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	<title>Sagen und Geschichten | Heimatverein Oberkochen</title>
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	<title>Sagen und Geschichten | Heimatverein Oberkochen</title>
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		<title>Der berühmte „Partyclub“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Dec 2016 23:00:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen und Geschichten]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><em>obere Reihe von links: Ludwig Burghard, Adolf Fischer, Albert Möhrle, Manfred Löffler, Paul Wingert, Peter Calabek; vordere Reihe: Gerhard Wendt, Vinzenz Honikel, Franz Müller (verdeckt), Paul Grupp, Johannes Wessoly, Kind: Friedrich Hügle</em></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Genau 40 Jahre ist es heuer her, dass die Fußballer des „Partyclubs“ sich mit Vertretern der Firma des unlängst verstorbenen Freundes Fritz Fey in Poggibonsi (Siena, Italien) fußballerisch maßen, der am dortigen Firmensitz für den Handel von Holzbearbeitungsmaschinen und ‑werkzeuge zuständig war.</p>
<p>Die Dresse für die Fußballereignisse wurden von Herbert „Hättre“ Grupp nach Gladbach-Outfit spendiert, einem echten Borussia Mönchengladbachfan, die zu dieser Zeit ja herausragenden Fußball spielten. Vom Ergebnis des legendären Spiels weiß man anscheinend nichts übermäßig genaueres mehr – siegreich sei es jedenfalls gewesen – nur, dass die dem Sieger versprochenen 50 Liter Bier angeblich bereits in der Halbzeitpause vernichtet wurden. Anzumerken ist aber weiter, dass als Siegprämie auch ein Glasballon Rotwein (ca. 30 Liter) aus Poggibonsi seinen Weg auf die Ostalb fand.</p>
<p>Wollen wir uns die Truppe mal näher anschauen: Der heutige „Partyclub“ oder auch „Buabastammtisch vom Pflug“, ist ein gewachsener Freundeskreis, welcher seinen Ursprung im hiesigen Kindergarten am Wiesenweg fand. Ein Zeugnis ist das Bild aus dem Frühjahr 1954, auf welchem einige der Freunde zu sehen sind.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><em>von links: Reinhold Bahmann, Arthur Hügler (+), Peter Rütsche (+), Georg Brunnhuber, Willibald Grupp, Paul Grupp, Clemens Grupp, Ludwig Burghard</em></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Lassen wir Ludwig Burghard zu Wort kommen: „Wir waren seinerzeit Jahrgänger 1947/48. Es gesellten sich während der Schul‑, Lehr- und Studienzeit einige gute und gleichgesinnte Kameraden dazu. Ergänzt wurde der Buabastammtisch schließlich noch durch Freunde aus den Fußballvereinen FCO und TVO und auch durch die Geschwister von Freunden und letztendlich freilich durch deren Ehepartner. Unser Kreis wuchs somit auf ca. 25 Mitglieder (ohne Ehegatten) an, wobei sich die Spanne der Jahrgänge zwischen 1947 und 1952 bewegt. In Zeiten der Ehelosigkeit waren natürlich laufend Partys auf dem Wochenendprogramm angesagt, welche meist im Untergeschoß vom alten Schulhaus in Oberkochen stattfanden, in welchem mein Vater ja der Hausmeister war. Ein Zaungast hatte einst diese Veranstaltungen zu Ohren bekommen und betitelte uns somit als Partyclub, worauf wir als dieser weiterhin genannt wurden. Sturm- und Drangzeiten waren vergessen und wir feierten somit gemeinsam die Hochzeiten unserer Freunde und bis heute die jeweiligen volle Geburtstage“.</p>
<p>Außer Partys wurden gemeinsame Ausflüge, Urlaube etc. unternommen und dabei zum Beispiel die Freunde im Ausland besucht, wie Fritz Fey in Poggibonsi, Paul Wingert in Monza und Manfred Löffler in Barcelona. Heute haben die Burschen, da ja nun im Rentenalter, das Fußballspielen aus ihrer Freizeitbetätigung gestrichen. Leider mussten schon fünf Freunde verabschiedet werden, die bedauerlicher Weise all zu früh verstorben sind. Eine sichere Bank ist das jährliche, gemeinsame Essen im Pflug in Oberkochen. Der Pflug war immer Anlaufstelle, Treffpunkt für Hochzeiten, unvergessliche Faschingshausbälle oder Treffpunkt für das regelmäßige Herbstessen, zu dem die Freunde aus allen Himmelsrichtungen wie z.B. aus der Schweiz, Berlin, Weingarten, Schwarzwald und aus Bayern zusammenkommen. Nebst einem deftigen Essen gibt es auch Filme und Bilder aus längst vergangenen Zeiten an wobei sich jeder nach dem Auseinandergehen auf das nächste Treffen freut.</p>
<p>Was den Burghards Ludwig besonders mit Stolz erfüllt, ist diese schöne Freundschaft, welche 1950 begann und auch mit neu hinzu gewonnenen Freunden sich zu einer treuen Kameradschaft entwickelt und bis zum heutigen Tag nunmehr stolze 67 Jahre einen festen Bestand hat! Einfach pfundig!</p>
<p><strong>Paul Hug</strong></p>
<p>PS: Nachsatz zu ganz anderem Thema: Immer wieder werde ich als ehemaliger Rektor, seit August in Pension, auf erzieherische bzw. schulische Fragen angesprochen. Ein Tipp: Schauen Sie einfach mal ins Internet bei <a href="http://www.elterninitiative-schule-bildung-zukunft.de/home.html" target="_blank" rel="noopener">www.elterninitiative-schule-bildung-zukunft.de</a> unter „Gute Texte: Ein Schulleiter berichtet“.</p></div>
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		<title>Bericht 656: Geschichten, die von Alt-Oberkochen berichten</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-656-geschichten-die-von-alt-oberkochen-berichten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 Apr 2016 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 600-699]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen und Geschichten]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Die folgenden Geschichten aus „Dorfes-Zeiten“ habe ich allesamt bei den Veranstaltungen „SiS“ (Senioren im Schillerhaus) ungerügt vorgelesen oder erzählt, und deshalb habe ich auch kein schlechtes Gewissen, wenn sie in unserer heimatkundlichen Serie „Oberkochen – Geschichte, Landschaft, Alltag“, abgedruckt werden. Einige der Geschichten habe ich einst bei gemeinderätlichen sogenannten „Nachsitzungen“ erfahren, andere – es gibt noch viele – beim Ausklang der Altenweihnacht, wo ich 30 Jahre beim weihnachtlichen Musizieren mitwirkte, und, wo „es“ zu Zeiten von Bürgermeister Bosch meist erst so richtig gemütlich wurde, wenn der offizielle Teil der Feier vorbei war.</p>
<p>Weil niemand derlei Geschichten je aufgeschrieben hat, habe ich irgendwann damit begonnen, sie zu notieren, da derlei Markantes schnell aus der Erinnerung verschwunden ist, wenn „man“ einmal Stadt geworden ist.</p>
<h2>Falsch gelandet</h2>
<p>Hinten im Katzenbach lebten – nennen wir sie mit ihren alten Hausnamen – der „Hugaseff“ und der „Zelle“. Bei letzterem hatte man ziemlich viele Kinder. Abends, wenn alle im Haus waren, ging’s munter her, und der „Zelle“ musste, wenn’s an der Zeit war, ein kräftiges Machtwort brüllen – und dann wurden alle, die noch herumhupften, gnadenlos ins Bett gescheucht.</p>
<p>Als wieder einmal alles drunter und drüber ging, ließ der „Zelle“ seinen üblichen allabendlichen Plärrer los: „Ab, on nauf end Bettr, – aber älle, – on zwar glei“.</p>
<p>Wenn der „Zelle“ mit erhobener Stimme sprach, war, wie gesagt, Feuer unterm Dach angesagt, und es gab keine Widerrede. So verzog sich der eben noch putzmuntere Kindersegen vollzählig und mucksmäuschenstille nach oben, einen Stock höher, – und es herrschte umgehend Ruhe im Hause „Zelle“.</p>
<p>Doch diesmal geschah etwas noch nie Dagewesenes: nach einiger Zeit drang ein durch Mark und Bein gehendes Gewimmer und Greinen aus dem Reich der Ruhe nach unten.</p>
<p>„Abr ruhich isch, – on zwar uff dr Schdell“, – schrie der „Zelle“ nach oben. Dann war’s auch ruhig. Eine Weile. Denn schon bald ging das herzzerreißende Geheule und Gewimmer wieder los.</p>
<p>Da stieg der „Zelle“ höchst persönlich nach oben, um nach dem Rechten zu kucken. „Ja, was isch’n los, dao gibt’s doch iebrhaupts nex zom Pläara“, – schimpfte er – „on wann’d’s jetz et ruhich isch, nao geit’s a sieadigs Donnrweddr.</p>
<p>Tatsächlich war’s auch nochmal für einen kurzen Augenblick ruhig, – – aber dann schluchzete es aus der Dunkelheit: „I g’heer doch gar net zu uich, – i g’heer doch ‘m Hugaseff“.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="480" height="320" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber656-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-12285"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h2>D’Marie</h2>
<p>Das war in den Vierzigerjahren des letzten Jahrhunderts.<br>D’Marie wohnte irgendwo hinter dem „Lamm“ in der Feigengass vom Katzenbach weg in einem ältlichen Haus und war selbst auch nicht mehr die Jüngste.</p>
<p>Es wird berichtet, sie sei etwas düster gekleidet gewesen, und sie habe „so a bissale an gebrechlicha Gang ghett, on a weng a trieabs Drialaug“, – kurz: nicht gerade eine herausragende Hübschheit, und insgesamt eine Frau, vor der man als Kind vielleicht sogar ein wenig Angst hatte, – zumal es zu dieser Zeit noch alte Leute in Oberkochen gab, die ans 7. Buch Mose glaubten: an von Hexenkraft geflochtene Kuhschwanzenden oder Knoada em Schwanz, – und an rosa gefärbte Kuhmilch…</p>
<p>D’aalt Marie schnitt den Kindern, wo es nicht so arg auf Schönheit ankam, um 10 Pfennig die Haare, – aber die Kleinen gingen nicht so grausig gern dorthin, gewiß auch deshalb nicht, weil’s wirklich mehr als einfach herging bei der Alten, – und alles um sie herum halt a wengle seltsam war.</p>
