15 Millionen geworden. Von einer notwendigen Infrastruktur wie Parken, Essen, Personal u.a.m. mal ganz abgesehen. Gottseidank gab es an beiden Orten einen Rückzieher.
„Alemannischer Friedhof“ – von der Frühlingstraße bis vor die Försterstraße
1980 wurden beim Bau des Stelzenmüller-Hauses in der Frühlingstraße 3 menschliche Überreste gefunden. Flugs erging ein Baustopp und die Archäologen übernahmen die Regie. Aufgrund der neuen Erkenntnisse und den bereits vorliegenden ergibt sich womöglich die Größe eines Friedhofs mit bis zu 1000 Gräbern. Bisherige Erkenntnisse:
- Keltenstraße Haus Nr. 8: Beim Bau dieses Hauses wurden um die vorletzte Jahrhundertwende zum ersten Mal Knochen zu Tage gefördert. Man hielt diese Gräber damals für keltisch und benannte die Straße nach den vermeintlich keltischen Ur-Oberkochenern.
- Dreißentalstraße Haus Nr. 17: Beim Bau der Wasserleitung wurde 1922 zumindest ein Reihengrab angeschnitten und untersucht.
- Keltenstraße Haus Nr. 7: Im Jahr 1922 wurden beim Bau sehr viele Knochen gefunden. Man schenkte der Sache keine große Beachtung und ließ alles mit dem Bauaushub abfahren.
- Dreißentalstraße Haus Nr. 15: Bei einer nachträglichen Unterkellerung fand man einige Knochen.
- Jägergässle Haus Nr. 9: Beim Bau des Hauses, im Jahr 1937, wurden sieben Reihengräber angeschnitten. Der Fund wurde ordnungsgemäß dem Landesdenkmalamt gemeldet.
- Feigengasse Haus Nr. 9: Beim Bau im Jahr 1938 wurden ebenfalls menschliche Knochen gefunden. Da es aber außerhalb des Gräberfeldes liegt, wurden sie bisher nicht mit einbezogen.
- Dreißentalstraße 22 (altes Kino): Beim Bau des Kinos im Jahr 1952 sollen angeblich Pferdeknochen gefunden worden sein. Nur die obersten und reichsten Alemannen wurden mit ihren Pferden beigesetzt. So hat es den Anschein, dass an dieser Stelle ein bedeutender Alemanne seine letzte Ruhe fand.
- Keltenstraße Haus Nr. 16: Beim Bau des Wohnhauses im Jahr 1956 wurde verschiedene Reihengräber gefunden und dem Landesdenkmalamt gemeldet.
- Keltenstraße zwischen Haus Nr. 8 und 14: Beim Bau von 5 Garagen stieß man 1956 auf einige Skelette.
- Keltenstraße zwischen den Garagen und Haus Nr. 16: Fund von weiteren Skeletten im Jahr 1957 beim Ausheben eines Kanals.
- Keltenstraße Haus Nr. 9 und 13: Nichts ganz gesichert sind Funde im unbebauten Grund zwischen beiden Häusern.
- Frühlingstraße Haus Nr. 3: Im März 1980 wurde in Hüttlingen in einem Erdaushub von spielenden Kindern ein Totenschädel gefunden. Das Landesdenkmalamt nutzte die Chance für eine große archäologische Aktion. Man ging davon aus, dass allein auf diesem Grundstück bis zu 60 Gräber zu finden gewesen wären.
Abschließende Anmerkung: Beim Bau der neuen Dreißentalhalle wurden zur Erleichterung der Stadt keine weiteren Gräber entdeckt.

So könnte der große alemannische Friedhof ausgesehen haben (Archiv Rathaus)
Was die Zaungäste bei der Ausgrabung so alles von sich gaben:
- Onda isch’s Gebiss ja guat, abr obarom sieht‘s aus wi a Gardazau
- Des Gebiss muass schleinigscht zom Zaharzt
- Dia hent domaols au scho Plattfiaß ghett
- Des isch a Weibsbild gwäsa, des siesch glei, dui het no em Tod s Maul offa
- Guck amoal, wie dui d‘ Klapp aufreißt, dui het bestemmt von ihrem Ma zum Abschied no ois mit dr Broatpfann auf n Deckl kriagt
- Mensch, hoat dui d‘ Gosch weit offa, dui het sicher em Kirchchor mitgsonga ond hot s Hohe C et recht verwischt
- Wia lang dent se scho an dem Weibsbild rom? Waas? Drei Däg? J , mit dene Weiber hot mr ällemoal s moischt Gschäft
- Des kennt scho au a Zeissianer gwäsa sei, mit dere groaßa Klapp
- Dui bewegt sich ja no
- Dia hent nex me zom Lacha
- Dao guck, so liagsch halt rom
- So siehsch in 1200 Joar au aus. Bloß suchet se di gwieß et. Ond wen se di suachat ond au no fendat, no wisset se et wer du bisch, mach auf jeden Fall amoal d‘ Hundemark an de no
- Dao guck na, so kloi gasch zemma; wenn’d rauskommsch goasch en zwoi Blaschdigbeitl nei.
