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	<title>Berichte 600-699 | Heimatverein Oberkochen</title>
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		<title>Bericht 600: Wie ich nach Oberkochen kam</title>
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		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 May 2012 22:00:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 600-699]]></category>
		<category><![CDATA[Sitten, Gebräuche, Erinnerungen]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Mit Wirkung vom 2. Mai 1962 — also genau vor 50 Jahren — wurde ich per Erlass vom Oberschulamt Stuttgart dem Progymnasium Oberkochen »zugewiesen«. — Bürgermeister Bosch und Schulleiter Schrenk sorgten dafür, dass ich gleich von allem Anfang an — wie das damals für Schulmeister üblich war — mit verschiedenen Beiträgen in »Bürger und Gemeinde« in die Öffentlichkeitsarbeit meiner neuen Heimat einbezogen wurde. So wurde der Grundstein für nunmehr 50 Jahre permanente Mitarbeit im Amtblatt »Bürger und Gemeinde« gelegt.</p>
<p><strong>2. Mai 1962</strong><br>Mit Erlass des Oberschulamts Nordwürttemberg vom 17. April 1962 wurde ich als 27 Jahre alter Referendar dem Progymnasium Besigheim am Neckar zugeteilt — oder »zugewiesen«, wie das richtige Amtsdeutsch lautet. — Als ich am 1. Mai mit meiner Verlobten braungebrannt und unrasiert und vor allem pünktlich vom Skifahren aus Südtirol nach Hause kam,- »nach Hause« war für mich noch Stuttgart,- erfuhr ich jedoch, dass ich den Dienst bereits am nächsten Tag, dem 2. Mai 1962, nicht in Besigheim, sondern am Progymnasium in <strong>Oberkochen auf der Ostalb</strong> antreten solle. — So schnell wurde man damals noch »befördert«. -</p>
<p>Ich wollte zuerst an einen Scherz glauben. Auf der einen Seite war mir nämlich dieser Ort theoretisch gar wohl vertraut, weil mein Bruder dort seit 2 Jahren bei Carl Zeiss arbeitete, auf der anderen aber wähnte ich das Dorf, da nie dort gewesen, an der Grenze der Kultur halbwegs in Russland gelegen, denn noch im Zweiten Weltkrieg lag Aalen aus Stuttgarter Sicht genau genommen im mittleren Osten, und hinter Aalen begann Sibirien. Auf meiner kleinen Karte, auf der ich den Ort suchte, war in dieser Gegend um Aalen tatsächlich nur Gebüsch eingezeichnet.</p>
<p>Meinen Bruder bemitleidete ich jeden Sonntagabend, wenn er mit dem Zug so gegen ½ 9 h in Stuttgart Richtung Ferner Osten wegfahren musste, um so gegen 10 h, mitten in der Nacht, in Aalen zu sein — Aalen, wie entsetzlich das in einem Stuttgarter Ohr damals klang — um wie gesagt in Aalen den letzten Zug oder Bus nach Oberkochen zu erreichen. — Böse Zungen behaupten, dass das heute, 50 Jahre danach, noch immer so sei.</p>
<p>Mein alter verehrter Stuttgarter Geografie-Lehrer vom Dillmann-Realgymnasium, der damals umgehend hatte wissen wollen, wohin ich käme, wenn es dann soweit sei, und dem ich den Ort »Oberkochen« bei nächster Gelegenheit mit neutraler Stimme am Telefon genannt hatte, sagte nach einer Pause, während der er nach Luft schnappte, bedeutungsvoll, zunächst: »Oh Bua«, und nach einer weiteren vielsagenden Pause sagte er : »aber wenigstens« — Nur mein Vater, lebenslang ein Verehrer der Schwäbischen Alb, kommentierte begeistert »Hockt der Saukerle doch mitta en mein Urlaub nei«.</p>
<p>Im Dampfzug reiste ich also nach Aalen — da gab’s noch keine Oberleitungen mit Strom darinnen. Umsteigen in Aalen — und weiter Richtung Heidenheim in eine unbekannte Einsamkeit…. Aber hinter Aalen geschah ein Wunder: Ein rumpeliger Bummelzug dampfte mich in ein immer schöner werdendes frühlingsgrünes, von bewaldeten Bergen eingesäumtes weites Tal. Sonne. Blauer Himmel. Wahrlich — ich empfand, just, wie mein Vater angekündigt hatte, dass ich in die Ferien fahre. Die <strong>Ferien</strong>…. genau damit hatten mich meine Klassenkameraden und Freunde, meine Berufswahl kommentierend, auf die Schippe genommen: »Dr Bantl hat sich für die <strong>Ferien-Branche</strong> entschieden«, hieß es … »haahaa«. — Jahrzehnte später dann sagte ich ihnen. »Wärscht halt au was Rechts gworda«, und rechnete ihnen, sie nun meinerseits foppend, vor, dass bekanntlich ein Lehrer-Gehalt viel zu klein sei, um die vielen Ferien auch standesgemäß verbringen zu können. –</p>
<p>Bald kam ich im Feriendorf Oberkochen an.</p>
<p>Vom Bahnhof Oberkochen musste ich zuerst Richtung Dorf wandern mit meiner großen Tasche. Linkerhand in der Nähe einer Brücke klebte eine halb auf dem Gehweg stehende Holzbude an einem Haus. Das war — aber das wusste ich damals natürlich noch nicht — die »Enepez« — Dort kaufte ich mir eine Zeitung. Eine Dorfmitte war zwar nicht erkennbar, wenngleich es offenbar notwendig war, dass ein riesenlanger dürrer in der Hauptstraße stehender Polizist den Verkehr im Dorfe regelte. Das war aber bloß wegen dem Zeiss; und bei dem Polizisten, der den Zeissverkehr zweimal am Tag regelte, handelte es sich um den »Nickel«, wie ich später erfuhr.</p>
<p>Ein paar Bauern zogen kleine einachsige Karren mit großen offensichtlich leeren Milchkannen drauf durch den Ort, — wahrscheinlich von der Molke kommend. Von irgendwoher muhte es aus einem Stall heraus. Das Rathaus erkannte ich nur, weil das Wort in goldenen gotischen Buchstaben auf dem dunkelrot gestrichenen unscheinbaren Gebäude stand. — Von dieser gedachten Ortsmitte ging‘s am »Rössle« — heute Kochertalapotheke — vorbei rechts ab das sogenannte Dreißental hinauf Richtung Progymnasium zum »Bergheim«. »HJ-Heim« hieß es noch Jahre später bei den Alten. Vom Zeiss habe ich fast nichts gesehen an diesem ersten Tag. Dafür ahnte ich ferienaktive schöne dampfende und wohlig duftende mächtige Misthaufen. Und schöne Gärten.</p>
<p>Zwei Buben kamen mir entgegen; der eine war, wie ich schon am nächsten Tag erfuhr, der Friedhelm Brachmann aus meiner mir ab dem nächsten Tage zugeteilten 2b, 6b in heutiger Zählung. Diese Jungen fragte ich, wie ich zum »Bergheim« komme, was ich perfekt erklärt erhielt. — »Des war beschdemmt der Nuije«, hörte ich’s hinter mir im Weitergehen tuscheln.</p>
<p>Das »Bergheim« war ein Gedicht von Schule — echt voll nach meinem Geschmack. Das richtig gemütlich wirkende Gebäude erinnerte mich an eine Jugendherberge. Dunkel geölte und danach riechende Bretterdielenböden. Im unteren Gang stand ein großer grauer Schrank, und links führte eine knarrende Holztreppe in den 1. Stock. Auf dieser kam gerade ein in meinen Augen ältliches Fräulein, herunter — es musste einfach ein Fräulein sein, — und es war auch eines, wie ich bald erfuhr, — nämlich das Fräulein Ulrich. Das Fräulein Ulrich wies mich treppaufwärts und zeigte mir das Rektorat, an dessen Tür ich klopfte.</p>
<p>Eine Stimme, die mich die nächsten Jahrzehnte begleiten und geleiten sollte, hieß mich einzutreten — und vor mir stand ein riesiger freundlich wirkender Mann namens Schrenk, der fast das gesamte winzig kleine Rektorat ausfüllte. Akten‑, Hefte- und Bücherstapel füllten den kleinen Rest des stubenähnlichen Direktorzimmers. Herr Schrenk war wirklich sehr nett. Er hatte von allem Anfang an einerseits etwas Väterliches und absolut Hilfreiches an sich — auf der anderen etwas durchaus Bestimmendes. Nach einigen offiziellen und persönlichen hin- und hergewechselten Details führte mich der Schulleiter ins Lehrerzimmer, — ein eher weiter aber niedriger von Holz bestimmter Raum, und stellte mich den Kollegen vor, auf deren Tischen ein fröhliches Chaos herrschte. Das Lehrerzimmer selbst war von ein paar richtigen Schulmeistern besiedelt, die sich durch nichts von meinen Kollegen an den Stuttgarter Schulen unterschieden, — meist mit einst weißen Mänteln angetan, — dem Papa Hils, den Herren Krug, Thiem, Riegel, Schwab und dem Fräulein Ehmann. Es gab gleich an diesem ersten Tag auch einen ganz schwarz gekleideten Mann, dessen schneidige Stimme kurz zu hören war. Das war der katholische Pfarrer Forster.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><em>Das Kollegium (Aufnahme Foto Kristen vom Juni 1962) bestand vor 50 Jahren aus 8 Lehrkräften und 4 Geistlichen.</em><br><em>Auf dem Foto sind vor dem Eingang zum Bergheim zu sehen, von links nach rechts, vorne, sitzend:</em><br><em>Pfarrer Forster, Hauptlehrerin (HHT) Kunrath, Studienrätin Ulrich, Studiendirektor Schrenk, Studienassessorin Ehmann, Vikarin Gradner, Pfarrer Geiger.</em><br><em>Von links nach rechts, hinten, stehend:</em><br><em>Studienassessor Thiem, Studienrat Hils, Studienrat Krug, Studienreferendar Bantel, Studienassesor Schwab, Studienassessor Riegel, Vikar Grassel.</em></p>
<p>Abschließend wurde mir vom Schulleiter noch erklärt, wo ich wohne. Das war gleich unten rechts an einem steilen Sträßchen, das fast senkrecht hinab Richtung Dorf führte, und Turmweg hieß. Ich wohnte bei Willibald und Martha Schaupp. Das Fräulein Schaupp hieß Antonia sie lebt noch heute. Gegenüber war das kleine Café Weidl, in welches sich — wie ich schnell feststellte, häufig nach ihren Sitzungen die Dame und die Herren des Gemeinderats begaben, zur sogenannten Nachsitzung. Wenn die letzten von ihnen dann frühmorgens mit heiterem Gesang — der schon nächtens zu mir herüberdrang — beschwingt das Café Weidl verließen, war es dann Zeit für mich und die Schule. Spätestens wurde ich immer dann wach und musste aus dem Bett, wenn sich die Königsbronner Schüler, deren Zug recht zeitig kam, angeführt von einem gewissen unüberhörbaren Bernd Weiler, den steilen Turmweg hinaufkrakehlten. Dann allerdings musste es schnell gehen. — Aber in 3 Minuten war ich ja den Berg oben in der Schule. Häufig erlebte ich, wie Schulleiter Schrenk in den Schulhof töffte und dann seinen dunkelroten Lambrettaroller, damit ihm nichts Unfugmäßiges zustoße, ins Innere des »Bergheims« schob. (Foto)</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img decoding="async" width="760" height="544" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber600-2.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-18376"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Wer die frühen Sechziger als Progymnasiums-Lehrkraft im »Bergheim« erlebt hat, kann sich mit Fug und Recht als zum Urschleim des späteren Gymnasiums Oberkochen und des noch späteren EAGs gehörend betrachten. — Mit dieser Schule ist mir bald auch das Dorf und später die Stadt zur Heimat geworden — und bis heute geblieben.</p>
