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	<title>Landschaft | Heimatverein Oberkochen</title>
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		<title>Der Kocher — ein Naturdenkmal</title>
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		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 May 2024 12:20:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Heimatbuch]]></category>
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					<description><![CDATA[Seite 335-340 (Alfons Mager)]]></description>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Vorbemerkung:</strong></p>
<p>Ebenso wie die Beiträge über das Hafnergewerbe und den Volkmarsberg stammt auch der folgende Abschnitt von Oberlehrer Alfons Mager. Es handelt sich um eine Betrachtung aus der Zeit um 1939.</p>
<h2>Der Lauf des Kochers</h2>
<p>Durch Oberkochen fließt der Schwarze Kocher, der sich bei Unterkochen mit dem Weißen Kocher vereinigt. Der Name »Schwarzer Kocher« rührt vom dunklen Flußbett des meist ruhig strömenden Wassers her. Er erhält seine Farbe durch die vermoderten Schlingpflanzen auf seinem Grunde bzw. wegen der schwarzen Steine, die dem früheren Schmelzofenbetrieb am Kocherursprung entstammen. Die Quellen des Schwarzen Kochers liegen rechts an der Straße nach Königsbronn und sind mit allerlei Sträuchern und Tannen umwachsen. Ruhebänke laden zum Verweilen in diesem Naturidyll ein.</p>
<p>Nach dem Ursprung eilen die Wasser am Flurteil Schlackenwäsche und an den Eis- und Fischweihern vorbei. Ein kurzer Kanalarm gab der Gruppschen Fabrik seine Wasserkraft ab. Der Schwarze Kocher wendet sich dann nördlich durch die Gewanne Strick und Ried zu den Leitzschen Fabrikanlagen und den Weiherwiesen. Hier trennt sich der Kanal, der sich neben dem Kocher durch den Ort zieht. Über die Haupt- und Bahnhofstraße an der Mühle vorbeieilend mündet er im Nordosten der Gemeinde zwischen den Kapellenwiesen und der Schwörz wieder in den Kocher ein. Erbaut wurde der Kanal im 15. Jahrhundert von Brüdern und Mönchen des Klosters Königsbronn.</p>
<p>Bei der Einmündung des Gutenbachs unweit der Kreuzmühle wendet sich der Schwarze Kocher nördlich zur Stefansweiler Mühle (Spranzenmühle) und weiter nach Unterkochen. Das früher an der Markungsgrenze gelegene Gehöft Stefansweiler ging im Dreißigjährigen Kriege unter. Bei Aalen und Wasseralfingen tritt dann der Kocher in den Braunen und Schwarzen Jura und bei Hüttlingen in die Keuperlandschaft ein.</p>
<h2>Die Nebenflüsse des Kochers</h2>
<p>Der wichtigste linke Zufluß des Schwarzen Kochers ist der Gutenbach, der vom Spitz- und Wolfertstal herkommt. In alten Karten führt der Gutenbach den Namen Teuffelsbach. Sein unterer Teil wird Nußbach genannt. Drei Quellen bilden seinen Lauf: Neu‑, Langert- und Luggenloh-Brunnen (»Loh« = Wald). Vom letzteren zweigt auch ein Arm zum Katzenbach ab. Der Katzenbach entspringt auf 510 Metern Höhe in den Wiesen am Fuße des Volkmarsberges im sogenannten Weingarten (dieser Name deutet möglicherweise auf mittelalterlichen Weinbau hin) und fließt neben der Katzenbachstraße vor bis zum Kocherkanal. Er hieß bis zur Aufhebung des Zolls im Jahre 1803 Zollbach und die Brücke an der Landstraße Zollbrücke. Vorher bildete er die Grenze zwischen dem Ellwanger und Königsbronner Teil von Oberkochen.</p>
<p>Rechte Seitenflüsse sind Edlenbach und Erlenbach. Ersterer enteilt dem Langenteich und fließt unter der Ebnater Straße und der Eisenbahn dem Kocher zu. Letzterer kommt vom Zwerenberg und läuft bei nasser Witterung am Eselsweg in den Kocher (Bettelbrunnen).</p>
<p>Das Loachbrünnle und das Schönbrünnle beim hinteren Langert fließen nur zeitweilig. Mehr Wasser führt das Klebbrünnle am östlichen Fuße des Tierstein im Flurteil Daffang.</p>
<p>Stehende Gewässer sind die kleinen Eisweiher und Fischteiche beim Kocherursprung und der Fabrikteich beim Leitzschen Werk. Die Fischteiche am Spitztal gingen wieder ein.</p>
<p>Die Fischerei wurde am Schwarzen Kocher früher eifrig betrieben mit schönen Forellen sowie mit künstlich gezüchtete Fischen, sog. Regenbogenforellen und Karpfen, die in Gasthöfe der umliegenden Städte versandt wurden. Durch die gewerblichen Ausläufe wird das Wasser oft verunreinigt, und die Fischzucht ist bedeutend zurückgegangen. Als erfolgreiche Fischzüchter waren in früheren Jahrzehnten Friedrich Leitz und Albert Leitz sen. sowie Schuhmachermeister Johannes Weber bekannt, die vielfach Preise für Brutfische erhielten. Am Kocherursprung, im Fabrikteich und im damaligen Brunnenhaldenweiher wurden auf künstlichen Terassen in eingens von hiesigen Hafnern angelegten Fischkacheln Forellen in allen Größen und Farben gezogen.</p>
<p>Häufig kam früher im Schwarzen Kocher sowie im Nuß- und Gutenbach der Fischotter mit seinem dunkelbraunen Pelzwerk vor. Manche dieser wertvollen Tiere wurden gefangen, besonders unterhalb der Kreuzmühle bei Schnee im Mondenschein.</p>
<p><strong>Nachwort</strong><br>Gewiß stimmt dieser Bericht von Alfons Mager auch heute noch im wesentlichen. Allerdings ist er in einigen Punkten zu ergänzen.</p>
<p>Die Kocherquelle »Ölweiher« ist in dem Magerschen Bericht nicht erwähnt. Der Ölweiher (früher befand sich dort eine Ölmühle) ist eine trichterförmige Quelle ähnlich dem Blautopf im Bereich der Firma Gebrüder Leitz. Allerdings sind die Quellaustritte im Ölweiher so stark versintert, daß ein Eindringen ins Erdinnere nicht möglich ist; der Karst- und Höhlenforscher Jochen Hasenmayer hat sich davon persönlich überzeugt.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Bei der Kocherquelle wurde ein Wanderparkplatz angelegt. Der neue Flächennutzungsplan der Stadt Oberkochen versucht dem Anliegen, dieses einmalige und überörtlich bedeutende Naturdenkmal auch für die Zukunft zu schützen, gerecht zu werden.</p>
<p>Ferner soll erwähnt werden, daß der Kocher, trotz des hohen Industriepotentials unsere Stadt dank der Kläranlage und der zur Zeit in Bau befindlichen Regenrückhaltebecken in einwandfreiem Zustand verläßt und auch in Zukunft verlassen wird.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Ein Abend am Quell des Schwarzen Kochers</strong></p>
<p style="text-align: center;">An deiner Wiege saß ich traumversunken,<br>Schon zog der Abend an den Bergen hin;<br>Aus deinen Wassern glühten Feuerfunken,<br>Und aus der Seele stieg ein stumm: Wohin?<br>Die Antwort klang mir aus den Orgelklängen,<br>Zur Freiheit drängen wir, zum Sonnenlicht,<br>Wir quellen aus des Berges tiefsten Gängen,<br>Die lichtwärtsstrebend unsre Kraft durchbricht.</p>
<p style="text-align: center;">Nicht wollten wir in finstern Hallen<br>Verharren tatenlos, — des sind wir müd<br>Drum ließ der Berggeist uns’re Fessel fallen,<br>die uns von Sonne und von Freiheit schied.</p>
<p style="text-align: center;">So grüßen wir dich stillen Weggesellen,<br>Mit frohem Jauchzen, lieblichem Gesang,<br>Der Freiheit Freude klingt aus unseren Wellen<br>Ach hohes Lied zu unsrem ersten Gang.</p>
<p style="text-align: center;">Der Abend sank, die Nebelschleier hingen<br>Gespenstisch in der Berge lichtem Grün —<br>Und während meine Schritte talwärts gingen,<br>Erstand der Seele Antwort auch auf ihr: Wohin.</p>
<p style="text-align: center;"><em>Hermann Mohn</em></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p style="text-align: right;"><strong><em>Alfons Mager</em></strong></p></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Volkmarsberg — der Oberkochener Hausberg Ein Naturschutzgebiet</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/volkmarsberg-der-oberkochener-hausberg-ein-naturschutzgebiet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 May 2024 12:18:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Landschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Heimatbuch]]></category>
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					<description><![CDATA[Seite 323-334 (Karl Schurr, Alfons Mager)]]></description>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h2>Ein Naturschutzgebiet</h2>
<h3>Vorwort</h3>
<p>In einem Heimatbuch von Oberkochen darf ein Beitrag über den Volkmarsberg nicht fehlen. Unser Hausberg ist für die Oberkochener Alt- und Neu-Bürger ein sehr wesentliches Stück ihrer Heimat. Mit Stolz zeigen sie diesen wegen seiner landschaftlichen Lage, seiner Natur und seiner Erholungseinrichtungen so beliebten herrlichen Flecken Erde den zahlreichen Besuchern der Stadt. Eine große Zahl von Auswärtigen wandern Woche für Woche zum »Berg« und kennen diesen oft besser als die Stadt selbst.</p>
<p>Hier wird zunächst ein Beitrag aus dem Jahre 1934 abgedruckt. Er stammt aus der Feder des damaligen Oberlehrers Alfons Mager — seinerzeit mit Fritz Leitz einer der Väter der Erhaltung des Volkmarsbergs als Schutzgebiet und nach diesem langjähriger Vorsitzender der Oberkochener Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins.</p>
<p>In einem Nachtrag wird dann vom derzeitigen Vertrauensmann des Albvereins, Forstdirektor Karl Schurr, über das weitere Schicksal des »Berges« bis in die heutige Zeit berichtet.</p>
<h2>Vom Volkmarsberg</h2>
<p>Der schönste und besuchteste Punkt am oberen Kochertal ist der 743 Meter hohe Volkmarsberg. Er hat eine günstige Lage über dem Kochertal und dem Nordostabfall der Alb. Der besondere Schmuck des Berges ist die Wacholderheide, die ihm mit den Buchen- und Fichtenhorsten ein naturschönes, stimmungsvolles Gepräge verleiht. Heidekraut, Büsche und Felsensteine sind dazwischen verstreut.</p>
<p>Auf dem Gipfel und an den Hängen sind 150 Morgen Land mit Wacholder bewachsen. Das Gebiet steht seit 1928 unter Naturschutz. Ohne Erlaubnis der Heimatpflege und der Gemeinde darf dort nichts verändert werden. Die Wacholderbüsche sollen zu urwüchsigen Bäumen heranwachsen und der ganzen Landschaft zur Zierde sein. Im Winter bei Rauhreif ist die Heide einzig schön, und man glaubt sich bei deren Anblick in ein Zauberland versetzt.</p>
<p>Der Volkmarsberg heißt in alten Urkunden Völkerberg. Dort sammelten sich Bauern, Schäfer und später auch Kriegsvolk zu gemeinsamer »Beratung und Tagung«. Die heutige Bezeichnung soll erst im 18. Jahrhundert eingeführt worden sein. Vielleicht geht der Name aber auch auf einen Bauern zurück, der auf dem Berg zu schaffen hatte, oder dem der Berg gehörte. Dieser wird dann wohl den Personennamen Volkmar, d.h. beim Volke berühmt, gehabt haben. Eine ähnliche Namensform hat der Weickersberg zwischen Königsbronn und Zang. Aber es ließ sich urkundlich weder ein Volker noch ein Weiker nachweisen.</p>
<p>Ein Spaziergang auf den Berg bietet jedem Naturfreund Genuß und Befriedigung. Der prächtige Aufstieg vom Kessel, Dreißental, Weingarten oder Langert aus, die Albflora, die würzige Luft und die Rundschau machen den Volkmarsberg zum beliebten Ausflugspunkt. Von Tauchenweiler her ist der Anblick der Wacholderheide am lohnendsten. Im Frühling erfreuen die dem Berge eigenen Blumen unser Auge: Frühlingsenzian, nickende Nieswurz, Küchenschelle, Himmelfahrtsblümchen, Akelei, Waldvögelein und Kreuzblumen. An den Abhängen und Niederungen ließ die Gemeinde Oberkochen 1000 Stück Fichtenpflanzen einsetzen.</p>
<p>Die schmucke Albvereinshütte mit ihrem bedeckten Vorraum ist eine Zierde der Bergkuppe. In ihrer reizenden Lage zwischen der hohen Buchengruppe und den Wacholderbüschen bietet sie einen malerischen Anblick. Jeder Wanderer und Skiläufer nimmt in dem trauten Blockhaus gerne Aufenthalt. Die Bergwacht ist angewiesen, stets dafür zu sorgen, daß die Wandersleute des Albvereins in der Hütte, die am 5. Oktober 1924 eingeweiht wurde, Unterkunft finden. Rechts neben der Hütte befindet sich eine neue Schenke, die alte Schenke wurde nach der Gauwanderung auf den Volkmarsberg 1921 abgebrochen. An Besuchstagen wird die Bergschenke von dem Inhaber einer 1925 erlangten Wirtschaftserlaubnis betreut. Einzelne Besucher erhalten gegen eine entsprechende Hinterlegungsgebühr bei Fabrikant Fritz Leitz die Schlüssel.</p>
<p>Am nördlichen Rande der Kuppe ist der massige, eigenartige Bergfelsen zu finden, der damals mit Leiter und Wetterfahne versehen war. Von diesem Platz aus und von den freien Flächen auf der Kuppe bietet sich eine schöne Rundschau, besonders nach Norden und Osten. Das Auge schweift hin über das weite Weiland, die Hohenstadter, Büchelberger und Frickenhofer Höhe mit dem Hagberg; die Limpurger und Ellwanger Berge, Kapfenburg, Ipf, Härtsfeld und den massigen Klosterbau in Neresheim, Elchingen und Ohmenheim.</p>
<p>Nach Westen und Süden ist die Sicht durch Bergwälder behindert. Man erfaßt wohl die Felsenwand des Rosensteins und bei günstiger Witterung die Bergriesen der Alpen.</p>
<p>1890 war vom Staatlichen Vermessungsamt zu Meß- und Orientierungszwecken ein Holzturm auf dem Volkmarsberg erstellt worden. 1897 wurde er vom Albverein erworben und um fünf auf 16 Meter erhöht. Am 27. Juni 1897 war die Einweihung, die durch einen wolkenbruchartigen Regen gestört wurde.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Der Turm stand über dem Signalstein am höchsten Punkt des Berges. Seine Grundfläche betrug 20 und seine Fläche oben vier Quadratmeter. Bald war der Holzturm jedoch baufällig geworden und ohne Gefahr nicht mehr zu besteigen. 1905 wurde er gesperrt und 1911 von einem Sturm aus dem Gefüge gerissen und niedergelegt. Vom alten Holzturm war zu sehen: Burgberg, Flexener, Wellerstein, Hesselberg mit den glänzenden Kalkfelsen; im Südwesten die hochgelegenen Aalbuchdörfer Gerstetten, Dettingen, Hausen o.L., Böhmenkirch und Steinenkirch. Bei klarster Witterung sah der Wanderer die Ulmer Münsterspitze, die Oberstdorfer Alpen bis zur Benediktenwand und die Schneehäupter vom Säntis bis zur Zugspitze.</p>
<p>Es sollte nach der Zerstörung des alten Holzturmes fast zwei Jahrzehnte dauern, bis sich ein neuer Turm auf dem Berg erhob. Die Not des Ersten Weltkrieges verhinderte einen Neubau und die Inflation von 1923 beraubte die Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins fast des gesamten angesparten Vermögens. Der Hauptförderer des Turmbaugedankens war Fabrikant Fritz Leitz. Zu Beginn des Jahres 1929 lagen Fritz Leitz mehrere Entwürfe für den Bau eines neuen Turmes vor. Der Albverein wollte einen möglichst schlichten und möglichst kostengünstigen Turm bauen. In Absprache mit der Staatlichen Bauberatung in Stuttgart wurde der Entwurf von Architekt Otto Schmid aus Gingen a.d. Brenz angenommen. Schmids Kostenvoranschlag belief sich im Januar 1929 auf 23 000 Mark; nämlich 14 000 Mark für den Bau, 1000 Mark für die Fenster, 1000 Mark für die Türen, Treppengeländer, Kupferabdeckung der Ecken und des Eingangs, Bänke und Tische. Dazu kam die Leistung der Bauherrschaft von 7000 Mark (Schotter- und Zementlieferung 5000, Beifuhr 1000, Wasserzufuhr 1000 Mark). Das Architektenhonorar betrug 8%.</p>
<p>Wegen einiger Bedenken wegen der relativ hohen Kosten versuchte der Verein den Aufwand zu kürzen. Dann wurde der Bauauftrag der Eisenbetonfirma Jakob Vogt in Ulm in Verbindung mit dem Baugeschäft Heinrich Aisslinger in Aalen vergeben, die Bauaufsicht führte Architekt Schmid. Obwohl die Endrechnung den Kostenvoranschlag noch um 6000 bis 7000 Mark überstieg, wurde mit dem Bau noch im selben Jahr begonnen. Das war möglich, weil Fabrikant Fritz Leitz die Bausumme bis 1930 vorstreckte. Die Gemeinde Oberkochen steuerte 2000 Mark bei und überließ dem Albverein das Steinmaterial und das Verfügungsrecht über das Gelände im Umkreis von 50 Metern um den Turm. Der Rohbau machte dank der tatkräftigen Mithilfe vieler Albvereinsmitglieder und dank der günstigen Witterung rasche Fortschritte und wurde an Allerheiligen (1.11.) 1929 vollendet. Im November und Dezember desselben Jahres wurden die Innenarbeiten verrichtet, die Wasserspeier angebracht und im neuen Jahr der Raum im Eingangsbereich hübsch hergerichtet.</p>
<p>Der Turm wurde von Ulmer und Oberkochener Arbeitskräften unter Werkführer Deißler erstellt. Die Berghüte diente den Auswärtigen als Koch- und Schlafraum. Durch die Steinbrechmaschine von Maurermeister Trittler wurden die Bergsteine zerschottert und zermahlen. Glasermeister Wingert setzte die aus geschliffenem, poliertem Drahtspiegelglas gefertigten Fenster ein, und Zimmermeister Brunnhuber sorgte für den Bodenbelag und die obere Treppenabdeckung. Sämtliche Schreinerarbeit, die in dem altertümlichen Turmstübchen besonders wohltuend auffällt, wurde von Schreinermeister Fischer ausgeführt. Die Schlosserarbeit besorgte Bauschlossermeister Walz von Heidenheim. Die Malerarbeiten führte Meister Richard Holz von Aalen aus.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="702" height="480" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/hm-buch-s327.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11789"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Der Turm wurde neben dem Signalstein erstellt, ist aus Eisenbeton errichtet und 23 Meter hoch. Am Fuß hat er eine Grundfläche von sieben auf sieben Metern, die Plattform mißt sechs mal sechs Meter. Die gesamte überbaute Fläche umfaßt 53 Quadratmeter. Die Mauern sind an den Kanten 30 und sonst 15 Zentimeter stark. Das Innere umfaßt fünf Stockwerke, elf Treppen und 104 Stufen. Das Gewicht des ganzen Turms beträgt 390 Tonnen. Ein Wasserbedarf von 45000 Litern mußte mit Fuhrwerken vom Tiefental aus herbeigeführt werden. Ein früherer Öltank der Firma Gebr. Leitz leistete als Wasserbehälter gute Dienste. Verwendet wurden 250 Kubikmeter Sand und Kies, zehn Tonnen Eisen und 900 Sack Zement. Die Deckplatte wiegt 20 Tonnen. Durch eine Nachbehandlung mit Ceresit gelang es, den Turm trocken zu halten. Die feierliche Einweihung des Turmes fand am Sonntag, dem 25. Mai 1930, durch den damaligen Vorsitzenden des Albvereins, Prof. Dr. Nägele, statt. Ab dem folgenden Tag war der Turm für die Öffentlichkeit zugänglich. Albvereinsmitglieder und deren Angehörige hatten satzungsgemäß freien Eintritt. Nichtmitglieder bezahlten 20 Pfennige.</p>
<p>Der Rundblick von der geräumigen Aussichtsplattform des neuen Turmes ist weitumfassend und überwältigend. Er reicht im Norden von Burgberg bei Crailsheim bis zur Zugspitze und zum Sänits im Süden. Im Nordwesten gleitet der Blick ins liebliche Weiland mit seinen reichen Fluren, friedlichen Dörfern und Höfen. Hinter ihm steigt die Hohenstädter Ebene mit Kirche und Schloß Hohenstadt auf, weiter westlich erblickt man die Frickenhofer Höhe mit dem Hagberg bei Gschwend, sowie den Welzheimer und Murrhardter Wald. Genau westlich erhebt sich gigantisch die Felsenwand des Rosensteins und Dorf Lauterburg mit den herrlichen Aalbuchwäldern. Im Norden schimmert weiß der Schönenberg mit seiner Wallfahrtskirche und Schloß Ellwangen hervor; im Vordergrund die Ortschaft Neuler mit ihren vielen Weilern und Einzelhöfen, dahinter der Hohenberg und der Burgberg. Nordöstlich erscheinen Kapfenburg und Flexener, der Wellerstein nebst den glänzenden Kalkfelsen des Hesselbergs im Fränkischen Jura. Im Osten schweift das Auge über das Härtsfeld mit den vorliegenden, von Weilern unterbrochenen Waldungen, über Elchingen und Ohmenheim. Wie eine Riesenburg leuchtet daneben der massige Klosterbau von Neresheim. Auch der letzte Berg der Schwäbischen Alb, der kahlhäuptige Ipf, liegt im Blickfeld. Aus den Wäldern im Süden lugen Zang, Gnannenweiler und von der Heidenheimer Alb die hochgelegenen Dörfer Dettingen, Gerstetten, Kipfendorf und Hausen im Lontal sowie Albeck auf der Ulmer Alb hervor. In der Nähe fügen sich der Stürzelhof, der Zahnberg und der Wollenberg in die Waldlandschaft ein. Südöstlich tauchen der Wahlberg bei Nattheim und Oggenhausen auf. Bei klarem Wetter sind im weiten Süden die höchsten Punkte der Bayerischen und Allgäuer Alpen, des Rätikons, der Appenzeller- und der Thuralpen sichtbar. Von Oberkochen selbst ist nur die Gruppsche Fabrik zu bemerken.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="703" height="490" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/hm-buch-s328.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11790"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h2>Der Volkmarsberg heute (v. Karl Schurr)</h2>
<p>Die Begeisterung, mit der Alfons Mager seinen Beitrag verfaßte, leitet auch den heutigen Berichterstatter über das weitere Schicksal des Berges.</p>
<p>Der Rundblick vom Turm ist beherrschend wie eh und je. Vieles hat sich allerdings verändert. Neu sind die zahlreichen Türme und Leitungen aller Art, die in letzten Jahren weithin über die Albhochfläche entstanden sind und gute Orientierungshilfen darstellen. Auch die aus dem Tal heraufgewachsenen Ortschaften und Siedlungen haben das Bild sehr verändert. Als die drei erst jüngst entstandenen Veränderungen sieht man die Heidesiedlung in Oberkochen, die Baustelle der Bundesautobahn auf dem Härtsfeld und die Kühltürme des Kernkraftwerkes von Gundremmingen an der Donau.</p>
<p>Aber nicht nur der Fernblick bietet viel neues, auch in unmittelbarer Umgebung des Aussichtsturms hat sich Vieles getan.</p>
<p>1938 wurde die rd. 70 Hektar große, der Gemeinde Oberkochen gehörende Bergkuppe als Naturschutzgebiet im Sinne des damaligen Reichsnaturschutzgesetzes ausgewiesen. Eine früher bereits erfolgte Unterschutzstellung nach württembergischem Recht wurde damit fortgesetzt. Der Schutzzweck ist bis heute geblieben: Erhaltung der Wacholderheide als Schafweide in Verbindung mit einem abwechslungsreichen Baumbestand. Die Pflege des Gebiets wurde dem Staatlichen Forstamt Oberkochen übertragen.</p>
<p>Durch Kriegs- und Nachkriegszeit, die Einstellung der Schäferei ab 1939, die Benutzung des Turms durch das Militär — zuerst die deutsche Wehrmacht, danach bis 1960 die US-Besatzung — lief allerdings die Entwicklung des Naturschutzgebiets rasch in eine Richtung, die zwar der natürlichen Sukzession entspricht, aber durchaus nicht den Vorstellungen der Naturschützer gerecht wurde: Die hochstrebenden Bäume — Buche, Fichte, Kiefer, Eiche, Esche — überwucherten bald die Wacholderbüsche, und das sich ausbreitende Gesträuch tat sein übriges. Einige Teile wurden unter dem Eindruck der Holznot 1945 auch mit Fichten aufgeforstet.</p>
<p>1960 wurde nach langem Bemühen die Militärbesetzung beendet. Der Turm mußte völlig renoviert werden, die alte Schutzhütte von 1924 war baufällig. Die Oberkochener Ortsgruppe des Albvereins baute 1961 eine neue Hütte mit Flachdach in einer sehr ansprechenden Bauweise aus Natursteinen und Holz. 1967 setzte, angeregt und geleitet durch das Forstamt Oberkochen, als langjährige Daueraufgabe die Zurückdrängung des Gestrüpps und Gehölzes ein. Hunderte Raummeter Holz wurden eingeschlagen. Mit Hilfe der »Holzhauergruppe« des Albvereins konnte die aufwendige Feinarbeit, das Verbrennen des Unholzes und Freistellen der schönsten Buchen, Fichten und der jungen Wacholder fachgerecht und kostengünstig durchgeführt werden. Der staatliche Naturschutz schoß beträchtliche Summen bei, die im wesentlichen für den Einsatz der Waldarbeiter verwendet wurden.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_5 bild-container">
				
				
				