- Send des Ihre Ondrmieder Herr Stelzamiller
- Am Grab 33 dauerte es beonders lange: Ha, do hent se bestemmt a Schwiegrmuadr nei, dia hent se fiar au scho bsonders diaf vrscharrt
„(alt)deutsche Schrift“
als Sammelbegriff für einige gebrochene Schriften verwendet, mit denen vom 16. bis zum 20. Jahrhundert deutsche Texte bevorzugt geschrieben und gedruckt wurden, oder dient als Name einer dieser Schriften. Die altdeutsche Schrift umfasst verschiedene Schriftarten, die sich vom frühen Mittelalter bis zur Neuzeit entwickelten. Die altdeutsche Schrift, auch bekannt als Kurrentschrift oder Frakturschrift, entwickelte sich über Jahrhunderte und wurde bis ins 20. Jahrhundert verwendet. Die bekannteste Form ist die Sütterlinschrift, die 1911 von Ludwig Sütterlin im Auftrag des preußischen Kultusministeriums entwickelt wurde. Diese Schriftart wurde bis 1941 in Schulen gelehrt und ist heute noch älteren Menschen bekannt.
In Bezug auf Schreibschrift wird auch die Bezeichnung deutsche Schreibschrift, je nach Zusammenhang sowohl als Sammelbegriff als auch als Einzelname verwendet. Nach dem II. Weltkrieg wurde in den Schulen die sog. Lateinische Ausgangschrift gelehrt. Wir wurden 1959 eingeschult und irgendein Oberschlaule am Kulturministerium in Stuttgart setzte durch, dass wir in der 3. oder 4. Klasse (also 1962/63) beim jüngst verstorbenen Lehrer Albert Gunzenhauser die Deutsche Schrift zusätzlich lernen mussten. Geschadet hat es nicht, kann ich doch bis heute einigermaßen alte Texte lesen, wenn die Handschrift nicht zu kreativ war. Mit der Frakturschrift in alten Büchern habe ich hingegen überhaupt kein Problem. Die Fraktur (von lateinisch fractura „Bruch“, seit Mitte des 15. Jahrhunderts auch „gebrochene Schrift“) ist eine Schriftart aus der Gruppe der gebrochenen Schriften. Sie war von Mitte des 16. bis Anfang des 20. Jahrhunderts die meistbenutzte Druckschrift im deutschsprachigen Raum, in Konkurrenz zur Antiqua.
„Allein gegen Alle – Oberkochen ist eine unschlagbare Rätselstadt
Ein ganz besonderer Tag war Samstag, der 25. Mai 1974. Wir waren bundesweit im Radio, und zwar als städtischer Teilnehmer in Hans Rosenthals Ratequiz „Allein gegen alle“. Bürgermeister Gustav Bosch bat um rege Beteiligung seiner Einwohnerschaft. Vereine und Schulen wurden gebeten interne Rateteams zu bilden, alle Einwohner mögen das Radio einschalten. Wir gewannen die erste Runde mit 5:1. In Runde 2 gewannen wir am 29. Juni mit 4:2 und in der letzten Runde am 31. August gar mit 5:0 und dürfen uns seitdem mit diesem Titel schmücken. Mehr Details über Teilnehmer und beantwortete Fragen findet ihr im Bericht 714.
„Altersgenossen“ – Freundeskreis
Vorsicht – nicht lachen, jetzt kommt die offizielle Herleitung: „Determinativkompositum aus den Substantiven Alter und Genosse sowie dem Fugenelement -s.“ Des lernsch et amoal auf em Gymnasium. Menschen des gleichen Jahrgangs organisieren sich oft in Vereinen, den sog. AGVs. Bei uns hatte das früher einen deutlich höheren Stellenwert als heute. Spätestens zum 40er-Fest war eine solche Verbindung angesagt. Im Amtsblatt wurden jährlich zu runden Jubiläen wie 40er‑,50er‑, 60er- und 70er- oder gar 85-Feiern Berichte mit Fotos veröffentlicht. Zu erwähnen wäre hier noch das Schwabenalter – 40! Für Frauen gilt das eh nicht, denn die send scho emmer gscheid ????. Die Hochburg der Altersgenossenfeste, besonders des 40er-Festes, befindet sich in Schwäbisch Gmünd.
