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	<title>Berichte 200-299 | Heimatverein Oberkochen</title>
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	<title>Berichte 200-299 | Heimatverein Oberkochen</title>
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		<title>Bericht 200: Übersicht der bisher erschienenen 199 Berichte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Sep 1993 22:00:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 200-299]]></category>
		<category><![CDATA[Verschiedenes]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Als am 22.6.1987 der Heimatverein Oberkochen gegründet wurde, lautete eine unserer damals genannten Zielsetzungen:</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Laufende Veröffentlichungen im Amtsblatt</strong><br><strong>unter dem Titel</strong><br><strong>Oberkochen — Geschichte, Landschaft, Alltag</strong></p>
<p>Unter diesem Titel war ein Jahr zuvor unser Heimatbuch herausgekommen. Daß wir diese heimatkundliche Berichtserie nun bereits im 7. Jahr durchhalten — die Berichte erscheinen in der Regel alle 14 Tage — verdanken wir einer ganzen Reihe von aktiven Mitarbeitern, die ihre private Zeit für oft mühevolle Nachforschungs- und Schreibarbeiten unentgeltlich zur Verfügung stellen, — namentlich Herrn OStD i. R. V. Schrenk, der auch die Hauptarbeit für die heute vorgelegte Übersicht über die 200 Beiträge, geordnet nach Themenbereichen, erarbeitet hat. Ihnen allen danken wir an dieser Stelle sehr herzlich. Wir bedanken uns auch bei der Stadt und bei der Redaktion von BuG, die unsere Beiträge, die eine ungewöhnliche Amtsblattbereicherung darstellen, abdrucken.</p>
<p>Wir freuen uns auch weiterhin über jeden heimatkundlichen Beitrag und Hinweis, der uns von unseren Lesern zugeleitet wird; wir sind davon überzeugt, daß noch viel heimatkundliches Wissen verborgen liegt. Bitte unterstützen Sie auch weiterhin unsere Arbeit.</p>
<p style="text-align: right;">Volkmar Schrenk</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img fetchpriority="high" decoding="async" width="787" height="309" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber200-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10630"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_1 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Bericht 200 bestand aus einer kompletten Bestandsaufnahme aller 199 bis dahin erschienenen Berichte. Das veraltete Verzeichnis an dieser Stelle abzudrucken, macht wenig Sinn, da wir ja, wenn eines nicht allzufernen Tages alle Berichte in diese Homepage übernommen sind, eine komplettes Inhaltsverzeichnis bis in die Gegenwart haben werden. Außerdem ist daran gedacht, die »Suchmaschine« auf zusätzliche Stichwörter hin auszubauen (Siehe die Punkte 4b und 18 auf der Titelseite von <a href="http://www.heimatverein-oberkochen.de" target="_blank" rel="noopener">www.heimatverein-oberkochen.de</a>.</strong></p>
<p style="text-align: right;">Dietrich Bantel</p></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Bericht 201: Oberkochen im 6. und 7. Jahrhundert nach Christus 700 Jahre vor der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 1337</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-201-oberkochen-im-6-und-7-jahrhundert-nach-christus-700-jahre-vor-der-ersten-urkundlichen-erwaehnung-im-jahre-1337/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Sep 1993 23:00:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 200-299]]></category>
		<category><![CDATA[Frühgeschichte, Funde, Ausgrabungen]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Das Jahr 1980 brachte die Oberkochener Geschichtsforschung ein gutes Stück weiter. Das Landesdenkmalamt (LDA) Stuttgart führte unter der Leitung von Dr. Ingo Stork auf dem Grundstück Stelzenmüller, wo anläßlich der Errichtung eines Neubaus alamannische Reihengräber angeschnitten worden waren, eine umfangreiche über mehrere Monate laufende Notgrabung durch, deren Ergebnis war, daß der schon seit längerer Zeit bekannte alamannische Friedhof im Jägergäßle Teil eines großen merowingischen Friedhofs ist, der sich bis in die Frühlingstraße erstreckt, und dessen Belegung in der Zeit des 6. und 7. nachchristlichen Jahrhunderts auf bis maximal 1000 Bestattungen geschätzt wird (Dr. Stork. LDA, am 13.2.1981 in BuG). — was einem entsprechend großen Ur-Oberkochen entspricht.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_1 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="384" height="725" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber201-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-9753"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_3 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>Wir haben unser Interesse, die wichtigsten Funde aus dieser Grabung hierher nach Oberkochen zu bekommen, schon zum damaligen Zeitpunkt bekundet. Nun fielen in die 70-er- u. 80-er Jahre die Untersuchungen des 1968 entdeckten keltischen Fürstengrabs von Hochdorf, die für unsere Region in der Bedeutung der Entdeckung des Grabs des Tut-anch-Amon (1922/23) gleichkamen, und die Schlagzeilen in aller Welt machten. Vor dem Hintergrund der Aufarbeitung dieses bedeutsamen Fundes mußten alle anderen Restaurierungsarbeiten im Lande zurücktreten, und so blieben auch die Oberkochener Funde, die immerhin von »überregionalem Interesse« sind (Dr. Stork, LDA, in »Archäologische Ausgrabungen 1980) unbearbeitet liegen. (Siehe Abbildung 2)</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_2 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="781" height="604" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber201-2.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10592"></span>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="771" height="586" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber201-3.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10497"></span>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_4 artikel-content  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>In den 80-er-Jahren verdichtete sich die Absicht von LDA und Württembergischem Landesmuseum (WLM), auf der Kapfenburg ein zentrales Alamannenmuseum einzurichten. Meine Bemühungen um Rückführung der Funde von 1980 nach Oberkochen wurden mit dem Hinweis, daß man keiner Dezentralisierung im Bereich der Museen zustimmen werde, eine Absage erteilt.</p>