				
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>So erhielt der »Berg« wieder ein neues Gesicht. — Eine Mischung aus Parkwald und Wacholderheide die sich von Jahr zu Jahr schöner entwickelt, umgibt heute die Kuppe des Berges auf ca. der Hälfte der Fläche des Naturschutzgebietes.</p>
<p>Gleichzeitig entstand ein lebhafter Wanderbetrieb zum Volkmarsberg, sicher angelockt durch das neue Landschaftsbild, ebenso aber durch die Gastlichkeit in der Schutzhütte des Albvereins und den herrlichen Ausblick vom Turm. Einen großen Schrecken erlebte ganz Oberkochen und der Albverein, als am 9. Februar 1974 die eben frisch renovierte Hütte ein Opfer der Flammen wurde, ausgelöst durch den elektrischen Strom. In bewunderswerter Zusammenarbeit entstand eine neue, noch schönere Hütte, die sich zu einem ausgesprochenen Schwerpunkt für erholungsuchende Wanderer entwickelt hat. Heute gehört eine Wanderung zur Hütte, die jährliche Sonnwendfeier, die Waldweihnacht, der Nußzwick, ein Gang durch das herrliche Gebiet auf den markierten Rundwegen, im Winter der Wintersport am kleinen Lift rund um die TVO-Skihütte, zu den festen Bestandteilen des Oberkochener Jahres. Der lange geübte Brauch, das jährliche Kinderfest auf dem Südteil des Berges abzuhalten ist leider 1979 abgeschaft worden. 1979/80 wurde der Volkmarsbergturm zum 50. Geburtstag vollständig renoviert. Zum Jubiläum gab es eine große Sternwanderung.</p>
<p>Der Berg ist heute somit wieder ein kostbares natürliches Kleinod, in dem die unterschiedlichen Interessen — der Schutz der Natur und das Erholungsbedürfnis der Menschen — in idealer Weise in Einklang gebracht sind.</p>
<p>Das Verbot des Kraftfahrzeugverkehrs auf der Zufahrtsstraße, aber auch der Verzicht auf eine Großskianlage tragen ganz wesentlich zum hohen Erholungswert des Volkmarsbergs bei.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Loblied auf einen Aussichtsberg der Schwäbischen Alb — den Volkmarsberg —</strong></p>
<p style="text-align: center;">Wie ist es so herrlich, hier oben<br>Auf ragenden Felsen zu stehen!<br>Wie fühlt sich die Seele gehobe<br>Auf diesen romantischen Höhen!</p>
<p style="text-align: center;">Wie ziehen umher sich, wie breiten<br>Die Bogen der Täler sich aus!<br>Wie schweift in unendliche Weiten<br>Das Auge bewundernd hinaus!</p>
<p style="text-align: center;">Hier oben, benachbart der Sonne,<br>Hier fühlt man in reinerer Luft<br>Der Freiheit begeisternde Wonne,<br>Die Knechtschaft versinkt in die Kluft.</p>
<p style="text-align: center;">Hier schlagen die Herzen uns höher,<br>Wir ahnen der Seligen Glück,<br>Wie fühlen dem Himmel uns näher,<br>Wir lassen die Erde zurück.</p>
<p style="text-align: center;"><em>Ludwig Neuffer geb. 1769, ein Freund Hölderlins</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Herbstliche Wanderung zum Volkmarsberg</strong></p>
<p style="text-align: center;">Wir wandern durch ein Sturmestief<br>Die Schirme sind gespannt<br>So schlendern wir ein wenig schief<br>durch herbstlich schönes Land.</p>
<p style="text-align: center;">Dann hocken wir im Wolfertstal<br>Eh’ wir den Aufstieg wagen;<br>Wir machten ihn schon manches Mal<br>Und wollen uns nicht plagen.</p>
<p style="text-align: center;">Nun grüßen wir den weißen Turm<br>Uns schirmt die gute Hütte<br>Vor Regen und vor tiefem Sturm<br>So ist es alte Sitte.</p>
<p style="text-align: center;">Hier trinken wir den roten Wein<br>Er birgt die ganze Sonne<br>So haben wir auch Sonnenschein<br>Der Berg schenkt immer Wonne.</p>
<p style="text-align: center;"><em>Dr. O. Meese, Ellwangen</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Volkmarsberg — Heimatberg</strong></p>
<p style="text-align: center;">O Volkmarsberg, du kühner,<br>Hoch überm Kochertal,<br>Dir schickt die liebe Sonne<br>Den erst’ und letzten Strahl!</p>
<p style="text-align: center;">Ringsum die Welt so stille<br>Der Blick schweift in die Fern.<br>Nur leis’ die Büsche rauschen:<br>Wie hab ich das so gern!</p>
<p style="text-align: center;">Und die Wachholderbüschchen<br>Schaun mich so freundlich an<br>Mit ihren schlanken Zweiglein<br>Und blauen Beerchen dran.</p>
<p style="text-align: center;">Wer dich einmal bestiegen,<br>Kehrt wieder bei dir ein;<br>Denn Himmelsruh und Frieden<br>Senkst du ins Herz hinein.</p>
<p style="text-align: center;">Ich hör nicht meine Schritte<br>Auf grün’ bedeckter Heid:<br>Die Vögel nur die muntern,<br>Die singen mir zur Freud!</p>
<p style="text-align: center;">Und weiden hier noch Schäflein,<br>Und ruft ein Kuckuck dort.<br>Dann möchte ich am liebsten<br>Gar nimmer von dir fort.</p>
<p style="text-align: center;">Als Knabe schon, als Jüngling<br>Lenkt ich den Schritt zu dir<br>Vom lieben Heimatdörfchen<br>Hinauf durch Waldrevier.</p>
<p style="text-align: center;">Und neu gestärkt und munter<br>Kehrt ich ins Tal zurück<br>und sandte, hochbefriedigt,<br>Dir zu — den Dankesblick.</p>
<p style="text-align: center;">So oft ich auch gestiegen<br>Auf deine lichte Höh’:<br>Bei dir konnt ich vergessen<br>Der Erde Leid und Weh.</p>
<p style="text-align: center;">0 Heimatberg, du lieber,<br>Senk tief ins Herz hinein<br>Den Frieden allen Wandrern,<br>Zumal vom Albverein!</p>
<p style="text-align: center;"><em>J. Beiswenger (1930)</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Oberkochener Älbler-Walzer</strong><br><em>Schunkellied für frohgemute Hüttenabende usw.</em></p>
<p style="text-align: center;">Oberkochner Älbler sind fidele Leut<br>Auf dem Volkmarsberge hat man seine Freud<br>In der schmucken Hütte geht es lustig zu<br>und bei gutem Weine verfliegt die Zeit im Nu!<br>Oh wie schön — oh wie schön<br>ist es auf den Berg zu gehn<br>Jeder singt — froh gestimmt<br>in unsrer Runde mit:</p>
<p style="text-align: center;"><em>Melodie: H. Münzer</em><br><em>Text: H. Grünler</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Der »Entlassungsschein« unseres Volkmarsberges</strong></p>
<p style="text-align: center;">HEADQUARTERS<br>STUTTGART POST<br>Real Estate Office<br>APO 154, US Forces</p>
<p style="text-align: center;">18. August 1960</p>
<p>SUBJECT: Release of Real Property<br>TO: Amt für Verteidigungslasten<br>at Schwaebisch Gmuend<br>1. This is to inform you that the property located at Oberkochen Part of lot # 2692/1. lets # 2692/2 and 2692/3</p>
<p>Landkreis Aalen, Province Baden-Württemberg<br>and owned by Gemeinde Oberkochen<br>acquired by the U.S. Forces effective 1 July 1947<br>and covered by Eucom / Eng Form 6‑GRE # AA283,dtd, 26.July 1947<br>is released effective 24. August 1960<br>and may be returned to the owner.<br>2. Please acknowledge receipt by signing all four (4) copies<br>of this notice and affixing the official seal thereto.<br>Two (2) copies will be retained by you, one for your files and one for the owner.</p>
<p>PROCURING OFFICER<br>L.MARSINE KNOX<br>WD Civ CAF 7<br>Receipt acknowledged: 22. Aug. 1960<br>AESUS FL 524 15. Oct 58</p>
<p>L.W. HAHN<br>DA. Civ<br>Real Estate Officer<br>(Signature)<br>FCC 7.44</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: right;"><strong><em>Karl Schurr, Alfons Mager</em></strong></p></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Aus der Geschichte der Realgenossenschaft</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/aus-der-geschichte-der-realgenossenschaft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 May 2024 12:14:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Heimatbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Landschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Seite 318-322 (Christoph Schurr)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="et_pb_section et_pb_section_2 beitrag-inner-container et_section_regular">
				
				
				
				
				
				
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Die Wälder rings um die Stadt Oberkochen stehen im Besitz der Realgenossenschaft. Die Oberkochener Genossenschaft ist nicht die einzige auf der Ostalb. Weitere große Realgenossenschaften gibt es in Essingen und Unterkochen, etwas kleinere, von ihrer Entstehung her aber vergleichbare Waldgenossenschaften gibt es in Auernheim, Röttingen und Schweindorf. In den übrigen Landesteilen ist diese Waldbesitzform heute dagegen recht selten. Die Realgenossenschaft Oberkochen ist, was ihren 872 ha umfassenden Waldbesitz betrifft, Rechtsnachfolger der früheren Realgemeinde. Realgemeinden sind eine in Ostwürttemberg einst weit verbreitete und traditionsreiche Form dörflichen Gemeinschaftseigentums an Wald und Weiden.</p>
<p>Geht man einige Jahrhunderte in der Geschichte zurück, so zeigte Oberkochen damals den typischen Aufbau eines süddeutschen Bauerndorfes.</p>
<p>Am nächsten am geschlossenen Dorf lagen die Gärten, hier Krautstriche genannt, z.B. in der Schwörz.</p>
<p>Anschließend daran begann die Feldflur, die damals vor allem aus Äckern, viel weniger als heute aus Wiesen, bestand. Gegen die Grenzen der Gemarkung hin schlossen sich schließlich der Wald und die Weiden an. Während die Äcker von jedem Hofbesitzer selbst bestellt wurden, nutzte man Wald und Weiden gemeinschaftlich als Allmende, ohne daß daran individueller Besitz abgetrennt wurde. In Süddeutschland konnten die meisten Dorfgemeinschaften im Mittelalter dieses Allmendland vor dem Zugriff der Grundherrschaften bewahren und in ihrem Besitz erhalten.</p>
<p>So auch in Oberkochen. Die wichtigsten Weideflächen waren der Volkmarsberg und die Heide, die vorwiegend der Schafweide dienten. Die Wälder wurden so vielfältig genutzt, wie wir es uns heute kaum mehr vorstellen können. Man bezog von dort Bau‑, Brenn- und Handwerkerholz. Neben der Holznutzung war auch die Waldweide von großer Bedeutung. Bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Stallhaltung des Rindviehs eingeführt wurde, wurde alljährlich von Georgi (23.4.) bis Martini (12.11.) eine Gemeindeherde zusammengestellt und in den Wald ausgetrieben. Um 1820 umfaßte diese ca. 400 Stück Rindvieh.</p>
<p>Mit dem Übergang zur Stallfütterung gewann die Streunutzung eine große Bedeutung. Daneben rupfte man im Wald Futtergras für den Winter, schnitt Besenreis und Flechtruten, sammelte Bucheln und Eicheln, Wildobst und Beeren, gewann Steine und Dolomitsand.</p>
<p>Einige andere gewerbemäßige Nutzungen kamen dazu, weil die Oberkochener gelegentlich Holz weiterverkauften, so die Köhlerei, die die Eisenschmelzen der Umgebung, aber auch die Unterkochener Glashütte mit Holzkohle versorgte, und die Aschenbrennerei, die Pottasche aus Holz ebenfalls für die Glasherstellung erzeugte.</p>
<p>Ursprünglich durfte jeder, der in Oberkochen »eigenen Rauch« hatte, also einen Hof besaß, an den Waldnutzungen in gleichem Maße teilhaben. Diese Gemeindemänner bildeten auch die Gemeindeversammlung, die diese Nutzungen näher regelte.</p>
<p>Da sich die Bevölkerungszahl des mittelalterlichen Dorfes nur wenig veränderte, bestand zunächst kein Bedarf, die Nutzungsrechte zu beschränken. Ein Wandel dieser Verhältnisse stellte sich in Ostwürttemberg im 16. Jahrhundert ein, als die Eisenindustrie zu einer ersten Blütezeit kam. Diese benötigte in großen Mengen Holz zur Holzkohleerzeugung. Holz wurde in Ostwürttemberg zur knappen und damit gut bezahlten Ware.</p>
<p>Zum anderen führte der Bevölkerungsanstieg im Gefolge dieser Industrialisierung zu einer immer stärkeren Belastung der dörflichen Versorgungsquellen, deren wichtigste neben der Landwirtschaft der Wald war.</p>
<p>Viele Anzeichen deuten darauf hin, daß aus diesen zwei Gründen — Erhaltung einer zusätzlichen Einkommensquelle und (vermutlich noch wichtiger) Schonung der dörflichen Ressourcen — im 16. Jahrhundert in Oberkochen, aber auch in vielen anderen Gemeinden Ostwürttembergs, die Nutzungsrechte an den Gemeinschaftswäldern in der Form beschränkt wurden, daß nur die Besitzer der damals im Ort vorhandenen Höfe fortan ein solches Recht genießen sollten. Da damit das Nutzungsrecht an bestimmte Liegenschaften (Realien) gebunden worden war, war die Realgemeinde entstanden, die von den jeweiligen Hausbesitzern gebildet wurde. In Oberkochen waren es allem Anschein nach bei der Begrenzung 89 Häuser, von denen jedes mit einem ganzen Nutzungsrecht, oder wie man hier sagte, einem Gemeinderecht oder einer Gemeindegerechtigkeit, ausgestattet wurde.</p>
<p>Wer von nun an nach Oberkochen zuzog, konnte zwar, wenn er ein ausreichendes Vermögen besaß, ins Oberkochener Bürgerrecht aufgenommen werden. Damit war er in der Gemeindeversammlung stimmberechtigt. In den Besitz eines Gemeinderechts konnte er jedoch erst durch den Erwerb eines der berechtigten Häuser gelangen, sei es durch Kauf, Einheirat, Erbschaft oder Beleihung durch die Dorfherrschaften.</p>
<p>Dennoch gab es bis weit ins 18. Jhdt. hinein kaum Bürger, die kein Gemeinderecht besaßen.</p>
<p>Der erste, von dem bekannt ist, daß er deshalb an den Allmendnutzungen nicht in vollem Umfang teilnehmen durfte, ist Oberkochens erster evangelischer Pfarrer Ulrich Nicolai, der sich 1587 bei seiner württembergischen Regierung beschwerte, daß ihm die Gemeindegerechtigkeit vorenthalten werde. Die Beschränkung, deren Zeitpunkt nicht genau bekannt ist, muß aber damals schon einige Zeit zurückgelegen haben, sonst hätte Württemberg wohl kaum diese Benachteiligung seines Pfarrers hingenommen. Aber so mußte auch der evangelische Pfarrer auf ein Gemeinderecht solange warten, bis seine Herrschaft zu Beginn des 18. Jhdts. ein Anwesen in Oberkochen erwarb und ihm mitsamt der darauf liegenden Gemeindegerechtigkeit überließ.</p>
<p>Der katholische Pfarrer in Oberkochen war dagegen stets im Besitz eines solchen Rechts gewesen.</p>
<p>Die Gemeinderechtsverhältnisse in Oberkochen konnten sich auch über den Dreißigjährigen Krieg hinweg erhalten, obwohl ein Großteil der Bevölkerung diese Schreckenszeit nicht überlebte.</p>
<p>Im 18. Jhdt. gab es jedoch einige Veränderungen. Spätestens damals wurde es üblich, daß Gemeinderechte geteilt werden konnten, wenn etwa im Rahmen einer Erbschaft auch der Hof aufgeteilt wurde. Die ersten halben und vierteln Rechte entstanden in dieser Zeit.</p>
<p>Im Aalener Protokoll von 1749, einem Vertrag zwischen den beiden Dorfherrschaften Württemberg und Ellwangen, in dem sie ihre Rechtsbeziehungen in Oberkochen regelten, wurde schließlich im Einvernehmen mit der Gemeinde die Zahl der Gemeindegerechtigkeiten auf 93 erweitert, indem einige in der Zwischenzeit neuentstandene Höfe damit ausgestattet wurden. Damit war die endgültige Zahl der Rechte, die in den 93 heutigen Realrechten fortbestehen, erreicht.</p>
<p>Für die Realgemeinde bedeutungsvoll waren die Veränderungen, die das 19. Jhdt. brachte.</p>
<p>In dem Maß wie in Oberkochen das Gewerbe und die Handwerker an Bedeutung gewannen (Hafnerei, Bohrermacher), wuchs die Bevölkerung stark an. Die neue staatliche Ordnung brachte zudem eine Liberalisierung der Aufnahme in das dörfliche Bürgerrecht und damit der Mitbestimmung in der Gemeinde.</p>
<p>Bisher waren die meisten Gemeindebürger auch Gemeinderechtsbesitzer gewesen. Deshalb war es auch nicht nötig gewesen, die Verwaltungen der Gemeinde und der Realgemeinde zu trennen.</p>
<p>Nun aber wurde es immer offensichtlicher, daß die Realberechtigten irgendwann nicht mehr die Mehrheit der Dorfbürgerschaft und des Gemeinderats stellen würden. Wie auch in Essingen, Unterkochen und anderen Orten beantragten die Realberechtigten deshalb 1838 erstmals beim Oberamt eine getrennte Realverwaltung.</p>
<p>Der Staat hatte bis in die 1830er Jahre die Ansicht vertreten, daß es sich bei dem Besitz der Realgemeinden um gemeinschaftliches Privateigentum der Berechtigten handle. Ab 1840 und verstärkt nach der Revolution von 1848 änderten die staatlichen Behörden jedoch ihre Auffassung. Sie sahen die Allmenden nun als öffentliches Eigentum der Gemeinden an. Mit ein Grund dieses Sinneswandels war, daß der Wald in dieser Zeit eine lukrative Einkommensquelle war, die die Finanzierung der wachsenden Auf- und damit Ausgaben der Gemeinden wesentlich erleichtert hätte.</p>
<p>Die Gemeindeaufsichtsbehörden, das Oberamt in Aalen und die Kreisregierung in Ellwangen, lehnten deshalb mehrfach die Wünsche der Realberechtigten nach einer getrennten Verwaltung ab und versuchten alles, um das Eigentum an den Allmenden der Gemeinde zu sichern. Dabei stießen sie auf den erbitterten Widerstand der Gemeinderechtsbesitzer und im übrigen auch des Schultheißen, Gemeinderats und Bürgerausschusses, die allesamt selbst Realberechtigte waren und seitens der Gemeinde erklärten, die Gemeinde erhebe keinerlei Eigentumsansprüche auf den Realgemeindebesitz.</p>
<p>Zahlreiche Beschwerden der Gemeinderechtsbesitzer, die teilweise bis zum Innenministerium liefen und Drohungen, den Rechtsweg zu beschreiten, andererseits Verwarnungen der Gemeindeaufsichtsbehörden an die Gemeindeorgane und fruchtlose Maßnahmen zur Eintragung eines Eigentumsanspruchs der Gemeinde im Grundbuch bestimmten das Geschehen bis 1865, ohne daß der Streit hätte beendet werden können.</p>
<p>Noch dramatischer verlief es in einigen Nachbarorten wie Essingen oder Lauterburg, wo die gleiche Auseinandersetzung mehrfach bis vor die Gerichte getragen wurde, die dann meistens das Eigentumsrecht der Realberechtigten an den Wäldern anerkannten.</p>
<p>Schließlich kam es 1866 in Oberkochen zu einer Einigung zwischen realberechtigten und nichtberechtigten Bürgern, Gemeinde und Gemeindeaufsichtsbehörden, die zwar die Frage nach dem seitherigen Eigentumsrecht nicht klärte, aber für die Zukunft eindeutige Verhältnisse schuf. Dabei wurde der bisherige Gemeinderechtsbesitz geteilt und das Eigentum dem jeweiligen Hauptnutznießer zugesprochen. Die Gemeinde erhielt den Volkmarsberg und die Heide, von wo sie seither den Schafweidepachtzins bezogen hatte, dazu die erst im 19. Jhdt. in Gemeindebesitz gelangten Bilz- und Riesenmähder und das Sixenfeldle.</p>
<p>Durch Aufforstung dieser Flächen entstand im Laufe der Zeit wieder ein ansehnlicher Gemeindewaldbesitz.</p>
<p>Die Realberechtigten erhielten die Wälder zu eigen, mußten sich aber verpflichten, diese gemeinschaftlich zu bewirtschaften und nicht aufzuteilen. Außerdem mußten sie den nichtberechtigten Oberkochenern auch weiterhin die ihnen bis dahin schon zustehenden Nutzungsrechte (Leseholz und Buchelsammeln, etc.) gewähren und der Gemeindekasse eine Abfindung von 16 000 Gulden für die bisher von der Gemeinde aus dem Wald bezogenen Nutzungen (Schulhausholz, Hirtenholz, etc.) bezahlen.</p>
<p>Das Zustandekommen dieser pragmatischen Einigung war das persönliche Verdienst des Ellwanger Regierungsrates Weinheimer, der als Vermittler die Verhandlungen geleitet hatte. Eine ähnliche Übereinkunft hatte er kurz zuvor in Unterkochen erreicht. Die Oberkochener Einigung diente ihrerseits dann als Vorbild für die Klärung der Rechtsverhältnisse in Essingen 1868.</p>
<p>Die Oberkochener Übereinkunft von 1866 kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie verhinderte bis auf den heutigen Tag die Aufteilung der Realwaldungen, was in den meisten Landesteilen der Regelfall war und heute große Strukturprobleme in Form von kleinstparzellierten Wäldern schafft. Die umgekehrte Lösung, der Übergang des Waldes an die Gemeinde, hätte diese in jahrzehntelange Schulden gestürzt, hätte nun doch sie die Nutzungsrechte der Realberechtigten abfinden müssen.</p>
<p>Nicht zuletzt führte die Rechtsbereinigung auch zu einer Verbesserung der Waldwirtschaft. In der Zeit der unklaren Eigentumsverhältnisse waren die Wälder nämlich arg heruntergewirtschaftet worden.</p>
<p>Nun gründeten die seitherigen Gemeinderechtsbesitzer noch im Jahre 1866 die Realgenossenschaft, die bis heute Eigentümer der Waldungen ist, und an der auch heute noch 93 Anteile (Realrechte) bestehen, die nach wie vor überwiegend im Besitz Oberkochener Bürger sind.</p>
<p>Die neue Genossenschaft unternahm große Anstrengungen, die Wälder wieder instandzusetzen, insbesondere durch Aufforstung und Beschränkung der Nebennutzungen. In diesem Jahrhundert schließlich ging man auch vom alten Niederwaldbetrieb über zum Hochwaldbetrieb, dessen Wirtschaftsziel hochwertiges Stammholz und nicht nur Brennholz ist.</p>
<p>Vieles gäbe es noch über die Entwicklung der Genossenschaft und über die Wandlungen in der Waldbewirtschaftung seit ihrer Gründung zu berichten. Das würde aber den Rahmen dieses Beitrages sprengen.</p>
<p>Ohne Zweifel kann Oberkochen aber stolz sein auf die lange Tradition, die in der Realgenossenschaft bis heute fortbesteht.</p>
<h2><strong><em>Quellen:</em></strong></h2>
<p>Unterlagen aus den Archiven der Realgenossenschaft, der Stadt Oberkochen, des Forstamts Oberkochen und den Landesarchiven Stuttgart und Ludwigsburg.<br>Ausführliches Quellenverzeichnis bei Chr. Schurr, »Vom Nutzungsrecht zum Waldbesitz«, Diplomarbeit, Forstwiss. Fakultät, Universität Freiburg i.Br., 1985</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: right;"><strong><em>Christoph Schurr</em></strong></p></div>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
			</div>
				
				
			</div>
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			</item>
		<item>
		<title>Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Naturschutz</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/landwirtschaft-forstwirtschaft-und-naturschutz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 May 2024 12:13:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Heimatbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Landschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Seite 312-317 (Karl Schurr)]]></description>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h2>Eine Betrachtung zu Oberkochens Natur</h2>
<p>»Landbau und Viehzucht bilden die Hauptbeschäftigung der Einwohner«. Dieses Zitat aus der Ortsbeschreibung Oberkochens von 1854 dokumentiert den Wandel, der sich in den letzten 100 Jahren vollzogen hat. Das kleine, knapp 10 ha große Dorf beherbergte 1200 Einwohner in 160 Wohngebäuden. Etwa 90 landwirtschaftliche Betriebe mühten sich um 570 ha parzelliertes Ackerland, 95 ha Wiesen und 282 ha abgelegene Allmendweiden. Fast 2/3 der Markung war Wald, der dem Staat und der Gemeinde gehörte. Die Gemeinde — das waren die mit zahlreichen Nutzungsrechten und Pflichten ausgestatteten alteingesessenen Einwohner.</p>
<p>Die politische Gemeinde besaß weder Kapitalien noch Grundbesitz. Erst im Zuge der rechtlichen Aufteilung des Bürger = Realbesitzes erhielten die Realgenossen den Wald, die politische Gemeinde die Allmend und Schafweiden. Heute, 130 Jahre später, beträgt die Einwohnerzahl knapp 8000, nur noch etwa 38 sind in der Landwirtschaft tätig. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ist auf 14 gesunken, alle sind auf Neben- oder Zuerwerb angewiesen. Auch in Oberkochen wird dieser noch relativ oft in der Waldarbeit gefunden. Dieser Beruf hat in Oberkochen alte Tradition. Alljährlich wird noch am 22. Januar das Fest des Heiligen Vinzenz als Patron der Waldarbeiter gefeiert. Die Mehrzahl der Landwirte und deren Söhne arbeiten jedoch in der örtlichen Industrie.</p>
<p>Die landwirtschaftlich benutzte Fläche ist seit 1854 um über 400 ha zurückgegangen. Die eine Hälfte ist der Erweiterung des Ortsetters, die andere Hälfte der Aufforstung zugefallen.</p>
<p>Die ohnedies kritische Ertragslage der landwirtschaftl. Betriebe ist auf den vergleichsweise mageren Standorten des oberen Kochertals durch die Parzellierung (über 980 Flurstücke) und die weiten Entfernungen zu den Feldern zusätzlich erschwert. Ein Flurbereinigungsverfahren wird in absehbarer Zeit nicht in Gang kommen. Zupachtung und freiwilliger Landtausch mildern die Nachteile der Kleinflächen nur teilweise. Zur Aussiedlung sind die meisten Betriebe zu klein.</p>
<p>Die beiden, die rechtzeitig (um 1960) vor die Tore gegangen sind, haben es nicht bereut.</p>
<p>Die in der engen Ortslage verbliebenen Betriebe sind mit zusätzlichen Schwierigkeiten infolge der Zunahme des Verkehrs und der Entwicklung städtischer Lebensformen belastet. Zu- und Abfahrten, Bauvorhaben, Maschinenbeschaffungen, die Viehhaltung und vieles andere ist sehr erschwert.</p>
<p>Bemerkenswert ist das lange Zeit vorhandene Engagement der Industrie in der Landwirtschaft. Die Unternehmerfamilie Leitz treibt noch heute einen beachtlichen Bauernhof um, der wegen seines hohen Milchleistungsstands zu den führenden Betrieben weit und breit gehört. Der durch umfangreiche Zukäufe seit den 30er Jahren stark gewachsene Bauernhof der Familie Bäuerle ging 1975 in den Besitz der Stadt über. Diese löste den Betrieb nach wenigen Jahren der Regiewirtschaft auf und verpachtete die Flächen an ortsansässige und auswärtige Bauern.</p>
<p>Der rasche und noch immer anhaltende Strukturwandel in der Landwirtschaft seit der Nachkriegszeit mag durch folgende Zahlen belegt werden:</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="707" height="700" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/hm-buch-s313.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11786"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h2>Was läßt die Übersicht erkennen?</h2>
<p>Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe hat von 93 auf 14 enorm abgenommen. Der kleinbäuerliche Charakter ist bei der Mehrzahl der verbliebenen Betriebe dennoch erhalten geblieben. Immer mehr Kleinbetriebe schaffen ihr Vieh, zuerst meist das Milchvieh, ab. An der Milchanlieferung an die Molkerei Ellwangen beteiligen sich noch acht Betriebe. Sie betrug 1980 274 000 kg, davon lieferte der rein milchwirtschaftlich orientierte Betrieb Leitz allein ca. 70%!</p>
<p>Stark abgenommen hat auch die landwirtschaftliche Nutzfläche. Sie beträgt heute nur noch weniger als die Hälfte wie vor 130 Jahren. Dagegen nahm die Ödlandfläche seit 1950 wieder zu (Grenzertragsböden, Hanglagen), vor allem dehnten sich aber der Wald durch Aufforstung und der Ortsetter (das bebaute Gebiet) zu Lasten der landwirtschaftlichen Nutzfläche aus.</p>
<p>Die Waldfläche ist seit 1850 um 275 ha auf Kosten der Öd- und Weideflächen gewachsen. Durch Ausstockung in den Jahren 1970–1985 wurden im Gebiet Heide ca. 40 ha Wald in Siedlungsgelände umgewandelt.</p>
<p>Sehr stark gewachsen (von 10 auf 245 ha) ist der Ortsetter, eine Folge der enormen Bautätigkeit.</p>
<p>Die ortsansässigen landwirtschaftlichen Betriebe haben nur einen Bruchteil des hohen Pachtangebotes im Ort aufgenommen. 1976 wurde fast die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzflächen an auswärtige Landwirte aus Lautem (1) Essingen (3) Unterkochen (2) und Königsbronn (6) verpachtet.</p>
<p>Die wenigen örtlichen landwirtschaftlichen Betriebe könnten hier durch eine beträchtliche Aufstockung ihre Produktionsbasis erweitern und ihrer Auffangfunktion nachkommen.</p>
<p>Trotz aller betrieblichen Schwierigkeiten sind die Landwirte heute vermögende Leute. Der Verkauf von Bauland ist vor allem den Bauern zugute gekommen. Von den 235 ha Zugang an Siedlungsland hat die Landwirtschaft ca. 195 ha beigesteuert, der Wald ca. 40 ha.</p>
<p>Doch wie wird es weiter gehen? Wird die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe weiter sinken? Wer wird die freiwerdenden Flächen pachten? Schon ist die Fläche der Öden und der nicht mehr alljährlich gemähten Wiesen beachtlich groß. Werden die Söhne der Landwirte die Betriebe weiterführen? Werden sie dann auch Bäuerinnen bekommen? Die Zukunft der Landwirtschaft ist zweifelos mit düsteren Schleiern verhangen. Es ist nicht sicher, daß in Oberkochen extensivere Formen der Landnutzung an Umfang zunehmen. Die Wiederverbreitung der Schäferei dagegen ist erwartungsgemäß eingetreten. Die Stadtverwaltung hat bereits seit 1972 wieder einen Schäfer unter Vertrag genommen.</p>
<p>Die Aufforstung sollte in Oberkochen nur noch in Ausnahmefällen zur Stillegung landwirtschaftl. Grenzertragsböden herangezogen werden. In 130 Jahren ist die Waldfläche auf der Gemarkung um über 275 ha durch Aufforstung der Allmendweiden und Öden gewachsen. Mit 71% Waldanteil zählt Oberkochen heute zu den waldreichsten Gemeinden des Landes. Die historisch bedingte hohe Bewaldung entlang des Kocher-Brenztales ist charakteristisch für unsere Ostalblandschaft.</p>
<p>Zu den Besonderheiten dieser Wälder gehört die Besitzform und die Baumartenzusammensetzung. Als kirchliches Erbe fielen dem Staat bei der Säkularisation große Waldflächen zu. Von Natur Buchenwälder, dienten sie der Lieferung von Brennholz und von Holzkohle für die jahrhundertelange Periode der Erzverhüttung. Heute zählen die Wälder der Ostalb dank ihrer Fichten zu den ertragreichsten Forsten des Landes. Die Fichte wurde vor etwa 150 Jahren zunächst aus Verlegenheit angebaut, um die devastierten Weide- und Kohlholzflächen wieder in Bestockung zu bringen.</p>
<p>Inzwischen sind auf der Ostalb etwa 60% der Waldfläche Nadelwälder. In großflächiger Mischung mit Buchenwäldern bestimmen sie das Waldbild der Ostalb. Auf dem Oberkochener Markungsgebiet sind dagegen noch über 70% Buchenwald und nur etwa 30% Fichtenwälder vorhanden. Dies verdanken wir in erster Linie der Realgenossenschaft, dieser eigentümlichen Besitzform, die nur in unserer Gegend verbreitet ist.</p>
<p>1866 wurde die Trennung der Besitzrechte der bürgerlichen von der politischen Gemeinde vollzogen. Die Erben der 93 berechtigten Genossen Oberkochens bewirtschaften seitdem 872 ha Waldfläche gemeinsam. Eine Auflösung ist satzungsgemäß auf alle Zeiten ausgeschlossen. Der Realwald ist seit 1955 in staatl. Bewirtschaftung. Durch natürliche Verjüngungen auf den Hängen und Anbau von Nadelholz auf den geeigneten Hochlagen sollen die derzeitigen noch überwiegend Buchen-Stockausschlagbestände in nutzholzbringende Hochwälder umgebaut werden. Intensiver Wegebau ist die Voraussetzung für die Verwirklichung dieser waldbaulichen Zielsetzung. In der Periode von 1967–1984 wurden ca. 40 km feste Waldwege und fast 50 km Erdwege in den Hanglagen als Maschinenwege gebaut. Die Erschließung ist damit abgeschlossen.</p>
<p>Von geringer Bedeutung ist der Klein-Privatwald — der meist durch Aufforstungen von Randparzellen entstand und nur 40 ha umfaßt.</p>
<p>Seit altersher gehört der Kath. Kirchengemeinde — St. Peter und Paul — der sogenannte »Peterhau«, ein 16 ha großes Waldstück auf dem Langert.</p>
<p>Der Gemeindewald Oberkochens ist durch Aufforstung der Allmenden entstanden, die der politischen Gemeinde bei der Besitzaufteilung zufielen. Inzwischen finden sich in der Bilz und in den Riesen vorratsreiche und schöne Fichtenaltbestände. Die Heide, heute jüngstes Siedlungsgebiet der Stadt, ist um die Jahrthundertwende durch Aufforstung von Schafweiden bewaldet worden.</p>
<p>Der Volkmarsberg, einst ebenfalls ein Teil der Gemeindeallmend, blieb am längsten der Schäferei überlassen. Dadurch entstand auf dem herrlichen Aussichtsberg die ehemals berühmte Wacholderheide mit ihrem abwechslungsreichen Landschaftsbild aus offener Weide, Buschwerk und Hutebäumen. 1938 wurde diese landschaftliche Besonderheit auf dem höchsten Berg der Ostalb unter Naturschutz gestellt.</p>
<p>1930 errichtete der Albverein auf der Bergkuppe neben seiner ersten Schutzhütte den 21 m hohen Aussichtsturm, der einen prächtigen Blick über die ausgedehnten Waldlandschaften gewährt. Der Turm ist noch heute das Wahrzeichen des Orts, obwohl er sich inzwischen zum weltbekannten Industrieort entwickelt hat.</p>
<p>Die Oberkochener fühlen sich mit ihrem Hausberg in besonderer Weise verbunden. Kein Wunder, daß sich der Albverein besonders viele Freunde erwarb, als er 1968 begann, mit Unterstützung der Stadtverwaltung, des Landes und des Forstamts die Bergkuppe einer jetzt schon seit Jahren betriebenen Säuberung zu unterziehen und das eigenartige Landschaftsbild des Hutewalds und der Wacholderheide wieder herzustellen.</p>
<p>Mit diesem aktiven Naturschutz haben sich die Älbler ein bleibendes Denkmal gesetzt. Die Bemühungen des Turnvereins, den Berg unter Schonung der Natur als Wintersportgebiet auszubauen, gehen in die gleiche Richtung. Neben dem Volkmarsberg ist die Quelle des Schwarzen Kochers eine beliebte Sehenswürdigkeit und ein wichtiges Naturdenkmal Oberkochens. Durch Wander-Parkplätze und Rundwanderwege sind beide gut erreichbar.</p>
<p>Das Wollenloch, eine ca. 80 m tiefe Doline im Waldteil Wollenberg ist nicht so leicht zu finden, gehört aber ebenfalls zu den eindrucksvollen Naturdenkmälern unserer Heimat. Man erreicht es durch das als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesene »Tiefental«.</p>
<p>Nicht zuletzt bergen die schier endlosen Wälder, die an sich schon einen Erlebnisinhalt besonderer Art bieten, auch zahlreiche weitere Naturerscheinungen. Sie wurden 1983 durch eine Naturdenkmalverordnung des Landratsamtes geschützt.</p>
<p>Erwähnenswert sind auch die in den letzten Jahren im Staats‑, Real- und Gemeindewald wieder freigeräumten Hülben, von denen hier nur die Bilz‑, die Riesenhau- und die Schlachthülbe genannt werden sollen. Sie sind nicht nur historisch bedeutsam, sondern auf den wasserarmen Hochflächen von Albuch und Härtsfeld besonders wertvolle Feuchtbiotope.</p>
<p>Wenn von Schutzgebieten die Rede ist, dürfen auch die umfangreichen Wasserschutzgebiete zugunsten der Wasserfassungen der Stadt Aalen, der Stadt Oberkochen und der Landeswasserversorgung nicht vergessen werden. Ca. 80 % der freien Oberkochener Gemarkung unterliegen heute Beschränkungen zugunsten des Wasser- und Naturschutzes.</p>
<p>Industrie und Siedlungen bilden zusammen mit den umgebenden grünen Fluren und den die Berge überziehenden Buchenwäldern einen harmonischen Dreiklang. Die Welt der Oberkochener ist in dieser Beziehung noch fast in Ordnung, wenngleich die seit einigen Jahren ins Bewußtsein der Allgemeinheit getretenen Umweltschäden durch Luftschadstoffe auch in Oberkochens Wäldern — in hohen Lagen, an den Westseiten, bei alten Baumbeständen sowohl bei Fichte als auch bei Buche nicht mehr zu übersehen sind.</p>
<h3><strong><em>Quellenangaben</em></strong></h3>
<ol>
<li>Oberamtsbeschreibung von 1854</li>
<li>Statistiken des Landwirtschaftsamtes Aalen</li>
<li>Statistiken des Forstamtes Oberkochen</li>
<li>Schurr, K., Waldlandschaft — Menschenlandschaft, Merian 24/3, S. 59</li>
</ol>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: right;"><strong><em>Karl Schurr</em></strong></p></div>
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			</item>
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		<title>Pflanzen unserer Markung</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/pflanzen-unserer-markung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 May 2024 12:07:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Heimatbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Landschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Seite 293-311 (Gottlob Braun)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="et_pb_section et_pb_section_4 beitrag-inner-container et_section_regular">
				
