Der gute alte „Hirsch“,

2016 Abriss des „Hirsch“-Areals Blick von Aalener Straße (Archiv Müller)
dem das Schicksal des Abrisses nicht erspart blieb. Im Jahr 2016 war es so weit – die Bagger der Fa. AK Kling aus Ellenberg rückten an und verrichteten ihr Werk für rund 320.000 €. Der Abriss wurde vom Landesamt für Denkmalpflege begleitet.
Am 22. April 1358 – vor, sage und schreibe, 666 Jahren – wurde der „Hirsch“ (der Name wurde aber erst ab 1831 verwendet) zum ersten Mal erwähnt. Das Anwesen ist sicher älter. Nachweise fehlen, aber Experten schätzen, dass es den Hof womöglich schon um 1300 gab. Als Ritter Otto von Kaltenburg und seine Frau Adelheid von Schwabsberg ihren Besitz und die Rechte in Oberkochen an den Abt Berthold vom Kloster Königsbronn überschrieb, bestand der Besitz aus
• 3 Höfen (Ein Hof ist ein landwirtschaftlicher Betrieb, der oft auch als Gehöft bezeichnet wird. Er umfasst in der Regel ein Wohnhaus und mehrere Wirtschaftsgebäude wie Scheunen, Stallungen und Geräteschuppen)
• 5 Lehen (Als Lehen bezeichnet man Rechte, die jemandem überlassen werden. Der Lehnsherr vergibt diese Rechte. Meist handelt es sich dabei um Grund und Boden. Es war also so etwas wie geliehenes Land)
• 3 Huben (mittelalterliche Maßeinheit, Rechtstitel eines Grund- oder Gutsbesitzes und Hofform) und
• 10 Sölden (Hof und Grund eines Söldners (kein Soldat, sondern ein Kleinbauer, Häusler), der manchmal auch etwas Vieh besaß und in der Regel davon allein nicht leben konnte. Als Tagelöhner oder Handwerker musste er sich zusätzlichen „Sold“ dazuverdienen. Anders als die Bauern hatten die Söldner meist auch keine Pferde).
• Unter diesen Gütern befand sich auch eine Mühle und eine Taverne, die seinerzeit von „Hans dem Schrieber“ (kein Schreibfehler!) geführt wurde und war lange Zeit die einzige Gaststätte am Ort, mit der Berechtigung Wein auszuschenken, warme Speisen zu servieren und Gäste zu beherbergen.
Im 16. Jhrhdrt. ging das Monopol des Klosters aus der Nachbargemeinde verloren und andere Gasthäuser konnten sich entwickeln. Der „Hirsch“ war somit auch eines der ältesten Gasthäuser in Württemberg und daher ist es natürlich doppelt traurig, dass er eingeebnet wurde. Aber, da war eben auch nichts mehr erhaltenswert genug, um einen Investor gewinnen zu können. Zu viel wurde gebaut, angebaut, verbaut, umgebaut – und so haben wir heute einen neuen Platz mit einem durchaus schönen Gesicht hat. Ein Schild an der Kirchenmauer weist auf die Geschichte des „Hirsch“ hin. Hätte der Platz nicht auch einen Namen verdient wie z.B. „Hirsch-Platz“? Nein, man entschied sich für den Namen „Neue Mitte“ – ein Allerweltsname, der sich inzwischen in vielen Gemeinden wiederfindet.
Eine Absurdum der Geschichte muss hier auch erwähnt werden, und zwar die religiöse Trennung im Ort zwischen den Katholiken und den Protestanten, die in diversen Berichten schon abgehandelt wurde. Diese ging sogar durch einzelne Häuser und auch quer durch die Gaststube im „Hirsch“. Das hatte auch die Auswirkung, dass in derselben Gaststube unterschiedliche Polizeistunden gültig waren. Aber der Mensch ist ja flexibel. Hatte die eine Hälfte der Wirtsstube schon geschlossen, hockte man sich einfach in die andere Hälfte – vermutlich war’s dabei egal, ob man das richtige oder das falsche Gesangbuch hatte. Ich habe den begründeten Verdacht, dass die Katholiken die spätere Polizeistunde hatten.
