<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Land- und Forstwirtschaft, Bienen und Fische | Heimatverein Oberkochen</title>
	<atom:link href="https://oberkochen-heimatverein.de/berichte-schriften/land-und-forstwirtschaft-bienen-und-fische/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://oberkochen-heimatverein.de</link>
	<description>Website des Heimatverein Oberkochen e.V.</description>
	<lastBuildDate>Sun, 28 Sep 2025 16:25:48 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	

<image>
	<url>https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/wappen_oko_nachbau.svg</url>
	<title>Land- und Forstwirtschaft, Bienen und Fische | Heimatverein Oberkochen</title>
	<link>https://oberkochen-heimatverein.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Bericht 690: Unsere Bienen und ihre aktuelle Lebenssituation</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-690-unsere-bienen-und-ihre-aktuelle-lebenssituation/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Apr 2018 22:00:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 600-699]]></category>
		<category><![CDATA[Land- und Forstwirtschaft, Bienen und Fische]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://heimatverein-oberkochen.com/?p=18227</guid>

					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="et_pb_section et_pb_section_0 beitrag-inner-container et_section_regular">
				
				
				
				
				
				
				<div class="et_pb_row et_pb_row_0 beitrag-row">
				<div class="et_pb_column et_pb_column_4_4 et_pb_column_0  et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough et-last-child" id="inhaltsverzeichnis-spalte">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_0 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Vorweg</strong></p>
<p>Der plötzliche Tod unseres Didi Bantel wird Auswirkungen haben – in seiner Familie, in unserer Gemeinde und im Heimatverein. Schlicht und einfach – er wird fehlen. Für alle augenscheinlich werden es seine Berichte sein. Ich werde versuchen meine Intensität etwas zu erhöhen, aber ohne Unterstützung durch Euch, liebe LeserInnen, wird das nicht zu schaffen sein. Deshalb der Aufruf mit der Bitte um Unterstützung. Sei es durch Ideen, Bilder und Dokumente und durch eigene Berichte, die ich immer gerne unterstütze. Und an die jüngeren ergeht die dringende Bitte – „schmeissat d’hoim net älles auf d‘ Müll“ was Eure Eltern und Großeltern aufgehoben haben. Vielleicht „koa m’rs no braucha“.</p>
<p><strong>Intro</strong></p>
<p>Beim Recherchieren in alten Amtsblattausgaben fiel mir kürzlich ein Bericht aus dem Jahr 1957 von Bernhard Höfer aus dem Kapellenweg 12 in die Hände, der das Thema „Bienen“ in der damaligen Zeit ausführlich behandelte und ich beschloss, zusammen mit Jürgen Brachhold, einen Bericht über die Bienen zu schreiben. <strong>(Der komplette Artikel von Herrn Höfer ist auf der WebSite hinterlegt und ist, obwohl schon 61 Jahre alt, brennend aktuell)</strong>.</p>
<p><a href="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/Bienen_Bericht_von_1957.pdf" target="_blank" rel="noopener">Bienen-Bericht von 1957</a> ← hier klicken</p>
<p><strong>Bienenvölker in Oberkochen</strong></p>
<p><strong>1854</strong> gab es 38, <strong>1954</strong> zählte man 80 und <strong>1965</strong> standen 164 Bienenstöcke in Oberkochen. Aktuelle Recherchen beim Landratsamt ergaben, dass es <strong>2017</strong> insgesamt 13 Halter mit 58 Völkern gab.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_0 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img fetchpriority="high" decoding="async" width="930" height="269" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber690-01.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-12684"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_1 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><em>Verkaufsanzeige aus den 50ern</em></p>
<p><strong>Heimat</strong></p>
<p>schließt auch die Natur um uns herum ein. Wenn wir unsere Heimat bewahren wollen, gehört auch Feld, Wald und Flur mit ihren jeweiligen Bewohnern dazu. Seit 2016 beobachte ich in meinem Garten folgende Veränderungen: Weniger Vögel, unbesetzte Nistkästen, fast keine Schmetterlinge mehr, deutlich weniger Bienen und andere Insekten. In meiner Kindheit gab es so viele Insekten, dass man im Haus gelbe Fliegenfänger aufhängte und die Autoscheibe nach 2 Stunden Autobahnfahrt gereinigt werden musste. Die Dinge verändern sich, besonders in Feld, Wald und Flur. Inzwischen haben sogar die Medien davon Kenntnis genommen und Ulrich Kleber vom Heute-Journal hat ungläubig zur Kenntnis genommen, dass es heute knapp 80 % weniger Insekten gibt als früher. Wenn das Problem nicht gelöst werden kann, werden wir die Konsequenzen tragen müssen, die größer sein werden, als wir uns vorstellen können.</p>
<p><strong>Bienen</strong></p>
<p>Heute ist überall vom Verschwinden der Bienenvölker die Rede und ein Roman mit dem Titel <strong>„Die Geschichte der Bienen“</strong> schob sich in den Bestsellerlisten ganz nach vorne. Auch die beiden Kinofilme<strong> „More than Honey“</strong> und <strong>„Die Bienen“</strong> sind bemerkenswerte Filmerlebnisse. In Buch und Film wird das Verschwinden der Bienen und die daraus entstehenden Folgen beeindruckend beschrieben. Da wir aber im Allgemeinen ein ziemlich geringes Interesse gegenüber Insekten haben, machen wir uns keine Gedanken darüber, dass die Bienen für uns Menschen überlebenswichtig sind.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_2 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>&nbsp;</p>
<p>Die Biene ist kein Individualist, sondern ein Lebewesen, das nur Arbeit und Pflicht innerhalb eines Volkes, dem Bienenvolk, in einem kurzen arbeitsreichen Leben kennt. Der Staat besteht aus einer Königin, den Drohnen und den Arbeiterinnen. Es gibt weltweit ca. 20.000 Arten, davon ca. 500 in Deutschland. Der Lebenslauf einer Biene gestaltet sich wie folgt: Die Biene ist vom 1ten bis zum 2ten Tag <strong>Zellenputzerin</strong>, vom 3ten bis 12ten Tag <strong>Amme</strong>, vom 13ten bis 17ten Tag <strong>Wasserträgerin</strong> und <strong>Bauarbeiterin</strong> und vom 18ten bis 21ten Tag <strong>Wächterin</strong>. Erst ab dem 22ten Tag ist sie Sammlerin bzw. Flugbiene. Nach 35 Tagen endet ihr Arbeitsleben ohne Rente ☺. Die Winterbiene schafft es auf 6 Monate und die Königin, weil bestens beschützt und verpflegt und für das Volk überlebenswichtig, bringt es auf 3 bis 4 Jahre Lebenszeit. Das Sammelgebiet eines Bienenvolkes erstreckt sich auf annähernd 50 Quadratkilometer. Für 500 Gramm Honig müssen Arbeitsbienen rund 40.000 Mal ausfliegen und dabei eine Flugstrecke von rund 120.000 km zurücklegen. An guten Tagen können die Sammlerinnen eines Volkes mehrere Kilogramm Blütennektar einfliegen. Jedes Volk produziert eine durchschnittliche Erntemenge von 20 — 30 kg Honig im Jahr und benötigt im Gegenzug ca. 25kg Futter (Zuckerlösung) für den Winter. <strong>„Bienen erwirtschaften durch ihre Bestäubungsleistung jährlich vier Milliarden Euro in der deutschen Landwirtschaft“</strong>.</p>
<p><strong>Situation 1957</strong></p>
<p>Im gesamten Bundesgebiet lebten damals 2 Millionen Bienenvölker und das wurde zu jener Zeit als schlechtes Zeichen gewertet, da 10 Jahre früher 4 Millionen Bienenvölker betreut wurden. Eine einzige Biene soll damals täglich 2.000 bis 8.000 Blüten angeflogen sein. Wenn man davon ausgeht dass ein Bienenvolk im Sommer aus 40.000 bis 50.000 Bienen besteht, war das eine einzigartige Leistung von Bienen und Imkern in einer anscheinend noch recht intakten Natur.</p>
<p><strong>Aktuelle Situation in Deutschland</strong></p>
<p>Schon Albert Einstein sagte voraus: „Wenn die Bienen verschwinden hat der Mensch nur noch 4 Jahre zu leben“. Derzeit gehen wir von ca. 900.000 Bienenvölkern aus, die rund 130.000 Imkern betreut werden.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_1 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="848" height="612" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber690-03.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-12686"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_3 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><em>Quelle: Deutscher Imkerbund (D.I.B.)</em></p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_2 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="851" height="674" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber690-04.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-12687"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_4 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><em>Quelle: Deutscher Imkerbund (D.I.B.)</em></p>
<p>Jeder Imker hält durchschnittlich 6,9 Bienenvölker. Aber weniger als ein Prozent betreiben die Imkerei erwerbsmäßig. Die deutsche Imkerschaft nach Anzahl der betreuten Völker:</p>
<p>0 — 25 Völker: 96 % der Imker<br>26 — 50 Völker: 3 % der Imker<br>über 50 Völker: 1 % der Imker<br>Quelle: Deutscher Imkerbund D.I.B.)</p>
<p><strong>Abhängigkeiten</strong></p>
<p>Ohne Bienen gäbe es nicht nur keinen Honig, auch Obst und Gemüse würden zu Luxusgütern werden. Die Tiere bestäuben rund 80 Prozent unserer Nutz- und Wildpflanzen. Wenn es nicht gelingt, die Bienenbestände zu halten bzw. weiter auszubauen und die Insekten aussterben, hätte dies nach Ansicht von Forschern fatale Folgen für den Menschen. Ein Drittel der menschlichen Nahrung hängt heute unmittelbar von der Biene ab. Sie ist der wichtigste Bestäuber von Pflanzen und gilt nach Rindern und Schweinen als drittwichtigstes Nutztier in der Landwirtschaft. Doch seit Jahren sterben weltweit Milliarden von Bienen ohne sichtbaren Grund. Bislang gibt es viele bekannte Ursachen für das Massensterben: starke Vermehrung der Varroamilben (tödliche Parasiten), Klimawandel im Allgemeinen und die unterjährige Verschiebung der Temperaturzyklen. Eine neue Bedrohung stellt der kleine Beutenkäfer dar, welcher sich über Südeuropa mittlerweile auch Deutschland nähert und die Völker innerhalb kurzer Zeit zerstört. Während die Wissenschaftler fieberhaft forschen, geht das Bienensterben ständig weiter. Als Stichworte seien hier aufgeführt: „Landschaftsversiegelung, Monokulturen wie Mais und Raps und der damit verbundene Einsatz von Pestiziden, Ausrottung von Wildkräutern, Flurbereinigung und nicht zuletzt Glyphosat, dessen Anwendung weiterhin bis 2022 erlaubt wurde, Abkehr von der Drei-Felder-Wirtschaft und der extensiven Landwirtschaft.“</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_5 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Findet China auch bald bei uns statt?</strong></p>
<p>Totenstille. Seit 25 Jahren. Kein Vogel fliegt. Keine Biene summt. In einem der wichtigsten Obstanbaugebiete Chinas, in Sichuan, lebt nahezu kein Tier mehr. Was bedeutet das? Menschen müssen die Arbeit der Bienen übernehmen – andernfalls wächst kein Apfel, keine Birne, keine Beere. China befriedigt den Bedarf nach Obst und Gemüse nahezu ausschließlich über den eigenen Anbau. Unter allen Bestäubern spielt die Honigbiene dabei die größte ökologische Rolle. Aber – eine lebendige Biene haben viele Chinesen aber noch nie gesehen. Durch den drastischen Einsatz von Pestiziden wurde der Bestand an Bestäuber-Insekten in großen Teilen Chinas bereits so stark dezimiert, dass ihre Arbeit bisweilen von Menschenhand per Handbestäubung erledigt werden muss.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_3 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="850" height="521" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber690-06.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-12689"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_6 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><em>Jürgen Brachhold bei der Arbeit (überlassen von J. Brachhold)&nbsp;</em></p>
<p><strong>Aktuelle Situation in Oberkochen (von Imker Jürgen Brachhold)</strong></p>
<p>Im Frühjahr 2012 erschien in der Schwäbischen Post ein Artikel vom Oberkochener Bürgermeister, Herrn Peter Traub, dass es in Oberkochen keine Bienen bzw. Imker mehr gibt und die Stadt demjenigen, welcher sich diesem Thema annimmt, einen geeigneten Standplatz zur Verfügung stellt. Dies war der Ausschlag für meine Frau, sich sofort zu einem halbjährigen Grundkurs beim Bezirksbienenzüchterverein Aalen e.V. anzumelden. Ihre spannenden Berichte von den ersten Sonntagvormittagen am Lehrbienenstand in Aalen haben mich dann so neugierig gemacht, dass ich von nun an jedes Mal mit dabei war und die Faszination mit jedem Mal größer wurde. Nach dem Absolvieren des Kurses, welcher ein gesamtes Bienenjahr abdeckte, bekamen wir dann im September 2012 unser erstes eigenes Bienenvolk mit nach Hause. Von der Stadt bekamen wir die Möglichkeit, die Bienen direkt zwischen Krautgärten und Kocher im Schwörz aufzustellen. In den darauffolgenden Jahren haben wir die Anzahl unserer Bienenvölker kontinuierlich auf ca. 40 Völker ausgebaut und durch Schulungen an der Landesanstalt für Bienenkunde unser Wissen ständig erweitert. Unseren Hofladen haben wir dann im Juni 2014 eröffnet, um unsere Produkte ansprechend vermarkten zu können. Mittlerweile haben wir auch einen zweiten Standplatz zwischen Hafnerweg und Friedhof eingerichtet. Dies sind ausschließlich Standplätze, welche weitab von intensiver Landwirtschaft sind und von den Landwirten sehr behutsam bewirtschaftet werden. D.h. dass die Wiesen nur zwei Mal während der Trachtzeit gemäht und auch jährlich Bienenweiden großflächig angelegt werden. Für dieses vorbildliche Engagement an dieser Stelle ganz herzlichen Dank. Trotz der Brisanz dieses Themas gibt es leider sehr unvernünftige Menschen, welche sich daran erfreuen können, anderen Kreaturen Schaden zuzufügen. Im Spätsommer 2015 haben Unbekannte in der Nacht auf der Kocherbrücke vor dem Stadion großflächig Honig auf der Fahrbahn verteilt. Da die Bienen zu dieser Zeit nicht mehr viel in der Natur finden können, haben sich Tausende auf den süßen Belag gestürzt. An diesem Sonntag war zudem ein Fußballspiel angesetzt mit dem entsprechenden Verkehrsaufkommen. Wie das für die Bienen ausging kann sich jeder vorstellen. Die nächste Katastrophe ereilte uns (und nicht nur uns) im Frühjahr 2017. Der erste warme Tag im Jahr ist für jeden Imker der Anlass, die einzelnen Bienenstöcke auf Flugbetrieb zu beobachten. In diesem Jahr bewegte sich an beiden Standplätzen überhaupt nichts. Es war nicht eine Biene zu sehen. Im ersten Moment glaubte ich noch, dass es vielleicht doch noch zu kalt sei, weil es eigentlich nicht sein kann, dass alle Völker tot sind. Die Gewissheit kam dann ein paar Tage später, nachdem ich die Kästen geöffnet habe. Nicht eine einzige Biene hatte überlebt. Im ersten Moment ist man voller Zweifel, ob einem selbst ein so gravierender Fehler unterlaufen ist, dass der gesamte Bestand ausgelöscht wurde. Nach Gesprächen mit Imkerkollegen stellte sich dann heraus, dass es nicht nur uns so hart getroffen hat, sondern auch andere Imker hohe Völkerverluste zu beklagen hatten. Es wäre jetzt sehr einfach, dieses Problem alleine den Landwirten in die Schuhe zu schieben.</p>
<p>Ich denke eher, dass dies eine Verquickung ungünstiger Umstände war:</p>
<ul>
<li>Der Varroamilbenbefall war im Herbst 2016 sehr hoch</li>
<li>Die hohen Temperaturen im August/September 2016 waren für die erfolgreiche Milbenbehandlung mit organischer Ameisensäure nicht geeignet</li>
<li>Auf Grund der hohen Temperaturen hat der Wald hier bei uns fast bis Ende September „gehonigt“, was dazu geführt hat, dass die Völker das Futter für den Winter nicht richtig abgenommen haben</li>
<li>Eine brutfreie Zeit im Dezember gab es auf Grund der zu hohen Temperaturen auch nicht, sodass die Bienen keine Erholungsphase gehabt haben</li>
</ul>
<p>Dies reicht jedoch nicht aus, um diesen immensen Schaden anzurichten, was bedeutet, dass noch andere Faktoren hier im unmittelbaren Umkreis das Bienensterben beeinflusst haben müssen. Durch Zukauf von Bienenvölkern bei Imkerkollegen im Raum Hohenlohe (dort waren kaum Ausfälle zu verzeichnen) haben wir unseren Bestand im Mai 2017 wieder auf 35 Völker aufgebaut. Solche massiven Verluste treten in jüngerer Zeit immer wieder auf und machen das ganze Thema Bienen bzw. Imkerei immer komplizierter und finanziell noch anspruchsvoller.</p>
<p>Heute am 08.März 2018 (der Tag, an dem ich diesen Bericht schreibe) war an allen Kästen etwas Flugbetrieb und auch der erste Pollen wurde schon eingetragen, was auf ein gutes Bienenjahr hoffen lässt.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_4 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="850" height="565" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber690-07.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-12690"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_7 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><em>Bienenstöcke in Oberkochen (überlassen von J. Brachhold)&nbsp;</em></p>
<p><strong>Was können wir als Stadt und als MitbürgerIn für die Insekten tun?</strong></p>
<p>Wir können ihnen im Garten ein Bienenhotel aufstellen. Kräuter und Pflanzen in Garten und Balkon für die Wildbienen anbieten, uns als Stadtimker engagieren, Honig aus der Region kaufen, Bienenpatenschaften annehmen, bienenfreundliche Pflanzen anstatt blank geputzten Rasen pflanzen und weniger mähen. Die Stadt ist da schon mit gutem Beispiel vorangegangen und es sieht auch schön für das Auge aus. Was wir sonst so tun können? Da gibt der Interaktionsplan auf der WebSite Auskunft.<br><a href="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/Bienenaktionsplan.pdf" target="_blank" rel="noopener">Bienenaktionsplan</a> ← hier klicken</p>
<p>Was den Bienen gut tut, ist auch gut für uns. In diesem Sinne heute mit summenden Grüßen von Wilfried Billie Wichai Müller vom Sonnenberg und der Imkerfamilie Brachhold beim Carl-Zeiss-Stadion.</p>
<p style="text-align: right;"><strong>Wilfried Billie Wichai Müller,&nbsp;</strong><br><strong>Familie Brachhold „Honig &amp; Mehr“, Beim Carl Zeiss Stadion 1</strong></p></div>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
			</div>
				