<p>Aber so war’s eben. Man hatte kein Geld, und „weil s’Gäald Mangelware war“ sagte man zu den Kindern „Dao hasch zeea Pfennich, gasch nom zur aalt Marie on lesch dr für zeea Pfennich d’Haaor schneida“.</p>
<p>Etwas widerwillig gingen die Kinder dann halt mit dem Zehnerle in der Hand nom ins Feigagässle und kopften an das niedrige Fenster der direkt am Gässle gelegenen Wohnung; die Fensterbrüstung lag nur gerad mal so 30/40 Zentimeter überm Boden, – und ziemlich finster war’s dahinter, wenn das Fenster aufging, und so a weng a muffeligs Geschmäckle kam heraus mit dem Kopf von der alten Marie.</p>
<p>„Wa wit“, fragte diese.</p>
<p>„Kannsch mr für zeea Pfennich d’Haaor schneida“, fragte man eher schüchtern.</p>
<p>Und dann begann die rituelle Prozedur.</p>
<p>Die Alte wußte natürlich, daß die Kinder sich nicht so richtig ins Haus hineintrauten. Deshalb sagte sie: „Schtreck’n rei durch’s Feeschdr, dein Meggl“. Weil das Fenster aber so niedrig war, mußte man sich aufs Drodwahr hinunterknuila, nur so konnte man seinen Möckel, auch Mockas, ins Zimmer der alten Marie hineinstrecken. Dann kam sie, wenn nötig, zuerst mit der Schere an, auf jeden Fall aber mit dem unglaublichen Handapparat, einem Haarabzwicker, wie ihn tatsächlich echt auch die richtigen Frisöre hatten. Darauf säbelte, schnitt und zwickte sie die Haare fast auf preußische Länge. Das zwickte und zwackte, rupfte und zupfte daß Gott erbarm. – Irgendwann war das Haar dann ab. Gegen Schluß nahm d’aalt Marie dann nochmal die Schere und schnitt mit ihr „so an schräaga Deengr“ ins Stirnhaar, – „ha, wiena mrs daomals halt gheet hat“. – Ganz zum Schluss spuckte sie kräftig in die Hände, verrieb „es“ und fuhr einem mit der verriebenen Spucke auf den Handflächen durchs Haar, – „on tzletscht hat se s’Haaor uffs Hieara naufbäbbt, – guck so“.</p>
<p>Und so haben die meisten Kinder im Katzenbach die Haare geschnitten bekommen, – hat mir ein echter Alt-Oberkochener verzählt. Er auch. – Allerdings bestritt er später als ich ihm die Geschichte zur Kontrolle vorlas, dass er „Meggl“ gesagt habe, „Meggl“ habe in Oberkochen „koi Sau“ gesagt, – und er selbst sicher bloß aufs Versehen und im Eifer des Verzählens. – Weil ich aber die wichtigen Wörter beim Verzählen richtig mitgeschrieben habe, bleibt der „Meggl“.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h2>D’Pauleana</h2>
<p>Unten am Kocher, so erzählte man mir, wohnte in einem ärmlichen Kellerraum d’Pauleana. Von dieser sind immer noch recht ausgefallene Geschichten im Umlauf, die aber bald keiner mehr weiß. Deshalb habe ich zwei außergewöhnlich würzige davon, mit vollem Dorfcharakter, wie sie mir Einheimische berichteten, aufgeschrieben.</p>
<h3>Die Geschichte von der nicht vorhandenen „Ondrhoas“</h3>
<p>Diese Geschichte ist etwas anrüchig. Aber sei’s drum – so war’s halt. Von der Pauleana war nämlich bekannt, dass sie unter dem Rock, so wie man’s von den männlichen Schotten berichtet, nichts trug. Vor allem die Buben im Dorf machten sich immer wieder den gleichen Spaß, auf den d’Pauleana hereinflog:</p>
<p>Einer schrie „Pauleana, d’Hoasa ra“, – oder „Pauleana, d’Hoasa guggt raus“, – worauf d’Pauleana ihren Rock lupfte und rief „I hao doch gar koine Hoasa aa“.</p>
<h3>Die Geschichte vom Hochwasser</h3>
<p>Wenn Hochwasser war, im Kocher, stand der Keller von dr Pauleana öfters unter Wasser. Manchmal kam so viel davon, dass man die Feuerwehr brauchte. Einmal, als diese eintraf, schwamm das Bett von dr Pauleana im Keller herum und der Nachthafen schaukelte hinterher.</p>
<p>Das hatte sich in Windeseile im Dorf herumgesprochen, und die ganze Dorfjugend wurde Zeuge des Desasters.</p>
<p>Ab da war da unten immer, wenn Hochwasser war, die Dorfjugend zugegen.</p>
<p>Die Feuerwehr brachte an den Kellerwänden auf Höhe des Kellerfensters Holzrinnen an, die zum Fenster hinaus zum Kocher liefen, und in die man das Wasser mit Eimern geschüttet und zurück in den Kocher geleitet hat.</p>
<p>Später gab es dann eine Pumpe.</p>
<p>Ein anderer Oberkochener wusste, dass d’Pauleana ihr Geld unter dem Tischtuch aufbewahrte. Da es keine Kunst war, bei dr Pauleana ins Innere des Kellers zu gelangen, haben so Saukerle hin und wieder auch „a weng a Gäald“ mitlaufen lassen.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h2>Der „Funka-Schuster“</h2>
<p>Hinter der (abgerissenen) „Krone“ wohnte während des Zweiten Weltkriegs der „Funka-Schuster“. Er war Schuster und hieß Funk. Es sei, wie man mir erzählte, ein Original „dicht an der Grenze“ gewesen – was immer man darunter verstehen mag. Für die folgende Geschichte, die von einer Henne handelt, gibt es 2 verschiedene Quellen. Bei der einen Quelle heißt jene Henne, die dafür bekannt war, dass sie ein außergewöhnliches Kunststück vorführen konnte, „Adelheid“, bei der anderen „Heiner“. Da eine Henne in der Regel ein weibliches Wesen ist, neige ich zu der Version „Adelheid“. – Im Übrigen kannten die beiden Berichterstatter sich gegenseitig nicht, sodass der Wahrheitsgehalt der Geschichte kaum anzuzweifeln ist.</p>
<p>Der „Funka-Schuster“ jedenfalls hatte jene seine Henne „Adelheid“ auf den Hitlergruß dressiert. Wenn er zu ihr sagte: „Adelheid, sag Heil Hitler“, dann legte Adelheid sich auf den Rücken und hob einen Fuß in die Höhe. Die Leute sind von weit her gekommen, um diese außergewöhnliche Henne namens Adelheid (oder Heiner) zu bewundern. Sicher gab es ein Trinkgeld; aber das ist nicht überliefert; dafür, dass dem „Funka-Schuster“ seine braune Henne vor dem braunen Diktator gestorben sei.</p>
<p>Der „Funka-Schuster“ habe auch originelle Bilder gemalt.</p>
<h2>Mit dem Auto ins Bett von der Oma</h2>
<p>In der Aalener Straße gibt es ein Haus, bei dem man vor ungefähr 16/17 Jahren, als der alte Putz zugunsten eines neuen abgeschlagen wurde, sehen konnte, dass das Mauerwerk unter einem Fenster bis auf Gehweghöhe im Erdgeschoss zur Straße hin anders aussah, als das es umgebende: Es war aus Backsteinen gemauert, während das übrige Original-Mauerwerk ein sogenanntes Kalkbruchstein-Mauerwerk war.</p>
<p>Hiezu berichtete mir der dazugehörende Alt-Oberkochener, dass um die Mitte der Sechzigerjahre, also vor einem halben Jahrhundert, ein durchaus bekannter Jonger von einem durchaus bekannten Alten am Heiligen Abend mit einem Mordsballen, Mordsruß oder auch einer Mordskischt im Gesicht in seinem Auto von der Weihnachtsfeier vom Clubhaus kommend zwecks spürbar überhöhter Geschwindigkeit die leichte Linkskurve oben beim Geißinger unterschätzt habe. Von dort oben aus sei er sodann in weitem Bogen von der ursprünglich rechten Straßenseite über die ganze Straße rüber auf jenes auf der anderen, also der linken Straßenseite, gelegene Haus zugeschliddert, und über den Gehweg voll durchs Fenster ins Schlafzimmer hineingerauscht, in welchem die Oma im Bett lag. Nur wenige Zentimeter von der Bettkante weg kam das Auto zu stehen. Kurz: „d’Schoiwerfr hannd ens Bett neiguggt, – abr dr Oma isch nex bassiert“, – außer, dass sie einen Sauschrecken bekommen hat.</p>
<p style="text-align: right;"><em><strong>Dietrich Bantel</strong></em></p></div>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
			</div>
				
				
			</div>
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			</item>
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		<title>Bericht 482: Wildschweine im Vormarsch auf Oberkochen »Allnacht« — ernst und heiter: Oberkochener »Alltag« einmal anders</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-482-wildschweine-im-vormarsch-auf-oberkochen-allnacht-ernst-und-heiter-oberkochener-alltag-einmal-anders/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Jun 2005 22:00:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 400-499]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen und Geschichten]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Sie waren schon im letzten Jahr im »Wolfertstal« und im Ort und keiner wollte das so richtig wahr haben: Die Wildschweine.<br>Nun sind sie wieder da — jede Nacht.<br>Sie kommen von drauß vom Walde her und von oben vom Berg herab, und nähern sich unserer kleinen Stadt in erschreckendem Maße — ja, sie sind schon mitten drin in der Siedlung, die im Lauf der letzten 20 Jahre im »Spitztal« zwischen dem Sträßchen zum Aussiedlerhof Pflugwirt und der Langertstraße entstanden ist.<br>Die am weitesten vorgedrungenen Wildschweine graben derzeit wurzelsuchend zu nächtlicher Stunde ungeniert bereits auf der Höhe des Kinderspielplatzes und der vis-a-vis befindlichen geschlossenen Bebauung ortseinwärts am rechten »Roina«. Sie wühlen sich auf der Suche nach »wilde Gäalrieaba« (wilde Möhren) in den steilen Hang des »Roina« und schmeißen dabei Erde und Steinbrocken auf die Straße herab. Man muss das Schlimmste befürchten.</p>
<p>Zwar ist die Schwarzwild Schonzeit seit dem 14. Juni vorbei, aber die Grundregel, dass auf einzelne Bachen nicht geschossen wird, gilt trotzdem — sie könnten ihre noch pflegebedürftigen Frischlinge »abgelegt« haben und dürfen deshalb nicht erlegt werden. Die Ortsjäger haben bei den Schwarzkitteln offenbar nur bedingt Chancen.</p>
