Der gute alte „Hirsch“,

2016 Abriss des „Hirsch“-Areals Blick von Aalener Straße (Archiv Müller)

dem das Schick­sal des Abris­ses nicht erspart blieb. Im Jahr 2016 war es so weit – die Bagger der Fa. AK Kling aus Ellen­berg rückten an und verrich­te­ten ihr Werk für rund 320.000 €. Der Abriss wurde vom Landes­amt für Denkmal­pfle­ge beglei­tet.
Am 22. April 1358 – vor, sage und schrei­be, 666 Jahren – wurde der „Hirsch“ (der Name wurde aber erst ab 1831 verwen­det) zum ersten Mal erwähnt. Das Anwesen ist sicher älter. Nachwei­se fehlen, aber Exper­ten schät­zen, dass es den Hof womög­lich schon um 1300 gab. Als Ritter Otto von Kalten­burg und seine Frau Adelheid von Schwabs­berg ihren Besitz und die Rechte in Oberko­chen an den Abt Berthold vom Kloster Königs­bronn überschrieb, bestand der Besitz aus

• 3 Höfen (Ein Hof ist ein landwirt­schaft­li­cher Betrieb, der oft auch als Gehöft bezeich­net wird. Er umfasst in der Regel ein Wohnhaus und mehre­re Wirtschafts­ge­bäu­de wie Scheu­nen, Stallun­gen und Geräte­schup­pen)
• 5 Lehen (Als Lehen bezeich­net man Rechte, die jeman­dem überlas­sen werden. Der Lehns­herr vergibt diese Rechte. Meist handelt es sich dabei um Grund und Boden. Es war also so etwas wie gelie­he­nes Land)
• 3 Huben (mittel­al­ter­li­che Maßein­heit, Rechts­ti­tel eines Grund- oder Gutsbe­sit­zes und Hofform) und
• 10 Sölden (Hof und Grund eines Söldners (kein Soldat, sondern ein Klein­bau­er, Häusler), der manch­mal auch etwas Vieh besaß und in der Regel davon allein nicht leben konnte. Als Tagelöh­ner oder Handwer­ker musste er sich zusätz­li­chen „Sold“ dazuver­die­nen. Anders als die Bauern hatten die Söldner meist auch keine Pferde).
• Unter diesen Gütern befand sich auch eine Mühle und eine Taver­ne, die seiner­zeit von „Hans dem Schrie­ber“ (kein Schreib­feh­ler!) geführt wurde und war lange Zeit die einzi­ge Gaststät­te am Ort, mit der Berech­ti­gung Wein auszu­schen­ken, warme Speisen zu servie­ren und Gäste zu beherbergen.

