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	<title>Sitten, Gebräuche u. v. m. | Heimatverein Oberkochen</title>
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		<title>Brauchtum um die Kirchweih in Oberkochen</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/brauchtum-um-die-kirchweih-in-oberkochen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[S.Mueller.HVO]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Oct 1957 23:00:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Heimatbüchlein]]></category>
		<category><![CDATA[Sitten, Gebräuche u. v. m.]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Wie überall in deutschen Landen stand auch bei uns in Oberkochen die Kirchweih einst in der brauchtumsmäßigen Feierlichkeit nicht an letzter Stelle der Feste, die im Jahresablauf unserer Vorfahren verzeichnet waren. Der Artikel 9 des Aalener Protokolls aus dem Jahre 1749, der bereits in einem der »Blätter zu einem Oberkochener Heimatbüchlein« erschienen ist, läßt erkennen, daß die Kirchweih damals in Oberkochen noch ganz groß gefeiert worden ist. Acht volle Tage dauerte sie. Natürlich ist hier nicht die kirchliche, sondern die Feier die außerhalb stattgefunden hat, gemeint. Nach den heutigen Begriffen war sie nichts anderes als ein Volksfest im engeren heimatlichen Raum. Aus einer Darstellung über das Brauchtum, von Dr. Veit, Freiburg, geht hervor, daß im späteren Mittelalter vier bis fünf Gemeinden zusammengekommen sind und mit großen Mahlzeiten, mit Weinschank und Tanz den weltlichen Teil der Kirchweih gefeiert haben.</p>
<p>Wenn wir lesen, daß in Oberkochen um das Jahr 1749 gegen eine Übertreibung dieser Festerei die Obrigkeiten der beiden Dorfteile einschreiten mußten, dann liegt die Vermutung nahe, daß Oberkochen damals ein kirchweihfestlicher Mittelpunkt der Umgebung war, der auch von auswärtigen Gemeinden besucht wurde. Nach dem oben genannten Protokoll hatte die ellwängische Regierung das alleinige Recht, über die Abhaltung des Kirchweihfestes in Oberkochen Vorschriften und Anweisungen zu erlassen.</p>
<p>Diese betrafen den Umfang des Weinausschankes, die Zahl der Spielleute, die für den Tanz bestellt werden durften und die Zeit, zu welcher das Tanzen beendigt sein mußte. Unter diesem Alleinrecht müssen wir uns ein Recht vorstellen, das schon lange vor der Zeit der württembergischen Grafen und Herzöge existierte. Es ist sogar nicht zuviel vermutet, wenn wir sagen, es habe sich um ein Recht aus der Zeit gehandelt, in der Oberkochen ungeteilt zur Herrschaft der Grafen von Dillingen gehört hat, also einer Zeit, in der Oberkochen noch nicht 2 Kommunalverwaltungskörpern unterstanden hatte, einem ellwängischen und einer königsbronnischen, in der es auch noch keine unterschiedlichen Konfessionen gegeben hat. In einer Klage war um 1749 bei der ellwängischen Regierung vorgebracht worden, daß der ellwängische Schultheiß es nicht beanstande, wenn an der Kirchweih mehr Wein ausgeschenkt werde, als von der Herrschaft bewilligt worden sei, auch, daß die Dauer des Festes zu lang sei und im Übermaß getanzt werde. Der Klage wurde insoweit stattgegeben, als die Dauer von 6 Tagen auf 3 Tage herabgesetzt wurde. Auch die Zahl der Weinfässer wurde dezimiert und wegen des Tanzens wurde weitere Mahnung zur Beobachtung der Vorschriften gegeben.</p>
<p>Aus späteren Zeiten, ja noch aus der Zeit um 1850 wissen wir, daß die Kirchweih vom Sonntag bis Montag gedauert hat und der Dienstag mit dem Namen »Nachkirbe« belegt war. Wer von den Alten erinnert sich nicht noch an die »Kirrweihen« in unserem bäuerlichen Dorf Oberkochen vor 50 und 60 Jahren? Futter und Getreide waren unter Dach, die Weischäcker waren zum großen Teil geweischt und nur noch ein paar späte Obstsorten hingen draußen; auch die Kartoffeln waren im Keller und nur noch vereinzelt fuhren die Rübenwagen. Auf den Wiesen hatten die Viehhirten ihre Feuerlein brennen und suchten sich auf den abgeernteten Kartoffeläckern Kartoffeln zum Braten. Wer am Kirchweihsamstag noch auf dem Felde war, sah nach dem nachmittäglichen Vesperläuten um vier Uhr nach dem Kirchturm, wo der Meßner um diese Zeit die weißgelbe Kirchenfahne hinaushängte. Ja — man spürte sich geradezu hineingenommen in die echt bäuerliche Behaglichkeit nach getaner Arbeit. Die Dorfstraßen waren am Kirchweihsamstag besonders sauber gekehrt und aus den Häusern duftete der feine Geruch gebackener Kuchen, denn fast jedes Bauernhaus hatte noch seinen eigenen Backofen. Aber auch die Bäcker hatten vollauf zu tun mit den vielen Zwetschgen- und Apfelkuchen und anderem Gebäck. An den, Sonntagen vor und nach dem Kirchweihsonntag hielten die Wirte ihre Hauskirchweihen der Reihe nach ab. Fast von jedem Haus durften sich die Wirte eines Besuches erfreuen.</p>
<p>Wir haben bereits vernommen, daß besonders auch der Tanz zu den Kirchweihtagen gehörte und die Jugend sich auch daran gütlich tat, nicht minder als sie es heute tut; aber im Vergleich zu heute hatten die Dinge um den Tanz eine besondere Seite. Noch um die Mitte des letzten Jahrhunderts holte der Bursche sein Mädchen mit Musik und einer Flasche Wein in der Hand zum Kirchweihtanz ab. Als es noch Kunkelstuben gab wurden dort die Mädchen von den Burschen mit Musik abgeholt. Daß es an der Kirchweih auf dem Tisch auch Bockbraten gab, läßt der alte Vers vermuten: »Wenn Kirrweih kommt, wenn Kirrweih kommt, nau schuißt mei Vater en Bock«. Von den Redensarten kennen wir noch: »Jetzt hats nausglangt wie an dr Kirrweih und dau ist nex übrig bliebe« Oder: »Des ist besser als an der Kirrweih gar nex,« oder »s’wurd au wieder Nacht wia an dr Kirrweih.«</p>
<p>Dieses wenige an Erinnerungen an unsere alten Kirchweihbräuche regt vielleicht manchen Leser an, zu der nachdenklichen Frage nach Ursprung und dem Sinn des Kirchweihfestes überhaupt. Dazu möchte hier in Kürze noch folgendes gesagt sein: Der Name Kirchweih verrat schon von selbst, daß der Ursprung des Festes im kirchlichen Raum zu finden ist. Das Brauchtum um das Kirchweihfest war in alten Zeiten grundsätzlich religiös orientiert. Die Literatur über volksfrommes Brauchtum bekundet, daß das religiöse Gefühl bei den Deutschen stärker und kraftvoller gewesen sei wie bei vielen anderen Völkern der Erde. Ihre Ausdrucksformen gestalteten sie äußerst bildhaft. Schon das Frühmittelalter gibt davon Zeugnis, aber seine ganze Entfaltung finden wir im späteren Mittelalter, besonders wenn es galt, Kirchenfeste zu feiern. Um das Kirchweihfest hatte sich bald ein Kranz von Gebräuchen gebildet oder wie der Chronist sagt, eine »Profanfeier«.</p>
<p>Das Kirchweihfest stammt aus der Zeit weit vor der Glaubensspaltung in Deutschland. Es war das Fest, das früher jede Gemeinde an dem Tag feierte, an dem seine Kirche einmal eingeweiht worden war. Später wurde dann ein einheitlicher Tag eingeführt. Bei unseren Vorfahren früherer Jahrhunderte war die Kirche wirklich alleiniger geistiger Mittelpunkt. Hier war für sie das Allerheiligste. Im sonntäglichen Gottesdienst fehlte in einer Dorfgemeinde niemand. Das ganze Leben mit all seiner Last, seinen Freuden und seinen Leiden war nach dorthin orientiert. Der mittelalterliche Mensch in seinem kindlich-frommen Sinn fühlte sich geborgen in seiner Kirche. Wir dürfen uns daher nicht wundern, wenn er gerade am Kirchweihfest eine überströmende Dankesfreude zum Ausdruck brachte und er an dieser nicht nur die Seele teilnehmen lassen wollte in stillem Gebet, sondern auch der Leib sollte seinen Anteil an der Freude haben. Die große Bedeutung von der Kirche her lag darin, daß er die Festesfreude vom Altar in die Gemeinschaft hinaustrug. Ein vorzüglicher Kenner der Kultur des Mittelalters schreibt, daß Feste wie das Kirchweihfest, wirklich Feste der Gesamtheit waren, nicht gewöhnliche Feste ohne tieferen Sinn.</p>
<p>Andererseits ist bekannt, daß der mittelalterliche Mensch es auch fertig brachte, über das Maß hinaus zu fasten. Heute wissen wir, daß das Kirchweihfest im kirchlichen Raume nichts eingebüßt hat, daß aber vom profanen Teil nur noch kleine Spuren sich zeigen. Selbst die noch vor Jahren gebräuchlichen Kirchweihen der Wirte mit ihren Gänsebraten, ihrem Sauerkraut und Bratwürsten verblassen Zusehens. Da und dort liest man wohl noch Einladungen zu einer Wirtskirbe. Immer mehr aber liest man jetzt auch das abgewandelte »Einladung zum Jahresessen«. In dieser scheinbar unwichtigen Änderung fällt nicht auf, daß es hier um das Ende eines Stückes uralten Volksbrauchtums geht, das unsere Vorfahren in ihrem Jahresablauf nicht wegzudenken vermocht haben.</p>
<p style="text-align: right;"><em><strong>Franz Balle</strong></em></p></div>
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		<title>140 Jahre Pfingstmarkt zu Oberkochen</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/140-jahre-pfingstmarkt-zu-oberkochen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[S.Mueller.HVO]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Jun 1957 23:00:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Heimatbüchlein]]></category>
		<category><![CDATA[Sitten, Gebräuche u. v. m.]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>In der Beschreibung des Oberamts Aalen aus dem Jahre 1854 ist u. a. vermerkt, Oberkochen sei ein Marktflecken und es fänden in ihm jedes Jahr zwei Krämer- und Viehmärkte statt. Aus diesem nicht uninteressanten Vermerk können wir schließen, daß einst das wirtschaftliche Denken in unserem heimatlichen Raum nicht nachhinkte, und daß sich unsere Vorfahren die Chancen ihrer Zeit ungesäumt zu Nutze gemacht haben. Gleichzeitig läßt uns diese Feststellung aber auch fragen nach den geschichtlichen Vorgängen, aus denen heraus unser Heimatdorf Oberkochen einmal in die Reihe der Marktorte eingereiht worden ist und wie es zu seinen zwei Märkten gekommen ist, von denen heute nur noch einer jedes Jahr wiederkehrt unter dem Namen »Pfingstmarkt«. Weil an diesem Gegenstand wohl allgemeines Interesse bestehen dürfte, hat mich Herr Bürgermeister Bosch vor einiger Zeit mit der ehrenvollen Aufgabe betraut, diesen Fragen nachzugehen und eine Antwort darauf in »Bürger und Gemeinde« erscheinen zu lassen. Ich habe den Inhalt dieses Artikels im Wesentlichen zusammengetragen aus den Staatsarchiven in Stuttgart und Ludwigsburg, dem Ortsarchiv Oberkochen und dem Archiv des Landratsamts in Aalen. Ferner standen mir im städtischen Archiv Geislingen/St. wissenschaftliche Werke aus dem Bereich der Wirtschaft und des Verkehrs zur Verfügung.</p>