<p style="text-align: right;"><em><strong>Dietrich Bantel</strong></em></p></div>
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		<title>Bericht 601: Oberkochens »Zukunft« ist Vergangenheit</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-601-oberkochens-zukunft-ist-vergangenheit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Jun 2012 22:00:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 600-699]]></category>
		<category><![CDATA[Verschiedenes]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Am<strong> 9. November 1962</strong> erschien auf der Titelseite des Amtsblatts der Gemeinde Oberkochen, »Bürger und Gemeinde« (Nr. 45), eine ganzseitige Repro eines von Professor L. Schweizer, Freudenstadt, im August 1962 gefertigten Plans, wie dieser sich das <strong>Oberkochen der Zukunft</strong> vorstellt. – Zitat aus BuG v. 9.11.1962: »Wie man sich nach den Überlegungen des Herrn Professors Schweizer das neue Ortszentrum und die künftige Verkehrsführung in Oberkochen vorstellen könnte«.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_2 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="574" height="749" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber601-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-18380"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Titel auf dem Titelblatt: »Hat die Zukunft schon begonnen?«</p>
<p>Ludwig Schweizer, — so aus der freien Enzyklopädie Wikipedia, — (geb. 8.12.1910, in Schramberg, gest. am 10.6.1989 in Freudenstadt), war ein deutscher Architekt, Baubeamter und Hochschullehrer, der sich vor allem um den Wiederaufbau der Stadt Freudenstadt nach 1945 verdient gemacht hat. Er war Neffe zweiten Grades des gleichfalls in Schramberg geborenen Architekten Otto Ernst Schweizer.</p>
<p>DB: Von Prof. Schweizer stammt der Entwurf für das neue Oberkochener Rathaus, das ungefähr 1968 zur Zeit der Stadterhebung bezogen wurde. Dieses Rathaus war in die Mitte des virtuellen neuen Ortszentrums gedacht.</p>
<p>Die wesentlichen Merkmale des Plans waren:</p>
<ol>
<li>Satellitensiedlung hinter dem »Rodstein«, — wohlgemerkt: noch nicht auf der »Heide«. – Geplant waren 3 Erschließungen.</li>
<li>Anbindung dieser Siedlung an den Ort laut Plan: per »blickverbindendes Verkehrsmittel« vermittelst einer <strong>Seilbahn</strong> (sie ist in dem Plan schlecht erkennbar eingezeichnet. Der Text ist deshalb durch einen weißen Pfeil gekennzeichnet.<br>Geplant waren ferner <strong>zwei Zufahrtsstraßen</strong>.</li>
<li><strong>Straße 1</strong>: Erschließung der Ebene hinter dem Rodstein durch eine Straße 1, die über die Nordrampe am damals noch nicht entdeckten Römerkeller führt, vorbei an einem neuen Ortsteil »Weilfeld« über die Flur »Langdeich« (Langes Deich) über die Ochsenberger Steige von seitlich hinten hinauf auf die Ebene hinter dem Rodstein geführt hätte.</li>
<li>Gedacht war an eine weitere Anbindung in Form einer <strong>Straße 2</strong>, die, wie aus dem Plan ersichtlich ist, etwa von der heutigen Südrampe abgeht und ebenfalls hinter das Baugebiet führt, und ehe sie noch außerhalb des Siedlungsgebiets mit der Straßenanbindung 1 zusammentrifft, und erst dann in die Siedlung führt.</li>
<li>Im Ort selbst: Durchgehender »erster Verkehrsring«.</li>
<li>Durchgehender »zweiter Verkehrsring« mit Anbindung des Wolfertstals und des Spitztals.</li>
</ol>
<p>Nach jahrelanger Diskussion entschied sich der Gemeinderat, da die Baupreise unten im Ort und in unmittelbarer Ortsnähe in den 15 Jahren zuvor unglaublich in die Höhe getrieben worden waren, zwar tatsächlich für die Planung einer Satellitensiedlung, jedoch nicht auf/hinter dem Rodstein, sondern auf gemeindeeigenem Grund auf der »Heide«.</p>
<p>Da Prof. Schweitzer das neue Rathaus und damit die herbeigewünschte »neue Ortsmitte« wenige Jahre später zwischen den Ort und die »Heide« setzte, muss er, resp. die Gemeinde, den Plan »Rodstein« schon frühzeitig nicht weiter verfolgt haben.</p>
<p>Bereits 1964 wurde vom Gemeinderat Oberkochen, (Oberkochen war damals ja noch »Dorf«), der Grundsatzbeschluss »Satellitensiedlung auf der Heide« gefasst.</p>
<p style="text-align: right;"><em><strong>Dietrich Bantel</strong></em></p></div>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
			</div>
				
				
			</div>
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			</item>
		<item>
		<title>Bericht 602: LW-Rohrbruch zum 100. Geburtstag</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-602-lw-rohrbruch-zum-100-geburtstag/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Jun 2012 22:00:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 600-699]]></category>
		<category><![CDATA[Verschiedenes]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h2>Ca. 1000 Liter Verlust pro Sekunde</h2>
<p>Wer am letzten Montag, 11.Juni, im Wolfertstal spazieren ging, konnte zufällig Zeuge einer gewaltigen Springflut werden, die etwa auf der Höhe des mitten im Tal stehenden Schuppens (früher Schenk, heute Löffler) aus dem Waldrand des mit Fichten bewachsenen Steilhangs am Fuß des Volkmarsbergs, über die Wiese des Landwirts Balle schoss, welcher diese erst kurz zuvor in mühsamer Arbeit von den Spuren befreit hatte, die ihm die Wildsäue hinterlassen hatten. Der Sturzbach, der sich an der Talsohle in den trotz des Regens der vergangenen Tage ausgetrockneten Gutenbach ergoss, war so gewaltig, dass mittelgroße bis größere Steinbrocken talwärts mitgerissen wurden.</p>
<p>Da ein ähnliches Ereignis in den letzten 100 Jahren an dieser Stelle nicht überliefert ist, war klar, dass es sich hier um keinen neuen Quellaustritt handelt, sondern, dass die relativ bald wieder versiegende Wasserflut eher durch einen Schaden an der Landeswasserversorgung zustande gekommen ist.</p>
<p>Wenig später wurde an der Stelle, wo das Wasser aus dem Wald herausgeschossen war, ziemlich exakt am Waldrand, ein paar Fichten gefällt. Heute nun, am Donnertag, 14. Juni, waren an der Spur, die der Wassersturz in der Wiese hinterlassen hatte, mehrere schwere Bagger- und andere Fahrzeuge, auch ein Pkw der LW, erschienen. Ein Bagger schob einen Weg hinauf zum Waldrand frei. Am 15.6. wurden schwere Betonplatten über die weiter talwärts verlaufenden beiden neuen Leitungsstränge von 1964 gelegt, (Foto 1) um diese vom Druck der schweren Fahrzeuge zu schützen. Wer Glück hatte, konnte die beiden zuständigen LW-Männer, die Herren Frick von der LW Stuttgart und Wieland, den örtlichen Streckenwart, (Nachfolger von Herrn Strobel), treffen, die bereitwillig Auskunft über die Vorgänge gaben.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_3 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="740" height="473" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber602-3.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10362"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_6 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Der Beschluss zum Bau der Landeswasserversorgung war, wie wir in unseren Berichten 565 (BuG v. 16.4.2010) und 566 (BuG v. 30.4.2010) ausführlich beschrieben, genau vor 100 Jahren, also im Jahr 1912, durch König Wilhelm von Württemberg unterzeichnet worden. – Interessierte können unsere Berichte unter www.heimatverein-oberkochen.de (Titelseite Punkt 4b – Berichte 500 – 600) nachlesen. Der Schaden war in der Tat an einem der alten Rohre (ca. 1916) entstanden.</p>
<p>Herr Frick sieht verschiedene Möglichkeiten, durch welche der Schaden entstanden sein könnte, geht aber davon aus, dass durch Druck von unten (minimale Geländeveränderung) ein Stück aus einem gußeiserenen Leitungsrohr herausgesprengt wurde. Dieser Druck könnte punktuell durch einen durch eine minimal veränderte Lage eines Steins zwischen Rohr und Gelände entstanden sein. Eine ähnliche Möglichkeit ist, dass ein punktueller Druck auf das Rohr von oben her entstanden ist: auch wenn die Fichtenwurzeln nicht in die Tiefe gehen, üben sie, vor allem bei Wind oder Sturm, dennoch einen großen Flächendruck auf die Rohre aus, und auch auf diese Weise können Druckveränderungen entstehen und Steine, die früher »harmlos« waren, plötzlich punktuellen Druck ausüben lassen. Genaues wird erst gesagt werden können, wenn das alte Rohr freigelegt ist. Am 14.6. wurden über die etwas hangabwärts liegenden neuen Leitungen von 1964 Eisenbetonplatten gelegt, damit an diesen kein Schaden entsteht, wenn schweres Gerät über sie fährt.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_4 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="741" height="454" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber602-5.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10375"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_7 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Wie man den Fehler und den Ort des Fehlers so schnell habe feststellen können, wollte ich wissen, und erfuhr, dass die Leitung ab dem Zentrum in Langenau bis zum Osterbuchstollen in verschiedene Kontrollabschnitte eingeteilt ist, die getrennt voneinander bei ungewöhnlichem Wasserverlust durch automatisch schließende Schotten oder Klappen stillgelegt werden können. Die für den Abschnitt »Oberkochen-Osterbuchstollen« zuständige Klappe befindet sich auf dem Werksgelände der Firma Carl Zeiss. Die durchschnittliche Verlustmenge auf diesem Abschnitt beträgt maximal 100 Liter pro Sekunde. Dieser Normverlust sei innerhalb von Sekunden auf ca. 1000 Liter pro Sekunde hinaufgeschnellt, was am Kontrollzentrum in Langenau ablesbar war. Die Stilllegung des Streckenabschnitts erfolgte automatisch.</p>
