„1. Mai und Maiwanderung“

30. April: In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai wurden gerne Aktio­nen durch­ge­führt. Lusti­ge, grenz­wer­ti­ge, aber auch zerstö­re­ri­sche. In frühe­ren Zeiten wurden ganze Heuwa­gen ausein­an­der­ge­nom­men und auf dem Dach des zu Belus­ti­gen­den wieder zusam­men­ge­setzt. Es wurden Garten­tür­chen und Garten­bän­ke verschleppt und versteckt und auch Piraten­flag­gen auf Schul­ge­bäu­den gehisst. Auch das Stehlen des Maibaums war eine Zeitlang angesagt. Aber wie das so im Laufe der Zeit ist, heute ist Kreati­vi­tät selten gewor­den und die zerstö­re­ri­sche Wut kann dafür bestaunt werden. 2025 wurde einfach kurzer­hand ein priva­ter, von Kindes­hand erstell­ter, Maibaum umgesägt. In Berlin und Hamburg sind inzwi­schen extre­me Ausbrü­che die Regel geworden.

Diese Nacht ist übrigens auch die Walpur­gis­nacht, in der die Hexen mit dem Besen auf den Blocks­berg flogen. Wir haben zwar auch einen „Hexafel­sa“ – aber dort wurden noch keine fliegen­den Besen beobachtet.

1. Mai: Wenn alle die Nacht gut überstan­den hatten, hat man sich in Gruppen zusam­men­ge­fun­den, um eine Maiwan­de­rung zu starten. Die gingen überwie­gend in die nähere Umgebung wie Tauchen­wei­ler, Nietheim oder zur Theres nach Niesitz. Und immer das Lied auf den Lippen „Der Mai ist gekom­men, die Bäume schla­gen aus“. Wie oben angedeu­tet sind es heute eher die Autono­men, die ausschlagen.

„Die 11er Fête“ – eine damals übliche Veran­stal­tung, um die Studi­en­fahrt zu finan­zie­ren der 11ten Klasse des hiesi­gen Gymna­si­ums. Aber im Jahr 1988 haben sie es richtig krachen lassen. Der damali­ge Klassen­spre­cher war Ralf Kürbitz. Er und seine Klasse schaff­ten es, den SDR3 nach Oberko­chen in die Schwörz-Halle zu holen. Am 5. Novem­ber 1988 wurde von 18:30 Uhr bis 24:00 Uhr gefei­ert, wobei die SDR-Fête von 20 Uhr bis 23 Uhr live sende­te. Bei den Planun­gen ging man von rund 2.000 Besuchern aus. Es spiel­te die Band „Fusion“ für einen Eintritt von 4 DM. Natür­lich ging das nicht ohne Aufla­gen der Stadt. Ich will hier nur einige knacki­ge Punkte aufzäh­len und vermu­te, dass sich das heute niemand mehr zutrau­en würde:

  • Das Gymna­si­um haftet für alle Schäden im Rahmen der Veranstaltung
  • Ein Boden­be­lag muss extra verlegt und am Ende wieder entfernt werden
  • 10 volljäh­ri­ge Ordner für die Eingangskontrolle
  • Absolu­tes Rauchverbot
  • Strom­kos­ten bezahlt der Veranstalter
  • Brand­si­che­rungs­wa­che auf Kosten des Veranstalters
  • Lehrer Hans-Peter Grimm ist die verant­wort­li­che Person seitens der Schule

Eine Mega-11er Fête des Gymna­si­ums, die live im Radio lief (Archiv Rathaus)

„dr 30jährige Krieg“ - 1618 bis 1648 

Eine belieb­te Frage an Schüler laute­te: „Wie lange dauer­te der 30jährige Krieg“ und die Antwor­ten waren tlw. mehr als erstaun­lich, besser gesagt befremd­lich. Es war ein Konflikt um die Hegemo­nie im Heili­gen Römischen Reich und in Europa, der als Religi­ons­krieg begann und als Terri­to­ri­al­krieg endete. Als Auslö­ser des Krieges gilt der Prager Fenster­sturz vom 23. Mai 1618. Die Kriegs­hand­lun­gen und die durch sie verur­sach­ten Hungers­nö­te und Seuchen hatten ganze Landstri­che verwüs­tet und entvöl­kert. In Teilen Süddeutsch­lands überleb­te nur ein Drittel der Bevöl­ke­rung. Insge­samt sind wohl 40 % der Landbe­völ­ke­rung umgekom­men. Die Verhee­run­gen bei uns began­nen erst 1631/1632 und erreich­ten 1634 ihren Höhepunkt, als 70.000 Solda­ten im Zusam­men­hang mit der Schlacht bei Nördlin­gen unsere Gegend heimsuch­ten. Im Jahr 1629 wohnten in Oberko­chen 370 Menschen in 57 Häusern. Kaum 60 davon überleb­ten Pest, Hunger und Krieg.