Im 16. Jhrhdrt. ging das Monopol des Klosters aus der Nachbar­ge­mein­de verlo­ren und andere Gasthäu­ser konnten sich entwi­ckeln. Der „Hirsch“ war somit auch eines der ältes­ten Gasthäu­ser in Württem­berg und daher ist es natür­lich doppelt traurig, dass er einge­eb­net wurde. Aber, da war eben auch nichts mehr erhal­tens­wert genug, um einen Inves­tor gewin­nen zu können. Zu viel wurde gebaut, angebaut, verbaut, umgebaut – und so haben wir heute einen neuen Platz mit einem durch­aus schönen Gesicht hat. Ein Schild an der Kirchen­mau­er weist auf die Geschich­te des „Hirsch“ hin. Hätte der Platz nicht auch einen Namen verdient wie z.B. „Hirsch-Platz“? Nein, man entschied sich für den Namen „Neue Mitte“ – ein Aller­welts­na­me, der sich inzwi­schen in vielen Gemein­den wieder­fin­det.
Eine Absur­dum der Geschich­te muss hier auch erwähnt werden, und zwar die religiö­se Trennung im Ort zwischen den Katho­li­ken und den Protes­tan­ten, die in diver­sen Berich­ten schon abgehan­delt wurde. Diese ging sogar durch einzel­ne Häuser und auch quer durch die Gaststu­be im „Hirsch“. Das hatte auch die Auswir­kung, dass in dersel­ben Gaststu­be unter­schied­li­che Polizei­stun­den gültig waren. Aber der Mensch ist ja flexi­bel. Hatte die eine Hälfte der Wirts­stu­be schon geschlos­sen, hockte man sich einfach in die andere Hälfte – vermut­lich war’s dabei egal, ob man das richti­ge oder das falsche Gesang­buch hatte. Ich habe den begrün­de­ten Verdacht, dass die Katho­li­ken die späte­re Polizei­stun­de hatten.
Eine Zech- und Saufge­schich­te von 1847, die einst Volkmar Schrenk aus den Tiefen des Schwä­Po-Archivs hervor­kram­te:
Am 5. Januar 1847 gab Metzger Caspar S. im »Boten« eine »Ehren­er­klä­rung« ab, in der er sich für Unwahr­hei­ten entschul­digt und erklärt, sich »in Zukunft vor derar­ti­gen leiden­schaft­li­chen Ausbrü­chen hüten« zu wollen. Was war gesche­hen?
An einem frosti­gen Sonntag­vor­mit­tag im Januar hatten der Metzger Kaspar und die Brüder Chris­toph und Micha­el die Wärme des benach­bar­ten Wirts­hau­ses der kalten Kirche vorge­zo­gen. Und wie es manch­mal zu gehen pfleg­te, die Unter­hal­tung wurde lebhaf­ter und lauter bis man sich, bildlich gespro­chen, in die Haare geriet und der Kaspar »in der Folge eines starken Wortwech­sels gräss­li­che Flüche und Verwün­schun­gen ausstieß«. Nicht, dass der Pfarrer dies in der Kirche neben­an tatsäch­lich gehört hätte, dennoch reich­ten seine Ohren weit und der Läste­rer wurde vom Kirchen­con­vent »vorge­for­dert«. Dieser erinner­te sich an einen Erlass des Aalener Oberamt­manns vom 26. April 1845 an Kirchen­con­ven­te und Gemein­de­rä­te, wo es heißt: »Den oben genann­ten Ortsbe­hör­den dient zur Nachricht, dass die Strafen wegen Zechens und Saufens während des Gottes­diens­tes, wenn sie vom Kirchen­con­vent angesetzt wurden, der Ortsar­men­kas­se, wenn aber vom weltli­chen Ortsvor­ste­her oder Gemein­de­rat erkannt wurde, der Gemein­de­pfle­ge zur Verrech­nung zu überge­ben sind. Also machte der Kirchen­con­vent wohl auch im Blick auf die Lage der »Heili­gen Kasse« kurzen Prozess, sah den Tatbe­stand »Zechen und Saufen während des Gottes­diens­tes« für gegeben, erteil­te dem Schrei­er wegen »irreli­giö­sem und unsitt­li­chem Betra­gen einen stren­gen Verweis« und »beleg­te ihn wegen Sonntags­en­t­hei­li­gung und Ärger­nis­ses mit einer Geldstra­fe von 3 Gulden«. Da der Verur­teil­te seinen Unfug bereu­te, nahm er die Einspruchs­frist von »zweimal 24 Stunden« nicht in Anspruch, bezahl­te die Strafe, die ja den Ortsar­men zugute­kam, und entschul­dig­te sich im »Boten« durch die eingangs erwähn­te »Ehren­er­klä­rung”.
Im Frühjahr 1865 beantrag­te eine “Johan­nes Fuchs Hirsch­wirts­wit­we“ die Conzes­si­on für eine (Sommer)Speisewirtschaft auf ihrem Gut am Wege vom Ort zur, das sie in einen Garten verwan­deln will. Der Gemein­de­rat befür­wor­te­te das Gesuch am 21. Mai 1865. Dazu ist vermerkt: „Frau Fuchs wünscht eine Speise­wirt­schaft, welche die Abrei­chung aller Geträn­ke sowie auch von kalten und warmen Speisen enthal­te.“ Das Conzes­si­ons­ge­such wurde durch Ausru­fen öffent­lich bekannt­ge­macht. 15 Tage lang gab es keine Einwen­dun­gen. Die Konzes­si­on galt für eine »Sommer­wirt­schaft im Garten als Neben­wirt­schaft zum Hirsch«. (Bahnhof­stra­ße).
In den Gemein­de­rats­un­ter­la­gen von damals heißt es: 1240 Einwoh­ner und »für Wirtschafts­ge­wer­be gut gelegen«. 2 Schild- und Speise­wirt­schaf­ten, 1 Speise­wirt­schaft, 1 Gassen­wirt­schaft, zusam­men also vier und alle machen von ihrer Conzes­si­on Gebrauch.
1870 übernahm Caspar Fuchs den Betrieb von seiner in diesem Jahr verstor­be­nen Mutter. Bei 1197 Einwoh­nern wurde eine Conzes­si­on durch den Gemein­de­rat befür­wor­tet. Vermerk: „Gesuch­stel­ler hat schönes Vermö­gen und betreibt bereits eine Bierbraue­rei mit Schild- und Speise­wirt­schafts­ge­rech­tig­keit“.
Im Septem­ber 1875 verkauf­te Caspar Fuchs den »Hirsch« an Paul Engel, ledig und volljäh­rig, Bierbrau­er von Nördlin­gen, der seine Konzes­si­on am 8.6.1876 erhielt.
Nachste­hend eine Betrugs­ge­schich­te aus dem Jahr 1890:
Am 6. Juli 1890, also vor hundert Jahren, rumpel­te ein Wagen kurz nach Mittag durch die Kirch­gas­se und hielt vor dem »Golde­nen Hirsch«, wie das heuti­ge Gasthaus »Hirsch« damals noch hieß. Es stiegen zwei respek­ta­bel geklei­de­te Männer aus, was dem Hirsch­wirt Johann Georg Nagel, seines Zeichens Bierbrau­er und Ökonom, sofort hinter­bracht wurde. Ihrem Gepäck nach zu schlie­ßen waren sie fahren­de Händler, nicht etwa Trödler, Messer­schlei­fer oder gar Hausie­rer, nein, sie stell­ten sich als Tuchhänd­ler vor, die Stoffe zu Anzügen und Kleidern, aber auch Tafel- und Bettwä­sche anboten. Als Referenz nannten sie den Adler­wirt Gohl von Eybach, die Löwen­wir­tin Straub von Salach, den Kunst­mül­ler Schul­er in Süßen und sogar die Frau Gräfin von Degen­feld habe ihnen zwei Pakete mit Stoff um 450 Mark abgekauft. Denn ihre »Masche« war, nicht Einzel­pos­ten zu verkau­fen, sondern ganze Pakete mit »Stoff zu drei Herren­an­zü­gen, je ein Tafel‑, Tisch- und Kaffee­tuch, 12 Servi­et­ten, 12 Handtü­cher«, und dies alles 160 bis 300 Mark, je nachdem man sich handels­ei­nig wurde.