				
				
				
				
				
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Auf dem kalkreichen Boden unserer Markung wächst eine artenreiche, bunt-farbige Flora mit vielen seltenen Blumengestalten. Nur auf den Feuerstein-Lehmböden, aus denen der Kalk vollständig ausgelaugt ist, finden wir auch kalkmeidende Pflanzen, die sonst nur auf den Sandböden der Keuperberge und des Schwarzwaldes vorkommen, z.B. den Roten Fingerhut, Heidelbeerstauden, Heidekraut, Besenginster, Bärlapp und das Seegras. Feuerstein-Lehmböden gibt es in den Wäldern auf der Hochfläche des Rodsteins und im Kahlenbühl.</p>
<p>Das landwirtschaftlich ungenutzte Ödland an den sonnigen Talhängen mit seinen steinigen Trockenrasen schmückt im Sommer ein herrlicher Blumenflor mit geschützten Pflanzen, die hier noch nicht durch Bodenbearbeitung und Düngegift gefährdet sind. Auf einem botanischen Streifzug durch das Vegetationsjahr wollen wir nun die Pflanzen unserer Heimat kennenlernen:</p>
<h2>Boten des nahenden Frühlings</h2>
<p>Schon Ende Februar und Anfang März blüht am Waldrand häufig der Seidelbast oder Kellerhals. Seine stark duftenden rosaroten Fliederblüten erscheinen vor den Blättern. Aus den Blüten entwickeln sich am holzigen Zweig scharlachrote, giftige Beeren, die aber von Drosseln und Rotkehlchen gefressen werden. Am sonnigen Buchenhang an der Eßhalde und an anderen Orten blüht schon im Dezember und Januar mit grünen, rotgeränderten Blütenglöckchen die Stinkende Nieswurz, eine Verwandte der Christrose.</p>
<p>An sonnigen Südhängen drängen sich durch das braune Buchenlaub, das den Waldboden bedeckt, die blauen Blütensterne der Leberblümchen oder Märzenblümchen. Im schattigen Schluchtwald blüht jetzt auch der Hohle Lerchensporn mit eigenartigen duftenden roten und weißen Blütentrauben. Jetzt finden die Kinder an Waldwegen das Lungenkraut mit roten und blauen Schlüsselblumenblüten, sie nennen es »ungleiche Schwestern« oder »Hänsel und Gretel«.</p>
<p>Noch im unbelaubten Buchenwald blühen mit weißen Blütensternen über zart gefiederten Blättern die Buschwindröschen oder Anemonen, im Volksmund nennt man sie »Schnaikättera«. Die gelbe Anemone, die zu gleicher Zeit blüht, finden wir in schattigen, feuchten Waldteilen.</p>
<p>Auch die Frühlingsplatterbse blüht jetzt allerdings nur auf Kalkböden. Sie ist ein Schmetterlingsblütler, also verwandt mit Erbsen und Bohnen. Ihre roten Blüten verfärben sich blau. Die Kinder nennen diese schöne Frühlingsblume »Herrgottschühle«, an anderen Orten nennt man sie »Goggeler«. Bis sich der Buchenwald belaubt, hat die Frühlingsplatterbse bereits reifende Fruchthülsen.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="354" height="525" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/hm-buch-s294.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11773"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Im April können wir am Märzenbuckel, am kleinen Rodstein, an der Langerthalde und anderen Sonnenhängen die prächtigen, dunkellilafarbenen Blütenglocken der Küchenschelle bewundern. Ein silbriger Haarpelz schützt sie gegen Frost und zu starke Sonnenbestrahlung. Die Küchenschelle ist ein Kleinod der Albflora. Winterdürre Heideflächen auf dem Volkmarsberg oder an der Eßhalde schmücken jetzt die azurblauen, edelsteinbesetzten Sterne des Frühlings-Enzians in ganzen Nestern, die wir sorgsam umgehen müssen. Der Volksmund nennt den schönen Flühlingsenzian »Hausanzünder« oder »Schusternagel«.</p>
<h2>Edle Vertreter der sommerlichen Waldflora</h2>
<p>Im Juni und Juli begegnen wir an Waldwegen im Buchenwald einer schönen Pflanze mit lichtblauen Glockenblüten mit hakenförmig gebogenen Spornen, es ist eine Leitpflanze des Steppenheide-Waldes, die Akelei, auch Gotteshut oder Elfenschuh genannt. Auch die Türkenbundlilie rollt jetzt ihre trübrosafarbenen Blüten, die einem orientalischen Turban gleichen, auf. Als echte Lilie entsprießt sie einer Zwiebel, die man Goldzwiebel nennt, weil einst die Alchimisten mit Hilfe ihres goldbraunen Saftes aus unedlem Metall Gold machen wollten.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="445" height="644" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/hm-buch-s295.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11774"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Im schattigen Wald am Kuckuckstein blüht im Sommer der Wolfseisenhut mit gelben, hahnenförmigen Blüten, die eine verästelte Traube bilden.</p>
<p>Auch die mit gelben Blütenglocken besetzten Blütenstauden des Gelben Fingerhutes, denen wir im hohen Sommer am Hahnenloh oder am Hang des Pulverturmes begegnen, gehören zu den Schönheiten der Albflora.</p>
<p>Schön sind die schwefelgelben Hummelblüten und schön sind auch die gelbgrünen, am Rande gesägten, bewimperten, länglichen Blätter.</p>
<p>Der bekannte Rote Fingerhut, Digitalis purpurea, ist in den Wäldern der Alb ein Fremdling, denn er meidet kalkreiche Böden. Nur auf dolomitischen Feuerstein-Lehmböden, aus denen der Kalk ausgelaugt ist, kann er wachsen.</p>
<p>Auf solch kalkarmen Standorten haben Forstbeamte durch Ausstreuen von Samen kleine Kolonnen von Rotem Fingerhut angelegt. Im Juni, Juli und August bilden die mit vielen Blüten besetzten, von unten nach oben aufblühenden leuchtend roten Blütenpyramiden einen prächtigen Schmuck unserer Laub- und Nadelwälder. In den Wäldern des Schwarzwaldes und der Keuperberge, die auf Sandboden wachsen, besiedelt der Rote Fingerhut Kahlschläge und Lichtungen. Er ist eine wichtige Heilpflanze und enthält die giftigen Digitalis-Glykoside.</p>
<p>In den Buchenwäldern blühen im Sommer auch einige, immer seltener werdene Orchideenarten: Das Rote Waldvöglein, das Weiße Waldvöglein mit großen, gelblich weißen Blüten, das seltenere Schwertblättrige Waldvöglein mit kleineren, reinweißen Blüten, wir fanden einen Standort bei der Borzelgrube. Auf Waldwiesen und in Hecken am Waldrand blüht die Waldhyazinthe, Kuckucksblume oder Stendelwurz. Die stark duftenden weißen, lang gespornten Blüten bilden aufrechte hyazinthenförmige Blütentrauben. Selten ist die Breitblättrige Sumpfwurz.</p>
<h2>Der bunte Sommerflor an den sonnigen Talhängen</h2>
<h3>Beispiel Eßhalde</h3>
<p>Von Juni bis August blühen an den sonnigen Talhängen viele schöne Sommerblumen. Gelb leuchten die zierlichen Blüten der Schmetterlingsblütler: von Hufklee, Wundklee, vom rotgetupften Hornklee, vom geflügelten Ginster, dessen Stengelflügel Assimilationsorgane sind, die bei starker Sonneneinstrahlung wenig Wasser verdunsten. An dünnen Stengeln sitzen die goldenen Rosettenblüten des Sonnenröschens. Gelb leuchten auch die Blütenkörbchen der Habichtskräuter, des Löwenzahns, des Rindsauges. Am Wegrand wuchert in dichtem Bestand das gelbe Echte Labkraut, das Marienbettstatt-Stroh.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="484" height="503" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/hm-buch-s296.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11775"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>In den bunten Blumenteppich sind eingewoben die lila Blüten der Großen Brunelle, eines Lippenblütlers, die lichtblauen Blütenbüschel der Rundblättrigen Glockenblume, die hellrosafarbenen Blütenköpfchen der Bunten Kronenwicke. Im Schatten der Hecke am Wegrand steht die Pfirsichblättrige Glockenblume mit großen halbkugeligen Blütenglocken. Ins Auge springende Farbtupfer setzen die großen karmesinroten Korbblüten der Skabiosenflockenblume, die blutroten Blütenbüschel der Karthäusernelke, die Gruppen vom Großen Dosten, auf dessen aromatisch duftenden Blütendolden schöne Falter wie Perlmutterfalter und Kaisermantel nektarsaugend schaukeln.</p>
<p>Am trockenen Wegrain blüht die Silberdistel mit den silbrig glitzernden Rundblüten. Die Silberdistel, auch Wetterdistel, Karlsdistel oder Eberwurz genannt, kommt in zwei Formen vor, als langstielige, der häufigsten, und als stengellose (acaulis). Die stengellose Silberdistel finden wir auf der Wacholderheide am Volkmarsberg. Die silbrigen Randblüten sind hygroskopisch, bewegen sich bei feuchter Luft und Regen nach innen, der Blütenstand ist dann geschlossen.</p>
<p>Mitten auf dem Weg entlang der Eßhalde blüht im August der Kreuzenzian. An etwa dreißig Zentimeter hohen Stengeln sitzen in mehreren Quirlen rundum kleine dunkelblaue Blütchen. Rechtwinklige Kreuze bilden auch die Blattpaare am Stengel. Wir empfehlen die schönen Kreuzenziane auf dem Wege der Beachtung der Spaziergänger.</p>
<p>Am Eßhaldenabhang findet der Orchideenfreund jetzt viele Exemplare der Händelwurz, kenntlich an den rosaroten Blütenähren mit den gespornten Einzelblüten.</p>
<p>Am Südhang des Pulverturms entdeckt der Pflanzenfreund im Sommer noch andere typische Blumen: das Nickende Leimkraut, die Bergminze mit hellvioletten und den Aufrechten Ziest mit weißen Lippenblüten, die Ästige Graslilie mit zierlichen weißen Blütensternchen. Im lichten Buchenhang schwanken auf hohen schlanken Stengeln die weißen Blütendolden der Ebensträußigen Wucherblume.</p>
<p>Eine ganze Anzahl von Pflanzen aus dem Sommerflor an der Eßhalde und am Pulverturm sind Leitpflanzen der Steppenheide.</p>
<h2>Die Steppenheide und ihre charakteristischen Pflanzen</h2>
<p>Die Steppenheide dürfen wir nicht verwechseln mit der »Heidekrautheide«, die bewachsen ist mit Heidekraut, Wacholdern, Birken und allerlei Zwerggesträuch. Die Steppenheide ist kein Wald, keine Wiese, auch kein Trockenrasen. Sie besteht aus einem bunten Gemisch von Hochstauden, niederen Kräutern, Gräsern, Moosen und Flechten. Eingestreut sind Sträucher oder krüppelhafte Bäume.</p>
<p>Professor Mahler schreibt im Unterkochener Heimatbuch: »Pflanzensoziologisch stellt die Steppenheide eine Art »Spitzpudeldachspinscher« dar. Sie hat viel Ähnlichkeit mit den Steppen an der unteren Donau und in Südrußland. Auf unserer Markung haben die exponierten, waldfreien Süd‑, Südwesthänge an der Eßhalde, am Märzenbuckel, am Pulverturm, am Tierstein und auf der Höhe des Volkmarsberges Steppenheidecharakter.</p>
<p>Zur Gesellschaft der Steppenheidepflanzen zählt man: die Küchenschelle, das Frühlingsfingerkraut, das Salomonssiegel, das Sonnenröschen, Hufeisenklee, Wundklee, Zypressen-Wolfsmilch, Schwalbenwurz, den Großen Dosten, die Färberkamille, das Rindsauge, die Bunte Kronenwicke, die Skabiosenflokkenblume, die Kugelblume, die Ästige Graslilie, die Karthäuser-Nelke, die Große Brunelle, das Nickende Leimkraut und die Silberdistel.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_11 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="417" height="650" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/hm-buch-s298.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11776"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h2>Leitpflanzen des Steppenheide-Waldes</h2>
<p>Der Steppenheide-Wald ist eine lichtere Waldform, er bildet als schmaler Gürtel den Übergang von der Steppenheide zum geschlossenen Wald. Im Steppenheidewald wächst wie auf der Steppenheide eine Reihe charakteristischer Pflanzen:</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_12 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="494" height="643" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/hm-buch-s299.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11777"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_16 artikel-content top-push  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>So finden wir am Langertweg nach Unterkochen und am Weg nach Ebnat das schöne Immenblatt oder Honigblume mit großen weißlichen, rosa oder lila angehauchten Lippenblüten. Es wird von Hummeln und Nachtschmetterlingen besucht und blüht im Mai und Juni. Im Buchenhochwald über dem Tiersteinfelsen blüht vom Mai bis Juni ein Boretsch-Gewächs, der Rotblaue Steinsame in einem größeren Bestand. Seine Blüten wechseln in der Blütezeit die Farbe von Hellpurpur zu tiefem Blau.</p>
<p>Nach Robert Gradmann, dem Altmeister der Alb-Botaniker, gehören zu den Leitpflanzen des Steppenheide-Waldes außer Immenblatt und Rotblauem Steinsamen:</p>
<p>Die Stinkende Nieswurz, das Leberblümchen, die Akelei, der Gelbe Fingerhut, das Rote Waldvöglein, die Ebensträußige Wucherblume, die Pfirsichblättrige Glockenblume und der Frauenschuh, dessen Standorte geheimzuhalten sind.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_13 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="481" height="789" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/hm-buch-s300.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11778"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_17 artikel-content top-push  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><h2>Die Gesellschaft der Schlagpflanzen</h2>
<p>Wo in Wäldern Kahlschläge und Lichtungen entstehen, verursacht von Baustellen für Siedlungen, wie auf der Heide, oder durch den Bau von Straßen oder Hochspannungsleitungen, da stellen sich sofort die Schlagpflanzen ein. Sie keimen in dem rauhen, unkultivierten Boden und versuchen die dem Wald geschlagenen Wunden wieder zu schließen. Sie sind das »Fliegende Feldlazarett des Waldes«. Wie von Geistern gerufen, kommen ihre Samen von weither angeflogen, oder werden von Vögeln in ihren Exkrementen hergetragen. Die Schlagpflanzen verhindern zunächst im Verein mit Gesträuch und Gestrüpp das Austrocknen des Bodens und leisten so Pionierarbeit für eine Wiederbewaldung.</p>
<p>Zur Gesellschaft der Schlagpflanzen gehören:<br>Das Schmalblättrige Weidenröschen oder Stauden-Feuerkraut, ein rotleuchtender Schmuck der Lichtungen, das Echte Johanniskraut, das Waldgreiskraut, das Fuchsgreiskraut, der Gemeine Dosten, der Wasiserdosten oder Kunigundenkraut, viele Distelarten von der gemeinen Ackerdistel und der Sumpfkratzdistel bis zur Distelkönigin, der schönen Wollköpfigen.</p>
<p>Auch die hohen kantigen Büsche der Tollkirsche stellen sich auf Kahlschlägen ein. Ihre glänzend schwarzen Beeren sind sehr giftig, werden aber von Drosseln und Fasanen gefressen. Die zwei bis drei Meter hohe Königskerze oder Wetterkerze, wie die Tollkirsche eine Heilpflanze, überragt das Gewirr der Schlagpflanzen wie eine Königin. Hell leuchten die radförmigen Blüten ihrer Blütenähre. Diese darf an Maria Himmelfahrt in keinem Weihbüschel fehlen.</p>
<h2>Die Pflanzengemeinschaft des Schluchtwaldes</h2>
<p>Der Schluchtwald hat wenig Sonneneinstrahlung, der Boden ist stets feucht. Es wachsen dort Pflanzen, die den Schatten lieben:</p>
<h3>1. Der Aronstab</h3>
<p>Man findet die interessante Pflanze außer in Schluchtwäldern auch in schattigen Hecken. Schon im April sprießen die großen, pfeilförmigen, saftgrünen Grundblätter. Später erscheinen die hasenohrförmigen grün-weißlichen Hüllblätter der Blüte, die die inneren Blütenteile schützen. Aus dem Blütenstand ragt ein keulenförmiger Kolben, dessen Aasgeruch kleine Fliegen anlockt. Diese werden im Innern des Blütenstands gefangen gehalten, bis sie diese bestäubt haben. Erst dann können sie wieder in die Freiheit entweichen. Der Blütenstand des Aronstabs ist eine Fliegenkesselfalle. Aus dem bestäubten Blütenstand entwickelt sich eine aufrechte Traube korallenroter, giftiger Beeren, die Ende Juli reifen. Der in allen Teilen giftige Aronstab spielte früher in der Heilkunde eine Rolle und wurde im Volksglauben als Orakelpflanze befragt.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_14 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="453" height="750" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/hm-buch-s302.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11779"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_18 artikel-content top-push  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><h3>2. Das Silberblatt oder die Mondviole</h3>
<p>Das Silberblatt ist eine typische Schluchtwaldpflanze. Es gehört zu den Kreuzblütlern. Der Blütenstand der wohlriechenden violetten Blüten ist eine Trugdolde. Es blüht im Mai und Juni. Die Scheidewand der platt gedruckten, ellipsenförmigen Samenschoten glänzt silbrig. Das Silberblatt fand man früher in jedem Bauerngarten.</p>
<h3>3. Zu den Schluchtwaldpflanzen</h3>
<p>gehören auch die Türkenbundlilie, das Springkraut (Impatiens noli-tangere), das Gelbe Windröschen, das Fuchsgreiskraut, das Wechselblättrige Milzkraut, das Scharbockskraut, der Stinkende Storchschnabel, der Wolfseisenhut, der Bärenlauch, der Waldziest und die Einbeere.</p>
<h2>Fremdlinge in der heimischen Flora</h2>
<h3>1. Die Morgenländische Zackenschote</h3>
<p>Dieses Ackerunkraut wurde vor etwa vier Jahrzehnten mit landwirtschaftlichen Produkten aus dem Orient nach Europa eingeschleppt. In jedem Frühsommer fallen uns die meterhohen, krautigen Büsche, besetzt mit kleinen gelben Kreuzblütchen, auf, die sich von Jahr zu Jahr immer mehr ausbreiten an Feld- und Wiesenrainen, an Straßen- und Bahndämmen, auf Ödplätzen und Baustellen; da und dort stehen sie schon mitten in der Wiese. Die Morgenländische Zackenschote hat eine kräftige, meterlange Pfahlwurzel und kann deshalb schwer ausgerottet werden. Jedes Jahr erobert sie neue Standorte.</p>
<h3>2. Die schöne Gauklerblume</h3>
<p>Sie konnte bis vor wenigen Jahren am Gutenbächle bei der Nepomukbrücke bewundert werden. An den ästigen 30–40 cm hohen Stengeln mit glatten, gezähnten Blättern sitzen an dünnen Stielen große goldgelbe Hummelblüten, deren Unterlippe mit zwei schwarzroten Punkten verziert ist. Die Gauklerblume ist eine Gartenblume aus dem westlichen Amerika, die bei uns verwilderte.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_15 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="443" height="711" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/hm-buch-s303.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11780"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_19 artikel-content top-push  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><h3>3. Die Nachtkerze</h3>
<p>Sie kam um 1914 aus Botanischen Gärten Amerikas nach Europa, wo sie rasch verwilderte. Die großen hellgelben, radförmigen Blüten der Nachtkerze bilden eine lockere Ähre. Sie öffnen sich abends sechs Uhr, nur zwei Nächte lang, tagsüber schließen sie sich. Ihre Bestäuber sind langrüsselige Nachtschmetterlinge wie das Taubenschwänzchen.<br>Die Nachtkerze blüht von Juni bis August an Bahndämmen in Kiesgruben und an Fluß- und Kanalufern.</p>
<h3>4. Das Knopfkraut</h3>
<p>Es stammt aus den peruanischen Anden und kam über Pariser botanische Gärten nach Deutschland. Deshalb nennt man es auch Franzosenkraut. Seit 1910 ist es ein Ackerunkraut in Kartoffeläckern und Gemüsegärten. Wir kennen das Knopfkraut an den niedlichen Blütenkörbchen mit den fünf weißen Strahlenblütchen.</p>
<h3>5. Der Quirlblütige Salbei</h3>
<p>Er ist verwandt mit dem Wiesensalbei, hat aber viel kleinere, in Quirlen am Stengel sitzende lilafarbene Lippenblütchen. Seine Heimat sind die Gebirgslandschaften am Kaukasus, Nordpersiens, Kleinasiens und Syriens. Er ist wahrscheinlich mit südrussischem und ungarischem Getreide nach Westeuropa verschleppt worden und bei uns jetzt ein eingebürgertes Getreide-Unkraut geworden. Seine klebrigen Früchtchen werden von Schafen verbreitet.</p>
<h3>6. Der Gemeine Frauenspiegel</h3>
<p>Er ist ein Glockenblumengewächs und fällt auf durch seine lilafarbenen, fünfzipfeligen , platt gedrückten Glockenblüten. Der Frauenspiegel stammt aus Südeuropa. Seine Verbreitung ist durch die Verbesserung des Saatgutes in den letzten Jahren zurückgegangen.</p>
<h2>Pflanzen am Bachufer und im fließenden Wasser</h2>
<p>Schon im Februar erscheinen am Kocherufer die rosa fleischfarbenen Blütenstände der Roten Pestwurz, die in Pestzeiten als Heilpflanze gebraucht wurde. Am Bachufer, an seichten Stellen mitten im Bach und am Quellenrand blühen im März als erste Frühlingsboten die Sumpfdotterblumen oder »Schmalzkacheln« mit dottergelben Blütenschalen, die von fünf Kelchblättern gebildet werden. Die inneren Blütenteile sondern reichlich Nektar ab, der von hungrigen Bienen eingetragen wird.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="394" height="688" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/hm-buch-s305.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11781"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Unter dem Ufergebüsch am Kocher leuchten jetzt auch die gelbglänzenden Blütensterne des Scharbockskrautes oder der Feigwurz, deren Blätter reichlich Vitamin C enthalten. Das Scharbockskraut war einst bekannt als Heilmittel gegen den Skorbut, eine Vitaminmangelkrankheit, an der Seefahrer infolge einseitiger Ernährung litten.</p>
<p>Von Juni bis August blüht am Kocherufer die Wiesenkönigin, das ‚Mädesüß oder die Spierstaude mit stark duftenden weißen Trugdolden.</p>
<p>Eine schöne Pflanze ist der Blutweiderich. Seine karmesinroten Scheinähren mit quirlig angeordneten Einzelblüten finden wir von Juli bis September an Gräben und in der Uferzone des Kochers.</p>
<p>Im sauerstoffreichen, klaren Wasser des Kochers schwimmt in dichtem Bestand der Flutende Hahnenfuß. Er blüht im August mit zarten, weißen Blütchen.</p>
<p>Am Kocherursprung, in Quellen, in Gräben und Bächlein wuchert die Brunnenkresse, eine alte Heilpflanze. Sie enthält Senföle, ätherische Öle und reichlich Vitamin C und wird von Wildsalatsammlern gesucht.</p>
<p>In der schlammigen Uferzone am Kocherursprung wächst der Bach- Ehrenpreis mit tiefblauen Blüten. Am Wasser wächst auch die Wasserminze mit violetten Blütenköpfchen und die Geflügelte Braunwurz mit kleinen braunroten Blüten an trugdoldigen Rispen.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="370" height="725" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/hm-buch-s306.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11782"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h2>Ackerunkräuter</h2>
<p>Dicht an dicht steht heute im Getreidefeld Halm an Halm. Kaum ein Gräslein, geschweige denn ein Blümlein finden dazwischen noch Platz. Sauber ist der Acker! Der Bauer kann darauf stolz sein und ein guter Hektarertrag wird ihm bei der Ernte seine Mühe lohnen. Durch intensive Bodenbearbeitung, künstliche Düngung und durch eine Unkrautbekämpfung mit chemischen Mitteln ist es ihm gelungen, die vom »Teufel ausgestreuten Unkräuter« zu vernichten. Der Pflanzenfreund aber ist beim Betrachten des gepflegten Getreidefeldes traurig, er vermißt die schönen Ackerblumen:</p>
<p>den Klatschmohn, dessen Blüten so blutrot leuchten, die lieblichen Kornblumen, die selten gewordene rosafarbene Kornrade, den dunkelblauen Feldrittersporn, die kleinen roten Blüten des Blutströpfchens, die roten Schmetterlingsblüten der Erdnußplatterbse.</p>
<p>Am Ackerrand wuchsen früher der Ackerwachtelweizen, die Färberkamille, der Frauenspiegel und mit gelben Löwenmaulblüten das Leinkraut oder Frauenflachs. Leider gehören die blumenbunten Getreideäcker unwiederbringlich der Vergangenheit an.</p>
<h2>Wiesenblumen</h2>
<p>Die blumenreichen Wiesen, die wir früher in den Wochen vor der Heuernte bewundert haben, gibt es nicht mehr. Alle die schönen Wiesenblumen sind zwischen den durch die moderne Landwirtschaft im Wachstum besonders geförderten Futtergräser erstickt. Die bunte Blumenwiese wurde mehr und mehr eintönig grünes Grasfeld.</p>
<p>Es fehlen die weißen Strahlenblüten der Margeriten, die orange leuchtenden Blütensonnen des Wiesenbocksbarts, die roten Köpfchen des Rotklees, die Wiesenflockenblumen und der blaue Wiesenstorchschnabel, am Wiesenrand blüht kein Salbei mehr. Auch die stämmigen, gelb blühenden Grundfesten und die Hahnenfüße sind verschwunden, ebenso die weißen Schirme des Wiesenkerbels und des Bärenklau. Auf feuchten Wiesen hält sich noch der Wiesenknöterich und die Rote Lichtnelke.</p>
<p>An Wiesen- und Wegrändern oder auf weniger intensiv bewirtschafteten Grundstücken können wir die schönen Wiesenblumen noch finden.</p>
<h2>Das Kräutlein »Rühr mich nicht an« Impatiens noli-tangere</h2>
<p>Dieses Kräutlein, das an schattigen Waldwegen, auf feuchtem, lehmigen Boden wächst, ist eine wilde Balsamine. Die Botaniker nennen es Springkraut. An den 50–60 cm hohen, durchscheinenden, kräftigen Stengeln baumeln in den Sommermonaten an dünnen Fäden die exotisch anmutenden goldgelben, gespornten Blüten, die einer Narrenkappe gleichen. Alte Botaniker vermuteten, das Springkraut sei in der Zeit der Entdeckungen aus fernen Ländern bei uns eingeschleppt worden. Nach dem Verblühen hängen an den dünnen Fäden grüne Würmchen, die Samen. Sobald jemand die reifen Samenwürmchen berührt, platzen sie auf und rollen sich ein. Dabei werden die Samen mehrere Meter weit fortgeschleudert. Der Volksmund sagt: »Die Springkräuter erschrecken, wenn donnert und lassen dann ihre Samen fallen.«</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="341" height="681" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/hm-buch-s308.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11783"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Standorte des Kräutleins »Rühr mich nicht an« fanden wir auf dem Langert, am Weg nach Tauchenweiler und im Tiefental.</p>
<h2>Das Tausendgüldenkraut</h2>
<p>Es war bereits im fünften vorchristlichen Jahrhundert als Heilpflanze geschätzt. Eine griechische Sage erzählt, der Centaur Chiron habe eine Heilpflanze entdeckt, durch deren Heilkraft er selbst wieder gesund geworden sei. Die Botaniker nannten sie deshalb Centaurium erythraea. Die Übersetzer kamen auf den deutschen Namen Hundertgüldenkraut (cent = hundert, aurium = Gold). Aus Hundertgüldenkraut wurde später aufgewertet »Tausendgüldenkraut«.</p>
<p>Das Tausendgüldenkraut, ein Enziangewächs, ist ein bescheidenes Blümchen, kenntlich an den fleischroten, fünfstrahligen Blütensternchen, an gegabelten Trugdolden auf vierkantigen, dünnen Stengeln. Es wächst auf grasigen Waldwegen, ist aber auf unserer Markung selten.</p>
<p>Der berühmte Botaniker Hieronymus Bock schreibt vom Tausendgüldenkraut: »Es ist köstlich innerlich und äußerlich zu gebrauchen. So jemand Gift getrunken hat, der nehme Tausendgüldenkraut, zerstoße es zu Pulver und trinke dieses in Essig. Es zerteilt das Gift.«</p>
<p>In mittelalterlichen Kräuterbüchern lesen wir:<br>»Es schützt gegen Verzauberung und Blitzschlag und wer davon ein Zweiglein im Geldbeutel trägt, dem geht zeitlebens das Geld nicht aus.«</p>
<p>Im Harzgebirge glaubt man: »Wer in der Walpurgisnacht ein Kränzlein aus Tausendgüldenkraut auf dem Kopf trägt, der kann die Hexen zum Blocksberg reiten sehen.«</p>
<p>Die Naturheilkundigen gebrauchen Tee aus blühendem Tausendgüldenkraut als bewährtes Heilmittel bei Magenbeschwerden heute noch.</p>
<h2>Die Hecken</h2>
<p>Die langen Hecken an der Eßhalde, am Tiersteinhang, im Weingarten, im Wolfertstal, am Kleb, im Rod und am Zwerenberg sind charakteristisch für die Weißjuralandschaft. Sie schmücken die sonnigen Kalkhänge im zeitigen Frühjahr, wenn die schwarzen Schlehdornbüsche und die Wildkirschen blühen, ebenso im Herbst, wenn das Laub der Heckensträucher sich bunt färbt und ihre Früchte reifen.</p>
<p>Die Bedeutung der Hecken erkannte man dort, wo sie bei der Flurbereinigung oder aus anderen Gründen gerodet wurden.</p>
<ol>
<li>Hecken sind schützender Lebensraum für viele Vogelarten, besonders für Neuntöter und Dorngrasmücken.</li>
<li>Im Innern der Hecken leben Igel, Ringelnattern, Spitzmäuse und andere Kleintiere</li>
<li>Junghasen, Fasanen und Rebhühner finden unter dornigen Büschen Zuflucht vor ihren Verfolgern, vor Elstern und Greifvögeln.</li>
<li>An Weidenkätzchen und an den blühenden Heckensträuchern finden Bienen, Hummeln und Schmetterlinge Nektar und Pollen.</li>
<li>Hecken verbessern das Klima, sie schützen das Kulturland gegen kalte austrocknende Winde, im heißen Sommer bieten sie Schatten!</li>
</ol></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="469" height="739" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/hm-buch-s310.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11784"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h3>Die wichtigsten Heckensträucher:</h3>
<p>Schwarzdorn oder Schlehe, Weißdorn, Wolliger und Wilder Schneeball, Holunder, Haselstrauch, Salweide, Mehlbeere, Pfaffenhütchen oder Spindelstrauch, Hartriegel, Heckenkirsche, Kreuzdorn, Berberitze, Liguster, Feldahorn und Wildkirsche als Baum.</p>
<h2>Geschützte Pflanzen auf unserer Markung</h2>
<ol>
<li>Seidelbast, Küchenschelle, Akelei, Türkenbundlilie, Gelber Fingerhut, Silberdistel.</li>
<li><strong>Alle Enzianarten:</strong><br>Frühlingsenzian, Kreuzenzian, Gefranster Enzian, Deutscher Enzian</li>
<li><strong>Alle Orchideen:</strong><br>Mannsknabenkraut, Händelwurz, Zweiblättrige Waldhyazinthe, das Rote Waldvöglein, das Großblütige Weiße Waldvöglein, das Schwertblättrige, kleine Waldvöglein, Schwarzköpfige Orchis = Brandorchis, Breitblättrige Sumpfwurz, Fliegenragwurz, das Große Zweiblatt.</li>
</ol>
<p>Geschützte Pflanzen dürfen nicht gepflückt, auch nicht von ihrem Standort entfernt werden. Sie sind die Sorgenkinder der Naturschutzwarte.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="291" height="585" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/hm-buch-s311.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11785"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h2>Teilweise geschützte Pflanzen</h2>
<p>Dazu gehören:<br>Das Maiglöckchen, die Traubenhyazinthe oder das Aprilenkrügle, die Duftende Schlüsselblume, Badenke genannt, die Hohe Schlüsselblume.</p>
<p>Diese Pflanzen dürfen in Handsträußen gepflückt werden, aber verboten ist das Ausgraben der Wurzelstöcke oder Zwiebeln.</p>
<p style="text-align: right;"><strong><em>Gottlob Braun</em></strong></p></div>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
			</div>
				