<p>Die LW hofft, dass der Schaden bereits am Montag nächster Woche behoben wird. Die beiden Fotos von heute, 14. Juni, zeigen die vom Bagger frisch hangaufwärts geschobene Trasse, auf der das Wasser zu Tal schoss. Der Bagger schafft gerade die erste Schutzplatte, die über die neuen Leitungen aus den Sechzigerjahren gelegt wird. Die alte Leitung, an der der Schaden entstanden ist, verläuft knapp oberhalb des Waldrands in steilerem Terrain.</p>
<p>Ergänzung vom Montag, 18.6.: Das beschädigte Rohr (Foto 1) wurde heute Vormittag aus dem Verbund gelöst und ins Tal befördert. Das ausgebrochene Stück verläuft, wie unsere Fotos zeigen, (Foto 1 und 2) in der Längsrichtung des 5 Meter langen 90 cm im Durchmesser messenden Rohrs über mehr als 3 Meter Länge und mehr als 1 Meter des Umfangs. (Foto 3). Ein weiteres Foto (Foto 4) zeigt die „Unfallstelle“ mit der 5 m langen Lücke in der Rohrleitung. Die LW-Leute vor Ort ließen offen, ob nicht eine dritte und vierte Möglichkeit den Bruch verursacht haben könne, — Materialermüdung unter Druck oder Materialfehler. Das Neue Rohr soll noch heute, 18.6., geliefert und eingebaut werden.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="740" height="493" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber602-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10366"></span>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="740" height="493" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber602-2.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10365"></span>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="740" height="493" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber602-4.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10364"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Nachtrag zu Bericht 602</strong><br>Am Montag, 18.6.2012 wurde, wie unser Foto 6 zeigt, das neue Rohr eingesetzt. Im Gegensatz zu den Rohren von 1916 wurde das neue Rohr am 19.6.2012 von einem Sandbett umgeben. — Sämliche Fichten übrigens, die entlang der Leitung taleinwärts auf der Leitung standen, mussten am 18.6.2012 gefällt werden, damit in Zukunft der schnelle Zugang zu der LW gewährleistet ist.</p>
<p style="text-align: right;"><em><strong>Dietrich Bantel</strong></em></p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="740" height="493" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber602-6.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10363"></span>
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		<title>Bericht 603: Ein russischer Oberkochener Bezler?</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-603-ein-russischer-oberkochener-bezler/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Jul 2012 22:00:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 600-699]]></category>
		<category><![CDATA[Verschiedenes]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Vor Kurzem erhielten wir einen Anruf von einem Kölner namens Hermann Josef Jakob, der auf der Suche nach dem Grab seines kurz vor Ende des 2. Weltkrieges in Russland verstorbenen Vaters, der in der Ukraine auf dem Lagerfriedhof des Kriegsgefangenenlagers Gorlowka/Donezk bestattet liegt, in Kontakt mit dem Leiter der dortigen Friedhofsverwaltung gekommen ist. Dieser ist ein Deutsch-Russe namens <strong>Igor Bezler</strong> und berichtete Herrn Jakob, dass einer seiner Bezler-Vorfahren zur Zeit Friedrich des Großen und Katharina der Großen als Militärberater von Deutschland nach Russland ausgewandert sei.</p>
<p>Herr Jakob hat Herrn Igor Bezler zugesagt, dass er ihm bei der Auffindung seiner Ahnen in Deutschland behilflich sein werde. Zunächst fand er über seine Internetrecherche via Google heraus, dass es in Deutschland 474 Bezler und 378 Telefonbucheinträge zu Bezler gibt – und, dass dieser Name in der Gegend um Esslingen und Oberkochen am häufigsten vorkommt, so dass er also auf Oberkochen stieß.</p>
<p>Wenn man bei Google<strong> »Oberkochen – Bezler«</strong> (nur mit »z« geschrieben) eingibt, gelangt man sehr schnell auf »Hans Betzler« und die »Hans-Betzler-Stiftung« in Oberkochen, wie sie in Bericht 491 von »Oberkochen – Geschichte, Landschaft, Alltag« beschrieben ist. In diesem Bericht 491 haben wir auch den Betzler-Grabstein aus dem Jahr 1687 abgebildet, der quasi der Ur-Anlass für das Entstehen der Hans-Betzler-Stiftung ist. Über diesen und den Bericht 492 gelangte Herr Jakob auf die Homepage des Heimatvereins, der er auch unsere Anschrift entnahm. Ich teilte Herrn Jakob inzwischen mit, dass der Heimatverein über einen weiteren »Betzler« (mit »tz«) berichtet hatte, und wies ihn auf die Berichte 476 und 477 hin. Auch dort ist ein Grabstein abgebildet (Betzler-Hofmann, 1914).</p>
<p>Herr Jakob versucht aktuell, nähere Angaben zu bereits genanntem Igor Bezler aus der Ukraine zusammenzutragen. Wir veröffentlichen daher zwei Seiten aus dem in kyrillischer Schrift geschriebenen Personalausweis samt Foto, das Igor Bezler zeigt, und wir sind dankbar für jeden Bezler’schen oder Betzler’schen Hinweis, der ungefähr in die genannte Zeit des 18. Jahrhunderts vor plusminus 250 Jahren in Richtung Russland führt (Tel. 7377).</p>
<p>Sobald wir nähere Angaben zu Igor Bezlers Familie haben – das wird allerdings frühestens Mitte Juli sein – werden wir uns an dieser Stelle zu unserer Frage wieder melden.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="668" height="463" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber603-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11958"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Welche Oberkochener Bezler oder Betzler wissen von einem Vorfahren namens Bezler oder Betzler der vor ungefähr 250 Jahren nach Russland ausgewandert ist? Möglicherweise gibt es auch Verbindungen nach außerhalb von Oberkochen, die auf einen einst nach Russland ausgewanderten »Bezler« hindeuten.</p>
<p style="text-align: right;"><em><strong>Dietrich Bantel</strong></em></p></div>
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		<item>
		<title>Bericht 604: Neues zum »Schäfer vom Wollenberg«</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-604-neues-zum-schaefer-vom-wollenberg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Aug 2012 22:00:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 600-699]]></category>
		<category><![CDATA[Verschiedenes]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Die Sage vom »Schäfer vom Wollenberg« ist eine unserer bekanntesten lokalen Sagen. Wir haben schon früher darauf hingewiesen, dass jede Sage zumindest die Spur eines historischen Hintergrunds aufweist. Dass dem so ist, haben bereits im Jahr 1979 zahlreiche Schüler des Gymnasiums Oberkochen belegt, die in wochenlanger Arbeit zusammen mit ihrem Lehrer eine in der Sage vom »Griebigen Stein« angesprochene Fortsetzung dieser Höhle Richtung Pulverturm, wie in der Sage berichtet, entdeckten.</p>
<p>Wir gehen also nicht ohne Grund davon aus, dass auch jene Sage, derzufolge der ominöse Mord des Schäfers vom Wollenberg an seiner Frau, der dieselbe aus nichtigem Anlass ins 50 m tiefe Wollenloch gestoßen hatte, einen historischen Hintergrund aufweist. Der Schäfer leugnete der Sage zufolge zunächst den Mord, bis über den aus der Ziegelbachquelle ausgeschwemmten berühmten Pantoffel der Ermordeten auf eine unterirdische Wasserverbindung vom Wollenloch nach dort geschlossen werden konnte – womit auch der Mörder feststand. Dieser entzog sich der Strafe laut Sage durch Flucht ins benachbarte bayerische Ausland.</p>
<p>Dieser Sage nachzugehen, vor allem aber den Beweis der unterirdischen Wasserverbindung zwischen Wollenloch und Ziegelbachquelle zu erbringen, war die Absicht des Oberkochener Wollenlochklubs nach dem Zweiten Weltkrieg. Leider beendete ein tödlicher Unfall und die daraus resultierenden hohen und damit für den Klub nicht mehr bezahlbaren Sicherheitsauflagen des TÜV das Unternehmen »Wollenlochklub«.</p>
<p>Einem mit dem entsprechend feinen wissenschaftlichen Näschen ausgestatteten Heimatkundler würde es mit entsprechend nachhaltigem Einsatz sicherlich gelingen, die Akten zu diesem Mordfall, der sich vor circa 250 plusminus 50 Jahren ereignet haben muss, aufzuspüren. Das war die Zeit, zu der in der »Bilz« die österreichischen Einwanderer angesiedelt wurden. Fest steht, dass zur Zeit, da der Mord am Wollenloch geschah, der Wollenberg nicht oder nur spärlich bewaldet war, wie alle Berge über unseren Tälern. Und fest steht ferner, dass die Hänge und Höhen über dem Kochertal damals noch landwirtschaftlich genutzt wurden. Der Fachmann spricht auch von »Waldweide«. Es ist zum Beispiel belegt, dass auch die »Heide« zu dieser Zeit noch bewirtschaftet war. Wir haben dort noch in den Sechzigern des letzten Jahrhunderts beim Pilzesuchen auf heute völlig überbautem Boden sogenannte »Lesesteinhaufen« festgestellt.</p>
<p>Auch von der Waldflur »Bilz« ist in der fraglichen Zeit eine landwirtschaftliche Nutzung belegt.</p>
<p>Christoph Schurr schreibt in seinem 1986 herausgegebenen fundierten Werk »Aus der Geschichte der Realgenossenschaft Oberkochen« (»Vom Nutzungsrecht zum Waldbesitz«) auf Seite 62: »Um 1750 waren die Wälder der Ostalb in einem erschreckenden Zustand. Der immense Holzbedarf der Kohlenmeiler, der starke Druck der Waldweide, verstärkt durch die im herzoglichen Jagdrevier des Heidenheimer Forsts (1810/11 – König Friedrich – Bilz, Bilzhaus, Bilzhannes) weit überhöhten Wildbestände, hatten die Wälder ruiniert.« – An anderer Stelle unserer heimatkundlichen Berichterstattung ist ein Zitat überliefert, demzufolge es auch in den Oberkochener Wäldern vor der systematischen Waldwirtschaft, die erst im 19. Jahrhundert eingeführt wurde, keinen Baum gegeben hat, der stärker als »armdick« war.</p>