<p>Es ist also nicht auszuschließen, dass die Wildschweine demnächst bis zum Eugen-Bolz-Platz und damit zum Rathaus vordringen. Nicht auszudenken, wenn eines Morgens der Bürgermeister kommt und seine Wirkungsstätte von Wildschweinen in Besitz genommen vorfände.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Die folgende Geschichte trug sich, wie mir einer unserer Jäger berichtete, wahrhaft zu:</p>
<p>Kürzlich ruhte sich gegen Mitternacht ein »Tschocker« auf der Bank gegenüber des Spielplatzes an dem beschriebenen Sträßchen aus. Plötzlich schnuffelte es gar seltsam im Gebüsch hinter dem »Tschocker«. Der Mann drehte sich herum und blickte entsetzten Auges direkt in das monderhellte lüsterne Antlitz einer mittelalterlichen Wildsau. Wie von der Tarantel gestochen sprang er auf und saute kopflos davon vor der Sau, ortseinwärts, der Meinung, das Untier werde ihm nicht in die Geborgenheit der dichteren Bebauung folgen — ein granatenmäßiger Irrtum, wie sich alsbald zeigte; denn die Wildsau, nicht faul, setzte ihm schnurstracks nach, wobei sie ihm einen Vorsprung von ca. 5 Metern gewährte. Die wilde Jagd führte unweit des Wohngebäudes unseres ahnungslos in seligem Schlummer befindlichen Bundestagsabgeordneten vorbei, dann um die Ecke beim Segelfliegerhäusle herum in die ehemalige Schillerstraße einbiegend Richtung Versöhnungskirche — die Sau noch immer hinter dem »Tschocker« her, mitnichten an Versöhnung denkend. Nun bogen der Verfolgte und seine Verfolgerin, d.h. der »Tschocker«, dem die Beine langsam schwer wurden, und hinterher die immer noch muntere Sau, nach links Richtung Rathaus ab. Dort konnte der so übel Gehetzte nicht mehr, brach folgerichtig in sich zusammen und schloss mit dem Leben ab. »Bild« würde berichten: »Tschocker vor Oberkochener Rathaus von Wildsau gefressen«. Aber es passierte nichts. Rein gar nichts. So dachte dieser nach geraumer Zeit, die Sau habe Angst vor einem toten »Tschocker« bekommen und sei abgehauen. Dieser fasste sich alsdann ein Herz und öffnete die Augen. Aber oh weh! Voll Entsetzen blickte er abermals in dieses gräuselig lüsterne wildsäuliche Antlitz. Er spürte den warmen Atem der Sau auf sich herabsinken und schloss erneut mit dem Leben ab. Da hörte er, wie die Sau über ihm sprach: »Jetz, was isch, Kumpel, packat mr’s wieder?«</p>
<p>Wer sich also in den Sommernächten luftschnappenderweise im »Spitztal« oder im »Wolfertstal« ergeht, muss dies eingedenk dieses atemberaubenden Berichtes tun.</p>
<p>Dietrich Bantel</p></div>
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		<title>Bericht 409: Der »Hexafels«</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-409-der-hexafels/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Jan 2002 23:00:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 400-499]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen und Geschichten]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Nicht weit nördlich des Volkmarsbergturms, dort wo die flach geneigte Heide in hohen Mischwald übergeht und der Hang als immer steiler werdende Klinge über die Märchenwiese hinab ins Wolfertstal abfällt, da liegt zwischen Wacholderbüschen ein riesiger Felsklotz. Auf der topographischen Karte von 1927 im Maßstab 1:25000 ist dieser Felsklotz als »Bergstein« eingezeichnet. Den gleichen Namen weist das Bergrundschau-Panorama des Schwäbischen Albvereins von 1930 auf. Hin und wieder hört man auch einfach die Bezeichnung »dr Schdoi«. Aber die meisten Oberkochener und Älbler sagen einfach »dr Fels«, (»dr Felsa«) oder »beim Fels« oder »am Fels vorbei«. Auch die Bezeichnung »s’Felsle« wurde mir genannt.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Niemand mehr weiß aber, dass man den »Fels« noch vor 250 Jahren den »Hexafels« nannte. Weil die Hexen und später auch die Erinnerungen an sie aus der Mode gerieten, geriet auch der Name »Hexafels« in Vergessenheit.</p>
<p>Vor 22 Jahren aber traf ich mit einer ganz alten Frau zusammen, die mir über allerlei Oberkochener Sagen zu berichten wusste. Von dieser Frau weiß ich, dass es noch heute um die Mitternachtszeit in klaren Sommernächten bei Vollmond um den «Fels« herum so hin und wieder nicht ganz geheuer sein soll. Wenn sich weit und breit kein Lüftlein regt, dann weht um den »Fels« ein leiser Wind, und manchmal hört man ein Geräusch, wie wenn ein leichter Stoff über den Stein gezogen würde. Auch ein leises Kichern und unverständliches Tuscheln von Mädchenstimmen sollen hin und wieder zu spätnächtlicher Stunde aus dem »Fels« herauskommen.</p>
<p>Im 18. Jahrhundert, so erzählte mir die Frau, sei einmal ein Schäfer neben seiner Herde beim »Fels« eingeschlafen am helllichten Tag und soll daran aufgewacht sein, dass ihm ein Stoff übers Gesicht gezogen wurde. Als er die Augen öffnete war niemand weit und breit, aber neben ihm lag ein mit einem Goldfaden umwickelter Strauß mit ihm unbekanntem Kraut, das dunkelrotbraune Blüten trug. An dem Fa-den hing ein Zettel, auf den äußerst kunstvoll ein großes dunkles Auge gezeichnet war, und darunter stand geschrieben: »Vom Bilzle«.</p>
<p>Dem Schäfer ward recht unheimlich zumute aber er traute sich nicht, mit jemandem über den seltsamen Vorfall zu sprechen. Jedesmal, wenn er daran dachte, lief es ihm aber so leicht schaurig den Buckel runter, bis er eine der krautigen Pflanzen aus dem Gebinde rupfte und einen Quacksalber nach dem Namen der Pflanze fragte. Zu seiner Überraschung erfuhr er, dass die Pflanze »Bilsenkraut« heißt. Nun war ihm klar, dass ein Zusammenhang zwischen dem Krautbüschel und irgendeinem Wesen bestehen musste, das den Strauß neben ihn gelegt hatte, während er im Schatten vom »Fels« schlief.</p>
<p>Bald darauf verliebte sich der Schäfer in ein fremdes Mädchen mit langen dunklen Haaren und außergewöhnlich großen dunklen Augen. Sie führten eine perfekte Ehe und hatten 5 Kinder — eines hübscher als das andere. Manchmal aber ging die Frau des Schäfers alleine in den Wald, um draußen in der »Bilz«, einem abgelegenen und sagenumwobenen Waldstück, Pilze und Beeren zu sammeln wie sie sagte. Und immer, wenn sie vom Wald zurückkam, hatte sie außer Pilzen und Beeren besonders dunkle und große Augen, mit denen sie alle Menschen verzauberte — vor allem aber ihren allerliebsten Schäfermann. Und weil ein Teil ihres geheimnisvollen Wesens offenbar mit dem Wald in der Bilz zu tun hatte und weil er eine Querverbindung zu seinem Erlebnis auf dem Berg beim »Fels« wähnte, nannte der Schäfer das Mädchen sein »Bilzle«.</p>
<p>Ehe sie in ihrer Geschichte fortfuhr, versicherte mir die alte Frau, dass sie eine Ururururur Enkelin der bildhübschen Schäfersfrau noch persönlich gekannt hat.</p>
<p>Und dann erzählte sie, dass zu eben diesen alten Zeiten eine größere Zahl Oberkochener Frauen einmal im Jahr zur Sommerszeit in die »Ellwanger Bilz«, wie der große finstere Wald damals noch hieß, zogen, um dort angeblich Pilze und Beeren, in Wirklichkeit aber das Bilsenkraut und auch die Tollkirsche und andere Kräuter zu sammeln, aus denen sie dann oben auf dem Berg überm Feuer am »Fels« eine zauberkräftige Tinktur zubereiteten.</p>
<p>Das war vor etwa 250 Jahren, wie mir die Alte erzählte. Außer der Frau des Schäfers, die man »s’Bilzle« nannte, zählten zu diesen Frauen »d’Schuldesse (die Frau vom Bürgermeister), d’Hefaddl (die Hebamme), d’Beede (die Bötin also die Frau, die für kranke Mitbürger Medizin in Aalen besorgte und andere Botengänge verrichtete), d’Ondrmillere (die Frau des Müllers von der Unteren Mühle, heute Scheerermühle), ferner vier Wirtsfrauen, nämlich d’Ochsawierde, Greeabaumwierde, d’Rössleswierde, und d’Hieschwierde (die Frau vom Hirschwirt), des weiteren d’Dorfschulmoischdere (die Frau vom Herrn Lehrer), d’Uffbassere, (die Frau des Nachtwächters), d’Pfarre, (die Frau vom evangelischen Pfarrer) und ganz zuletzt S’Faktodom (die Haushaltsgehilfin des katholischen Pfarrers).</p>
<p>Während diese 13 Oberkochener Frauen auf die Mitternacht zu um den »Fels« auf dem Berg herumtanzten, köchelte das nach uraltem Rezept zubereitete Bilsenkraut und Tollkirschen-Gebräu im Kupferkessel, der an einem Metallstab mit Haken am Ende überm Feuer hing. Das Loch, in welchem die Hakenstange steckte, kann man heute noch im »Fels« sehen und auch die Feuerstelle ist bis auf den heutigen Tag an der schwarzen Verfärbung des Bodens zu erkennen.</p>
<p>Wenn aus dem Tal herauf die Turmglocken die Mitternacht einläuteten, so erzählte die Alte weiter, setzten sich die 13 putzmunteren Frauen, die natürlich alles andere als Hexen waren, in plötzlicher großer Stille um das Feuer beim »Fels« und träufelten sich ein paar Tropfen des dunkelroten giftigen Elixiers in die Augen und ein paar in den Mund. Hernach begann sich der Reigen wieder zu drehen. Nach vielen weiteren Runden noch wilderen und wie berauschten Tanzes zogen sich die 13 Frauen dann unter hellem Lachen zurück Richtung Dorf. Um nicht aufzufallen ging aber ab dem Waldrand eine jede still für sich allein des Wegs nach Hause. Am Morgen des nächsten Tages jedoch hatten alle diese Frauen wundervolle große Augen wie Zauberfeen und waren besonders lieb zu ihren Männern. Und denen war das gerade recht.</p>