Eine Zech- und Saufgeschichte von 1847, die einst Volkmar Schrenk aus den Tiefen des SchwäPo-Archivs hervorkramte:
Am 5. Januar 1847 gab Metzger Caspar S. im »Boten« eine »Ehrenerklärung« ab, in der er sich für Unwahrheiten entschuldigt und erklärt, sich »in Zukunft vor derartigen leidenschaftlichen Ausbrüchen hüten« zu wollen. Was war geschehen?
An einem frostigen Sonntagvormittag im Januar hatten der Metzger Kaspar und die Brüder Christoph und Michael die Wärme des benachbarten Wirtshauses der kalten Kirche vorgezogen. Und wie es manchmal zu gehen pflegte, die Unterhaltung wurde lebhafter und lauter bis man sich, bildlich gesprochen, in die Haare geriet und der Kaspar »in der Folge eines starken Wortwechsels grässliche Flüche und Verwünschungen ausstieß«. Nicht, dass der Pfarrer dies in der Kirche nebenan tatsächlich gehört hätte, dennoch reichten seine Ohren weit und der Lästerer wurde vom Kirchenconvent »vorgefordert«. Dieser erinnerte sich an einen Erlass des Aalener Oberamtmanns vom 26. April 1845 an Kirchenconvente und Gemeinderäte, wo es heißt: »Den oben genannten Ortsbehörden dient zur Nachricht, dass die Strafen wegen Zechens und Saufens während des Gottesdienstes, wenn sie vom Kirchenconvent angesetzt wurden, der Ortsarmenkasse, wenn aber vom weltlichen Ortsvorsteher oder Gemeinderat erkannt wurde, der Gemeindepflege zur Verrechnung zu übergeben sind. Also machte der Kirchenconvent wohl auch im Blick auf die Lage der »Heiligen Kasse« kurzen Prozess, sah den Tatbestand »Zechen und Saufen während des Gottesdienstes« für gegeben, erteilte dem Schreier wegen »irreligiösem und unsittlichem Betragen einen strengen Verweis« und »belegte ihn wegen Sonntagsentheiligung und Ärgernisses mit einer Geldstrafe von 3 Gulden«. Da der Verurteilte seinen Unfug bereute, nahm er die Einspruchsfrist von »zweimal 24 Stunden« nicht in Anspruch, bezahlte die Strafe, die ja den Ortsarmen zugutekam, und entschuldigte sich im »Boten« durch die eingangs erwähnte »Ehrenerklärung”.
Im Frühjahr 1865 beantragte eine “Johannes Fuchs Hirschwirtswitwe“ die Conzession für eine (Sommer)Speisewirtschaft auf ihrem Gut am Wege vom Ort zur, das sie in einen Garten verwandeln will. Der Gemeinderat befürwortete das Gesuch am 21. Mai 1865. Dazu ist vermerkt: „Frau Fuchs wünscht eine Speisewirtschaft, welche die Abreichung aller Getränke sowie auch von kalten und warmen Speisen enthalte.“ Das Conzessionsgesuch wurde durch Ausrufen öffentlich bekanntgemacht. 15 Tage lang gab es keine Einwendungen. Die Konzession galt für eine »Sommerwirtschaft im Garten als Nebenwirtschaft zum Hirsch«. (Bahnhofstraße).
In den Gemeinderatsunterlagen von damals heißt es: 1240 Einwohner und »für Wirtschaftsgewerbe gut gelegen«. 2 Schild- und Speisewirtschaften, 1 Speisewirtschaft, 1 Gassenwirtschaft, zusammen also vier und alle machen von ihrer Conzession Gebrauch.