				
			</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die vier größten Oberkochener Höhlen</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/die-vier-groessten-oberkochener-hoehlen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 May 2024 12:02:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Heimatbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Landschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://heimatverein-oberkochen.com/?p=14561</guid>

					<description><![CDATA[Seite 283-292 (Dietrich Bantel)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="et_pb_section et_pb_section_5 beitrag-inner-container et_section_regular">
				
				
				
				
				
				
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Höhlen haben schon immer ein bestimmtes »Etwas« an sich und in sich. Zunächst deshalb, weil sich mit vielen von ihnen Sagen verbinden — sie stecken voller Geheimnisse. (siehe: Zusammenstellung der überlieferten Sagen über unsere Gemarkung — das Wollenloch, die Höhle am Griebigen Stein), zum anderen wegen ihrer echten Geschichtsträchtigkeit (die Höhle im Schmiedestein).</p>
<p>Das Landesdenkmalamt geht davon aus, daß jede, auch die kleinste Höhle, irgendwann einmal in grauer Vorzeit durchziehenden Jägern als Unterschlupf gedient haben könnte — somit sind Veränderungen an und in Höhlen, hauptsächlich im Eingangsbereich, wo sich die Menschen der Steinzeit aufgehalten haben, grundsätzlich untersagt. Auch der Naturschutz legt in den letzten Jahren vermehrt Wert darauf, daß Höhlen nicht unnötig begangen werden, — hauptsächlich in der Zeit des Winterschlafs der Fledermäuse, — natürlich auch, weil an vielen Höhlen grausige Schäden durch Abschlagen von Tropfsteinen entstanden sind.</p>
<p>Manche Menschen fühlen sich in Höhlen, auch »gefährlichen«, wie zu Hause, — denken Sie an den zur Zeit bekanntesten Höhlenforscher und ‑taucher Jochen Hasenmeier (Blautopf), — andere wiederum befällt bereits beim Betreten von Höhlen Angst und Beklemmung.</p>
<p>Dr. H. Joachim Bayer hat die Oberkochener Höhlen an anderer Stelle aus geologischer Sicht dargestellt.</p>
<p>Hier soll über unsere 4 bekanntesten und größten Höhlen ganz allgemein berichtet werden.</p>
<h2>Das Wollenloch</h2>
<p>Unsere bekannteste Höhle, eine Senkrechthöhle, ist mit Sicherheit »das große Wollenloch«. (»Die Ostalb erzählt« von Fritz Schneider, Seiten 38 u. 39, — Heimatbuch Seite 441)</p>
<p>Der bei Schneider erwähnte »Brenzl« ist mit Sicherheit der Ziegelbach, der bei der Ziegelhütte aus einer Felsspalte tritt. die Sage ist, darauf deutet manches hin, noch gar nicht so alt.</p>
<p>Der ursprüngliche Name für den Wollenberg ist Hoalaberg (Hohler Berg), was ursächlich mit dem Wollenloch (damit ist das Große Wollenloch gemeint) und mit dem Kleinen Wollenloch zusammenhängt. Der heutige Name Wollenberg entstand erst mit der Schafzucht auf dem Berg, wobei die im Gebüsch hängengebliebene Schafwolle namensgebend gewirkt haben könnte, unter Umständen unterstützt durch eine Konsonantenverschiebung.</p>
<p>Und nun zur nachweisbaren Geschichte. Erstmalige Erwähnung fand das Wollenloch bis jetzt 1824 durch Schübler in den Württembergischen Jahrbüchern für vaterländische Geschichte, Statistik und Topographie. Dort heißt es: »Das Wollenloch, eine halbe Stunde von Oberkochen auf dem Aalbuch ist schwer zugänglich, indem man sich an Seilen hinablassen muß; es soll schönen stänglichen Kalkspat enthalten.«</p>
<p>In der ersten Flurkarte von 1830 (Urkarte) ist das Wollenloch noch nicht eingetragen — es wurde gegen 1840 jedoch mit roter Farbe nachgetragen. Schon in der Beschreibung des Oberamts Aalen vom Jahr 1854 heißt es über das Wollenloch, das zu zwei Dritteln nach Oberkochen und zu einem Drittel nach Essingen gehört: »Das Rollen hinabgeworfener Steine beweist die große Tiefe des ohne Zweifel mit inneren Höhlen in Verbindung stehenden Loches. Ein schon versuchtes Befahren vom Menschen aber (am Seil) wurde durch die Decke unmöglich gemacht, welche in einiger Tiefe hinuntergefallenes Holz, Äste, usw. gebildet haben.«</p>
<p>Erst 1898 (Blätter des Schwäbischen Albvereins Nr. 9) gelang es Zimmermeister Ernst und dem SAV-Vertrauensmann von Aalen am 25. Juni tiefer in das Loch einzudringen, indem man die »Decke« zum Absturz brachte: »… nachdem dann noch einer der Hauptträger zum Wanken und Fallen gebracht werden konnte, stürzte plötzlich die ganze übrige Masse unter fürchterlichem Krachen und Poltern in die Tiefe, einen solch starken Luftwirbel nach sich ziehend, daß dem nun im Loch frei Hängenden für einen Moment Hören und Sehen verging. Die Oberkochener verglichen das Krachen mit dem Getöse beim Einsturz eines großen Gebäudes …«</p>
<p>Prof. Eberhard Fraas, der bekannte Direktor des Königlich Württembergischen Naturalien-Kabinetts in Stuttgart, der sich auch der Höhlenforschung annahm, stellte im Anschluß an eine Befahrung im selben Jahr 1898 fest: »… hienach wird die Erforschung des Wollenlochs für abgeschlossen erachtet. Wurde auch kein seitlicher Zugang von der Thalseite in diese senkrechte, nicht unbedeutende Höhle entdeckt, so ist nun doch das geheimnisvolle Dunkel des Wollenlochs einigermaßen gelichtet, wenn ihm auch ein gewisser Nimbus dadurch genommen worden ist…« E. Fraas fertigte auch eine Planskizze des Wollenlochs, die sich in einer Kopie aus dem Jahr 1898 im Besitz des Staatlichen Forstamts Oberkochen befindet.</p>
<p>Dann hörte man 30 Jahre lang nichts vom Wollenloch. Erst wieder dem Höhlentagebuch des TV-Naturfreundes Karl Müller, Heidenheim, aus dem Jahr 1930 ist zu entnehmen, daß sich im Wollenlochtrichterhals bis zu diesem Zeitpunkt eine neue Decke aus Astwerk, hier als »Rost« bezeichnet, gebildet hatte, wiederum in ca. 15 Meter Tiefe. Durch diesen Rost hindurch wurde der Heidenheimer Höhlenforscher Walter Schreiber am 29. Juni 1930 mit zwei Kletterseilen in die Tiefe gelassen. Bei diesen Arbeiten sackte der oben durch 8 Höhlenforscher belastete Rost um 20 bis 30 cm in die Tiefe, blieb dort aber wieder stecken — eine haarsträubende Vorstellung. Über das Höhlenende teilt Schreiber mit: »Unten angelangt, konstatiere ich, daß wohl noch ein Kamin weiter abwärts geht, aber durch kreuz und quer liegende Hölzer und Steine ganz verstopft ist. Jetzt aber war ich an dem tiefsten Punkt angekommen, wie ich an der mitgeführten Meßschnur feststellen konnte. Sie zeigte seit meinem Einstieg 53,5 Meter.«</p>
<p>Im Höhlenbuch desselben Karl Müller befindet sich unter dem Datum vom 16. Oktober 1949, genau eine Woche vor der Wollenlochkatastrophe, folgender Eintrag: » … der WCO (Wollenlochclub Oberkochen) ist bis heute nicht viel tiefer eingedrungen als wir im Jahr 1930 ausgemessen haben … Ein tieferes Vordringen ist wahrscheinlich …« Die Hauptaktiven des Wollenlochclubs in den späten vierziger- und frühen fünfziger-Jahren waren: Der Leiter J.P. Fischer (PX), Theo Burek, Helmut Hahn, Otto Späth, Horst Thom , Rudolf Werner, Georg Weng, Helmut Höllein u.a. Einer Dokumentation zum 25jährigen Gründungsjubiläum der Touristenvereinigung »Die Naturfreunde e.V.« (Jubiläumsschrift 4./5. Juni 1976), die aus dem Wollenlochclub hervorging, ist zu entnehmen, daß der Wollenlochclub ab 1949 bis in eine Tiefe von 62 Meter vorgedrungen ist.</p>
<p>Der Wollenlochclub hatte einen Motorwindenaufzug konstruiert, an dem ein ca. 1 cbm fassender Behälter hing, und systematisch Schutt aus dem Wollenloch gefördert. Die oben erwähnte Befahrung vom 16.10.1949 hatte mittels dieser Förderanlage stattgefunden. Ungefähr 500 Personen waren bis zum Unglückstag befördert worden.</p>
<p>In einem Bericht der Aalener Volkszeitung vom 15. Juli 1977 ist das Unglück fast 30 Jahre, nachdem es sich ereignet hatte, wie folgt beschrieben:</p>
<p>»… So kam der Unglückstag, der 23. Oktober 1949, heran, an dem etwa 20 Personen einfuhren. Es war 17.30 Uhr, als der letzte Besucher ausfahren wollte. Beim Haltezeichen mit der Klingel versagte diese aus irgendeinem Grunde. Der Schrei »Halt« konnte nicht verhindern, daß der Haken von der Rolle erfaßt, umgedreht und der Schraubenschaft abgeschert wurde, und so der Förderkorb mit dem unglücklichen Karl Wolf (Königsbronn) in die Tiefe stürzte. Durch Abseilen mit einem anderen Seil schaffte man den Unglücklichen herauf; er hatte den Sturz mit dem Leben bezahlen müssen. Wahrscheinlich wurden auf behördliche Anordnung weitere Untersuchungen untersagt, das Betreten des Wollenlochs wurde durch Abschrankungen gesichert.«</p>
<p>Eine von Bürgermeister Bosch abgegebene Erklärung im Amtsblatt »Bürger und Gemeinde« der Gemeinde Oberkochen mit Datum vom 26. Juli 1954 mit dem Titel »Sicherheit am Wollenloch« bestätigt dies, wenn auch einem Artikel von J.P. Fischer (PX) aus dem Jahr 1953 (Amtsblatt BuG) zu entnehmen ist, daß die Arbeiten nach einer Unterbrechung im Jahr 1949 noch längere Zeit weitergingen. »Aufwendigere Anforderungen seitens der Gemeinde sowie des Technischen Überwachungsvereins wurden auch in der TV-Naturfreundedokumentation als Grund für die Stagnation der Arbeiten im Wollenloch angegeben, bis die Grabungen wegen der Auflagen und aus Geldmangel im Jahre 1954 dann endgültig aufgegeben werden mußten. Ab diesem Jahr wurde es für ein Vierteljahrhundert wieder still ums Wollenloch.</p>
<p>Die Gründung der Höhlen-INGO (Höhleninteressengemeinschaft Oberkochen, jetzt Ostalb) am 23. Oktober 1979 ließ das Interesse an altbekannten und neuen Ostalbhöhlen wieder wach werden.</p>
<p>Im April und im Mai 1980 stiegen wiederholt Stuttgarter, Kirchheimer, Grabenstettener und Oberkochener Höhlenforscher ins Wollenloch ein und stellten fest, daß sich auf seinem Grund wiederum Unmengen von Schutt (jeder Besucher des Wollenlochs muß ja seinen Stein in die Tiefe poltern lassen), Äste und vor allem Mengen von Stammholz angesammelt haben, durch welches man sich von der frei erreichbaren Tiefe von 43 Meter über weitere 15 Meter in die derzeit erreichbare Tiefe von 58 Meter hindurcharbeiten muß. Auch Laichinger Höhlenforscher wollen demnächst ins Wollenloch einsteigen, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen, egal, ob nun dem Satz aus einem Bericht der Heidenheimer Zeitung vom 9. November 1949 Glauben zu schenken ist oder nicht: »… interessant ist das letzte Erforschungsergebnis im Wollenloch. Bei Grabarbeiten stieß man ins Leere und hörte von unten Wasser rauschen …«</p>
<p><em>D.B. aus »Kleine Schriften zur Karst- und Höhlenkunde« Nr. 19/1980</em><br><em>Herausgegeben vom Verband der Deutschen Höhlen- und Karstforscher, München</em></p>
<h2>Höhle im Schmiedestein (Oberkochen)</h2>
<p>Die kleine Höhle im Schmiedefelsen (auch Schmidtesteinhöhle), 620 m NN, dürfte in den Augen des Höhlenforschers, zumindest in ihrem jetzigen Zustand, nur auf geringes Interesse stoßen. Dennoch ist sie geschichtlich die bislang bedeutendste auf unserer Gemarkung.</p>
<p>Sie ist in Band 17, Reihe B, der Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg von O. Paret, »Württemberg in vor- und frühgeschichtlicher Zeit«, 1961, auf Seite 304, und zwar nur unter dem Stichwort »Laténezeit«, aufgeführt, also in unmittelbar vorrömischer Zeit; beim Landesdenkmalamt in Stuttgart liegen jedoch weitere Unterlagen vor, aus den Jahren 1951 und 1953, unterzeichnet von Dr. H. Zürn, die ich anführen möchte, soweit sie hier von Interesse sind:</p>
<p>»30.4.51: 1,5 km SSW vom Ort befindet sich oberhalb des Kocherursprungs im Schmidtefelsen eine Höhle. Darin wurde durch (W.) Schreiber-Heidenheim nach dem Kriege gegraben, der darin eine Anzahl vorgeschichtlicher Scherben (angeblich Hallstatt) fand …«</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_21 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="625" height="814" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/hm-buch-s287.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11770"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>»21.5.53: Am 18.5.53 wurde die Höhle durch Zürn aufgesucht. Sie liegt in einem der Felsen der Schmidtefelsengruppe. Der Höhleneingang ist 2,5 m breit und 1,7 m hoch. Die Höhle reicht 4,5 m in den Felsen hinein. Unter dem Eingang ist ein Schnitt von 1,5 m Länge und 0,4 m Tiefe gemacht (Grabung Schreiber). Bei einer oberflächlichen Schürfung fanden sich noch einige vorgeschichtliche Scherben, anscheinend Hallstatt (ca. 1200–500 v. Chr.). An anderen Felsen dieser Gruppe sind Dachsbauten zu beobachten, es scheinen hier auch noch vorstürzte Höhlen vorzuliegen. Unter den Scherben ist ein strichverziertes Stück und eine mittelalterliche Randscherbe.«</p>
<p>Am 31.10.71 fand der Verfasser, im Zusammenhang mit den Arbeiten an dem damals neuentdeckten Oberkochener Römerkeller im Weilfeld, unter anderen Scherben im Eingangsbereich der Schmiedesteinhöhle eine römische Sigillata-Scherbe. Damit wurde eine weitere Lücke in der Geschichte der Höhle geschlossen. D.h.: Die Höhle war, sicher begünstigt durch die nahe Kocherquelle, über drei Jahrtausende hinweg kontinuierlich immer wieder bewohnt, wahrscheinlich sogar über längere Zeiträume hinweg durchgehend. Am 15.3.80 besuchte Dr. E. Wagner von der Abteilung Bodendenkmalpflege des Landesdenkmalamts Baden-Württemberg Stuttgart, mit Mitgliedern der Höhleninteressengemeinschaft Oberkochen (Höhlen-InGO) die Höhle im Schmiedestein. Wir regten eine sofortige Unterschutzstellung der Höhle an, und baten darum, daß die Höhle als doch relativ kleines Objekt in absehbarer Zeit vom Landesamt bearbeitet werden möge, da unsere Gemarkung in dieser Beziehung bislang recht stiefmütterlich behandelt wurde.</p>
<p>Am 5.7.80 wurde die Schmiedesteinhöhle von der Höhlen-InGO vermessen. H. Jantschke (Kirchheim) beschreibt die Höhle im gleichen Monat folgendermaßen: »Es handelt sich um einen einzigen, sackartigen Raum (L 4, B 2, H 2 m), der auf einer bergwärts streichenden Kluft entwickelt ist. Rechts und links schimmert jeweils durch ein winziges kreuzendes Röhrchen Tageslicht durch. Der Boden besteht aus Laub und Humus und ist durch viele Feuerstellen geschwärzt. Die Wände sind durch den Angriff der Außenverwitterung geprägt«.</p>
<p>Geschichtliches: Die Höhle stellt einen urgeschichtlichen Wohnplatz dar und ist als Kulturdenkmal ausgewiesen. Von der Begehung am 6.5.48 durch R. Müller und W. Schreiber ist eine Beschreibung mit Planskizze erhalten.</p>
<p><strong><em>Literatur:</em></strong></p>
<p>Mager, Alfons: Geschichten und Sagen vom Volkmarsberg und seiner Umgebung. Blätter des Schwäb. Albvereins 41. Jg. 1929 Nr. 2, Sp. 43–47, 3 Abb.<br>Jahreshefte für Karst- und Höhlenkunde, Heft 1, 1960.<br>Fundberichte NF 12, 37 und 14, 194<br>Abschließend sei bemerkt, daß in die Höhle, da sie im Steilhang liegt, im Lauf der Jahrtausende von beiden Seiten große Mengen von Humus, Lehm, Kleinschotter usw. eingeschwemmt wurden, so daß damit zu rechnen ist, daß Kulturschichtern bis in große Tiefen angetroffen werden. Es ist auch damit zu rechnen, daß die Höhle sich in die Tiefe aufweitet.</p>
<p><em>aus: Kleiner Führer zu den Exkursionen der 22. Jahrestagung des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. München vom 12. bis 14. September 1980 in Oberkochen (Ostalbkreis)</em><br><em>ISSN 0454–0018 ub Kommision bei der Fr. Mangold’schen Buchhandlung 7902 Blaubeuren , Karlstraße 6 (München 1980)</em></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h2>Die Höhle am Griebigen Stein</h2>
<p>Auch hier darf zunächst auf die Sage im entsprechenden Teil dieses Buchs verwiesen werden, — eine phantastische Sage. (Seite 440)</p>
<p>Der in dieser Sage erwähnte unterirdische Gang kann aus geomorphologischer Sicht mit größter Wahrscheinlichkeit nie bestanden haben, — er sei denn von einer eventuellen Höhle, aus der Gegenrichtung vom Bereich des Pulverturms in die Tiefe führend, unter dem Gaintal (Goindl) hindurch, als künstlicher Fluchtweg zwei Höhlen verbindend, gegraben worden — ein höchst unwahrscheinliches Unterfangen.</p>
<p>Wenn man andererseits jedoch davon ausgeht, daß wohl jede Sage auf irgendeinen, wenn vielleicht auch nur ganz entfernt wahren Kern zurückführt, so konnte gerade diese Sage zumindest einen Hinweis darauf geben, daß die Höhle am Griebigen Stein in früheren Zeiten einmal wesentlich länger war. Diesem vermuteten wahren Gehalt der Sage bin ich nachgegangen. Betrachtet man die Lage der Höhle — wenig rechts oberhalb des alten Wegs (Kuhsteige) nach Ochsenberg, am oberen Rand der Eßhalde, gegenüber dem sogenannten Märzenbuckel — so läßt sich vermuten, daß sie von alters her zumindest kurzzeitig immer wieder als Schutzhöhle, vielleicht auch als Unterschlupf für Wegelagerer gedient hat. Zu längerem Aufenthalt dürfte sie wegen des fehlenden Wassers wohl kaum benützt worden sein. Diese sporadische Benützung trifft, wie die Sage sagt (der geschichtliche Zusammenhang wäre zu überprüfen), sogar im 19. Jahrhundert noch zu. Auch am Anfang des Zweiten Weltkriegs (Angst vor Bomben), wie auch am Ende desselben (Tieffliegerangriffe, Einmarsch), war die Höhle nach Aussagen von noch lebenden Zeugen zum Schutz aufgesucht worden. Der Oberkochener Alfons Hassinger erinnert sich noch genau, daß ein enger weiterführender Schacht am Ende der Höhle zuzgeschüttet worden war, weil dieses »Loch« beim Aufenthalt in der Höhle gestört habe.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Hartnäckig hält sich auch eine Geschichte aus den dreißiger Jahren, wonach ein verstorbener Bürger einen Hund, den ominösen Höhlendackel, in die Höhle gejagt habe, der dann beim Pulverturm, oder, in anderer Version, im Bereich des Klosters Königsbronn wieder aufgetaucht sei. Selbst wenn diese Geschichte irgendwann geschickt erfunden wurde, so zeigt sie doch, daß die Höhle auch im 20. Jahrhundert noch immer von sich reden macht.</p>
<p>Die Sagen und Geschichten um die Höhle haben schon immer wieder dazu geführt, daß kleinere Grabungsaktionen unternommen wurden — so zum Beispiel durch Schüler mit ihren Lehrer Günter in den zwanziger-Jahren dieses Jahrhunderts.</p>
<p>Die gesammelten Daten auswertend, gewann auch ich den Eindruck, daß die Höhle eine in die Tiefe führende Fortsetzung haben müsse. Für die Richtigkeit dieser Aufnahme haben über 50 Schüler des Gymnasiums Oberkochen, einige davon in einem »harten Kern« unermüdlich tätig, vom 25.5. — 23.9.1979 in ca. 25 »Buddelaktionen« (während der Ferien ganztägig) teilweise unter meiner und der Leitung meines ehemaligen Schülers Dr. H.J. Bayer einen schlagenden Beweis erbracht.</p>
<p>Am 15.9. erfolgte der entscheidende Durchbruch: Thomas Hierholz hatte einen Einstiegschacht entdeckt, der uns dann am 23.9. in drei neue Hallen führte: den Rittersaal, die Pulverhalle und die Katharinengrotte, die für Oberkochener Verhältnisse phantastische Versinterungen und Tropfsteine aufweisen. Beide Hallen sind allerdings für »Normalverbraucher« nicht erreichbar. Die Pulverhalle ist über 15 m lang und bis zu 3 m hoch; wir verlängerten die Höhle von 15 auf ca. 50 Meter. Die Chancen, eine Fortsetzung zu finden, werden von uns und von Höhlenforschern aus Stuttgart und Laichingen als gut beurteilt.</p>
<p>Das Landesamt für Denkmalschutz, Abteilung Bodendenkmalpflege, hat am 15.3.1980 offiziell grünes Licht für weitere Aktionen am Griebigen Stein gegeben, sofern der Eingangsbereich der Höhle, der grundsätzlich bei jeder Höhle der Schwäbischen Alb aus archäologischer Sicht interessant sein kann, unangetastet bleibt. Dies war und ist für uns eine Selbstverständlichkeit.</p>
<p>Die weiteren Arbeiten gestalteten sich jedoch bald so risikoreich, daß wir sie schweren Herzens aus Gründen der Sicherheit eingestellt haben.</p>
<p>Die Höhle, während der »heißen Zeit« im Jahre 1979 Ziel von zahllosen Interessenten, wurde auf unseren Wunsch von der Stadt mit aus Gründen der Sicherheit, unter anderem auch der Fledermäuse wegen, die leicht einfliegen können, provisorisch mit einer Bretterwand verschlossen, (bis 1988).</p>
<p>Aus den Aktionen am »Griebigen Stein« ging die Gründung der HöhlenInteressen-Gemeinschaft Oberkochen, jetzt Ostalb, (Höhlen InGO) hervor.</p>
<p>D.B. aus: Ostalb-Einhorn, Heft 26 Juni 1980</p>
<h2>Die Brunnenhöhle</h2>
<h3>Vom Fuchsbau zur längsten Höhle des Ostalbkreises</h3>
<p>Nur wenige hundert Meter vom Oberkochener Zeisswerk entfernt befindet sich die Brunnenhöhle, die im Herbst 1979 aufgrund einer weiteren Neuentdeckung zur längsten und wohl auch prachtvollsten Höhle des Ostalbkreises »heranwuchs«. 1967 bemerkte man in einem Felsen im Wald der Brunnenhalde einen merkwürdigen Fuchsbau, der von seiner Anlage her auf einen Höhleneingang deutete. Es formierte sich bald eine siebenköpfige Mannschaft junger Zeiss Mitarbeiter, die in der Brunnenhalde wohnten und in ihrer abendlichen Freizeit die Erforschung des seltsamen Felseinganges vornahmen.</p>
<p>Nach zum Teil recht mühsamen Grabungen im Eingangsbereich gelangte man schlagartig in einen ca. 20 m langen Höhlengang. Hier verzweigte sich das Hohlraumsystem, und weitere, mit Einschwemmlehm erfüllte Gangstrecken konnten in schwierigen Grabarbeiten erkundet werden. Der Aufwand sollte sich lohnen: ein Durchbruch verlängerte die Höhle auf 85 m Hauptgangstrecke. Die Höhlengänge und ‑hallen erlaubten nun überwiegend ein aufrechtes Gehen, an einigen Stellen erreicht die Ganghöhe sogar 7 m. 1977 und 1978 wurden die weiteren Erkundungsarbeiten einer Stuttgarter Höhlenforschergemeinschaft übertragen, welche die Höhle bis auf eine Länge von 123 m aufschloß. Man entdeckte in den entfernten Höhlenteilen einen kleinen Höhlenbach und zwei prachtvolle Höhlenseen mit sehr reichen Tropfsteinvorkommen. Im Herbst 79 untersuchten Oberkochener Schüler und Erwachsene die Höhle auf ihre Fortsetzungsmöglichkeiten, wobei ein bedeutender Seitengang entdeckt wurde. Die Gangstrecken der Brunnenhöhle sind durch einen ehemaligen größeren Höhlenbach geschaffen worden, der die Klüfte in den dicken Weißjura-delta-Kalkbänken korrosiv aufweitete. An den Kluftkreuzen konnten Hallen und hohe Kamine entstehen, letztere mit zum Teil sehr formenreichem, flächenhaftem Wandsinter.</p>
<p>Der Haupthöhlengang weist mehrere Strömungsmarken und ‑kolke auf, an zwei Stellen teilt er sich in einen Ober- und einen Untergang. Die Höhlenwände sind in den vorderen Höhlenabschnitten teilweise sehr bizarr und scharfkantig auskorrodiert, während in den berginneren Bereichen öfters starke, meist noch aktive Übersinterungen im Gange sind. Eine Besonderheit stellen hier auch lehmanteilige Sinterbahnen dar, die einmalige farbliche Wandtropfsteineffekte hervorrufen.</p>
<p>Die Gesamtlänge der Höhle beträgt zur Zeit 145 m, sie ist damit die längste Höhle des Landkreises und mit ihren reichen Sinter- und Tropfsteinvorkommen eine der prachtvollsten der gesamten Ostalb. Die Brunnenhöhle ist inzwischen Naturdenkmal; zwei »teuflische« Engstellen in der Höhle und ein Tor schützen sie vor unerlaubten Besuchern. Die Höhlen-InGO, der auch Mitglieder der Brunnenhöhlen-Erkundungsmannschaft angehören, wird jedoch weitere Forschungen in der Höhle vornehmen, zumal das Gesamthöhlensystem eine Länge von über 200 Metern erwarten läßt. Da in der Brunnenhöhle der Höhlenbach in ca. 20 m tiefen Kluftspalten verschwindet, ist auch unter dem bekannten Höhlenverlauf ein weiteres Hohlraumsystem zu vermuten. Im Niveau dieses unteren, nicht bekannten Höhlensystems, befinden sich am Berghang eine kleine Quelle, sowie zwei größere Quelltuffvorkommen, die sich kegelartig vor der Quelle durch Absetzen des im Höhlensystem gelösten Kalkes aufbauen konnten. Die Größe dieser Ausfüllungskalk-Vorkommen lassen sogar ein beträchtliches unterirdisches System erwarten.</p>
<p><em>Dr. Hans-Joachim Bayer aus: Ostalb-Einhorn, Heft 26. Juni 1980</em></p>
<p style="text-align: right;"><strong><em>Dietrich Bantel</em></strong></p></div>
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			</item>
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		<title>Zur Geologie des Oberkochener Raumes</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/zur-geologie-des-oberkochener-raumes/</link>
		