				
			</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bericht 495: Hans Scheerer und der Dinkel</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-495-hans-scheerer-und-der-dinkel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 May 2006 22:00:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 400-499]]></category>
		<category><![CDATA[Land- und Forstwirtschaft, Bienen und Fische]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://heimatverein-oberkochen.com/?p=14687</guid>

					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="et_pb_section et_pb_section_1 beitrag-inner-container et_section_regular">
				
				
				
				
				
				
				<div class="et_pb_row et_pb_row_1 beitrag-row">
				<div class="et_pb_column et_pb_column_4_4 et_pb_column_1  et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough et-last-child" id="inhaltsverzeichnis-spalte">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_8 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Hans Scheerer, der letzte Müller auf der Unteren Mühle, über drei Generationen hinweg der »Scheerermühle«, lebte von 1913 — 1990.</p>
<p>Viele Oberkochener wissen noch von der Oberkochener »Dinkel-Renaissance«, die genau genommen schon in den Siebzigerjahren begonnen und dann in den frühen Achtzigerjahren in Oberkochen und weit darüber hinaus Furore gemacht hatte. Diese »Dinkel-Renaissance« wurde von Hans Scheerer ausgelöst, zusammen mit seinem gelernten Müller Wolfang Strakosch aus Dillingen, der außerdem gelernter Landwirt ist. Wolfgang Strakosch arbeitete lange Jahre in der Scheerermühle als Müller.</p>
<p>Er machte kürzlich den Heimatverein — wir hatten uns auf einem Mühlenfest kennengelernt — darauf aufmerksam, dass es in den frühen Achtzigerjahren sogar Zeitungsartikel zum Thema »Dinkel« und Scheerermühle gegeben habe. Diese haben wir mit freundlicher Hilfe der SP-Archivleitung aufgespürt.</p>
<p>Diesen Artikeln (Schwäbische Post vom 28. August 1980 — »Dinkel-Ernte nach alter Väter Sitte« und Schwäbische Post vom 12. August 1982 — »Dinkel ist wieder »in«) entnehme ich folgende Auszüge (ich zitiere mit freundlicher Genehmigung der Redaktion der »Schwäbischen Post«, die uns auch Kopien der beiden Beiträge übersandte):</p>
<p>SP vom 28.08.80:<br>»Bereits bei der »Funkfahrt ins Blaue — diesmal Oberkochen« wurde bei dem Interview mit dem Mühlenbesitzer Hans Scheerer, dessen Mühle seit dem Jahre 1390 besteht und deren Mahlgänge seit 1877 nicht mehr verändert wurden, auf den Anbau des selten gewordenen Dinkels aufmerksam gemacht. Welche Resonanz diese Mitteilung auslöste, bewiesen die vielen Zuschriften aus dem ganzen Ländle, die im Hause Scheerer eingingen.«</p>
<p>Und weiter unten:<br>»Am gestrigen Vormittag war der Zeitpunkt der Ernte gekommen. Das Scheerer-Grundstück von 20 Ar, (vom Hektar können ca. 40 Doppelzentner Dinkel geerntet werden) zwischen der Bühl- und der Blumenstraße gelegen, präsentierte sich in voller Reife, als die Erntemannschaft ans Werk ging. Hans Scheerer hatte dazu Erntegeräte eingesetzt, die zum Teil noch aus dem vorigen (also dem 19.) Jahrhundert stammten, so die »Worbsense« *) mit dem Auffangkorb, Sicheln, mit denen das geschnittene Gut aufgenommen wurde; Garbenstricke, (die an einem Ende durch ein Loch in einem ca. 6 cm langen Rundholz, sogenannte Knebel, gezogen waren). Hans Scheerer, unterstützt von dem aus Dillingen gekommenen Landwirtschaftshelfer **) Strakosch, der das Saatgut geliefert hatte, bewies, dass er die Geräte noch einwandfrei beherrscht.«</p>
<p>*) Anmerkung DB: Herr Strakosch betonte, dass statt des Begriffs »Worbsense« das Wort »Gaukel« stehen müsse.<br>**) Anmerkung DB: Diese Berufsbezeichnung ist unzutreffend (s.v.)</p>
<p>SP vom 12.08.82:<br>».… Hans Scheerer, Müller in Oberkochen, baut jetzt wieder Dinkel an. Vor ein paar Jahren hat er Herrn Strakosch aus Dillingen kennengelernt, der ihm das Saatgut beschafft hat. Beide waren am Anbau interessiert. Der eine lieferte das Saatgut, der andere hat eine Mühle, die im sogenannten Gerbgang die Verarbeitung des Dinkels erlaubt.«</p>
<p>Dann wird die Getreidesorte »Dinkel« beschreiben.</p>
<p>Weiter unten heißt es:<br>»Der Dinkelbauer Scheerer, Oberkochen, am Mühlweg, leistet einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung der alten Kulturart Dinkel und trägt dazu bei, dass die Nachfrage nach Dinkel abgedeckt werden kann.« Nach dem Tod seiner Schwester Elsbeth (1995) kam der Oberkochener »Dinkelacker« auf dem Bühl durch Erbschaftsfestlegung an Privat und ist heute bereits zu einem guten Stück überbaut.</p>
<p>Herr Strakosch, schon seit frühester Jugend Richtung Landwirtschaft interessiert, berichtete, dass er 1974 im Rahmen seiner Bundeswehrausbildung bei Stetten am Kalten Markt während seiner Freizeit eine »merkwürdige« Getreideform entdeckt habe.</p>
<p>Er habe gefragt, wessen Acker das sei und habe einen gut 80-jährigen Landwirt ausfindig gemacht, dem er ein Säckle mit Saatgut. »abgeschwätzt« habe — ein paar Pfund nur. Dabei habe es sich um eine altdeutsche Dinkel-Sorte namens »Roter Tiroler« gehandelt. Das habe er dem Müller Scheerer, bei dem er schon damals arbeitete, mitgebracht. Hans Scheerer habe sich begeistert gezeigt. Zum Mahlen sei es ihm aber zu wenig gewesen. Er habe gesagt: »Des säat mr aus an guggat, was wackst, — ond was wackst, des säat mr nao wieder aus.« (Typisch Hans Scheerer, meine ich, — er hätte ja durchaus auch irgendwo ein paar Zentner Dinkel-Saatgut kaufen können; aber das ging ihm gegen die Ehre, sozusagen »gegen den Adel seiner Persönlichkeit«, und natürlich wäre es vor allem auch ein sträflicher Verstoß wider die schwäbische Sparsamkeit gewesen). So habe man, so Wolfgang Strakosch weiter, den Dinkel bei den folgenden Ernten auf dem »Bühl« systematisch vermehrt, bis kurze Zeit später schon 2 bis 3 Zentner Korn (»Koara«) gewonnen werden konnten.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_5 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="533" height="406" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber495-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-9977"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_9 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Die »Dinkel-Mehl-Gugg« im »Schaufenster unterm Kontor in der Mühle am Eingang zum Kocherwegle (Klein-Venedig) kannte damals fast jeder. Bis auf den heutigen Tag steht dort noch eine »Dinkelgugg«.</p>
<p>Herr Scheerer sei sich bei jener Ernteaktion im Bühl sehr wohl bewusst gewesen, dass es sich hierbei um eine Art »demonstrative Nachdokumentation« handle, zumal die ganzen alten Geräte noch vorhanden waren. Deshalb habe man »per Hand« nur zur photographischen Dokumentation geschnitten — den Rest habe die Maschine erledigt… Herr Strakosch erinnert sich, dass auch noch ein Presseartikel zum Thema »Putzmühle« in der Zeitung kam. Dieser konnte noch nicht aufgefunden werden.</p>
<p>Wer kann helfen? Sicherlich gibt es auch einen Bericht über die oben erwähnte »Fahrt ins Blaue — diesmal Oberkochen«, in dem das Interview mit Hans Scheerer erwähnt sein müsste.</p>
<p>Jürgen Schalk, Sohn der auf den Fotos ebenfalls abgelichteten Irmgard Schalk, deren Mutter wiederum Maria Völker ist, die auch auf den Fotos zu sehen ist, hat uns durch Vermittlung von Otto Schaupp drei digitalisierte Drucke dieser alten schwarz-weiß Fotos aus dem Jahr 1980 zukommen lassen, die im einen Fall von Robert Wolff, im anderen von »Privat« (Schalk) stammen.</p>
<p>Eckhart Irion, der 1971 das Abitur am Gymnasium Oberkochen ablegte und heute Ökolandwirt im bayerischen Unterreit ist, hielt am 12. Mai letzten Jahres beim Heimatverein einen Vortrag zu Thema »Dinkel und Emmer fast vergessene Getreide«.</p>
<p>Im Verlauf seines Vortrags schlug er vor, dass man in Oberkochen, nachdem es ja nun nicht nur einen Heimatverein, sondern auch einen Mühlenverein gibt, sich doch der Scheerermühle und der örtlichen Tradition zuliebe darum bemühen solle, irgendein Grundstück anzupachten, auf dem von heimatkundlich und landwirtschaftlich interessierten Mitgliedern Dinkel angebaut wird, der dann in dem wieder zum Leben erweckten Gerbgang der Scheerermühle gemahlen wird, und zu köstlichem Brot und schmackhaften Wecken verarbeitet und verkauft werden könnte.</p>
<p>Konstruktive Zukunftsmusik.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_6 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="813" height="510" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber495-2.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10681"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_7 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="805" height="553" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber495-3.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10677"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_8 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="794" height="505" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber495-4.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10657"></span>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
			</div>
				