<p>Es war im Jahrzehnt nach den Kriegen Napoleons, da saß als erster König auf dem württembergischen Königsthron Friedrich I. Von diesem Herrscher ist bekannt, daß er sehr bestrebt war, in seinem neu gebildeten Lande Württemberg das wirtschaftliche Leben zu fördern. Dazu zählte auch seine große Bereitwilligkeit, Anträge von kleineren Landorten um Verleihung des Marktrechts zu genehmigen. In Ausnutzung dieser Gelegenheit hat der damalige Magistrat (Gemeinderat) von Oberkochen zu Anfang des Jahres 1816 über das kgl. Oberamt Aalen an die Regierung in Stuttgart das Ersuchen gerichtet, jährlich zwei Vieh- und Krämermärkte abhalten zu dürfen. Dem Ersuchen wurde mit einer Verfügung des Departements der Inneren Sektion der Communverwaltung vom 9. September 1816 stattgegeben. Aus dem Wortlaut der Verfügung geht hervor, daß die Gemeinde Oberkochen ab sofort die Erlaubnis hatte, am Pfingstmontag und an einem Tag im Oktober je einen Vieh- und Krämermarkt abzuhalten.</p>
<p>Daraufhin fand in Oberkochen eine wichtige Sitzung des Magistrats statt und zwar am 4. Oktober 1816. Im ersten Teil dieser Sitzung wurde über ein Schreiben der Stadt Gmünd verhandelt. Die Gmünder hatten sich dagegen gewandt, daß Oberkochen am 3. Sonntag im Oktober einen Markt halten dürfe, weil sie am gleichen Tage doch schon lange einen solchen hielten. Sie verlangten Oberkochen solle seinen Markt um 8 Tage verschieben, Doch die Oberkochener lehnten dies Verlangen ab. Wie es aber hinterher dazu kam, daß der Herbstmarkt dann doch auf den 10. September verlegt wurde, ist nicht vermerkt (siehe auch unten).</p>
<p>Im zweiten Teil dieser Sitzung wurde folgendes beschlossen:</p>
<ol>
<li>Die Anschaffung der Bretter für die Marktstände soll durchgeführt werden und ein Platz für die Aufbewahrung soll gefunden werden.</li>
<li>Die Marktstände sollen aufgestellt werden rechts und links der Landstraße hinauf und hinab über die stehende Linde mitten im Ort.</li>
<li>Es sollen auf dem ersten Markt die Krämersleute standgeldfrei bleiben.</li>
<li>Es sollen Viehprämien gegeben werden und zwar für die teuersten zwei Ochsen 2 Gulden 42 Kr., für die teuersten zwei Stiere 2 Gulden und für das teuerste einjährige Rind 1 Gulden.</li>
</ol>
<p>Im weiteren geschichtlichen Verlauf finden wir noch folgende Aufzeichnungen:<br>Am 25. Juli 1831 beschloß das bürgerliche Kollegium Oberkochen, mit dem Zimmermann Baltes Mühlberger einen Akkord wegen der Marktbretter zu vereinbaren. Mühlberger sollte sie aufbewahren und instand halten. Er durfte dafür das Standgeld für sich einkassieren. Am 17. Mai 1839 war der Akkord abgelaufen. Mühlberger verwahrte künftig die Bretter nur noch für 2 Gulden im Jahr. Am 19. Januar 1870 protestierte die katholische Gemeinde wegen der Absicht, den Herbstmarkt auf den 8. September zu legen (»Mariä Geburt« war Feiertag). Endlich hatte noch ein letzter Schriftwechsel um den Pfingstmarkt im Jahre 1926 stattgefunden Damals stellte die Gemeinde Oberkochen den Antrag bei der Verwaltungsbehörde, den vor Jahren noch gehaltenen und seit Jahren eingegangenen Viehmarkt wieder abhalten zu dürfen. In ihrer Begründung findet sich u. a. der Vermerk, früher seien auf dem Oberkochener Viehmarkt bis zu 60 Stück Vieh aufgetrieben worden. Das Oberamt hatte zwar an Bedürfnis und Zweckmäßigkeit Zweifel, weil seit 1899 keinerlei Vieh mehr aufgetrieben worden war, meinte aber am Schlusse seines Schreibens, wenn die Gewerbetreibenden in Oberkochen sich aus der Wiederabhaltung einen Nutzen versprächen, wolle es nicht dagegen sein.</p>
<p>Bezüglich des Herbstmarktes hatte anscheinend der obengenannte Protest der Kirchengemeinde Erfolg, denn wir lesen, daß dieser später am 10. September stattgefunden hat, bis er im Jahre 1880 durch eine Verzichterklärung der Gemeinde Oberkochen vom 24 September erlosch. Eine Begründung zu der Verzichterklärung konnte nicht vorgefunden werden, aber es kann mit großer Wahrscheinlichkeit vermutet werden, daß dieser Markt schlecht mit Vieh beschickt war und es den Oberkochener Bauern doch in erster Linie um eine wirtschaftliche Belebung ihres Sektors zu tun war. Die Schuld an der geringen Beschickung der Oberkochener Märkte kann den damaligen großen Viehmärkten in Aalen, Ellwangen und Heidenheim zugeschoben werden. Dies geht übrigens aus einem späteren Schriftwechsel hervor. Der Pfingstmarkt dagegen ist bis heute geblieben und hat somit ein Alter von 142 Jahren erreicht.</p>
<p>Es dürfte hier ein kurzer geschichtlicher Rückblick auf die Bedeutung der alten Marktrechte angebracht sein, schon deshalb, weil zu allen Zeiten Orte mit Marktrecht im wirtschaftlichen Raume des Volkes ihre besondere Bedeutung hatten. Die ersten Märkte fanden am Schnittpunkt wichtiger Handelsstraßen statt, oft auch an politischen und kirchlichen Mittelpunkten. Bald wurden die Märkte mit besonderen Vorrechten ausgestattet Es gab z. B. einen Marktfrieden. Das war in Zeiten der Unsicherheit ein vom König zugesicherter Schutz. Die Verleihung des Marktrechts war eine hochwichtige Sache und geschah nur durch den König. Im Laufe der Entwicklung war meistens Marktrecht mit Stadtrecht verbunden Ein Beispiel ist Heidenheim, das im Jahre 1356 sein Stadt- und Marktrecht erhalten hat. Die Herren auf den Burgen hatten schon bald erkannt, daß ein Markt in der Nähe ihrer Burg ein wirtschaftlicher Vorteil für sie war und wo immer es ging, verschafften sie den Siedlungen in ihrer Nähe beim König das Marktrecht. Von hier aus können wir es auch verstehen, daß z. B. Königsbronn schon im 13. Jahrhundert ein Marktflecken gewesen sein soll.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Über Königsbronn stand einst die nicht unbedeutende Burg Herwartstein. Die Burgherren hatten ein Interesse daran, daß Leute, Waren und Geld in ihr Gebiet kamen. Oberkochen dagegen lag still zwischen seinen Aalbuch- und Härtsfeldbergen. Auf seinen Bergen stand keine Burg und in seinen Tälern kein Kloster und auch sonst war niemand, der es wirtschaftlich zu einer besonderen Bedeutung über das Land- und Forstwirtschaftliche hinaus gebracht hätte. Heute allerdings scheint es, als ob das Schicksal sich beeile, im einst so stillen Oberkochen das Versäumte aufzuholen. Wenn auch heute das Marktrecht nicht mehr die überragende Bedeutung hat wie in früheren Zeiten, so ist es doch eine Sache, auf die eine Gemeinde einen gewissen Stolz haben darf, weil eben ein Marktrecht davon Zeugnis gibt, daß am Platze einst wirtschaftliches Leben und Streben geherrscht hat, das über das alltägliche Maß hinausgeragt hat, und auch hier gilt das Wort: »Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen«.</p>
<p>Darum wollen wir froh sein um unseren Pfingstmarkt, der noch erhalten geblieben ist, auch wenn er sich in manchen Jahren nur noch in einer kleinen Aufmachung präsentiert hat. Er hat sich eingebürgert und gehört zum Dorf. Er hat im Jahresablauf mitten im Frühling seinen Platz unter uns. Wie war es vor 60 Jahren noch? Fühlten wir da an diesem Pfingstmontag mit seinem Pfingstmarkt nicht so etwas wie eine frohgestimmte Atmosphäre, in die alt und jung hineingezogen war in froher dörflicher Gemeinsamkeit. Man kannte damals das heute so beliebte Kinderfest noch nicht. Was war das doch für ein Leben und Treiben dort in der Mitte des Dorfes zwischen dem Hirschwirt und dem Schmiedjörgle, wo die Krämerstände so allerlei feilboten, der billige Jakob seine Späße machte und der Brezgenblase aus Aalen jedem Vorbeigehenden zurief: »Du Antone, komm, nemm au deir Kathtre a Brezg vom Blase mit«. Da traf man den Vetter und die Bas, den Ahne und die Ahne und die Kinder bevölkerten in Massen den Platz denn jedes Haus war damals noch kinderreich. Die Jugend war geschlossen da und promenierte in Gruppen lachend und scherzend durch das Marktgetriebe. Man machte einander Freude, wenn es auch nur mit einem billigen Magenbrotgücklein, einem Zugerstoi oder einem Bären dreckstanglein geschah. Der Luftballon, die Luftschlange, Pfeifen, Trompeten und eine Menge anderer Dinge gehörten zum Marktlärm und Marktbild. Dem Ganzen aber hätte etwas Wichtiges gefehlt, wenn nicht der Grund aus Essingen mit seinem Kinderkarussell den Hof vor dem »Lamm« belebt hätte. Es gab nur dieses eine Karussell und es hatte noch keinen Motor, der es getrieben hätte. Vier bis fünf glückliche Buben durften es schieben. Als Lohn durften sie beim Auslauf der Tour immer aufspringen. Gar mancher Anwärter für dieses Schieben kam nicht zum Zug und konnte nur mit betrübtem Blicke gucken und es gab damals noch Büblein, deren ganze Pfingstmarktherrlichkeit im Gucken bestanden hat. Wer nämlich von der Mutter nur zwei Pfennige Marktgeld bekommen hatte, dem langte es keine Karusselltour, denn diese kostete 3 Pfennige. Wer am Morgen dann glücklicher Besitzer von 5 Pfennigen war, dem langte es eine Tour und zwei Zuckerstoi. Natürlich gab es auch andere Bubenschicksale, aber allgemein war das Geld rar, man wußte es zu schätzen und man kannte auch noch das Sparen des Pfennigs. Trotzdem aber ist uns Alten von heute allen der Pfingstmarkt eine liebe Erinnerung geblieben, an der wir uns immer wieder erwärmen dürfen, als an etwas, das ein freudiges Gemeinschaftserlebnis geworden ist und das nur die Heimat schenken kann.</p>
<p style="text-align: right;"><em><strong>Franz Balle</strong></em></p></div>
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			</item>
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		<title>Das Feuerlöschwesen um das Jahr 1780</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/das-feuerloeschwesen-um-das-jahr-1780/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[S.Mueller.HVO]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Mar 1957 23:00:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sitten, Gebräuche u. v. m.]]></category>
		<category><![CDATA[Heimatbüchlein]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Der im Amtsblatt »Bürger und Gemeinde« am 15. Februar erschienene Artikel über »Unsere Feuerwehren«, hat mich veranlaßt, in meinen heimatkundlichen Arbeiten etwas nachzuschlagen und dabei fiel mir ein kleiner Abschnitt in die Hände, den ich einmal im Auftrag der Gemeinde Königsbronn gefertigt habe. Weil nun das Wesentliche daraus auch für unsere Heimatgemeinde Oberkochen zutrifft, möchte ich etwas aus diesem Wesentlichen an dieser Stelle berichten. Es heißt dort: In einem Schriftwechsel zwischen dem württembergischen Herzog und dem Klosteramt Königsbronn, dem einst die Hälfte des Dorfes Oberkochen zugehörig war, lesen wir erstmals etwas über die Einführung einer Brandversicherungsanstalt im Klosteramt Königsbronn. Es handelte sich dabei noch um eine Versicherung im Brandfall, die auf einem Privatvertrag beruhte im Gegensatz zu der im Jahre 1808 eingeführten staatlichen Pflichtversicherungsanstalt.</p>