<p>Anfangs der 90-er-Jahre zeichneten sich Finanzierungsschwierigkeiten für das Projekt Kapfenburg ab. Der Plan eines zentralen Alamannenmuseums, der durch die bis heute laufende Alamannengrabung bei Lauchheim zunächst noch Aufwind bekommen hatte, starb. Damit stiegen die Aktien für Oberkochen. Ich wurde erneut an höchster LDA-Stelle vorstellig und erhielt am 23.5.1992 die grundsätzliche Zusage, daß 2 bedeutende Gräber der Grabung in der Frühlingstraße von 1980, das Männergrab Nr. 44 und das Frauengrab Nr. 79, nun doch nach Oberkochen kommen könnten. Am 3.9.1992 erhielt ich die Zusage, daß die beiden genannten Gräber auf Kosten des LDA restauriert werden — allerdings noch ohne eine zeitliche Zusicherung.</p>
<p>Nun kam — mit Schreiben des LDA vom 7.9.1993 — von oberster Stelle des LDA (Prof. Dr. D. Planck) die endgültige Zusage, daß die Grabbeigaben der genannten Gräber so restauriert werden, daß sie rechtzeitig bis zur Eröffnung unseres Heimatmuseums im Schillerhaus im nächsten Jahr in Oberkochen sein werden.</p>
<p>Hier der Wortlaut des Schreibens:<br>Für Ihr freundliches Schreiben vom 1.9.1993 danke ich Ihnen vielmals. Ende September haben wir die nächste Restauratorenbesprechung, wo der weitere Arbeitsplan für das letzte Quartal 1993 besprochen wird. Ich werde auf jeden Fall dafür sorgen, daß die beiden genannten Gräber in dieser Zeit in die Restaurierung hereingenommen werden, so daß sie termingerecht bis April 1994 vorliegen, damit noch gebührend Zeit bleibt, die entsprechende Ausstellung vorzubereiten. Die weiteren Punkte wie Versicherung usw. sind ja inzwischen geklärt. Was noch nicht klar ist, ist die Frage, wem das Gräberfeld von Oberkochen letztlich zugewiesen wird, da inzwischen neben dem Württembergischen Landesmuseum ja auch das Archäologische Landesmuseum (Konstanz) Möglichkeiten der Archivierung hat. Aber darüber entscheidet eine Verteilungskommission, die Ende Oktober unter Leitung von Herrn Ministerialrat R. Jandl vom Ministerium für Familie, Frauen, Weiterbildung und Kunst tagt. Dann werden wir sehen, wer letztendlich mit dem Heimatverein Oberkochen bzw. mit der Stadt Oberkochen den Leihvertrag schließen wird. Aber das sind ja eher formale Dinge. Wichtig ist nun, daß die Restaurierung zügig vorangeht.</p>
<p>Für die freundliche Information über das fertiggestellte Schillerhaus danke ich Ihnen vielmals. Ich bin auch der Überzeugung, daß ein solches Museum in dieser Stadt sinnvoll und notwendig ist und kann Ihnen unsere Unterstützung versichern.</p>
<p>Der Heimatverein freut sich über diesen Erfolg von Herzen und bedankt sich beim LDA für die auch weiterhin zugesicherte Unterstützung seiner Arbeit.</p>
<p>An dieser Stelle danken wir Herrn Rudolf Eber für ein bei Bauarbeiten im Jahr 1964 auf seinem Grundstück in der Keltenstraße gefundenes und uns überlassenes alemannisches Langschwert (spata) samt einer gut erhaltenen Lanzenspitze und weiter für ein ebenfalls gut erhaltenes Kurzschwert (sax), das wir fürs Heimatmuseum erhalten werden.</p>
<p style="text-align: right;">Dietrich Bantel</p></div>
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		<item>
		<title>Bericht 202: Die Urkunde vom 16. Oktober 1343</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-202-die-urkunde-vom-16-oktober-1343/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Oct 1993 23:00:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 200-299]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchen, Friedhöfe, Religion]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Am Gallustag, dem 16. Oktober, jährt sich zum 650. Male der Tag, an dem Abt Kuno von Ellwangen, Dekan Liutfried und der Konvent des Klosters Ellwangen in einem Brief allen, die diesen Brief »sehent, lesent oder hörent lesen« kundgaben, daß sie der Bauernschaft und der Pfarre des Dorfes Oberkochen aus ihrem Zehnten von Oberkochen jährlich sechs Malter Winterkorn und sechs Malter Hafer für 72 Pfund guter und geber (gute, brauchbare) haller« verkaufen. Dieses Korn soll der Pfarrer des Dorfes Oberkochen »ouch selber innemen und niemen anders und sol ouch daz selbe koren haben und niessen ze ainer phründe daz er da von uff der pharregottez dienst dester baz (besser) vollbringen mug (kann)«. Falls die genannte Menge Kornes „von hagels wegen oder von eisezz (Eises) wegen«, oder auch aus anderen Gründen aus dem Oberkochener Zehnten nicht aufgebracht werden kann, versprechen Abt Kuno, Liutfried, der Dekan, und der Konvent auch für alle ihre Nachkommen, das fehlende Korn dem Pfarrer zu Oberkochen aus ihrem Zehnten zu »Nidernkochen« (Unterkochen) zu geben. Dieser Brief, versehen mit den Siegeln der Abtei und des Konventes wurde geschrieben »do man zalt von Christes Geburt drinzehen hundert jahr und dahr nach in dem driundviertzgosten jahr an sant gallen tag«.</p>
<p>Wie im Salbuch der Ellwangischen Abtei- und Klostergüter des Amtes Kochenburg von 1532 berichtet wird, hat die Pfarrei Oberkochen »etwan zu der pfarr zu Underkochen gehört, aber uß grosser fürpitt aines apts von Königsbronnen, sampt ainer gemaind zu Oberkochen hatt ein herr us Elwangen ain pfarr daraus gemacht, und ainen pfarrer uß gnaden jerlich geben sechs malter dinkels, sechs malter habers und etlich klein zehenden sampt einer wiß (Wiese).« Dieser Salbucheintrag bestätigt, daß mit dem Ellwangischen Brief vom Gallustag des Jahres 1343 die Gründung einer eigenständigen Pfarrei in Oberkochen vollzogen wurde.</p>
<p><strong>Quellen:</strong><br>Urkunde: Staatsarchiv Ludwigsburg Bestand B 389 U 1693. Die Reproduktionsgenehmigung des Staatsarchivs Ludwigsburg für diese Urkunde liegt vor.<br>Herrn Dr. Hofmann, Staatsarchiv Ludwigsburg, danke ich für die freundliche Unterstützung bei der Suche nach den Gründungsurkunden der Pfarrei Oberkochen.<br>Salbuch von 1532: Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand H 222 Bd. 215.</p>
<p style="text-align: right;">Dr. Joachim Kämmerer</p></div>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
			</div>
				
				
			</div>
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			</item>
		<item>