				
			</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bericht 479: Emmer und Dinkel — Fast vergessenes Getreide</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-479-emmer-und-dinkel-fast-vergessenes-getreide/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 May 2005 22:00:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 400-499]]></category>
		<category><![CDATA[Land- und Forstwirtschaft, Bienen und Fische]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://heimatverein-oberkochen.com/?p=14766</guid>

					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="et_pb_section et_pb_section_2 beitrag-inner-container et_section_regular">
				
				
				
				
				
				
				<div class="et_pb_row et_pb_row_2 beitrag-row">
				<div class="et_pb_column et_pb_column_4_4 et_pb_column_2  et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough et-last-child" id="inhaltsverzeichnis-spalte">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_10 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Emmer und Dinkel I<br>Am 12. Mai wird Eckart Irion im Rahmen der Veranstaltungen des Heimatvereins einen Vortrag über »Dinkel und Emmer — fast vergessene Getreide« halten. Eckart Irion gehört zu dem ersten Abiturjahrgang unseres Gymnasiums. Er hat an der Universität Stuttgart-Hohenheim Landwirtschaft studiert und sich nach dem Examen vor allem mit ökologischem Landbau beschäftigt. Er leitet ein Versuchsgut in Unterreit nordöstlich von München.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_9 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="331" height="508" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber479-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-9636"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_11 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Was sind Emmer und Dinkel?<br>Es handelt sich dabei um die zwei alte Getreidearten aus der Weizenverwandtschaft. Um sie richtig einordnen zu können, soll kurz die Entstehungsgeschichte des Weizens dargestellt werden:<br>Vor über 10000 Jahren fingen Menschen im sog. »fruchtbaren Halbmond« (Levanteküste und Mesopotamien, also im Bereich des heutigen Israel-Libanon-Syrien-Irak) an, Grassamen nicht nur zu sammeln, sondern auch auszusäen. Dabei wurde — bewusst oder unbewusst — dieses Wildgras auch verändert. Es wurden die Pflanzen bevorzugt vermehrt, deren Ähren nicht zerfielen, die möglichst große Körner hatten, möglichst viele davon etc. So wurde aus dem Wildeinkorn (Triticum urartu) das Kultureinkorn (Triticum monococcum).</p>
<p>Einkorn besitzt 2 x 7 Chromosomen. Chromosomen sind die Träger der Gene, der Erbanlagen, die von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden. Geschlechtszellen enthalten nur 7 Chromosomen, sie sind haploid, nach der Befruchtung, bei der zwei Geschlechtszellen miteinander verschmelzen, enthält die Zelle 2 x 7, also 14 Chromosomen, sie ist diploid.</p>
<p>In jedem Getreidefeld kommen neben der Kulturform auch Wildgräser vor (ähnlich wie heute der Flughafer im Weizenfeld). Dabei kann auch Pollen der Wildart auf die Narben der Kulturform gelangen. Es entstehen so Bastardformen, die sich aber nicht weiter vermehren können, weil bei der Ausbildung der Geschlechtszellen wichtige Positionen der Erbinformationen verloren gehen.</p>
<p>In seltenen Fällen kann es aber zu einer Verdoppelung der Chromosomenzahl kommen, jede Zelle enthält dann nach der Befruchtung je einen doppelten Chromosomensatz der beiden Ausgangsarten, also insgesamt 4 x 7 = 28 Chromosomen, sie ist tetraploid.<br>Durch Einkreuzung einer weiteren Ziegenweizenart kam es durch entsprechende de Vorgänge zum heutigen hexaploiden Weizen mit 6 x 7 = 42 Chromosomen.</p>
<p>Nach der Weismannschen Kern-Plasma-Relation ist mit Zunahme der Chromosomenzahl auch eine Größenzunahme verbunden. Mehr Chromosomen bedeuten — ein größerer Kern, ein größerer Kern heißt, eine größere Zelle. Bei gleich bleibender Zellenanzahl resultiert so eine größere Pflanze.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_10 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="339" height="518" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber479-2.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-9641"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_12 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Emmer oder Spelt (Triticum dicoccum) ist eine tetraploide Weizenform (das gilt auch für den Hartweizen, der heute noch in Südeuropa und in Nordamerika angebaut wird).</p>
<p>Dinkel ist wie der Saatweizen hexaploid. Im Gegensatz zum Saatweizen bleibt er aber bespelzt, d. h. die Hüllblätter (Spelzen) bleiben dem Korn fest anliegend, während sie sich beim Saatweizen öffnen und das Korn freigeben (Nacktweizen). Die Dinkel-Ähren besitzen — je nach Sorte — Grannen oder sind grannenlos, den meisten Saatweizen-Sorten fehlen sie (nur der sog. Bartweizen hat sie noch). Ähnlich gehört Emmer zu den bespelzten, Hartweizen zu den »nackten« Sorten.</p>
<p>Im Oberkochener »Römerkeller« wurden über 2000 verkohlte Getreidekörner gefunden, die zum größten Teil (77 %) als Dinkel-Körner identifiziert wurden. Da sie aber für Dinkel etwas klein sind, könnte es sich auch um Emmer handeln.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_11 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="332" height="518" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber479-3.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-9638"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_12 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="314" height="492" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber479-4.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-9622"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_13 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Horst Riegel</p>
<p>Die Aufnahmen stammen in der Mehrzahl vom Landwirtschaftlichen Versuchsfeld bei Neuler, das damals vom Landwirtschaftsamt in Ellwangen betreut wurde. Leider ist der Teil, der über die Entstehungsgeschichte des Getreides informierte, vor ein paar Jahren aufgegeben worden (aus Kostengründen?).</p>
<p>Emmer und Dinkel II<br>In der Römerzeit war Dinkel in den römischen Provinzen nördlich der Alpen das häufigste angebaute Brotgetreide. Auch im Mittelalter wurde Dinkel vor allem in Süddeutschland angebaut. Warum es dazu kam, ist nicht genau bekannt. Für das Mittelalter lässt sich zumindest folgender Zusammenhang aufzeigen:<br>Mit dem Beginn der sog. »kleinen Eiszeit«, d. h. der Verschlechterung der klimatischen Bedingungen, die bis ins 19. Jahrhundert andauerte, wurde der Weizenanbau immer problematischer, es traten immer wieder Missernten auf, die Hungersnöte zur Folge hatten. Weizen hatte einfach eine zu lange Vegetationsperiode bzw. zu hohe Ansprüche an die Temperatur. Hier erwies sich der Dinkel dem Weizen als überlegen.</p>
<p>Hinzu kam, dass man beim Dinkel darauf kam, dass sich auch noch nicht ganz ausgereifte Körner (als sog. »Grünkern«) verwerten ließen. Wegen der Klimaverschlechterung nahm übrigens auch der Anteil des Roggens am Brotgetreide in dieser Zeit immer mehr zu.</p>
<p>Dinkel ist also ein bespelzter Weizen. Der Mahlgang deshalb eine zusätzliche Stufe, bei der die Hüllspelzen entfernt werden.</p>
<p>In diesem sog. Gerbgang werden die Körner zwischen zwei Mahlsteine befördert, deren Abstand um ein weniges geringer ist als der Korndurchmesser. So werden die Hüllspelzen abgelöst.</p>
<p>Nach Prof. Udelgard Körber-Grohne: Nutzpflanzen in Deutschland (von der Universität Stuttgart-Hohenheim) gibt es in Deutschland noch drei Mühlen, die einen solchen Gerbgang besitzen. Auch die Scheerer-Mühle in Oberkochen hat einen solchen!</p>
<p>In einem Reformhaus hörte ich eine Frau sagen, »dass sie Dinkel deshalb kaufe, weil sie gegen Weizen allergisch sei!« Das konnte ich leider nicht überprüfen, aber schließlich ist Dinkel eine Weizenart. Eine Erklärung dafür könnte vielleicht darin liegen, dass der Saatweizen in der Vielfalt seiner Inhaltsstoffe immer mehr verarmt. Weizen vermehrt sich überwiegend durch Selbstbestäubung, d. h. der Pollen gelangt bereits vor dem Aufblühen der Ährchen von den Staubgefäßen zu den Narben. Dadurch lassen sich besonders leicht erbfeste, sog. reine Linien herauszüchten. Für die moderne Landwirtschaft sind Weizensorten, die genau zur gleichen Zeit blühen, die gleiche Halmhöhe haben etc. gefragt. Der Vereinheitlichung der äußeren Merkmale entspricht eine Vereinheitlichung der Inhaltsstoffe, z. B. der Eiweiße, die sich in den Zellen befinden. Bei Dinkel ist es noch nicht zu dieser »Überzüchtung« gekommen!</p>
<p>Noch ein weiteres Problem sei angesprochen, das nichts mit dem Dinkel zu tun hat. Roggen wird bei uns kaum noch angebaut, weil er aus Frankreich günstiger geliefert wird! In Frankreich ist Roggen kein Brot‑, sondern nur ein Futtergetreide, er wird deshalb billiger gehandelt.</p>
<p>Neuerdings hat man versucht, Roggen, der ja nahe mit dem Weizen verwandt ist, mit dem Weizen zu kreuzen. Dieses Kreuzungsprodukt aus Weizen (Triticum aestivale) und Roggen (Secale cereale) nennt man Triticale. Für die Kreuzung präpariert man junge Weizenblüten so, dass man sie aufschneidet und die Staubgefäße entfernt. Man umschließt dann eine so präparierte Ähre zusammen mit ein paar Roggen-Ähren in einem Plastikbeutel. So erhält man das Kreuzungsprodukt; durch Behandlung mit dem Gift der Herbstzeitlose (Colchicin) erreicht man eine Verdoppelung der Chromosomenzahl.</p>
<p>Bei der Kreuzung des hexaploiden Saatweizens mit dem diploiden Roggen kam man so zum octoploiden Triticale mit 8 x 7 = 56 Chromosomen. Der machte aber bei der Weiterzucht Schwierigkeiten, weil immer wieder einzelne Chromosomen verloren gingen. So war keine Erbfestigkeit zu erreichen! Warum einzelne Chromosomen verloren gingen, ist mir nicht bekannt. Vielleicht war diese große Zahl von Chromosomen einfach nicht mehr von der Zelle aus steuerbar.<br>Der Ausweg aus dem Dilemma: Man kreuzte den tetraploiden Hartweizen mit dem Roggen! Der so entstandene hexaploide Triticale (mit 42 Chromosomen) erwies sich als erbfest. — Triticale wird heute als Futtergetreide angebaut. Er ist robuster als Weizen, seine Ansprüche an Bodenqualität etc. sind geringer.</p>
<p>Horst Riegel</p></div>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
			</div>
				