<p>Der Herzog beanstandete damals in seinem Schreiben, daß immer noch mehr die Häuser mit Stroh bedeckt würden als mit Kalk. Bekanntlich hat die Bedachung der Häuser über das Mittelalter hinweg eine Entwicklung vom reinen Strohdach über das Kalkdach zum reinen Ziegeldach durchgemacht. In dem gleichen Schreiben ist dann noch weiter beanstandet, daß in manchem Orte des Klosteramtes keinerlei Feuerwehrgeräte vorhanden seien. Daraufhin gab das Klosteramt Königsbronn einen ausführlichen Bericht nach Stuttgart, der in seinem Inhalt das damalige Feuerlöschwesen im Herrschaftsgebiet Königsbronn darstellte. Schultheiß Hitzler schrieb in seinem Bericht vom 16. Dezember 1780, er wolle gehorsamst berichten, daß im Flecken Springen (Königsbronn) sich Dächer mit Stroh statt Kalk unterlegt keine mehr befinden. Ein Feuerwagen und eine Spritze befindet sich im Kloster und im übrigen habe jeder Bürger seinen Feuerkübel bei sich daheim. Die Leute seien in 2 Rotten eingeteilt zu je 12 Mann. Bei Anziehen der Sturmglocke eile der Rottenmeister sofort zur herzoglichen Amtei und melde den Brand, dann eile er der Brunst zu. Es werden auch sofort 2 Reiter in die Nachbarorte abgesandt.</p>
<p>In den übrigen Orten meldeten die Schultheißen ähnlich. Auch sie hatten die Bürger in Feuerwehrrotten eingeteilt, doch war ihre Ausrüstung schlecht und bestand meist nur aus einem Feuerhaken und etlichen Feuerkübeln.</p>
<p>Anders war dies aber bei Oberkochen. Beim Lesen des Berichtes aus Oberkochen stellt man fest, daß es wohl der beste der Berichte damals war. Hier berichtete Schultheiß Scherer Joachim folgendes: »Die Gemeinde Oberkochen besitzt 2 Spritzen, 3 Leitern und 3 Haken. Was den Feuerwagen anbelangt, so wäre keiner, wielen aber der Ort mit vielen Bauernwagen versehen ist, so wird der nächste dazu genommen, wann mans von Nöten hat. Die Bürger seien in 3 Rotten zu je 30 Mann eingeteilt. Jeder Bürger habe seinen Feuerkübel in eigener Verwahrung.«</p>
<p>Wir wissen, daß zu damaliger Zeit Oberkochen 2 Gemeindeverwaltungen hatte, eine Königsbronnische und eine Ellwängische. Schultheiß Scherer berichtete für die Gesamtgemeinde, dies läßt sich ersehen aus der Zahl der Feuerwehrleute. Auch dürfte dies selbstverständlich gewesen sein schon deshalb, weil die Ellwanger und Königsbronner Häuser unter einander standen so wie es in jeder politisch einheitlich verwalteten Gemeinde der Fall ist.</p>
<p>Ich glaube, nicht fehl zu meinen, wenn ich sage, daß wir heutigen »Alten« uns noch an diese von Schultheiß Scherer gemeldeten Einrichtungen etwas erinnern können; Wohl war es 100 Jahre später, als wir Gelegenheit hatten, als Buben mit den Löscheimern uns an der Brandbekämpfung zu beteiligen beim Schultheiß und beim Seitz in der Langgasse, bei dem großen Brand in der Dorfmitte, dem das Gasthaus zum Ochsen und noch weitere drei Anwesen zum Opfer fielen. Es war in den 90er Jahren. Als der Zehntstadel brannte, war es Nacht, und die Buben jagte der Polizeidiener fort. Die Furcht vor dem »Brennen im Dorf« war in unserer Kinderzeit ganz groß. Es war das fürcherlichste was wir uns als Kinder vorzustellen vermochten. Bei der Bekämpfung waren oft gar bald die Brunnen leer und zu den Bächen und dem Kocher war der Weg zu weit. Oft mußten noch die letzten nahegelegenen Güllengruben herhalten. Durch viele Jahrhunderte lebte unter unseren Vorfahren die große Angst vor dem Brennen und dem Wissen von den schlechten Bekämpfungsmöglichkeiten. Die Technik hat auch hier Wandel geschaffen, und von der großen Not, in die einstmals unsere Vorfahren durch das »Brennen« oft gekommen sind, können sich die wenigsten heute lebenden Menschen eine Vorstellung machen.</p>
<p style="text-align: right;"><em><strong>Franz Balle</strong></em></p></div>
			</div>
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			</div>
				
				
			</div>
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			</item>
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		<title>Unsere Feuerwehren</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/unsere-feuerwehren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[S.Mueller.HVO]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Aug 1956 23:00:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sitten, Gebräuche u. v. m.]]></category>
		<category><![CDATA[Heimatbüchlein]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>»Bekämpfet die Flammen, die Haus und Mitmenschen bedrohen; entzündet die Flammen der Nächstenliebe, der Gemeinschaft und Opferbereitschaft!«</p>
<p>So alt wie die Menschheit ist, so alt ist der Kampf gegen den roten Hahn. In den ersten Jahrhunderten waren es die Zünfte der Handwerker. Später, zu Turnvater Jahns Zeiten, die Turner, dann die Pflichtfeuerwehren in den Gemeinden. Alle diese Einrichtungen halfen, die damals sehr schwierige Aufgabe des Brandschutzes mit einfachsten, manchmal primitivsten Mitteln zu meistern.</p>
<p>Der Brandschutz im 18. Jahrhundert erwies sich in Städten und Dörfern als nicht ausreichend genug. Es fehlte an gut ausgebildeten Männern, an regelmäßigen Brandbekämpfungsübungen, vor allem an dem notwendigen Gerät und an Schutzkleidungen. Auch den damaligen Ratsherren und der staatlichen Obrigkeit fehlte vielmals die Erkenntnis von der Notwendigkeit einer gut disziplinierten Feuerlöschgruppe. Geldmittel waren verständlicherweise kaum dafür übrig.</p>
<p>Erst in den 1840er Jahren begannen sich durch beherzte Männer die Löschgruppen zu formieren. Im Jahre 1846 gründete ein Durlacher Bürger, namens Hengst, das erste freiwillige »Pompier-Corps«, welches sich beim Brand des Karlsruher Theaters, trotz aller bisherigen gegenteiligen Meinungen, hervorragend bewährte. Den Namen Feuerwehr finden wir dann zuerst 1847 nach diesem Karlsruher Theaterbrand, als sich in Karlsruhe eine Freiwillige Feuerwehr gründete in die 160 Turner aus Karlsruhe eintraten. In Leipzig gründete sich Anfang 1847 die Freiwillige Turner-Feuerwehr mit 180 Turnern.</p>
<p>So entstanden überall in den damaligen Ländern aus den Rettungsmannschaften, Steigercorps, Löschgruppen usw. die Freiwilligen Feuerwehren in Schwäbisch Gmünd, Heilbronn, Reutlingen, Ulm, Berlin, Schwäbisch Hall, Göppingen, Biberach, Schweinfurt, Nürnberg, Tübinger Gymnasium, Stuttgart, Duisburg, Altenburg, Barmen, Bayreuth, Dresden, Weimar, Dessau, Braunschweig, Gera, Jena, Gotha, Hannover, Erfurt, Landau/Pfalz, Lüneburg, Oppeln, Schwerin, Sondershausen, Weida, Zeitz, Essen, Bochum, Bielefeld, Mönchen-Gladbach und in vielen anderen Orten.</p>
<p>Es waren vor allem die Turnvereine, die ihre Männer zur Freiwilligen Feuerwehr führten. Angespornt durch das Beispiel dieser ersten Feuerwehren und den sich immer mehr erweisenden Nutzen für die Volkswirtschaft, folgte Gemeinde auf Gemeinde den Fahnen der neugegründeten Feuerwehrverbände.</p>
<p>Feuer-Ordnungen aus vergangener Zeit, mit ihrem: »Es wird angeordnet und befohlen!«, wurden abgelöst durch das Gebot der Freiwilligkeit, dem Nächsten durch Tat zu helfen, sein Leben und Eigentum zu schützen; mit dem Wahlspruch der Feuerwehren besiegelt:</p>
<p style="text-align: center;"><strong>»Gott zur Ehr’ — dem Nächsten zur Wehr«.</strong></p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_1 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="430" height="425" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/Unsere-Feuerwehren-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-23827"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Viele Gegner und Schwierigkeiten der menschlichen Kleinstaaterei mußten erst durch echten Gemeinschaftsgeist der Nächstenhilfe, durch Männer wie Christian Hengst (Durlach), Carl Metz (Heidelberg), Theodor Georgi (Tübingen), Conrad Dietrich (Magirus Ulm) und noch viele andere, überwunden werden.</p>
<p>Beim dritten Deutschen Turnfest in Leipzig, im August 1863, führten die Leipziger Turner-Feuerwehren ihre ersten Löschvorführungen vor, welche wiederum Anregungen zur Gründung weiterer Turner-Feuerwehren auf der Grundlage freiwilliger Hilfsbereitschaft brachten.</p>
<p>So warb vom Anfang des 18. Jahrhunderts ein guter Gemeinschaftssinn für die Feuerwehrsache, aus dem im Laufe der Jahrzehnte, unter Führung bewährter Männer, der heutige »Deutsche Feuerwehrverband« hervorgegangen ist, in dem die Berufs‑, Gemeinde- und Werksfeuerwehren organisiert sind. Weiter sind in jedem Ministerium der Länder Landesbranddirektoren mit ihren Sachbearbeitern, Inspekteuren usw. Eingesetzt, die von dem jeweiligen Landesfeuerwehrbeirat der angegliederten Feuerwehren in Brandschutzfragen mitberatend unterstützt werden.</p>
<p>Große Vorbilder hat die Feuerwehr, z. B. Goethe als Geheimrat in Weimar, der nach heutigem Begriff auch das Amt des Landesbranddirektors in Thüringen verwaltete. Beim Großbrand in Gera eilte er mit seiner Löschmannschaft von Weimar mit Pferd und Wagen nach dem 50 km entlegenen Gera. Meldete der Feuerreiter anderswo einen Brand, so schwang sich Goethe bei Tag- oder Nachtzeit aufs Pferd, um, wenn notwendig, an Ort und Stelle, selber mit dem Strahlrohr in der Hand, dem Feuer Einhalt zu gebieten. Jeder andere Staatsbeamte erließ nur Feuerordnungen auf dem Papier. Anders unser Goethe, von dem auch der Ausspruch stammt: »Die Höhe der Kultur eines Volkes erkennt man unter anderem auch daran, inwieweit es bestrebt und imstande ist, seine wertvollsten Kulturgüter gegen Vernichtung durch Feuer zu schützen.«</p>
<p>Überhaupt haben in den letzten Jahrhunderten zahlreiche Akademiker, auch anderer Fakultäten wie Ärzte, Apotheker, Professoren, Studienräte, Ingenieure, Architekten usw., im freiwilligen Feuerwehrdienst eine Rolle gespielt. Johann Wolfgang von Goethe ist vor allem uns deutschen Feuerwehrleuten ein Vorbild für ewige Zeiten, möge er auch Mahner an die Jugend aller Berufe sein, die Reihen der Feuerwehren immer wieder aufzufüllen, im Geiste der wirklichen Gemeinschaft des Helfens.</p>
<p>In Amerika war es Franklin, als eifrigster Führer der amerikanischen Feuerwehr, der es nicht unter seiner Würde fand, den weißen Helm des »fire Chief« zu tragen. Wenn wir dabei Schillers Lied von der Glocke vor unseren Augen erstehen lassen:</p>