„d Abodeek“ – Gibt‘s nemme: Die erste Apothe­ke im Brunkel

Bevor bei uns die erste Apothe­ke am 1. Oktober 1950 eröff­ne­te, musste Medizin von auswärts beschafft werden. Kaspar Schee­rer, der Mühlen-Besit­zer ließ im Kapel­len­weg 7 ca. 1947 ein Haus bauen. Gebaut hat das Haus die Baufir­ma Wingert u.a. mit den Mitar­bei­tern Hubert Wunder­le und Josef Bihlmai­er. An diesem Ort ließ sich der Apothe­ker Ulrich Irion nieder, bevor er 1952 im Dreißen­tal die „Volkmars­berg-Apothe­ke“ eröff­ne­te. Mein Schul­freund Hartmut Kratzsch (heute Wätzel) und sein Bruder Gernot wohnten mit ihren Eltern einst zeitwei­se in diesem Haus. Im Frühjahr 2024 wurde es abgeris­sen, um Platz für das neue Blaulicht­zen­trum zu schaf­fen. Eine weite­re Apothe­ke wurde 1964 von Werner Mögel unter dem Namen „Kocher­tal-Apothe­ke“ in der Heiden­hei­mer Straße 16 gegrün­det. Seine Jahres­ka­len­der mit Oberko­che­ner Motiven sind bis heute unvergessen.

Die erste Apothe­ke in Oberko­chen befand sich in diesem Haus im Brunkel – Abriss 2024 (Archiv Müller)

„hiesi­ger Adel“ – gibt’s tatsächlich

  • Brigit­te Gräfin Adelmann von Adelmannsfelden:

Brigit­te Tischer, eine Tochter von Emil und Waltraud Tischer aus dem Silcher­weg 2, die Nikolaus Graf Adelmann heira­te­te und wohl in Hohen­stadt wohnt.

  • Reichs­frau Ruth Speth von Schülzburg

geb. 1915 gest. 1998 (letzte Ruhestatt auf dem städti­schen Fried­hof Oberko­chen) wurde in Water­berg (Südwest­afri­ka) geboren. Ihr Vater war der Freiherr Otto Reinhard Freiherr Speth von Schülz­burg, geb. 1883 zu Schön­tal (Kreis Schwä­bisch Hall) und gest. 1945 in Berlin. Dessen Vater Johann Baptist Freiherr von Schülz­burg geb. 1846 auf der Schülz­burg gest. 1909 in Ellwan­gen war König­li­cher Förster im Ellwän­gi­schen (Forst­haus Hohen­berg). Wenn man die Linie immer weiter zurück­geht, landet man bei Albrecht Speth von Schülz­burg, der die Burg 1452 erwor­ben hatte. Ein Sohn der o.g. Reichs­frau ist der frühe­re kfm. Ausbil­dungs­lei­ter von Carl Zeiss und ehema­li­ge Stadt­rat Hartmut Müller. Gemäß den gülti­gen Geset­zen hätte er einen Anspruch auf diesen Namen geltend machen können.

  • Hans Udo von Schulz. Über ihn konnte ich nur in Erfah­rung bringen, dass er einst in der Frühling­s­tra­ße 2 wohnte (also in dem Haus, in dem ich heute wohne) und 1975 mit Frau Sophie in die USA ausge­wan­dert ist.
  • Freiherr von Ledebur, Ingo. Ledebur (auch Ledebuer oder tsche­chisch Ledebour) ist der Name eines alten westfä­li­schenAdels­ge­schlechts, das mit Wicber­tus Lethe­bur, Minis­te­ria­ler des Bischofs von Osnabrück, im Jahr 1195 erstmals urkund­lich erscheint und auch die Stamm­rei­he Auch schon lange weggezogen.
  • Erich von Heintschel-Heinegg, von Beruf Verkaufs­psy­cho­lo­ge, zieht 1976 vom Tierstein­weg 5 nach Niederstotzingne
  • Fried­rich August Diepold Leopold Alfred Freiherr von Köckritz. Da habe ich keine Daten mehr gefun­den, vermu­te aber, dass auch er in den 70erm wegge­zo­gen ist.