1870 übernahm Caspar Fuchs den Betrieb von seiner in diesem Jahr verstorbenen Mutter. Bei 1197 Einwohnern wurde eine Conzession durch den Gemeinderat befürwortet. Vermerk: „Gesuchsteller hat schönes Vermögen und betreibt bereits eine Bierbrauerei mit Schild- und Speisewirtschaftsgerechtigkeit“.
Im September 1875 verkaufte Caspar Fuchs den »Hirsch« an Paul Engel, ledig und volljährig, Bierbrauer von Nördlingen, der seine Konzession am 8.6.1876 erhielt.
Nachstehend eine Betrugsgeschichte aus dem Jahr 1890:
Am 6. Juli 1890, also vor hundert Jahren, rumpelte ein Wagen kurz nach Mittag durch die Kirchgasse und hielt vor dem »Goldenen Hirsch«, wie das heutige Gasthaus »Hirsch« damals noch hieß. Es stiegen zwei respektabel gekleidete Männer aus, was dem Hirschwirt Johann Georg Nagel, seines Zeichens Bierbrauer und Ökonom, sofort hinterbracht wurde. Ihrem Gepäck nach zu schließen waren sie fahrende Händler, nicht etwa Trödler, Messerschleifer oder gar Hausierer, nein, sie stellten sich als Tuchhändler vor, die Stoffe zu Anzügen und Kleidern, aber auch Tafel- und Bettwäsche anboten. Als Referenz nannten sie den Adlerwirt Gohl von Eybach, die Löwenwirtin Straub von Salach, den Kunstmüller Schuler in Süßen und sogar die Frau Gräfin von Degenfeld habe ihnen zwei Pakete mit Stoff um 450 Mark abgekauft. Denn ihre »Masche« war, nicht Einzelposten zu verkaufen, sondern ganze Pakete mit »Stoff zu drei Herrenanzügen, je ein Tafel‑, Tisch- und Kaffeetuch, 12 Servietten, 12 Handtücher«, und dies alles 160 bis 300 Mark, je nachdem man sich handelseinig wurde.
Obwohl der Höhepunkt dieser Geschichte noch keinesfalls erreicht ist, soll doch schon verraten sein, dass ein Sachverständiger bei der späteren Verhandlung vor der Ulmer Strafkammer dazu aussagte, der Inhalt der Pakete sei höchstens etwa 32 Mark wert, die Stoffe allein bekomme man überall für 15 Mark und zudem »reichte das Tuch nicht für einen ganzen Anzug, sondern nur für Rock und Weste«.
Doch davon hatte der Oberkochener Hirschwirt keine Ahnung, als er aus seinem Brauhaus kommend die Gaststube betrat, wo die beiden Reisenden schon ihre Waren ausgebreitet hatten. Mit großer Beredsamkeit pries der eine seine Stoffe an und behauptete, die rein wollenen Tuche seien auf einer Ausstellung in Paris prämiert worden und es handle sich um prima englische Ware. Als Interessenten sie aber genauer in Augenschein nehmen wollten, kramten die Händler behende neue Stoffe, Tischtücher und Bettlaken hervor und legten sie mit wortreichen Gesten rasch immer oben auf, so dass die Qualität einzelner Tuche nicht geprüft werden konnte.
Schließlich wurde dem Hirschwirt das Treiben zu bunt, er fragte: »Was kostet ein Paket?« Antwort: 190 Mark. Darauf der Hirschwirt im Scherz (wie er später unter Eid versicherte): »130 Mark sind genug«, — und ehe er sich versah, war er zu seinem großen Schreck Besitzer eines Stoffpaketes geworden und blätterte tatsächlich die geforderte Summe auf den Tisch.
Als der Kauf mit einem Glas Bier beschlossen werden sollte, betonten die Händler, sie seien in großer Eile, denn sie müssten auch noch Kunden in Königsbronn besuchen, man wisse doch, »time is money«, womit der eine seine Welterfahrenheit kundtun wollte, der andere aber zum Hirschwirt sagte: »Hättet Ihr ein besseres Trinkgeld gegeben, wären wir noch großzügiger gewesen«, was den Hirschwirt zwar stutzig machte, aber den raschen Aufbruch nicht zu verhindern vermochte.