<p>Allein die Tatsache, dass die Sage von einem <strong>Schäfer</strong> auf dem Wollenberg berichtet, belegt, dass auch der südlich des Tiefentals gelegene Wollenberg, heute ein reines Waldgebiet, einst landwirtschaftlich genutzt wurde. Im engen Zusammenhang ist auch die an den Wollenberg angrenzende Ziegelhalde (Ziegelbachquelle) zu sehen. Der Wollenberg wurde ursprünglich Hoalaberg (Hohler Berg) genannt, was wohl mit den beiden Höhlen »großes und kleines Wollenloch« und anderen Karsterscheinungen zusammenhängt. Der heutige Name Wollenberg entstand erst mit der Schafzucht auf dem Berg, wobei wohl die im Gebüsch und Gestrüpp hängengebliebene Schafwolle namengebend gewirkt hat.</p>
<p><strong>Zwei neue Funde</strong>, die der Oberkochener Günther Schreiber im Rahmen seiner Gemarkungsgrenzen-Begehungen im Auftrag des Landesdenkmalamts (»Kleindenkmale«, s. Punkt 16 d. Homepage) und in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein Oberkochen zum Zwecke der Auffindung und Aufnahme von Grenzsteinen in den letzten beiden Jahren im gesamten Oberkochener Gemarkungsgebiet, also auch im Bereich Wollenberg/Ziegelhalde, getätigt hat, belegen diese landwirtschaftliche Nutzung des Wollenbergs in hervorragender Weise. Wir berichteten über diese Grenzsteinarbeit und verweisen auf Herrn Schreibers bereits angekündigten Vortrag zu diesem Thema am 8. November des Jahres.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="624" height="438" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber604-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11959"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Beide Funde, ein <strong>kleines Hufeisen</strong> (Abbildung 1), gefunden am 03.05.2010 im Steilhang der Ziegelhalde auf Oberkochener Gemarkung, das vom Landesdenkmalamt als »neuzeitich, plusminus 18 Jahrhundert« eingestuft wurde, und neuerdings, am 30.07.2012 das durchaus beachtlich große klassisch <strong>geschwungene Horn eines Ziegenbocks</strong> (ca. 30 cm lang, Abbildung 2) wurden beide in dem genannten Bereich getätigt, das Horn wurde sogar in noch größerer Nähe zum Wollenloch, gefunden. Es ist zunächst als kleines Steinbockhorn, bald jedoch von Horst Riegel, unserem Vereinsbiologen und ‑chemiker, klar als Ziegenbockhorn klassifiziert worden.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_11 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="628" height="373" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber604-2.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11960"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Wir werden bemüht sein, auch den zweiten Fund, das Ziegenbockhorn, durch Fachleute etwas präziser datieren zu lassen, denn mit einer genaueren Datierung wäre auch der historische Hintergrund der Sage vom »Schäfer vom Wollenberg« weiter eingekreist. Doch kann schon vorab mit einiger Sicherheit gesagt werden, dass das Horn tatsächlich in die Zeit der Nochbewirtschaftung des Wollenbergs und der Wollenberghänge, also ins 18. oder sehr frühe 19. Jahrhundert fällt: Das Horn ist durch das lange Liegen auf einer Seite, mit der es von allem Anfang an bis zum Tag des Auffindens durch Herrn Schreiber unverändert im Gelände lag, stark in die Fläche auserodiert.</p>
<p>Das Horn und das Hufeisen belegen in anschaulicher Weise, dass auch die Sage vom »Schäfer vom Wollenberg« einen historischen Hintergrund hat. Den Schäfer, der dort Schafe und Ziegen hütete, hat es auf dem Wollenberg wirklich gegeben.</p>
<p style="text-align: right;"><em><strong>Dietrich Bantel</strong></em></p></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Bericht 605: Ungeklärtes zur alten Ev. Schule und zur alten Ev. Kirche</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-605-ungeklaertes-zur-alten-ev-schule-und-zur-alten-ev-kirche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Aug 2012 22:00:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 600-699]]></category>
		<category><![CDATA[Schulen, Kindergärten]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>In unserem<strong> Bericht 44</strong> vom 25.11.1988 berichteten wir ausführlich über »Das alte evangelische Schulhaus« in der Aalener Straße 19, das heute »Schillerhaus« heißt, und in dem sich das Heimatmuseum Oberkochen befindet. Das Gebäude wurde 1860 in der damaligen »Kirchgass« errichtet.</p>
<p>Wir haben damals auch den Grund- und den Aufriß des unter Schultheiß Wingert entstandenen Schulhauses veröffentlicht.</p>
<p>Heute geht es um die beiden <strong>mysteriösen Nischen</strong>, die sich im 1. OG jeweils zwischen den beiden ersten und zweiten Fenstern von links und von rechts in der Front zur Straße hin befinden. Vielen Bürgern, interessanterweise auch Alt-Oberkochenern, die seit Jahrzehnten daran vorübergehen, sind sie noch nicht aufgefallen. – Vergleichen wir den Plan von 1860 mit dem Foto von 1958, (Foto 1) so stellen wir fest, dass die linke Hälfte des Gebäudes anders gebaut wurde, als es die Planung vorgesehen hatte, nämlich um eine Fenstersequenz zu kurz. Am besten ist das im 1. OG zu erkennen: Dort befinden sich im Plan sechs Festeröffnungen, während die Bauausführung nur fünf derselben hat. Außerdem ist festzustellen, dass der Originalplan die beiden rätselhaften Nischen gar nicht ausweist. Offenbar hat es vor Baubeginn noch gravierende Änderungen in der Bauplanung gegeben.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="752" height="500" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber605-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11961"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Zu den beiden Nischen. Eines scheint ziemlich klar zu sein: Die Nischen waren ursprünglich für zwei Figuren, entweder <strong>Plastiken</strong> (Figuren, die aus Material durch Hinzufügen aufgebaut werden) oder <strong>Skulpturen</strong> (Figuren, die durch Wegnehmen von einer blockähnlichen festen Gesamtmasse entstehen), vorgesehen. Jedoch: Wir haben uns mit negativem Erfolg seit jenem bereits vor 24 Jahren geschriebenen Bericht 44 bemüht, Näheres zu den leeren Nischen herauszufinden, — - — jegliche Nachfrage bei Altoberkochenern endete in der Feststellung, dass die Nischen seit <strong>Menschengedenken</strong> leer sind. Gleichzeitig sind alle Befragten mit mir der Meinung, dass, wenn überhaupt einmal ein »Inhalt« in die Nischen geplant war, es sich definitiv um Skulpturen oder Plastiken gehandelt haben muss, wobei mir Vorschläge unterschiedlicher aber eigentlich in Bezug auf den Verwendungszweck des Gebäudes <strong>»Evangelische Schule«</strong> nicht verwertbarer Art unterbreitet wurden. Die Vorschläge der Oberkochener gingen von »Schiller und Goethe« über »Adam und Eva« und »Christus und Maria« bis zu »Bilzhannes und König Friedrich I von Württemberg«, und, konfessionell besonders unlogisch, auch »St. Peter und Paul« (mit der noch unlogischeren Begründung: »weil die Kirche St. Peter und Paul gegenüber steht« ….). – Eine ganze Reihe von weiteren Vorschlägen, die sich über die Jahrzehnte angesammelt haben, wollen wir lieber gleich gar nicht veröffentlichen.</p>
<p>Allerdings sollte nicht vergessen werden, dass sich in der alten evangelischen Kirche mindestens bis zum Jahr 1973, also ca. 100 Jahre lang, in zwei großen Halbrundbogen-Glasfenstern in der Giebelwand dem Rodstein zu zwei kleine runde farbige Glasfenster befanden, die männliche Personenbüsten darstellten. Das linke Bildnis stellte den <strong>Mose (AT)</strong> mit den Gesetzestafeln dar, das rechte stellt den <strong>Paulus (NT)</strong> dar, — nicht mit einem Buch, sondern in der späteren Symbolik mit dem Schwert. (Foto 2 – im Album von Herrn Stelzenmüller, das dieser in den Besitz des HVO gestiftet hat, ins Jahr 1955 datiert).</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_13 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="566" height="553" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber605-2.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11962"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>1973 wurde die Kirche an die Stadt verkauft. In einem langen Hin und Her wurde unter Anderem auch der Abriss der Kirche diskutiert. Ich kündigte damals an, dass ich mich, um den Abbruch zu verhindern und die »Schokoladen- und beliebteste Postkartenansicht« von Oberkochen zu erhalten, bei Abbruchbeginn in der Kirche niederlassen würde. – In dieser kritischen Zeit ab 1973 verwahrloste die Kirche komplett. Eine Zeitlang dienten Gemeindesaal und Sakristei als provisorisches Jugendhaus. Einige der Jugendlichen schreckten in einer unerklärlichen Zerstörungswut vor nichts zurück. Die jungen Leute nächtigten ungestatteterweise per Einbruch auch in der Kirche und schlugen dort innerhalb dieser Zeit alles kurz und klein – möglicherweise mit dem Argument, dass der Bau doch nie wieder als Kirche verwendet werden würde. Beispielsweise wurden sämtliche Wangen der Bänke abgeschlagen und verheizt. Es gibt eine noch schaurigere Geschichte, die ich vorerst jedoch nur dem Archiv des HVO anvertraue. – Das linke der beiden Fenster, der <strong>Mose</strong>, war, wie später festgestellt, dem damaligen Vandalismus bereits zum Opfer gefallen, als ich den Schaden an den Fenstern von der Straße her bemerkte und bei der Stadt vorstellig wurde. Der <strong>Paulus</strong> wurde dann auf meine Bitte hin von der Stadt tatsächlich noch rechtzeitig durch eine Überbretterung geschützt und hat sich auf diese Weise glücklicherweise bis heute erhalten.</p>