Das Ganze geht zurück auf Johannes Böhm, genannt Bohemus (~1485–1533/1535), einen der ersten deutschen Volkskundler und Ethnografen. Er schrieb in seiner 1521 erschienenen Beschreibung der Sitten und Gebräuche aller Stämme (Omnium gentium mores et ritus) über die Schwaben: Sero respiscunt – frei übersetzt: „Sie kapieren spät“ und begründete damit dieses Vorurteil, das sich hartnäckig über die Jahrhunderte hielt.
Dr Schwoab, der wird mit vierzig gscheid,
Dr andre et in Ewigkeit!
Ond so a Joar isch ganz schnell rom,
Ond I vielleicht scho wieder domm.
„Alt-Oberkochen“
Es gab eine Langgass mit dem Kies, eine Kirchgass mit dem Roasch, den Katzenbach und den Brunkel und das Feigen- und Jägergäßle mit dem unteren Dreißental hingen so an der jeweiligen Seite und a bissle was dromrom. Das war das Dorf am Kocher. Es wusste noch nicht, dass die Eisenbahn, Autos, Fabriken und die Folgen verlorener Kriege mit Vertriebenen und Flüchtigen sowie einer Firma aus Jena das Dorf in die Neuzeit katapultieren würden. Und heute suchen wir aufwendig nach Schnipseln aus der sog. guten alten Zeit, die nie wirklich gut war. Bei allen Recherchen müssen wir immer achtsam sein, dass wir nicht einer heimeligen Romantisierung anheimfallen, denn je größer der Zeitraum zwischen Erinnerung und Erlebtem wird, umso größer besteht die Gefahr „dass doch alles so toll und so viel besser als heute gewesen sein soll“.
Dazu gab es im Laufe der Jahrzehnte einige Veröffentlichungen:
- „Sitten und Bräuche“ – von Karl Günther (gest. 1934) und Alfons Mager (gest. 1946)
- „Heimatbüchlein“ – von Franz Balle im Amtsblatt des Jahres 1953
- „Bilder aus Oberkochen“ – von Karl Friedrich Fischer im Amtsblatt 1958
- „Unsere kirchliche Heimat“ – von Pfarrer Rudolf Hager aus dem Jahr 1955
- Von alten und armen Zeiten – Gustav Bosch im Amtsblatt 1958
- Geschichten und Sagen in Oberkochen und Umgebung – im Amtsblatt von Alfons Mager
- Brauchtum um die Kirchweih in Oberkochen – im Amtsblatt von Franz Balle
- Oberkochener Fastnet vor 50 Jahren (1900) – im Amtsblatt von Franz Balle
- Oberkochener Bräuche in der Karwoche – im Amtsblatt von Franz Balle
- Die württembergische Zollstation in Oberkochen – im Amtsblatt von Wilhelm Schneider
- Die verschiedenen „Einwohnerbücher“ ab 1959 – der Gemeinde bzw. der Stadt
- „400 Jahre Evangelische Kirchengemeinde 1583 bis 1983“ – von Christhard Schrenk
- „Alt-Oberkochen Erzählungen und Berichte aus Oberkochens Vergangenheit“ – Christhard Schrenk
- Ein Heimatbuch mit dem Titel „Oberkochen Geschichte Landschaft Alltag“ – Stadt Oberkochen aus dem Jahr 1986
- Ein weiteres Heimatbuch mit dem Titel „Oberkochen“ – Stadt Oberkochen aus dem Jahr 2018
- Und ab 1988 die Reihe des Heimatvereins „Oberkochen Geschichte Landschaft Alltag“ mit bisher über 845 Berichten

Unser Oberkochen um die Zeit 1930 (Archiv HVO Ruoff)
„s alt Schualhaus“ – Gebäude in der Aalener Str. 19
Das war früher die 1860 erbaute evangelische Schule mit integrierter Lehrerwohnung (in der viele Jahre lang der Lehrer Gottlob Braun wohnte), später zwischen 1957 und 1959 mit einer gymnasialen Klasse als Außenstelle des Schubartgymnasiums Aalen, dann Ortsbibliothek bis 1967, Startup der Fa. Beier, von 1979 bis 1989 Jugendhaus und ab 1993 Heimatmuseum und Begegnungsstätte. Ein neuer Name musste her: Schillerhaus na ja – im Leberkäs ist auch kein Käs drin. Die Berichte dazu mit den Nummern 251 und 252 stammen aus der Feder des Braun‘schen Lehrerssohns Hermann.