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Freifrau Ruth Speth von Schülz­burg — Die Mutter von Hartmut Müller (Archiv der andere Müller)

„Ähle“ vielleicht doch eher „Ehle“ – Josef Fischer aus der Katzen­bach­stra­ße 31

„Ärmle“Adolf Fischer aus der Dreißen­tal­stra­ße 13

Bruder vom Karl Fischer „Napole­on“. Er hatte eine Holzpro­the­se, also „n Holzara“ (Holzarm).

„Albturm“ – erst in Heubach und dann in Oberko­chen gescheitert

Das Projekt wurde im Jahr 2017 unter dem damali­gen Heuba­cher Bürger­meis­ter Frede­rick Brütting ins Leben gerufen. Entwor­fen hat den Turm der Heuba­cher Prof. Jürgen Graf, der an der TU Kaisers­lau­tern das Fachge­biet Tragwerk und Materi­al leitet. Mit über 61 Metern wäre der Albturm der größte Holzturm Deutsch­lands gewor­den, errich­tet aus spezi­el­lem Buchen­holz. Für Heubach bzw. Oberko­chen waren mindes­tens 13 Millio­nen Euro veran­schlagt, vermut­lich wären es deutlich über 15 Millio­nen gewor­den. Von einer notwen­di­gen Infra­struk­tur wie Parken, Essen, Perso­nal u.a.m. mal ganz abgese­hen. Gottsei­dank gab es an beiden Orten einen Rückzieher.

„Aleman­ni­scher Fried­hof“ – von der Frühling­s­tra­ße bis vor die Försterstraße

1980 wurden beim Bau des Stelzen­mül­ler-Hauses in der Frühling­s­tra­ße 3 mensch­li­che Überres­te gefun­den. Flugs erging ein Baustopp und die Archäo­lo­gen übernah­men die Regie. Aufgrund der neuen Erkennt­nis­se und den bereits vorlie­gen­den ergibt sich womög­lich die Größe eines Fried­hofs mit bis zu 1000 Gräbern. Bishe­ri­ge Erkenntnisse:

  • Kelten­stra­ße Haus Nr. 8: Beim Bau dieses Hauses wurden um die vorletz­te Jahrhun­dert­wen­de zum ersten Mal Knochen zu Tage geför­dert. Man hielt diese Gräber damals für keltisch und benann­te die Straße nach den vermeint­lich kelti­schen Ur-Oberkochenern.
  • Dreißen­tal­stra­ße Haus Nr. 17: Beim Bau der Wasser­lei­tung wurde 1922 zumin­dest ein Reihen­grab angeschnit­ten und untersucht.
  • Kelten­stra­ße Haus Nr. 7: Im Jahr 1922 wurden beim Bau sehr viele Knochen gefun­den. Man schenk­te der Sache keine große Beach­tung und ließ alles mit dem Bauaus­hub abfahren.
  • Dreißen­tal­stra­ße Haus Nr. 15: Bei einer nachträg­li­chen Unter­kel­le­rung fand man einige Knochen.
  • Jäger­gäss­le Haus Nr. 9: Beim Bau des Hauses, im Jahr 1937, wurden sieben Reihen­grä­ber angeschnit­ten. Der Fund wurde ordnungs­ge­mäß dem Landes­denk­mal­amt gemeldet.
  • Feigen­gas­se Haus Nr. 9: Beim Bau im Jahr 1938 wurden ebenfalls mensch­li­che Knochen gefun­den. Da es aber außer­halb des Gräber­fel­des liegt, wurden sie bisher nicht mit einbezogen.
  • Dreißen­tal­stra­ße 22 (altes Kino): Beim Bau des Kinos im Jahr 1952 sollen angeb­lich Pferde­kno­chen gefun­den worden sein. Nur die obers­ten und reichs­ten Aleman­nen wurden mit ihren Pferden beigesetzt. So hat es den Anschein, dass an dieser Stelle ein bedeu­ten­der Aleman­ne seine letzte Ruhe fand. 
  • Kelten­stra­ße Haus Nr. 16: Beim Bau des Wohnhau­ses im Jahr 1956 wurde verschie­de­ne Reihen­grä­ber gefun­den und dem Landes­denk­mal­amt gemeldet. 
  • Kelten­stra­ße zwischen Haus Nr. 8 und 14: Beim Bau von 5 Garagen stieß man 1956 auf einige Skelette.
  • Kelten­stra­ße zwischen den Garagen und Haus Nr. 16: Fund von weite­ren Skelet­ten im Jahr 1957 beim Aushe­ben eines Kanals.
  • Kelten­stra­ße Haus Nr. 9 und 13: Nichts ganz gesichert sind Funde im unbebau­ten Grund zwischen beiden Häusern.
  • Frühling­s­tra­ße Haus Nr. 3: Im März 1980 wurde in Hüttlin­gen in einem Erdaus­hub von spielen­den Kindern ein Toten­schä­del gefun­den. Das Landes­denk­mal­amt nutzte die Chance für eine große archäo­lo­gi­sche Aktion. Man ging davon aus, dass allein auf diesem Grund­stück bis zu 60 Gräber zu finden gewesen wären.