		<title>Bericht 203: Abgegangene Weiler auf Oberkochener Gemarkung — Wo lag einst Ottmannsweiler?</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-203-abgegangene-weiler-auf-oberkochener-gemarkung-wo-lag-einst-ottmannsweiler/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Oct 1993 23:00:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 200-299]]></category>
		<category><![CDATA[Frühgeschichte, Funde, Ausgrabungen]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Weit größer als gemeinhin angenommen, ist die Zahl der abgegangenen mittelalterlichen Weiler und Kleinstsiedlungen auf dem Gebiet der Ostalb. Dies gilt in besonderem Maße für den Albuch, der einstmals feldwirtschaftlich weitaus stärker kultiviert und von zahlreichen kleinen Ortschaften durchsetzt war, deren genaue Lage heute oft nicht mehr bekannt ist. Die Namen dieser Orte sind größtenteils in den Lagerbüchern als Namen von Feld- oder Walddistrikten erhalten geblieben.</p>
<p>Die Gründe für ihr Verschwinden sind sicher mannigfaltig, doch kann davon ausgegangen werden, daß nicht der Dreißigjährige Krieg als Ursache für ihr Wüstwerden in Frage kommt, denn die meisten existierten schon im 15. Jahrhundert nicht mehr. Einer der Gründe könnte die im 14. Jahrhundert zunehmende Klimaverschlechterung gewesen sein, die eine Feldwirtschaft in den Höhenlagen über 500 Metern sehr schwierig, wenn nicht unmöglich machte, wobei ohnehin davon ausgegangen werden darf, daß es ein karges Brot gewesen ist, mit dem die Bewohner ihr Dasein fristen mußten. Denn diese mittelalterlichen Ortsgründungen hatten nur die verbliebenen Lücken des alten Siedlungslandes gefüllt, sie lagen daher oft am Rande einer Markung oder auf schlechteren Böden. Und so wird klar, daß von der Vielzahl dieser kleinen Weiler nicht auf eine einstmals größere Bevölkerungszahl geschlossen werden kann, ebenso aber auch, daß ihre Bewohner sich höchstwahrscheinlich größtenteils benachbarten Ortschaften mit günstigeren Verhältnissen angeschlossen haben werden, wodurch in der Folge ihre wüstwerdenden Felder in Holzmähder oder Waldungen umgewandelt wurden.</p>
<p>Der in »Bürger und Gemeinde« veröffentlichte Bericht Nr. 47 des Heimatvereins Oberkochen, den Dietrich Bantel nach ihm vorliegenden Unterlagen des Landesdenkmalamtes verfaßt hat, führt sechs abgegangene Weiler auf Oberkochener Gemarkung an: <strong>Stephansweiler</strong>, <strong>Zwerenberg</strong>, <strong>Kreutzheim</strong>, <strong>Treisbach</strong>,<strong> Echmannsweiler</strong> <strong>und Ottmannsweiler</strong>. Im Bewußtsein der Bevölkerung ist von allen jedoch nur Stephansweiler geblieben, an den ein Flurname die Erinnerung wachgehalten hat, der die Lage der ehemaligen Siedlung zwischen Ober- und Unterkochen annehmen läßt. Auch Zwerenberg, Kreutzheim und selbst Treisbach dürften sich wahrscheinlich lokalisieren lassen. Ganz anders verhält es sich jedoch mit <strong>Ottmannsweiler</strong> (auch <strong>Utzmannsweiler</strong> genannt) oder <strong>Echmannsweiler</strong>, an die kein Oberkochener Flurname mehr erinnert und die als »1471 abgegangen« aufgeführt wurden.</p>
<p>So bot dieser Artikel einen Anreiz zu ihrer Suche, die aber lange kein Ergebnis zeitigte.</p>
<p>Einen ersten kleinen Hinweis auf <strong>Ottmannsweiler</strong> lieferte die Heidenheimer Oberamtsbeschreibung aus dem Jahre 1844. Bei der Ortsbeschreibung von Königsbronn wird als Zubehör der Erwerbungen König Albrechts des I. für die Gründung des Zisterzienserklosters aus einer Urkunde aus dem Jahre 1302 neben Itzelberg, Weikersberg, Zahnberg und weiteren auch »Utzmannsweiler (unbekannt)« genannt.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_5 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="780" height="845" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber203-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10586"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>In der »Urkundenlese zur Geschichte der Schwäbischen Klöster«, einem Beitrag für die »Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins« aus dem Jahre 1859 wurde dieses »unbekannt« noch erhärtet durch den Hinweis: »von Utzmannsweiler ist nicht einmal ein Gemarkungsname übrig.«</p>
<p>Etwas Hoffnung verbreitete wiederum eine wissenschaftliche Abhandlung von Alfred Jäger »Aus der Geschichte der Gemeinde Oberkochen«, die im Jahre 1956 im Amtsblatt veröffentlicht wurde, und in der es über Oberkochen heißt: »Unter den Weilern, die König Albrecht I. von Habsburg im Jahre 1302 von dem Grafen v. Helfenstein erwarb, zur Stiftung der Abtei Königsbronn, wird auch »Utzemansweyler« genannt. Das Lagerbuch von 1471 verzeichnet eine Holzmark zu »Ottmannsweiler« bei 40 Jauchert groß.</p>
<p>Allem Anschein nach sind die beiden Gebietsteile miteinander identisch und auf dem Albuch westlich von Oberkochen zu suchen. Denn als Zubehör der Königsbronnischen Lehensgüter zu Oberkochen werden Holzmähder zu »Othmansweiler« bzw. »Authmannsweiler« (im Lagerbuch »Authmansweyler« geschrieben).</p>
<p>Dann half der Zufall kräftig nach. Beim intensiven Studium eines im Heidenheimer Jahrbuch 1991/92 erschienenen Artikels von Heinz Bühler »Zur Geschichte des Albuchs« fand sich ein überraschender und <strong>gleichermaßen verblüffender Hinweis auf die Lage von Ottmannsweiler:</strong></p>
<p>»Nördlich von Weikersberg, im Tiefental beim Hubertusbrunnen auf Gemarkung Oberkochen, lag Utzemannsweiler (1302), später meist Ottmannsweiler genannt.«</p>
<p>Da stand es nun schwarz auf weiß, doch woher stammte dieses Wissen? Heinz Bühler war inzwischen verstorben, aber sein Hinweis unter den Literaturangaben auf eine freundliche Mitteilung von Herrn Eberth führte ins Königsbronner Archiv.</p>
<p>Im Waldlagerbuch des Klosters Königsbronn von 1699, Hölzer auf dem Albuch, werden auf den Seiten 178 bis 197 die Holzmarkungen der <strong>Bülz</strong> beschrieben, als erstes die »Bülz zu Ottmannsweyler und Oberkocher Aichhalden«, die sich im Besitz des Klosters befand.</p>
<p>Es folgen: »Bülz mit Össinger Gemeindtholz, Bülz mit der Hern von Wöllwarth Holz, des Wolff Carls Häulen genannt — Bülz mit Össinger Gemeindholz, der Schönhasel genannt — Bülz mit der Hern von Wöllwartt Holz, das Hailigen Hau genannt — Bülz mit Oberkochener Gemeindtholz«.</p>