<p>Natürlich kriegten es die anderen Männer im Dorf so nach und nach auch spitz, wenn sich da oben auf dem Berg was abspielte, aber keiner traute sich hinauf. Es war, wie wenn alle Frauen im Dorf unter einer Decke stünden: In den fraglichen Nächten befahlen sie ihren Männern statt auf dem Berg herumzuspionieren besser ins Wirtshaus zu gehen. Das befolgten die Männer willig, denn die Frauen übten damals wie heute eine kolossale Macht in der Ehe aus. Kein Wunder also, dass diesen 13 Frauen von den Männern im Dorf mit der Zeit der Ruf der Hexerei angedichtet wurde.</p>
<p>Ein einziges Mal war ein verirrter Wandersmann als Zeuge einer solch nächtlichen Orgie ansichtig geworden und berichtete im Dorf, und zwar in der »Grube«, dass oben auf dem Berg und just um Mitternacht, 13 Hexen mit Husch und Hui rund um einen Felsklotz und ein Feuer tanzten. Da machte sich eine Abordnung von tapferen Männern unter der Anführung des Wandersmannes, des Polizeidieners und des Bürgermeisters auf den Weg, um Erkundigungen vom Berge einzuholen.</p>
<p>Als sie aber an den »Fels« kamen, da war da nichts, aber auch rein gar nichts. Der Boden beim »Fels« war jedoch schwarz, wie wenn dort einmal ein Feuer gebrannt hätte. So wurde der Wandersmann ausgelacht, er habe wohl Geister gesehen und die Männer kehrten unverrichteter Dinge in ihre Wirtschaften zurück, um die von ihren Frauen verordneten Sitzungen zu vollenden. Als sie am frühen Morgen in ihre Häuser zurückkehrten, da wurden sie von ihren Frauen nicht mit dem Wellholz, sondern mit großer Liebe empfangen.</p>
<p>Seit dieser Zeit hieß der Fels auf dem Berg nur noch »dr Hexafels«. Und erst Napoleon verbot dann in seinem berühmten Reichsdeputationshauptschluss von 1803, der das Ellwangische Land ins Württembergische Herzogtum einfügte, allen »Zauber, den die Weibsleut zu nächtlicher Stunde in und außerhalb der Dörfer ausübten«.</p>
<p>Wir aber wissen, dass es in Oberkochen nie richtige Hexen gegeben hat, denn alle Oberkochener Ehegattinnen waren, wie diese Geschichte lehrt, stets treu liebende Frauen zum Wohlgefallen ihrer braven Männer.</p>
<p>Der »Hexafels« indes liegt bis heute an seinem alten Platz.</p>
<p>Zum guten Schluss sagte die alte Frau zu mir: Die Geschichte ist aus, dort läuft eine Maus. Wer sie fängt, kann sich eine große Pelzkappe aus ihrem Fell machen, auf der man wunderschön ins Neue Jahr 2002 rutschen kann.</p>
<p>Dietrich Bantel</p></div>
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		<title>Bericht 129: Noch eine Oberkochener Schlittengeschichte</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-129-noch-eine-oberkochener-schlittengeschichte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Feb 1991 23:00:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 100-199]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen und Geschichten]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Sie, liebe Leserin und lieber Leser, kennen doch »die« Oberkochener Schlittengeschichte, die um das Jahr 1910 Oberkochen einen wenig schmeichelhaften und absolut nicht hoffähigen Spottnamen eingebracht hat? Wie lautete er? — das wollen auch andere, denen die Geschichte unbekannt ist, vermutlich nun wissen. Deshalb sei sie der »neuen« Geschichte, die allerdings wesentlich älteren Datums ist, vorangestellt.</p>
<p><strong>Die Schlittenschei..r</strong><br>Drei sehr verschiedenartige Umstände hatten damals zusammengewirkt. Erstens lag viel Schnee auf der Ostalb und es war bitterkalt. Zweitens besaß jedes Haus in Oberkochen eine »Abortgrube«, denn es gab noch keine Kanalisation. Und drittens war in Oberkochen die katholische Zentrumspartei »in«. Bei der Landtagswahl 1911 haben in Oberkochen von 292 Wahlberechtigten 211 ihre Stimme dem Gerichtsassessor Eugen Bolz von der Zentrumspartei (Bolz war später auch Reichstagsabgeordneter und ab 1928 württembergischer Staatspräsident, der nach dem 20. Juli 1944 verhaftet und hingerichtet wurde. In Oberkochen erinnert an ihn der »Eugen-Bolz-Platz« beim Rathaus). 60 Stimmen fielen auf Syndikus Dr. Mayer von den »Vereinigten Liberalen« und nur 4 Stimmen erhielt der sozialdemokatische Bewerber Buchhändler Fischer.</p>
<p>Diesem Oberkochener Defizit wollten nun einige Anhänger der SPD aus Aalen abhelfen, hatten sie doch dort immerhin 40 % der Stimmen erhalten. Wie Christhard Schrenk in seinem Büchlein »Alt-Oberkochen« auf den Seiten 22 und 23 erzählt, hielten sie dazu im Gasthaus »Hirsch« eine Parteiversammlung ab. Dies wiederum rief die politischen Gegner auf den Plan. Um den Aalenern einen »Streich« zu spielen, schmuggelten ihnen »einige junge Kerle vom Zentrum« einen »Eisklotz« in den beim Gasthaus »Hirsch« geparkten Schlitten. Allerdings bestand dieser nicht aus reinem Eis, sondern es war ein »Bollen«, der sich wegen der Kälte rasch aus dem Inhalt einer zuvor in die nahe Abortgrube getauchten »Schapf« gebildet hatte.</p>
<p>Als die Versammlung zu Ende war, machten sich die Aalener mit ihrem Schlitten auf den Heimweg, gegen die Kälte wohlgeschützt durch einige Decken und nichts von ihrer eisigen Fracht ahnend. Offenbar wirkte die Hitze der politischen Debatten auf der Heimfahrt nach und die kälteabweisenden Decken taten das ihre:</p>
<p>Der »Eisbrocken« begann aufzutauen. Kaum hatten die Aalener die untere Kocherbrücke bei der Elser-Mühle überquert, entströmte Decken und Kissen zunehmend bestialischer Geruch, gegen den sich Fahrtwind und erfrischende Winterluft machtlos erwiesen. Die Insassen des Schlittens warfen sich ratlos und stumm fragende Blicke zu: Der Geruch der Pferde war doch sonst etwas anders geartet, oder sollte gar einem von ihnen etwas Menschliches passiert sein? Das ging so, bis die ersten Lichter von Unterkochen auftauchten, da faßte sich einer ein Herz und stellte treffsicher fest: »Des stenkt grad so, wie wenn oiner en d’Schlitte nei gschisse hätt’«, was zwar objektiv unrichtig war, den Oberkochenern aber nach Bekanntwerden der Sache den Namen »Schliedascheißer« einbrachte.</p>
<p><strong>Rasender Schlitten überfährt Unterkochener Postboten</strong><br>1888 war schon einmal eine Geschichte passiert, bei dem ein Schlitten im Mittelpunkt stand. Allerdings war der »Tatort« nicht Oberkochen, sondern Unterkochen, und sie war nicht ganz so anrüchig, dafür aber mit kriminellem Anstrich, denn sie ist durch den Prozeßbericht über eine Verhandlung vor dem Schwurgericht Ellwangen bekannt geworden.</p>
<p>Genauer gesagt waren es zwei Prozesse, die 1888 um die Sache geführt wurden. Beim ersten Prozeß ging es darum, »daß der 25 Jahre alte ledige Bauer J. G. von Oberkochen« angeklagt war, »am 26. Dezember 1887 in Unterkochen den 69 Jahre alten Festschützen und Postboten Johs. Schäffauer von Unterkochen durch einen mit zwei Pferden bespannten, übermäßig rasch fahrenden Schlitten überfahren zu haben, was für Schäffauer den Bruch des Achselbeins und einmonatige Arbeitsunfähigkeit zur Folge hatte«. Als Zeugin zu seiner Entlastung hatte der Oberkochener G. die »27 Jahre alte Bauers-Ehefrau K. S. aus Unterkochen« aufgeboten. Beide, wie auch »deren Familienangehörigen standen in keinerlei näherer Beziehung zueinander«. Frau S. sagte »mit Bestimmtheit aus, nicht J. G., sondern sein Bruder M. G., welcher am selben Tag ebenfalls mit einem Schlitten von Aalen kommend durch Unterkochen gefahren ist, habe den Unglücksschlitten gelenkt«.</p>
<p>Aufgrund dieser unter Eid erfolgten Aussage wurde Johannes G. freigesprochen. Staatsanwalt Hornig aus Ellwangen hielt diese Version aber für eine faule Geschichte. Er trieb in kurzer Zeit 30 Zeugen auf, die seine Ansicht bestätigen konnten. Und so kam es zu einem zweiten Prozeß.</p>
<p><strong>Meineidsprozeß wegen Schlittenunfall</strong><br>Am 22. und 23. Juni 1888 wurde das Hauptverfahren vor dem Schwurgericht Ellwangen durchgeführt. Angeklagt waren »K. S. wegen eines Verbrechens des Meineids« und »J. G. aus Oberkochen wegen Anstiftung zum Verbrechen des Meineids«. Wie zu erwarten war, hatte die Anklage beim Verfahren leichtes Spiel, denn »nach den Aussagen einer Reihe unbeteiligter Zeugen hat der mit Kindern besetzte Schlitten, welchen J. G. lenkte, den Schäffauer überfahren und nicht der von seinem Bruder M. G. geleitete, welcher mit erwachsenen Personen besetzt war und zudem viel später Unterkochen passiert hat, als Schäffauer überfahren worden ist«.</p>
<p>Dennoch kämpften die Verteidiger der Angeklagten, die Rechtsanwälte Frik und Eisele aus Ellwangen, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln und Spitzfindigkeiten für ihre Mandanten. Obwohl Frau S. auf ihrer Falschaussage beharrte, folgerte die Verteidigung, »nach Lage der Sache und nach den zur Zeit des Vorkommnisses vorgelegenen persönlichen Verhältnissen der Angeklagten S. dürfe zu schließen sein, daß sich in deren Gedächtnis eine Verwechselung ihrer eigentlichen Wahrnehmungen so eingeprägt hat, daß sie überzeugt ist, der Verlauf sei so gewesen, wie sie ihn angegeben hat. Demnach dürfte fraglich sein, ob sie wissentlich falsch geschworen hat… . Treffe letzteres nicht zu, so wäre für die S. die Schuldfrage zu verneinen und ebenso für G. die Anstiftung zum Meineid, obwohl er sich der Verleitung zum Meineid innerlich schuldig gemacht habe«.</p>