Obwohl der Höhepunkt dieser Geschich­te noch keines­falls erreicht ist, soll doch schon verra­ten sein, dass ein Sachver­stän­di­ger bei der späte­ren Verhand­lung vor der Ulmer Straf­kam­mer dazu aussag­te, der Inhalt der Pakete sei höchs­tens etwa 32 Mark wert, die Stoffe allein bekom­me man überall für 15 Mark und zudem »reich­te das Tuch nicht für einen ganzen Anzug, sondern nur für Rock und Weste«.
Doch davon hatte der Oberko­che­ner Hirsch­wirt keine Ahnung, als er aus seinem Brauhaus kommend die Gaststu­be betrat, wo die beiden Reisen­den schon ihre Waren ausge­brei­tet hatten. Mit großer Bered­sam­keit pries der eine seine Stoffe an und behaup­te­te, die rein wolle­nen Tuche seien auf einer Ausstel­lung in Paris prämiert worden und es handle sich um prima engli­sche Ware. Als Inter­es­sen­ten sie aber genau­er in Augen­schein nehmen wollten, kramten die Händler behen­de neue Stoffe, Tisch­tü­cher und Bettla­ken hervor und legten sie mit wortrei­chen Gesten rasch immer oben auf, so dass die Quali­tät einzel­ner Tuche nicht geprüft werden konnte.
Schließ­lich wurde dem Hirsch­wirt das Treiben zu bunt, er fragte: »Was kostet ein Paket?« Antwort: 190 Mark. Darauf der Hirsch­wirt im Scherz (wie er später unter Eid versi­cher­te): »130 Mark sind genug«, — und ehe er sich versah, war er zu seinem großen Schreck Besit­zer eines Stoff­pa­ke­tes gewor­den und blätter­te tatsäch­lich die gefor­der­te Summe auf den Tisch.
Als der Kauf mit einem Glas Bier beschlos­sen werden sollte, beton­ten die Händler, sie seien in großer Eile, denn sie müssten auch noch Kunden in Königs­bronn besuchen, man wisse doch, »time is money«, womit der eine seine Welterfah­ren­heit kundtun wollte, der andere aber zum Hirsch­wirt sagte: »Hättet Ihr ein besse­res Trink­geld gegeben, wären wir noch großzü­gi­ger gewesen«, was den Hirsch­wirt zwar stutzig machte, aber den raschen Aufbruch nicht zu verhin­dern vermoch­te.
Denn der Wagen­len­ker — es war der Kutscher Anton Bieg von Aalen — konnte die inzwi­schen rasch wieder einge­spann­ten Pferde nur noch mit Mühe zurück­hal­ten; so verstau­ten die Händler eilig ihr Gepäck im Wagen, spran­gen selbst hinein und entschwan­den durch die »Langgaß« in Richtung Königs­bronn.
Als die Reisen­den, auf der Straße eine Staub­wol­ke, beim Hirsch­wirt aber gelin­de Zweifel hinter­las­send, so rasch »verduf­tet« waren, betrach­te­ten der Hirsch­wirt und seine Frau den Kauf, wobei ihnen bald »der Seifen­sie­der« aufging: Sie waren übers Ohr gehau­en worden. Während die Frau vor Schreck erstarr­te, schick­te der Wirt seinen Knecht zum Schnei­der Stroh­mai­er, der sofort kam und die Stoffe auf höchs­tens die Hälfte des Kaufprei­ses schätz­te. (Beim späte­ren Prozess vertei­dig­te sich der Händler mit dem Argument »wenn ein Schnei­der ein Tuch taxie­re zu 20 Mark, ist es mindes­tens 40 Mark wert, denn die Schnei­der verste­hen nichts«.)
Da Hirsch­wirt Nagel nicht willens war, sein gutes Geld zu verschleu­dern, sann er auf Rache. Denn 135 Mark waren vor hundert Jahren ein beträcht­li­cher Betrag und Gegen­wert von z.B. 4 Paar Saugschwei­nen oder 40 Zentnern Kartof­feln. Deshalb spann­te er seine Pferde ein, warf das Paket als »corpus delic­ti« auf den Wagen, fuhr zum Rathaus, schnapp­te sich dort Schult­heiß Bezler, und fuhr die Pferde nicht schonend eilends nach Königs­bronn. Und er hatte Glück. Genau als sich die Gauner auch dort aus dem Staube machen wollten, kamen die Oberko­che­ner dort an. Schult­heiß Bezler knöpf­te sich die beiden vor, jedoch diese leugne­ten und wollten von der ganzen Sache nichts gewusst haben. »Erst auf Konfron­ta­ti­on mit Nagel gestan­den sie« und rückten unter Jammern und Gezeter auch das Geld wieder heraus, versäum­ten aber nicht, die Oberko­che­ner zu bitten, von einer Anzei­ge bei der Polizei abzuse­hen, was jedoch unnötig war, denn der Königs­bron­ner Landjä­ger hatte schon eine Meldung geschrie­ben.
Befrie­digt machten sich Schult­heiß und Hirsch­wirt wieder auf den Weg über die Wasser­schei­de. Da Johann Georg Nagel dank seines schnel­len Entschlus­ses und mit Hilfe des Schult­hei­ßen noch einmal gut davon­ge­kom­men war, werden sie sich anschlie­ßend wohl einige Gläser Bier aus der Hirsch­braue­rei geneh­migt und ihr Abenteu­er am Stamm­tisch zum Besten gegeben haben. Nachzu­tra­gen ist noch: Zwei »Preußen« waren die Gauner, denen am 27. August 1891 vor der Ulmer Straf­kam­mer unter Vorsitz des Landrich­ters Pfeifer der Prozess gemacht wurde, worüber die »Kocher­zei­tung« in Aalen ausführ­lich berich­te­te.
Beide lebten als fahren­de Händler, der eine war »von Hause aus Destil­la­teur und Schnap­ser«, der andere zunächst Goldar­bei­ter, dann Kellner und Handels­mann. Das Vorstra­fen­re­gis­ter beider war beacht­lich. Beim erste­ren finden sich Stich­wor­te wie »Hausfrie­dens­bruch, Unter­schla­gung, Wider­stand gegen die Staats­ge­walt, Belei­di­gung, betrü­ge­ri­scher Bankrott«, der andere hatte »Kuppe­lei, Unter­schla­gung, schwe­ren Diebstahl, Ehrver­lust« aufzu­wei­sen. Beide waren verhei­ra­tet, reisten aber ohne Anhang durchs Land. Einer behaup­te­te beim Prozess, »völlig mittel­los zu sein und nächs­tens 8 Kinder zu haben«.
Bemer­kens­wert ist zum Schluss noch das Gerichts­ur­teil, das sehr diffe­ren­ziert ausfiel. Während der erste für seine Gaune­rei­en »als Gerie­be­ner erach­tet« zu einem Monat Zucht­haus verur­teilt wurde, kam der zweite, ledig­lich als »Handlan­ger« einge­stuft, mit einem Freispruch davon, obwohl beide, wie der Repor­ter schrieb, »nur dem Rat eines Freun­des gefolgt seien, der ihnen empfahl, nach Württem­berg zu gehen, denn da seien ganz hübsche Leute, da könne man Geschäf­te machen, (d.h. dort sind die Leute so dumm, dass man sie ordent­lich einsei­fen kann)« — was sich bis zu einem gewis­sen Grad auch als richtig erwies und erst vom Oberko­che­ner Hirsch­wirt wider­legt wurde.
Im April 1893 schlug für Karl Fröhner und seine Familie die Abschieds­stun­de von Oberko­chen. Im »Hirsch« fand eine große Abschieds­fei­er statt, bei der auch die Ehren­bür­ger­ur­kun­de überge­ben wurde. »Am Morgen des 20. April ström­te die ganze Bürger­schaft, voran die bürger­li­chen Kolle­gi­en, Vetera­nen­ver­ein, Krieger­ver­ein, Gesang­ver­ein, welche die schei­den­de Familie beglei­te­ten, auf den Bahnhof, um Herrn Oberförs­ter Fröhner und seiner hochacht­ba­ren Familie den letzten Hände­druck zu geben und ein herzli­ches Lebewohl zu sagen«.