Abschlie­ßen­de Anmer­kung: Beim Bau der neuen Dreißen­tal­hal­le wurden zur Erleich­te­rung der Stadt keine weite­ren Gräber entdeckt.

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So könnte der große aleman­ni­sche Fried­hof ausge­se­hen haben (Archiv Rathaus)

Was die Zaungäs­te bei der Ausgra­bung so alles von sich gaben:

  • Onda isch’s Gebiss ja guat, abr obarom sieht‘s aus wi a Gardazau
  • Des Gebiss muass schlei­nigscht zom Zaharzt
  • Dia hent domaols au scho Platt­fiaß ghett
  • Des isch a Weibs­bild gwäsa, des siesch glei, dui het no em Tod s Maul offa
  • Guck amoal, wie dui d‘ Klapp aufreißt, dui het bestemmt von ihrem Ma zum Abschied no ois mit dr Broat­pfann auf n Deckl kriagt
  • Mensch, hoat dui d‘ Gosch weit offa, dui het sicher em Kirch­chor mitgsonga ond hot s Hohe C et recht verwischt
  • Wia lang dent se scho an dem Weibs­bild rom? Waas? Drei Däg? J , mit dene Weiber hot mr ällemo­al s moischt Gschäft
  • Des kennt scho au a Zeissia­ner gwäsa sei, mit dere groaßa Klapp
  • Dui bewegt sich ja no
  • Dia hent nex me zom Lacha
  • Dao guck, so liagsch halt rom
  • So siehsch in 1200 Joar au aus. Bloß suchet se di gwieß et. Ond wen se di suachat ond au no fendat, no wisset se et wer du bisch, mach auf jeden Fall amoal d‘ Hunde­mark an de no
  • Dao guck na, so kloi gasch zemma; wenn’d rauskommsch goasch en zwoi Blasch­dig­beitl nei.
  • Send des Ihre Ondrmie­der Herr Stelzamiller
  • Am Grab 33 dauer­te es beonders lange: Ha, do hent se bestemmt a Schwie­grmu­a­dr nei, dia hent se fiar au scho bsonders diaf vrscharrt

„(alt)deutsche Schrift“

als Sammel­be­griff für einige gebro­che­ne Schrif­ten verwen­det, mit denen vom 16. bis zum 20. Jahrhun­dert deutsche Texte bevor­zugt geschrie­ben und gedruckt wurden, oder dient als Name einer dieser Schrif­ten. Die altdeut­sche Schrift umfasst verschie­de­ne Schrift­ar­ten, die sich vom frühen Mittel­al­ter bis zur Neuzeit entwi­ckel­ten. Die altdeut­sche Schrift, auch bekannt als Kurrent­schrift oder Fraktur­schrift, entwi­ckel­te sich über Jahrhun­der­te und wurde bis ins 20. Jahrhun­dert verwen­det. Die bekann­tes­te Form ist die Sütter­lin­schrift, die 1911 von Ludwig Sütter­lin im Auftrag des preußi­schen Kultus­mi­nis­te­ri­ums entwi­ckelt wurde. Diese Schrift­art wurde bis 1941 in Schulen gelehrt und ist heute noch älteren Menschen bekannt.