<p style="text-align: center;">Flackernd steigt die Feuersäule,<br>durch der Straßen lange Zeile<br>wächst es fort mit Windeseile,<br>kochend, wie aus Ofens Rachen,<br>glühn die Lüfte, Balken krachen,<br>Pfosten stürzen, Fenster klirren,<br>Kinder jammern, Mütter irren,<br>Tiere wimmern unter Trümmern,<br>alles rennet, rettet, flüchtet,<br>taghell ist die Nacht gelichtet.</p>
<p>Sirenen heulen, Glocken läuten Sturm, Fanfaren rufen, Trompeten und Trommeln geben Feuersignal. Feuerwehrmänner, mit Gerätewagen ausgerüstet, laufen zum Brandplatz, bereit das Leben und Gut des Anderen zu retten oder zu schützen. Unter selbstloser Hingabe ihrer ganzen Person wagen sie ihr Leben für jeden, auch für Dich und mich.</p>
<p>Leider macht man oft die psychologisch durchaus verständliche Beobachtung, daß junge Leute und auch teils ältere an die Größe einer Gefahr, auf die man sie besonders hingewiesen hat, infolge mangelnder eigener Erfahrung nicht eher glauben, bis sie durch erlittenen oder auch erlebten Schaden klug geworden sind. Aufklärung der Mitmenschen über die sie bedrohenden Gefahren des Feuers ist eine der größten Aufgaben der Feuerwehren. Hinweise auf das richtige Erkennen der Gefahren sind die Grundbedingung erfolgreicher Brandverhütung. Andererseits sollen jene, die infolge besonders schwerfälliger Veranlagung derartiger Hinweise dauernd bedürfen, um den logischen Zusammenhang zwischen Ursachen und Wirkung im richtigen Augenblick erkennen, lernen.</p>
<p>Der Jugend fehlt oft die richtige Einstellung zur Bereitschaft der Nächstenhilfe gegenüber den Gefahren der in dieser Zeit besonders starken Entwicklung der Technik. Überall, wo Gefahren drohen, ist es notwendig, daß sich Menschen finden, die gewillt sind, diese Gefahren mit allen erlernten und jahrelang erprobten Mitteln zu bekämpfen. Es ist notwendig, zu erkennen, daß der Feuerwehrmann nicht seiner Uniform wegen seine harten Übungen 25 oder 40 ja sogar über 50 Jahre hindurch ausführt. Nein, die Tatsache der Erkenntnis schwerwiegender Gemeinde- oder Betriebsschäden, aus dem Bewußtsein, unersetzbares Kulturgut des Volkes vor dem Feuer zu retten oder zu schützen, wenn notwendig, sein Leben für die Rettung anderer einzusetzen, ist das hohe Ziel, welches den wahren Feuerwehrmann freiwillig verpflichtet.</p>
<p>Groß sind die Aufgaben einer Feuerwehr, wechseln doch ständig die Situationen, vor die sie gestellt wird, verantwortungsvoll die Aufgaben des einsatzleitenden Kommandanten seinen Wehrmännern gegenüber. Nur wenn die Gefahren des Feuerwehrdienstes von den Männern richtig erkannt werden, kann man sie vermeiden, dann wird auch meistens der Erfolg des aufopfernden Einsatzes gesichert sein, wenn Lebewesen – Mensch oder Tier – oder besonders wertvolle Güter dem Feuer entrissen werden sollen. Oftmals muß dann der Feuerwehrmann die Gefahr für sein Leben geringschätzen, wenn zufällige Ereignisse eintreten, mit denen naturgemäß nicht gerechnet werden konnte.</p>
<p>Vielzahl sind die Gefahren der Brandstelle: Verqualmung, Stichflammen, Explosionen verschiedener Art, Dunkelheit, Hitze, Ab- und Einsturzgefahren, giftige Gase, Sauerstoffmangel usw. machen die Verantwortung der Einsatzleiter sehr schwer. Wachsein mit allen Sinnen ist das Gebot am Brandplatz. Aber selbst die größte Umsicht wird ungewollte Schäden nicht verhindern können. Bei dieser Tätigkeit der Feuerwehren hängt viel von einer vertrauensvollen Zusammenarbeit der einzelnen Wehrmänner mit ihrem Kommandanten ab. Der Kommandant weiß, daß er für schuldhaft entstandene Schadensfälle an der Gesundheit seiner Wehrmänner oder an dem zu schützenden Gut nach dem bestehenden Gesetz herangezogen wird. Auch die Erkenntnis dieses Wissens, von den Außenstehenden meistens nicht beachtet, sollte alle Mitmenschen nachdenklich stimmen, wenn sie nur ihre Feuerwehrabgabe bezahlen müssen. Die Aufgabe und Notwendigkeit dieser Organisation des Brandschutzes wird wohl manchem erst recht zum Bewußtsein kommen, wenn er folgende Schadensaufstellung liest, in der nicht die Not und das Elend enthalten sind, die von den Feuerwehrinvaliden, den Witwen und Waisen getragen werden. Ihnen sei hier nochmals besonders für ihre Opfer gedankt.</p>
<p>Die jährlich den Versicherungen gemeldeten Brandschäden in Westdeutschland betrugen an versicherten Objekten in den Jahren 1949 bis 1954:</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="416" height="143" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/Unsere-Feuerwehren-2.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-23828"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Es muß aber noch mit zahlreichen weiteren Brandschäden gerechnet werden, bei denen nicht versicherte Werte den Flammen zum Opfer fielen.</p>
<p>Brandursachen waren in Prozent im Jahr 1954 (angeführt sind nur Schäden über 100000 DM):</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_3 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="292" height="196" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/Unsere-Feuerwehren-3.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-23829"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_7 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Das was geschützt und erhalten wurde, ist nicht zu übersehen, ist aber ein Vielfaches der Schadenssummen. Damit soll keine Lobhudelei der Feuerwehr dargestellt werden. Es soll den Mitbürger anhalten, mitzudenken, Brandschutz zu pflegen. Den Feuerwehrmännern sollen diese Zahlen Beweis sein, daß ihre freiwillig gestellten Aufgaben weiterhin eine hohe sinnvolle Verantwortung tragen. Ist die Erhaltung der kulturellen Werte eines Volkes, einer Gemeinde oder eines Betriebes es doch wert, sich voll und ganz dafür einzusetzen.</p>
<p>Der beste Dank für die Feuerwehrmänner ist, wenn man ihnen die technisch beste Ausrüstung an Brandschutzkleidung und Geräten für ihren Einsatz beschafft. Weiter können wir den Dank abstatten, wenn mit Feuer, Gas, elektrischen Anlagen, Kocher, Heizöfen, Bügeleisen usw. bedachtsam umgegangen wird, wenn alle evtl. entstehenden Gefahren beseitigt werden. Du selbst kannst der Geschädigte an Gesundheit und Leben sein. Dein Leichtsinn kann Dich und Deine Familie und im Betrieb viele andere brotlos machen. Wir Feuerwehrleute bitten darum: Helft Brände verhüten, dann helft Ihr uns beim ersten Gebot der Brandverhütung.</p>
<p>Wenn uns Werkfeuerwehrleute erst die Sirene zum Löscheinsatz rufen muß, hat der Betrieb schon Schaden erlitten. Um weiteren Schaden zu verhüten, setzen wir mit der Bekämpfung der Gefahr ein.</p>
<p>Die Werkfeuerwehr bittet alle Betriebsangehörigen sowie die Gemeindebürger, bei solchen Einsätzen Ruhe zu bewahren. Wege, Treppenhäuser und Gänge sind freizuhalten, damit keine Behinderung der Einsatzgruppen entsteht.</p>
<p style="text-align: right;"><em><strong>Franz Balle</strong></em></p></div>
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			</item>
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		<title>Von unseren Friedhöfen</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/von-unseren-friedhoefen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[S.Mueller.HVO]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 May 1956 23:00:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Heimatbüchlein]]></category>
		<category><![CDATA[Sitten, Gebräuche u. v. m.]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Auch in unserem Heimatdorf Oberkochen nehmen die Friedhöfe im Gesamtbild des heimatlichen Raumes ihren Sonderplatz ein und auch hier ist es wie anderswo, daß die Menschen immer wieder unter ihr Hasten und Jagen durch den Alltag hinein am Friedhoftor sich veranlaßt fühlen, halt zu machen, dort einzutreten und in stiller Besinnlichkeit an den Gräbern derer zu verweilen, die einmal zu ihnen gehört haben, die sie geliebt haben oder mit denen sie in Freundschaft verbunden waren. Der Friedhof ist Weihestätte, ist, wie der Volksmund so schön sagt »Gottesacker«. Er ist für alle die letzte Sammlungsstätte, heiliges Land, über welchem das große Schweigen steht, über deren Grabhügel aber auch die Hoffnung leuchtet auf die Erfüllung letzter Verheißung und wo Friede ist ob der großen Gerechtigkeit, die hier alle ohne Ausnahme sammelt. Ja – es ist eine eigene Sache um den Friedhof, er gehört zum heimatlichen Raum so wie die Häuser, die Straßen und Gassen. An ihm hat alles Anteil, die Lebenden und die Toten. Er ist Gemeinschaftsgut im wahrsten und weitesten Sinne des Wortes.</p>
<p>Darum war auch das Interesse der Bürger allgemein und groß, als man davon hörte, es bestehe die Notwendigkeit, einen neuen Friedhof anzulegen. Die Entscheidung ist gefallen und die Anlagearbeiten sind bereits im Gange. Wenn die Gemeindeverwaltung und der Gemeinderat sich für das Gewand Weingartens entschieden haben, so kann gesagt werden, daß damit eine wirklich gute Lösung gefunden ward, denn darüber herrschte die allgemeine Ansicht, daß nur ein Platz in Frage kommen könne, der nach Lage und Gestaltung höchstmöglichster Würde und Pietät entspreche.</p>
<p>Bei diesem Anlaß nun dürfte es nicht uninteressant sein, etwas zu lesen bzw. zu hören über die Geschichte der alten Friedhöfe in unserem Heimatdorf Oberkochen. Wir wissen aus geschichtlichen Berichten, daß ursprünglich die Friedhöfe grundsätzlich um die Kirchen herum angelegt waren. Diese Anlagen finden wir heute noch in vielen rein bäuerlichen Dörfern, besonders in Bayern. So war auch der erste Friedhof zu Oberkochen bei der katholischen Kirche angelegt. Frühere Spuren von Begräbnisstätten, sind, außer den aus der allemanischen Zeit an der Brunnenhalde gefundenen Gräbern, keine vorhanden. Nach der Reformation, etwa um 1582, legte die evangelische Gemeinde ihren eigenen Friedhof, ebenfalls bei ihrer Kirche an und zwar zwischen der Kirche und dem Gasthaus »Zum Hirsch«.</p>
<p>Während der Platz bei der katholischen Kirche genügend groß war und eine Raumerweiterung nicht nötig wurde durch Jahrhunderte, lesen wir über den Friedhof bei der evangelischen Kirche in einem Briefe des Klosterverwalters von Königsbronn, Hettler, vom 22. Juli 1773, daß der Friedhof dort viel zu klein sei und die Ausgrabungen zu früh stattfinden müßten. Der Verwalter schreibt: »Es hat uns der Pfarrer und Komunvorsteher zu Oberkochen, Württembergisch evangelischen Anteils, zu erkennen gegeben, daß der bei dieser Kirche befindliche Kirchhof, welcher nicht größer als ein halb Morgen ist, durch heurige und etlich währende Sterbefälle, so sehr zu klein sei, daß die letzten Leichen halbverwest ausgegraben wurden. Da nun solcher bei der Gemeind nicht nur, sondern auch dessen der katholischen Religion zugetane ellwangische Mitbürger, welche einen eigenen Kirchhof haben, aber ihren evangelischen Mitbürgern zur Leich gehen, vielen Anstoß geben und herzoglich gnädigster Verordnung zuwiderlaufen, so bitten wir flehentlich um Vergrößerung ihres Kirchhofs, weil wenn noch zwei Gräber voll seien, die Leichname nach sechs Jahren ausgegraben werden müßten«.</p>