Die Mälzer der Braue­rei Hirsch 1905–1906 (Archiv Müller überlas­sen von Fam. Baumann) v.l.n.r.: Marlin, Nagel, Eckardt, Willhardt, Obermäl­zer Fenner, Wittmann, Hubmann, Moberg, Masthaf vorne: Müller­meis­ter und Weber

Am Montag, den 8. Mai 1905 wurde Schil­lers 100ter Geburts­tag gefei­ert. Aus diesem Anlass wurde auf Veran­las­sung des Oberförs­ters Weiger im Gasthaus »zum Hirsch« unter zahlrei­cher Betei­li­gung der ganzen Gemein­de zur festli­chen Begehung des Schil­ler­ge­denk­ta­ges ein Famili­en­abend abgehal­ten. Auf einen von Frau Oberförs­ter Weiger und Herrn Lehrer Rink flott gespiel­ten vierhän­di­gen Marsch von Schubert folgte der Vortrag von Goethes »Epilog zu Schil­lers Glocke«. In der sich anschlie­ßen­den Festre­de zeich­ne­te Herr Lehrer Ulsamer ein treff­li­ches Lebens- und Charak­ter­bild des großen unver­gess­li­chen Toten, während Herr Lehrer Fünfer zum Hochhal­ten und zur Pflege der Ideale, beson­ders einer glühen­den Vater­lands­lie­be, auffor­der­te. Unter den musika­li­schen Darbie­tun­gen bilde­ten die von Fräulein Rosa Weiger (Tochter des Ehepaa­res Weiger, damals 22 Jahre alt) tadel­los gesun­ge­nen Solis … einen wirkli­chen Hochgenuss« …