				
			</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bericht 407: Waldnutzungen im Wandel der Geschichte</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-407-waldnutzungen-im-wandel-der-geschichte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Nov 2001 23:00:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 400-499]]></category>
		<category><![CDATA[Land- und Forstwirtschaft, Bienen und Fische]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://heimatverein-oberkochen.com/?p=14956</guid>

					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="et_pb_section et_pb_section_3 beitrag-inner-container et_section_regular">
				
				
				
				
				
				
				<div class="et_pb_row et_pb_row_3 beitrag-row">
				<div class="et_pb_column et_pb_column_4_4 et_pb_column_3  et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough et-last-child" id="inhaltsverzeichnis-spalte">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_14 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Am 15. November hielt Jörg Mente, leitender Forstdirektor des Staatlichen Forstamts Oberkochen im Rahmen der heimatkundlichen Vorträge des Heimatvereins Oberkochen im Schillerhaus einen Vortrag zum Thema »Nutzungsänderungen unserer Wälder in der Geschichte«. Herr Mente verstand es, die zahlreich erschienenen Zuhörer in didaktisch höchst anschaulicher Weise, mit großem Fachwissen, Herz und Humor für die Sache des Waldes und eine sinnvolle Nutzung seines Reichtums unter dem Leitgedanken der »Nachhaltigkeit« zu begeistern.</p>
<p>Mit Spannung verfolgten die Zuhörer die Ausführungen zur totalen Übernutzung der Wälder im 30-jährigen Krieg. Dann wurde die Zeit der hochherrschaftlichen Jagden lebendig. Wildbestand und Jagd war einzig und allein Sache der absolutistischen Herrscher. Zitat Mente: »Die überhöhten Wildbestände, einschließlich der Jäger, waren eine Landplage«. Dies wird leicht einsichtig, wenn man erfährt, dass eine einzige Jagd, die nur zur Belustigung der »Herren« diente, umgerechnet zwischen 2,5 und 5 Millionen Mark kostete, die letztlich vom Volk aufzubringen waren.</p>
<p>Nicht übersehen werden darf der hohe »Ernährungswert« des Waldes für Mensch, aber auch für Tiere (Waldweide, Schweinemast, Laubstreu…).</p>
<p>Der Holzverbrauch für das Bauwesen, den Schiffsbau, die Gebrauchsartikel des Alltags und für so vieles mehr steigerte sich zusehends.</p>
<p>Eisenverhüttung, Salinen, Glasbrennerei und Köhlerei verursachten überdies einen ständig wachsenden und heute nicht mehr vorstellbaren Holzverbrauch. Um das Holzgewicht und somit die Transportkosten zu minimieren und gleichzeitig den Brennwert des Holzes in Form von Holzkohle zu steigern, verbreitete sich in Gegenden, wo es keine Steinkohle gab, rasch vor allem das Köhlereiwesen. Dieses wurde erst mit dem Aufkommen der Eisenbahn, und damit der Möglichkeit die wertvollere Steinkohle herbeizuschaffen, wieder rückläufig.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_13 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="636" height="441" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber407-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10133"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_15 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Gmünd um 1840: Der »Wald« um Schwäbisch Gmünd bestand aus wenigen dünnstämmigen Laubbäumen und Buschwerk (Aus: Das Königreich Württemberg, 1841 von Ph. Adam)<br>So kam es, dass es um 1860 fast nur noch verkrüppelte Bäume und kein Stammholz mehr gab. Holznot (Holzdiebstahl) und Hunger (Wilderei) waren mit die Hauptgründe für eine entsprechende Kriminalität in einer verarmten Bevölkerung und, zusammen mit der Landnot, Grund für viele Menschen, auszuwandern. Nach zögerlichen Anfängen einer geregelten Waldbewirtschaftung im 18. Jahrhundert kann man erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts von zukunftsorientiertem Waldbau und einer geregelten Waldnutzung sprechen.</p>
<p>Sollte die Erwärmung der Erdatmosphäre weiter fortschreiten, so ist absehbar, dass Nadelhölzer künftig immer mehr zurückgedrängt werden, — im wärmeren Großraum Stuttgart früher als bei uns auf der rauen Ostalb.<br>Als Dank für seinen hervorragenden Vortrag übergab der Vorsitzende des Heimatvereins FD Mente ein gerahmtes Großfoto, das eine der letzten Wildkatzen Württembergs zeigt, die vor 120 Jahren im Hagental bei Oberkochen von Waldschütz Josef Ebert erlegt wurde. Sie ist fast einen Meter groß und befindet sich heute im Rosensteinmuseum in Stuttgart.</p>
<p>Dietrich Bantel</p></div>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
			</div>
				
				
			</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bericht 405: Die Geburt eines Pferds — Leonhard Deinhart, ein Alt-Oberkochener, erinnert sich</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-405-die-geburt-eines-pferds-leonhard-deinhart-ein-alt-oberkochener-erinnert-sich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Nov 2001 23:00:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 400-499]]></category>
		<category><![CDATA[Land- und Forstwirtschaft, Bienen und Fische]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://heimatverein-oberkochen.com/?p=14946</guid>

					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="et_pb_section et_pb_section_4 beitrag-inner-container et_section_regular">
				
				
				
				
				
				
				<div class="et_pb_row et_pb_row_4 beitrag-row">
				<div class="et_pb_column et_pb_column_4_4 et_pb_column_4  et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough et-last-child" id="inhaltsverzeichnis-spalte">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_16 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Aus heiterem Himmel flatterte uns ein von Leonhard Deinhart verfasster kleiner Bericht aus Köln auf den Schreibtisch. Leonhard Deinhart ist den Alt-Oberkochenern noch gut bekannt, und manche unserer Leser werden sich noch der Ausstellung seiner Bilder erinnern, die vor wenigen Jahren im Foyer des Rathauses stattgefunden hat.</p>
<p>Mit wenigen Worten versteht es Leonhard Deinhart, so wie in seinen Bildern oft mit wenigen Strichen, eine ganze Welt in Erinnerung zu bringen, eine Welt, in der eine einzige Familie so viele Schicksalsschläge hinnehmen musste; und dennoch ist das Schreckliche nicht die einzige Erinnerung — auch das berührende Erlebnis der Geburt eines Fohlens ist bis auf den heutigen Tag lebendig geblieben.</p>
<p><strong>»Die Pferde Max und Gretl und das Fohlen Hans«</strong><br>Der frühere Ochsenwirt Jakob Kirchdörfer hatte neben seinem Gasthaus einen großen Bauernhof. In diesem Gebäude wohnten wir von 1933 bis 1946 in einer großen Wohnung über dem Stall. Zum Bauernhof gehörten auch zwei Pferde mit Namen Max und Gretl. Ich erinnere mich noch gut, wie die Gretl ein Fohlen bekommen sollte. Die Pferde waren nie angebunden im Stall und gingen nachts, wenn sie durstig waren, immer zur Tränke an einen Trog hinten im Stall.</p>
<p>Die Nacht, bevor das Fohlen zur Welt kam, schliefen Jakob (das war der zweite Sohn vom Kirchdörfer) und ich im Stall. Ich war damals neun oder zehn Jahre alt. Auf einmal hörte ich nachts ein Pferd zur Tränke gehen. Ich spürte, wie es auf mein Schienbein trat — zum Glück nur leicht, denn das Pferd trat aus Instinkt nicht fest auf meinen Fuß. Ich wusste, dass es der Max war. Am anderen Tag war ein großes blaues Mal an meinem Schienbein.</p>
<p>Die größere Freude war dann die Geburt des Fohlens von dem Muttertier, der Gretl. Das war für mich ein Erlebnis: <strong>Die Geburt eines Pferdes.</strong></p>
<p>Für mich war es die größte Freude, das heranwachsende Fohlen auf dem Hof am Halfter hin und her zu führen. Ich erinnere mich noch gut, wie Hans, so hieß das Fohlen, aus Lebensfreude Sprünge machte, dass ich Mühe hatte, es festzuhalten.</p>
<p>Als ich es einmal nicht mehr halten konnte, bekam ich einen Schlag mit beiden Hinterhufen gleichzeitig direkt auf die Brust und flog im Bogen in die Miste vor Kirchdörfers Stall.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_14 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="752" height="471" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber405-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10401"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_17 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Leider wurden alle Pferde der Oberkochener Bauern für den verdammten Krieg nach Russland geschickt — und es kam keines wieder nach Hause.</p>
<p>Der Sohn Jakob Kirchdörfer — Jahrgang 1915 — war in der Zwischenzeit längst Soldat geworden. Er ist als erster Soldat beim Einmarsch der Deutschen in die Tschechoslowakei gefallen. Er war ein gelernter Metzger als Koch bei seiner Truppe und wurde von einem Transportzug heruntergeschossen. Sein Vater ist damals sofort nach Plattling an der tschechischen Grenze gefahren, wo das passiert war, und sein Sohn wurde nach Oberkochen überführt. Eine Kompanie von der damaligen Remonte in Aalen schoss die Ehrensalve am Grab auf dem Oberkochener evangelischen Friedhof.</p>
<p>Dies war für mich ein unvergessliches Erlebnis mit meinen 12 Jahren, — wo doch der Jakob mich so oft mit den Pferden hatte mitfahren lassen. Zum Beispiel im Winter auf dem Schlitten ins Rot (dort hatte der Kirchdörfer einen Acker), den Mist oder die Gülle dort hinfahren, oder mit den Pferden zur Firma Grupp mit dem Pritschenwagen Hobelspäne und Eisenspan von den Drehbänken zum Abtransport auf die Eisenbahn zu fahren.</p>
<p>Der älteste Sohn vom Ochsenwirt war Christian. Er ist in Russland vermisst. Der Sohn Eugen war gelernter Bäcker und ist in russischer Kriegsgefangenschaft verstorben. Nach langer Kriegsgefangenschaft kam der jüngste Sohn Melchior 1950 krank aus Russland nach Hause und hat aus lauter Gram seinem Leben ein Ende gesetzt.</p>
<p>Für mich bleiben die Erinnerungen an die Erlebnisse aus meiner Kindheit und Jugend aus dem alten Oberkochen lebendig.</p>
<p>Leonhard Deinhart</p></div>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
			</div>
				