<p>Und über die Bülz zu Ottmannsweyler heißt es:<br>»All dieses Königsbronnische Gehölz genannt Bülz, ligt derenden an einem stück aneinander in einem runden bezürckh und ziehen die anstößer umb dasselbige herum von anfang bis zum end und der Ordnung nach wie folgt«:</p>
<p>Es folgt die Aufzählung der oben genannten Hölzer und sie endet »mit der (angrenzenden) Probstey Ellwangen Holz, so über die Bülz in das Hagental hinabziehet«. Wichtig für das Verständnis dieser Lagebeschreibung ist der Hinweis, daß die Anstößer, d. h. die angrenzenden Waldbesitzer der Ottmannsweyler Bilz, durchweg »zur linken hand«, also an der linken Seite bleiben müssen. Die Lage der »Bülz mit der Probstei Ellwangen Holz« wird an anderer Stelle des Lagerbuches, auf Seite 208, folgendermaßen beschrieben:</p>
<p>»Dises der Probstey Ellwangen holz, liegt nun an dem Königsbronnischen Gehölz linker hand hinab, biß in das Ottmannsweiler thal *).</p>
<p>*) = Das Ottmannsweilertal — nur an dieser Stelle taucht diese Nennung ein einziges Mal auf — müßte demnach ein Teil des unteren Tiefentals gewesen sein.</p>
<p>Von demselbigen hinauff in das tieffenthal, wie das hagenthal und das Össinger gemeindholz oben herab zihen, allwa, wie vorum folio 197 b zu sehen, mit dem Königsbronnischen holz der Bülz und der Össinger gemeindholz der anfang gemacht worden.«</p>
<p><strong>Ganz eindeutig sind es Beschreibungen von Teilen der Bilz</strong>, die heute zum größten Teil Staats- und zum kleineren Gemeindewaldungen sind.</p>
<p>Die Grenzbeschreibung des für uns interessanten nördlichen Teiles beginnt dort, wo das Hagental an das Tiefental stößt, führt dann in einem Bogen (»runder bezürckh«) an der Essinger Gemarkung entlang — Schönhasel und Heiligen Hau sind noch heute auf topographischen Karten zu finden — führt an der ehemaligen »Oberkochener Bülz« entlang, trifft auf den südlichen Teil der Bilz, der ehemals ellwangisch war und führt wieder nach Norden ins Hagental zum Ausgangspunkt zurück.</p>
<p>Nun liegt der Hubertusbrunnen im Tiefental selbst vom Ausgangspunkt dieser Bilzbeschreibung schon etwa 700 Meter entfernt in einem tiefen Taleinschnitt, der für die Anlage eines Weilers denkbar ungeeignet erscheint, zumal die durchschnittliche Gemarkungsgröße solcher mittelalterlichen Weiler mit ihren meist quadratischen Blockfluren etwa zwei Quadratkilometer betrug (Karl Weller, Geschichte des Schwäbischen Stammes bis zum Untergang der Staufer, S. 130) und soviel Platz gibt es an dieser Stelle einfach nicht. Die Zweifel an einer Lage dort wurden bei einer Ortsbegehung mit Hans Gold (Schmidjörgle) noch genährt, der, als erfahrener Bauer und bestens vertraut mit dem Oberkochener Wald, jedoch eine frühe Besiedlung der Bilz in ihren nördlichen Teilen durchaus für möglich hält. Schließlich wissen wir auch aus der jüngeren Geschichte, daß sich Einwanderern nach dem Dreißigjährigen Krieg dort Überlebenschancen boten und noch später der legendäre Bilzhannes dort hauste.</p>
<p>Für die östlichen Teile der ehemaligen Klosterbilz wollte er eine Besiedlung ausschließen, da eine zuoberst liegende Feuersteinschicht, unter der sich zwar auch fruchtbare Erdschichten befänden, für eine bäuerliche Nutzung nicht geeignet seien. »Die Landwirtschaft braucht eine gute obere Krume«.</p>
<p>Gleichwohl hat Herr Eberth am Hubertusbrunnen mittelalterliche Scherben gefunden, die beim Geländeanschnitt anläßlich eines Wegebaues zutagetraten, und zweifellos bedarf dieser Fund noch einer Erklärung. Weitere Recherchen im Hauptstaatsarchiv Stuttgart lassen nur den Schluß zu, daß Ottmannsweiler auf der Bilz gelegen hat.</p>
<p>So heißt es schon in einer früheren Beschreibung der Königsbronner klösterlichen Holzmarken auf dem Härtsfeld und Aalbuch von 1538 über die Bilz: »und dieweil es (dies) gemein und bekhant nam dieses holz jäziger zeyt (jetziger Zeit), die bülze ist, und das geiend des aichhalden und ottmannsweyler sich .. (unleserlich) ist deswegen die selbig bulz ain namen eingeführt und weiter heißt es, daß die Kochener Gemeinde, »das es Folcker Berg (Volkmarsberg) und wie sie die geiend war einst sonderen namen nennen »Anstößer gegen Königsbronn sind«, bis wieder zun der bropstey Waldt, so die Bülz genant wurt.«</p>
<p>Ähnlich wie im Waldlagerbuch von 1699 werden die beiden Hölzer <strong>Othmannsweyler und Kochamer aich halden</strong> beschrieben: Diese beiden Hölzer liegen an einem Stück und zwischen den hernachbeschriebenen Anstößern, die zu links darum gelegen sind. Auch hier wird, »wie das dürffental und das hagentthal zuo sammen stossen« oberhalb des »mädlings des jörg märrz zu Oberkochen wittib«, mit der Beschreibung begonnen.</p>
<p>Das Holz und Waldlagerbuch des Klosters aus dem Jahre 1577 unterscheidet verwirrenderweise zwischen Bülltz und Büllz 1. Bei ersterer wird auf einen Eintrag im Salbuch hingewiesen: »Item die Aichhalden zu kochen ist bei zwayhunderdt Jauchardt, item Otmannsweiller die holzmarck ist bey viertzig Jauchardt.« (Ein Württ. Jauchert = 47 ar 28 qm = 1 1/2 Morgen).</p>
<p>Die Bülz 1 verzeichnet einen Verkauf des ganzen Baumbestandes zur Verkohlung an die Gewerken der Eisenschmiede zu Oberkochen, hier ist auch von <strong>Ottmannsweiler Mähdern</strong> mit einer Größe von elf Jauchert und zweihundertsechzig Ruthen die Rede.</p>
<p>Daß Ottmannsweiler aber doch nicht so ganz in Vergessenheit geraten war, wie anfangs vermutet, zeigte ein Blick in den Historischen Atlas v. Württ., herausgegeben v. der Kommission für Landesgeschichte, Karte IV 23. abgegangene agrarische und gewerbliche Siedlungen. Da ist die Lage von Utzmannsweiler oberhalb des Brenzursprungs eingezeichnet, wie sich unschwer erkennen läßt. Dies muß nach allem Aufgezeigten jedoch sehr unwahrscheinlich anmuten, unwahrscheinlicher noch als die Lage am Hubertusbrunnen. Alles spricht eindeutig für die sagenumwobene Bilz.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="717" height="812" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber203-2.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10333"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Quellen:<br>Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand H102/39 Bde. 6 und 105<br>Königsbronner Archiv Forstlagerbuch von 1699<br>Dank gilt: Dem Forstamt Oberkochen und seinen Mitarbeitern, Herrn Hans Gold (Schmidjörgle). Herrn Dieter Eberth, Königsbronn</p>