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		<pubDate>Tue, 21 May 2024 11:59:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Heimatbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Landschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Seite 268-282 (Hans-Joachim Bayer)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="et_pb_section et_pb_section_6 beitrag-inner-container et_section_regular">
				
				
				
				
				
				
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				<div class="et_pb_text_inner"><h2>Geologische Übersicht</h2>
<p>Die Schwäbische Alb ist nur ein Teil der großflächigen süddeutschen Schichtstufenlandschaft. Die Schichtstufen selbst sind die Erosions- (Ablagerungs-) Ränder einer Gesteinsabteilung, sie gliedern als Bergrandketten mit dahinter-liegenden tafelförmigen Vererbnungsflächen die Landschaft zwischen Donau und Main. Eine Schichtstufe davon ist der Albtrauf bei Aalen (Teußenberg, Aalbäumle, Braunenberg). Er wird hier noch zusätzlich von einer größeren Störungszogen, dem »Schwäbischen Lineament«, einem mehrfachen Schichtenverwurf, betont. Eine Seitenverwerfung davon reicht hinter den Volkmarsberg bis ins »Heiligenhau und zum Bülz«. Oberkochen liegt in einem Durchbruchstal, das die Albtafel generell nord-südwärts durchschneidet, wobei die Traufkanten als Talflanken in den Albkörper hineingezogen werden. In unserem Gebiet haben wir — einmal abgesehen von den beiden naheliegenden Besonderheiten, dem Steinheimer Becken und dem Nördlinger Ries, die als Meteoriten-Impakt-Krater entstanden, Gesteinstrümmer‑, Auswurfmassen und spätere Seesedimente aufweisen — den Jura anstehen, mit vor 195–135 Mill. Jahren ausschließlich im Meer gebildeten Sedimenten (Gesteinsablagerungen). Er gliedert sich in den Schwarzen Jura (Lias, im Albvorland anstehend, in den Braunen Jura (Dogger), welcher am Geologischen Pfad in Aalen sehr schön zu studieren ist, und in den Weißen Jura (Malm), den wir in Oberkochen haben. Quenstedt untergliederte diese nach dem farblichen Erscheinungsbild getroffene Unterteilung noch in jeweils sechs Untereinheiten, die er mit den griechischen Buchstaben alpha, beta,… und zeta benannte und die durch bestimmte Leitfossilien (= Leitversteinerungen) markiert sind. Diese Einteilung, die später noch verfeinert wurde (Indexzahlen hinter den griech. Buchstaben), war über ein Jahrhundert in Württemberg gültig und wird heute noch neben der internationalen verwendet. Die in Oberkochen antreffbaren Gesteinseinheiten reichen demgemäß vom Malm alpha bis zum Malm zeta.</p>
<h2>Vorstellung einer geologischen Karte von Oberkochen</h2>
<p>Die geologische Karte von Oberkochen (vgl.Abb.), im wesentlichen auf der Kartierung von Martin Beurer 1959/60 basierend, zeigt die Schichtgrenzen (dünne schwarze durchgehende Linien) zwischen den einzelnen, von Quenstedt gegliederten Zonen. Manchmal paust sich der geologische Unterbau sogar durch einen Vegetationswechsel oder einen Geländeknick durch. Die verschiedenen Schichtzonen und die Bereiche jüngerer Überdeckungen werden auf der Karte durch zugeordnete Buchstaben- (und Zahlen-) Symbole markiert. Die Überbauungsbereiche wurden mit einem Punktraster darüber ausgehalten, die Störung (Vertikalverwurf der Schichten) im »Finstertal« ist durch eine etwas breiter geführte Linie angedeutet. Es handelt sich hierbei um eine kleine Seitenverwerfung der großen Verwerfungszone des »Schwäbischen Lineaments«. ws zeigt die Europäische Wasserscheide an, die die rheinischen Zuflüsse (z.B. Kocher) von den danubischen (zur Donau gewandten, z.B. Brenz), trennt. Sie durchläuft etwa im Bereich nördlich des Seegartenhofes durch das Kocher-Brenz-Tal. af steht für neuzeitliche Auffüllungsflächen, insbesondere mit Bauschutt, die zum überwiegenden Teil schon wieder bepflanzt wurden. Diese Flächen, die also kein »anstehendes Gestein« repräsentieren, wurden mit einer gekreuzten Doppelschraffur versehen. h (Holozän) symbolisiert Talauen mit mächtigem Auenlehm, wie er in den Niederungen in typischer Weise verbreitet ist. hj bedeutet Talauen und Bergflanken, zumeist in den unteren Hangpartien, mit nicht gerundetem Schutt, also dem eigenen Berghangschutt. Die Kantigkeit dieses Kalksteinschuttes soll durch die Spitzwinkelsymbole angedeutet werden. Eine sehr langgezogene Hangschutterasse innerhalb des Stadtgebietes ist der »Bühl« der an seinen Flanken von den Talauen des Gutenbaches und des Katzenbaches begleitet wird. ql bezeichnet die überall auf Albuch und Härtsfeld vertretenen Feuerstein- (Kieselknollen-)lehme der Hochflächen (Quartärlehme), welche in ihren Unterschichten sogar jungtertiären Alters sind. Die Feuersteine (Flinte) sind SiO2- Sammelkonkretionen der ehemals kieseligen Schwammbauten des Malm delta, epsilon, zeta 1, die besonders während der Eiszeiten durch forcierte Verwitterungsbildung aufgrund ihrer Härte erhalten blieben und in die Lehme übergingen. qlt sind die von den Hochflächenverwitterungslehmen stammenden, abgeschwemmten und damit an Feuersteinen »verarmten« Lehme, die sich heute als Trockentaleinfüllungen der Seitentäler mit ihren typischen Schwemmfächern im Zumündungsbereich zum Haupttal präsentieren. Zwischen Talauenböden und Schwemmlehmböden bestehen natürlich beträchtliche Qualitäts- sprich Fertilitätsunterschiede. Schwemmlehm, der auch natürliche Kalksplittanteile enthält, war zuletzt bei Verbreiterungs- und Kanalisationsarbeiten in der Dreißentalstraße (Höhe Schulhaus) offengelegt worden, Auenlehm war sehr deutlich bei Regulierungsarbeiten des Gutenbaches im Wolfertstal einsehbar. Die verbleibenden Signaturen kennzeichnen die bei uns landschaftsaufbauende Schichtenfolge des Weißen Juras vom alpha (ox 1, unter dünnen Hangschuttdecken vorhanden) bis zum zeta 1 (ti) sowie der Massenkalke bzw. ‑dolomite (wmk). Beta (ox 2) bis epsilon (ki 3) lagern fast durchweg unter einem Kalkverwitterungsboden, zeta 1, (ti) und wmk ragen an etlichen Stellen frei als Hangfelsen heraus (Rodstein, Tierstein etc.). Diese Schichtenfolge verdient eine ausführliche Beschreibung.</p>
<h2>Die Stratigraphie (Schichtenfolge)</h2>
<p>ox 1 (Oxfordium 1 = Malm alpha = Untere Weißjuramergel = Cardioceratenschichten)</p>
<p>Die transversarium-Schichten (alpha 1 oder Unter-alpha) sind im Markungsgebiet Oberkochens nirgendwo — auch nicht unter Hangschutt — anstehend. Auch alpha 2, die impressa-Mergel, sind nicht oberflächlich, sprich unter einer Vegetationsdecke, anstehend, sondern werden von Hangschuttmassen »überkleidet«. In Neubaugebieten oberhalb der Langertstraße konnten in Baugruben diese grauen Mergel mit ihren dazwischenliegenden Kalkbänken aufgeschlossen werden. In Aalen, nördlich der Triumphstadt, wurden neue Waldstraßen gebaut, die auf die Hochfläche führen. Hier haben wir den seit langem besten Anschnitt durch die gesamte Untere Weißjurafolge und damit auch ein komplettes alpha 2‑Profil. M. Beurer beschreibt die Mergel und Kalkmergel als hell- bis dunkelgrau, weißgrau, als ausbleichend verwitternd, bröckelig stückig, z.T. blättrig. Kalkbänke und Mergelkalkbänke, die im unteren alpha 2‑Bereich ca. 15–20 cm dick und ebenfalls hell- bis dunkelgrau sind, werden nach oben hin häufiger und bis zu 40 cm stark; sie werden hellgrau und glatt brechend wie die überlagernden beta-Kalke. Die oberste und abschließende Mergellage (Fukoidenmergel) kann manchmal etwas »geflammt« aussehen. Es handelt sich um die hechingensis-Zone. Auch Pyritkonkretionen, die meist zu Rostmulm verwittern, treten auf. Bestimmende Fossilien sind der Ammonit Cardioceras alternans, weiterhin Perisphincten und Hiboliten bei den Belemniten (»Donnerkeilen«). Benannt wurden die Mergel nach dem Brachiopoden (Armkiemer) Aulacothyris impressa</p>
<p>ox 2 (Oxfordium 2 = Malm beta = Untere Weißjurakalke = Wohlgeschichtete Bankkalke = Idoceraten-Schichten)</p>
<p>Die harten beta-Kalke treten oftmals schon durch eine Geländeversteilung heraus. An ihrer Obergrenze hin haben wir einen Geländeknick zum Flacheren hin, so besonders am Tiersteinhang kurz oberhalb des Gymnasiums. Die ersten Bausteine gewann man von den bloßen Wänden der Erdfälle im Malm beta, später entwickelten sich daraus Steinbrüche. Den schönsten Einblick bietet der große Berganschnitt hinter der Fa. CARL ZEISS am Optischen Museum in die wie gemauert aufeinanderliegenden, gleichmächtigen Kalkbänke, welche nur von dünnen Mergelfugen getrennt werden. M. Beurer charakterisiert sie als bläulich-graue Kalkbänke, die hellgrau verwittern, glatt und scharfkantig sind und splittrig brechen. Im Unter- und Mittel-beta sind sie 40–50 cm, manchmal 80–90 cm stark, zum Oberen beta hin nehmen sie etwas ab und sind nur noch 20–35 cm »dick«.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="385" height="714" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/hm-buch-s271.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11767"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Die Mergelzwischenlagen können zwischen einem und 10 cm schwanken. Zu Brauneisen gewordene ehem. Pyritkonkretionen sind auch hier nicht unselten. Die Gesamtmächtigkeit dieser auch sehr höhlenreichen Gesteinsserie liegt bei 22 m, wobei etwa 5 m auf den dünnbankigen Ober-beta entfallen. Frühlingsenzian, wie z.B. am hinteren Schafhof im Wolfertstal, wächst bevorzugt auf Malm-beta. Namengebend für diese Schicht ist der Ammonit Idoceras planula (HEHL). Weiterhin können gefunden werden: Taramelliceras costatum, Perisphinctes tiziani und polygyratus sowie der Belemnit Hibolites hastatus. ox 2 ist wie auch ki 2 auf der Karte durch dunkle Tönung unterlegt.</p>
<p>ki 1 (Kimmeridgium 1 = Malm gamma = Mittlere Weißjuramergel = Aptychenmergel = Ataxioceraten-Schichten; auf der Karte mit dünnstrichiger Signatur)</p>
<p>Der Malm gamma zeigt in sich solche Differenzen, daß er bis in 6 Untereinheiten gegliedert werden kann. Den schönsten Aufschluß über den gesamten gamma mit seinen 37 m Schichtmächtigkeit konnte man beim Bau der Heidestraße von oberhalb der ersten Kehre bis in die 2. Kehre hinein betrachten. Heute schauen die zwischen den Mergeln eingeschalteten Kalkbänke nur noch spärlich aus der Böschungsvegetation heraus. Am Tiersteinhang, an dem durch den Waldrand führenden Rundweg, findet man auch öfter die »Lieblingspflanze« des gamma, nämlich die Küchenschelle. Die Aptychenmergel beginnen als gamma 1 mit einer auf wenigen cm Mergeln ruhenden ammonitenreichen Mergelkalk- bis Kalkbank, die viele unregelmäßig eingebettete Ammonitenbruchstücke enthält. »Darüber folgt«, so beschreibt es M. Beurer, »eine eintönige Mergel- bis Kalkmergelfolge, die von einigen Mergelkalk (= Kalk mit 5–25% Ton) und Kalkbänken gegliedert ist, und den unteren bis mittleren Weißjura gamma repräsentiert. Bei der Verwitterung bleicht das, im frischen Zustand dunkelgraue Material aus und zeigt häufig Rost- und Manganflecken und ‑beschläge. Die Mergelkalke lösen sich in laibsteinförmige , mürbe, schalig brechende Einzelstücke auf.« Gamma 4 ist ein 3 m starker Kalkkomplex mit 10–15 cm hohen Kalkbänken und feinen Mergelfugen. In gamma 5 überwiegt wieder der Mergel, der von dickbankigen, bei der Verwitterung plattig werdenden Kalkbänken (gamma 6) mit geringen Mergelzwischenlagen abgelöst wird. Eine untere Bank-Folge hiervon enthält den auch in Oberkochen findbaren Ammonit Idoceras balderum (OPPEL). Diese balderum-Bänke können an der Böschung des neuen Waldweges zum Langertstein gesehen werden.</p>
<p>Bankkalke des ki 2 (Kimmeridgium 2 = Malm delta = Untere Felsenkalke = Quaderkalke = Aulacostephanenschichten)</p>
<p>Diese, wie es der Name schon ausdrückt, quaderförmigen Kalke, die etwa 70 m bei uns mächtig werden und durch ihre vielen Höhlen (z.B. Brunnenhöhle) und Steinbrüche (Straßenbaumaterial) bekannt sind, haben wir in ihren unteren Partien noch im ehem. Steinbruch am Hang des Teußenberges, jedoch, wenn auch so nicht deutlich, dafür doch das ganze Schichtpaket umfassend, an der Fahrstraße zum Volkmarsberg aufgeschlossen. Schon kurz oberhalb des Wanderparkplatzes gelangt man in den delta 1 und bis beinahe zur TVO-Skihütte (ehem. Holzehans) durchwandert man den schichtigen delta; danach setzt die »Schwammfazies« ein. Waldbingelkraut, stinkende Nieswurz und Türkenbund sind Pflanzen, die den delta begleiten. Überall auf der Alb gelang es, den delta noch in 4 Subeinheiten aufgrund durchgehender Merkmale zu gliedern: delta 1 zeigt 30 cm hohe, deutlich grau gefärbte Kalksteinbänke mit cm-mächtigen Mergelfugen. Es treten auch kleinere Pyritknollen auf (Rostbeschläge durch Verwitterung), ansonsten ist der Pyrit (FeS2) hier feindispers im Kalk verteilt und bewirkt die Dunkelfärbung. Letzteres gilt auch für den delta 2, dessen 10 cm Kalkbänke von noch dickeren Mergelzonen getrennt werden.</p>
<p>Kennzeichnend sind Kalkknollen und durch Verwitterung stark hervorspringende Platten und Leisten. Leitammonit des Unter-Delta ist Aulacostephanus mutabilis. Der Mittel-Delta oder delta 3 weist 0,50–1,20, ja sogar 1,50 m Höhe erlangende Bänke auf, die durch orthogonale Risse und Spalten in bis zu 3 m messende Quader aufgeteilt sind. Die Mergelfugen sind gering oder fehlen ganz. Den Abschluß des delta 3 (Leitammonit: Aulacostephanus eudoxus) bildet eine grünlich-graue Glaukonitbank (Glaukonit = wasserhaltiges Aluminiumsilikat mit Eisen und Magnesium). Hier liegt zugleich auch meist der Übergang vom geschichteten Gesteinsaufbau zum verschwammten (Massenkalke, wmk).</p>
<h2>Massenkalke des ki 2 (Malm delta)</h2>
<p>Diese Kalke entstanden im Gegensatz zu den normal im Meer chemisch ausgefällten Kalken als Aufbaumaterial riffbildender Schwämme; diese Riffe waren genau gleichen Typs, wie wir sie heute aus den Meeren als Schwamm- und/oder Korallenriffe kennen. Auch die darüberliegenden Folgen des epsilon und zeta 1 sind zumeist als Massenkalke ausgebildet. Durch eine Magnesiumzufuhr (aus dem Meerwasser) wurden sie oft kurz nach ihrer Bildung schon dolomitisiert, d.h. Magnesium wurde in den Kalk eingebaut oder hat sogar Calcium ersetzt. Die Schwammriffe wuchsen schneller als sich der normale schichtige Kalk ablagern konnte. So kommt es, daß sich für zur gleichen Zeit entstandene Gesteine verschiedene Mächtigkeiten und verschiedener Habitus zeigen. Eine zeitliche Korrelation gelingt daher nicht in jedem Falle. Fast alle Gesteine der oberen Bergpartien und der Hochflächen, auch unter den Feuersteinlehmflächen, sind im Oberkochener Raum Massenkalke. Geschichteter delta 4 konnte hier bei uns nirgendwo gefunden werden.</p>
<p>Bankkalke des ki 3 (Kimmeridgium 3 = Malm epsilon = Obere Felsenkalke) Nur im Bereich des östlichen Büchle konnte diese ca. 35 m mächtige Schichtenfolge mit ihren 10–40 cm starken, kremfarbenbraunen, meist jedoch hell- bis weißgrauen, chemisch sehr reinen, feinkristallinen und leicht rauh brechenden Kalke in schichtiger »Normal«-Ausbildung angetroffen werden. Ihre Mergelfugen sind gering, meist fehlen sie sogar und kennzeichnend sind ihre zahlreichen, meist den Schichtfugen einsitzenden, Kiesel- (Feuerstein-)knollen. Die ungeschichtete, »schwammige« Ausbildung gibt sich als grobkristalliner, zuckerkörniger Lochfels von bräunlich bis dunkelgrauer Farbe. Oft trennen durchgehende Vertikalklüfte den Massenkalk bzw. ‑dolomit.</p>
<p>Bankkalke des ti (Tithonium 1,1 = Malm zeta 1 = Liegende Bankkalke = ulmensis-Schichten)</p>
<p>Der Rodsteinfelsen und der sichtbare Fels am Einstiegstrichter des Wollenloches sind hierfür als Betrachtungspunkte zu nennen. Weitere Vorkommen gibt es hier aber nicht. »zeta 1 sind hell- bis dunkelgraue, feinkristallin-körnige, in Platten verwitternde, etwa 20–35 cm mächtige Kalkbänke«. M. Beurer berichtet auch, daß sie »stellenweise sichtbar durch geringmächtige Mergelfugen getrennt sind und nur selten Kieselknollen führen. Nach oben werden die Kalke toniger, gelblich und besitzen helle Verwitterungsränder und ‑flecken. Die Mergelfugen verschwinden weitgehend, Mergelhäutchen, z.T. auch nur Druckfugen, trennen die einzelnen Bänke.«</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="709" height="961" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/hm-buch-s274.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11768"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Massenkalke des ki 3 und ti (wmk)</p>
<p>Viel stärker als die schon genannten Massenkalke des oberen ki 2 sind die Massenkalke des Malm epsilon und zeta 1 für unsere Berglandschaft gestaltend. Nahezu alle wichtigen Hangfelsen um Oberkochen sowie die Hochflächenbereiche und ‑kuppen unserer Oberkochener Alb werden von solchen Massenkalken eingenommen (z.B. Heidehochfläche, Volkmarsbergkuppe, Brunnenebene, Rotebene, usw.). Massenkalke des oberen Malm sind meist »massiger«, d.h. mächtiger und derber als jene des Malm delta. Auch die ehemaligen Meeresschwammriffe, aus denen sie hervorgegangen sind, waren mächtiger, komplexer und flächenhafter; z.T. bezeugen Schwammumien noch die ehemals so bedeutenden Riffbildner. Massenkalkfelsen haben aufgrund ihrer eigenwilligen Verwitterung oft ungeometrische, interessant bizarre Formen, so daß sich um manchen Felsen nicht umsonst mehrfache Sagen ranken.</p>
<h2>Die Böden</h2>
<p>Böden sind das Verwitterungsprodukt ihres geologischen Untergrundes, es besteht also eine Relation zwischen der humosen Oberschicht und dem direkt unterlagerndem Gesteinsmaterial. Die »Karte der gesteinsabhängigen Bodengruppen in der Region Ostwürttemberg, 1:200 000«, herausgegeben vom hiesigen Regionalverband (Sitz: Schwäbisch Gmünd) unterscheidet für diese Gemarkung im wesentlichen drei Bodengruppen:</p>
<ol>
<li>Die Talauen mit ihren mächtigen Auenlehmen</li>
<li>Die steinigen Kalkverwitterungslehme, teils mit Schlufflehmüberdeckungen, die den verkarsteten Kalksteinkörper des Weißjura überziehen</li>
<li>Die Feuersteinhochflächenlehme. Es handelt sich hierbei um schwer durchlässige tonig-schluffige Lehme mit einsitzenden Feuersteingeoden</li>
</ol>
<p>Die Talauen, die holozänen, d.h. geologisch jüngsten Alters (auf der Karte mit »h« bezeichnet), »führen«, so charakterisiert es M. BEURER, »durchweg Weißjura-Kalksteinschutt und Feuersteinmaterial, wobei die lehmige Komponente jedoch stark überwiegt«. Weiterhin mögen zu dieser Bodengruppe auch die anmoorigen Böden gerechnet werden. Es sind dies »humusreiche, z.T. etwas torfige Oberböden«, die einen »staunässe-beeinflußten, rostfleckigen, dichten, hellgrauen Ton« überlagern. Solche Bodenhorizonte fand man früher im Bereich zwischen der Kreuzmühle und der Stefansweiler Mühle. Inzwischen erfolgte hier jedoch weitestgehend eine Bauschuttüberfüllung. Im Gebiet bei dem Seegartenhof, in den »Seewiesen« ist dies größtenteils noch nicht geschehen und durch den Einschnitt des Ziegelbaches ist sehr schön die fast schwarze Erdfarbe zu erkennen. Schon erwähnt wurden die pleistozänen (eiszeitlichen) Hangschuttmassen der unteren Talflanken, die zumeist lehmdurchsetzt sind, und die Trockentalfüllungen (qtl), die ebenfalls noch der Talbodengruppe angehören. Die Trockentalfüllungen sind kalksplittführende abgeschwemmte Lehme der Hochflächen. Zwischen ihnen und den Auenlehmen am Kocher bestehen deutliche Qualitätsunterschiede, die allein z.B. schon von der Durchfeuchtung herrühren (Grundwassersituation!).</p>
<p>Die steinigen Kalkverwitterungslehme (Terra fusca) sind ortsfest entstandene, relativ kalkreiche Lehme der Hangkanten und der anschließenden Flachhänge. Auf den Hochflächen sind sie besonders auf den Liegenden Bankkalken (zeta 1) anzutreffen. An den fast ausschließlich buchenbestandenen Hängen sind diese dunkelbraunen Walderden vom Weißjura beta-epsilon bzw. auf den Massenkalken zugegen. Die Mächtigkeit ist gering; schon nach wenigen Dezimetern steht der klüftige Kalk an. An vielen neuerbauten Waldwegen (z.B. am Langert) sind diese Bodenprofile in hervorragender Weise einzusehen.</p>
<p>Die Feuersteinlehme der Hochflächen gliedern sich nach Prof. Dr. S. Müller, dem »Vater« der forstlichen Standortskartierung, in drei, auch verschieden alte Bodenuntergruppen. Die Feuersteinlehme sind nach S. MÜLLER tertiäre Reliktböden der Weißjuraverwitterung, die dann im Eiszeitalter, als hier »tundrenähnliche, vegetationslose Kältesteppen« mit Dauerfrostböden herrschten, in den kurzen Sommern, die als Tauperioden dienten: in Solifluktion (Bodenfließen) gerieten; man spricht von einer sogenannten »periglazialen Verlagerung«.</p>
<p>Die Feuerstein-Rotlehme sind sehr mächtige, wasserstauende, wahrscheinlich alttertiäre Lehme mit gelben und ziegelroten Tonen. Diese versauerten Böden sind beliebte Heidelbeerstandorte.</p>
<p>Die Feuerstein-Ockerlehme, die weite ebene Flächen einnehmen, sind durchlässig, rotbraun bis ockerfarben, in den Oberschichten schluffig, in den unteren dagegen schorfig-feinerdig. Auch sie sind tertiären Alters. Feuerstein-Schlufflehme mit ihrem scharfkantigen Feuersteinsplitt sind diluvial (eiszeitlich) transportierte Wanderschuttdecken, die oft nur geringe Schluff (= Ton — Feinstsand)-zonen als Zwischenmittel in den feuersteinscherbenreichen Horizonten enthalten sind.</p>
<h2>Zur Hydrogeologie und Tektonik</h2>
<p>An verschiedenen Stellen dieser Abhandlung wurde schon auf die Bedeutung der Kalk-Mergel-Wechselfolgen für die Wasserführung und ‑gewinnung in dieser Karstlandschaft hingewiesen. Die Schichtgrenzen zwischen Weißjura alpha und beta und Weißjura gamma und delta bezeichnet man als Sohlschichten bzw. Stauhorizonte. Das durch den klüftigen Kalk gesickerte Niederschlagswasser erreicht an den Mergeloberkanten jeweils seine Eindringgrenzen und es fließt dem Schichtengefälle entsprechend als Kluftwasser, das sich in immer größer werdenden Kluftbahnen sammelt, um an den durch Erosion gebildeten Talflanken, den An- bzw. Einschnittflächen der Albtafel, als Schichtquelle auszufließen. Im Kapitel »Quellenverhältnisse« schreibt Prof. Dr. O. Fraas in seinen Erläuterungen zum Geognostischen Atlasblatt Aalen 1871: »Den Mittelpunkt bildet der Kocher, (…), im Munde des Volkes »der Koche«. Seinen eigentlichen Ursprung nimmt der Fluß am östlichen Fuß des Albuchs in einer Bergnische, die sich das Wasser selbst im Laufe der Jahre gebildet, 498,6 Meter ü.d.Meer. Klares, durchsichtiges Wasser, durch das man auf den dunklen Grund des Flußbettes niedersieht, drückt sich zwischen herabgestürzten Felsblöcken aus Klüften des untern Beta auf der Grenze zu den Alphathonen aus der Bergwand. Die Quelle heißt der Schwarze Kocher. Hundert Schritte vom Ursprung steht ein Wohngebäude, die »Schlackenwäsche«, der Rest eines vor Zeiten hier gestandenen Hüttenwerks, das im 30jährigen Krieg einging, tausend Schritte weiter unten eine Mühle, und dann der freundliche, solid gebaute Marktflecken Oberkochen. Gleich unterhalb des Dorfes münden neue Quellen, die aus dem Wolfertsthale kommen und bei 512,4 Meter gleichfalls auf der Grenze von alpha/beta entspringen.« Die letztgenannten Quellen entspringen, wie man heute weiß, etwas höher, also noch im Beta. Die Quelle des Katzenbaches, des Ölweihers und des Baches im Weilfeld sind jedoch echte Schichtquellen. Das Eichertbrünnele im Gewann Lache, der Hubertusbrunnen im Tiefen Tal und die Brunnenquelle an der Brunnenhalde sind Schichtgrenzquellen zwischen den Aptychenmergeln (gamma) und den Quaderkalken (delta). Dieses oberste Karstwasserstockwerk war in pleistozänen Zeiten aktiv, wie es größere, nachweislich wasserdurchflossene Klufthöhlensysteme wie die Brunnenhöhle beweisen. Mit dem Tiefereinschneiden der dem Rhein zugewandten Flüsse in den nördlichen Albrandkörper wurde auch das beta-alpha Niveau angeschnitten. Die Hauptwasserführung verlagerte sich, auch aufgrund der Einzugsgebietsveränderungen, auf die tiefere Sohlschicht. So kam es, daß das obere Stockwerk nur noch einen Überlaufcharakter hat, d.h., nach starken Regenfällen kommt es aufgrund der starken Verkarstung in den Kalkschichten der oberen Zone bei einer gleichzeitigen Aufspeicherung im jüngeren, noch engklüftigen unteren Stockwerk zu einer Entlastungsinbetriebnahme des oberen Systems. Seine Quellen erhalten damit den Charakter von Hungerbrunnenquellen, die jedoch wegen ihrer geringen Kluftausflußöffnungen (da delta 1 bzw. oberster gamma!) über ein gewisses Rückspeichervermögen verfügen (keine stark schwankende Wasserführung!). Einen echten Hungerbrunnen besitzt dagegen das Wolfertstal nahe dem Lothringerkreuz; sein Ursprung liegt in den mittleren beta-Kalken. In großen Trockenzeiten bleibt er aus, da sich der Kluftwasserspiegel senkt und die Quellschüttung erfolgt dann auf einem Niveau in den unteren beta-Kalken, unweit über den Impressamergeln, d.h. auch weiter vorne im Tal.</p>