<p>Daraufhin wurde der Bürger Johann Adam Grupp aufgefordert, seine alte Scheuer, die wir uns neben dem Hirschwirtsstadel und der evangelischen Kirche dem Kocher zu denken müssen, an die königsbronnische Herrschaft zu verkaufen. Grupp war einverstanden mit der Bedingung, daß er die Scheuer selbst abbrechen dürfe und 300 Gulden bekomme. Nach längerem Verhandeln erfolgte eine Einigung auf 230 Gulden und drei Schöffel Dinkel. Die Gulden bekam Grupp, jedoch lehnte die Rentkammer Stuttgart hinterher die drei Schöffel Dinkel ab. Ob diese, trotz wiederholter Bitten des Grupp, gegeben wurden, ist nicht vermerkt.</p>
<p>In dem dann gefertigten Erweitungsplan war festgelegt, daß eine Mauer zu ziehen sei bis an den Kocherfluß einerseits und andererseits bis zur Hirschwirtsscheuer. Die Mauer zum Kocher hin war 59 Schuh lang, 13 Schuh hoch und 2½ Schuh dick. Es heißt, daß der Kocher 7 Schuh tiefer als der Kirchplatz liege. Die Vergrößerung wurde durchgeführt und das Ganze hatte Quadratform.</p>
<p>50 Jahre später berichten die Gemeinderatsprotokolle schon wieder über eine Veränderung. Diesmal ging es um eine Verlegung beider Kirchhöfe, weg von der Kirche, nach einem Platze außerhalb des Dorfes. Es war das Jahr 1835, in welchem das königl. Oberamt eine allgemeine Verordnung hierzu erlassen hatte. Es mögen langwierige Verhandlungen u. Überlegungen gewesen sein, die dieser Verordnung gefolgt sind. Davon heißt es, daß die erste Verhandlung der evangelische Kirchenstiftungsrat unter Vorsitz des Pfarrers Kraus am 14. Mai 1835 geführt habe. Die Oberkochener ließen sich aber Zeit, denn erst 20 Jahre später wurde die Verlegung Wirklichkeit. Wir verstehen dieses Zögern und müssen uns denken, daß diese Verlegung unseren Vorfahren schwer gefallen ist, denn sie hatten eine hohe Auffassung von der »Gemeinschaft«, die für sie zusammen mit ihren Verstorbenen tiefsten Sinn hatte und diese Gemeinschaft sollte wie von alters her sichtbar sein. Da wo das Wort Gottes verkündet wird und die Lebenden sich zum Gebete sammelten, da wollten sie auch Gemeinschaft mit den Verstorbenen haben, also beim Gotteshaus.</p>
<p>Es kostete daher für die Behörden schon einen kleinen Kampf, bis ihre Verordnung befolgt wurde. Der evangelische Kirchhof am Bühl wurde, wie in den Berichten ersichtlich ist, im Jahre 1851 angelegt.</p>
<p>Die Verlegung des katholischen Kirchhofs nach der Rodhalde erfolgte 1856. Die Einweihung geschah durch Pfarrer Desaller und als erste sei dort eine Katharina Betzler, Wagners Witwe, beerdigt worden. Seit dieser Verlegung sind nun 100 Jahre vergangen an sich keine lange Zeit, aber bevölkerungsmäßig gesehen, war sie voll drängender Entwicklung, die jetzt wieder eine Neuanlage notwendig gemacht hat. Auch diese Neuanlage ist ein dorfgeschichtlicher Vorgang, über den einst unsere Nachfahren mit Interesse lesen werden, daß er im Jahre 1956 stattgefunden hat. Ungezählte Menschen werden aber ab diesem Jahre zum neuen Friedhof getragen werden. Mehr noch aber werden oft dorthin schreiten, um ihren Lieben und Freunden ein stilles Gedenken zu schenken an deren Gräbern. Er wird sein wie alle seine Vorgänger inmitten unseres heimatlichen Raumes, die Stätte der Gemeinschaft, des Friedens, des stillen Gedenkens und des Gebetes.</p>
<p style="text-align: right;"><em><strong>Franz Balle</strong></em></p></div>
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			</div>
				
				
			</div>
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		<title>Oberkochener Bräuche in der Karwoche</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/oberkochener-braeuche-in-der-karwoche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[S.Mueller.HVO]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Mar 1956 23:00:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sitten, Gebräuche u. v. m.]]></category>
		<category><![CDATA[Heimatbüchlein]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Die Bräuche, wie wir sie jedes Jahr in der Karwoche immer wieder sehen und miterleben, auch in unserem Heimatdorf, entstammen dem volksfrommen Brauchtum einer, man darf ruhig so sagen, uralten Zeit. Den Sinn dieser Bräuche, wie wir solche auch schon vor 50 und mehr Jahren kannten, finden wir wiederum in der mittelalterlichen Volksfrömmigkeit am stärksten in ihrem Ausdruck. Der volkskundlichen Literatur entnehmen wir, daß diese Volksfrömmigkeit entstanden ist aus einer seelischen Grundhaltung heraus, wobei Stammesart und Landschaft formend mitwirkten. Gerade von den Gesellschaftsformen des Mittelalters, ob Bauernstand oder Handwerkerstand, wissen wir, daß in deren Bereich des Volksreligiösen ein starker Zug zur sinnfälligen, faßlichen Gestaltung der Ausdrucksformen vorhanden war. Als Urquell der Volkssitte galt der Drang des Volkes: Freude, Trauer und andere besondere Ereignisse, die regelmäßig wiederkehrten, durch Worte und Handlungen bildhaft auszudrücken, wieviel mehr aber war und ist dies der Fall, wenn Feierliches und Heiliges nach Ausdruck verlangte und verlangt. So entstanden auch die Bräuche in der Karwoche.</p>
<p>Wir haben in einem an dieser Stelle vor wenigen Wochen geschriebenen Artikel gelesen, welche Bedeutung das 40tägige Fasten vor Ostern bei unseren Vorfahren gehabt hat und daß am Anfang dieser Zeit wie auch heute noch der Aschermittwoch steht. Diesen Aschermittwoch sah zu allen Zeiten der Christ in seiner religiösen Schau als den Mahner und Wächter, der uns nach den Tagen des Faschingstreibens zuruft: »Mensch bedenke, daß du bist Staub und zu ihm wieder zurückkehrst.« Gleich sehen wir auch hier wieder den Drang zum handelnden Ausdruck. Der religiöse Mensch kniet sich nieder und läßt sich das Haupt mit Asche bestreuen einerseits als Symbol der Buße und andererseits als Vorbereitung auf die heilige stille Zeit, in welcher er das große Geschehen, den Erlösertod Christi, in besonderer Weise im Geiste der Buße betrachten möchte.</p>
<p>Der Palmsonntag, der am Eingang der Karwoche steht, war uns Kindern auch schon vor 50 Jahren, gerade seiner Bräuche wegen, ein lieblicher Tag – ein Tag voll kindlicher Freude. Da ging es schon frühmorgens los. Wer wird heute, frug sich jedes im Stillen unter der Decke, der Palmesel sein? Jedes schlich sich ganz leise aus dem Bett, nicht ohne sich vorher vergewissert zu haben, ob der andere nicht schon aufgestanden war. Kam dann der letzte Aufsteher in die Stube wurde er mit großem Hallo empfangen mit dem Rufe: »Palmesel, Palmesel« Nicht lange danach, wenn alles am Kaffeetisch saß, kam die zweite Spannung, wiederum beschert von einem brauchmäßigen Tun, die Palmbrezeln. In einem Körbchen aufgebeugt stellte sie die Mutter auf den Tisch. Für jedes der Kinder war eine Brezel bestimmt. Ach war das eine Wonne! Jedes schielte nach d e r Brezel von der es meinte, daß es die größte und die mit Zucker am meisten bestreute sei. Dann kam der Kirchgang. Auch er war so ganz anders wie die üblichen Kirchgänge. Es galt doch den Palmen in die Kirche zu tragen. Schon der Samstagabend zuvor war das »Palmenrichten« eine Geheimnistuerei der größeren Geschwister oder der Mutter. Die Kleineren waren bei Zeit in das Bett geschickt worden. Beim Nachbar am Bach durfte man den Palmen holen, der immer schon voll hing mit weißen Palmkätzchen. Er wurde zugerichtet für die Weihe in der Kirche. Zuoberst am Gipfel bekam er einen Buxbaumbüschel angeheftet zusammen mit einem Fähnchen aus Goldpapier. Dieselbe Verzierung, nur kleiner, bekamen die Äste. Dazu wurde dann noch der Stamm und die Äste mit buntem Papier umwickelt. Der ihn tragen durfte hatte seinen Stolz dabei, doch die anderen begleiteten ihn mit nicht weniger Stolz. Ja man konnte sagen, es war ein echter »Gemeinschaftsstolz« von dem der Palmen umgeben war. Dieser Stolz allerdings kam manchesmal zum Einschrumpfen, wenn von der Langgaß oder der Kirchgaß her einer auftauchte, der schöner und größer war. Es war nicht unbekannt, daß die Kratzersfranzen, die Schmiedjörgles, die Hofmänner, aber auch die Minder und Wingert vom Kies, manchesmal den Vogel abschossen. Auch war nicht unbekannt, daß in den Häfnersgärten und in den Gärten am Kocher hinunter die schönsten Palmenbäume wuchsen, also noch schönere wie am Katzenbach. Die Tage nach dem Palmsonntag war der Palmen dann im Hofraum aufgesteckt bis im Hause, meist im Stall, er seinen Platz gefunden hatte. Außer dem Palmen wurde von jedem Familienmitglied ein Palmzweig mit in die Kirche zur Weihe genommen. Einer dieser fand im Herrgottswinkel der Stube seinen Platz.</p>
<p>Der Palmesel, die Palmbrezel und der Palmenbaum haben im Raume der Sinndeutung eine sehr interessante Geschichte. Da ist einmal der Esel, dieser verlachte und verspottete Trottel unter den Zug- und Lasttieren. Er aber hatte die Ehre, Christus bei seinem Einzug in Jerusalem zu tragen. Außerdem sehen wir den Esel im Stalle zu Betlehem und auf der Flucht der Heiligen Familie nach Ägyptens. Das mittelalterliche Volk in seinem Drang zu bildhafter Gestaltung, nahm daher den Esel als Figur herein in die großen Palmsonntagsprozessionen. Berühmt waren von diesen um das Jahr 1400 diejenige in Antwerpen und die in Heidelberg. Heute finden wir den Esel nur noch als Palmesel bei dem zuletzt aufgestandenen Schläfer.</p>
<p>Die Palmbrezel verdankt ihren Einzug in den deutschen Raum der Fastenzeit, einst Fastenbrezel genannt. Ursprünglich war sie ein mürbes Gebäck, das seinem Nährgehalt wegen in der fleischlosen Zeit hergestellt wurde. In Dokumenten heißt sie »Brezillimbs«. Man fand ihre Spur zuerst in den Klöstern, wobei auch festgestellt wurde daß die Brezel schon die Griechen und Römer kannten unter dem Namen »bräcellum«.</p>
<p>Die Palmen und die Palmzweige erinnern an den Einzug Jesu in Jerusalem, gleichzeitig aber bittet der Landmann im Palmen, dem ersten Lebenskeim in der Natur, um den Segen Gottes für seine Saat. Die letzten drei Tage in der Karwoche: Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag sind Tage, an denen wir Kinder einst auch schon etwas mitahnten von dem Geheimnis um den Erlösertod. Wir fühlten uns mit hineingenommen in den heiligen Ernst, den wir bei den großen Leuten sahen. Am Gründonnerstag morgens in der Kirche nach dem »Gloria« starben die Glocken wie man uns sagte, eine andere Redart meinte, sie seien nach Rom geflogen. Jedenfalls hörte man die folgenden zwei Tage keinen Glockenklang mehr. Das war dann die Zeit in der wir Buben den Turm besteigen durften um dort zu rätschen (Ratsche, hölzernes Instrument). Ganz früher trugen die Buben die Ratsche durch das Dorf und rätschten in jeder Gasse vor dem Gottesdienst an drei bestimmten Stellen.</p>