<p style="text-align: right;">Marika Kämmerer</p></div>
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		<item>
		<title>Bericht 204: Fotokartei des Heimatvereins</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-204-fotokartei-des-heimatvereins/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Nov 1993 23:00:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 200-299]]></category>
		<category><![CDATA[Bilder, Ansichten, Karten]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Vor kurzem konnte in der Fotokartei des Heimatvereins Oberkochen das 600. Foto registriert werden. Diese erfreuliche Tatsache nehmen wir zum Anlaß, wieder einmal auf unsere Bilddokumentation hinzuweisen.</p>
<p>In der Sammlung sind Fotos verschiedenartigster Themen und Herkunft zusammengetragen. Mit 180 Aufnahmen hält die Gruppe »Menschen in Oberkochen« die Spitze. Im Mittelfeld rangieren mit 60 bis 90 Fotos die Gruppen »Feste und Feiern«, »Kirchen, Schulen, Kindergärten«, »Vereine«, »Öffentliche Einrichtungen und kommunales Geschehen«. »Gasthäuser«, »Straßen und Plätze«, »Gewässer, Höhlen, Besonderheiten in Feld und Flur« sind mit je bis zu 50 Aufnahmen vertreten.</p>
<p>Viele einzelne Spender haben zum Aufbau der Fotokartei beigetragen; ihnen sei herzlicher Dank gesagt. Wesentliche Beiträge kamen von Rolf Stelzenmüller, der auch zahlreiche Reproduktionen gefertigt hat, von Robert Wolff, Helmut Kranz, Dietrich Bantel und aus der Sammlung Kuno Gold, dafür ebenso herzlichen Dank! Heute soll das Foto mit der Nummer 600 vorgestellt werden. Es ist in der Festausgabe von BuG zum 25jährigen Stadtjubiläum enthalten. Frage: Was stellt es dar?</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="787" height="751" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber204-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10634"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>a) Eine Tiefenbohrung zur Anzapfung des Aalener Thermalwassers?<br>b) Eine Bohrung auf der Suche nach einer Erdölquelle?<br>c) Die Baugrunduntersuchung für das neue Rathaus am Eugen-Bolz-Platz?</p>
<p>Da Sie, verehrte Leserinnen und Leser, nun schon mal beim überlegen sind, könnten Sie sich bitte auch einige Gedanken darüber machen, ob Sie vielleicht nicht einige Fotos möglichst aus früheren Tagen haben, die Sie dem HVO zur Verfügung stellen könnten. Natürlich sind auch Aufnahmen neuer Zeit willkommen, denn sie werden im Lauf der Jahre auch »älter«. Falls es Ihnen schwer fallen sollte, sich von liebgewordenen Aufnahmen zu trennen, wären wir auch für kurzzeitige Überlassung dankbar.</p>
<p>Wenn Sie mithelfen wollen, in unserer Fotokartei die Zahl 1000 zu erreichen, wenden Sie sich bitte an Dietrich Bantel, Martin Gold oder an mich als Betreuer der Sammlung. Im voraus herzlichen Dank!</p>
<p style="text-align: right;">Volkmar Schrenk</p></div>
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		<item>
		<title>Bericht 205: Oberkochener Phantom, eine Bedürfnisanstalt</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-205-oberkochener-phantom-eine-beduerfnisanstalt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Nov 1993 23:00:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 200-299]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentl. Einr., Bahn, Banken, Energie, Markt, Post, Wasser usw]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Ein Phantom, zu deutsch ein Trugbild, war sie für die Oberkochener stets gewesen: beim Bahnbau von Staats wegen mitgeliefert verwehrte dem Normalbürger die Bahnsteigsperre ungehinderte Erledigung seines Bedürfnisses, der Benutzer mußte entweder Reisender sein oder eine Bahnsteigkarte kaufen. Seit der Bahnhofsrenovierung im Jahre 1949 geisterte es durch Akten und Zeitungsartikel, immer wieder gewünscht, aber nirgends gerne gesehen, in alter Plumps-Clo-Zeit hygienischen Ansprüchen nicht genügend, im modernen Gewand und vollautomatisch zu teuer. So mußten und müssen Einheimische und Fremde ihre Bedürfnisse ohne entsprechende »Anstalt« mit sich und der Umwelt ins Reine bringen.</p>
<p>Manche Leserin und mancher Leser wird nun naserümpfend denken, o welch eine anrüchige Geschichte. Weit gefehlt! Als 1953 das Amtsblatt »Bürger und Gemeinde« ins Leben gerufen wurde, bemächtigte sich unser Phantom auch dessen Spalten. Davon soll nun die Rede sein, denn wir finden dort oft amüsant gehaltene Auseinandersetzung zwischen Bedürfnis und Bedarf, ernsthaft geführte Verhandlungen um Wunsch und Wirklichkeit, die sogar Landrat, Innenminister und Landtag beschäftigen.</p>
<p>Gehen wir nun chronologisch durch die einzelnen Jahre der BuG-Bände.</p>
<p><strong>1953: Ohne Ergebnis</strong><br>Eine »kleine Anfrage die Bedürfnisanstalt beim Bahnhof betreffend« eröffnete den Reigen und stellt fest, das Wort »Bedürfnisanstalt« sei zwar so häßlich wie der entsprechende Oberkochener Ort. Dennoch sei die Frage nach dem Stand der Dinge aufzuwerfen, »denn auch ein Ab-Ort müsse noch ein menschenwürdiger Ort sein«.</p>
<p>Der Zustand der Hütte, Gebäude könne man nicht sagen, sei »eine denkbar schlechte Visitenkarte für einen aufstrebenden Industrieort«.</p>
<p>Vornehm zurückhaltend fällt die Antwort aus: »Zur Ehre der Bundesbahn muß gesagt werden, daß sie sich seit Jahren um Verbesserungen bemühe und schon einiges erreicht hat . .«. Aber nun war da das liebe Geld, und selbiges reichte vorn und hinten nicht und am allerwenigsten für das besagte Örtchen. In Zeiten der Geldknappheit wird versucht, andere anzupumpen. So auch die Bahn. Sie meinte, wenn eine bundesbahneigene Einrichtung von der Öffentlichkeit benutzt wurde, müsse diese also in unserem Fall die Gemeinde Oberkochen, sich finanziell beteiligen.</p>
<p>Die Gemeinde ihrerseits zierte sich aus gutem Grund, denn »es sind zahlreiche eigene hygienische Sanierungsmaßnahmen durchzuführen wie z.B. Kanalisation und an der Hauptstraße die Beseitigung mehrerer Dunglegen«, besser bekannt als »Misten«. Außerdem sei »das Maß der Mitbenutzung« des bahninternen Locus durch Oberkochener — davon sollte der Finanzbeitrag abhängig sein — »nur schwer abzuschätzen, geschweige denn exakt zu erfassen«. Da man nicht so weit gehen wollte, diese Grundsatzfrage durch Testpersonen aufhellen zu lassen, schlossen sich die Akten für das Jahr 1953 unverrichteter Dinge.</p>