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Postkar­te Gasthaus Braue­rei „Hirsch“ von Georg Nagel – vermut­lich ältes­te Aufnah­me (Archiv Müller)

Auf dem Hirsch“ waren in der Zeit bis zu den Nagels folgen­de Perso­nen geführt (ersicht­lich aus einem Bericht im „Spion von Aalen aus dem Jahr 1927“. Die Jahres­zah­len entspre­chen einem Eintrag im Lager­buch des Klosters Königs­bronn. (?? bedeu­tet Jahres­zahl unbekannt. Ersicht­li­che Lücken konnten nicht geschlos­sen werden):
1358 Hans der Schrie­ber
1471 Hans Scher­ren­mül­ler
1490 Anna Höllin
?? Jerg Mack
?? Anna Röferin
1583 Bartlin / Barto­lo­mä­us Brotwolf
?? Balthes Fautzen­ber­ger
1691 Chris­ti­an Wieden­mann
1708 Leonhard Raser
1710 Johan­nes Schmid
1725 Chris­ti­an Schülen
?? Chris­toph Bindel
1811 Georg Adam Scherer
1818 Albert Weitbach
1831 Johan­nes Fuchs
1870 Caspar Fuchs
1888 Johann Georg Nagel alt
1913 Marie Nagel
1915 Georg Fried­rich Nagel Sohn