<p>Das runde Glasgemälde im Fenster befindet sich unmittelbar hinter der großen geschwungenen Treppe, mittels derselben unser Oberkochener »Treppenpapst« Willibald Mannes eine elegante Verbindung vom EG ins OG der Bibliothek geschaffen hat. Den Kronleuchter der alten evangelischen Kirche habe ich in letzter Minute dem Herrn Pfarrer Kurz vom Schrotthaufen herunter »abgeschwatzt« und ihn solchermaßen vor dem sicheren endgültigen Aus auf dem Zahnberg gerettet. Er, der Leuchter, lag, von den Jugendlichen von der Decke gerissen und zusammengequetscht, in üblem Zustand und schon zur Abfuhr bereit auf einem Schutthaufen am Straßenrand vor der Kirche, als der Gemeinderat den Zustand der Kirche besichtigte. Der Herr Pfarrer meinte, als ich mit meiner »Beute« loszog, ich könne der Kirche dann ja eine Spende machen, für den Kronleuchter vom Schrotthaufen. Ich erklärte ihm dann aber erfolgreich, dass für den bereits als Schrott deklarierten Leuchter meiner Ansicht nach keine Spende erforderlich sei, und nahm den geschrotteten Kronleuchter einfach mit. – Er lagerte dann viele Jahre bei uns in der Garage, bis meine Frau, die uns an dem kostbaren Schrott wiederholt Kratzer ins Auto gefahren hatte, darauf bestand, dass dieser raus aus der Garage muss. – Heute befindet sich der Kronleuchter auf der Bühne über der Bühne im Heimatmuseum und wartet immer noch auf einen fähigen und unserer Vereinskasse gegenüber wohlwollenden Restaurator. Der »Bär« wollte das veranlassen. Auf unserem Foto 2 ist der Leuchter gut zu sehen. – Den Kanzelstock rettete übrigens Otto Schaupp auf ähnliche Weise vom gleichen Schutthaufen herunter. Der Kanzelstock steht heute als symbolisches Element der Ökumene in der Kolpinghütte, die Otto Schaupp entworfen hat, und dient dort als Glockenträger. (Siehe auf dieser Homepage Punkt 11, Geschichten und Anekdoten, Geschichte 12 »Lutherisches Holz in der katholischen Kolpinghütte«. 1981 wurde dann in dem geschichtsträchtigen Gebäude »Alte evangelische Kirche« die Stadtbibliothek eröffnet. Ohne Mose – aber immerhin bis zum heutigen Tag mit dem Original-Paulus, der inzwischen fast 137 Jahre alt ist.</p>
<p>Zurück zu unseren Figuren: Meiner Ansicht nach kann nicht ausgeschlossen werden, dass eben diese beiden Glasfenster-Figuren der alten <strong>Evangelischen Kirche</strong>, »Mose und Paulus«, die 1875 stellvertretend für das alte und das neue Testament in die Fenster aufgenommen wurden, zuvor auch für die Nischen des 1860 errichteten <strong>Evangelischen Schulhauses</strong> gedacht gewesen sein könnten. Damit wäre natürlich die andere Kernfrage, weshalb die Nischen leer blieben, noch lange nicht beantwortet.</p>
<p>Nun wollte es der Zufall, dass ich kürzlich in der Hüttlinger Hauptstraße, unweit der Kirche, ein stattliches Backsteingebäude entdeckte (Foto 3), das ich, wie einige weitere Backsteinbauten Oberkochens (Ochsen, abgebrochenes Oppold-Verw.-Gebäude, Dreißentalschule (Fuchsbau), Bgm-Frank-Gebäude, katholische Kirche St. Peter und Paul u.a. auf die Erbauungszeit um 1900 plusminus einschätzte. Dieses Hüttlinger Gebäude weist an exakt der gleichen Stelle genau dieselben Nischen auf, wie wir sie im Oberkochener Schillerhaus, sprich, der alten Evangelischen Schule, haben. Im Gegensatz zu den leeren Nischen in der Schillerhausfassade befinden sich in dem Hüttlinger Gebäude jedoch an just den beschriebenen Stellen im Obergeschoss nicht nur genau dieselben Nischen wie sie das »Schillerhaus« in Oberkochen aufweist, sondern in den Hüttlinger Nischen steht – im Gegensatz zu Oberkochen – jeweils eine Figur. Bürgermeister Ensle bestätigte, dass das Gebäude 1895 entstanden ist. In der Liste der unbeweglichen Bau- und Kunstdenkmale ist zu dem Gebäude notiert: »Ehemalige Handarbeitsschule, Backsteinbau mit Werksteingliederung und Nischenfiguren, Ende 19. Jahrhundert.« Um welche Art von Figuren, eine männliche und eine weibliche, es sich handelt – mit einiger Sicherheit ebenfalls um Figuren weitgehend sakralen Inhalts – wird in absehbarer Zeit gefunden sein. Ob uns das Ergebnis weiterführt, bleibt indes offen. – Bis zum nächsten Bericht werden wir den Glasfensterfiguren der alten Evangelischen Kirche (erbaut 1875) – heute Stadtbibliothek – und den Hüttlinger Nischenfiguren (erbaut um 1900), sowie den Figuren in der alten Oberkochener evangelischen Kirche (erbaut 1860) weiter nachgehen, und vor allem der Theorie, dass letztere möglicherweise in einem geistig-virtuellen Zusammenhang mit den wohl nie vorhanden gewesenen Figuren im evangelischen Schulhaus von Oberkochen (erbaut 1860) – heute Schillerhaus – zu sehen sein könnten.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="819" height="542" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber605-3.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11963"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Träfe diese Hypothese zu, so wären die Hüttlinger Figuren natürlich anderen thematischen Ursprungs.</p>
<p style="text-align: right;"><em><strong>Dietrich Bantel</strong></em></p></div>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
			</div>
				
				
			</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bericht 606: Was Oberkochen mit Lauchheim zu tun hat</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-606-was-oberkochen-mit-lauchheim-zu-tun-hat/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Sep 2012 22:00:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 600-699]]></category>
		<category><![CDATA[Verschiedenes]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Am 22. Mai 1986 fanden Baggerfahrer und Schachtmeister eines Bauunternehmers beim Bau einer Leitung in der Flur »Wasserfurche« bei Lauchheim im Baggergraben Teile eines Skeletts, Metallteile und ein dünnes Goldblech in Form einer (Krawatten)- »Fliege«, das der Schachtmeister umgehend an Bürgermeister Kowarsch ablieferte. Bgm. Kowarsch erkannte den möglichen archäologischen hohen Wert des Fundes und verständigte umgehend die archäologische Denkmalpflege, damals noch in Stuttgart. Konservator Dr. Ingo Stork, der 6 Jahre zuvor die Oberkochener Alamannengrabung geleitet hatte, war sich sofort sicher, dass es sich bei dem Goldblech um den Teil eines alamannischen Goldblattkreuzes handelt, wie es den ersten alamannischen Christen im 7. Jahrhundert ins Grab beigegeben wurde. Klartext: dass es ein zweites solches Goldblatt-Fliegen-Blech geben musste. Der Schachtmeister hielt sich bedeckt, ließ Herrn Dr. Stork aber indirekt wissen, dass es da ja »noch jemanden außer ihm gibt, da man Rohre nicht alleine verlegt«. Damit war der Baggerführer gemeint. — Dieser Jemand war ein in Oberkochen wohnhafter Arbeiter der Firma, die die Rohre verlegte.</p>
<p>Anlässlich der derzeitigen Sonderausstellung »Museumsreif« — 25 Jahre Alamannenausgrabungen in Lauchheim — die am Sonntag, 9. September im Alamannenmuseum in Ellwangen eröffnet wurde, erzählte Dr. Stork vom Landesamt für Denkmalschutz in launigen Worten die nicht nur museums- sondern auch krimireife Geschichte, wie er zu dem fehlenden Stück des goldenen Totenkreuzes kam: Zunächst fuhr er umgehend nach Oberkochen und suchte Dietrich Bantel auf, zu dem er seit der Oberkochener Grabung einen guten persönlichen Kontakt hatte.</p>
<p>Dr. Stork wörtlich: Dietrich Bantel, der bei der Oberkochener Grabung von 1980 mitgewirkt hatte, heute ebenfalls anwesend, sagte, dass er nichts von einem solchen Baggerfahrer wisse, aber er habe eine Tochter, die geschickter Weise auf dem Oberkochener Rathaus/Einwohnermeldeamt arbeitet. Diese besorgte ihm dann die Anschrift in kürzester Zeit. Der Arbeiter leugnete zunächst, aber die Oma verplapperte sich, solang der Arbeiter ein ebenfalls von ihm unrechtmäßig mitgenommenes Schwert aus der Garage holte, gegenüber der Frau des Arbeiters mit dem Satz »Nao isch des doch Gold«. — Da der Arbeiter dennoch auch weiterhin den »Besitz« der Goldblattkreuzhälfte hartnäckig leugnete, musste die Polizei eingeschaltet werden, die das fehlende Stück dann per sanftem Druck in kürzester Zeit beschaffte.</p>
<p>Dr. Stork: »Das ist Teil 1 meiner Erinnerungen und der wichtige Oberkochener Anteil an der Lauchheimer Grabung, der größten je in Deutschland durchgeführten Alamannengrabung.«</p>
<p>Jetzt ist das ganze Kreuz in der am 09.09.2012 eröffneten Ausstellung zusammen mit atemberaubenden Gegenständen aus der Lauchheimer Grabung, die, da man in insgesamt 20 Sommergrabungen 1308 Gräber auch noch den zum Friedhof gehörenden Ort »Mittelrain« ausgraben konnte, bis zum Jahr 2005 dauerte.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="717" height="479" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber606-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11964"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><em>Ein Foto zur derzeitigen Sonderausstellung in Ellwangen mit dem Ehepaar Suse und Dietrich Bantel und Dr. Ingo Stork in der Mitte. Das Plakat zeigt Dr. Stork vor 25 Jahren in Lauchheim.</em></p>
<p>Erinnerungen an die Oberkochener Grabung von 1980 (»Hüttlinger Kinder spielen mit Oberkochener Alamannenschädel«) sind in »Archäologische Ausgrabungen 1980« (LDA) nachzulesen. Im Oberkochener Amtsblatt »Bürger und Gemeinde« vom 13.02.1981 ist im mehrseitigen und bebilderten Abschlussbericht, den Dr. Stork persönlich zur Oberkochener Grabung verfasst hat, zu lesen: »Ganz besonders danken möchte ich auch unserem Mitarbeiter, Herrn Gymnasialprofessor Dietrich Bantel und seiner Frau, für ihre stetige Hilfe und Teilnahme. Herrn Bantels Einsatz trug wesentlich zum Verständnis für unsere Ausgrabung in Oberkochen bei.«</p>
<p>So war am Sonntag, 09.09.2012., klar, dass, nach 32 bzw. 26 Jahren ein Foto zur derzeitigen Sonderausstellung entstehen musste, und zwar vor dem aktuellen Ellwanger Plakat 2012 mit Dr. Stork im Jahr 1986. Es zeigt Dr. Ingo Stork und das Ehepaar Bantel.</p>
<p style="text-align: right;"><em><strong>Dietrich Bantel</strong></em></p></div>
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		<title>Bericht 607: Es war einmal — Ein schwäbischer Katalane namens José Sogas</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-607-es-war-einmal-ein-schwaebischer-katalane-namens-jose-sogas/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Oct 2012 22:00:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 600-699]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen in Oberkochen]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="et_pb_section et_pb_section_7 beitrag-inner-container et_section_regular">
				
				
				
				
				
				