<p><strong>Überraschendes Urteil</strong><br>Als sich die Geschworenen zur Urteilsfindung zurückgezogen hatten, war man sehr auf das Ergebnis der Beratungen gespannt. Würde das Plädoyer der Verteidigung in seiner doch etwas fadenscheinigen Argumentation überzeugend haben? An einen Freispruch glaubte niemand so richtig, denn von zahlreichen Zeugen war ja der Unfallhergang eindeutig beschrieben worden. Um so größer war dann die Überraschung bei der Urteilsverkündung. »Die Geschworenen verneinten sämtliche die Schuldfrage, worauf Freispruch beider Angeklagten erfolgte«.</p>
<p>Ob dies ein sachlich richtiges Urteil war, muß dahingestellt bleiben, denn immerhin war der Unfall tatsächlich passiert, es war dabei eine Person verletzt worden und Bauer Johannes G. aus Oberkochen hatte ja nach einigem Hin und Her eingeräumt, »es könne sein, daß er Schäffauer überfahren habe, wahrgenommen habe er es aber nicht«, — und nun war nach zwei Prozessen nicht einmal mehr ein Unfallverursacher vorhanden, geschweige denn jemand, von dem der Geschädigte Schmerzensgeld und Schadensersatz fordern konnte. Wie sich der doppelt betroffene Postbote und Festschütze von Unterkochen dazu stellte, ist nicht berichtet.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="380" height="560" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber129-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-9729"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Zum Foto:</strong><br>Das uns von Herrn Robert Wolff überlassene Original-Foto zeigt, wie früher im Winter Transportschlitten im Einsatz waren, auch der Bahnschlitten — bekannt ist ja das Bild auf Seite 220 im Oberkochener Heimatbuch — war zur Winterszeit unentbehrlich. Auf dem Foto sieht man Grubwirt Franz Weber und Christian Jooss auf dem Weg zur Wildfütterung.</p>
<p>Der Junge auf dem Heuschlitten ist Walter Wolff, der Sohn des Fotografen.</p>
<p style="text-align: right;">Volkmar Schrenk</p></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Bericht 127: Ein afrikanisches Orakel zur Verhinderung von Kriegen</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-127-ein-afrikanisches-orakel-zur-verhinderung-von-kriegen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Jan 1991 23:00:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 100-199]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen und Geschichten]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Der Oberkochener Christian Hornberger (1831–1881) erzählt:</p>
<p><strong>Ein afrikanisches Orakel zur Verhinderung von Kriegen</strong></p>
<p>»O b e r k o c h e n, … Hier ist geboren als Pfarrerssohn: Christian Hornberger, Missionar in Westafrika, 27. Oktober 1831«, so lesen wir in der Beschreibung »Das Königreich Württemberg« von 1906 in Band 3 unter »Jaxtkreis« (bgl. HVO-Bericht Nr. 5/1988).</p>
<p>Christian Hornberger, der in der Zwischenzeit in Vergessenheit geraten war, wurde im letzten Jahr wieder neu entdeckt und sein Wirken als Missionar, Forscher und Fotograf aufgezeigt.</p>
<p>Seine missionarische Tätigkeit — Hornberger war zuletzt Generalpräses der Norddeutschen Mission in Westafrika — ergänzte er als weltoffener Schwabe durch Forschungsreisen, die ihn weit über das Land der Eweer führten, worüber er in geographischen Zeitschriften berichtete. Auch in der Festschrift zum fünfundzwanzigjährigen Regierungsjubiläum von König Karl von Württemberg wird er als Forscher genannt. Schließlich fotografierte er als einer der ersten in Afrika, teilweise stellte er sogar Doppelaufnahmen her, die räumliches Sehen gestatten.</p>
<p>Der Vater Hornbergers war von 1827 — 1834 Pfarrer in Oberkochen. Er dokumentierte seine Gelehrsamkeit in der Liste der Oberkochener Pfarrer mit der Bezeichnung »Bavarofontanus«. Wer nun meint, dieser 36. Oberkochener evangelische Pfarrer sein ein »Bayern-Fan« gewesen, der irrt. Bavarofontanus ist die latinisierte Fassung des Geburtsortes: sie sagt, Vater Hornberger ist in Baiersbronn im Schwarzwald geboren.</p>
<p>Wenn wir das Geburtshaus von Christian Hornberger in Oberkochen suchen, werden wir rasch fündig, denn wir besitzen die von Pfarrer Dürr 1851 gefertigte Zeichnung, die die Kirche mit darüberliegender Pfarrwohnung zeigt (siehe Heimatbuch Oberkochen S. 65). Die Wohnung beschreibt Pfarrer Hornberger so: »Sie liegt an der frequenten Straße von »Aalen nach Heidenheim … Bis unter den Giebel aus Stein gebaut, hat sie eine freie, gesunde Lage und ist unmittelbar auf dem 2. Stock der Kirche eingerichtet … Sie ist ziemlich gut erhalten und hat 3 heizbare Zimmer, im Ganzen ist jedoch der Raum sehr beschränkt … Die Kirche hat einen kleinen hölzernen Turm mit drei kleinen Glocken, die übrigens nie, außer zu den Gottesdiensten geläutet werden«, was nicht verwunderlich ist, denn bekanntlich gingen die zu den Glocken im Dachreiter führenden Seile durch das Schlafzimmer der Pfarrleute. Auch »der Keller, welcher außer dem Haus in der Scheuer befindlich ist, ist klein und nur zum Teil mit Erde umgeben, und daher zum Gebrauch ganz schlecht. In der Scheuer ist auch ein Viehstall eingerichtet, … Schweine- und Geflügelhaltung nebst einem Holzschuppen. Im kleinen Küchengarten hinter dem Haus befindet sich eine Waschküche mit einem unbrauchbar gewordenen Backofen …, ein eigener Brunnen wird nicht so schwer vermißt, weil ganz in der Nähe der Kocher vorbeifließt.«</p>
<p>Soweit ein kleiner heimatgeschichtlicher Hintergrund zur Geschichte, die Christian Hornberger 1873 berichtete. Sie ist Teil von »Losen Blättern aus einer alten Chronik«, deren handschriftliches Original mit 32 Seiten im Staatsarchiv Bremen liegt. Sie schildert menschliches Handeln und tiefe politische Weisheit, — Gaben, die auch heutzutage noch gefragt sind. Hornberger läßt aber damit auch erkennen, wie er damals schon Kultur und Geschichte der eingeborenen Bevölkerung würdigte und großes Verständnis für sie besaß. Er schrieb: »Oft hört man darüber klagen, daß unsere Neger keine Geschichte haben; sie haben eine ebensogut wie wir Europäer, nur fehlt ihnen die schriftliche Fixierung.…</p>
<p>Sie überliefern ihre Geschichte nur mündlich, … so daß wirkliche Geschichte oft das Gewand einer Mythe erhält«. So befragte Hornberger die Leute an der Sklavenküste und im Landesinneren nach Überlieferungen und bekam u.a. folgende Geschichte zu hören, die er aufzeichnete:</p>
<p>»Krieg erzeugt Krieg. Seit die Europäer den A n l o e r n den Sklavenhandel gebracht und sie mit Feuerwaffen ausgerüstet hatten, scheint kein Friede mehr im Lande gewesen zu sein. … So rüsteten sich auch die D a h o m e r zu einem Feldzug gegen die A n l o e r und es kam östlich von Keta (heute in Ghana) zu einer Schlacht, bei der die D a h o m e r vernichtend geschlagen wurden. Der Feldherr der A n l o e r ließ darauf hin gefangene Feinde grausam martern und foltern. Einen der Gefangenen sandte er, die abgehackten Daumen an einer Schnur um den Hals baumelnd, in die Heimat zurück, um dem feindlichen König und seinen Ältesten zu berichten. Diese seien sehr erschrocken und der König habe eine aufgeschnittene Calabassenfrucht genommen und auf die Erde geworfen, daß sie in viele Stücke zerbrach und gesagt: Wenn ich gestorben sein werde, so soll der, der nach mir auf den Thron kommt, nie einen Krieg mit den A n l o e r n anfangen. Wenn es sich aber etwa doch einmal ereignet, daß man daran denkt, sich zum Krieg zu rüsten, so soll man zuvor diese zersprungenen Calabassenstücke nehmen und sie wieder zusammensetzen. Wird das Gefäß wieder ganz, so daß man Wasser damit schöpfen und daraus trinken kann, ohne daß es leckt, dann ist der Anschlag gut und sie sollen hinziehen und die A n 1 o e r züchtigen; wenn nicht, so sollten sie es bleiben lassen. — So kam’s, daß die D a h o m e r überhaupt nicht wieder Krieg mit den südwestlich von ihnen wohnenden Stämmen führten.« (Quartalblatt der Nordd. Mission 1877, S. 453).</p>
<p style="text-align: right;">Volkmar Schrenk</p></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Bericht 115: Vor hundert Jahren: Hirschwirt von zwei Gaunern betrogen</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-115-vor-hundert-jahren-hirschwirt-von-zwei-gaunern-betrogen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Aug 1990 22:00:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 100-199]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen und Geschichten]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Am 6. Juli 1890, also vor hundert Jahren, rumpelte ein Wagen kurz nach Mittag durch die Kirchstraße (s. Bild) und hielt vor dem »Goldenen Hirsch«, wie das heutige Gasthaus »Hirsch« damals noch hieß. Es stiegen zwei respektabel gekleidete Männer aus, was dem Hirschwirt Johann Georg Nagel, seines Zeichens Bierbrauer und Ökonom, sofort hinterbracht wurde. Ihrem Gepäck nach zu schließen waren sie fahrende Händler, nicht etwa Trödler, Messerschleifer oder gar Hausierer, nein, sie stellten sich als Tuchhändler vor, die Stoffe zu Anzügen und Kleidern, aber auch Tafel- und Bettwäsche anboten. Als Referenz nannten sie den Adlerwirt Gohl von Eybach, die Löwenwirtin Straub von Salach, den Kunstmüller Schuler in Süßen und sogar die Frau Gräfin von Degenfeld habe ihnen zwei Pakete mit Stoff um 450 Mark abgekauft. Denn ihre »Masche« war, nicht Einzelposten zu verkaufen, sondern ganze Pakete mit »Stoff zu drei Herrenanzügen, je ein Tafel‑, Tisch- und Kaffeetuch, 12 Servietten, 12 Handtücher«, und dies alles 160 bis 300 Mark, je nachdem man sich handelseinig wurde.</p>