In Bezug auf Schreib­schrift wird auch die Bezeich­nung deutsche Schreib­schrift, je nach Zusam­men­hang sowohl als Sammel­be­griff als auch als Einzel­na­me verwen­det. Nach dem II. Weltkrieg wurde in den Schulen die sog. Latei­ni­sche Ausgang­s­chrift gelehrt. Wir wurden 1959 einge­schult und irgend­ein Oberschlau­le am Kultur­mi­nis­te­ri­um in Stutt­gart setzte durch, dass wir in der 3. oder 4. Klasse (also 1962/63) beim jüngst verstor­be­nen Lehrer Albert Gunzen­hau­ser die Deutsche Schrift zusätz­lich lernen mussten. Gescha­det hat es nicht, kann ich doch bis heute einiger­ma­ßen alte Texte lesen, wenn die Handschrift nicht zu kreativ war. Mit der Fraktur­schrift in alten Büchern habe ich hinge­gen überhaupt kein Problem. Die Fraktur (von latei­nisch fractu­ra „Bruch“, seit Mitte des 15. Jahrhun­derts auch „gebro­che­ne Schrift“) ist eine Schrift­art aus der Gruppe der gebro­che­nen Schrif­ten. Sie war von Mitte des 16. bis Anfang des 20. Jahrhun­derts die meist­be­nutz­te Druck­schrift im deutsch­spra­chi­gen Raum, in Konkur­renz zur Antiqua.

„Allein gegen Alle – Oberko­chen ist eine unschlag­ba­re Rätselstadt

Ein ganz beson­de­rer Tag war Samstag, der 25. Mai 1974. Wir waren bundes­weit im Radio, und zwar als städti­scher Teilneh­mer in Hans Rosenthals Ratequiz „Allein gegen alle“. Bürger­meis­ter Gustav Bosch bat um rege Betei­li­gung seiner Einwoh­ner­schaft. Verei­ne und Schulen wurden gebeten inter­ne Rateteams zu bilden, alle Einwoh­ner mögen das Radio einschal­ten. Wir gewan­nen die erste Runde mit 5:1. In Runde 2 gewan­nen wir am 29. Juni mit 4:2 und in der letzten Runde am 31. August gar mit 5:0 und dürfen uns seitdem mit diesem Titel schmü­cken. Mehr Details über Teilneh­mer und beant­wor­te­te Fragen findet ihr im Bericht 714.

„Alters­ge­nos­sen“ – Freundeskreis

Vorsicht – nicht lachen, jetzt kommt die offizi­el­le Herlei­tung: Deter­mi­na­tiv­kom­po­si­tum aus den Substan­ti­ven Alter und Genos­se sowie dem Fugen­ele­ment -s.“ Des lernsch et amoal auf em Gymna­si­um. Menschen des gleichen Jahrgangs organi­sie­ren sich oft in Verei­nen, den sog. AGVs. Bei uns hatte das früher einen deutlich höheren Stellen­wert als heute. Spätes­tens zum 40er-Fest war eine solche Verbin­dung angesagt. Im Amtsblatt wurden jährlich zu runden Jubilä­en wie 40er‑,50er‑, 60er- und 70er- oder gar 85-Feiern Berich­te mit Fotos veröf­fent­licht. Zu erwäh­nen wäre hier noch das Schwa­ben­al­ter – 40! Für Frauen gilt das eh nicht, denn die send scho emmer gscheid ????. Die Hochburg der Alters­ge­nos­sen­fes­te, beson­ders des 40er-Festes, befin­det sich in Schwä­bisch Gmünd.

Das Ganze geht zurück auf Johan­nes Böhm, genannt Bohemus (~1485–1533/1535), einen der ersten deutschen Volks­kund­ler und Ethno­gra­fen. Er schrieb in seiner 1521 erschie­ne­nen Beschrei­bung der Sitten und Gebräu­che aller Stämme (Omnium genti­um mores et ritus) über die Schwa­ben: Sero respis­cunt – frei übersetzt: „Sie kapie­ren spät“ und begrün­de­te damit dieses Vorur­teil, das sich hartnä­ckig über die Jahrhun­der­te hielt.

Dr Schwo­ab, der wird mit vierzig gscheid,
Dr andre et in Ewigkeit!
Ond so a Joar isch ganz schnell rom,
Ond I vielleicht scho wieder domm.