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Vor einiger Zeit hatte ich über das Schleichersche Kino in Oberkochen und dabei auch über Erna Schleicher (geb. Kaufmann) aus Utzmemmingen berichtet (Bericht 538). Die Nebensitzerin von Erna Kaufmann war damals, während der Schulzeit in Utzmemmingen, Lydia Fleck. Das spannende daran ist, dass sich beide Frauen später in Oberkochen wieder begegneten. Die eine hat den umtriebigen Albert Schleicher aus Pflaumloch und die andere den schwäbischen Spanier José Sogas aus Stuttgart geheiratet. José Sogas aus Katalanien und Lydia Fleck vom Ries — eine besondere Mischung. Diese Liebe zwischen José und Lydia hielt ein Leben lang, nur mit dem Makel behaftet, dass José viel zu früh starb. Bis die zwei aber in Oberkochen ein Geschäft und eine Familie gründen und in Oberkochen Spuren hinterlassen konnten, die heute noch sichtbar sind, war es ein langer Weg, den ich nachfolgend gerne beschreibe. Begleiten Sie mich zurück in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts — Vamos companeros!</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="739" height="511" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber607-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11965"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><em>(Überlassen von Fam. Sogas)</em></p>
<p>Lydia Fleck wurde am 12. April 1923 in Utzmemmingen geboren, besuchte dort 7 Jahre lang die Schule und war eine Zeitlang Nebensitzerin von Erna Schleicher (geb. Kaufmann), bevor diese die Schule verließ und ins Internat Kloster Wallenstein wechselte. Lydia musste damals nach der Schulzeit ein sog. Pflichtjahr absolvieren.</p>
<p>Die Alternativen für diese Zeit waren entweder »in eine kinderreiche Familie« oder »in eine Bauernfamilie« zu gehen. Lydia entschied sich für die kinderreiche Familie. Nach diesem Pflichtjahr verließ Lydia das Ries und zog in die Stadt — nach Aalen.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="803" height="602" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber607-2.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11966"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_22 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><em>(Archiv Müller)</em></p>
<p>Sie fand Beschäftigung im »Cafe Amman« (heute Konditorei Amman, Hersteller des »Aalener Spionle« seit 1927) in Aalen, in dem sie 13 Jahre lang bediente und, für damalige Verhältnisse, gutes Geld verdiente. Da werden sicher viele heutige Bedienungen neidisch werden: Es gab 10% Bedienungsgeld, das Trinkgeld durfte behalten werden und die Tätigkeit war sozialversicherungspflichtig. Für Lydia war das eine gute Arbeit und eine gute Zeit, denn sie konnte »gut mit Menschen«. Es muss wohl 1950 gewesen sein, als sich José und Lydia, natürlich im Cafe Amman (wo auch sonst), kennengelernt haben. War es Liebe auf den ersten Blick? Jedenfalls muss es zwischen den beiden schon arg »geschnackelt« haben und von nun an ging es mit den beiden aufwärts und ein Leben voller Arbeit begann für die beiden.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_18 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="602" height="803" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber607-3.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11967"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_23 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><em>(Archiv Müller)</em></p>
<p>Nun aber zu José. Woher kam dieser gutaussehende Spanier, der die Lydia aus Utzmemmingen für sich begeistern konnte? Die Familie Sogas stammt aus einem kleinen katalanischen Dorf in der Nähe von Barcelona. Der alte José der Vater von unserem José, kam nach Stuttgart, heiratete eine echte »Schtuagaterin«, kam später nach Aalen und eröffnete den »Spanischen Garten«. Das Haus steht heute noch mit der Namens-Inschrift in Aalen in der Fußgängerzone.</p>
<p>Der alte José hatte zwei Söhne: Den Juan und den José, der 1916 in Stuttgart geboren wurde. Da José jun. aber Spanier war, wenn auch in Stuttgart geboren, musste auch er als Soldat in den spanischen Bürgerkrieg ziehen, den er Gott sei Dank unbeschadet überstand. Später hat José bei seinem Vater im »Spanischen Garten« in Aalen gearbeitet und dafür gesorgt, dass die »Oalemer« Südfrüchte und südländischen Wein, der in Flaschen abgefüllt wurde, kaufen konnten und somit die Familie Sogas die ersten Bananen und Datteln auf die Ostalb brachten. Als José jun. sich zusammen mit Lydia selbständig machte, half Juan noch seinem Vater, bis dieser 1958 starb.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_19 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="736" height="476" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber607-4.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11968"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_24 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><em>José Bruder Juan hat dann den »Spanischen Garten« noch bis 1962 weiterbetrieben, bevor er nach Ellenberg »ausgewandert« ist. (Überlassen von Fam. Sogas)</em></p>
<p>1951 war es dann soweit. Lydia und José heirateten. Was war das allerdings für eine Überraschung auf dem Standesamt, als Lydia erfuhr, dass sie die deutsche Staatsbürgerschaft verlieren würde und einen spanischen Pass bekäme, wenn sie José heiraten würde. Das war zwar ein Problem, aber für die Lydia kein ernsthaftes Hindernis, zumal Lydias Familie mit José dem spanischen Schwaben, kein Problem hatte. Er war schließlich ein Josef, gar ein Sepp. Einen schwäbischeren und katholischeren Männernamen kann man sich kaum vorstellen. Das bedeutete auch, dass sie ihr Wahlrecht verlor, aber das nahm sie alles in Kauf, um mit ihrem José eine Familie zu gründen. Lydia hat heute noch ihren spanischen Pass mit unbefristeter Aufenthaltsgenehmigung.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="829" height="583" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber607-5.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11969"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><em>(Archiv Müller)</em></p>
<p>Sie starteten ihr Lebensmittelgeschäft »EDEKA Sogas« bei den »Hägeles« in der Heidenheimer Straße in Oberkochen und nahmen es mit der eingesessenen Konkurrenz auf, dem GUBI, dem Gaissmaier, dem Kopp und dem Konsum. Aber wer konnte schon mit einem solchen Highlight aufwarten: Ein Obststand vor dem G’schäft zwischen »2 Misthäufen«, so dass die Leut sagten: »Jetz koasch scho auf d’r Straoß eikaufa«. Das Geschäft hatte eine Verkaufsfläche von ca. 30 qm und die Öffnungszeiten waren Mo. bis Fr. von 07:00 bis 19:00 Uhr, sowie Samstagvormittags. In Alt-Oberkochen herrschte früher ein eisernes Gesetz: <strong>»Wer etwas verkaufen wollte, musste sonntags in die Kirche gehen — sonst drohte Geschäftsschädigung«</strong>. Natürlich war sonntags nicht geöffnet, aber der eine oder die andere Kirchgängerin wollten partout noch nach »d’r Mess’« einen Vanillepudding oder ein Backpulver (wahrscheinlich entstand dieser Kundenwunsch erst während der Predigt vom Pfarrer Forster). Da mussten Lydia und José schon flexibel sein – denn auch der katholische Kunde ist König. Das Geschäft entwickelte sich gut, da Lydia aus ihrer Zeit beim Cafe Amman viele I.eute kannte und auch die Oberkochener Geschäftsleute kauften gerne etwas teurer bei der EDEKA ein. Wachstum war die Devise in dieser Zeit und so wuchs auch die Familie, Carmen wurde 1953 und Juan 1955 geboren. Natürlich gab es auch in dieser Zeit helfende Hände in dem kleinen, aber regen Geschäft: Lydias Schwester Anna, Erika Steckbauer, Sieglinde Betzler, Doris Schmauder, Rosl Beck, die Schwester von Bauer Weber u.a. Während der ersten Monate fuhren Lydia und José immer morgens und abends mit dem Zug von und nach Aalen in ihr »G’schäft ond widdr hoim«. Wobei sie oft vom damaligen Bahnhofsvorsteher, dem BB-Obersekretär Anton Feil, angespornt wurden, schneller zu laufen: <strong>»Kommat, d’r Zug isch fei scho doa.«</strong> Und das kam häufig vor, weil es schon damals Leute gab, die um 19 Uhr noch unbedingt einkaufen wollten.</p>
<p>Dann kam die Stunde der Entscheidung. Hägeles wollten umbauen und kündigten daher den Mietvertrag. Sie hatten zwar die Zusicherung, nach der geplanten Umbauzeit von 6 Monaten wieder einziehen zu können, aber das würde bedeuten »auf der Straße zu stehen«. Das konnte, das durfte nicht sein.</p>
<p>Und wie das im Leben oft so ist, kommt eins zum anderen und die Probleme lösen sich, wenn man ein Wagnis eingeht. Fabrikant Schramm, ein treuer Sogas-Kunde verkaufte der Familie Sogas das Haus Dreißentalstraße 56 mit dem dazugehörigen Grundstück. Nun wurde im Frühjahr und Sommer 1957, in 6‑monatiger Bauzeit, ein modernes EDEKA-Geschäft in unserem Viertel gebaut. Als 5‑jähriger Bub war das damals eine spannende Zeit, in der ich beobachten konnte, wie aus einer Wiese und einem großen Erdloch ein schönes neues Geschäft entstand.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="803" height="602" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber607-6.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-11970"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><em>(Archiv Müller)</em></p>
<p>Im Herbst 1957 war es dann soweit. Das neue Geschäft war fertig. Für uns Kinder gab es vor dem Geschäft einen Bubblegum-Automaten für Kaugummi und Kleinspielzeug (ähnlich wie die späteren Überraschungseier) und glitzernden Ringen für die Mädchen. Wir übten uns darin, dem Gerät ohne die obligatorischen 10 Pfennige beizukommen und die Schätze kostenlos zu heben. Lydia führte das Geschäft in der Heidenheimer Straße und José leitete das neue Geschäft im Dreißental. Der Parallelbetrieb wurde ca. 4 Jahre aufrechterhalten. Danach ging Lydia auch ins Dreißental und beide mussten jetzt lernen, das Geschäft miteinander zu betreiben, was sicher zu gelegentlichen Reibungen führte (katalanischer Stolz und schwäbische Beharrlichkeit ist sicher eine beeindruckende Mischung).</p>