<p>Auch die Altarklingeln waren verstummt und ersetzt durch einen hölzernen Klöpfel. Die Fenster in der Kirche und die Altäre waren mit schwarzen Tüchern verhängt, wie dies auch heute noch ist. Alles war auf Trauer eingestellt und die Gemeinde betet am Karfreitag den ganzen Tag vor dem »Allerheiligsten« Die liturgisch-zeremonielle »Feier« verfolgten wir Kinder mit kindlichem Ernst und großer Ehrfurcht. Später verstanden wir etwas von der Gesinnung und der Haltung der Großen, die diesen Tag still und ernst zubrachten, aber auch etwas von ihrem Wissen um das Wort der Schrift: »Beim Tode Jesu trauerte die ganze Natur.«</p>
<p>Am Karsamstag in früher Morgenstunde fand hinter der Kirche, zur Zeit der alten Kirche, an der Mauer bei dem Lindenbaum, die Feuerweihe statt. Da brachten wir Buben Holzscheite mit, ließen diese während der Weihe durch den Geistlichen anbrennen und trugen sie dann glostend nach Hause. Auch dieses Holzscheit bekam im Hause seinen Platz, denn auch in ihm sah man durch sein Geweihtsein Gottessegen ins Haus genommen, an dem gerade den Bauersleuten soviel gelegen war. Den tieferen Sinn dieser Feuerweihe (auch Notfeuer genannt) finden wir in den Gebeten der Segnung, sie erflehen Erleuchtung der Gläubigen und Schutz vor dem Feinde, auch, daß alle Speisen, die mit Feuer zubereitet werden, des Segen Gottes teilhaftig werden. Licht und Feuer sei gesegnet für das ganze Jahr!</p>
<p style="text-align: left;">Wenn dann am Karsamstagmorgen auf einmal wieder die Glocken läuteten, dann glaubten wir Kinder in diesem Läuten etwas besonderes zu hören, wirklich etwas von einer Auferstehung – so jubelnd hörten wir sie schallen hinüber an die Rothalde und an die Brunnenhalde. War es dann an diesem Tage Abend und wir kamen aus der Auferstehungsfeier heim, stibitzten wir gerne in die Küche, ob nicht schon der Hase mit seinen gefärbten Ostereiern um den Weg sei. Ach ja, es gab ja auch einmal eine selige Zeit, in der wir an den Osterhasen wirklich fest geglaubt haben. Auch hier hat Brauchtum und Sitte ein Stücklein Welt eingeschaltet mit dem Osterei, dem Sinnbild des Werdens und Wachsens. Vieles wäre noch zu sagen über Sinn und Schönheit der Karwochbräuche, aber da der Platz nicht reicht, möchte geschlossen sein mit den Worten eines berühmten Schriftstellers der sagte: »Es liegt ein feiner Sinn in unserem Volksbrauchtum. In ihm spiegelt sich die Tiefe unserer Volksseele, es ist Kraft der Innerlichkeit, Bekenntnis und Treue.«</p>
<p style="text-align: right;"><em><strong>Franz Balle</strong></em></p></div>
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		<title>Die Oberkochener Fasnet vor 50 Jahren</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/die-oberkochener-fasnet-vor-50-jahren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[S.Mueller.HVO]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Feb 1956 23:00:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Heimatbüchlein]]></category>
		<category><![CDATA[Sitten, Gebräuche u. v. m.]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p style="text-align: left;">Wenn wir heute in der Geschichte des Brauchtums um 50 Jahre zurückblättern, dann suchen wir die Zeit um die letzte Jahrhundertwende. Es war die Zeit, in welcher unter anderem man noch einen Schultes kannte, auch einen Polizeidiener und einen Nachtwächter. Des Polizeidieners Hosen und Rock war noch mit roten Pasbel besetzt und seine Mütze glich derjenigen des preußischen Unteroffiziers. Der Nachtwächter hatte wohl keinen Spieß mehr, aber er blies noch brav mit seinem Horn die Nachtstunden an. Diese Zeit mag 50 und etwas mehr Jahre zurückliegen und gar manchem als lang dünken, doch denen, die damals jung waren und Fasnet spielten, sie meinen gerade an der Fasnet, es sei erst gestern gewesen. Gewiß, es mögen manche Menschen fragen und schon gefragt haben, was denn die vielen, die jedes Jahr an dieser Narretei um die Fasnetszeit teilnehmen, zum Ausdruck bringen wollen. Die Antwort darauf könnte und würde am besten der volkskundliche Wissenschaftler geben, aber wir können uns auf diesem kleinen Blatt nicht daran aufhalten, oder vielleicht erst später etwas, denn sonst bliebe am End kein Plätzlein mehr übrig für das, was wir miteinander plaudern möchten, über die Fasnet zu Oberkochen vor 50 Jahren.</p>
<p style="text-align: left;">»Woisch no!« würden zwei Alte am Stammtisch miteinander zu reden beginnen, wenn sie auf das Thema »Fastnacht« kommen würden. »Ja«, würde der eine sagen, zu unserer Zeit dau hat ma no et gsaid »Fasnet«, dau hat ma so richtig Oberkochenerisch gsaid: »An dr Faasnacht« (Fastnacht). Aus der Unterhaltung dieser beiden Stammtischfreunde könnten wir dann noch etwa folgendes entnehmen: Vor 50 Jahren, als wir noch »Mäschkerles« taten, da war unser Dorf noch recht klein. Aus der Schule wußte man es, daß es ganze 1300 Einwohner damals gezählt hatte. Es gab eine Langgasse, eine Kirchgasse, einen Katzenbach, einen Brongel und dann noch s’Kies und den Rosch, das Feigen- und Jägergäßle hingen so an der Seite. Das war alles was das Dorf ausmachte, aber es war viel, denn es war eine Welt, in der zu allen Zeiten sich für die Jugend und die Kinder, unbeschwert um die Sorgen der Alten, so vieles abspielte auch immer wieder die »Fasnet« mit ihrem närrischen Getue, ihrer Ausgelassenheit, aber auch ihrer echten Fröhlichkeit. Da gab es noch ein Maschkerleben sagte der eine, am Stammtisch. War einmal Lichtmeß vorüber, dann lag von der Narretei schon etwas in der Luft. Gewiß, es war eine bescheidene, ja sogar eine fast primitive Sache, wenn sich irgendwo einer mit einer Maskerade auf die Gaß getraute, aber es war doch eine richtige Sache. Diese Maskerade bestand dann aus einer selbstgefertigten Larv. In der oberen Hälfte waren die Augen ausgeschnitten, auch die Nase hatte ein kleines Ventil und das Maul und der Schnurrbart war mit Wichse aus Gentners Wichseschächtelchen gemalt.<br>Als Kleidung diente ein alter Rock, eine Bluse und ein Kapotthütle aus der Ahne ihrem Kasten. In der Hand hatte dieser erste Maschker eine Rute zur Abwehr der Buben- und Mädelschar, die ihn schreiend und johlend umringten. Man kannte damals noch keine Indianer und Cowboy. Aus dem Schreien und Johlen hörte man immer wieder von den Kleineren den Reim,</p>
<p style="text-align: center;">Mischkerle, Mäschkerle, hopf ins Schächtele</p>
<p style="text-align: left;">oder auch den einen:</p>
<p style="text-align: center;">Heute ist die Fasenacht, wo mei Muatter Küchle backt,<br>wenn sie aber koine backt, pfeif i auf dui Fasenacht</p>
<p style="text-align: left;">Ja, der erste Maschker war fast immer ein Ereignis für die Schuljugend; meist tauchte er im Rosch auf, dort um den Holzwartbecken herum. Doch schon bald sah man auch die Katzenbächer und die Langgäßler Maschker in der Kirchgasse und umgekehrt. Man kannte den Gumpendonnerstag, den rußigen Freitag und den schmalzigen Samstag. Es waren die Tage vor der eigentlichen Fastnacht. Am Fastnachtstag selbst traten die kleinen Maschkerlesgruppen, die nun all die Vortage soviel Lärm gemacht hatten in den Hintergrund, denn an diesem Tag kam die Narrengruppe der jungen Burschen durch das Dorf gezogen. Da waren dann auch die Alten gespannt darauf, wer nun gespielt wurde, wer nun hereingenommen war in den Ulk und das Narrenspiel des Jahres. Meist war es eine Sache, die im Ablauf des Jahres eine zeitlang das Dorfgeschwätz gewesen war. Daher stammt auch der Spruch »den spielt man an der Fastnacht« Gerne war dazu ein Pritschenwagen genommen, der die Bühne darstellte. Unter dem Drum und Dran des ganzen Aufzugs gab es gar manch interessante Figur zu sehen. Zu ihnen gehörte auch oft der Schultes, der Polizeidiener und der Nachtwächter, aber auch mancher von den Gemeinderäten mußte herhalten und nicht zuletzt der Schulmeister. Alle Gestalten waren dem Dorf entnommen und alle spielten ihr »Narretsei« so recht urwüchsig Oberkocheneresch. Wie köstlich war doch einmal die Figur des Nachtwächters M. Deininger und die des alten Polizeidieners Winghofer bei einem Spiel um das Fensterln. Ein paar alte Hexen fehlten auch nie. Auch das Handwerk hatte seine Vertreter, so die Schneider und Schuhmacher. Die ganze Narrengruppe am Fastnachtsdienstag bestand aus jungen Männern. Mädels oder gar Frauen hatten sich wohl nie getraut, mitzumachen. Eigentliche Masken- oder Kostümballe, im Sinne der heutigen, gab es damals in Oberkochen nicht. Allenfalls konnte man es eine Kappensitzung heißen, wenn an manchem Abend und der Fastnacht selbst, irgendwo Gruppen zusammen kamen um Fasching zu feiern, wobei oft ein buntes Käppchen und eine rote Papiernase die ganze Narrenausrüstung war. Von den Bauernsöhnen aber konnte man dabei manchen sehen, der im Aufzug des Ururgroßvaters erschienen war, der roten Weste mit Silberknöpfen, weiße Strümpfe und der Zipfelkappe. Selbstverständlich wurde getanzt, gefestet und viel Narretei getrieben und zwar bis zur letzten Minute der Polizeistunde vor dem Aschermittwoch.</p>
<p style="text-align: left;">Für manchen war dann der Morgen des Aschermittwochs ein wirklicher Katzenjammermorgen. So wie es damals vor 50 Jahren war, mag es auch heute noch sein. Einmal im Jahr will Scherz und Frohsinn sich im Ulk und der Narretei austoben, wie aller Orts in deutschen Landen so auch zu Oberkochen.</p>
<p style="text-align: left;">Fast könnte man meinen, es entspringe einem Naturgesetz. Bei diesem Gedanken lassen wir nun doch noch einen Chronisten in einigen Sätzen zum Wort kommen über »die Fastnacht« und den ihr folgenden Aschermittwoch im Brauchtum des Volkes. Wer vom Anfang des Faschingsbrauches etwas wissen möchte, der muß diesen im kirchlichen Raume des Mittelalters suchen und von hier noch weiter zurück mit dem Unterschied, daß er dort einen anderen Sinn finden wird. Jedenfalls hängt der Brauch in seiner heutigen Form mit dem Fastengebot der Kirche zusammen. Schon die christlichen Urgemeinden hatten sich Enthaltsamkeit im Genuß von Speisen auferlegt und zwar als Sühneopfer. Dieses Fasten, ob freiwillig oder unfreiwillig, bedurfte im Laufe der Zeit einer geordneten Ausrichtung. Die Kirche schuf diese Ordnung in einer wohldurchdachten und möglichen Fastenordnung. Unter den Fasttagen war bekanntlich das 40-tägige Osterfasten das strengste und längste.</p>