				
			</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bericht 358: »Lothar« tobte in Oberkochen</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-358-lothar-tobte-in-oberkochen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Jan 2000 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 300-399]]></category>
		<category><![CDATA[Land- und Forstwirtschaft, Bienen und Fische]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://heimatverein-oberkochen.com/?p=16431</guid>

					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="et_pb_section et_pb_section_5 beitrag-inner-container et_section_regular">
				
				
				
				
				
				
				<div class="et_pb_row et_pb_row_5 beitrag-row">
				<div class="et_pb_column et_pb_column_4_4 et_pb_column_5  et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough et-last-child" id="inhaltsverzeichnis-spalte">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_18 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Sozusagen stellvertretend für die mannigfaltigen Schäden, die Orkan »Lothar« am Sonntag, dem 26. Dezember 1999, zwischen 14.30 und 15.00 Uhr auf unserer Gemarkung anrichtete, bringen wir zu Beginn des neuen Jahres zwei Fotos vom Kreuz an der Langerthalde — wir nennen es das »Lichtleskreuz« — das von der Familie Anton Balle 1948 errichtet wurde.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_15 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="377" height="539" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber358-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-9714"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_16 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="376" height="546" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber358-2.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-9710"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_19 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Wir berichteten in unserer heimatkundlichen Serie »Oberkochen — Geschichte, Landschaft, Alltag« in »Bürger und Gemeinde« vom 5. 5. 1989 (Bericht No. 64) ausführlich über die Geschichte dieses Kreuzes.<br>In dem genannten Bericht veröffentlichten wir auch ein Foto, das rechts und links des Kreuzes 2 frisch gepflanzte Bäumchen zeigt. Diese waren nach über 45 Jahren zu stattlichen Bäumen geworden.</p>
<p><strong>Am 2. Weihnachtsfeiertag 1999 hat »Lothar« sie beide entwurzelt.</strong> Die Bank beim Kreuz und das Kreuz selbst blieben unbeschädigt. Der Christus allerdings ist etwas in Schräglage geraten — wozu man zum zu Ende gegangenen Jahr 1999 die verschiedensten 0berlegungen anstellen kann.</p>
<p>Hoffen wir, dass wir im neuen Jahr von Stürmen aller Art verschont bleiben.</p>
<p>Vorschau:<br><strong>250 Jahre Aalener Protokoll</strong><br>Wir weisen darauf hin, dass wir auf vielfachen Wunsch den von OstD. i.R. Volkmar Schrenk am 22. Nov. 1999 im vollbesetzten Bürgersaal gehaltenen Vortrag »250 Jahre Aalener Protokoll«, das Verhaltensregeln zum Zusammenleben im seit der Reformation konfessionell Lind politisch geteilten Dorf Oberkochen aufstellte, (Unterzeichnung am 22. 11. 1749 in Aalen) in sechs wöchentlich aufeinanderfolgenden Beiträgen (Berichte 359 — 364) im vollen Wortlaut veröffentlichen (21. 1., 28. 1., 4. 2., 11. 2., 18. 2. und 25. 2.). Unser nächster Bericht erscheint dann voraussichtlich in »Bürger und Gemeinde« vom 14. 4. 2000.</p>
<p style="text-align: right;">Dietrich Bantel</p></div>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
			</div>
				
				
			</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bericht 352: Vom Flachsanbau</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-352-vom-flachsanbau/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Oct 1999 22:00:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 300-399]]></category>
		<category><![CDATA[Land- und Forstwirtschaft, Bienen und Fische]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://heimatverein-oberkochen.com/?p=16393</guid>

					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="et_pb_section et_pb_section_6 beitrag-inner-container et_section_regular">
				
				
				
				
				