<p>Was zeichnete SOGAS damals aus? Schwerpunkte waren frisches Obst und Gemüse, gute Weine, freundliche Bedienung und Hauslieferungen durch José. Ich erinnere mich noch daran, dass ich Wurst normalerweise bei »Betzens« in der SONNE zu holen hatte (Bericht 562), aber bestimmte Sorten, wie Bierschinken, immer beim SOGAS holen musste. Das EDEKA-Konzept <strong>»Gute Qualität zu guten Preisen«</strong> hat damals schon funktioniert und zieht auch heute noch viele Kunden an. Später kam dann noch ein offener Milchverkauf in einem besonderen Raum mit separatem Zugang (hinter dem Geschäftsgebäude) dazu.</p>
<p>Ein Zugang über das Geschäft war behördlich verboten. Um offene Milch anbieten zu können, musste José einen 4‑wöchigen Kurs (!) in Stuttgart machen. Danach kannte José sicher »die Kuh« von Kopf bis Schwanz in- und auswendig. Das waren damals noch andere Zeiten, da musste man noch lernen, lernen, lernen – auch wenn das für den Verkauf völlig unbedeutend, aber Vorschrift war. José war ein agiler freundlicher Mann, der auch den Weg in den Aufsichtsrat von EDEKA fand und dort seinen Mann stand.</p>
<p>Jedoch, es gab auch schlechte Zeiten. José wurde 1981 sehr krank und verstarb 1984 im Alter von nur 68 Jahren. Lydia führte das Geschäft dann noch bis 1983 weiter, aber dann war es genug. Ausverkauf und Verkauf des Inventars waren dann im Dezember 1983 das offizielle Ende von EDEKA-Sogas und wieder wurde das Dreißental um ein gutes Geschäft ärmer. Die Liegenschaft gehört heute noch der Familie Sogas und in den Entscheidungen diese Immobilie betreffend, hat Lydia auch heute noch das letzte Wort. Lydia und José waren ein gutes Gespann und haben in Oberkochen Spuren hinterlassen. Wir denken gerne an sie zurück.</p>
<p style="text-align: right;"><em><strong>Wilfried Müller</strong></em></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><em>(Archiv Müller)</em></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><em>(Bilder überlassen von Fam. Sogas)</em></p></div>
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			</div>
				
				
			</div>
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			</item>
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		<title>Bericht 608: Schrannafatzer</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-608-schrannafatzer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Oct 2012 22:00:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 600-699]]></category>
		<category><![CDATA[Verschiedenes]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://heimatverein-oberkochen.com/?p=17797</guid>

					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="et_pb_section et_pb_section_8 beitrag-inner-container et_section_regular">
				
				
				
				
				
				
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Das Wort »Schranne« begegnete mir zum ersten Mal vor über 60 Jahren. Ein attraktives Mädchen, das bei der gleichen Lehrerin Violinunterricht hatte, wie ich, und mit dem ich, von der Lehrerin verordnet, ein Violinduett einüben sollte, wohnte, wie ich schnell herausgefunden hatte, in Stuttgart-Vaihingen in einer Straße, die »In der Schranne« hieß. – Als ich sie nach der Bedeutung des Wortes »Schranne« fragte, erklärte sie mir, dass das Wort etwas mit »Freimaurern« zu tun habe – was sicher nicht leicht zu belegen ist: ich habe es nicht versucht. Ihr Vater war Freimaurer. Und meiner war das nicht. Und meiner wollte außerdem auch nichts von den Freimaurern wissen – Freimaurer seien nicht seine Schuhgröße, – und auch das Mädchen nicht… Das war’s dann. Aus dem Duett wurde kein Duo – und die schöne Helga habe ich aus den Augen und dem Sinn verloren.</p>
<p>Ungefähr 10 Jahre später, ich war inzwischen Student auf der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, begegnete mir das Wort »Schranne« in einer Vorlesung im Zusammenhang mit alten Marktplätzen und Getreidespeicherhäusern wieder. Ich suchte das Wort in Vaters »Knaur« und fand: »Schranne« = Kornspeicher. Im Duden »Die deutsche Rechtschreibung« von 1996 steht heute: Schranne = veraltend für »Fleischer‑, Bäckerladen; Getreidemarkthalle; auch Markt oder Markthalle«. – Laut Günter Grass also »Ein weites Feld«. – Auch im Zusammenhang mit »Gerichtsgebäude« begegnete mir das Wort. Laut dem Großen Duden, 1969, war eine »Schrannengericht« ursprünglich dem altgermanischen »Thing« ähnlich und wandelte sich später in die Bezeichnung für ein auf öffentlicher Straße stattfindendes Gericht.</p>
<p>Vor ungefähr 25 Jahren kam ich mit einem älteren Bekannten meiner heutigen Heimat Oberkochen ins Gespräch. Er wusste viel, vor allem zum Bereich »Holz«; und hatte deshalb den Beinamen »Holzwurm«. Der »Holzwurm« hieß Eugen Gentner und hatte einen Oberkochener, der regelmäßig zu Gast in den gemeinderätlichen sogenannten »Bürgerfragestunden« war, um dort Fragen von mittlerer Bedeutung zu stellen, »Schrannafatzer« genannt. – Derlei häufig eher wichtigtuerische, gelegentlich durchaus auch richtige, wichtige und bissige Anfragen wurden von den Presseberichterstattern stets begierig aufnotiert, und die Fragesteller durften anderntags dann sicher sein, dass sie befriedigt ihren Namen in der Zeitung lesen konnten. Weil Bürgermeister Gentsch auf solche Anfragen stets ein allerdings in der Regel wirkungslos bleibendes »Da guggat mr drnach« parat hielt, nannte ich diese Fragen »Da-guggat-mr-drnach-Fragen«.</p>
<p>Ich war Schulmeister und damals noch wissbegieriges Mitglied im Gemeinderat. Auf meine bezüglich »Schrannafatzer« gestellte Frage an den »Holzwurm« erklärte mir dieser, dass man ziemlich früher diejenigen Bürger, die bei öffentlichen Gemeinderatssitzungen in einer Mischung aus Neugier und Interesse als Zaungäste hinten im Sitzungssaal saßen, um das Neueste direkt von der Quelle weg zu erfahren, tatsächlich »Schrannenfatzer«, oder genauer »Schrannafatzer« genannt habe. Wenig später gab mir der »Holzwurm«, nachdem er Erkundigungen eingeholt hatte, eine weitere gute Information zu diesem Wort, die bereits in Richtung dessen ging, was sich im Verlauf dieses Berichts als das herauskristallisierte, was wir später als »Bürgerausschuss« erkennen werden.</p>
<p>Nun war es an der Zeit, diesem neuen Wort, in dem wieder mein alt-mitgeschlepptes und irgendwie geheimnisvolles Wort »Schranne« vorkam, das ich in diesem neuen Zusammenhang noch nie gehört hatte, ernsthaft nachzugehen. Auch stand die hübsche Helga mit ihrer Violine wieder vor mir.</p>
<p>Inzwischen hatte ich natürlich in Oberkochen, das ja bis 1968 Dorf gewesen war, dazugelernt, dass man eine »Biertischgarnitur«, bestehend aus einem ca. 2 Meter langen Tisch und zwei ebensolangen schmalen Bänken, jeweils mit einklappbaren Metallfüßen, auch »Schrannengarnitur« nennt. – Offensichtlich musste da irgendwo ein Zusammenhang bestehen. Ich bohrte also weiter. – Und tatsächlich: Ganz früher, so erklärte mir der Altbürger »Holzwurm«, habe man für diese am öffentlichen Wohl interessierten Bürger, »hinten« in den Sitzungssaal hinein ganz einfache Bänke aufgestellt, die aus einem Brett mit vier schräg nach außen gestellten Füßen bestanden. »So wia’n’a’mr halt frihr sodde Benk ghet hot« – Und exakt diese Art von Bänken habe man einst als »Schrannen« oder »Schrannenbänke« bezeichnet. –</p>
<p>Heute hat man’s leicht. Man kann das Wort »Schranne« einfach bei Google eingeben und findet tatsächlich alle die bereits aufgeführten Begriffe. Etymologisch interessant ist, dass sich das Wort laut Google ursprünglich von dem italienischen Wort »scranna« ableitet, – scranna = Gerichtsbank, aber auch Bank, Fleisch- und Brottisch. Und Lagerhalle. – Hier schloss sich der Kreis. – Speziell im Schwäbischen, also »bei oos«, wird der Begriff laut Google auch heute noch für eine Bierbank, bzw. Biertisch verwendet. – Stimmt.</p>
<p>Entschieden schwieriger wurden meine Nachforschungen im Zusammenhang mit dem zweiten Wortteil »Fatzer«. Auf die Frage, was ein »Fatzer« sei, bekam ich nämlich keine präzise Antwort. Die Befragten Alten waren der glaubenden Meinung, dass das Wort mit »Fetz« zusammenhänge, und mit den »Schrannafatzern« insofern zu tun habe, als die bei den öffentlichen Sitzungen anwesenden und mithörenden Bürger von den öffentlichen Angelegenheiten immer ein bisschen mehr und dies vor allem immer ein bisschen früher als die anderen Mitbürger wussten, und, dass diese Zuhörer auf den hintersten Plätzen deshalb mit der Aura eines schwäbischen »Fetzen« in der Bedeutung von »Schlitzohr« behaftet waren. »Schrannafetza« also. – Allerdings habe ich bei meinen Schrannen-Unterlagen auch eine Notiz aus dem Jahr 1989, derzufolge Franz Wingert sen. mir auf meine Frage erklärte, dass das Teilwort »fatzer« sich von »furzen« ableite (Sesselfurzer), was eher zu bezweifeln ist – jedenfalls konnte ich keinen Beleg für diese Deutung finden.</p>
<p>Schrannafatzer = Schlitzohr könnte möglicherweise ein wenig passen. Allerdings scheint noch überlegenswerter, was mir ein Anglistenkollege namens Gernot Stillenburg einflüsterte, nämlich, dass bei der bislang vorliegenden Definition eine Verbindung zu dem Begriff der englischen parlamentarischen »Backbenchers«, denkbar sei, was übersetzt etwas bedeutet wie »diejenigen, die auf den »hinteren« Bänken sitzen« — was wiederum nicht unbedingt und direkt mit dem Inhalt des Worts »Hinterbänkler« im Sinne von »Hinterwäldler« zu tun hat.</p>
<p>Bemerkenswert ist, dass überraschenderweise drei von mir befragte Vertreter bedeutender hiesiger öffentlicher und wissender Einrichtungen zum Zeitpunkt meiner Frage, 1999, das Wort »Schrannafatzer« nicht kannten, — nämlich Frau Heidrun Heckmann, Museumsbeauftragte vom Landratsamt Ostalbkreis, Kreisarchivar Bernhard Hildebrand jr. ebenfalls vom Landratsamt und Stadtarchivar Roland Schurig von der Stadt Aalen.</p>