<p>Das Gebiet von Oberkochen befindet sich im Bereich des Seichten Karstes, d.h., die Sohlschichten liegen über der Vorflut, also über der Talsohle. Königsbronn gehört schon in die Zone des Tiefen Karstes, und zwar in seine »Äußere Zone«. Hier liegt die Hauptsohlschicht ein paar Meter unter der Vorflut, typisch sind dann sogenannte Quelltöpfe; es erfolgt hier ein Selbstaufstau der Quelle, um auf ein talgerechtes Abfließniveau zu kommen. Am Brenztopf wurde dieser Aufstau noch durch Menschenhand erhöht.</p>
<p>Ein ursächlicher Zusammenhang besteht zwischen den unterirdischen Wasserfließrichtungen und der Tektonik, d.h. der Bruchbeanspruchung des Gebirges. Die Entstehung und Öffnung von Klüften und Spalten des Jurafelses erfolgte nach den physikalischen Gesetzen der Gebirgsmechanik. Eine systematische Kluftanalyse kann daher auch der Erfassung der Fließwege dienen. Für den Albtrauf zwischen Heubach und Wasseralfingen, entlang einer tektonischen Großstörung, des »Schwäbischen Lineamentes«, ist dies bereits 1948 durch E. SEIBOLD erfolgt. Unser südlich daran anschließendes Gebiet wurde vom Verfasser im Jahre 1978 bearbeitet.</p>
<p>Die besten Trinkwassergewinnungsorte sind die tiefgründigen Taleinfüllungsschotter der ehem. Ur-Brenz im heutigen Kocher Brenz-Durchbruchstal. Das Tal des Kochers wurde seit der Kreidezeit, also der Zeit einer frühen Gewässernetzausbildung, von Norden nach Süden von der »Ur-Brenz«, die etwa in der Künzelsauer Gegend entsprang, durchflossen. Erst im jüngeren Tertiär, als der Rheintalgraben einbrach und der Aufstieg der Alpen erfolgte, begann das schrittweise Zurückdrängen der südwärts fließenden Gewässer durch die rheinisch gewandten, mit stärkerem Gefälle, d.h., erhöhter Abtragungskraft strömenden Zubringer. Merkmale des alten Systems sind die heute widersinnig dem Kocher zufließenden Nebenflüsse wie Lein, Bühler oder Rot; sie münden alle spitzwinkelig-antithetisch in den Kocher ein. Weiterhin kennt man aus dem Brenztal große alte Flußschlingen und Umlaufberge sowie Flußschotter- und ‑sandvorkommen der Ur-Brenz, die heute als Hochterrassenschotter (Quarzgerölle und ‑sande) auf dem Zahnberg und in/bei Ochsenberg angetroffen werden können. Vom Miozän bis ins Jung-Pleistozän wechselten aufgrund epirogener Krustenbewegungen Eintiefung und darauffolgende Zuschüttung des Ur-Brenztales einander ab. Bis heute — die Wasserscheide verlagerte sich inzwischen durch das Hereinnagen des Kochers in den Albkörper etwa auf die Höhe des Hirschburren zwischen Oberkochen und Königsbronn — geblieben sind dann die jungpleistozänen, bis 50 m mächtigen Fein- bis Grobkies und sandige Lehm- und Tonlagen enthaltenden Talfüllungen beim Seegartenhof. Das Selbstfiltervermögen dieser Taleinfüllungen ist erheblich, eine hohe und konstante Wasserspeicherung ist gegeben, so daß die Stadt Aalen seit der Erforschung durch Dr. WEIDENBACH mitten in einem schwierigen Karstgebiet über einen hervorragenden Wasserlieferanten verfügt. Die Taleinfüllungen keilen vom Seegartenhof nach Norden gesehen (zum bebauten Areal Oberkochens) hin aus. Ein weiteres gutes Wasserfördergebiet liegt im Weilfeld. Dieses wurde jedoch schon vor dem ersten Weltkrieg an die Stadt Aalen verkauft. Als Zukunftsperspektive bleibt nur zu empfehlen, wenigstens das Einzugsgebiet des Luggenlohbrunnens sorgsam zu erhalten.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h2>Die Karsterscheinungen</h2>
<p>Höhlen und Einsturztrichter über eingebrochenen Hohlräumen (= Dolinen = Erdfälle) sind im Bereich der Ostalb zahlreicher als in den Regionen der mittleren und der südwestlichen Schwäbischen Alb. So ist es nur natürlich, daß auch Oberkochener Gebiet von diesen Karsterscheinungen betroffen ist. Innerhalb der Gemarkungsgrenzen bleibt ihre Anzahl, sagen wir einmal zufälligerweise, relativ gering. Einige Dolinen gibt es im Riesenhau, im Bülz und im Gewand Saures Mahd, dafür werden wir aber umgeben von Gemeinden mit überdurchschnittlichen Erdfallanhäufungen, oft in Form von ganzen Schwärmen oder Ketten, wie in Aalen-Ebnat, Königsbronn (allein im Ortsteil Ochsenberg gibt es über 100 Dolinen!) oder im Essinger Wald. Als größter Einsturztrichter unserer Gemarkung ist jedoch unbedingt die altbekannte Borzelgrube (vgl. auch Ber. v. O. Fraas) im Gewand Borzelhalde oberhalb des Tiefentales zu nennen. Im Gegensatz zu den relativ wenig Dolinen auf Oberkochener Markung kennt man aufgrund der zahlreichen Forschungseinsätze der Höhleninteressengemeinschaft Ostalb (HöhlenINGO, Sitz: Oberkochen) inzwischen 33 Höhlenobjekte auf unserer bescheidenen Gemarkung. Die drei größten Höhlen in unseren Wäldern, das Wollenloch, die Brunnenhöhle und die Griebigensteinhöhle sind inzwischen über die Stadtgrenzen hinaus Berühmtheiten im Ostalbgebiet geworden. Die nachfolgende Aufstellung möge zunächst einmal einen Überblick über alle größeren Höhlen auf Oberkochener Markung geben:</p>
<p><strong>Höhlenname, Länge, Tiefe:</strong><br>Großes Wollenloch, 18 m, 62 m<br>Schmidtesteinhöhle, 5 m<br>Höhle im Unteren Rodstein, 8 m<br>Griebigensteinhöhle, 55 m, 16 m<br>Marswegschacht, 7 m, 18 m<br>Brunnenhaldenschacht, 5 m<br>Großes Borzelloch, 4 m, 5 m<br>Volkmarsbergschacht, ehem. 8 m<br>Kahlenbühlhöhle, 15 m, 7 m<br>Kleines Wollenloch, 11 m, 9 m<br>Brunnenhöhle, 145 m<br>Feuerknochenschacht, 8 m, 10 m<br>Ziegelhaldenhöhle, 22<br>Lohsteinhöhle, 4 m<br>Höhle im Oberen Rodstein, 5 m<br>Langertsteinhöhle, 6 m<br>Höhle in den Langertfelsen, 7 m</p>
<h2>Die Rohstoffe und nutzbaren Gesteine der Oberfläche</h2>
<p>In Oberkochen gab es früher mehrere Steinbrüche, sie liegen grundsätzlich nur im Malm beta und delta, welche Werksteine (Hausbau, Gartenmauern) und Straßenbaumaterial lieferten. Bevorzugt als Mauersteine waren die schon von Natur aus mauerartigen Kalkbänke des beta, der besonders in den Tiersteinhang-Steinbrüchen — das Naturfreundehaus steht heute mitten in einem der beiden Brüche — und dem Steinbruch am Langertbrunnen — heute Standort zweier Hochhäuser in der ersten Kehre der Heidestraße — gewonnen wurde. Besonders gut sieht man die beta-Kalke in einem Berganschnitt hinter der Fa. CARL ZEISS (Parkplätze hinter dem Optischen Museum). Auch in der Lenzhalde kann man aus beta-Kalken angelegte Steingärten bewundern. Die Steinbrüche des delta, mehr als Wegebaumaterial und Straßenschotter eingesetzt, waren noch bis vor einem Jahrzehnt in Oberkochen in Abbau.</p>
<p>Den besten Aufschluß des delta gewährte der inzwischen aufgefüllte und wiederbepflanzte Bruch der Baufirma Kolb aus Aalen, im Langteich zwischen Büchle und Kahlenbühl gelegen. Hier wurden die oberen Schichten, der delta 3 (über 3 m mächtig werdende harte Quader) und der delta 4 (hellere dickbankige Kalke mit dünnen Mergelfugen), beides getrennt durch die hier ehemals hervorragend aufgeschlossene grünlich-graue Glaukonitbank, gebrochen. Weitere Abbaue, die noch heute aufgeschlossen sind, finden wir z.B. am Waldparkplatz des Pulverturmes, in kleinen Brüchen am Hang unterhalb der Borzelgrube, unterhalb der Fuchskohlplatte, an der Ziegelhalde, in kleinen Forststeinbrüchen im Bülz und im Hagental sowie im Taleinschnitt zwischen Zwerenberg und Kahlenbühl.</p>
<p>Die heutige Steinbruchindustrie, wie wir sie in Königsbronn, Heidenheim und Großkuchen angesiedelt finden, baut zumeist in Massenkalken, die dem epsilon und zeta 1 zuzuordnen sind oder wie in Schnaitheim dem Brenztaloolith zeta 0 zugehören. Diese Kalke zeigen höhere Druckfestigkeiten bei gleichzeitiger besserer Splitteigenschaft, bedingt durch die fehlenden Bankungsfugen. Die Kalke sind teilweise so hochrein, daß eine Firma es schon erwogen hat, einen Bruch zu eröffnen, der nur für die chemische Industrie Kalk liefern soll. Das heutige Fördergut der Firmen umfaßt überwiegend Schotter und Splitte aller Sorten. Wir finden es am anschaulichsten in den neuerbauten Waldwegen rings um Oberkochen wieder, auf der Hochfläche sogar auf und neben Gesteinen, deren stratigraphische und technische Eigenschaften oft völlig identisch sind. Die Massenkalke, die zumeist auf halber Höhe unserer Berghänge, unmittelbar auf dem Malm delta, einsetzen und auf der Hochfläche oftmals von einer Feuersteinlehmdecke überdeckt sind (Einsetzen der Fichtenwaldbestände), enthalten dolomitische Anteile, die an einigen Stellen so weit reichen, daß sie schon fast reinen Dolomit darstellen. Zum Beispiel die Kuppe des Volkmarsberges ist ein großes Dolomitareal. Dolomit, chemisch gesehen ein Calcium-Magnesium-Doppelkarbonat [CaMg(CO3)2], mit 21,7% Magnesiumoxidgehalt, unterscheidet sich von Kalk durch seine Graufarbigkeit, durch seine rundlichen Verwitterungsformen, seine Feinkristallinität und durch seinen »sandigen« Verwitterungszerfall.</p>
<p>Dolomit hat schon eine lange Verwendung als Feuerfestbaustein; diesen benutzt man zur Hochofen- und Drehrohrofenauskleidung. Weiterhin ist er als Zuschlagstoff in der Metallurgie bekannt. Gerade in den letzten Jahren mit der Hochentwicklung der Leichtmetalltechnik (Aluminium, Magnesium, Titan), primär für die Flugzeug- und Weltraumindustrie, setzte auch eine enorme Nachfrage nach Magnesiummetall ein.</p>
<p>Ein weiterer wichtiger Rohstoff unserer Region ist der Mergel, mineralogisch betrachtet ein Kalk-Ton-Gemisch. Der weiße Jura enthält drei große Zonen (Stufen), die zum überwiegenden Teil nur aus Mergeln bestehen, ab und zu sind sie von Kalkbänken unterbrochen.</p>
<p>Die Impressa- und Aptychenmergel können wir ständig in offenen Baugruben im Stadtgebiet aufgeschlossen finden, am schönsten sah man die Impressamergel im Baugraben der Heidewasserleitung am Steilhang oberhalb der Kreuzmühle, während man die Aptychenmergel im Graben am flachen Tiersteinhang unterhalb der Steilkante des Buchenwaldes besichtigen konnte. Diese Mergel haben bei uns eine hervorragende Bedeutung als Wasserstauhorizonte (dies merkt man spätestens beim Betreten einer solchen Baugrube kurz nach dem Regen); ohne diese Stauzonen an den Grenzbereichen Kalk/Mergel hätten wir wahrscheinlich gar keine oberflächlichen Quellaustritte in unserem Durchbruchstal. Alpha- und gamma-Mergel würden sich auch zur Zementherstellung eignen. Ihre bergbauliche Gewinnung bereitet jedoch (Gott sei Dank!) solche Schwierigkeiten — die überlagernden mächtigen Deckschichten müßten erst abgeräumt werden — daß eine Produktion daraus nicht in Betracht kommt, zumal es noch die Oberen Weißjuramergel in der Nähe gibt. Die Schichtenfolge auf Oberkochener Gemarkung erreicht nur den Malm zeta 1, ab Heidenheim nach Süden zu haben wir die zeta 2‑Mergel anstehen, die seit langem für die Zementproduktion Verwendung finden. Erinnert sei hierbei an den großen Abbaubetrieb in Heidenheim-Mergelstetten. Der zeta 2 hat dort eine Gesamt»dicke« von 120 m; er gliedert sich in ein unteres und ein oberes Mergellager, beide sind zusammen hier 65 m mächtig, die Zwischenkalke werden mitabgebaut. Da die Deckschicht gering ist und die zeta 2‑Mächtigkeit überdurchschnittlich, ist hier ein Abbau sinnvoll.</p>
<h3><strong><em>Weiterführende Literatur:</em></strong></h3>
<p>BAYER, H.-J. (1982): Bruchtektonische Bestandsaufnahme der Schwäbischen Ostalb (Geländeuntersuchungen, Luftbild- und Satellitenbildauswertungen). —Diss. Techn. Universität Clausthal: 235 S., Clausthal-Zellerfeld.</p>
<p>BEURER, M. (1963): Die Geologie des Blattes Oberkochen (Nr. 7226) 1:25 000<br>(Ostalb). — Arb. Geol.-Paläont. Inst. TH Stuttgart, N.F. 36: 123 S., Stuttgart.</p>
<p>ETZOLD, A. u.a. (1980): Geologische Karte von Baden-Württemberg 1:25 000,<br>Erläuterungen zu Blatt 7126 Aalen. — Geol. Landesamt Bad.-Württ.: 234 S., Stuttgart.</p>
<p>SEIBOLD, E. (1950): Der Bau des Deckgebirges im oberen Rems-Kocher-Jagst-Gebiet. — N.Jb. Geol. Paläont. Abh., 92: S. 243–366, Stuttgart.</p>
<p style="text-align: right;"><strong><em>Hans-Joachim Bayer</em></strong></p></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Grenzsteine — Zeugen der Vergangenheit</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/grenzsteine-zeugen-der-vergangenheit/</link>
		
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		<pubDate>Tue, 21 May 2024 10:26:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Landschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Seite 260-267 (Karl Schurr)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="et_pb_section et_pb_section_7 beitrag-inner-container et_section_regular">
				
				
				
				
				
				
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Die großen Wälder rund um Oberkochen enthalten einen besonderen Schatz und zahlreiche Kleinode, von denen hier nur mit aller Zurückhaltung berichtet werden soll.</p>
<p>Es sind dies die zahlreichen, meist sehr kunstvoll und bildhaft gestalteten Grenzsteine, die im Schutz der Wälder auf unsere Tage überkommen sind und hoffentlich auch noch recht lange der Nachwelt erhalten bleiben.</p>
<p>Viele dieser Steine sind allein schon wegen der meisterhaften Steinmetzarbeit besonders wertvoll.</p>
<p>Was sie unersetzlich macht, ist die historische Bedeutung, sind sie doch steinerne Zeugen der Besitzverhältnisse und politischen Zustände früherer Jahrhunderte.</p>
<p>Als Gemarkungs- und Besitzgrenzen sind sie noch heute von wichtiger rechtlicher Bedeutung. Sie umgürten gewissermaßen das Hoheitsgebiet von Oberkochen. Innerhalb der Gemarkung bezeichnen sie noch heute geltende Grenzen zwischen verschiedenen Besitzern. Wenn durch Tausch oder Kauf eine Arrondierung eingetreten ist, sollen in den Wäldern die Steine erhalten bleiben, denn sie sind ein Dokument früherer Besitzverhältnisse.</p>
<p>Neben den zahlreichen Grenzsteinen treten die wenigen Gedenksteine innerhalb der Gemarkung völlig zurück, sie sind alle neueren Datums und zwar historisch interessant, aber selten künstlerisch wertvoll.</p>
<p>Umrunden wir die Gemarkungsgrenze Oberkochens im Uhrzeigersinn von Nordost über Süden, Westen und Norden, so folgen wir zunächst über dem Stefansweiler der gemeinsamen Markungsgrenze mit Unterkochen.</p>
<p>Die Grenzsteine dort zeigen auf beiden Seiten zunächst die symbolische Pflugschar — das Zeichen der Bauernschaft. Hier grenzen die Realgenossenschaften von Unterkochen und Oberkochen aneinander. Manchmal sind UK oder OK, meist in ungelenken Schriftzügen, in die harten Weißjurasteine eingemeißelt.</p>
<p>Entlang des Zwerenbergs zieht sich die Markungsgrenze zwischen Staatswald und Realgenossenschaft Oberkochen hin. Der Staatswald war früher im Besitz der Ellwanger Fürstprobstei. Die Grenzsteine tragen deshalb auf Unterkochener Seite noch die Mitra des Fürstprobstes. Manchmal ist nach 1806 eine Hirschstange nachträglich eingemeißelt worden, als das Württ. Königreich Rechtsnachfolger der Fürstpröbste wurde.</p>
<p>Ein sehr schöner Stein steht im Sauteich am Zusammenstoß der Unterkochener, Ebnater und Oberkochener Gemarkung.</p>
<p>Hier grenzte früher Ellwanger Besitz an Neresheimer Klosterwald und an Oberkochener Realwald. Dem entsprechend ist der dreiseitige Stein gestaltet. (Abb. 1–3)</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="714" height="380" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/hm-buch-s261-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11757"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Da die Neresheimer Waldungen 1803 an den Fürsten Thurn und Taxis säkularisiert wurden, ist über den Abtstab von 1708 ein F T gemeißelt worden.<br>Die Ebnater bleiben nur ein kurzes Stück Gemarkungsnachbarn bis zum südlichen Mittelrain, dort wird bereits die Gemarkung Königsbronn erreicht. Hier taucht zum erstenmal auf den Steinen das württ. Wappen mit den Hirschstangen auf.</p>
<p>Einzelne Steine tragen auf der Rückseite ein schlichtes N oder einen sehr plastisch gestalteten Reichsadler. (Abb. 4 + 5)</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_28 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="714" height="389" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/hm-buch-s261-2.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11758"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_35 artikel-content top-push  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Dies erklärt sich daher, daß der Wald auf Ebnater Markung bis 1806 der Stadt Nördlingen gehörte, ehe er durch Kauf württ. Staatswald wurde.</p>
<p>Streckenweise grenzte der Nördlinger Stadtwald auch an Neresheimer Klosterbesitz. Als dieser 1803 taxisch wurde, erhielten die Grenzsteine das F T. Der württ. Staat änderte die Steine nicht, als er 1806 den reichstädtischen Wald erwarb. 1963 kam durch einen Tausch auch der taxische Wald in den Besitz des Staates. (Abb. 6+7)</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_29 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="591" height="412" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/hm-buch-s262-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11759"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_36 artikel-content top-push  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Entlang der südlichen Markungsgrenze von der Ebnater Steige über den Kahlenbühl bis zum Spitzig Fels tragen die Steine auf der Oberkochener Seite stets die Pflugschar (= Realgenossenschaftswald), auf der südlichen Königsbronner Seite wechseln sich württ. Wappen und der Abtstab des Klosters Königsbronn ab. K B ist immer wieder zu lesen. (Abb. 8 + 9 ) Hier ist der heutige Staatswald früher teils altwürtt. Kammerwald, teils kirchenräthlicher Wald des ehemal. Klosters Königsbronn gewesen. Wohl der älteste Stein weit und breit mit der Jahreszahl 1576, ein mächtiger Sandsteinblock, trägt diese beiden Besitzzeichen. (Abb. 10 + 11)</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_30 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="593" height="381" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/hm-buch-s262-2.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11760"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_31 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="612" height="385" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/hm-buch-s263-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11761"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>In diesem Gebiet finden sich auch die am besten ausgeführten und erhaltenen Grenzsteine. Sie stehen teils in Gruppen zusammen, oft an einem Platz an dem noch heute ein Loachbaum (= Grenzbaum) steht. Neresheimer und Königsbronner Klosterbesitz stoßen hier an altwürtt. Kammergut. (Abb. 12–14) Heute sind die Flächen zwar ganz in staatl. Eigentum, die Steine bilden allerdings die Kreisgrenze Heidenheim/Ostalbkreis (Abb. 15–18).</p>
<p>Vom Spitzigfels bis zum Pulverturm und über den Seegartenhof bis zum Wollenloch setzt sich die gemeinsame Grenze von Oberkochen und Königsbronn fort. Die meist gut erhaltenen Grenzsteine zeigen das bereits beschriebene Bild: Württ. Wappen, Hirschstangen oder Abtstab einerseits, die Oberkochener Pflugschar oder den Ellwanger Probsthut andererseits.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Droben auf dem Wollenberg stoßen dann Essinger, Königsbronner und Oberkochener Markung zusammen. Auf Essinger Seite wechseln Bürgerwälder und Woellwarthsche Besitzungen (Halbmond) ab. Auf Oberkochener Seite bezeugen die Steine ehemals altwürtt. bzw. fürstpröbstlich-ellwangischen Besitz (Abb. 19,20,21,22).</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="631" height="392" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/hm-buch-s265.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11764"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Die Grenznachbarn ändern sich erst wieder im nördlichen Gemarkungsgebiet auf dem Langert, wo Essinger, Aalener und Oberkochener Gemarkung zusammentreffen. Ab hier findet sich der Aal der Reichsstadt Aalen und die Oberkochener Pflugschar auf den Grenzsteinen (Abb. 23 und 24, die Steine sind heute in Oberkochen beim Römerkeller im Weilfeld aufgestellt).</p>
<p>Entlang des Kirchenwaldes Peterhau auf dem Langert taucht noch eine weitere Variante von Grenzsteinen auf: Der Peterschlüssel ziert die Seite des Waldbesitzes der katholischen Peter und Paul Kirchengemeinde Oberkochen, der Aal und ein A auf der Gegenseite zeigen an, daß er unmittelbar an Aalener Gebiet — den Stadtwald Langen — angrenzt (Abb. 25, 26).</p>
<p>An der Besitzgrenze Kirchenwald Peterhau und Wald der Realgenossenschaft finden sich Steine mit dem Peterschlüssel und der Pflugschar (Abb. 27, 28). Gehen wir ostwärts weiter, so finden sich erstaunlicherweise wieder die württ. Hirschstangen und der Probsthut auf der Nordseite, die Oberkochener Pflugschar auf der Südseite. Wir befinden uns noch auf der Grenze zwischen Aalener Stadtwald und Realwald Oberkochen, jedoch bereits im Bereich der Unterkochener Gemarkung.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="608" height="821" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/hm-buch-s266.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11765"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Die Erklärung liegt in einem um 1910 vorgenommenen großräumigen Besitztausch. Die staatl. Forstverwaltung gab ihren ehemals fürstpröbstlichen Besitz auf Unterkochener Gemarkung an die Stadt Aalen ab und erhielt dafür auf dem Härtsfeld umfangreichen städtischen Besitz.</p>
<p>Entlang der Unterkochener Gemarkungsgrenze über die Schlacht, die Heide und das Kleeb bis zum Stefansweiler grenzen dann wieder die beiden Waldgenossenschaften aneinander, d.h. die Grenzsteine tragen auf beiden Seiten die Pflugschar. Der Rundgang um die Oberkochener Gemarkung ist mühsam und lang. Der Freund geschichtlicher Zusammenhänge wird dafür reichlich belohnt, weil ihm die Grenzsteine als stumme Zeugen die Vergangenheit erschließen.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="601" height="410" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/hm-buch-s267.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11766"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p style="text-align: right;"><strong><em>Karl Schurr</em></strong></p></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Flurnamen in Oberkochen</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/flurnamen-in-oberkochen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 May 2024 10:21:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Heimatbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Landschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Seite 242-259 (Karl Schurr)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="et_pb_section et_pb_section_8 beitrag-inner-container et_section_regular">
				