				
				<div class="et_pb_row et_pb_row_6 beitrag-row">
				<div class="et_pb_column et_pb_column_4_4 et_pb_column_6  et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough et-last-child" id="inhaltsverzeichnis-spalte">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_20 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Das im Bericht 351 in BuG vom 1. 10. 99 abgebildete »unbekannte landwirtschaftliche Gerät« ist ein <strong>Flachskamm</strong> und zwar in einer Ausführung, wie er nach Aussage eines Holzfachmannes aus dem Nördlinger Raum nur von den wohlhabenderen Landwirten verwendet wurde. In Bericht 344 vom 18. 6. d. J. haben wir die Getreideart <strong>Flachs</strong>, die u. a. im Oberkochener Heimatmuseum in einer Vitrine zu besichtigen ist, beschrieben.</p>
<p>Müsli-Essern sind die Flachssamen, die vor allem in Süddeutschland als Leinsamen bezeichnet werden, durchaus bekannt. Die süddeutschen Bauern sprechen von Lein, wenn sie den Samen meinen, und von Flachs, wenn sie die Pflanze meinen. Flachs gedeiht am besten im Seeklima — wird aber im Schwäbischen schon seit dem 11. Jahrhundert angebaut. Die Pflanze wird 50 bis 60 cm hoch, die Blüten sind zartblau.</p>
<p>In den letzten Jahren ist das Interesse für den fast vergessenen Flachsanbau deutlich gestiegen. Aktionstage in Museen, Presseveröffentlichungen und Beschreibungen in Buchveröffentlichungen haben wesentlich dazu beigetragen.</p>
<p>Hier einige Beispiele:</p>
<ol>
<li>Blätter des Schwäbischen Albvereins Nr. 2/1988 (Seite 46)</li>
<li>Baden-Württemberg — eine Heimat- und Landeskunde 1988 — Alte und neue Industrien, Flachs (Seite 60)</li>
<li>Schwäbische Post vom 24. 8. 96: »Vom Ratschen und Flachsen«</li>
<li>Paul Randler, 1996: »Auf’m Härtsfeld« — Vom Flachs (Seiten 45/46)</li>
<li>Literatur des Rieser Bauernmuseums Maihingen 1996 »Vom Flachs zum Leinen«.</li>
<li>Wochenzeitung vom 30. 9. 97. »Idealer Rohstoff zum Dämmen — Flachs wird neu entdeckt«.</li>
</ol>
<p>Mitglieder des Heimatvereins fuhren vor 3 Jahren zu einem Aktionstag nach Maihingen, wo von den Betreibern des dortigen landwirtschaftlichen Museums (»Rieser Bauernmuseum«) ein Aktionstag zum Thema »Vom Flachs zum Leinen« veranstaltet wurde.</p>
<p>Hier soll nun versucht werden, die einzelnen der vielen Arbeitsgänge bei der Flachsbearbeitung, von denen in Maihingen die meisten unter Anleitung selbst praktiziert werden konnten, zu beschreiben.</p>
<p><strong>1. Ernte.</strong> Die Pflanze wurde, da sie zum mit der Sense-Schneiden (»Sense« in Oberkochen = »Säges«) zu hart ist und man außerdem die Länge der Faser im Stil nicht »beschneiden« wollte, nicht gesenst, sondern von Hand ausgerissen. Man nannte das »<strong>Raufen</strong>« oder »<strong>Rupfen</strong>«. Die Erde wurde hernach aus den Wurzeln herausgeklopft. Ernte deshalb vorzugsweise bei Trockenheit.</p>
<p><strong>2. Riffeln.</strong> Indem man die Pflanze durch einen eisernen <strong>Riffelkamm</strong> (Riffelbaum) zieht, werden die Samenkapseln, aus denen später das Öl (Leinöl) gepreßt wird, entfernt bzw. von der Pflanze getrennt. Lein wird auch zur Herstellung von Linoleum verwendet (Das Wort ist zusammengesetzt aus Lin = Leinen und oleum (lat. = Öl). Leinöl ist auch die Bindesubstanz für Ölfarben und Ausgangsstoff für eine Reihe von Industrieprodukten.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_17 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="484" height="487" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber352-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-9903"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_21 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>3. Rösten.</strong> Durch ständig wiederholtes Befeuchten und Liegenlassen der verbliebenen Stängel wird die Pflanzenstruktur derselben aufgelöst. Im Prinzip ist dieser Vorgang mit einem beginnenden Fäulnisvorgang zu vergleichen. Die Natur, die Witterung, arbeiten für den Bauern.</p>
<p><strong>4. Dörren.</strong> Nach der Auflösung der äußeren Stängelstruktur werden die Stängel entweder auf der »<strong>Dörre</strong>«, einer meist am Ortsrand gelegenen intensiv der Sonne ausgesetzten Fläche (häufig Öde) getrocknet. Das »Dörren« wurde aber auch, wie mir ein Oberkochener Landwirt berichtete, auf dem Backofen getätigt. In diesem Zustand nannte man den Flachs »<strong>Werg</strong>«. (Unterschiedliche Definition bei Randler).</p>
<p><strong>5. Brechen.</strong> Nun werden die gedörrten Stängel in der »<strong>Breche</strong>« weiterbearbeitet. Das geschieht, indem man einen »Strauß« oder ein kleines Büschel von Pflanzen fasst und der Länge nach durch die »Breche« zieht. Hierbei werden die durchs Dörren aufgesprungenen äußeren rindenähnlichen Stängelhüllen, die die innen im Stängel verlaufenden Hanf- oder Leinenfasern umgeben, zertrümmert, indem sie zwischen 2 Hölzern mehr oder weniger zerhackt werden, so dass sie als »Abfall« teilweise schon von selbst abfallen, wobei die Fasern unbeschädigt bleiben. Paul Randler formuliert. »Die Strohanteile der Pflanze wurden von den Fasern getrennt.« Die Fasern nannte man auch »<strong>Werg</strong>«.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_18 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="444" height="685" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber352-2.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-9845"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_22 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>6. Schwingen.</strong> Nachdem die Stängelhüllen klein- und losgequetscht sind, werden sie, sofern sie noch an den Fasern haften, von denselben entfernt, indem man das verbliebene bereits faserige Straußbündel gegen ein Holz schlägt.</p>
<p>Mit einem hölzernen <strong>Schwingscheit</strong>, das nach dem Schwingen gegen die Fasern geschlagen wird, wird dieser vorletzte Säuberungsvorgang beendet.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_19 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="493" height="576" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber352-3.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-9915"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_23 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>7. Hecheln.</strong> Der letzte Säuberungsvorgang besteht darin, dass die Fasern durch eine »<strong>Hechel</strong>« oder »<strong>Feinhechel</strong>« gezogen werden, — eine grobe igelähnliche auf dem Rücken in ein Gestell montierte stehende sehr grobe Metallnagelbürste, durch die die letzten holzigen Rindenreste und die nicht brauchbaren kurzen Fasern aus dem langen pferdeschwanzähnlichen Fasernschweif herausgekämmt werden. Genau genommen ist die Hechel eine Variation der Riffel.</p>
<p>An dieser Stelle sei auf »unseren« Flachskamm in Bericht 351 vom 1. 10. 1999 verwiesen.</p>
<p><strong>8. Flachszöpfe.</strong> Wenn die Faserbündel soweit freigelegt, gereinigt und geordnet sind, werden sie zu Zöpfen geflochten.<br>Die weiteren Vorgänge, die dann die Voraussetzungen sind, dass das Material gewoben werden kann sind:</p>
<p><strong>9. Spinnen.</strong> Beim Spinnen werden die Flachszöpfe aufgelöst und die Fasern am Spinnrad zu einem fortlaufenden Faden gesponnen, wobei es Ehrensache der Spinnerin ist, dass »der Faden nicht reißt«.</p>
<p><strong>10. Haspeln.</strong> Der fortlaufende Faden wird nun zu Garnsträngen »gehaspelt«.</p>
<p><strong>11. Bleichen.</strong> Am originalsten ist die sogenannte »Naturbleiche«.</p>
<p><strong>12. Weben.</strong></p>
<p><strong>13. Bedrucken</strong> — falls gewünscht.</p>
<p>Der Flachsanbau ging, das trifft auch für Oberkochen zu, (sofern überhaupt Flachs angebaut wurde — Oberkochen war kein ausgesprochenes Anbaugebiet) bereits im 19. Jahrhundert nieder.</p>
<p>Im sogenannten Dritten Reich wurde es gerne gesehen, wenn Flachs angebaut wurde. Das heißt: Der Flachsanbau erlebte in diesen Jahren eine kleine künstliche Renaissance. Oberkochener Landwirte erinnern sich, dass der Anbau mehr oder weniger staatlicherseits angeordnet wurde, wobei man die Frucht zur Gewinnung von Öl behalten durfte, die Halme zur Fasergewinnung am Bahnhof »abgeliefert« werden mussten und in Waggons zur Weiterbearbeitung abtransportiert wurden.</p>
<p>Dass es in Oberkochen eine »<strong>Dörre</strong>« gegeben hat, wurde von einigen befragten Landwirten nicht bestätigt. Christoph Schurr berichtet aber im Rahmen seiner Nachforschungen zu den Oberkochener Flurnamen zum Flachsanbau aus früherer Zeit: »Im Bereich von Kapellensteige/Hafnerweg gibt es die »<strong>Dörr</strong>«, wo der Flachs getrocknet (gedörrt) und anschließend gebrochen wurde. Auch in den Nachbarorten finden sich immer wieder Flurnamen, die den Flachsanbau belegen. (Königsbronn: Flachsbucken; Ochsenberg: Brechdarr.)«</p>
<p>Der Weberberuf war in Oberkochen durchaus vertreten. Eine typische Weberfamilie über Generationen hinweg war die hier ausgestorbene beziehungsweise ausgewanderte Familie Wiedenhöfer, aus der auch Matthias Wiedenhöfer, der spätere Flurschütz und Bilzhannes, ursprünglich Weber, stammt.</p>
<p>Das Stichwort »Bilzhannes« leitet über zu den sogenannten »Kunkelstuben«, wo die Flachsarbeit, das »Flachsen«, hauptsächlich das »Spinnen« häufig in Gemeinschaftsarbeit verrichtet wurde. Unter »Kunkel« wird in der Schwäbischen Sprache so mancherlei verstanden. In diesem Zusammenhang ist mit Kunkel der sogenannte »Spinnrocken« gemeint, worunter der starre Stab, ein Teil des Spinnrads, gemeint ist, auf den das gewonnene Spinnmaterial gewickelt wird. Die Kunkelstuben waren immer wieder der Quell von Ärgernissen gegenüber Kirchen und behördlichen Obrigkeiten, die über den Anstand zu wachen hatten: Die Spinnerinnen spannen ja nicht nur das Garn, sondern auch Fäden ganz anderer Art hinüber zu den jungen Männern, die sich unter den verschiedensten Vorwänden in die Spinnstuben begaben, um sich »umgarnen« zu lassen. Dasselbe, was auf die Spinnstuben zutrifft, gilt auch für die Webstuben, den Hütern der Gesetze immer wieder ein Dorn im Auge waren. Von den Webern gingen bekanntlich sogar Rebellionen aus. (Weberaufstand).</p>
<p>Im heute gesprochenen Schwäbisch gibt es noch jede Menge Wörter, die sich auf die Flachsverarbeitung beziehen, und die meist in übertragenem bildhaften Sinn angewandt werden, ohne dass sich die Benutzer dieser Formulierungen klar darüber sind, was das Wort eigentlich bedeutet.</p>
<p>Einige Beispiele:<br>Zu den Inhalten des Wortes »<strong>spinnen</strong>« braucht nichts Näheres erklärt zu werden — genau so wenig zu der übertragenden Bedeutung von »<strong>mir ist der Faden gerissen</strong>«, wenn man beim Sprechen plötzlich nicht mehr weiter weiß. Wenn sich jemand beim Sprechen mit Wörtern oder Silben vertut, sagt man: »Er hat sich verhaspelt«. Wenn sich junge Männer betont lässig geben, sagt man Sie sind »<strong>flachsig</strong>«, oder sie »<strong>flachsen herum</strong>« — meist waren sie schon damals untätig, wenn sie sich in den Flachsstuben aufhielten. Wenn junge Männer ein Mädchen auf betont lockere Weise ansprechen, sagt man: »Er <strong>flachst</strong> sie an«. »<strong>Anflachsen</strong>« ist die zunächst nicht sexuell gemeinte Vorstufe des heute gebräuchlichen Wortes »anmachen«. Wenn man ein Problem von allen Seiten her beleuchtet und durchspricht, sagt man: »man hechelt das Problem durch oder man hat die Sache <strong>durchgehechelt</strong>«. Wenn einer etwas »schafft«, und der andere wissen will, was er tut, fragt er: »Was <strong>wergelsch</strong> denn wieder rom?« Kinder können sich auch im Dreck »<strong>herumwergeln</strong>« oder »-<strong>wargeln</strong>«. <strong>Tratschen (ratschen)</strong> hängt ursprünglich mit »drehen« zusammen. <strong>Drat</strong> (ohne »h«) ist ein gedrehter Zwirn. Der Begriff <strong>dratschen</strong> wurde auch auf das Drehen des Garnfadens angewandt. Was »<strong>tratschen</strong>« heute ist, braucht wohl auch nicht nähers erläutert zu werden, wenn auf die gesellschaftliche Funktion der Kunkelstuben verwiesen wird.</p>
<p>Die »<strong>Riffel</strong>« ist gleichbedeutend mit »Raffel«. (Heidelbeeren). In der Form »Raffel« hat das Wort die Bedeutung von »Mund«, wobei es schon ziemlich derb ist, wenn man zu einer Person sagt: »Halt die <strong>Raffel</strong>«. Noch härter ist es, eine i. A. weibliche Person als »Raffel« zu bezeichnen — man meint damit, dass die Person als zumindest geschwätzig, wenn nicht sogar als bösartig geschwätzig und zänkisch eingestuft wird. Wie es zu der von der Riffel abgeleiteten Bedeutung von Raffel kommt, wird klar, wenn man sich unter der Riffel einen Unterkiefer vorstellt, in dem die Metallzinken die lückenhaft stehenden Zähne sind … Selbstverständlich geht auch die »Raffel« auf die Kunkelstubengespräche zurück, in welchen nicht anwesende Mitbürger im Gespräch »durchgehechelt« wurden.</p>
<p>Ein Oberkochener Landwirt resümierte: »Heit flachsat d’Mannsbilder rom, ohne dass ze äbbes schaffat, ond d’Weibr schbennat ond dratschat ohne Rädla.«</p>
<p>Ein guter und versöhnlicher Schluss ziert alles: Ein besonders schmackhaftes schwäbisches Gebäck nennt man »<strong>Flachswickel oder Flachszöpfla</strong>« — und diese bekommen wir immer von unserer Nachbarin, wenn sie uns was Liebes antun will.</p>
<p style="text-align: right;">Dietrich Bantel</p></div>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
			</div>
				
				
			</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bericht 349: Das Hammelessen</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-349-das-hammelessen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Aug 1999 22:00:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 300-399]]></category>
		<category><![CDATA[Land- und Forstwirtschaft, Bienen und Fische]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://heimatverein-oberkochen.com/?p=16376</guid>

					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="et_pb_section et_pb_section_7 beitrag-inner-container et_section_regular">
				
				
				
				
				