<p>Obwohl der Höhepunkt dieser Geschichte noch keinesfalls erreicht ist, soll doch schon verraten sein, daß ein Sachverständiger bei der späteren Verhandlung vor der Ulmer Strafkammer dazu aussagte, der Inhalt der Pakete sei höchstens etwa 32 Mark wert, die Stoffe allein bekomme man überall für 15 Mark und zudem »reichte das Tuch nicht für einen ganzen Anzug, sondern nur für Rock und Weste«.</p>
<p>Doch davon hatte der Oberkochener Hirschwirt keine Ahnung, als er aus seinem Brauhaus kommend die Gaststube betrat, wo die beiden Reisenden schon ihre Waren ausgebreitet hatten. Mit großer Beredsamkeit pries der eine seine Stoffe an und behauptete, die rein wollenen Tuche seien auf einer Ausstellung in Paris prämiert worden und es handle sich um prima englische Ware. Als Interessenten sie aber genauer in Augenschein nehmen wollten, kramten die Händler behende neue Stoffe, Tischtücher und Bettlaken hervor und legten sie mit wortreichen Gesten rasch immer oben auf, so daß die Qualität einzelner Tuche nicht geprüft werden konnte.</p>
<p>Schließlich wurde dem Hirschwirt das Treiben zu bunt, er fragte: »Was kostet ein Paket?« Antwort: 190 Mark. Darauf der Hirschwirt im Scherz (wie er später unter Eid versicherte): »130 Mark sind genug«, — und ehe er sich versah, war er zu seinem großen Schreck Besitzer eines Stoffpaketes geworden und blätterte tatsächlich die geforderte Summe auf den Tisch.</p>
<p>Als der Kauf mit einem Glas Bier beschlossen werden sollte, betonten die Händler, sie seien in großer Eile, denn sie müßten auch noch Kunden in Königsbronn besuchen, man wisse doch, »time is money«, womit der eine seine Welterfahrenheit kundtun wollte, der andere aber zum Hirschwirt sagte: »Hättet Ihr ein besseres Trinkgeld gegeben, wären wir noch großzügiger gewesen«, was den Hirschwirt zwar stutzig machte, aber den raschen Aufbruch nicht zu verhindern vermochte.</p>
<p>Denn der Wagenlenker — es war der Kutscher Anton Bieg von Aalen — konnte die inzwischen rasch wieder eingespannten Pferde nur noch mit Mühe zurückhalten; so verstauten die Händler eilig ihr Gepäck im Wagen, sprangen selbst hinein und entschwanden durch die »Langgaß« in Richtung Königsbronn.</p>
<p>Als die Reisenden, auf der Straße eine Staubwolke, beim Hirschwirt aber gelinde Zweifel hinterlassend, so rasch »verduftet« waren, betrachteten der Hirschwirt und seine Frau den Kauf, wobei ihnen bald »der Seifensieder« aufging: Sie waren übers Ohr gehauen worden. Während die Frau vor Schreck erstarrte, schickte der Wirt seinen Knecht zum Schneider Strohmaier, der sofort kam und die Stoffe auf höchstens die Hälfte des Kaufpreises schätzte. (Beim späteren Prozeß verteidigte sich der Händler mit dem Argument »wenn ein Schneider ein Tuch taxiere zu 20 Mark, ist es mindestens 40 Mark wert, denn die Schneider verstehen nichts«.)</p>
<p>Da Hirschwirt Nagel nicht willens war, sein gutes Geld zu verschleudern, sann er auf Rache. Denn 135 Mark waren vor hundert Jahren ein beträchtlicher Betrag und Gegenwert von z.B. 4 Paar Saugschweinen oder 40 Zentnern Kartoffeln. Deshalb spannte er seine Pferde ein, warf das Paket als »corpus delicti« auf den Wagen, fuhr zum Rathaus, schnappte sich dort Schultheiß Bezler, und fuhr die Pferde nicht schonend eilends nach Königsbronn. Und er hatte Glück.</p>
<p>Genau als sich die Gauner auch dort aus dem Staube machen wollten, kamen die Oberkochener dort an. Schultheiß Bezler knöpfte sich die beiden vor, jedoch diese leugneten und wollten von der ganzen Sache nichts gewußt haben. »Erst auf Konfrontation mit Nagel gestanden sie« und rückten unter Jammern und Gezeter auch das Geld wieder heraus, versäumten aber nicht, die Oberkochener zu bitten, von einer Anzeige bei der Polizei abzusehen, was jedoch unnötig war, denn der Königsbronner Landjäger hatte schon eine Meldung geschrieben.</p>
<p>Befriedigt machten sich Schultheiß und Hirschwirt wieder auf den Weg über die Wasserscheide. Da Johann Georg Nagel dank seiner schnellen Entschlusses und mit Hilfe des Schultheißen nocheinmal gut davongekommen war, werden sie sich anschließend wohl einige Gläser Bier aus der Hirschbrauerei genehmigt und ihr Abenteuer am Stammtisch zum besten gegeben haben.</p>
<p>Nachzutragen ist noch: Zwei »Preußen« waren die Gauner, denen am 27. August 1891 vor der Ulmer Strafkammer unter Vorsitz des Landrichters Pfeifer der Prozeß gemacht wurde, worüber die »Kocherzeitung« in Aalen ausführlich berichtete.</p>
<p>Beide lebten als fahrende Händler, der eine war »von Hause aus Destillateur und Schnapser«, der andere zunächst Goldarbeiter, dann Kellner und Handelsmann. Das Vorstrafenregister beider war beachtlich. Beim ersten finden sich Stichworte wie »Hausfriedensbruch, Unterschlagung, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Beleidigung, betrügerischer Bankrott«, der andere hatte »Kuppelei, Unterschlagung, schweren Diebstahl, Ehrverlust« aufzuweisen. Beide waren verheiratet, reisten aber ohne Anhang durchs Land. Einer behauptete beim Prozeß, »völlig mittellos zu sein und nächstens 8 Kinder zu haben«.</p>
<p>Bemerkenswert ist zum Schluß noch das Gerichtsurteil, das sehr differenziert ausfiel. Während der erste für seine Gaunereien »als Geriebener erachtet« zu einem Monat Zuchthaus verurteilt wurde, kam der zweite, lediglich als »Handlanger« eingestuft, mit einem Freispruch davon, obwohl beide, wie der Reporter schrieb, »nur dem Rat eines Freundes gefolgt seien, der ihnen empfahl, nach Württemberg zu gehen, denn da seien ganz hübsche Leute, da könne man Geschäfte machen, (d.h. dort sind die Leute so dumm, daß man sie ordentlich einseifen kann)« — was sich bis zu einem gewissen Grad auch als richtig erwies und erst vom Oberkochener Hirschwirt widerlegt wurde.</p>
<p style="text-align: right;">Volkmar Schrenk</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="769" height="574" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber115-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10479"></span>
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			</item>
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		<title>Bericht 90: Neues von der Bilz</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-90-neues-von-der-bilz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Nov 1989 23:00:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 1-99]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen und Geschichten]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Mit Schreiben vom 17.10.1989 antwortete Frau Dr. Arnold vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg in Stuttgart auf unsere ausführlichen Grabungsberichte von der Bilz vom 3. und vom 10.10.1989.</p>
<p>Die zuständige Referatsleiterin gibt in dem Schreiben ihrer Freude darüber Ausdruck, daß die Aktion im Bilzhaus so erfolgreich weitergegangen ist und geht auch auf die Funde ein, die als »recht ansprechend« bezeichnet werden.</p>
<p>Um die zunächst im Ferienprogramm mit Schülern, dann von Mitgliedern des Heimatvereins, älteren freiwilligen Schülern und der ganzen Mannschaft des Staatlichen Forstamts in gemeinschaftlicher Arbeit von innen her frei gelegten Mauern des Bilzhauses konservieren zu können, ist es nötig, dieselben auch noch von außen her freizulegen. Hierfür haben wir die notwendige Erlaubnis des Landesdenkmalamtes erhalten.</p>
<p>Sofern es das Wetter zuläßt, wird eine weitere Grabaktion noch in diesem Herbst stattfinden.</p>
<p>Wir veröffentlichen heute die Rekonstruktionszeichnung eines weiteren ca. 200 Jahre alten Gefäßes, das mit Sicherheit aus einer Oberkochener Werkstatt stammt. Das Gefäß, ein Krug mit Ausguß, wurde von den Brüdern Axel und Werner Glemser in hervorragender Weise aus ca. 75 Einzelteilen so weit zusammengepuzzelt, daß es einwandfrei zeichnerisch ergänzt werden konnte.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Auch dieses Gefäß zeichnet sich durch eine ausgesprochene Dünnwandigkeit aus — an einigen Stellen unter 3 mm. Es ist ebenfalls innen glasiert und außen unglasiert.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Außerdem veröffentlichen wir die Zeichnung eines etwas zerknautschten kupfernen Löffels, der zu den Fundgegenständen zählt. Er ist aus dünnem Kupferblech gearbeitet und weist ein sehr flaches, barockisierendes Muster auf, das, damit es erkannt wird, zeichnerisch stark überhöht wurde.</p>
<p style="text-align: right;"><em><strong>Dietrich Bantel</strong></em></p></div>
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			</div>
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			</item>
		<item>
		<title>Bericht 84: Vor 237 Jahren auf der »Bilz«</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-84-vor-237-jahren-auf-der-bilz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Sep 1989 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 1-99]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen und Geschichten]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h2>Der Herr Gottfried Rieger, — Stadtcorporalssohn und Kindlesmacher von Aalen.</h2>