				
				
				
				
				
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				<div class="et_pb_text_inner"><h2>Landschaft</h2></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h2>Wozu Flurnamen?</h2>
<p>Nur noch wenige Bürger Oberkochens brauchen öfters die zahlreichen Flurnamen. Für die frühere Bevölkerung waren sie unentbehrliche Orientierungshilfen. Vielfalt und Wortinhalt der Flurnamen sind Ausdruck der intensiven Benutzung der Gemarkung sowie der genauen Beobachtung und Registrierung einzelner Merkmale. Landschaftliche Eigenarten, historische Vorkommnisse oder auch die Art der Verwendungsmöglichkeiten des betr. Gebiets kommen in den Namen zum Ausdruck. Flurnamen sind auch heute noch wichtig. Sie sind ein Teil der offiziellen Einteilung der Gemarkung. Im Grundbuch der Gemeinde sowie in den dazugehörigen Flurkarten (1:2500) sind die Flurnamen zusätzlich zu den Parzellennummern der einzelnen abgemarkten Grundstücke festgehalten. Ferner gibt es noch zahlreiche weitere Flurbezeichnungen, die in keinem Grundbuch festgehalten sind, sondern im Volksmund weiter überliefert werden oder sich auch noch laufend neu bilden. In Forstkarten oder Waldbeschreibungen sind viele weitere Namen enthalten, die zur Orientierung in den ausgedehnten Wäldern dienen, aber keine Flurnamen im ursprünglichem Sinne sind. In diesem Beitrag habe ich versucht, alle heute und früher gebräuchlichen Namen für Fluren, Gewanne, Gebietsteile usw. zu sammeln, sie kartenmäßig zu lokalisieren und ihren Sinngehalt zu erklären.</p>
<h2>Wie entstanden Flurnamen?</h2>
<p>Flurnamen sind sehr alt, sie entstanden sicher schon vor der Aufteilung der Felder einer Gemarkung an die einzelnen Markgenossen, also schon vor dem 8. Jahrhundert. Wald und Weiden blieben damals zunächst gemeinsames Eigentum (= gemeine Mark oder Allmend). Dennoch trugen auch sie zur Orientierung Namen. Mit der Entstehung von Privateigentum wuchs jedoch das Bedürfnis der Abgrenzung und der Benennung einzelner Flurteile. Die Fluren erhielten Namen die das Feldstück kennzeichneten. Die ältesten Flurnamen sind von der Bewirtschaftung dieses Markungsteils abgeleitet, z.B. Allmend, Trieb, Esch, Egert, Brach, Reut, Roth. So ist ein Teil der Flurnamen sicher über 1000 Jahre alt. In Urkunden aus dem 8. Jahrhundert finden sich Namen wie Au, Brühl, Wang, Loh. Salbücher aus dem 12. und 13. Jhdt. enthalten Flurnamen, die auch heute noch gelten.</p>
<p>Die bäuerliche Bevölkerung hielt eben zäh an überlieferten Namen fest.</p>
<p>Bei der allg. Landesvermessung, die in Württemberg von 1822 bis 1840 dauerte, wurde das Kataster mit Parzellennummern und Flurnamen offiziell angelegt. Neben den im Primärkataster (in Oberkochen 1834–1836) festgelegten Namen sind noch zahlreiche weitere Begriffe üblich gewesen und noch im Gebrauch. Neuer, oft erst 100 Jahre alt, sind die Bezeichnungen von Waldabteilungen, wobei hier neben altem Wortgut vielfach Neuschöpfungen oder Namen Verwendung fanden.</p>
<h2>Flurnamen bei der Waldeinteilung</h2>
<p>Die alte Einteilung der Wälder in Huten kannte bereits Namen einzelner Waldgebiete. Mit der neueren Forstwirtschaft wurde die Waldeinteilung wesentlich verfeinert in Distrikte und Abteilungen. Neben Namen findet dabei ein Zahlensystem Anwendung.</p>
<p>Der Distrikt (größere zusammenhängende Waldfläche) wird mit einer römischen Ziffer und einem Gebietsnamen bezeichnet (Distr. I Zwerenberg). Neuerdings im Zeichen der EDV ist die arabische Zahl im Vordringen.</p>
<p>Die Waldabteilungen sind Unterteilungen der Distrikte in Flächen von ca. 10–30 ha Größe innerhalb der sich die forstwirtschaftliche Planung und Bewirtschaftung abspielt (Planungs- und Buchungseinheit). Waldabteilungen sind mit arabischer Zahl und mit einem Namen bezeichnet. Der Name entspricht nicht dem Flurnamen, er ist oft wegen der feineren Einteilung erst mit der Abteilungseinteilung entstanden. Da Abteilungen in größeren Zeitabständen geändert wurden, so z.B. Ende des 19. Jhdt. und etwa Mitte der 60er Jahre dieses Jahrhunderts, sind die Namen tlw. wieder verschwunden oder neu gestaltet worden. Zahl und Name sind an den bekannten Abteilungstafeln für jedermann erkennbar festgehalten. Sie finden sich aber auch durchweg in allen forstlichen Planungswerken (Karten etc.). Waldabteilungen werden schichtweise von NO nach SW durchnumeriert. Die letzte Nummer ist somit meist in der SW-Ecke eines Distrikts zu finden. Waldabteilungen sind nicht identisch mit den vom Geometer gebildeten, exakt vermessenen und im Grundbuch enthaltenen Parzellen. Waldparzellen sind oft viele Hektar groß. Sie decken sich im allgemeinen mit den Distrikten und sind damit für eine Orientierung und als Planungseinheit nicht geeignet. Die Waldabteilung wird übrigens nochmals unterteilt, dies jedoch nur mit Ziffern und stets ohne Namen.</p>
<h2>Namen und Bezeichnungen auf Oberkochener Gemarkung</h2>
<p>Die Zahl der Namen ist so groß, daß sie einer groben Gliederung bedarf. Ich habe mich für folgende Art der Aufzählung entschlossen:</p>
<p>1. Gebietsnamen<br>2. Waldflurnamen<br>a) östliche Gemarkung<br>b) westliche Gemarkung<br>c) Staats- und Gemeinderwald Bilz<br>3. Flurnamen der freien Feldflur<br>4. Ortsinterne Namen (innerhalb Etters) — wird hier nicht bearbeitet.</p>
<p>Den Flurnamen sind Zahlen nachgestellt, mit denen sie in der Karte (S.240/241) lokalisiert werden können.</p>
<h2>1. Gebietsnamen</h2>
<p>Die Oberkochener Gemarkung umfaßt i. Gz. 2357 ha, davon sind 480 ha Feld, 1625 ha Wald und 250 ha Siedlungsfläche. Die Grenzen der Gemarkung sind durchweg versteint. Gemarkungsgrenzen haben amtlichen Charakter und sind wie alle Grenzen von Grundbesitz streng geschützt. Mitnehmen oder Ausgraben schöner Gemarkungssteine ist streng verboten.</p>
<p>Die grobe Einteilung der Gemarkung richtet sich im wesentlichen nach den die Stadt umgebenden Bergrücken:</p>
<p>a) östlich des Kochers (Härtsfeldseite)<br>1. Zwerenberg (1)<br>2. Kahlenbühl (2)<br>3. Rot (3)<br>4. Eßhalde (4)<br>5. Eselbuch (5)</p>
<p>b) westlich des Kochers (Albuchseite)<br>6. Heide-Langert (3) (4)<br>7. Buchwang (11)<br>8. Volkmarsberg (20)<br>9. Brunnenhalde (49)<br>10. Bilz (70)<br>11. Wollenberg (1)</p>
<p>Schließt man die Täler als Gliederungsmerkmale an, so ergibt sich eine weitere Gruppe von Süden nach Norden:<br>Oberes Kochertal (80)<br>Tiefental (78)<br>Dreißental (67)<br>Wolfertstal (49)<br>Unteres Kochertal (15)<br>Langteich (12)</p>
<p>2.a) Waldflurnamen östliche Gemarkung (östl. der Bahn)<br>Die Waldnamen — spielen bei dem hohen Waldanteil auf der Gemarkung natürlich eine besondere Rolle.<br>Folgen wir der Markungsgrenze östl. der Bahnlinie von N nach S:</p>
<h3>1. Zwerenberg (1)</h3>
<p>Der Name sagt — Zwerch = quer liegender Berg.<br>1. Distrikt der Realwaldungen, er grenzt an Staats‑, Gemeinde- und Realwaldungen auf Unterkochener Seite (Futtelteich, Pfaffenstein, Immeregart, Sauteich). Die südöstliche und südliche Grenze bildet die Ebnater und Königsbronner Markung mit den Gewannen Judenweg und Ebnater Steige.</p>
<p>Der Realwald Distrikt Zwerenberg ist in acht Abteilungen eingeteilt:<br>Abt. 1 Hinterer Zwerenberg (18)<br>Abt. 2 Vorderer Zwerenberg (19)<br>Abt. 3 Sauteich (20)<br>Abt. 4 Hauenteich (21)<br>Abt. 5 Kahlenbühl (22)<br>Abt. 6 Kahlenbühlebene (23)<br>Abt. 7 Breitscheit (24)<br>Abt. 8 Spitzig Fels (25)</p>
<p>Die Abteilungen 4–8 befinden sich auf dem Bergrücken »Kahlenbühl« (2) zwischen der alten Ebnater Steige und dem Langenteich.</p>
<p>Geht man vom Römerkeller die Ebnater Steige aufwärts, so erreicht man als erstes Waldstück das Zigeunerwäldle (26) — eine späte Fichtenaufforstung eines Geländes, das die Landfahrer gern als Lagerplatz benutzten. Die Ebnater Steige heißt auch der Judenweg (27). Der Steinbruch links der Steige heißt noch heute der Wingert’sche Steinbruch (28).</p>
<p>Sauteich (20) bedeutet das Teich (= Tälchen), in das man die Sauen eingetrieben hat, im Kataster heißt das Gewann Mittelrain.</p>
<p>Kahlenbühl (2) ist der Bühl (= kleine überschaubare Anhöhe), der wohl sehr lange Zeit holzleer war.</p>
<p>Spitzig Fels (25) trägt seinen Namen von dem genau auf der Markungsgrenze zu Königsbronn gelegenen eigenartigen Felsengebilde (Schwammstotzen). Dieser Abteilungsname kommt auch im angrenzenden Staatswalddistrikt 3 —Kohlhau — vor. Der Kohlhau ist über 500 ha groß und diente vor Zeiten vor allem der Köhlerei.</p>
<h3>2. Rodstein (3)</h3>
<p>2. Distrikt der Realwaldungen zwischen Langteich (12) und Kuhsteige (36) mit fünf Abteilungen:<br>Abt. 1 Langteich (29)<br>Abt. 2 Rodgrüble (30)<br>Abt. 3 Rodhalde (31)<br>Abt. 4 Rodstein (32) mit dem oberen und dem unteren Rodstein<br>Abt. 5 Märzenbuckel (33) mit dem gleichnamigen Felskopf</p>
<p>Durch das Rot führt das Geißenwegle (34) hinauf zur Rodgrube (30).</p>
<p>Der Name Rot oder Rod leitet sich wohl von reuten — roden ab. Mit rotem Boden oder dergl. hat er sicher nichts zu tun.</p>
<p>Rodgrüble ist das kurze Seitental, das vom Langteich nach Westen bergauf zieht und die Grenze zwischen Staats- und Realwald bildet. Am Eingang zum Rodgrüble war der jetzt verfüllte ehemalige »Kolb’sche Steinbruch«. Pächter war die Baufirma Kolb aus Aalen.</p>
<p>Das Böllerhäusle (35) stand, wo der Fußweg zum Rodstein das untere Rodsträßle überquert.</p>
<p>Es hat seinen Namen, weil von hier noch in den 60er Jahren die Oberkochener Feste (Fronleichnam) angeböllert wurden.</p>
<p>Märzenbuckel (33) — der Rücken auf dem heute der Windsack der Drachenflieger weht — hat sicher etwas mit dem sonnigen, warmen Hang zu tun, an dem der Frühling zuerst Einkehr hält. Der nördl. Teil des Bergrückens heißt auch Mühlhalde. Dieser Name ist heute für den Wald nicht mehr im Gebrauch.</p>
<p>Die Kuhsteige (36) führt vom Ort steil hinauf und erreicht die Hochfläche des Eselbuch bei der Waldabteilung Ochsentrieb (56). Auf alten Karten ist der Weg bis zu den Gemeinderiesen (60) — ehemalige Allmendweiden — weiter zu verfolgen.</p>
<h3>3. Eßhalde (4)</h3>
<p>3. Distrikt der Reahvaldunp_en zwischen Kuhsteige und Gaintal (43) mit vier Abteilungen:<br>Abt. 1 Kuhsteige (36)<br>Abt. 2 Eßebene (37)<br>Abt. 3 Eßhalde (38)<br>Abt. 4 Hannenloach (39)</p>
<p>In der Abteilung 1 liegt der »Griebigenstein« (40) mit der bekannten Höhle. Zwischen den Abteilungen 1,3, und 4 befinden sich die sogenannten Eßteichle (41), von denen es drei gibt. Das dritte ist oberhalb des bekannten Birkenwäldchens (42).</p>
<p>Der Name Eß (4) ist schwer zu deuten. Er könnte von esch oder ösch kommen = Saatfeld oder Feldflur. Er könnte aber auch ein später Zeuge der Eisenverarbeitung in einer Esse (= Schmiedefeuer) sein.</p>
<p>Griebigenstein (40) könnte der Stein gewesen sein, bei dem die Hirten auf dem Weg über die Kuhsteige (36) zur Hochfläche »ausgegrubt« = ausgeruht haben. Hannenloach (39) heißt in allen Karten auch »Hohner Loh« — der hochgelegene Loh (= lichter Wald). Mit Hahnen = Auerhahnen etc. hat der Name nichts zu tun.</p>
<p>Gaintal (43) ist das östliche Seitental der Urbrenz, das die Eß vom südl. gelegenen Gewann »Pulverturm« trennt.</p>
<p>Was Gaintal bedeutet, konnte mir niemand sagen. In Oberkochen heißt es »Gointel«.</p>
<p>Im Gaintal liegt der Gaulhimmel (44) — das Waldstück war früher unbestockt und diente als Abdeckerplatz zum Verlochen von verendeten Tieren.</p>
<h2>4. Eselbuch (5)</h2>
<p>heißt der Rücken und die nach SO geneigte Hochfläche vom Rodstein (32) Richtung Ochsenberg. — Der Name steht für den Distrikt 4 des Staatswaldes.</p>
<p>Zu ihm gehören die folgenden Abteilungen:<br>Abt. 1 Langteich (45) früher auch noch Hagenbuch (46)<br>Abt. 2 Büchlesplatte (47)<br>Abt. 3 Kammerbüchle (48) früher auch noch Althäule (49)<br>Abt. 4 Däsch (50) mit dem Däschwiesle, auch Frey’s Wiesle, und dem Charlottenweg<br>Abt. 5 Büchle (53)<br>Abt. 6 Charlottenmand (54)<br>Abt. 7 Judenangst (55) früher auch noch Ochsentrieb (56)<br>Abt. 8 Riesenhau (57) früher auch noch Riesenmand (58). Dort steht die Eugen-Betzler-Hütte (59).</p>
<p>Zwischen Staatswald Abt. 6 und 8 liegen die Gemeinderiesen (60) — eine städtische Waldenklave im Staatswald mit den beiden Abteilungen Gemeinderiesen (61) und Saatschule (62).</p>
<p>In den Gemeinderiesen liegt die »Riesenhauhülbe« (63) und steht die sogen. »Gustav-Bosch-Eiche« (64).</p>
<p>Man erreicht die Härtsfeldhöhe durch das Langteich entlang der zur Markung Königsbronn gehörenden Abteilung Mathesle (65) und über die Riesensteige (66) auf dem sogen. »Aalener Weg«.<br>Abt. 9 Gaintalebene (67)<br>Abt. 10 Hirschburren (68)<br>Abt. 11 Kiesbühl (69), Abt. 12 Kiesrucken (70) liegen ebenso wie die Abt. 14 Fuchsbau (71), Zollhaukopf (72), 16 Zollhalde (73) und 17 Pulverturm (74) bereits auf Markung Königsbronn. Abt. 13 Josenhalde (75) liegt über dem Gewann Gaulhimmel (44) im Gaintal (43).</p>
<p>Eselbuch (5) erinnert an den noch heute reichlich vorhandenen Buchenwald. Esel benutzte man als Tragtiere für die dort auf vielen noch erkennbaren Meilerplätzen erzeugte Holzkohle.</p>
<p>Büchle (53), Büchlesplatt (47), Kammerbüchle (48) sind heute noch von Buchenwald bedeckt.</p>
<p>Kammerbüchle (48) ist das der »Kammer« als Krongut der Württ. Herzogsfamilie gehörende Waldstück, im Gegensatz zum Klosterbüchle, das zum Kirchengut gehörte, weil es im Besitz des Königsbronner Klosters war.</p>
<p>Däsch (50) ist die Bezeichnung für eine kleine Geländevertiefung — Mulde —. Auf dem »Däschwiesle« (51) war noch vor 80 Jahren eine der großen Zentral-Kohlplatten, die vor ca. 150 Jahren an Stelle der früheren Einzelköhlereien gerichtet wurden. — Vermutlich Frey’s Wiesle, weil ein Köhler Frey dort seinen Meiler hatte.</p>
<p>Charlottenmand (54) — muß früher eine zeitweise als Weide genutzte Fläche gewesen sein.</p>
<p>Judenangst (55) erinnert an eine erst vor knapp 100 Jahren vorgekommene Geschichte. Ein Lauchheimer Viehhändler hatte in Oberkochen zwei Stiere gekauft. Unterwegs Richtung Ebnat rissen die Tiere aus. Wochen später veranstaltete man eine Treibjagd auf die wilden Viecher. Als sie plötzlich auftauchten, sei ihr Besitzer in panischer Angst auf eine Buche geklettert und kam erst wieder herunter, als die Tiere mausetot erschossen waren. Oberförster Weiger, Forstmeister in Oberkochen von 1892–1909, gab der Abteilung den beziehungsreichen Namen.</p>
<p>Ochsentrieb (56) ist die Nachbarabteilung — ihr Name ist älter. Früher sollen hier oft Streitereien über die Weiderechte zwischen Oberkochener und Ochsenberger Hirten ausgetragen worden sein.</p>
<p>Die Riesen (57) sind ebenfalls frühere Weideflächen gewesen. Der Waldwuchs in den Riesen gehört zum Besten, was auf der Alb anzutreffen ist.</p>
<p>Die Gemeinderiesen (60) waren ehemalige Mähder — Sommerweiden, die noch heute, jetzt als schöner Hochwald in zweiter Generation, der Gemeinde Oberkochen als Enklave inmitten des Staatswaldes und unmittelbar an der Königsbronner Markungsgrenze gehören.</p>
<p>Hirschburren (68) erinnert an eine flachgründige Geländehöhe und an den einstmals vorhandenen Rothirschbestand, ähnlich wie Fuchsbau (71). Kiesbühl (69), Kiesrucken (70) — die Böden sind von mächtigen Feuersteinkies- und Schotterdecken überdeckt. Ein idealer Waldboden.</p>
<p>Zollhalde (73), Zollhaukopf (72) sind wie der Zollacker (29) wohl eine Erinnerung an die uralte Grenze, die hier kurz vor der Wasserscheide das Ellwangische und das Württembergische voneinander trennte.</p>
<p>Pulverturm (74) — der Felskopf oberhalb der Zolläcker hat seinen relativ jungen Namen von einem Pulvermagazin, das für den dort vorhandenen Steinbruch notwendig war. Auf dem Pulverturm sind noch Wall und Graben erkennbar — Zeichen einer früheren befestigten (Beobachtungs-)Station?</p>
<p>Josenhalde (75) erinnert wohl an einen früheren Besitzer Joos, wie manch andere Waldstücke ist sie durch Kauf Staatswald geworden. (z.B. Jörglesmand = Schmidjörglesmand im Hagental).</p>
<h2>2 b) Waldflurnamen</h2>
<p>Westliche Gemarkung (Albuchseite)<br>Westlich der Bahnlinie und des Kocher-Brenztals jenseits der Unterkochener Gemarkungsgrenze heißen die Fluren Stefansweiler, Fähnlesberg und Daffang. Hier beginnen die großen Waldungen des Albuch — die sich über den Langert bis weit hinauf nach Bartholomä erstrecken. Die Markungsnachbarn Oberkochens sind Unterkochen, Aalen, Essingen und Königsbronn.</p>
<p>Folgen wir der Markungsgrenze von NO nach NW, so finden wir zunächst vier Namen größerer Gebiete: Kleeb (1), Thierstein (2), Heide (3) und den Oberkochener Teil des Langert (4).</p>
<p>Kleeb (1) bedeutet stets einen steilen Prallhang oberhalb eines Flusses. Der Kleebfelsen spielte vor einigen Jahren in der Oberkochener Gemeindepolitik eine Rolle.</p>
<p>Thierstein (2) — die südlich anschließende bewaldete Steilhalde — trägt den Namen nach dem gleichnamigen im Wald versteckten Aussichtsfelsen. Die Namensherkunft ist unbekannt.</p>
<p>Die Heide (3) — das neue Baugebiet der Stadt — war bis 1900 eine gemeindeeigene Schafweide = Heide, bevor sie zu Fichtenwald aufgeforstet wurde.</p>
<p>Der Langert (4) = langhardt = lichte Weide, Wald auf dem langgestreckten Bergrücken ist nur mit dem kleineren südlichen Teil der Oberkochener Gemarkung zugehörig. Der Aalener Stadtwald liegt zu 80% auf dem Langert. Früher war dieser noch teilweise landwirtschaftlich benutzt (Osterbucher Hof). Bis 1910 besaß der Staat auf dem Langert beträchtliche Waldflächen, die dann gegen städtische Wälder auf dem Härtsfeld vertauscht wurden. Deshalb liegt auch heute noch ein großer Teil des Aalener Stadtwaldes auf Unterkochener Gemarkung und die Grenzsteine tragen altwürtt. Wappen und den Aal zugleich.</p>
<p>Die Waldeinteilung benutzt und ergänzt die Flurnamen:<br>Kleeb (1) ist der steile, teils von Wacholderheide und Gestrüpp gebildete kleine Distrikt des Gemeindewaldes. Erst durch Aufforstung von Ackerparzellen und Heide ist einer der ärmsten Wälder im städtischen Besitz entstanden.</p>
<p>Thierstein (2) — Der Distrikt 8 der Realgenossenschaft umschließt den Bergrücken der Heide mit vier Abteilungen von Osten:<br>Abt. 4 Kleeb (1)<br>Abt. 3 Thierstein (2)<br>Abt. 2 Loach (5)<br>Abt. 1 Schlacht (6)</p>
<p>Loach (5) die von der Heidestraße durchschnittene Abteilung mit dem Loachfelsen bedeutet wohl Loh = lichtes Gehölz = Buschwald. Die Schreibweise könnte allerdings auch für Loach = Lache = Grenze stehen.</p>
<p>Schlacht (6) Die Herkunft des Namens ist nicht bekannt. »In der Schlacht« bedeutet vielleicht »G’schlacht« = mild, warm. Das Waldstück ist der steile Teil östlich des Langerttal (7).</p>
<p>Heide (3) ist der Distrikt 2 des Stadtwaldes. Die jetzt zu ca. 70% ausgestockte Fläche wurde früher in sechs Waldabteilungen eingeteilt, die heute kaum noch erkennbar sind.</p>
<p>Abt. 1. Heidekopf<br>Abt. 2. Thierstein<br>Abt. 3. Heidefichten<br>Abt. 4. Loachebene<br>Abt. 5. Langertebene<br>Abt. 6. Langertteich</p>
<p>Es sind typische Kunstnamen der Jahrhundertwende.</p>
<p>Langert (4). Die Realgenossenschaft nennt ihren Distrikt 7 so. Er umfaßt vier Abteilungen:<br>Abt. 1. Langert (4) mit dem Langertfelsen (8)<br>Abt. 2. Kirschentäle (9)<br>Abt. 3. Gunderstal (10)<br>Abt. 4. Buchwang (11)</p>
<p>Kirschentäle (9) ist nach dem Langerttal das zweite Seitentälchen das vom Wolfertstal nach Norden abzweigt und auf kürzestem Weg zum Kirchenwald Peterhau führt. Am NW-Ende der Abteilung liegt über dem dritten Seitental, dem Finstertäle (18), der Kuckucksstein (19).</p>
<p>Gunderstal (10) heißt das 4. Seitental — die Waldungen heißen bei den Oberkochenern mehr »Schmalhalde« (12), weil nur der schmale Steilhang nach Oberkochen gehört. Der Name soll nach Pfarrer Trittler von Gund-Cumb = keltisch Hochtal, cumbeta altrömisch Hochtälchen kommen.</p>
<p>Buchwang (11) ist der westlichste Waldteil der Realgenossenschaft. Der nach Osten orientierte Bergrücken grenzt im Süden bereits an Essinger Markung. — Wang bedeutet Bergrücken — Bergvorsprung. Heute ist der »Buchen«wang zu 90% mit Fichten bestockt. Zwischen Schmalhalde u. Buchwang liegt das Roßteich.</p>
<p>Peterhau (13) ist nördlich des Langert — zwischen Unterkochener und Oberkochener Gemarkung, zwischen Stadtwald Aalen und Realwald, Abteilung 2 Kirschentäle, als langgestrecktes Dreieck eingesprengt. Der Kirchenwald oder Heiligenwald (13a) der katholischen Kirchengemeinde Sankt Peter wird von den Forstleuten in 5 Abteilungen unterteilt:<br>Abt. 1. Langertspitz (14)<br>Abt. 2. Heiligenhau (15)<br>Abt. 3. Kirschentäle (16)<br>Abt. 4. Peterhau (17)<br>Abt. 5. Finstertäle (18) mit dem Kuckuckstein (19)</p>
<p>Volkmarsberg (20) — der Oberkochener Hausberg, deshalb auch oft nur »der Berg«, bildet im NW des Orts einen großen bewaldeten Kegel. Der Name wird gedeutet als »Berg des Volkmar« — Volkmar ist der vom Volk geachtete, »im Volk bekannte« oder »berühmte«. Näher liegt die Erklärung nach Pfarrer Trittler: »Volkhardtsberg« = Volkhardt = Hardt = Wald des Volkes — also ein Waldgebiet, das im Gemeindebesitz war und ist.</p>
<p>In der Waldeinteilung ist der Berg der Distrikt 6 des Realwaldes und der Distrikt 7 des Stadtwaldes. Die südliche Grenze bildet das obere Dreißental — der Kessel — und das Sallesteichle, durch das früher der kürzeste Vicinalweg in die Bilz führte (vorbei an der Jagdhütte Leitz).</p>
<p>Der Realwalddistrikt Volkmarsberg hat sieben Abteilungen.</p>
<p>Abt. 1. Orthshalde (21) — die Oberkochener sagen auch Roathalde<br>Abt. 2. Maßhalder (22) — nach Maßhalder = Feldhorn<br>Abt. 3. Wolfertstal (23) — das eigentliche Wolfertstal<br>Abt. 4. Lache (26) — hier wird wieder die Essinger Grenze —, der Heiligenhau — erreicht.<br>Abt. 5. Weingarten (27)<br>Abt. 6. Dreißental (28)<br>Abt. 7. Berghäule (32)</p>
<p>Ortshalde — ist vermutlich auf roden — wie Rothalde — zurückzuführen. Durch den Steilhang führte das »Severinswegle« senkrecht bergab. Wolfertstal — im engeren Sinne ist nicht das breite Tal Richtung Essingen, sondern das schmale steile Seitental vom Aussiedlerhof Fischer nach Westen Richtung Volkmarsberg. Wolfhardt — Volkhardt — könnte der gleiche Wortstamm sein. In der Abteilung liegt der Lindenfirst (24), ein Felskopf am östl. Oberhang, sowie das sogen. »Drecketsteigle« (25) — ein kleines steiles Seitental des Wolfertstales, das auch zum Volkmarsberg führt.</p>
<p>Lache (26) ist eine feuchte, ja nasse größere Fläche, das Wort findet sich auch in Wasserlache — Lache kann auch Grenze bedeuten. In der Abteilung befindet sich auch der Kanzelfels (35) auf der Grenze zum Stadtwald.</p>