Denn der Wagenlenker — es war der Kutscher Anton Bieg von Aalen — konnte die inzwischen rasch wieder eingespannten Pferde nur noch mit Mühe zurückhalten; so verstauten die Händler eilig ihr Gepäck im Wagen, sprangen selbst hinein und entschwanden durch die »Langgaß« in Richtung Königsbronn.
Als die Reisenden, auf der Straße eine Staubwolke, beim Hirschwirt aber gelinde Zweifel hinterlassend, so rasch »verduftet« waren, betrachteten der Hirschwirt und seine Frau den Kauf, wobei ihnen bald »der Seifensieder« aufging: Sie waren übers Ohr gehauen worden. Während die Frau vor Schreck erstarrte, schickte der Wirt seinen Knecht zum Schneider Strohmaier, der sofort kam und die Stoffe auf höchstens die Hälfte des Kaufpreises schätzte. (Beim späteren Prozess verteidigte sich der Händler mit dem Argument »wenn ein Schneider ein Tuch taxiere zu 20 Mark, ist es mindestens 40 Mark wert, denn die Schneider verstehen nichts«.)
Da Hirschwirt Nagel nicht willens war, sein gutes Geld zu verschleudern, sann er auf Rache. Denn 135 Mark waren vor hundert Jahren ein beträchtlicher Betrag und Gegenwert von z.B. 4 Paar Saugschweinen oder 40 Zentnern Kartoffeln. Deshalb spannte er seine Pferde ein, warf das Paket als »corpus delicti« auf den Wagen, fuhr zum Rathaus, schnappte sich dort Schultheiß Bezler, und fuhr die Pferde nicht schonend eilends nach Königsbronn. Und er hatte Glück. Genau als sich die Gauner auch dort aus dem Staube machen wollten, kamen die Oberkochener dort an. Schultheiß Bezler knöpfte sich die beiden vor, jedoch diese leugneten und wollten von der ganzen Sache nichts gewusst haben. »Erst auf Konfrontation mit Nagel gestanden sie« und rückten unter Jammern und Gezeter auch das Geld wieder heraus, versäumten aber nicht, die Oberkochener zu bitten, von einer Anzeige bei der Polizei abzusehen, was jedoch unnötig war, denn der Königsbronner Landjäger hatte schon eine Meldung geschrieben.
Befriedigt machten sich Schultheiß und Hirschwirt wieder auf den Weg über die Wasserscheide. Da Johann Georg Nagel dank seines schnellen Entschlusses und mit Hilfe des Schultheißen noch einmal gut davongekommen war, werden sie sich anschließend wohl einige Gläser Bier aus der Hirschbrauerei genehmigt und ihr Abenteuer am Stammtisch zum Besten gegeben haben. Nachzutragen ist noch: Zwei »Preußen« waren die Gauner, denen am 27. August 1891 vor der Ulmer Strafkammer unter Vorsitz des Landrichters Pfeifer der Prozess gemacht wurde, worüber die »Kocherzeitung« in Aalen ausführlich berichtete.
Beide lebten als fahrende Händler, der eine war »von Hause aus Destillateur und Schnapser«, der andere zunächst Goldarbeiter, dann Kellner und Handelsmann. Das Vorstrafenregister beider war beachtlich. Beim ersteren finden sich Stichworte wie »Hausfriedensbruch, Unterschlagung, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Beleidigung, betrügerischer Bankrott«, der andere hatte »Kuppelei, Unterschlagung, schweren Diebstahl, Ehrverlust« aufzuweisen. Beide waren verheiratet, reisten aber ohne Anhang durchs Land. Einer behauptete beim Prozess, »völlig mittellos zu sein und nächstens 8 Kinder zu haben«.