„Alt-Oberko­chen“

Es gab eine Langgass mit dem Kies, eine Kirch­gass mit dem Roasch, den Katzen­bach und den Brunkel und das Feigen- und Jäger­gäß­le mit dem unteren Dreißen­tal hingen so an der jewei­li­gen Seite und a bissle was dromrom. Das war das Dorf am Kocher. Es wusste noch nicht, dass die Eisen­bahn, Autos, Fabri­ken und die Folgen verlo­re­ner Kriege mit Vertrie­be­nen und Flüch­ti­gen sowie einer Firma aus Jena das Dorf in die Neuzeit katapul­tie­ren würden. Und heute suchen wir aufwen­dig nach Schnip­seln aus der sog. guten alten Zeit, die nie wirklich gut war. Bei allen Recher­chen müssen wir immer achtsam sein, dass wir nicht einer heime­li­gen Roman­ti­sie­rung anheim­fal­len, denn je größer der Zeitraum zwischen Erinne­rung und Erleb­tem wird, umso größer besteht die Gefahr „dass doch alles so toll und so viel besser als heute gewesen sein soll“.

Dazu gab es im Laufe der Jahrzehn­te einige Veröffentlichungen:

  • „Sitten und Bräuche“ von Karl Günther (gest. 1934) und Alfons Mager (gest. 1946)
  • „Heimat­büch­lein“ – von Franz Balle im Amtsblatt des Jahres 1953
  • „Bilder aus Oberko­chen“ – von Karl Fried­rich Fischer im Amtsblatt 1958
  • „Unsere kirch­li­che Heimat“ – von Pfarrer Rudolf Hager aus dem Jahr 1955
  • Von alten und armen Zeiten – Gustav Bosch im Amtsblatt 1958
  • Geschich­ten und Sagen in Oberko­chen und Umgebung – im Amtsblatt von Alfons Mager
  • Brauch­tum um die Kirch­weih in Oberko­chen – im Amtsblatt von Franz Balle
  • Oberko­che­ner Fastnet vor 50 Jahren (1900) – im Amtsblatt von Franz Balle
  • Oberko­che­ner Bräuche in der Karwo­che – im Amtsblatt von Franz Balle
  • Die württem­ber­gi­sche Zollsta­ti­on in Oberko­chen – im Amtsblatt von Wilhelm Schneider
  • Die verschie­de­nen „Einwoh­ner­bü­cher“ ab 1959 – der Gemein­de bzw. der Stadt
  • „400 Jahre Evange­li­sche Kirchen­ge­mein­de 1583 bis 1983“ – von Christ­hard Schrenk
  • „Alt-Oberko­chen Erzäh­lun­gen und Berich­te aus Oberko­chens Vergan­gen­heit“ – Christ­hard Schrenk
  • Ein Heimat­buch mit dem Titel „Oberko­chen Geschich­te Landschaft Alltag“ – Stadt Oberko­chen aus dem Jahr 1986
  • Ein weite­res Heimat­buch mit dem Titel „Oberko­chen“ – Stadt Oberko­chen aus dem Jahr 2018
  • Und ab 1988 die Reihe des Heimat­ver­eins „Oberko­chen Geschich­te Landschaft Alltag“ mit bisher über 845 Berichten

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Unser Oberko­chen um die Zeit 1930 (Archiv HVO Ruoff)

„s alt Schual­haus“ Gebäu­de in der Aalener Str. 19

Das war früher die 1860 erbau­te evange­li­sche Schule mit integrier­ter Lehrer­woh­nung (in der viele Jahre lang der Lehrer Gottlob Braun wohnte), später zwischen 1957 und 1959 mit einer gymna­sia­len Klasse als Außen­stel­le des Schub­art­gym­na­si­ums Aalen, dann Ortsbi­blio­thek bis 1967, Start­up der Fa. Beier, von 1979 bis 1989 Jugend­haus und ab 1993 Heimat­mu­se­um und Begeg­nungs­stät­te. Ein neuer Name musste her: Schil­ler­haus na ja – im Leber­käs ist auch kein Käs drin. Die Berich­te dazu mit den Nummern 251 und 252 stammen aus der Feder des Braun‘schen Lehrers­sohns Hermann.