Altes evangelisches Schulhaus, dann Bibliothek mit Helma Braun, heute Schillerhaus mit Heimatmuseum (Archiv Müller)
„s alt Schweschterehaus“ – Gebäude in der Aalener Straße 6
Im Zusammenhang mit der umfassenden »Fürstlich Ellwangischen Schulordnung« von 1749 sah sich die katholische Kirchengemeinde mit der Notwendigkeit konfrontiert, neben der Kirche ein neues Schulhaus zu bauen. Nach zwei vollen Jahren elenden Papierkriegs konnte am 28.6.1755 endlich mit dem Bau begonnen werden. Es entstand ein repräsentativer Barockbau, spartanisch, aber markant.
Finanziert wurde der Schulbau durch Holzeinschlag im Gebiet „Petershau“. Für 1.200 Gulden wurde das eingeschlagene Holz schließlich nach Unterkochen verkauft. Die Stiftungspflege hatte sehr damit gerechnet, dass die Oberkochener Bauern die Spanndienste kostenlos machen würden. Doch dies hatten sie im Frühjahr beim Bau des Pfarrhofs schon überreichlich getan. Jetzt waren sie nur noch bereit, einen Sonderpreis von 30 Kreuzern, statt der sonst üblichen 40 Kreuzer zu machen. Hier war also die erste katholische Schule untergebracht. Nachdem 1901 der Umzug der Schüler in den neuen Fuchsbau im Dreißental erfolgte, wurde 1904 eine Renovierung vorgenommen und am 15. November 1906 zogen die ersten Schwestern, namentlich Maximiliana und Walburga, ein. Im Jahr 1954 wurde das neue Schwesternhaus in der Bühlstraße verwirklicht. Ab diesem Zeitpunkt nannte man das Gebäude Aalener Straße 6 „S alt Schwesterehaus“.
1994 wurden die Baupläne für einen Neubau erstellt, 1995 das alte abgerissen und mit dem Bau begonnen, am 19. März 1996 Richtfest und am 16. Februar 1997 Einweihung gefeiert. Das Gebäude heißt jetzt Edith-Stein-Haus: „Ihr Ordensname Teresia Benedicta a Cruce OCD oder Teresia Benedicta vom Kreuz (* 12. Oktober 1891 in Breslau; † 9. August 1942 im KZ Auschwitz-Birkenau), war eine deutsche Philosophin und Frauenrechtlerin jüdischer Herkunft. Edith Stein wurde 1922 durch die Taufe in die katholische Kirche aufgenommen. 1933 trat sie in den Orden der Unbeschuhten Karmelitinnen ein. Sie gilt als Brückenbauerin zwischen Christen und Juden. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde Stein „als Jüdin und Christin“ zum Opfer des Holocaust. In der katholischen Kirche wird sie als Heilige und Märtyrerin verehrt, Teilen der evangelischen Kirche gilt sie als Glaubenszeugin. Ihr römisch-katholischer und evangelischer Gedenktag ist der 9. August. Papst Johannes Paul II. sprach Stein am 1. Mai 1987 selig und am 11. Oktober 1998 heilig.“
Der Architekt Gerhard Kenntner konnte die Einweihung nicht mehr miterleben, da er am 18. Dezember 1996 verstarb. Die Kinderkirche hat in diesem Gebäude ihr Zuhause gefunden, wie auch die kath. Bibliothek (die inzwischen aufgelöst wurde). Auch zwei Wohnungen wurden in das Gebäude integriert. Was auffällt: Das neue Haus ist völlig identisch mit dem abgerissenen. Möglicherweise liegt das an Zuschüssen, die man sonst womöglich nicht erhalten hätte. Auch der erste katholische Kindergarten war hier zuhause. Siehe auch Bericht 264.

Altes katholische Schulhaus, dann Schwesternhaus und heute Edith-Stein-Haus neben der Kirche St. Peter und Paul (Archiv Müller)
…und weiter geht’s in zwei Wochen – „Billie vom Sonnenberg“