<p>Auf der Suche nach geschichtlichen Informationen zur »Bilz« stieß ich im Geburtenregister der Evangelischen Kirchengemeinde Oberkochen auf eine Eintragung, die für die Betroffenen mit Sicherheit eine Familientragödie darstellte, — eine damals fast alltägliche Geschichte, wie sie sich heute kaum noch zutragen kann, — nicht so, — viel moderner eben.</p>
<p>In Lauterburg lebte ums Jahr 1750 ein Mädchen namens Anna Maria Kuhn. Als es alt genug war, verdingten es die Eltern nach Aalen zum Geldverdienen, und zwar als Dienstmädchen bei einem Stadtcorporal namens Rieger — - — sogenanntes unschuldiges Mädchen vom Lande bei sogenannter besserer Familie in der alten Reichsstadt. Das ging eine Weile gut und dann kam, was kommen mußte: Der Herr Corporal hatte einen Sohn und dieser ein Auge auf das unschuldige Mädchen von Lauterburg. Es blieb nicht bei dem einen Auge. Bald waren daraus zwei geworden, — und irgendwann ließ sich nicht mehr verheimlichen, daß der Herr Corporalssohn das Mädchen geschwängert hatte, weil das Werfen des zweiten Auges damals noch nicht so lässig ohne Folgen blieb wie heute im Zeitalter der Pille. Auch war das Mädchen natürlich noch nicht aufgeklärt gewesen.</p>
<p>Im Falle des Herrn Stadtcorporalssohnes und Kindlesmachers Gottfried Rieger von Aalen war die Angelegenheit schnell erledigt. Von ihm ist überliefert, daß er eine aufs Dach bekommen hat. »Von seiner Obrigkeit ‘abgestraft’« sei er worden. Auf welche Weise, schreibt der damalige evangelische Pfarrer von Oberkochen unser Berichterstatter in dieser Sache, nicht.</p>
<p>Bei der Jungfer Anna Maria Kuonin (Kuhn) jedoch schlug das Schicksal grausig zu: Der Herr Stadtcorporal feuerte das inzwischen sichtbar schwangere Dienstmädchen fristlos. Bei Nacht und Nebel kehrte es heulend zu seinen Eltern nach Lauterburg zurück, wo alsdann die Katastrophe erst richtig ihren Lauf nahm: Die Eltern schwankten zwischen Inohnmachtfällen und Wutanfällen und schrieen das arme Mädchen an, welche Schande es über ihr frommes Haus bringe, und Gott werde Strafe auf sie herablassen.</p>
<p>Allerdings warteten sie nicht, bis Gott die Strafe senden würde, sondern hielten Rat, was in dieser unglaublichen Situation sofort zu tun sei. Fest stehe, so der alte Kuhn, daß das schwangere Mädchen aus dem Haus müsse, und zwar schleunigst. Die Frage war nur: wohin?</p>
<p>Da fiel der alten Kuonin plötzlich ein, daß im finsteren Walde zwischen Lauterburg und Oberkochen der Schwager Simon Ocker, von Söhnstetten gebürtig, in einem der alten Häuser auf der Bilz wohne, die noch im Jahrhundert zuvor von den eingewanderten Tirolern gebaut worden waren. Da müsse die Anna Maria hin, — noch in dieser Nacht. Niemand würde so gewahr werden, welche Schande über das Haus gekommen war.</p>
<p>Es war eine stürmische Herbstnacht des Jahres 1751, als die Kuhns sich auf den Weg machten. Der alte Kuhn wußte genau, wie er gehen mußte. Zuerst ging es über das weite Feld, über welches ein nasser Sturm pfiff, zum Waldrand hin, und dann zwischen der Zwerchhalde und dem Oberwehrenfeld leicht bergauf zu den Erzgruben. Später kam man in der Nähe des Hirtenhauses bei den Weiherwiesen vorbei, das, wie der Tauchenweiler, rechts liegen blieb. Dann gings das Haukental (das man so nannte, weil es von Oberkochen zu den Hauken führte — das ist der Spitzname der Essinger -, heute heißt es Hagental,) hinab und über den Berg zum hintern Tiefental, über welchem die »Bilz« liegt.</p>
<p>Die Bilz, zu Oberkochen gehörend, war damals noch Weideland und es gab mehrere alte Häuser und Hütten aus der Zeit der Tiroler Einwanderung. Dort wohnte allerlei Volkes, — sicher auch lichtscheue Elemente darunter.</p>
<p>Es begann schon zu tagen, als die Eltern Kuhn mit ihrer unglücklichen Tochter Anna Maria bei der Hütte des Schwagers ankamen. Todmüde war das arme Mädchen — es hatte seit zwei Tagen kein Auge zugetan.</p>
<p>Schwager Simon fiel aus allen Wolken. Heute würde er sagen: hättet ihr nicht wenigstens anrufen können, vorher? Gottseidank gibt es jedoch bis heute kein Telefon auf der Bilz, und leider auch das Haus nicht mehr.</p>
<p>Als er aber erkannte, daß die Kuhns ihr geschwängertes Kind für geraume Zeit bei ihm unterzubringen wünschten, eine bildhübsche Maid im übrigen, und, daß man allerlei Abwechslung und so weiter in der tristen Hütte haben werde, sagte er: »So so, a Kendle hat’r Dir neabanaus gmaacht, dr Herr Stadtcorporalssohn; wennse no älle dr Deifl hoala däd, die foine Herra. Kascht schon bei mr bleiba uff dr Bilz, du arme Sau.«</p>
<p>Die alten Kuhns zogen wieder lauterburgwärts, und hinterlegten die Anna Maria bei ihrem Vetter Simon.</p>
<p>Es war ein bitterkalter Winter draußen auf der Bilz, und die Neujahrsnacht war die schlimmste, die Anna Maria je erlebt hatte.</p>
<p>Der Sturm trieb den Schnee zwischen den Ziegeln unters Dach und Schnee fiel auf die Rupfendecke, mit der sie sich zudeckte. Sie weinte und zitterte am ganzen Leib, wenn sie daran dachte, daß es bald Zeit würde für die Geburt. Und ganz im Geheimen dachte sie an den feschen Herrn Stadtcorporalssohn, der sie ins Unglück gebracht hatte. Er hatte ihr doch so gefallen, und sie hatte sich schon als Frau Stadtcorporalssohnsgemahlin gesehen, — und alle würden sie beneiden, wie gut sie es getroffen hat .… und sie fühlte, wie alles so ungerecht gelaufen sei. Der lag nun in seinem warmen Bett und hatte sie längst vergessen, und auch, daß er wegen des Deliktes abgestraft worden war, — für ihn war die Sache längst erledigt.</p>
<p>Dann kam der 15. Jener (Januar) herbei. Es schneite wieder was das Zeug hielt, und Anna Maria gebar eine gesunde Tochter, und nannte sie Maria Barbara. Vetter Simon eilte zu den Eltern nach Lauterburg, welche nicht viel Aufhebens von der Botschaft machten. Sie waren damit einverstanden, daß Taufpaten der Simon, und das Weib des Vetters eines Zimmermanns von Ansbach würden, das ebenfalls Maria Barbara hieß — sie wohnte auch auf der Bilz und hatte sich in der Vergangenheit immer wieder liebevoll um das verstoßene Mädchen gekümmert. Außerdem wurde noch Gevatterin eine Christina Barbara, die ledige Tochter des Oberkochener Bürgers Melchior Schneider, der alldort eine Branntweinbrennerei betrieb.</p>
<p>Was aus der jungen Mutter und ihrem Kind auf der Bilz geworden ist, hat der Herr Pfarrer nicht vermerken können, denn er wußte es damals ja selbst noch nicht.</p>
<p>Fast alles andere aber hat er fein säuberlich ins Geburtenregister der Evangelischen Kirchengemeinde eingetragen, und zwar gleich einen Tag nach der Geburt, — am 16. Jener 1752. Endlich war mal wieder was los.</p>
<p>Der buchführende evangelische Pfarrer war Johann Friedrich Enßlin, 29. evangelischer Pfarrer von Oberkochen, tätig von 1744 bis 1761.</p>
<p>Landesherr war Herzog Karl Eugen, der in dem Buch »Württembergische Geschichte im südwestdeutschen Raum« von Karl und Arnold Weller, wie folgt beschrieben wird:</p>
<p>»Karl Eugen, frühreif, von lebhaftem Temperament und starkem Selbstgefühl begabt, von rascher Auffassung und klarem Urteil, aber weder maßvoll noch ausdauernd, war den Ideen der Aufklärungszeit nicht unzugänglich und von einer ungewöhnlichen Vorurteilslosigkeit; er hatte einen regen Kunstsinn und den lebhaften Trieb, Neues anzuregen und zu schaffen, auch Sinn für Organisation und Verwaltung, war aber doch in erster Linie auf den Effekt seines Handelns bedacht. Dazu kamen erhebliche Mängel des Charakters: er erwies sich nach seinem sittlichen Empfinden durchaus als ein Sohn der Rokokozeit, eitel, genußsüchtig und verschwenderisch, kurz eine widerspruchsvolle Persönlichkeit. Allzufrüh auf den Thron gelangt, gab er sich bald zügelloser Ausschweifung hin.« — In eben jenem Jahr der Geburt der Maria Barbara Kuonin auf der Bilz, 1752, unterzeichnete er einen Tächtelemächtelesvertrag mit Frankreich, durch den er jährlich erhebliche Hilfsgelder erhielt gegen die Verpflichtung, im Kriegsfalle 6.000 Mann zu stellen. — Es war die Zeit noch größerer sozialer Gegensätze als wir sie uns heute vorstellen können.</p>
<p>Im folgenden veröffentlichen wir den Originalwortlaut der Eintragungen des evangelischen Pfarrers Enßlin mit Datum vom 16. Januar 1752:</p>
<p>Jener, d (dies” Tag) 15. nat. (geboren)<br>dies 16. rle (gemeldet)</p>
<p><strong>Maria Barbara</strong>, auf der Pilß (Bilz) gebohren.<br><strong>Anna Maria Kuonin</strong>, von Lauterburg, welche im Dienst zu Alen unehelich schwanger worden, hernach zu ihrem Vetter sich in sein Haus auf die Pilß begeben und daselbst gebohren, gibt zum Vatter an <strong>Gottfried Rieger</strong>, StattCorporalssohn in Alen, welcher auch deswegen von seiner Obrigkeit abgestraft worden.</p>
<p>Taufpaten:<br><strong>Simon Ocker</strong>, sonst von Söhnstetten gebürtig, dermalen Beständer (einen Bestand innehabend) auf der Pilz.<br><strong>Maria Barbara</strong>, Joh. Cronh., Cuzen (Cousin) eines Zimmermanns von Anspach ux (Gattin), die sich beide diesen Winter hier aufgehalten.</p>
<p><strong>Christina Barbara</strong>, Melchior Schneiders, Bürger und Branntweinbrenner, allhier ledige Tochter.</p>
