• Wenn man im falschen Bett landet. Hinten im Katzen­bach lebten – nennen wir sie bei ihren Hausna­men – der „Hugas­eff“ und der „Zelle“. Bei letzte­rem hatte man ziemlich viele Kinder. Abends, wenn alle im Haus waren, ging’s munter her, und der „Zelle“ musste hin und wieder ein Macht­wort sprechen, und alle, die noch herum­hupf­ten, wurden gnaden­los ins Bett gescheucht. Als wieder einmal alles drunter und drüber ging, ließ der „Zelle“ seinen üblichen Plärrer los: „Ab on nauf en’d Beddr – aber älle, on zwar glei!“ Wenn der „Zelle“ mit erhobe­ner Stimme sprach, war, wie gesagt, Feuer unterm Dach angesagt, und es gab keine Wider­re­de. So verzog sich der eben noch putzmun­te­re Kinder­se­gen mucks­mäus­chen­stil­le nach oben, und es herrsch­te umgehend Ruhe im Hause „Zelle“. Doch diesmal geschah etwas noch nie Dagewe­se­nes. Nach einiger Zeit drang ein durch Mark und Bein gehen­des Gewim­mer und Greinen von oben nach unten. „Abr a Ruah isch säll doba, ond zwar uff dr Schdell“, — schrie der „Zelle“ nach oben. Doch schon bald ging das herzzer­rei­ßen­de Geheu­le wieder los. Da ging der „Zelle“ höchst persön­lich nach oben, um nach dem Rechten zu schau­en. „Ja was isch abr au los, dao gibt’s doch iebrhaupt nex zom Pläara“, schimpf­te er. Da schluchz­te es aus der Dunkel­heit: „I gheer doch gar et zu uich, I g’heer doch em Hugaseff“.
  • Die fliegen­de Fahrt in den Nussbach oder „Gut Naaacht, Schtooock!“ Im Jahr 2001 erzähl­te der damals 93-jähri­ge Paul Gold, den man in Oberko­chen unter seinem Hausna­men “Englän­ders Paul” kennt, eine Geschich­te vom Nußbach. Er arbei­te­te früher beim WIGO (Wilhelm Grupp Oberko­chen). In den 20er-Jahren des letzten Jahrhun­derts kamen einmal sein Chef, der Herr Zeller mit seinem Fahrer, dem Herrn Stock, im Auto von einer Geschäfts­fahrt von Aalen herauf nach Oberko­chen zurück. Autos konnten sich damals in Oberko­chen nur die wenigen Indus­tri­el­len, die man “Fabri­kan­ten” nannte, leisten. Das Auto war ein störri­scher, aber zu dieser Zeit natür­lich hochmo­der­ner, fahren­der Kasten. Die Räder hatten noch Holzspei­chen, sagte der Englän­ders Paul. Aber man konnte für damali­ge Zeiten damit schon ganz schön schnell fahren. Nach der Links­kur­ve hinter der Kocher­brü­cke bog das Fahrzeug mit einem solch dynami­schen Schwung in die gerade Straße ein, die vollends nach Oberko­chen hinein­führt, dass der Fahrer Stock den Wagen nicht mehr so richtig auf die gerade Strecke brach­te, sodass es aus der Kurve heraus im Bogen weiter nach links den “Roina” hinab Richtung Nußbach schoss — und abschlie­ßend in densel­ben hinein. Der Chef Zeller sagte, als das Auto von der Straße abhob und den Abhang hinab bachwärts holper­te, furztro­cken “Gut Naaacht, Schtooock”. Alsbald blieb das Gefährt in einer so außer­ge­wöhn­li­chen Positi­on stecken, dass es sich in Windes­ei­le im ganzen Ort herum­sprach: Front­rä­der und Motor­block befan­den sich jenseits vom Nussbach im Gewann Schwörz, Hinter­rä­der und Heck diesseits im Gewann Nussbach. Unter den Sitzen rausch­ten die Fluten des gewal­ti­gen Nußbachs. Chef, Fahrer und Automo­bil sollen den “Ausflug sowie den abrup­ten Halt gut überstan­den haben.
  • Gar et g’schickt. Ein bekann­ter Inter­nist vom Kreis­kran­ken­haus Heiden­heim berich­te­te von einem Oberko­che­ner, der aufgrund schnel­le­rer Besse­rung früher nach Hause durfte als erwar­tet. Der Arzt rief, da er die Frau kannte, persön­lich bei der besse­ren Hälfte des vorzei­tig genese­nen Patien­ten in Oberko­chen an, um die frühe­re Heimkunft zu vermel­den. Die Reakti­on des Eheweibs sei gewesen: „Au, des kommt mr jetz gar et g’schickt“.
  • Der Krieg war vorbei, die Amis waren bis nach Thürin­gen gekom­men, mussten dieses Bundes­land aber aufgrund der Verträ­ge von Jalta wieder verlas­sen und den Russen überlas­sen. Eine Äußerung eines mitfüh­len­den Oberko­che­ner Altbür­gers, die sich aller­dings nicht nachwei­sen lässt, laute­te:„Kein Wunder, dass der Russe nach Thürin­gen und der Ami nach Oberko­chen gekom­men ist – die Thürin­ger sind ja evangelisch“
  • Der mobile Regen­schirm. Nach länge­rem unlei­di­gem Wetter brauch­te dem Metza-Hermann sein Vater einen Regen­schirm, der in Oberko­chen nicht aufzu­trei­ben war. Also fuhr er nach Aalen. Zuhau­se zurück fragte seine Frau: »Ond wo isch dr Schirm?« – »Däär fehrt em Zug nach Ulm!« Weil er später im heißen Nordafri­ka unter dem Wüsten­fuchs Rommel kämpf­te und schwitz­te, konnte er den Regen­schirm nachträg­lich verschmerzen.
  • Am 15. Januar 1844 geschah auf dem „Zahnberg“ (zwischen Oberko­chen und Königs­bronn) ein Unglück, bei dem zwei »Bergleu­te« — Hafner, die nach Lehm gruben und ein Helfer der Rettungs­mann­schaf­ten den Tod fanden und über das Alfons Mager, der Sohn von Oberleh­rer Mager, im Oberko­che­ner Heimat­buch (Seite 120) kurz berich­tet. Die Mutter eines der Verun­glück­ten«, soll bei der Überbrin­gung der Hiobs­bot­schaft schmerz­voll gerufen haben: „Wenn mei Soh seine nuie Stiefel ond sei Uhr et aghet hätt, wär‘s et so arg!“

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