<p style="text-align: left;">Der mittelalterliche Mensch, der es mit dem Gebote ernst nahm, fastete streng. Vor allem enthielt er sich der Fleischspeisen. Es ist u. a. aus dem Ende des 13. Jahrhunderts berichtet, daß in Oberdeutschland die jungen Leute am Ostertag aus Freude darüber, daß die Fastenzeit vorbei war und sie wieder Fleisch essen durften, allerlei Ausgelassenheit getrieben haben u. a. auch das Schlagen der Vorübergehenden mit sogenannten Pritschen und auch mit Ruten. Was damals am Ende der Fastenzeit Brauch war, verlegte sich ab dem Jahre 1400 auf die Zeit vor der Fastenzeit.</p>
<p style="text-align: left;">Aus dieser Zeit ist aus einer Chronik folgendes berichtet: »Als aber in Basel eine »new gewohnheit« einriß, im Advent verlarvt zu gehen und ehrbare Leute zu überfallen, verbot der Rat den Unfug im Jahre 1418: »Das soll niemand mehr gestattet sein, heißt es, außer in der Fastnacht«. An einer anderen Stelle ist berichtet: »Das Fasten nahm seinen Anfang am Aschermittwoch, das ist am Mittwoch nach dem Sonntag Quinquagesima.« Ursprünglich feierte man die Nacht vor dessen Beginn. Bei der bekannten Sucht, Feste zu erweitern, dehnte das Volk diese Vorfeier allmählich auf mehrere Tage aus nach rückwärts, so daß zuletzt aus der einen Fastnacht drei Fastnachtstage wurden.</p>
<p style="text-align: left;">Die streng religiöse Auffassung des mittelalterlichen Menschen läßt es aber andererseits wieder verstehen, daß er nach dem Fastnachtstreiben zu besinnlichem Ernst zurückkehrte und am Aschermittwoch demütig niederkniete und sein Haupt mit Asche bestreuen ließ; dieser Brauch dürfte fast ebenso alt sein wie die Fastnacht. Mehr darüber wird in einem späteren Artikel zu behandeln sein.</p>
<p style="text-align: right;"><em><strong>Franz Balle</strong></em></p></div>
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		<title>Die Kräuterweihe</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/die-kraeuterweihe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[S.Mueller.HVO]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Aug 1955 23:00:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sitten, Gebräuche u. v. m.]]></category>
		<category><![CDATA[Heimatbüchlein]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Es war vor wenigen Wochen, als mich mein Weg in ein Bauernhaus der Geislinger Alb führte. Dort hatte ich mit dem Bauern eine Unterredung zu führen und da dieser aber gerade im Stall bei der Fütterung war, ging ich dorthin um mein Anliegen möglichst schnell zu erledigen. Doch der Zufall wollte es, daß ich einige Zeit doch noch warten mußte bis der Bauer aus der Scheuer zurückkam, zu welcher er mit dem Futterkorb gegangen war. Die kurze Wartezeit, der ich mich nun unterziehen mußte, sollte mir aber, vielleicht darf ich so sagen, ein feines, wenn auch kleines Erlebnis werden. Ich hatte in dieser Wartezeit und in diesem Stalle eine Begegnung mit einem ganz alten, aber lieben Bekannten – aus meinen Kindheitstagen in meinem Vaterhaus – es war der »Weihbüschel«. Oben über der Futtertraufe auf einem besonders hierfür angebrachten Brett da lag er, wohl dürr und vergilbt, aber er sprach zu mir und erinnerte mich an den Tag, an dem er gepflückt worden ist und an dem geschäftige Hände von Menschen, die an Gottessegen glauben, ihn gebunden und in die Kirche zur Weihe getragen haben. Ich stand mit einem Schlag in einem Raum voll Erinnerungen an diesen Tag mit seiner Weihbüschelweihe, bzw. Kräuterweihe. Da sah ich mich als Bub mit Stolz und Würde meinen Weihbüschel zur Kirche tragen. Aus den Nachbarhäusern kamen die Nachbarbuben und Mädchen mit den ihrigen, und an der Linde gesellten sich die von der Langgasse zu uns. Mitunter trug den Büschel auch eines von den Großen. Wir aber, die kleinen Träger, hatten es sehr wichtig, denn jeder wollte doch den größten und schönsten Büschel gehabt haben. Da wurde gelobt, bemängelt und kritisiert bis vor die Kirchentüre hin. Was wir damals als Kinder an diesem Kräuterbüschel gesehen haben, waren äußere Dinge. Inzwischen aber dürfte uns allen ein tiefer Sinn über ihn aufgegangen sein. Wohl wußten wir, und es war uns eine selbstverständliche Sache, daß dieser Kräuterbüschel zum Bauernhaus gehört, genau so wie der Palmen, den wir am Palmsonntag zur Kirche getragen haben, und daß er als Schutz gegen Blitzschlag und andere Gefahren von Seiten der Elemente das ganze Jahr auf dem Speicher oder im Stalle aufbewahrt wird, jedoch von der tieferen Bedeutung seiner Zusammensetzung und seiner Weihe wußten wir nicht viel. Heute sehen wir ihn anders. Da ist einmal die Wetterkerze, die im August hoch und stolz am Feldrain oder im Garten steht und über allem, was um sie ist an Gewächsen der Erde, hinweg sieht. Wer könnte in die Mitte des Büschels besser passen als sie. Um die Wetterkerze gruppiert sehen wir von jeder Getreideart drei Ähren, dann Blüten aus Klee und Esper, Blumen und Halme der Wiesen. Blumen und Sträucher des Waldes, und auch der Garten ist reich vertreten. So schauen wir in diesem Weihebüschel der auch dieses Jahr wieder an Maria Himmelfahrt zur Weihe getragen wird, gleichsam den ganzen uns nährenden Heimatboden. Wir halten ihn in den Händen mit dem Willen, dem Schöpfer aller Dinge zu danken und ihn zu bitten, er möge in das Dargereichte seinen Segen legen, dessen wir auch fürderhin bedürfen. Das ist kurz gesprochen der wohl jedem verständliche Sinn der »Kräuterweihe«.</p>
<p>Die Kräuterweihe hat eine große, lange und interessante Vergangenheit. Es ist daher nicht verwunderlich, daß sich auch die Literatur längst um sie angenommen hat. Wir entnehmen dieser unter anderem folgendes: Die Kräuterweihe ist eine spezifisch deutsche, kirchliche Sitte. Aber sie ist nur eine deutsche Zutat zu einem Komplex alter, allgemeiner Benediktionen um die Zeit der Ernte und ihren Abschluß. Daß die Weihe an Maria Himmelfahrt stattfindet, ist eine Frage der Zeit und des Naturlaufs und hat zu dem Festgedanken dieses Tages keine besondere Beziehung. Wie in manch anderem an Brauchtum, ist auch hier das Bauernhaus der Jahrhundert alte Träger dieser Sitte. Im Brauchtum gesehen hängt die Kräuterweihe eng zusammen mit der Annahme des Christentums durch die germanischen Völkerschaften. Lothar Schreiber erwähnt in seinem Buche »Die Mystik der Deutschen«, »Die Christliche Botschaft hatte bei den Germanen eine innere Bereitschaft gefunden, denn sie hatten viele natürlichen Tugenden, sie zeichneten sich aus durch Mäßigung, Starkmut und Gerechtigkeit; auch wohnte ihnen eine tiefe Sehnsucht nach dem Ewigen aus dem Zeitlichen inne.«</p>
<p>Daß sie die Pflanzenwelt mit ihrem religiösen Denken, mit der Sage und dem Kulte auch schon in vorchristlicher Zeit verknüpften, ist geschichtlich bekannt. Aber nicht nur von ihnen ist dies Tun bekannt, sondern bei allen Völkern des Altertums war dies vorhanden. Die medizinischen Pflanzen galten meist dem Apollo und dem Äskulap heilig. Bei den Germanen waren dem Thunar, der Freya und dem Balder Pflanzen geweiht. Das christlich gewordene Volk setzte an ihre Stelle Christus und seine Heiligen und schuf jene Pflanzenlegenden in welchen sinnige Naturbetrachtungen und innige Frömmigkeit zum gemütvollen Ausdruck kommen.« Professor Adam schreibt in seinem Buche über »Christus und der Geist des Abendlandes«: »Die Germanen erfaßten die christliche Botschaft nicht nur nach ihrer intellektuellen und institutionellen Seite, sondern auch vor allem nach ihren lebensweckenden, inwendigen Kräften.« Unsere Vorfahren wollten vom Glauben, von ihrer Religion, etwas sehen und haben. Die Lehre Christi erleuchtete den Geist. Die Hand der Kirche führte sie durch das Leben. Aber der Gottessegen des Christentums sollte auch über Geist und Seele und Inneres und Innerstes hinausgehen und herabtauen auf das Äußere, Leibliche, Irdische, auf den Alltag, auf die Arbeit und ihre Not und Sorge, auf den täglichen Kampf mit der Welt und der Natur. Alles sollte geheiligt werden durch Gotteswort und Gebet. Unsere Vorfahren empfanden auch an sich und ihrem Leben die Schwächung durch die Sünde, und daß die feindlichen Mächte des Menschengeschlechtes sie stets bedrohten. Sie baten deshalb die Kirche um ihren Segen, daß Gott sein Heil über sie ausgieße und ihnen barmherzig sei.</p>
<p>In den Blumen und Pflanzen liegt auch nach der Anschauung des Mittelalters eine große geheime Kraft. Es ist dies die in sie gelegte natürliche Heilkraft. Aber darüber hinaus schrieb man gewissen Pflanzen besondere Kraft zu des Schutzes und der Abwehr, als ob die Pflanzen ihre Heil- und Schutzwirkung von den Sternen bekämen. Man erfand gewisse Formeln, wodurch die Wirkung verstärkt werden sollte. Dieses Denken und Meinen führte zu Aberglauben und Verwirrungen, gegen die die Kirche oft einen Kampf führen mußte.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="395" height="580" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/Kraeuterweihe.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-23716"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Der Landbau ist der Anfang und die Grundform aller Menschenarbeit. Es ist allgemein menschlicher, religiöser Brauch, den Segen Gottes auf die Arbeit und den Arbeitsertrag herabzuflehen durch Gebet und Opfer. Wir finden die Vereinigung von Gott und Landbau bei allen Bauernvölkern der Geschichte. Die agrarischen religiösen Feiern durchzogen das ganze Arbeitsjahr der Bauern überall. Nach der Kirchenordnung der katholischen Kirche hat der deutsche Bauer seine Segnungen und Weihungen für das Saatkorn und für die Feldbestellung. Er bittet am Palmsonntag im »Palmen« dem ersten Lebenskeim in der Natur, zu segnen. Er ruft bei der Aschprozession den Segen Gottes auf die Saaten und ihr Gedeihen herab. Er läßt fünf Monate lang täglich im Wettersegen bei dem hl. Opfer Felder und Früchte segnen. Diese Felderweihe erlebt ihren Höhepunkt in der Fronleichnams-Prozession.</p>
<p>Die Zeit der Ernte aber ist bedacht mit der Ernteweihe, die ihren Ausdruck findet in der Weihe von Kräutern, also der »Kräuterweihe«. Wenn der Weihbüschel nach seiner Weihe und Segnung durch die Kirche, seinen Platz im Bauernhaus auf dem Speicher oder im Stall bekommt, so liegt dem kein abergläubisches Denken zugrunde, sondern allein das Wissen um den aus der ständigen Verbindung mit Gott erflehten Segen.</p>