<p><strong>1954: Guter Rat</strong><br>Eine Glosse »Bundesbahn, nix Kultura« brachte im Februar 1954 unser Phantom wieder ans Tageslicht. Angeregt durch »neuartige Aborte sparsamster Ausführung bei der Ost-Reichsbahn« wurde vorgeschlagen, sich in der Oberkochener Angelegenheit, beim »erfinderischen östlichen Abortreferenten« Rat zu holen. Jener hatte zwar keine Neuerfindung gemacht, sondern das alte französische Steh-Clo wieder entdeckt, und, so wurde geschrieben, »ein Abort mit Stehplätzen könne sich auch in Oberkochen besser sehen lassen als die bestehende Laternenpfahlpraxis«.</p>
<p>Doch Laternenpfahl hin, fehlendes Örtchen her, — dies war das einzige Lebenszeichen unseres Phantoms bis zum Jahr 1956.</p>
<p><strong>1956: Verstopfung</strong><br>Am 1. Juni 1956 befaßte sich der Oberkochener Gemeinderat mit dem Umbau des Bahnhofvorplatzes und in diesem Zusammenhang »wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, auch das Abortproblem möge gelöst werden«. Dabei blieb es dann auch, wenngleich die Bundesbahn der Gemeinde großzügig und »gebührenfrei gestattete, in der Mitte des Bahnhofvorplatzes einen Lichtpilz zu setzen«, litt sie weiterhin in der bewußten Angelegenheit an chronischer Verstopfung.</p>
<p><strong>1957: Hickhack</strong><br>Über ein halbes Jahr verging bis zum nächsten Schlagabtausch. Am 11. Februar 1957 nahm sich der Gemeinderat unter Vorsitz von Bürgermeister Bosch intensiv der »Erneuerung der öffentlichen Abortanlage beim Bahnhof« an, denn die Bahn hatte verlauten lassen, »50.000 DM sind für einen Neubau notwendig — und die Bundesbahn kann diesen Betrag nicht aufbringen«.</p>
<p>Bei der »sehr sachlich, aber nicht ohne gewisse Verbitterung« geführten Diskussion standen sich zwei Meinungen gegenüber. Die Bundesbahn argumentierte, sie sei nicht verpflichtet, beim Bahnhof eine Abortanlage zu betreiben, die »Fahrgäste können ihr Bedürfnis in den Zügen verrichten«. Was die Finanzlage der Bahn betreffe, bringe der Bahnhof Oberkochen nicht die zu erwartenden Einnahmen. Der Personenverkehr sei zwar bedeutend, aber »der Ertrag aus dem Güterverkehr sei trotz der wertmäßig sehr erheblichen Produktion ortsansässiger Firmen verhältnismäßig gering«, weshalb Gemeinde und Industriefirmen der Bahn unter die Arme greifen sollten.</p>
<p>Der Gemeinderat hielt dem entgegen, man habe der Bahn schon erhebliche Mittel zur Umgestaltung des Bahnhofplatzes zukommen lassen. Der Berufsverkehr werde künftig »mit der Haupthaltestelle Bahnhof« auch durch Omnibusse bedient werden. »Wie, bitte schön, stellt sich die Bahn die Erledigung der Bedürfnisse ihrer Bahnbusfahrgäste vor?«, war eine wichtige Frage. Da die noch bestehende baufällige Abortanlage ein Ärgernis und Gefahrenpunkt für Übertragung ansteckender Krankheiten sei, wurde beschlossen:</p>
<p>»1. Die Gemeinde Oberkochen fordert, die gesundheitspolizeilich unzulässige Abortanlage unverzüglich zu beseitigen.<br>2. Die Gemeinde Oberkochen fordert die Erstellung einer den hiesigen Bahnhofsverhältnissen angemessenen Abortanlage und bittet den Landtagsabgeordneten Landrat Dr. Huber um Unterstützung, notfalls durch einen Antrag im Landtag«.</p>
<p>Damit war nun eindeutig das Oberkochener Phantom zur Sache der Bundesbahn geworden und hatte auch Einzug in die hohe Landespolitik gehalten. Aber ‘es kreißt der Berg und heraus kommt eine Maus’, so auch in unserem Fall. Eine Planung der Bahnverwaltung für Umbau und Modernisierung des Oberkochener Bahnhofs wurde im September 1957 vorgelegt, und — wie Bürgermeister Bosch feststellte — und es war auch ein Kleinabort im Inneren des Bahnhofs vorgesehen, der für die Öffentlichkeit so gut wie nichts nützt«, — und damit war wiederum Funkstille bis zum Jahre 1959.</p>
<p><strong>1959: Millionenprojekt</strong><br>In diesem Jahr geisterte unser Phantom durch die große Politik und wurde so landesweit ruchbar. Landrat Dr. Huber unterzog sich seiner Hausaufgabe gewissenhaft und wollte in einer »Kleinen Anfrage« im Landtag wissen, ob »der Bahnhof Oberkochen bei den Maßnahmen zur Verbesserung der Verhältnisse an Bahnhöfen mitberücksichtigt worden sei«, und falls dies nicht der Fall sei, ob »die Landesregierung bereit sei, die Verhältnisse am Bahnhof Oberkochen zu prüfen?«</p>
<p>Einige Monate später flatterte ein Schreiben von Innenminister Renner auf Bürgermeister Boschs Schreibtisch, das »die derzeitigen Anlagen beim Bahnhof Oberkochen verbesserungsbedürftig« nennt und von einem Vorentwurf berichtet, der »mit einem Kostenaufwand von rund 1,8 Millionen DM den Bau eines dritten Hauptgleises, einer Bahnsteigunterführung mit Bahnsteigüberdachung und eine Erweiterung des Empfangsgebäudes mit Einbeziehung der Bahnsteigunterführung und — gewissermaßen als Tüpfelchen auf dem i der Millionen — eine neue Abortanlage vorsieht«: klassischer Fall einer positiven Antwort, die in Wirklichkeit eine Absage war. Denn was von diesem grandiosen Plan nach 44 Jahren verwirklicht ist, mag man selbst in Augenschein nehmen. Auch Bürgermeister Bosch sah die Felle Oberkochener Hoffnungen den Kocher hinabschwimmen und meinte, »die Regierung müsse zwar in längeren Zeiträumen denken und planen, hoffentlich aber würden die sofort notwendigen kleinen Maßnahmen nicht im Blick auf die »Endlösung« auf viele Jahre zurückgestellt«.</p>
<p><strong>1960: Zukunftsmusik</strong><br>Zunächst aber blieb die Gemeindeverwaltung am Drücker. Etwas war nämlich geschehen: »Der seit längerer Zeit nicht mehr benutzbare Abort beim Bahnhof« war der Spitzhacke zum Opfer gefallen, was aus »ästhetischen und hygienischen Gründen begrüßt« wird, so schrieb Bürgermeister Bosch.</p>
<p>Gleichzeitig erinnerte der Bürgermeister an die Landtagsinitiative und an das Schreiben des Innenministers, das er im Wortlaut nochmals mitliefert. Auch appelliert er eindringlich an die Bundesbahnverwaltung, lieber mit kleinem Aufwand bald eine Lösung zu schaffen, als »auf die Zukunftsmusik des Innenministeriums zu bauen«.</p>
<p>Die Antwort der Bahn ließ nicht lange auf sich warten: »Zur Zeit stehen selbst für eine kleine Lösung keine Mittel zur Verfügung«. Der Schuppen werde behelfsmäßig instandgesetzt, im übrigen bleibe nur geduldiges Zuwarten — und »die Hoffnung, im nächsten oder übernächsten Jahr etwas Besseres schaffen zu können«.</p>