<p>Wahrhaft ein ungewöhnlich ausführlicher Eintrag ins Geburtenregister (siehe Abbildung des Original-Eintrags).</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="787" height="280" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber084-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10629"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Mit freundlicher Genehmigung der Aalener Volkszeitung veröffentlichen wir Bild und Text anläßlich des Besuchs von Frau Dr. Susanne Arnold vom Landesdenkmalamt beim Bilzhaus.</p>
<p>Die Grabungen wurden am 15.9. (Staatliches Forstamt) und am 16.9.89 (Heimatverein Oberkochen und Gymnasium Oberkochen) fortgesetzt. Wir berichten demnächst an dieser Stelle.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="805" height="847" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber084-2.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10678"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p style="text-align: right;"><em><strong>Dietrich Bantel</strong></em></p></div>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
			</div>
				
				
			</div>
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			</item>
		<item>
		<title>Bericht 83: Der vom König zerschlagene Ofen im Bilzhaus</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-83-der-vom-koenig-zerschlagene-ofen-im-bilzhaus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Sep 1989 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 1-99]]></category>
		<category><![CDATA[Sagen und Geschichten]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>In unserem Bericht 82 haben wir dargestellt, daß sehr viel dafür spricht, daß der »BILZHANNES« ein Oberkochener Bürger namens</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Mathias Wiedenhöfer 1780 — 1840)</strong></p>
<p>gewesen ist.</p>
<p>Auch das 130 Jahre alte Essinger Heimatbüchlein, das dieser Tage neu aufgelegt wurde (Verfasser: C.F. Wagner im Jahre 1859) berichtet davon, daß der württembergische König Friedrich bis 1814 immer wieder zum Jagen in unsere Gegend kam, wobei sich »die aufgebotenen Treiber aus einem Umkreis von zehen Stunden einfanden«. Unter ihnen, das darf als sicher angesehen werden, auch <strong>Mathias Wiedenhöfer</strong> aus Oberkochen, damals ein junger Mann in den besten Jahren: 30 Jahre alt.</p>
<p>Herr Christoph Schurr steuerte zum Namen <strong>Mathias Wiedenhöfer</strong> einen weiteren interessanten Beitrag bei. Am 16. Dezember des Jahres 1831 schrieb der damalige Chef des Oberkochener Forstamtes, Revierförster Pfitzenmaier, auf Anforderung der übergeordneten Behörde einen »Conductions-Bericht«, wie man ein Führungszeugnis damals nannte. Aus diesem ist zu entnehmen, daß <strong>Mathias Wiedenhöfer</strong> als »fleißig« bezeichnet wird; — er, sein Vorgesetzter, treffe ihn oft im Walde an. Aus dieser Beurteilung geht auch hervor, daß <strong>Mathias Wiedenhöfer</strong> sowohl Feld- als auch Waldschütz war. In früheren Berichten unter anderem Gemeinderatsprotokollen, wird er als »Flurer« bezeichnet.</p>
<p>Aus den Essinger Unterlagen ist ersichtlich, daß sich im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts auch dort die Gemeinde von Waldweide auf Stallfütterung umgestellt hat. Auf Essinger Gemarkung wurde fast zur gleichen Zeit wie bei uns das Bilzhaus (wohl in den Zwanzigerjahren) das Hirtenhaus bei den Weiherwiesen aufgegeben.</p>
<p>Alles spricht nach dem derzeitigen Stand der Nachforschungen dafür, daß <strong>Mathias Wiedenhöfer</strong> die Person war, die König Friedrich in dem alten und zum damaligen Zeitpunkt (1810) schon ziemlich heruntergekommenen Bilzhaus »empfing«.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="576" height="444" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber083-2.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10045"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Da sich unter den bis jetzt geborgenen keramischen Scherben auch größere Bruchstücke von Ofenkacheln befanden, (Frau Dr. Arnold vom Landesdenkmalamt Stuttgart bestätigte dies anläßlich ihres Besuches des »Bilzhauses« am 1.8.89 ausdrücklich), kann mit großer Sicherheit davon ausgegangen werden, daß das Bilzhaus mittels eines Kachelofens beheizt wurde. Herr Stelzenmüller fertigte uns Fotos der schönsten Ofenkachel-Bruchstücke, — mit verschiedenen reliefartigen Ornamenten geschmückte unglasierte Keramik. Der Illustrator des Buchs »Die Ostalb erzählt« konnte das, als er den König mit einem Stock auf einen qualmenden gußeisernen Ofen schlagend darstellte, noch nicht wissen. Zusätzlich leuchtet es ein, daß der König, wenn er schon den Ofen zerschlug, sich mit einem alten bröselig gewordenen qualmenden Kachelofen leichter getan hat, als mit einem gußeisernen, wie der Illustrator (Bericht 80) glaubte.</p>
<p>Ob der Bilzhannes, wie die Überlieferung weiß, »traurig dreingeschaut« hat, als ihm der König seinen qualmenden Ofen »über den Haufen« warf, ist weniger relevant als die Tatsache, daß wir nun wissen, daß es sich bei diesem Ofen wohl um einen alten keramischen Kachelofen und nicht um einen gußeisernen gehandelt hat. Zwischen dem königlichen Ereignis der Ofenzerstörung (Bericht 80) und der Aufgabe des Bilzhauses lagen höchstens noch 10 bis 15 Jahre, bereits 1830 gibt es vom Bilzhaus keine Spur mehr zu sehen. Da sich die Aufgabe des Hauses weidewirtschaftlich bereits abzeichnete, darf auch aus dieser Sicht als relativ sicher gelten, daß kein neuer Kachelofen mehr gebaut wurde und die gefundenen Kachelbruchstücke die »historischen« sind. Außerdem kann als sicher gelten, daß der königliche Ofenersatz aus Königsbronn ein gußeiserner gewesen ist. Der württembergische König hatte von alters her beste Beziehungen nach Königsbronn und zu den dortigen Hüttenwerken. Natürlich ist es genau so gut möglich, daß König Friedrich den gußeisernen Ofen aus Königsbronn zum Bilzhaus schaffen ließ, ohne den alten qualmenden Kachelofen zertrümmert zu haben.…</p>
<p>Der auf königlichen Befehl in Windeseile aus Königsbronn zum Bilzhaus gebrachte gußeiserne Ofen war dann das einzig edle Stück in der Bruchbude. Was mit ihm später geschehen ist, ist nicht überliefert. Den neuen gußeisernen königlichen Ofen hat sich entweder irgendjemand wenig später beim Abbruch des Bilzhauses unter den Nagel gerissen, — immerhin wußte man damals noch um die Bedeutung dieses kostbaren Stückes aus unmittelbar Erlebtem, — oder, so wollen wir lieber hoffen, hat ihn der rechtmäßige Besitzer, der Flur- und Waldschütz Mathias Wiedenhöfer, selbst in seine Oberkochener Wohnung gestellt, in der er 1840 starb.</p>
<p>An dieser Stelle soll nicht unerwähnt bleiben, daß in dem 1976 erschienenen Büchlein »Alte Geschichten aus Essingen und Lauterburg« von Georg Wiedmann (verst.) der Versuch gemacht wurde, den Bilzhannes in den Essinger Sagenbereich hinein zu verbuchen und verankern. Unser Johannes Maier, Vorgänger von Mathias Wiedenhöfer, wird ohne Quellenangabe, in die Essinger »Historie« übernommen und fälschlicherweise sogar mit der Jagd des Königs Friedrich im Winter 1810/11 in Verbindung gebracht, — ein Zeitpunkt, zu dem, wie wir in Bericht 82 dargelegt haben, Johannes Maier schon 4 Monate zuvor verstorben war. Aus diesem Grund drucken wir auch die urkundlichen Lebensdaten des Bilzhannes-Vorgängers Johannes Maier aus dem Oberkochener katholischen Familienregister ab. Mit dieser Urkunde zeigt sich, auf wie dünnen Beinen mündliche Überlieferungen oft stehen. Die hiermit widerlegten Behauptungen in dem Essinger Büchlein lauten:</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>» .. . Hans Maier … er war ein ausgezeichneter Schütze, und er, sowie sein Sohn Leonhard waren natürlich immer bei den Jagden des Herzogs und späteren Königs Friedrich dabei …« Für Hans Maier hat das sicher bis zu seinem Tod zugetroffen. Die entscheidende Königsjagd fand jedoch im November 1810 statt, — Maier war bereits am 6. Aug. dieses Jahres gestorben. Sein in der Essinger Abhandlung erwähnter Sohn Leonhard ist am 6. Sept. 1793 geboren und bereits ein knappes halbes Jahr danach, am 12. Februar 1794, im Säuglingsalter, verstorben. Ganz abgesehen von den genannten Essinger Irrtümern waren beide Maiers, Hans Maier und Leonhard Maier, Oberkochener und nicht Essinger Bürger. Hinzu kommt, daß der Essinger Text die Bilz zwar korrekt als zwischen Essingen und Oberkochen gelegen angibt, aber verschweigt, daß die Bilz zum Zeitpunkt der Königsjagd ganz eindeutig zur Oberkochener Gemarkung gehört.</p>
<p>Man könnte so sagen: Die Beziehungen zu Essingen sind in den letzten Jahren in hervorragender Weise ausgebaut worden. Das heißt aber noch lange nicht, daß wir uns den Bilzhannes »ausspannen« lassen.</p>
<p>Zum Trost für die Essinger sei nochmals daran erinnert: Der Vater des allem Anschein nach echten Bilzhannes, Johann Georg Wiedenhöfer, kam zwecks Heirat im Jahre 1779 von Essingen nach Oberkochen. Er ist quasi aus Essingen »eingewandert« und hier geblieben. Diese indirekte Verbindung Essingens zum Bilzhannes ist belegbar und aus diesem Grunde dauerhaft. Der Bilzhannes selbst jedoch ist ein Oberkochener.</p>
<p style="text-align: right;"><em><strong>Dietrich Bantel</strong></em></p></div>
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