<p>Die Ernte ist Gottes Gabe. Von dieser gläubig demütigen Schau aus stellt die Kirche als Hauptgedanken den Satz an den Anfang ihrer Weiheformel: »Gott gibt seinen Segen. Dann gibt die Ernte ihre Früchte.« Es sind wunderbare Psalmengebete, die sie bei der Weihe sprechen läßt. In einem hochgestimmten Dankhymnus betet sie »Dir, o Herr, gebührt Lobgesang auf Sion, Du hast das Erdreich heimgesucht und es getränkt; Du hast es reich gesegnet, Du ließest sein Getreide wachsen, Du hast den Boden zubereitet, Du tränktest die Furchen und ließest die Schollen sinken, Du krönst das Jahr mit Deinem Segen und Deine Spuren triefen von Überfluß«. In einer weiteren Fortsetzung ist die Rede von einer Erstlingsgarbe, die zum Opfer gebracht werden will.</p>
<p>Wir verstehen von hieraus den Brauch, den unsere Vorfahren auch zu Oberkochen noch vor 150 Jahren übten. Sie ließen jedes Jahr den ersten Erntewagen vor die Kirche fahren. Dort wurden zwei Garben dem Wagen entnommen und vor dem Altar aufgestellt.</p>
<p>Die Ernte ist das große Ereignis im bäuerlichen Jahr, heiß erarbeitet, erkämpft, erhofft, erfleht. Der Bauer weiß besser wie alle anderen um das wundersame, geheimnisvolle Wirken und Weben aus den Händen Gottes in der großen Werkstätte der Natur. Aus diesem Wissen heraus ist sein religiöses Brauchtum geworden. So war es zu allen Zeiten auch in unserem bäuerlichen Heimatdorf Oberkochen. Unsere Vorfahren waren dabei dankbar und glücklich. Seien auch wir Heutigen alle mit einander dankbar und froh, solange noch jemand durch unsere Dorfstraßen Weihbüschel zur »Kräuterweihe« trägt.</p>
<p style="text-align: right;"><em><strong>Franz Balle</strong></em></p></div>
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		<title>Kleine Auszüge aus den Gemeinderatsprotokollen ab 1809</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/kleine-auszuege-aus-den-gemeinderatsprotokollen-ab-1809/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[S.Mueller.HVO]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Jul 1955 00:00:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Heimatbüchlein]]></category>
		<category><![CDATA[Sitten, Gebräuche u. v. m.]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>1809</strong> – 1. August. Der Theologiestudent Josef Wingert bittet um ein Darlehen zur Bestreitung seines Studiums. Das Protokoll trägt als Unterschrift: Schultheiß Gold und Schultheiß Scherer, Bürgermeister Feil und Grupp. Als Magistratsmitglieder unterzeichneten: Michael Grupp, Anton Schübel und Joachim Grupp. Außerdem als Aktuarius ein Mayer.</p>
<p><strong>1819</strong> – verkauft der Lammwirt Holz sein Anwesen an Johann Pfisterer von Bernhardsdorf bei Geislingen um 3900 Gulden,</p>
<p><strong>1811</strong> – Zur Unterstützung der Hausarmen und Abbestellung des Bettels wird beschlossen, daß künftig jeden Samstag der Polizeidiener mit einem der Armen von Haus zu Haus Geld, Brot und Mehl sammelt. Das Gesammelte wird nach Bedürftigkeit verteilt.</p>
<p><strong>1812</strong> – Der obere Müller Anton Linder wird zum Kriegsvogt für eine Witwe Gold bestellt (Beistand).</p>
<p><strong>1813</strong> – Wer bei Ausbruch eines Brandes zuerst bei der Feuerwehrspritze ankommt, soll pro Pferd eine besondere Belohnung erhalten.</p>
<p><strong>1815</strong> – 11. Dezember waren für die Wahl zum Repräsentantenhaus 19 Wahlmänner namhaft zu machen.</p>
<p><strong>1816</strong> – 6. Mai. Es wird Schultheiß Kaspar Scherer als Gerichtsschreiber bestätigt und vereidigt. Von da ab unterzeichnet er als Gerichtsaktuar. Die weiteren Unterschriften lauten jeweils Bürgermeister Roschmann und Schmid, ferner als sogenannte Magistratsverwandte: Anton Linder, Michael Grupp und Joachim Grupp. Gleichzeitig wird das leere Nebenhaus des Hirschwirts Scherer mitten im Dorf als Magistratszimmer gemietet um 10 Gulden und ein Klafter Holz. Künftig heißt es in manchen Protokollen „Verhandelt im Hirschwirtshaus“. Auch im Ochsen war ein Ratszimmer. Das Rathaus wurde erst 1835 eingerichtet. Vorher gab es nur gemietete Ratszimmer.</p>
<p><strong>1816</strong> – 22.August. Wegen großem Mangel an Getreide erhalten 65 Familien 30 Scheffel Dinkel verteilt. Der Krämer Josef Staud beantragt eine Zapfenwirtschaft errichten zu dürfen. Sie wird genehmigt, weil bei 800 Einwohnern erst drei Wirte da seien (Hirsch, Ochsen und Lamm). Die Wirtschaft stand zwischen Oppold und Schmidjörgle.</p>
<p><strong>1817</strong> – Teuerung und Arbeitslosigkeit ist groß. 20 Hausarme erhalten geldliche Unterstützung Außerdem hat die Herrschaft die Errichtung öffentlicher Suppenstellen angeordnet. Ein Baltes Grupp heiratet nach Frankreich und verzichtet auf sein Bürgerrecht.</p>
<p><strong>1818</strong> – 4. Februar. Joachim Grupp verkauft seine Mahlstühle (untere) an Josef Staudenmaier um 9000 Gulden.</p>
<p><strong>1820</strong> – erscheint erstmals ein Bürgerausschuß. Scherer unterzeichnet jetzt als Ratschreiber. Der Zweite Schultheiß erscheint nicht mehr.</p>
<p>1821 – Katharina Balle, Tochter des Wiedenhofbauern Michael Balle, erhält zu ihrer Verheiratung nach auswärts den Bürgerrechtsverzichtbrief. Ihr Heiratsgut beträgt 3300 Gulden.</p>
<p><strong>1822</strong> – Der Revierförster gibt bekannt, daß die ehemaligen ellwängisehen Untertanen künftig das Laubrechen nur gegen Bezahlung tun dürfen. Daraufhin wurden die ältesten Bürger des Dorfes gerufen und sie bezeugten, daß sie früher nie etwas bezahlen mußten auch nicht im Königsbronner Wald.</p>
<p><strong>1831</strong> – 15.April — 24. Mai. Das Mieten eines weiteren Schulzimmers im Ochsen ist nicht möglich. Schullehrer Balluf stellt darauf sein Wohnzimmer für einen Gulden Zins zur Verfügung. Andreas H. wird wegen wiederholten Stehlens zu 10 Monat Arbeitshaus und 25 Stockstreichen verurteilt (vom Gericht in Aalen).</p>
<p><strong>1832</strong> – 11. Oktober. Sebastian Greul, 25 Jahre alt, will heiraten. Der Bescheid lautet, G. soll noch ein paar Jahre warten, es seien so schon zuviele Beisitzer im Dorf und eine Familie könne er auch noch nicht ernähren. Schultheiß Scherer legt nach mehr als 30jähriger Amtszeit sein Amt nieder. Johann Grupp auf dem Hüttenhof will am Kocherursprung eine Mahlmühle errichten. Die Angrenzer erheben Einspruch und die Ausführung unterbleibt.</p>
<p><strong>1833</strong> – 15. Februar. Math. Schmid kauft die Ochsenwirtschaft. Er zieht von Adelmannsfelden zu mit acht Kindern.</p>
<p><strong>1835</strong> – 30. Januar. Der Ochsenwirt Widmann (Schmid hatte wieder verkauft) bittet um ½ Klafter Holz für das Ratszimmer, weil bei ihm auch nicht weniger Sitzungen stattfinden wie beim Hirschwirt. Sebastian Kopp will auf dem Kreuzwasen eine Gipsmühle errichten. Wird abgelehnt.</p>
<p><strong>1841</strong> – Josef Maier zieht von Großkuchen zu und verheiratet Strich mit Katharina Schmid (Kirchenschmied).</p>
<p><strong>1849</strong> – 20. März. Schultheiß Maier legt nach 18jähriger Amtszeit sein Amt als Schultheiß und Ratschreiber krankheitshalber nieder. Sein Nachfolger wird Schultheiß Wingert.</p>
<p><strong>1851</strong> – 9. August. Josef Hug wird zum zweitenmal auf drei Jahre zum Gemeindepfleger gewählt. Die Gemeinde kauft die Zehendscheuer von der Ellwanger Herrschaft.</p>
<p><strong>1852</strong> – 10. Februar. Christof Jakob Baureet welcher die Bohrermacherkünste und das Fach der Mechaniker erlernt hat, bittet um Ausstellung eines Wanderbuches. Der Gemeinderat bezeugt, daß B. als Bürger gut prädiziert sei. Seiner Rückkehr in die Heimat stehe kein Hindernis im Wege. Die Gesdlwister Schuhmacher Karl und Henrike wandern nach Amerika aus, ebenso Jakob Scherer.</p>
<p><strong>1853</strong> – 31. April. Es melden ihre Auswanderung nach Amerika an: August Betzler, Johann Schaupp, Johann Hofmann, Kaspar und Johann Scherer, Söhne des Georg Adam Scherer.</p>
<p><strong>1857</strong> – 30. September. Jakob Balle wird zum Gemeindepfleger gewählt. Später wird dieser Waldverwalter und Schulkostenpfleger</p>
<p><strong>1886</strong> – 30. November. Josef Balle wird zum Gemeindepfleger gewählt. Dessen Gehalt wird auf 203 Mark jährlich festgesetzt.</p>
<p><strong>1889</strong> – 2. November. Georg Nagel hat um ein Gemeindebürgerrecht nachgesucht. 26. September. Schultheiß Betzler unterzeichnet erstmals als Schultheiß und Ratschreiber. Schultheiß Wingert hatte letztmals am 27. Juli 1889 unterzeichnet</p>
<p><strong>1893</strong> – Schübel dankt als Gemeindepfleger ab. Sein Nachfolger wird Michael Hug. Ludwig Trick übernimmt die Ochsenwirtschaft.</p>
<p style="text-align: right;"><em><strong>Franz Balle</strong></em></p></div>
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		<item>
		<title>Die alten und neuen Friedhöfe zu Oberkochen</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/die-alten-und-neuen-friedhoefe-zu-oberkochen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[S.Mueller.HVO]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Jun 1955 23:00:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Heimatbüchlein]]></category>
		<category><![CDATA[Sitten, Gebräuche u. v. m.]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Ursprünglich lag der gemeinsame Friedhof um die katholische Kirche. Nach der Reformation hatte die evangelische Kirche ihren eigenen Friedhof bei ihrer Kirche. Über die Verlegung von dort nach einem Platz außerhalb des Dorfes lesen wir in den alten Urkunden folgendes:<br>Am 14. Mai 1835 verhandelt der evangelische Kirchenstiftungsrat unter Leitung von Pfarrer Kraus erstmals über die Verlegung. Das Königliche Oberamt hatte hierzu die Auflage gemacht. Die Herrschaft Königsbronn (württembergisch) bestreitet die Teilnahme am Tragen der Kosten, weil es sich um den Hof der Kirche handle, müsse die Gemeinde die Kosten allein tragen. Der Kirchenstiftungsrat stellt sich dagegen, mit der Begründung, es handle sich um einen ummauerten Platz, der mit dem Hofe der Kirche im üblichen Sinne nichts zu tun habe.</p>
<p>Zu gleicher Zeit hatte auch die Katholische Gemeinde die Auflage zur Verlegung ihres Friedhofes vom Oberamt erhalten. Die Durchführung der Verlegungen erfolgte dann im Jahre 1851. Die Leute wurden angewiesen bzw. bekamen dann die Erlaubnis, die Grabsteine selbst zu entfernen. Die Einweihung des katholischen Friedhofes erfolgte 1856 durch Pfarrer Desaller. Die erste im damals neuen katholischen Friedhof beerdigte Tote war Katharina Betzler, Wagners Ehefrau.</p>
<p style="text-align: right;"><em><strong>Franz Balle</strong></em></p></div>
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