<p><strong>Epilog</strong><br>Das Phantom, über das berichtet wurde, war nicht vorrangig ein Problem der Bundesbahn, sie kam aus Gunst oder Ungunst der Umstände dazu. Unser Phantom war stets kommunaler Abstammung mit endloser Geschichte, die aber durchaus auch amüsante Züge trug, wie auch das im Jahr 1957 in BuG veröffentlichte Gedicht von Heinrich Seifert zeigt:</p>
<p style="text-align: center;">»Bedürfnisse — Zerwürfnisse<br>Also lautet ein Beschluß<br>daß sich der Mensch entleeren muß;<br>und aus eben diesem Zwecke<br>verschanzt er sich in einer Ecke,<br>und hinter der verschlossenen Tür<br>entleert er sich ganz ohn’ Genier.<br>Häuschen werden aufgerichtet<br>und entsprechend abgedichtet,<br>damit kein Ärgernis entsteht,<br>wenn jemand vorübergeht.<br>In Oberkochen, o wie dumm,<br>ist dieses »Haus« schon alterskrumm;<br>zum Anblick ist es eine Schande,<br>- dies bemerk ich nur am Rande -<br>zwecks Erneurung wird verhandelt, -<br>bis heut hat sich nichts angebandelt<br>und schon seit der Jahre sieben<br>ist man ohne Erfolg geblieben,<br>denn fünfzigtausend Deutsche Mark<br>soll kosten der Bedürfnispark …«</p>
<p>Ja, und so ist es bis heutigen Tags geblieben und wird es auch weiterhin bleiben, es sei denn, ein reicher Prinz erlöst unser Phantom und macht es doch noch zu dem, was es immer werden wollte: ein öffentliches WC. Sicher ist nur, daß dem Heimatverein noch viel Zeit bleibt, die jüngere Geschichte des Bedürfnisanstaltsphantoms aufzuarbeiten.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="784" height="1039" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber205-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10614"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Zu den Fotos:</strong></p>
<p><em>Aufnahme 1:</em><br>Die aus den frühen Fünfzigerjahren stammende Aufnahme zeigt im Vordergrund den Oberkochener Bahnhof. Rechts vom Empfangsgebäude ist das bahneigene und wie es im Gedicht heißt »alterskrumme Haus« deutlich auszumachen.</p>
<p><em>Aufnahme 2:</em><br>Bahnhof Oberkochen nach der Renovierung im Juni 1955 (rechts am Bildrand das bewußte »Haus«) — Die Aufnahme stellte dankenswerterweise der frühere Bahnhof vorstand Herr Feil zur Verfügung.</p>
<p style="text-align: right;">Dietrich Bantel</p></div>
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			</div>
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			</item>
		<item>
		<title>Bericht 206: Oberkochener Dorfgeschichten — Teil 1 nach den Schultheißen-Amtsprotokollen aus den Jahren 1827/28</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-206-oberkochener-dorfgeschichten-teil-1-nach-den-schultheissen-amtsprotokollen-aus-den-jahren-1827-28/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Dec 1993 23:00:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 200-299]]></category>
		<category><![CDATA[Sitten, Gebräuche, Erinnerungen]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Der zerbrochene Krug</strong><br>Beim Ochsenwirt Pfisterer sitzen am 30. November 1827 spät noch — »es ist 8 Uhr in der Nacht« — einige Oberkochener im Schein der Erdöllampe am Gasttisch: Joseph G., Sebastian F., Franz B. und einige andere. Von Persönlichem und Allgemeinem wird geredet, Lokalpolitik und ein wenig Dorfklatsch würzen die Gespräche. War da nicht erst vor kurzem bekanntgeworden, eine Hafnersfrau »kuriere Krankheiten empathisch« und habe enormen Zulauf. Namen von Geheilten werden gehandelt, sogar »Herrn Pfarrer Lauthens Dienstmagd« war darunter, oder eine »Weibsperson aus Königsbronn, die einen Gulden dafür bezahlt hat«. Selbst der Oberkochener Revierförster ließ so sein Zipperlein behandeln, zwei Unterkochener waren im Schutze der Nacht ins Hafnerhaus geschlichen und selbst ein »inzwischen verstorbener Ziegeler aus Aalen« hatte Linderung gesucht, was aber offensichtlich nicht viel genützt hatte.</p>
<p>Natürlich wurde nicht nur geschwätzt, sondern auch dem frisch gebrauten Bier zugesprochen und die Zungen lösten sich. Woher er denn seine Blatternnarben im Gesicht habe, wollte da F. von seinem Nachbarn G. wissen. Ob die Wunderheilerin habe nicht helfen können, spottete er. Der so Angegangene bekam einen roten Kopf, lenkte aber das Gespräch auf ein anderes Thema. Der neue Lehrer der katholischen Schule hatte vor einiger Zeit geheiratet, Balluff hieß er und war von den Fildern nach Oberkochen gekommen, offenbar ein sehr musikalischer Mann. Vor ein paar Wochen habe er ein sehr schönes Weib heimgeführt, die Tochter des Dewanger Schultheißen, so wurde erzählt, und damit eine recht gute Partie gemacht.</p>
<p>Dieses Thema war dem F. ein »gefundenes Fressele«. Er hakte sofort ein und meinte, G. habe es nicht so weit gebracht und sich mit einer armen Witwe aus dem Brunkel begnügen müssen. Nun nahmen die Dinge ihren Lauf: Aus Sticheleien wurden Beleidigungen, Hänseleien gerieten zu »Schimpfworten, wie sie dem Beleidigten seit seiner Militärzeit und Verheiratung nicht mehr zu Ohren gekommen waren«. G. wurde nicht nur noch röter, er sah auch rot und »versetzte dem bösartigen F. im Zorn einen Schlag mit dem Bierkrug«.</p>
<p>Am folgenden Morgen machte Polizeidiener Gold seinem Chef Schultheiß Scheerer folgende Meldung: »Gestern Nacht sind beim Pfisterer Joseph G., Bauer, und Sebastian F., Bauer, mittelst Wortwechsels aneinandergekommen, so daß G. dem F. mit einem Halbmaßkrug an den Kopf geschlagen hab, daß derselbe im mehrere Stück zerbrochen sei, wovon der Fischer Wunden bekommen und stark geblutet hab. Der Orts-Chirurg Maier hab den F. behandelt und verbunden«. Diesen Fall mußte Schultheiß Scheerer selbst begutachten. Als er sich gerade auf den Weg machen wollte, kam etwas kleinlaut »Täter G. aufs Rathaus und schilderte das Geschehene« aus seiner Sicht. Er sei »wegen der höhnischen Spottreden des F. zornig geworden und habe ihm mit seinem Bierkrug eines versetzt. Er bereue seine Tat«.</p>
<p>Mit dem Geständnis des Täters in der Tasche »begab sich der Schultheiß zur Wohnung von F. Er traf denselben auf seinem Bett liegend an«. Seine Frau und der auch herbeigerufene Chirurg Maier gaben Auskunft. »F. habe durch den Schlag sieben Wunden erhalten, davon drei am Kopf und an den Augenlidern; ob nachteilige Folgen entstehen könnten, lasse sich jetzt noch nicht beurteilen«.</p>