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Altes evange­li­sches Schul­haus, dann Biblio­thek mit Helma Braun, heute Schil­ler­haus mit Heimat­mu­se­um (Archiv Müller)

„s alt Schwesch­tere­haus“ – Gebäu­de in der Aalener Straße 6

Im Zusam­men­hang mit der umfas­sen­den »Fürst­lich Ellwan­gi­schen Schul­ord­nung« von 1749 sah sich die katho­li­sche Kirchen­ge­mein­de mit der Notwen­dig­keit konfron­tiert, neben der Kirche ein neues Schul­haus zu bauen. Nach zwei vollen Jahren elenden Papier­kriegs konnte am 28.6.1755 endlich mit dem Bau begon­nen werden. Es entstand ein reprä­sen­ta­ti­ver Barock­bau, sparta­nisch, aber markant.

Finan­ziert wurde der Schul­bau durch Holzein­schlag im Gebiet „Peters­hau“. Für 1.200 Gulden wurde das einge­schla­ge­ne Holz schließ­lich nach Unter­ko­chen verkauft. Die Stiftungs­pfle­ge hatte sehr damit gerech­net, dass die Oberko­che­ner Bauern die Spann­diens­te kosten­los machen würden. Doch dies hatten sie im Frühjahr beim Bau des Pfarr­hofs schon überreich­lich getan. Jetzt waren sie nur noch bereit, einen Sonder­preis von 30 Kreuzern, statt der sonst üblichen 40 Kreuzer zu machen. Hier war also die erste katho­li­sche Schule unter­ge­bracht. Nachdem 1901 der Umzug der Schüler in den neuen Fuchs­bau im Dreißen­tal erfolg­te, wurde 1904 eine Renovie­rung vorge­nom­men und am 15. Novem­ber 1906 zogen die ersten Schwes­tern, nament­lich Maximi­lia­na und Walbur­ga, ein. Im Jahr 1954 wurde das neue Schwes­tern­haus in der Bühlstra­ße verwirk­licht. Ab diesem Zeitpunkt nannte man das Gebäu­de Aalener Straße 6 „S alt Schwesterehaus“.

1994 wurden die Bauplä­ne für einen Neubau erstellt, 1995 das alte abgeris­sen und mit dem Bau begon­nen, am 19. März 1996 Richt­fest und am 16. Febru­ar 1997 Einwei­hung gefei­ert. Das Gebäu­de heißt jetzt Edith-Stein-Haus: „Ihr Ordens­na­me Teresia Benedic­ta a Cruce OCD oder Teresia Benedic­ta vom Kreuz (* 12. Oktober 1891 in Breslau; † 9. August 1942 im KZ Ausch­witz-Birken­au), war eine deutsche Philo­so­phin und Frauen­recht­le­rin jüdischer Herkunft. Edith Stein wurde 1922 durch die Taufe in die katho­li­sche Kirche aufge­nom­men. 1933 trat sie in den Orden der Unbeschuh­ten Karme­li­tin­nen ein. Sie gilt als Brücken­baue­rin zwischen Chris­ten und Juden. In der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus wurde Stein „als Jüdin und Chris­tin“ zum Opfer des Holocaust. In der katho­li­schen Kirche wird sie als Heili­ge und Märty­re­rin verehrt, Teilen der evange­li­schen Kirche gilt sie als Glaubens­zeu­gin. Ihr römisch-katho­li­scher und evange­li­scher Gedenk­tag ist der 9. August. Papst Johan­nes Paul II. sprach Stein am 1. Mai 1987 selig und am 11. Oktober 1998 heilig.“

Der Archi­tekt Gerhard Kennt­ner konnte die Einwei­hung nicht mehr miter­le­ben, da er am 18. Dezem­ber 1996 verstarb. Die Kinder­kir­che hat in diesem Gebäu­de ihr Zuhau­se gefun­den, wie auch die kath. Biblio­thek (die inzwi­schen aufge­löst wurde). Auch zwei Wohnun­gen wurden in das Gebäu­de integriert. Was auffällt: Das neue Haus ist völlig identisch mit dem abgeris­se­nen. Mögli­cher­wei­se liegt das an Zuschüs­sen, die man sonst womög­lich nicht erhal­ten hätte. Auch der erste katho­li­sche Kinder­gar­ten war hier zuhau­se. Siehe auch Bericht 264.

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Altes katho­li­sche Schul­haus, dann Schwes­tern­haus und heute Edith-Stein-Haus neben der Kirche St. Peter und Paul (Archiv Müller)

…und weiter geht’s in zwei Wochen – „Billie vom Sonnenberg“

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