				
				<div class="et_pb_row et_pb_row_7 beitrag-row">
				<div class="et_pb_column et_pb_column_4_4 et_pb_column_7  et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough et-last-child" id="inhaltsverzeichnis-spalte">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_24 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Am Sonntag, 30. Mai dieses Jahres, verstarb im Alter von 62 Jahren völlig unerwartet unser Leinrodener Schäfer Adolf Meidert, der als Beiratsmitglied des Landesschafzuchtverbandes Baden-Württemberg und seit 30 Jahren Vorsitzender des örtlichen Schäfervereins Aalen weit über die Grenzen unseres Landes als hervorragender Merinolandschafzüchter, als letzterer sogar international bekannt war. Seit 1975 halte er den Meisterbrief und führte einen anerkannten Lehrbetrieb. Einige hundert Trauergäste gaben ihm auf dem kleinen Friedhof seiner Heimatgemeinde das letzte Geleit.</p>
<p>Der Schäferberuf, der in der Familie eine lange Tradition hat — schon die Vorfahren der Urgroßeltern waren Schäfer — erlernte Adolf Meidert ab dem 13. Lebensjahr von seinem Vater. 49 seiner 62 Lebensjahre hat er ihn ausgeübt, und ist dabei im Schnitt pro Sommer für ca. 800 Schafe verantwortlich gewesen. Der Schäferberuf war sein Traumberuf. Nebenher hatte er noch 50 Hektar eigenes Land zu bewirtschaften und die eigenen Rinder zu versorgen. Aus diesem Grund nächtigte er die letzten Jahre nicht mehr im Schäferkarren sondern zu Hause, während die Hunde auf die eingepferchten Schafe aufpaßten.</p>
<p>In Oberkochen und Söhnstetten beweidete Adolf Meidert zuletzt über 200 Hektar Landschaftsschutzgebiet — das sind von Abtsgmünd aus 20 bis Söhnstetten 50 Kilometer Fußmarsch, der in 4km- bis 8km-Etappen zurückgelegt wurde. Viele Oberkochener werden sich an das vielhundertstimmige »bääh« erinnern, das sich vom Tierstein langsam ins hintere Wolfertstal zog, oder das einen schon von weitem aus den Wacholderheiden des Volkmarsberges entgegenschallte. Und mancher Fotograph schoss sein Traumfoto mit der Schafherde im Vorder- und Oberkochen im Talhintergrund oder unweit der Kuppe unseres Hausbergs.</p>
<p>Der am 24.1.1991 zwischen Bürgermeister Harald Gentsch und Schäfer Adolf Meidet abgeschlossene Vertrag für die Verpachtung einer Schafweide über 80,8 ha Weidefläche der Stadt, der an den am 12. Mai 1971 zwischen Bürgermeister Gustav Bosch und Schäfer Wilhelm Sigel aus Bolheim abgeschlossenen Vertrag anschließt, nimmt unter § 12 auch den durch Bürgermeister Bosch veranlassten Vertragspunkt auf, demzufolge der Pachtzins 650,- DM beträgt und zusätzlich zwei Hammel für die traditionellen Hammelessen zu liefern sind, zeitlich jeweils nach mündlicher Vereinbarung. Die Große der Oberkochener Weidefläche wird bei Bürgermeister Bosch mit ca. 150 ha bei Bürgermeister Gentsch mit ca. 80,8 ha, die Stärke der Herde wird seitens Schäfer Sigel mit 200 bis 250, seitens Schäfer Meidert mit 350 Schafen genannt.</p>
<p>Bürgermeister Peter Traub, der uns die genannten Details, soweit die Stadt betroffen ist, vermittelte, teilt ferner mit, dass, nachdem Anfang der Siebzigerjahre deutsche Schafwolle durch Fasern und durch synthetische Fasern und durch ausländische Wolle verdrängt wurden, der Ertrag aus der Verpachtung für die Stadt Oberkochen lediglich noch symbolischen Charakter habe, und dass anstelle des echten Pachtzinses die jährlichen Hammelessen stünden.</p>
<p>An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass es für die Erhaltung unserer wunderschönen Heidelandschaft unerlässlich ist, dass sie regelmäßig von Schafen beweidet werden. Vielen Menschen ist nicht bekannt, dass unsere Wacholderheiden wie die auf dem naturgeschützten Volkmarsberg gar keine natürlichen Landschaften sind, sondern allein durch den Schaffraß entstehen. Ohne ihn würden sie binnen weniger Jahre zuwuchern. Auch die schönen vielstämmigen und weitverzweigten Solitärbuchen auf dem Berg verdanken ihre Form dem Schaffraß. Die Holzmachergruppe des Schwäbischen Albvereins gleicht seit vielen Jahren aus, was die Schafe allein nicht mehr schaffen. Insofern muss es auch in Zukunft der Stadt angelegen sein, eine möglichst intensive Schafbeweidung unserer Heiden sicherzustellen — es sei denn, wir wollen die Heiden überbauen …</p>
<p><strong>Die Hammelessen</strong><br>Vertraglich sind, wie bereits erwähnt, zwei Hammelessen festgeschrieben. Das eine ist für die Bauer, das andere für den Gemeinderat. In beiden Gremien ist das jährliche Hammelessen durchaus Schauplatz intensivsten Meinungsaustauschs, denn, weil´s nichts kostet, kommen eben immer alle. Mitsprechen kann ich leider nur als vormaliger Stadtrat; bei den Landwirten war ich nie dabei — aber ich erhielt Kunde, dass es da auch immer mindestens so ordentlich rund geht, wie beim gemeinderätlichen Hammelessen, das in der Regel nach der letzten Sitzung im alten Jahr, also um die Weihnachtszeit herum, stattfindet. Der Schäfer Sigel war immer mit von der Partie — so auch Meidert, einmal sogar mit seiner Frau, im »Pflug« dabei.</p>
<p>Unsere beiden Fotos zeigen Schäfer Meidert mit seiner Herde einmal bei Söhnstetten, das andere Mal auf dem Volkmarsberg.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_20 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="752" height="400" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber349-2.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10399"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_21 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="570" height="486" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber349-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10035"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_25 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>In der Bevölkerung, wo man den Hintergrund der Hammelessen nicht so richtig kennt — auch ein Grund für diesen Bericht – sind diese althergebrachten Riten immer etwas argwöhnisch betrachtet und mit dem stereotypen Kommentar bedacht worden <strong>»jetzt ganget die Hammel wieder zum Hammelessa auf oosre Keschda«.</strong></p>
<p>Soviel ist sicher: die Hämmel sind umsonst.</p>
<p>Wie geht es nun weiter mit unseren Heiden?<br>Die Witwe unseres verstorbenen Schäfers führt, zusammen mit einem in dieser Notlage vom Landesverband zugeteilten Betriebshelfer, den Betrieb zunächst auf das nächste halbe Jahr unverändert weiter. Für die weitere Zukunft kann aber augenblicklich noch nichts Sicheres gesagt werden. Gewiß ist, dass die Zahl der Schafe stark reduziert werden muss. Beim Verkauf muss derzeit mit denkbar schlechten Bedingungen gerechnet werden – die Lage ist für den Meidertschen Betrieb durch den plötzlichen Tod von Adolf Meidert sehr problematisch geworden.</p>
<p>Wir hoffen, dass die Tradition der Schafbeweidung unserer Oberkochener Heiden dennoch auch weiterhin aufrecht erhalten werden kann, und somit auch der Bestand unserer Heiden wie auch die Hammelessen für die Zukunft gesichert werden können.</p>
<p>Abschließend möchte ich eine kleine Geschichte vom Volkmarsberg erzählen, die mit Schafen zu tun hat:</p>
<p><strong>Die versteinerten Schafe vom Volkmarsberg</strong><br>Vom Juni 1998 bis Juni 1999 lief unter dem Titel »Die Natur als Künstlerin — Exponate aus Oberkochener Häusern« — im Heimatmuseum Oberkochen die zweite Sonderausstellung. Horst Eichentopf, der auf dem Berg so sehr zuhause ist wie so schnell kein Zweiter, stellte dem Heimatverein zu diesem Zweck einen 1994 gefundenen Stein zur Verfügung, der einem sitzenden kleinen Schaf täuschend ähnlich sieht.</p>
<p>Wenige Tage vor der Ausstellungseröffnung kam der »Eiche« wie man ihn in Oberkochen nennt, daher und sagte: »Du wirst lachen, aber ich hab da noch was für Eure Ausstellung gefunden auf dem Berg.«</p>
<p>Ich sagte im Spaß: »Aber doch nicht etwa noch ein Schaf?«</p>
<p>Da packte der »Eiche« wortlos einen ziemlich gleich großen Stein wie den von 1994 aus, den er fast an derselben Stelle, nämlich am Verbindungsweg von der Skihütte zur Volkmarsberghütte, gefunden hatte — und es war tatsächlich noch ein Schaf. Die beiden Schafe hatte ich in der Ausstellung so aufgestellt, dass sie sich einander anschauen, und folgende Geschichte dazu geschrieben:</p>
<p><strong>Sage</strong><br>Einer alten Überlieferung zufolge sollen Mitte der Zwanzigerjahre zahlreiche Schafe einer großen Herde angesichts des ersten Autos auf dem Berg vor Schreck zusammengefahren und zur Stein erstarrt sein. Aus diesem Grund, und um ähnlichen Vorfällen vorzubeugen, wurde der Volkmarsberg 1928 unter Naturschutz gestellt.</p>
<p>Die versteinerten kleinen Schafe aber können bis auf den heutigen Tag von aufmerksamen Wandersleuten gefunden werden.</p>
<p style="text-align: right;">Dietrich Bantel</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_22 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="766" height="481" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber349-3.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10460"></span>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
			</div>
				
				
			</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bericht 344: Getreidesorten im Heimatmuseum</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-344-getreidesorten-im-heimatmuseum/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Jun 1999 22:00:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 300-399]]></category>
		<category><![CDATA[Land- und Forstwirtschaft, Bienen und Fische]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://heimatverein-oberkochen.com/?p=16343</guid>

					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="et_pb_section et_pb_section_8 beitrag-inner-container et_section_regular">
				
				
				
				
				
				
				<div class="et_pb_row et_pb_row_8 beitrag-row">
				<div class="et_pb_column et_pb_column_4_4 et_pb_column_8  et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough et-last-child" id="inhaltsverzeichnis-spalte">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_26 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Das Alt-Landwirt-Ehepaar Engelbert und Rita Grupp (Goldabauer) war so freundlich, dem Heimatmuseum zu Demonstrationszwecken die hierzulande sieben gängigsten Getreidesorten zu beschaffen. Diese sind im Treppenhaus in einer von der Firma Wannenwetsch freundlicherweise zur Verfügung gestellten kleinen Vitrine ausgestellt.</p>
<p>Vor allem die jüngeren Museumsbesucher sind immer wieder überrascht über die Unterschiede der einzelnen Getreidearten — die meisten kennen sie überhaupt nicht mehr. Aber auch »die Alten« geraten bei der Bestimmung in Schwierigkeiten, die aber durch eine klare Beschriftung in der Vitrine minimiert sind.<br>Hier sollen nach den Beschreibungen im großen Duden und Ergänzungen von StD i.R. Horst Riegel die wichtigsten Merkmale der ausgestellten Getreidesorten aufgeführt werden.</p>
<p>Zunächst scheint es wichtig, drei Begriffe, die in den Beschreibungen immer wieder auftauchen, zu definieren.</p>
<p><strong>Granne</strong> = steife Borste auf dem Rücken oder an der Spitze von Deckspelzen bei Gräsern, zum Teil auch Bezeichnung für ähnliche Bildungen anderer Pflanzen, z. B. an den Früchten des Storchschnabels.</p>
<p><strong>Spelzen</strong> = trockenhäutige zweiteilig angeordnete Hochblätter der Ährchen und Blüten der meisten Gräser — Getreide.</p>
<p><strong>Spreu</strong> = der beim Dreschen von Getreide und Hülsenfrüchten entstandene Abfall — Samenschalen, Spelzen, Grannen, Stängelteilchen — dient meist als Futtermittel. Vor der Weiterverarbeitung des Weizens muss dieser von der unerwünschten Spreu getrennt werden. »Die Spreu vom Weizen trennen« bedeutete noch heute im übertragenen Sinn »Das Gute vom Schlechten trennen«.</p>
<p>Im Museum ist eine sogenannte Putzmühle zu sehen, die diese Trennung vermittelst eines von Hand betriebenen Windrades vornimmt.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_23 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="736" height="497" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber344-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10357"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_27 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Roggen</strong> (Vitrine: 1. v. links)<br>Süßgrasart. Wichtigste Getreidepflanze Nordeuropas bis Sibirien und allgemein im Gebirge, im Gefolge des Emmers als Unkraut aus Vorderasien eingeschleppt. Widerstand Klimaverschlechterung besser als andere Getreidearten und trat allmählich an deren Stelle. Seit der Hallstattzeit (ca. 800 — 500 v. Chr.) in Norddeutschland nachweisbar. Der 65 cm bis 2 m lange vierkantige Halm trägt eine 5 — 20 cm lange Ähre aus einzelnen zweiblütigen Ährchen mit langbegrannter, auf dem Rücken kammförmig bewimperter Deckspelze. Zahlreiche Zuchtsorten. Frucht 5 — 9 mm lang. Brot, Viehfutter, Düngung, Kornbranntwein, Matten, Papier, Zellstoff.</p>
<p>Früher wurde das lange Roggen-Stroh vorzugsweise zur Dachdeckung verwendet. Lange Halme sind heute nicht mehr gefragt. Der Anbau von Roggen ist zugunsten von ertragsreicheren Weizensorten stark zurückgegangen. Außerdem kommt er als billiges Futtergetreide z. B. von Frankreich.</p>
<p><strong>Gerste</strong> (Vitrine: 2. v. links)<br>Gattung der Süßgräser mit rund 25 Arten. Ähre an jedem Knoten drei einblütige, lang begrannte Ähren nebeneinander tragend. Als Getreide angebaut. 2‑zeilige, 4‑zeilige und 6‑zeilige Körnerreihen. In zahlreichen Sorten als Sommer- oder Winterfrucht angebaut. Im Gebirge (Alpen) bis 2000 m hoch. In Europa seit der Jungsteinzeit (ca. 5000 v. Chr.) angebaut. Brot, Grütze, Graupen, Malzkaffee, Bier- und Essigbereitung, Viehfutter.</p>
<p><strong>Hafer</strong> (Vitrine: 3. v. links)<br>Gattung der Gräser mit etwa 35 Arten in den gemäßigten Zonen. Blüten zwittrig zu zweit bis mehreren in meist locker ausgebreiteten Rispen bildenden, oft überhängenden Ährchen stehend. Deckspelzen zugespitzt, oft kurz 2‑spaltig, am Rücken abgerundet und mit geknieter Granne (bei Kulturformen auch grannenlos). Frucht länglich, spindelförmig. 30 — 90 cm hoch. Eine Stammform des Hafers ist der Flughafer, der heute als höchst unerwünschtes Unkraut in anderen Getreidesorten vorkommt.</p>
<p><strong>Dinkel</strong> (Vitrine 4. v. links)<br>(oberdeutsch) Spelz, Spelt. Schwabenkorn. Weizenart im alemannisch-schwäbischen Raum, mit schlanker, lockerer, grannenloser oder kurzbegrannter Ähre und zerbrechlicher Spindel. Früchte bleiben von den Spelzen umschlossen. Wird meist unreif geerntet und getrocknet (Grünkern).<br>Der Dinkelanbau ist in unserer Gegend bis in die 60er-Jahre ständig zurückgegangen. Müllermeister Hans Scheerer (Untere Mühle) ist durch die von ihm durchgeführte Renaissance im Dinkelanbau im Bühl über Oberkochen hinaus bekannt geworden.</p>
<p><strong>Triticale</strong> (Angelweizen) (Vitrine: 3. v. rechts)<br>Mit der Bezeichnung »Triticale« unter der diese Einkreuzung des Roggens in Weizen in Oberkochen bekannt ist, wird der Bezug zu den lateinischen Namen des Weizens (Triticum) und des Roggens (Secale) hergestellt, ohne dass das so richtig bekannt ist. Das geht schon daraus hervor, dass nur der »Angelweizen« zunächst unter der verballhornten Bezeichnung »Trigitale« vorgestellt wurde. Die Mischform Triticale kommt erst ab den siebziger Jahren vor. Triticale ist als Futtergetreide ertragreicher und widerstandsfähiger als Weizen.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_24 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="745" height="495" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber344-2.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10381"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_28 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Flachs</strong> (Vitrine: 2. v. rechts)<br>Einjähriges, 30 bis 80 cm hohes Leingewächs mit lanzettförmigen Blättern und himmelblauen oder weißen, langgestielten, endständigen Blüten in schlaffen Wickeln. Als Faserpflanze nach etwa 100 Tagen reif. Faser gut bleichbar, aber schwer anfärbbar. Der Faserlein ist eine hohe Pflanze mit kleinen Samen. Als Ölpflanze (Öllein), für Speise- und Brennöl und zur Farbenbereitung (Leinöl). Öllein liefert auch den medizinisch verwendeten Leinsamen. Der Öllein ist eine niedere Pflanze mit großen Samen. Verwertung der 25 — 30 % Öl enthaltenden Samen aus 10-fächerigen Kapseln. Zwei Unterarten: Dreschlein — mit bei der Reife geschlossen bleibenden Kapseln, hauptsächlich angebaut: Springlein — Kapseln springen mit schwachem Klang auf.</p>
<p>Der Flachsanbau spielte in Oberkochen keine bemerkenswerte Rolle. Im 3. Reich musste Flachs angebaut werden. Ein gesonderter Bericht über den Flachsanbau in Oberkochen ist in Vorbereitung.</p>
<p><strong>Weizen</strong> (Vitrine: 1. von rechts)<br>Gattung der Süßgräser mit 18 Arten. Ährchen zweizeilig. Zwei- bis mehrblütig. Als Getreide vorzugsweise in gemäßigten und subtropischen Gebieten angebaut. Nimmt unter den Kulturpflanzen den größten Raum ein. Die Weizenpflanze ist ein Selbstbestäuber und deshalb eine »sichere Getreidesorte«. Allerdings ist der Weizen anspruchsvoll an Boden und Klima. Die in jüngerer Zeit entwickelten Weizensorten sind anbausicherer.</p>
<p>Dinkel, Einkorn, Emmer, Gommer, Hartweizen, Rauhweizen, Saatweizen. Türkischer Weizen = Mais. Der Buchweizen, ein Knöterichgewächs, wurde früher gelegentlich als »Notgetreide« angebaut. Er gedeiht vorzugsweise auf sandigem Boden und wurde sukzessiv durch den Kartoffelanbau verdrängt.</p>
<p style="text-align: right;">Dietrich Bantel</p></div>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
			</div>
				