Familie Nagel. Im sog. „Dreikai­ser­jahr“ 1888 kam der Bierbrau­er Johann Georg Nagel mit seiner Frau Marie geb. Waibel von Heubach nach Oberko­chen und übernahm den „Hirsch“ vermut­lich zu einem Kaufpreis von ca. 50 – 60.000 Gulden. Der Gemein­de­rat beschei­nig­te ihm ein hervor­ra­gen­des Vermö­gens­zeug­nis. (Dreikai­ser­jahr, weil inner­halb eines Jahres 3 Kaiser regier­ten: Wilhelm I. 1871–1888 / Fried­rich III. 1888 / Wilhelm II. 1888 bis 1918). Nach dem Tod seiner Eltern bekam Georg Nagel seine eigene Konzes­si­on, die aber kriegs­be­dingt erst nach einer Warte­zeit am 05.02.1916 erteilt wurde. Das Steuer­büch­lein gibt Auskunft darüber, dass für den Zeitraum 1925/26 ein Betrag von 1.323,56 Mark zu entrich­ten war. In einer Anzei­ge stand in den folgen­den 50ern zu lesen: „Ältes­tes Haus am Platze, Fernspre­cher Nr. 3“.
Im 19. Jhrhdrt. war es ein Highlight im tägli­chen Leben, wenn der Hirsch-Wirt seine Fässer zum Reini­gen (Schwe­feln) die Straße hinun­ter­roll­te, bis auf Höhe Bahnhof­stra­ße und wieder zurück. Ein Erleb­nis für die Kinder. Die Hausfrau kaufte Hefebrü­he im „Hirsch“, deren Substanz zum Kochen und Backen verwen­det wurde. Viele Besit­zer kamen und gingen – für uns ist dieses Gebäu­de aber immer mit der Familie Nagel verbun­den, die im Haus daneben wohnte.

Johann Georg Nagel (geb. 11.02.1861 in Heubach, gest. 26.06.1913 in Oberko­chen) heira­te­te am 10.04.1888 in Heubach Marie Waibel kath.
Marie Waibel (geb. 02.06.1870 in Heubach, gest. 21.11.1915 in Oberkochen
 Die beiden hatten sechs Kinder

o Georg Fried­rich Nagel (geb. 30.06.1888 in Bargau, gest. 29.01.1970 in Eisen­berg) übernahm nach dem Tod seiner Mutter

 Heira­te­te am 24.11.1919 Anna Hellwig (geb. 23.10.1895 Eisen­berg, gest. 08.10.1981 in Oberkochen)
Hans Nagel war ihr Sohn (geb. 10.08.1920 in Oberko­chen, gest. 22.12.1981 in Heiden­heim). Seine Frau war Else Nagel geb. Scheif­ling geb. 13.09.1921, gest. 24.08.2009) Hans Nagel, der Sohn von Georg war ein bekann­ter Mann und ein beken­nen­der Pferde­narr. Unver­ges­sen seine Teilnah­me mit seinen beiden Schim­meln „Max“ und „Mariza“ bei einem römischen Wagen­ren­nen in Waldhau­sen. Auch bringen ihn die Alten oft mit dem alten Schnee­pflug, der von 4 Pferden gezogen wurde, in Verbindung.

o Bertha Marg. Nagel (geb. 26.07.1889, gest. 03.01.1980)
o Maria Marg. Nagel heira­te­te den Fabri­kan­ten Albert Leitz (geb. 25.10.1890, gest. 11.03.1986)
o Adolf Nagel (geb. 02.01.1894, gest. 20.05.1920)
o Alber­ti­ne Nagel (geb. 26.05.1897, gest. 07.11.1985)
o Thusnel­da Nagel (geb. 24.07.1901, gest. 08.03.1974)

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Anna Nagel (Archiv Müller überlas­sen von Fam. Baumann)

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Georg Nagel (Archiv Müller überlas­sen von Fam. Baumann)

Die Fortset­zung über den „Hirsch“ gibt’s in Kürze.

Es grüßt (nie mehr) aus dem Saal des „Hirsch“ der „Billie vom Sonnenberg“

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