<p>Hier mussten wohl »Ältere« weiterhelfen.</p>
<p>Aus dem Jahr 1999 liegt mir auch eine in dieser Richtung gehende einleuchtende Aktennotiz aus einem Gespräch mit Hilde Wingert vor: Hilde Wingert, die Schwester des genannten Franz Wingert sen., lange Jahre im Oberkochener Gemeinderat, kennt den Begriff – anders als ihr Bruder – vom einstigen »Bürgerausschuss« her. Die Vertreter dieses Ausschusses saßen laut Hilde Wingert nicht am Ratstisch sondern »hinten« auf Bänken, die man »Schrannen« nannte. Das Wort »Schrannafatzer« sei ein »Spottname« gewesen. (Siehe »backbenchers« – »Hinterbänkler«)</p>
<p>Beim Lesen des Tagebuchs meines vor über 100 Jahren verstorbenen Urgroßvaters bestätigte sich Hilde Wingerts Aussage. Der »Bürgerausschuss« ist ein heute, wie auch »Google« bestätigt, praktisch ausgestorbener kommunaler gemeinderätlicher Beirat, der aus gewählten Bürgern, häufig Sachverständigen, bestand, die dem Gemeinderat mit beratender Stimme unterstellt waren, gelegentlich jedoch auch volles Stimmrecht hatten. Dem wäre nachzugehen. – Diese Form der Bürgerbeteiligung findet man tatsächlich auch noch im Oberkochen des beginnenden 20. Jahrhunderts. Die Bürgerausschüssler unterzeichneten die Gemeinderatsprotokolle links, die Gemeinderäte rechts. – Diese Bürger, die von den Einwohnern der Gemeinden und Städte in eine Art kommunalen Beirat gewählt wurden, saßen, während der Gemeinderatssitzungen abseits der Gemeinderatsmitglieder »hinten«. Sie könnten, da sie sich in der Öffentlichkeit mit Sicherheit sehr wichtig vorkamen, indes mit ebensogroßer Sicherheit hin und wieder entschieden mehr gewusst haben als die gemeinen Bürger im Dorf. Aus Gründen, die zwischen Neid und Anerkennung lagen, mögen sie tatsächlich als eine Art »wichtigtuerische Hinterbänkler« angesehen worden sein. In diesem Licht würde die Bezeichnung »Schrannafatzer« eher etwas leicht Neckendes oder leicht Herabwürdigendes beinhalten. Hilde Wingert: »Spottname«. – Davon gehe ich heute aus.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><em>Gemeinderatsprotokoll Oberkochen vom 9.4.1903 – »Bürgerausschuss und Gemeinderat«</em></p>
<p>Hierzu eine nette wahre Geschichte: Mein Urgroßvater Dietrich Bantel (1831 — 1911) war Maler in Ebingen und Mitglied im <strong>Bürgerausschuss</strong> seiner Stadt. – Von ihm habe ich zur Erträglichmachung von langweiligen Schulkonventen oder, ehrlich gesagt, gelegentlich auch sich unnötig lang dahinziehenden Gemeinderatssitzungen, die Fähigkeit ererbt, diese gelegentlich leider nicht vermeidbaren Sitzungs-Längen durch das Fertigen von aus dem Unterbewußten heraus entstehenden zeichnerischen Gebilden, die sich wie Telefonkritzeleien über die Sitzungsunterlagen wucheren, zu verkürzen. Ich könnte ein ganzes Album damit füllen. – Dieselbe Fähigkeit beherrschte auch mein Freund Willibald Mannes, der wie ich bei den »Freien« im Gemeinderat war.</p>
<p>Und nun die Geschichte: Mein Ebinger Bürgerausschuss-Urgroßvater zeichnete einmal wieder. Das war noch im 19. Jahrhundert – während der Sitzung. Da überreichte ihm sein Nebensitzer, ein gehobener Apotheker und ebenfalls Mitglied im Bürgerausschuss, während der Sitzung einen Zettel, auf den er geschrieben hatte:</p>
<p><strong>»Wer Zeit für solche Dinge hat, der sorgt nicht gut für’s Wohl der Stadt« –</strong></p>
<p>was meinen Urgroßvater wohl kaum daran hinderte, seine Kritzeleien in aller Ruhe fortzusetzen, denn vom Apotheker, den er gesundheitsmäßig nicht benötigte, hielt er nicht viel. – Diesen historisch verbrieften Vorgang beschrieb ich so ums Jahr 1975 herum in wenigen schriftlichen Worten meinem neben mir sitzenden und ebenfalls gerade zeichnenden Freund Willibald Mannes und schob ihm meinen Zettel mit der Kurzgeschichte samt Apotheker-Gedicht zu. Nach wenigen Minuten kam der Zettel zurück mit der sich auf das über 100 Jahre alte Geschehen beziehenden Ergänzung:</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><em>Zeichnung meines Urgroßvaters »Hund auf Schranne« (ca. 1882)</em></p>
<p><strong>»Der eine malt, der andre dichtet – beiden ist das Wohl nicht wichtig, – richtig?«</strong></p>
<p>Wenn schon – wie im Falle Bantel/Mannes – in die Verantwortung gewählte echte Gemeinderäte solche Dinge treiben, – wie mag es erst bei den Mitgliedern des Bürgerausschusses zugegangen sein. – Deshalb neige ich eindeutig zu der zuletzt beschriebenen Interpretation des Worts »Schrannafatzer«. Mit<strong> »Schrannafatzer«</strong> können nur mehr oder weniger fähige laus- bis spitzbübische, gelegentlich wohl aber auch wichtigtuerische auf Bänken im <strong>hinteren</strong> Bereich des Sitzungssaales hockende <strong>Bürgerausschuss-Mitglieder</strong> gemeint sein.</p>
<p style="text-align: right;"><em><strong>Dietrich Bantel</strong></em></p></div>
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		<title>Bericht 609: Hexenring</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-609-hexenring/</link>
		
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		<pubDate>Thu, 15 Nov 2012 23:00:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 600-699]]></category>
		<category><![CDATA[Verschiedenes]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><em><strong>Der Hexenring, der Hexenring</strong></em><br><em><strong>das ist ein ganz besondres Ding.</strong></em><br><em><strong>Er wächst wie aus dem Nichts gemacht</strong></em><br><em><strong>rund wie ein Kreis gleich in der Nacht.</strong></em><br><em><strong>In Oberkochen dieses Mal</strong></em><br><em><strong>beim Langertgoischt im Wolfertstal.</strong></em></p>
<p>Unser echt Oberkochener Hexenring wurde am 8. Oktober dieses Jahres in der Wiese etwa halbwegs zwischen dem Aussiedlerhof »Pflugwirt« und dem »Löfflerschuppen« im Wolfertstal fotografiert, unweit des Schuppens, wo früher »Winnetou und die 7 Geißlein« und noch früher ein Pferd namens »Bonny« zuhause waren – etwas talabwärts zwischen Gutenbach und Vizinalweg, unterhalb der Stelle von der wir jüngst über den Wasserrohrbruch der LW berichteten. Da unser Hexenring auch heute noch, am 16. November, zu sehen ist, scheint er es Wert zu sein, dass er im Amtsblatt erwähnt wird.</p>
<p>Tatsächlich hatte sich an der beschriebenen Stelle im Tal über Nacht ein deutlich in der Wiese wahrnehmbarer Kreis gebildet, gut 20 Meter im Durchmesser und von dunklerer Farbe als das ihn umgebende Grasland.</p>
<p>Die Kommentare der zahlreichen Spaziergänger, zu Fuß und mit Hund unterwegs, waren vielseitig und bewegten sich zwischen »dao isch a Raumschiff g‘landat« und »i han gar net gwisst, dasses heut no Hexa gibt«. Eine Dame erinnerte sich sogar an die vor 20 Jahren in englischen Kornfeldern über Nacht entstandenen Kreise und andere geometrische über Nacht entstandene Figuren, die durch die Weltpresse geisterten, und die, wie sich später herausstellte, angeblich von listigen Landwirten fabriziert worden waren, – wobei einige Inselbewohner noch heute auf außerirdische Macher hinweisen. – Einer unserer Kommentatoren wusste zu berichten, dass man vor wenigen Jahren weiter draußen im Tal auf der anderen Talseite nicht nur einen solchen Kreis, sondern gleich deren drei, und wesentlich größere, beobachtet habe, die ebenfalls über einen längeren Zeitraum zu sehen gewesen seien. – Eine weiterer erinnerte sich daran, dass vor einigen Jahren im Amtsblatt von einem »Hexafels auf dem Volkmarsberg« berichtet wurde – im Zusammenhang mit der Walpurgisnacht – oder auch nur so erdacht… (Bericht 409 vom 4.1.2002: »Der Hexafels« – zu finden über Punkt 19 – Suchmaschine auf der Startseite – Eingabe »Der Hexafels«)</p>
<p>Auf einen philosophischen Nenner brachte es ein Bekannter, der kurz und bündig so formulierte:<strong> »Hexa gibt’s heut nemme, aber i kenn gnuag«.</strong></p>
<p>Als Hexenringe oder Feenringe – so beginnt Herrn Googles Erklärung in Wikipedia – werden kreisförmige Ansammlungen von Pilz-Fruchtkörpern bezeichnet, die dadurch entstehen, dass das Myzel eines Pilzes in alle Richtungen gleich schnell wächst. Die Durchmesser dieser Gebilde können altersabhängig sehr groß werden. Hexenringe werden von verschiedenen Pilzarten an ganz unterschiedlichen Standorten gebildet.</p>
<p>Am Ende der Myzelfäden bilden sich das, was der Volksmund als »Pilze« bezeichnet, – der sichtbare Fruchtkörper. Da mit der Zeit die Nährstoffe im Boden im inneren Bereich der »kreisförmigen Pilzansammlung« zur Neige gehen, stirbt das Myzel dort ab und übrig bleibt eine ringförmige Struktur, der sogenannte Hexenring. In der Regel ist ein Hexenring daher ein einziger Organismus. Bei günstigen Bedingungen kann das Myzel sehr schnell Fruchtkörper bilden, somit können solche Ringe buchstäblich über Nacht entstehen. Im Allgemeinen haben Hexenringe Durchmesser von 20 cm bis zu einigen Metern. Der größte bisher entdeckte Ring maß etwa 150 Meter im Durchmesser. In Europa können bei mehr als 60 der bekannten Pilzarten solche Ringstrukturen entstehen.</p>
<p>Auf Rasen verursachen Pilze häufig ganzjährig sichtbare Verfärbungen, weshalb Hexenringe auch zu den Rasenkrankheiten gezählt werden.</p>
<p>Der Name Hexenring oder Feenring geht auf den Volksglauben zurück, da man in diesen runden Formen Versammlungsorte der Hexen oder Feen sah, deren Betreten magisch oder verboten war. Wachstumsorte besonderer Pflanzen, zum Beispiel solcher mit speziellen Heileigenschaften, werden in verschiedenen Kulturen mit Geistwesen verbunden.</p>
<p>Im Hintergrund unseres Fotos sind im Wolfertstal hinter dem Hexenring der »Löfflerschuppen« und die Stallungen der Bullenzucht des Landwirts Balle zu erkennen.</p>
<p style="text-align: right;"><em><strong>Google.de und Dietrich Bantel</strong></em></p></div>
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