				
			</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bericht 333: Ärger um St. Veit</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-333-aerger-um-st-veit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Jan 1999 23:00:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 300-399]]></category>
		<category><![CDATA[Land- und Forstwirtschaft, Bienen und Fische]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://heimatverein-oberkochen.com/?p=16270</guid>

					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="et_pb_section et_pb_section_9 beitrag-inner-container et_section_regular">
				
				
				
				
				
				
				<div class="et_pb_row et_pb_row_9 beitrag-row">
				<div class="et_pb_column et_pb_column_4_4 et_pb_column_9  et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough et-last-child" id="inhaltsverzeichnis-spalte">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_29 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Die »Austeilung des Veitsstifts« an arme Leute zieht sich einem roten Faden gleich durch die Kirchen-Konventsprotokolle des vorigen Jahrhunderts, ja sie findet sogar ihren Niederschlag in einer heimischen Sage. Im Protokoll sind fein säuberlich Namen der Empfänger und Anzahl der verteilten Kreuzer verzeichnet. Doch finden sich öfters auch Hinweise auf Ärger um den Heiligen St. Veit, nicht etwa, weil er am 15. Juni “s’Häfele verschüttet« hatte und es dann einer Wetterregel gemäß sechs Wochen regnete, sondern weil die Verteilung der Gaben nicht klappte.</p>
<p>Wenden wir uns zunächst einer in Königsbronn spielenden jedoch am Ende auch für Oberkochen bedeutsam werdenden Geschichte zu.</p>
<p><strong>Veitsstift vergessen</strong><br>In Königsbronn hatte einst auf dem Herwartstein Gräfin Anna von Helfenstein residiert, die das Volk als »Schlüsselbergerin« verehrte, denn sie war freigiebig und tat manch Gutes. Auch nach ihrem Tode, so hatte sie verfügt, sollte jeweils am 15. Juni den Armen des Ortes durch den evangelischen Pfarrer das »Veitsstift« in Form von Geld und Brot ausgeteilt werden. Und, so hatte sie zugleich gedroht, sollte die Verteilung einmal unterbleiben, wolle sie dem Grab entsteigen und den Pfarrer durch Glockenläuten an seine Pflicht erinnern.</p>
<p>Tatsächlich passierte dann auch, als Pfarrer Johann August Steinhofer einmal vor lauter anderen Geschäften die Austeilung vergessen hatte, was im »Spion von Aalen«, Nr. 12, 1930/31 nachzulesen ist:</p>
<p style="text-align: center;"><em>»Wer zieht das Glöcklein vor dem Fenster?</em><br><em>Das Glöcklein schellt mit voller Macht!</em><br><em>Wer weilt zur Stunde der Gespenster</em><br><em>in tiefer stiller Mitternacht</em><br><em>noch unten an des Pfarrhofs Schwelle?</em><br><em>Doch ringsum ist es öd und still</em><br><em>vielleicht ein neckender Geselle,</em><br><em>der nur den Pfarrer stören will?«</em></p>
<p>Mit verschlafenen Augen schaut Pfarrer Steinhofer aus dem Fenster und zieht sich, als er nichts entdecken kann, wieder ins Bett zurück. Jedoch:</p>
<p style="text-align: center;"><em>»Und wieder mit verstärktem Klange</em><br><em>ertönt das Glöcklein — und der Ruh’</em><br><em>enteilt der Pfarrherr flink und bange</em><br><em>und rennt aufs neu dem Fenster zu.</em><br><em>Doch schweigend wie die Totenhalle</em><br><em>ruht unter ihm des Hofes Plan</em><br><em>wie vorhin: nur der Hahn im Stalle</em><br><em>kräht, bald bricht schon der Morgen an.</em><br><em>Und wie er nun am andern Tage</em><br><em>des Rätsels Lösung suchend saß,</em><br><em>erscheint der Küster mit der Frage:</em><br><em>‘Ob er den heilgen Veit vergaß?‘</em><br><em>Sonst, sprach er, teilten eure Hände</em><br><em>am heil’gen Veit im Gotteshaus</em><br><em>dem Armen Volk die Spende</em><br><em>der Gräfin Anna selig aus.«</em></p>
<p>Da fiel es Pfarrer Steinhofer wie Schuppen von den schlaftrunkenen Augen: Tatsächlich hatte er das »Veitsstift« vergessen. Flugs rief er die Armen seiner Gemeinde zusammen und teilte als Wiedergutmachung doppelte Mengen aus. Jedoch scheint dieses Erlebnis ihn tief getroffen zu haben, denn er starb kurze Zeit danach, Frau und zwei kleine Töchter hinterlassend.</p>
<p>Und wo ist nun der Zusammenhang mit Oberkochen? — so mag gefragt werden. Nun, hier ist er: Die Frau des Königsbronner Pfarrers Charlotte Friederike Steinhofer heiratete zwei Jahre nach dem Tode ihres Mannes den Oberkochener Pfarrer Johann Christian Hornberger und wurde 1831 Mutter von Christian Hornberger, den später als Forscher und Fotograf bekannt gewordenen Missionar aus Oberkochen.</p>
<p><strong>Nicht gut Kirschen essen</strong><br>Natürlich ging es nicht um Kirschen, dennoch war mit dem sonst recht umgänglichen evangelischen Oberkochener Pfarrer Wilhelm Friedrich Dürr im Jahr 1853 sozusagen »nicht gut Kirschen essen«. Einerseits hatte er feststellen müssen, daß in der Stiftungskasse, der die Gelder für das Veitsstift zu entnehmen waren, Ebbe herrschte, so daß sich die Auszahlung verzögerte. Andererseits trat auch in Oberkochen eine Frau auf den Plan. Da es aber in Oberkochen keinen Ortsadel wie in Königsbronn gab, war es keine Gräfin, sondern die »ledige Barbara Elisabetha M.«, eine ortsbekannte »Person mit einer unehelichen Tochter«, die sich nun einmischte. Im Gegensatz zur Königsbronner Gräfin läutete sie jedoch nicht Sturm an der Kirche (wie hätte sie es auch unbemerkt tun können, da bekanntlich die Glockenseile mitten durch das pfarrherrliche Schlafzimmer führten?), sondern sie nahm den Weg unter die Füße und marschierte zum Dekan nach Aalen, wo sie Pfarrer Dürr »wegen seiner Saumseligkeit bei der Verteilung des Veitsstifts« anschwärzte. Dabei täuschte sie die Existenz einer kleinen Bürger-Armenbewegung vor, indem sie behauptete, »im Auftrag der übrigen Wartenden zu handeln«.</p>
<p>Soweit so gut oder so schlecht, denn die Beschwerdeführerin konnte nicht wissen, daß Pfarrer Dürr das Veitsstift keineswegs vergessen hatte, sondern erst mit Dekanat und Oberamt über dessen Finanzierung verhandeln mußte. Da menschliche Mühlen oft noch langsamer mahlen als göttliche, verstrich die Zeit. So wurde es Ende September, bis in Oberkochen ein Schreiben aus Aalen eintraf, in dem der Dekan für das Veitsstift fünf Gulden statt bisher sechs billigte, was die Verteilung für Pfarrer Dürr auch nicht gerade einfacher machte. Daruberhinaus ergab sich aus dem »dekanatamtlichen Brief« für den Pfarrer noch eine zusätzliche Aufgabe, hatte doch der Dekan sein Urteil über die Klägerin im Satz zusammengefaßt: »Sie ist eine freche Person mit bösem Leumund, die wegen ihres ungewaschenen Maules und der Lüge, sie vertrete die anderen Beteiligten, zu belangen ist«.</p>
<p>Nachdem sich so Barbara Elisabetha M. weder als »heilige Barbara« noch als »fromme Elisabeth« entpuppt hatte, wurde sie vom Oberkochener Kirchen-Konvent »vorgefordert« und verhört. Dabei verwickelte sie sich in Widersprüche und behauptete schließlich, »der Herr Dekan hat mich mißverstanden«. Doch der Kirchen-Konvent mit Pfarrer Dürr, Schultheiß Wingert und den Herren Mek, Widum, Sapper und Wirth kam zur Überzeugung, »daß ihr Benehmen strafbar ist« und verdonnerte sie, da eine Geldstrafe wegen ihrer Armut sinnlos gewesen wäre, »zu zwölf Stunden Arrest«. Die Strafe, die Barbara Elisabetha M. durch Unterschrift im Protokoll akzeptierte, gab jedoch (im Gegensatz zu Königsbronn) keinen Anlaß zu einer Sage, wenn auch die Tatsache bemerkenswert ist, daß die so Bestrafte laut Protokoll in den folgenden Jahren ungeachtet ihres »Vergehens« in den Genuß des Veitsstifts kam.</p>
<p>Zum Bild:<br>Das Bild eines unbekannten Fotografen aus dem Archiv des HVO zeigt Königsbronn zu Zeit Pfarrer Steinhofers, links ist die Klosterkirche zu sehen, im Hintergrund das Hüttenwerk und in der Bildmitte die kurz nach ihrem Ursprung schon recht stattlichen Brenz</p>
<p style="text-align: right;">Volkmar Schrenk</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_25 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="763" height="521" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber333-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10443"></span>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
			</div>
				
				
			</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