Bemerkenswert ist zum Schluss noch das Gerichtsurteil, das sehr differenziert ausfiel. Während der erste für seine Gaunereien »als Geriebener erachtet« zu einem Monat Zuchthaus verurteilt wurde, kam der zweite, lediglich als »Handlanger« eingestuft, mit einem Freispruch davon, obwohl beide, wie der Reporter schrieb, »nur dem Rat eines Freundes gefolgt seien, der ihnen empfahl, nach Württemberg zu gehen, denn da seien ganz hübsche Leute, da könne man Geschäfte machen, (d.h. dort sind die Leute so dumm, dass man sie ordentlich einseifen kann)« — was sich bis zu einem gewissen Grad auch als richtig erwies und erst vom Oberkochener Hirschwirt widerlegt wurde.
Im April 1893 schlug für Karl Fröhner und seine Familie die Abschiedsstunde von Oberkochen. Im »Hirsch« fand eine große Abschiedsfeier statt, bei der auch die Ehrenbürgerurkunde übergeben wurde. »Am Morgen des 20. April strömte die ganze Bürgerschaft, voran die bürgerlichen Kollegien, Veteranenverein, Kriegerverein, Gesangverein, welche die scheidende Familie begleiteten, auf den Bahnhof, um Herrn Oberförster Fröhner und seiner hochachtbaren Familie den letzten Händedruck zu geben und ein herzliches Lebewohl zu sagen«.

Die Mälzer der Brauerei Hirsch 1905–1906 (Archiv Müller überlassen von Fam. Baumann) v.l.n.r.: Marlin, Nagel, Eckardt, Willhardt, Obermälzer Fenner, Wittmann, Hubmann, Moberg, Masthaf vorne: Müllermeister und Weber
Am Montag, den 8. Mai 1905 wurde Schillers 100ter Geburtstag gefeiert. Aus diesem Anlass wurde auf Veranlassung des Oberförsters Weiger im Gasthaus »zum Hirsch« unter zahlreicher Beteiligung der ganzen Gemeinde zur festlichen Begehung des Schillergedenktages ein Familienabend abgehalten. Auf einen von Frau Oberförster Weiger und Herrn Lehrer Rink flott gespielten vierhändigen Marsch von Schubert folgte der Vortrag von Goethes »Epilog zu Schillers Glocke«. In der sich anschließenden Festrede zeichnete Herr Lehrer Ulsamer ein treffliches Lebens- und Charakterbild des großen unvergesslichen Toten, während Herr Lehrer Fünfer zum Hochhalten und zur Pflege der Ideale, besonders einer glühenden Vaterlandsliebe, aufforderte. Unter den musikalischen Darbietungen bildeten die von Fräulein Rosa Weiger (Tochter des Ehepaares Weiger, damals 22 Jahre alt) tadellos gesungenen Solis … einen wirklichen Hochgenuss« …

Postkarte Gasthaus Brauerei „Hirsch“ von Georg Nagel – vermutlich älteste Aufnahme (Archiv Müller)
Auf dem Hirsch“ waren in der Zeit bis zu den Nagels folgende Personen geführt (ersichtlich aus einem Bericht im „Spion von Aalen aus dem Jahr 1927“. Die Jahreszahlen entsprechen einem Eintrag im Lagerbuch des Klosters Königsbronn. (?? bedeutet Jahreszahl unbekannt. Ersichtliche Lücken konnten nicht geschlossen werden):
1358 Hans der Schrieber
1471 Hans Scherrenmüller
1490 Anna Höllin
?? Jerg Mack
?? Anna Röferin
1583 Bartlin / Bartolomäus Brotwolf
?? Balthes Fautzenberger
1691 Christian Wiedenmann
1708 Leonhard Raser