<p>Weingarten (27) — sicher hat wohl hier einmal ein Weinbauversuch stattgefunden. Es gab ja wesentlich wärmere Zeiten als heute. Weingart als Gewann-Namen gibt es in unserer rauhen Gegend öfter.</p>
<p>Dreißental (28) Über den Ursprung des Wortes gibt es manche Spekulationen bis zur Vermutung, die Tiroler Einwanderer aus der Zeit nach dem 30jährigen Krieg hätten das Wort mitgebracht. Innerhalb der Waldabteilung gibt es den sog. Katzenstein (29), den Katzensturz (30) und die Hattelhalde (31) — eine Hattel war eine alte Kuh, die zum Ziehen eingewöhnt war.</p>
<p>Berghäule (32) am westl. Markungsrand, gibt es auch im Staatswald.</p>
<p>Der städtische Besitz auf dem Volkmarsberg ist seit 1938 ganz unter Naturschutz gestellt. Dennoch ist eine Waldeinteilung vorhanden und werden Teile forstwirtschaftlich benutzt.</p>
<p>Auf dem Berg gibt es einige Namen, die hier erwähnt werden müssen:</p>
<p>Die Märchenwiese (33) ist im Norden das kleine Wiesenstück am Ende des Wolfertstals, es erhielt diesen Namen erst in den letzten Jahren. Über die Berghecke kommt man zum Gipfel.</p>
<p>Das Holzwarthsäckerle (34) im Ostteil springt keilförmig in den Realwald Weingarten vor. Der Holzwart war der von der Realgenossenschaft beauftragte Waldschütz.</p>
<p>Der Kanzelfelsen (35) auf der Grenze Stadt-Real ist ein beliebter Anlaufpunkt zwischen Berghäule und Lache.</p>
<p>Der Sattel (36) ist der Platz bei der Mutterbuche (37).</p>
<p>Beim Holzehans (38) steht heute die Skihütte und das Liftstüble.</p>
<p>Paul Grupp-Weg (39), Turmweg (40), Hermann-Illg-Eiche (41) und Hubertushalde (42) sind neuere Bezeichnungen, die mit der Erschließung des Volkmarsbergs für Wanderer entstanden.</p>
<p>An Bauwerken gab oder gibt es außer der Skihütte die A V‑Hütte, den Turm, dem »Diftele« seine Hütte — ehemal. Verkaufsstand »Holz« neben dem Turm (bis 1945) —, die alte Leitz-Hütte und die Jagdhütte Leitz.</p>
<p>Südlich an den Volkmarsberg anschließend folgt:<br>Brunnenhalde (43) — der Realwald-Distrikt 5 mit 10 Abteilungen. Der Name ist von dem quellenreichen Steilhang — die Brunnenhalde — hergeleitet.</p>
<p>Abt. 1. Bergstraße (44) nach der um 1934 gebauten heutigen Volkmarsbergzu- fahrt. Links zweigt bei der Überquerung der Schiabfahrt das sogen. Sallesteichle (45) ab (Sahle = Salweide). Dieses liegt unterhalb der Kahlenhalde (46).</p>
<p>Abt. 2. Brunnenhalde (43). Die dortige starke Quelle wurde schon vor dem 1. Weltkrieg gefaßt und über Rohrleitungen zur Firma Leitz geleitet. Die Brunnenhöhle (47) ist erst seit kurzem erforscht. Beim Brunneneck (48) erreicht das Brunnenwegle (49) die Hochfläche. Dort steht der Jakobstein (50). Der Stein — beim Bau des Bimmelsträßchens freigelegt — erinnert an den Realförster Jakob Jäger (in Oberkochen von 1955–1978).</p>
<p>Abt. 3. Vordere Brunnenebene (51) mit dem Brunnensturz (52) als Aussichtspunkt bekannt bei der »Carstens-Bank« (52). Dort auch die Marxe-Schleife (von Holzschleifen = Holzziehen).</p>
<p>Abt. 4. Hintere Brunnenebene (53). Die schotterreichen Waldböden tragen die ärmsten Buchenwälder weit und breit.</p>
<p>Abt. 5. Schmittehalde (54), der Hang über dem Kocherursprung mit dem Schmittefelsen (55), an dessen Fuß einst der Schmelzofen = die Schmitte stand. Heute durch das Schmittesträßchen als Fortsetzung der Wacholdersteige (56) gut erreichbar. Beim Tiefentalsturz (57) geht es hinab ins Tiefe Tal.</p>
<p>Abt. 6. Fuchskohlplatte (58) der große Kessel über dem Kocherursprung wird ebenfalls von der Wacholdersteige erreicht über das Steinschräufele (59). Ein Stück des »Hans Zöllner-Wegs« (60) führt durch diesen Waldteil. Am oberen Ende des Steinschräufele stand das »Scheerers-Steinle« (61), das leider nicht mehr da ist.</p>
<p>Abt. 7. Bemmel (62) ist die südl. Hochfläche der Brunnenebene.</p>
<p>Abt. 8. Borzelhalde (63) kommt wohl von Purzeln…</p>
<p>Abt. 9. Tiefentalhalde (64) durch diese führt die alte »mittlere Steige« (65) hinauf zur Abteilung Borzelgrube.</p>
<p>Abt. 10. Borzelgrube (66) — nach dem gleichnamigen Naturdenkmal — einem Krater von respektabler Größe.</p>
<h2>2c) Waldnamen in den westlichen Markungsteilen des Staats- und Gemeindewaldes Bilz</h2>
<p>Die Bilz (70) bedeutet ein feuchtes (?) abgelegenes Weidegebiet — der Name hat mit Pilzen nichts zu tun. Ein großes Waldgebiet trägt diesen alten Namen. Es gehört dem Staat (Distrikt 5) und teilweise der Stadt (Distrikt 4).</p>
<p>Zahlreiche Namen — aber auch Legenden — gibt es für die einzelnen Waldorte:</p>
<p>Abt. 1. Berghäule (71) liegt am weitesten nördlich und östlich. Es grenzt an die Essinger Gemarkung. Der kürzeste Weg von Oberkochen in die Bilz führt durch das Berghäule und das an dessen südl. Rand gelegene »Saure Mand« (72).</p>
<p>Abt. 2.Bilzhütte (73). Die Abteilung trägt den Namen der gleichnamigen, sagenumwobenen Hütte. Früher auch noch Bilzteich (74).</p>
<p>Abt. 3. Bilzmähder (75). Früher auch noch Schneckenburren (76), Hasel- oder Hasenbilz (77).</p>
<p>Abt. 4. Kohlhaubilz (78) früher auch noch Sahlenhau (79) und Hagental (80) mit alten Kohlplatten wie fast überall. Ob Haugenial = Hagental etwas mit den Hauken — den Essingern — zu tun hat?</p>
<p>Abt. 5. Hohmand (81) entlang der Realgrenze — wie das angrenzende »Saure Mand« (72) ehemals eine einmähdrige Wiese (= einmal im Jahr nur gemäht). Abt. 6. Großteich (82)</p>
<p>Abt. 7. Heidelbeerbilz (83) — mit ausgedehnten Heidelbeerflächen.</p>
<p>Abt. 8. Wasserteich (84) — man versuchte hier Wasser für die Köhlerei und die Viehweide zu sammeln.</p>
<p>Abt. 9. Jörglesmand (85) das seinen Namen von einem Schmidjörgle trägt, der wohl diese ehemalige Weide an den Staat verkauft hat.</p>
<p>Abt. 10. Meckenschlag (86) und</p>
<p>Abt. 11. Rehburren (87)</p>
<p>Diese Abteilungen schließen den Gemeindewalddistrikt Bilzmähder (88) mit seinen drei Abteilungen völlig ein. Sie waren früher Weide, heute ist tlw. die erste Waldgeneration noch vorhanden — Fichten von fast 50 m Höhe (!). Sie heißen auch »Kochener Mähder«.</p>
<p>Abt. 1. Bilzteich (89)</p>
<p>Abt. 2. Bilzhaus (90) — hier stand das ehemalige Hirtenhaus des Bilzhannes. Wasser sammelte er in der nahen Bilzhülbe.</p>
<p>Abt. 3. Hirschstang (91) — erinnert an die Zeit der Rothirsche, die hier erst 1919 zu Ende ging.</p>
<p>Sixenfeldle (92) ist das abgelegene einzelne Waldstück, umschlossen von Real- und Staatswald, das die Gemeinde um 1836 von dem Bauern Grupp Melchior erwarb, als er von Oberkochen wegzog. Es wurde damals als Fichtenwald aufgeforstet. In der Urkarte von 1830 heißt es noch Gruppenmand.</p>
<p>Abt. 12. Tiefentalhalde (93). Sie nahm in ihrer heutigen Form auch das frühere »Stück (94)«, ebenfalls eine Feldaufforstung, auf.</p>
<p>Abt. 13. Ellwangerhalde (95) mit der früheren Brunnenhalde (96) über dem Hubertusbrunnen (97) erinnert im Namen, wohin sie einst gehörte. Die nördl. Bilzflächen waren Königsbronner Klostergut bzw. Kammergutbesitz.</p>
<p>Westlich des Tiefental erstrecken sich am Steilhang bis zur Essinger Gemarkungsgrenze die Abteilungen:</p>
<p>Abt. 14. Roßstall (98) mit dem Hubertus- oder Roßstallhüttle</p>
<p>Abt. 15. Meisentäle (99)</p>
<p>Abt. 16. Steinboos (100) — hier ein alter Steinbruch.</p>
<p>Wollenberg (1). Um den breiten Bergrücken im SW der Gemarkung zwischen Kochertal, Tiefental und Großbrenzel (5) ranken sich wie um die Bilz mancherlei Sagen und Geheimnisvolles (Schäfer vom Wollenberg etc.). Der Name könnte von den Wollfetzen der Schafe kommen, die dort an Sträuchern und Buschwerk hängen blieben. Möglich ist jedoch eine viel ältere Erklärung im Zusammenhang mit dem adligen Namen Woellwarth.</p>
<p>Die Gemarkungen von Essingen und Oberkochen treffen sich unmittelbar am Großen Wollenloch (2), der merkwürdigen Schachthöhle von ungewöhnlicher Tiefe. Nur wenige 100 m weiter Richtung Süden stoßen dann auf dem höchsten Punkt (710 m) Essinger, Königsbronner und Oberkochener Gemarkung zusammen. Der Königsbronner Seite folgend geht es vorbei an der Klosterhalb (10) rasch talwärts zur Ziegelhütte, die ganz nahe jenseits der Gemarkungsgrenze liegt.</p>
<p>Der Wollenberg wird in mehrere Teilgebiete unterteilt. Die Einhänge nach Oberkochen heißen Ellwanger Wollenberg, weil sie zusammen mit den südlichen Teilen der Bilz ehemals Ellwanger Besitz waren. Die Taleinhänge nach Osten sind die Ziegelhalde (3), auf der Königsbronner Seite liegen bereits der Klosterberg (4), das Großbrenzel (5) und der Gnannenberg (6).</p>
<p>Der Wollenberg ist heute vollständig bewaldet. Der Distrikt 6 »Wollenberg« mit 5 Waldabteilungen gehört dem Staat. Der Distrikt 4 »Ziegelhalde« mit den 2 Abteilungen Wanne (7) und Ziegelhalde (8) ist Eigentum der Realgenossenschaft Oberkochen.</p>
<p>Wanne (7) ist das steile Seitentälchen des Brenztals, das heute als Erddeponie verfüllt wird. Der Wannensturz (9) ist das Felsenriff am Zusammentreffen von Tiefental und Brenztal.</p>
<p>Ziegelhalde (8) trägt den Namen der Ziegelhütte, die einige Zeit als Klosterziegelei diente.</p>
<p>Die staatlichen Waldabteilungen des Distrikts 6 Wollenberg tragen ff. Namen:</p>
<p>Abt. 1. Wanne (11) — neben dem Wannensträßchen, das in Serpentinen zur Höhe führt, war früher auch eine der großen Zentralköhlereien.</p>
<p>Abt. 2. Kleinwollenloch (12) — das kleine Wollenloch ist am Wanderweg gelegen und weit unauffälliger als das große.</p>
<p>Abt. 3. Großwollenloch (13)</p>
<p>Abt. 4. Schwarzweilerteich (14) einer der wenigen Namen auf Oberkochener Gemarkung, der an eine frühere, längst abgegangene Siedlung erinnert, deren Lage unbekannt ist.</p>
<p>Abt. 5. Wollenberg (15). An seiner Nordostecke gegen den Wannensturz (9) steht am Wannensträßchen die »Berta-Buche« (16). Der mächtige Baum aus der vorhergehenden Waldgeneration trägt den Namen der Frau des ehemaligen Forstmeisters Martin (1909–1935 in Oberkochen), die von dort aus sehr gerne den »Bertablick« hinab ins Kochertal genoß. Heute ist der Wald schon wieder gut 15–20 m hoch gewachsen.<br>Die Umwelt ändert sich ständig, die Namen aber überdauern die Zeit.</p>
<h2>3. Flurnamen der freien Feldflur</h2>
<p>Auch hier beginnt die Auflistung im NO-Teil der Gemarkung, d.h. an der Grenze nach Unterkochen.</p>
<p>Saure Wiesen (1) heißt die Flur westl. des Kocher in unmittelbarer Nähe der auf Unterkochener Gemarkung liegenden Stefansweiler Mühle.</p>
<p>Stefansweiler (2) östlich der Bundesstraße und der Bahn. Der mit Hecken und Wäldchen bestockte Westhang gehörte wohl früher zu dem sogen. Stefansweiler. Um Unterkochen gab es im Gegensatz zu Oberkochen noch mehrere solche Einzelgehöfte oder Streusiedlungen. Am Ostrand der Mühlacker.</p>
<p>Der Eselweg (3) schließt sich nach Süden an. Der Name deutet an, daß hier die Kohlentransporte von den Wäldern auf dem Härtsfeld und Zwerenberg in Tragkörben von Eseln zu Tal gebracht wurden. Wo der Weg auf die Kreisstraße (ehemalige Staatsstraße) stößt, stand früher der sogen. Bettelbrunnen (4). Eine offen laufende, gefaßte Quelle lud zum Trinken ein.</p>
<p>Der östl. Teil des Kochertals ist hier ohnedies sehr quellig, während im mittl. u. südl. Teil der Gemarkung alle Quellen nur auf der Westseite entspringen. Dem Kocher, aber auch den Wasserfassungen der Stadt Aalen bringen diese einen regelmäßigen, starken Wasserzufluß.</p>
<p>Der Erlenbach (5) fließt von der Gärtnerei Vollmer Richtung Kocher. Sein Lauf ist ein letztes Eldorado für die Tierwelt, die sich in dem sumpfigen Gelände wohlfühlt.</p>
<p>Lixensteige (6), auch fälschlich Sixensteigle, heißt der Anstieg über dem Erlenbach Richtung Zwerenberg. Lixe bedeutet einen schweren, tonigen, strengen, wechselfeuchten Boden auf warmer Hanglage.</p>
<p>Zwerenberg (7). Die Felder unmittelbar nördl. der Ebnater Steige (8) tragen den Namen des ganzen Waldberges.</p>
<p>Weilfeld (9) ist in Oberkochen heute als Standort des Römerkellers (10) bekannt.</p>
<p>Langes Teich (11) heißt das Feld zwischen dem Feldkreuz am Anfang der Ebnater Steige und dem Aalener Weg (12), der von Ochsenberg herab kommt. Daffang (13) ist der Name, der auch auf Unterkochener Markung westlich des Kochers vorkommt. Gemeint ist das steile Seitentälchen, das die Gemarkungsgrenze nördlich des Kleeb bildet.</p>
<p>Gheurensteige oder Gheurigsteig (14), ein seltsamer Name schließt nach Süden an. »Geheuer« heißt sanft, anmutig. Auch »Keuertal« ist tlw. üblich.</p>
<p>Untere Wiesen (15) — das Gebiet der heutigen Kleingartenanlage und des Städt. Bauhofs bedarf keiner Erklärung. Dort liegen auch die zwei »Pfarrwiesen«.</p>
<p>Kreuzwiesen (16) und Kreuzmühle (17) kocheraufwärts sind heute durch die Wäscherei Lebzelter und die Sportanlagen schon weitgehend überbaut. Unmittelbar oberhalb der Kreuzmühle mündet der Nußbach (18) in den Kocher. So hieß der Gutenbach in seinem heute verkürzten Unterlauf.</p>
<p>Wenden wir uns jetzt dem Gebiet östlich des Kochers zu, so treffen wir zunächst auf das Gewann:</p>
<p>Rot (19) am Fuße der Rothalde. Es ist vom Geißenwegle (34) durchschnitten. Engelstein (20), dieser Fels fiel dem Bau der Umgehungsstraße zum Opfer. An ihn knüpfen sich alte Sagen. Es ist wohl auch ein Zusammenhang mit der »Wiesenkapelle« zu vermuten, die früher in den Kapellenwiesen (21) (heute Lager des Kaltwalzwerks etc.) stand, zu der es eine vielbesuchte Wallfahrt gab (Heilige Ottilie).</p>
<p>Mühlhalde (22) — heute ebenfalls von der Umgehungsstraße durchschnitten — erinnert wohl an die Zugehörigkeit zur Mittleren Mühle der Familie Scheerer. Der Name wird teilweise auch für den nördlichen Teil des Waldes verwendet, den wir heute insgesamt Märzenbuckel (s.o.) nennen.</p>
<p>Kuhsteige (23) erscheint als Name des Waldweges (36) und des Gewanns südl. der Bahn und Bundesstraße zum Waldrand.</p>
<p>Fleinsäcker (24) — die steilen Parzellen oberhalb der Fa. Günther und Schramm zwischen Waldrand und Bahn. Schwerer, toniger Scherbenboden rechtfertigt diesen Namen, der aber praktisch nicht mehr bekannt ist.</p>
<p>Kiesgrube (25) ein kleines Gewann fast von Hecken bedeckt, unterhalb des Waldrandes zeigt in der Tat an, daß hier eine mächtige Bergkiesschicht früher abgetragen wurde. Eine Bodenkartierung aus den 60er Jahren hat dieses Kiesvorkommen bestätigt.</p>
<p>Täle (26), die Fluren neben der Bundesstraße bei der südl. Auffahrtsrampe — parallel zur Straße erreicht man über den sogenannten Baureuweg (30) (parallel zur B 19).</p>
<p>Tiefe oder Tiefne (27) heißen die südliche angrenzenden Flurstücke. Teilweise ist auch Espach oder Erspach im Gebrauch.</p>
<p>Ess(-) liegt oberhalb der Tiefne gegen den Wald.</p>
<p>Höhe (28) schließt sich an, bis an das Gaintal in Mundart »Gointel« (43). Südlich des Wegs der beim Schachtwerk der Landeswasserversorgung vom Baurenweg abgeht, folgt dann das Gebiet des</p>
<p>Zollackers (29), dessen Namen wohl wie Zollhau von der Grenzlage zwischen königsbronnischem und ellwangischem Gebiet herzuleiten ist.</p>
<p>Westlich des Kochers setzt sich die Reihe der Flurnamen fort mit dem Gebiet Tierstein (31) oberhalb der Lenzhalde (32). Durch diese Flur führt die Geiselsteige oder Geißensteige (33) wohl analog dem Geißenwegle im Rot (vielleicht auch Goißel = Peitsche).</p>
<p>Loach (34) ist die nordwestliche Fortsetzung des Heidestreifens unterhalb des Waldrandes, heute von der Heidestraße durchschnitten.</p>
<p>Gutenbach (35) — Einst ein stilles Wiesental ist heute im Unterlauf vollständig eingebaut. Im Mittellauf fließt der Bach durch das Spitztal (36) und den Erlenwasen (37). Dort in Richtung Langen entspringt der<br>Langertbrunnen (38), gleich daneben steht »Balles Kreuz« (39) am unteren Rand der<br>Langerthalde (40). Es folgen westwärts Kirschentäle (41), Finstertäle (18) mit dem Acker »Pfannenstiel«, Gunderstal (43), Kippacker (44) und Krapfenakker (45), Buchwang (11) und Eichertbrünnele (47). Links des Wegs zum Gunderstal und zum Wasserhäusle liegt der Stollen (42), aufgeschüttet aus dem Durchbruch des Osterbuchstollens der Landeswasserversorgung.</p>
<p>Dies sind die Flurnamen nördlich des Gutenbachs und des heute wohl fälschlich als Wolfertstal bezeichneten Tals nach Essingen, Richtung Albstetter Feld, durch die Hohlgasse (46).</p>
<p>Von der Essinger Grenze beim Heiligenhau (südlich) und Eichert (nördlich) Richtung Oberkochen folgen nacheinander die Fluren:</p>
<p>Lache (47) mit dem sogenannten Bäuerle Stadel (48) — der Feldscheune des ehemal. Bäuerle-Hofes.</p>
<p>Maßhalder (22) — das ist der schwäbische Name für Feldahorn.</p>
<p>Orthalde (50) oder auch Roathalde, darunter die »Steiner« (49) — der steinige Riegel oberhalb des Schafstalls und des Wetterkreuzes.</p>
<p>Hommelwiesen (51) — die zur Unterhaltung der örtl. Farrenhaltung dienten. Burrenwiesen (53) — heute bereits überbaut.</p>
<p>Neubrunnen (53) ist eine Quelle unter der steilen Halde vor dem Aussiedlerhof Fischer oberhalb des Gutenbach und des Erlenwasen.</p>
<p>Das Spitztal (56) mit den Burrenwiesen ist heute als künftiges Wohngebiet bekannt geworden. Es zieht sich bis zum Segelfliegerhäusle hin.</p>
<p>Im Wolfertstal (54) liegt der Aussiedlerhof. Von dort erstreckt sich die</p>
<p>Lange Hecke (55) am Hang entlang, manchmal auch als »Hirtenrain« bezeichnet. Dort stand die</p>
<p>Skischanze (57), die noch zahlreichen Altoberkochenern bekannt sein dürfte. Rain (58) und</p>
<p>Gieß (59) schließen sich an, sie liegen oberhalb des Luggenlohbrunnen (60). Weingarten (61) ist das Gewann, wo heute die Wiesenkapelle steht — die seinerzeit wegen des Baus des Sägewerks Bäuerle in den Kapellenwiesen abgebrochen und von der Firma droben über der »Dörr« neu errichtet wurde. Die Dörr (62) zieht sich herunter bis zur TVO-Turnhalle. Auf der Dörr oder Dörre hat man früher Flachs und Hanf gedörrt und wohl auch gebrochen. Ein Name Brechhaus oder Brechdarr fehlt, da in Oberkochen der Flachsanbau nie eine große Rolle gespielt hat.</p>
<p>Bühl heißt die Anhöhe zwischen Gutenbach und Katzenbach (heute Bühlstraße). Über die</p>
<p>Kapellensteige (63) kommt man auf dem Weg zum Volkmarsberg zum Hirschwirtsspitz (64) oberhalb des städt. Friedhofs. Die heute aufgeforsteten Parzellen gehören immer noch dem »Hirschwirt«.</p>
<p>Der Katzenbach (65) entspringt unterhalb des Friedhofs. Dieser liegt im sogenannten »Hitzeles Mand« (66). Im Ort erhält der Katzenbach kurz vor dem Zufluß in den Kocher den Namen »Zollbach« — wohl ebenfalls als Ausdruck der früheren Grenzsituation in Oberkochen selbst.</p>
<p>Das Dreißental (67) ist m. W. ein Trockental — es führt keinen Bach. Es endet im Kessel (beim Schützenhaus). Dort gab es die Lettengärten.</p>
<p>Birkle (68) hieß früher das Gewann, das heute von der Volkmarsbergsteige durchschnitten wird. Es liegt über den Weiherwiesen (69), wo heute die Firmen Zeiss und Leitz stehen.</p>
<p>Wacholdersteige (70) ist ein alter Name für einen alten Weg, der hinauf zum Wald und zum Steinschräufele (72) führt, vorbei an der Schleif‑, Öl- oder Ziegelmühle (heute Fa. Leitz).</p>
<p>Strick (72) oder Strickäcker heißt die Flur unterhalb der Wacholdersteige bis hinunter zum Kocher. Das Mühläckerle lag dort, ferner der Steg und der Steig direkt am Kocher, ebenso das Schneiders Täle (85), das Teich, das sich zwischen Forstamt und Kocherursprung zum Waldrand hinaufzieht.</p>
<p>Ried (73) sind die nassen Wiesen beiderseits des Kochers bei der Einmündung des Ziegelweiherbachs, der manchmal auch Roter Kocher heißt.</p>
<p>Der Schwarze Kocher (74) fließt kurz nach seinem Ursprung an der Schlackenwäsche (75) vorbei. Hier stand das Pochwerk, wo Erz und taubes Gestein getrennt wurden. Unterhalb des 2. Brückle auf der Ortseite war früher der Eisweiher (76), in dem der Hirschwirt im Winter das Eis für den Bier- und Eiskeller gewonnen hat.</p>
<p>Der Schlackenweg (77) ist die Flur um den Aussiedlerhof Gold-Schmidjörgle und der erste Teil des Tiefentalsträßchens, gebaut aus Schlacken — das ist der geschmolzene glasige Rest der Erzverhüttung.</p>
<p>Das Tiefental (78) kennt keine weitere Unterteilung der Flur. Man spricht jedoch vom Apfelbäumle (83) bei der Auffahrt zum Wollenberg und vom Lindenbäumle (84) bei der Auffahrt zum Schwarzweiler Teich.</p>
<p>Langes Gwand (79) heißt die Flur vom heutigen Gashäusle bis zum Waldweg, der zur Wanne und Ziegelhalde führt. Südwestlich davon heißen einige Parzellen »Häusle«, direkt unter dem Wannensturz, Richtung Tiefental.</p>
<p>Kreuz (80) ist beiderseits der Bahn gelegen und im Osten heute durch den Verlauf der Bundesstraße begrenzt. Am nördlichen Spitz war der ehemalige Bahnübergang der Staatsstraße — beim Hut — wie man heute sagen würde. Südlich grenzt an die Gemarkung Königsbronn der Krummacker (81) an, der wirklich eine gekrümmte Form hat.</p>
<p>Birkach (82) — die quellige Fläche an der südl. Markungsgrenze vor dem Seegartenhof, die heute ebenfalls von der Bahn geschnitten wird. Das Gebiet diente einige Zeit als Auffüllplatz und hat dadurch leider sehr viel von seinem Charakter als Feuchtgebiet auf der Wasserscheide verloren.</p>
<h2>Nachwort</h2>
<p>Es fehlt die Aufzählung der Flurnamen im Ort selber. Auch sie sind heute noch wichtig — Schwärz, Stahlacker, Kies, Krautstriche, Brunkel (= Bronnquell), im Mahd und viele mehr sind noch immer lebendig, obwohl die Straßennamen längst innerhalb des Orts die Orientierungsfunktion übernommen haben.</p>
<p>In den vielen Flurnamen findet sich ein Teil unserer Heimatgeschichte. Dem Kundigen vermitteln sie viel Wissenswertes. Die Auflistung ergibt rund 190 Wald- und über 80 Feldflurnamen — welch reicher Schatz an heimatkundlichen Werten. Noch immer haben sie jedoch eine weitere unentbehrliche Funktion als Orientierungshilfe. Nicht mit Parzellen-Nummern oder umständlichen Beschreibungen, sondern ganz einfach durch einen Flurnamen findet man sich am besten zurecht — wenn man ihn hat oder kennt. Jeder ortsverbundene Bürger sollte deshalb wenigstens die wichtigsten der oben aufgezählten Namen kennen. Um dazu ein wenig beizutragen, wurden diese Zeilen geschrieben.</p>
<p>Es gab bereits früher Sammlungen von Flurnamen in Oberkochen. In »Bürger und Gemeinde« Nr. 16/1956 ist ein Artikel von Herrn Konrektor Braun abgedruckt. Dort findet sich eine Karte, die Lehrer Günter 1931 angefertigt hat. Sie war für diesen Beitrag eine wertvolle Hilfe. Dank gebührt auch Herrn Hans Gold — Schmidjörgle — der zur Korrektur der Namenssammlung wesentlich beigetragen hat.</p>
<p>Auch auf die unterschiedlichen Schreibweisen der Namen muß hingewiesen werden. Gewählt wurde die i.d.R. heute gebräuchlichste Form.</p>
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<p style="text-align: right;"><em><strong>Karl Schurr</strong></em></p></div>
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