1710 Johannes Schmid
1725 Christian Schülen
?? Christoph Bindel
1811 Georg Adam Scherer
1818 Albert Weitbach
1831 Johannes Fuchs
1870 Caspar Fuchs
1888 Johann Georg Nagel alt
1913 Marie Nagel
1915 Georg Friedrich Nagel Sohn
Familie Nagel. Im sog. „Dreikaiserjahr“ 1888 kam der Bierbrauer Johann Georg Nagel mit seiner Frau Marie geb. Waibel von Heubach nach Oberkochen und übernahm den „Hirsch“ vermutlich zu einem Kaufpreis von ca. 50 – 60.000 Gulden. Der Gemeinderat bescheinigte ihm ein hervorragendes Vermögenszeugnis. (Dreikaiserjahr, weil innerhalb eines Jahres 3 Kaiser regierten: Wilhelm I. 1871–1888 / Friedrich III. 1888 / Wilhelm II. 1888 bis 1918). Nach dem Tod seiner Eltern bekam Georg Nagel seine eigene Konzession, die aber kriegsbedingt erst nach einer Wartezeit am 05.02.1916 erteilt wurde. Das Steuerbüchlein gibt Auskunft darüber, dass für den Zeitraum 1925/26 ein Betrag von 1.323,56 Mark zu entrichten war. In einer Anzeige stand in den folgenden 50ern zu lesen: „Ältestes Haus am Platze, Fernsprecher Nr. 3“.
Im 19. Jhrhdrt. war es ein Highlight im täglichen Leben, wenn der Hirsch-Wirt seine Fässer zum Reinigen (Schwefeln) die Straße hinunterrollte, bis auf Höhe Bahnhofstraße und wieder zurück. Ein Erlebnis für die Kinder. Die Hausfrau kaufte Hefebrühe im „Hirsch“, deren Substanz zum Kochen und Backen verwendet wurde. Viele Besitzer kamen und gingen – für uns ist dieses Gebäude aber immer mit der Familie Nagel verbunden, die im Haus daneben wohnte.
Johann Georg Nagel (geb. 11.02.1861 in Heubach, gest. 26.06.1913 in Oberkochen) heiratete am 10.04.1888 in Heubach Marie Waibel kath.
Marie Waibel (geb. 02.06.1870 in Heubach, gest. 21.11.1915 in Oberkochen
Die beiden hatten sechs Kinder
o Georg Friedrich Nagel (geb. 30.06.1888 in Bargau, gest. 29.01.1970 in Eisenberg) übernahm nach dem Tod seiner Mutter
Heiratete am 24.11.1919 Anna Hellwig (geb. 23.10.1895 Eisenberg, gest. 08.10.1981 in Oberkochen)
Hans Nagel war ihr Sohn (geb. 10.08.1920 in Oberkochen, gest. 22.12.1981 in Heidenheim). Seine Frau war Else Nagel geb. Scheifling geb. 13.09.1921, gest. 24.08.2009) Hans Nagel, der Sohn von Georg war ein bekannter Mann und ein bekennender Pferdenarr. Unvergessen seine Teilnahme mit seinen beiden Schimmeln „Max“ und „Mariza“ bei einem römischen Wagenrennen in Waldhausen. Auch bringen ihn die Alten oft mit dem alten Schneepflug, der von 4 Pferden gezogen wurde, in Verbindung.
o Bertha Marg. Nagel (geb. 26.07.1889, gest. 03.01.1980)
o Maria Marg. Nagel heiratete den Fabrikanten Albert Leitz (geb. 25.10.1890, gest. 11.03.1986)
o Adolf Nagel (geb. 02.01.1894, gest. 20.05.1920)
o Albertine Nagel (geb. 26.05.1897, gest. 07.11.1985)
o Thusnelda Nagel (geb. 24.07.1901, gest. 08.03.1974)

Anna Nagel (Archiv Müller überlassen von Fam. Baumann)

Georg Nagel (Archiv Müller überlassen von Fam. Baumann)
Die Fortsetzung über den „Hirsch“ gibt’s in Kürze.
Es grüßt (nie mehr) aus dem Saal des „Hirsch“ der „Billie vom Sonnenberg“