<p>Nach der Beweisaufnahme war es an Schultheiß Scheerer, den Fall zum Abschluß zu bringen. Als geschickter Taktiker schlug er zunächst vor, G. möge die Arztkosten übernehmen, dem F. einen Taglöhner als Aushilfskraft bis zur Genesung anstellen und 11 Gulden Strafe bezahlen. Dies erschien G. nun doch etwas zu hart. Er wandte ein, F. habe ihn »in höchstem Maße gereizt, außerdem seien sie verwandt und was geschehen war, werden nimmermehr geschehen, wenn es nicht schon geschehen wäre. Er bereue seine Tat und bitte um eine gelindere Strafe«. Der Schultheiß ließ sich erweichen. »setzte auf Zureden die Strafe auf vier Gulden fest« und begrenzte die Zeit für die Einstellung der Hilfskraft auf acht Tage. So kam die Angelegenheit nach Verheilung der Wunden wieder in Ordnung. Schultheiß Scheerer hatte sich einmal mehr als verständnisvoller Richter gezeigt, nur der zerbrochene Krug war auf der Strecke geblieben. Aber Ochsenwirt Pfisterer konnte dies verschmerzen, die Oberkochener Hafner freuten sich, einen neuen Krug liefern zu dürfen, — und die Biersteuer wurde erst viel später erfunden und eingeführt.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_9 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="763" height="765" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber206-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10444"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Zum Foto:</strong><br>Herr Stadtbaumeister i.R. Kranz hat dem Heimatverein eine größere Anzahl Fotos überlassen, die während seiner Amtszeit als Orts- und Stadtbaumeister entstanden sind. Herzlichen Dank dafür (und zur Nachahmung empfohlen)!</p>
<p>Wir veröffentlichen zu den Berichten über altes kommunales Geschehen einige Fotos aus der Bilderspende von Herrn Kranz.</p>
<p>Foto: Gebiet Bühl — Gutenbach am Tierstein vor der Bebauung im Jahre 1956.</p>
<p style="text-align: right;">Volkmar Schrenk</p></div>
			</div>
			</div>
				
				
				
				
			</div>
				
				
			</div>
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			</item>
		<item>
		<title>Bericht 207: Aktuelles vom Oberkochener Heimatmuseum</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-207-aktuelles-vom-oberkochener-heimatmuseum/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Dec 1993 23:00:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 200-299]]></category>
		<category><![CDATA[Einzelne Gebäude]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Am 14. August 1993 überreichte Bürgermeister Gentsch nach einer 4jährigen Planungs- und Bauphase dem Heimatverein Oberkochen den Schlüssel zu den von der Stadt renovierten Räumen im 1. OG des Schillerhauses, in welchem das Oberkochener Heimatmuseum eingerichtet werden wird.</p>
<p>Ab diesem Zeitpunkt machten sich ca. 10 HVO-Mitglieder unter der Leitung von Martin Gold/Bar sofort daran die Bühne des städtischen Gebäudes auf Vordermann zu bringen. Der 130 Jahre alte Bretterboden war unbrauchbar, der Verputz und das Mauerwerk bröselten aus den Gefachen der Wände.</p>
<p>Diese Arbeiten stehen nunmehr kurz vor dem Abschluß. Nebenher war eine andere HVO-Gruppe damit beschäftigt, die Inneneinrichtung des Museums zu planen. Der aktuelle Stand ist, daß eine Ausstattung mit Ganzglasvitrinen aus Kostengründen wohl nicht mehr im Bereich des Möglichen steht. Ganzglasvitrinen gibt es praktisch nur in städtischen oder anderen öffentlichen Museen, deren Inneneinrichtung nicht vereinsintern bezahlt werden mußte. Selbst Vitrinen mit Aluprofilrahmen sind noch so teuer, daß es dem HVO nicht möglich sein wird, das ganze Museum in einem Zug mit den benötigten Vitrinen auszustatten.</p>
<p>Im folgenden soll beschrieben werden, wie die Museumsgestaltung seitens des HVO vorgesehen ist.<br>Das Schillerhaus funktioniert nach dem Prinzip von 2 getrennten Kreisläufen. Während die Begegnungsstätte von der Aalener Straße aus betreten wird, wird der Museumsbereich von der rückwärtigen Seite des Gebäudes erschlossen. Über das Treppenhaus gelangt man ins 1. OG.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="829" height="468" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber207-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10693"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Aus dem <strong>Grundriß</strong>, der den derzeitigen und keineswegs verbindlichen Stand der Planungen zeigt, ist ersichtlich, daß die zur Verfügung stehenden 8, zum Teil ziemlich kleinen Räume in einem Rundgang (Raum 1–8) erschlossen werden. Diesem Rundgang entspricht die chronologische Darstellung der Geschichte Oberkochens. (Eben diese 8 Räume bildeten früher die Lehrerwohnung des Gebäudes, das 1860 bekanntlich als evangelisches Schulgebäude errichtet worden war.)</p>
<p><em><strong>Rundgang</strong></em><br><strong>Raum 1</strong><br>Urgeschichte, Geologie des Oberkochener Raums, Karstversteinerungen (vorwiegend aus unserem Raum) aus Privatbesitz und aus einer Sammlung, die in städtischem Besitz ist.</p>
<p><strong>Raum 2</strong><br>Vor- und Frühgeschichte, Oberkochener Höhlen<br>Steinzeit (steinzeitliches Werkzeug), steinzeitliche Bohrerwerkstatt<br>Hallstattzeit, Kelten, La-Téne-Zeit<br>Dokumentation des Oberkochener »Römerkellers« (Grabung 1971)</p>
<p><strong>Raum 3</strong><br>Mittelalter<br>Dokumentation der Alamannengrabung 1980 u. a.<br>Grab 44 (männlich), Grab 79 (weiblich) mit sämtlichen Grabbeigaben (Leihgabe des Württembergischen Landesmuseums)<br>Weitere Funde aus Privatbesitz</p>
<p><strong>Raum 4</strong><br>Vom 30jährigen Krieg ins 19. Jahrhundert<br>Köhlereiwesen — Modell der Großköhlerei »Wanne«<br>Hochofen, Schlackenwasche<br>Bilz und Bilzhannes<br>Das geteilte Dorf (Kloster Ellwangen, Kloster Königsbronn)</p>
<p><strong>Raum 5</strong><br>Häfnereiwesen<br>Schnitt durch ein Brennofenmodell<br>Glasurenreibe, alte Töpferscheibe<br>Alt-Oberkochener Häfnergeschirr</p>
<p><strong>Raum 6</strong><br>Wasserkraft und Mühlen<br>Bohrermacherhandwerk<br>Frühindustrialisierung<br>Historische Holzbearbeitungswerkzeuge</p>
<p><strong>Raum 7</strong><br>Industrialisierung<br>Oberkochen bis zum und im 2. Weltkrieg</p>
<p><strong>Raum 8</strong><br>Oberkochen nach dem 2. Weltkrieg bis zur Stadterhebung</p>
<p><strong>Bühnenraum</strong><br>Oberkochener Alltag früher<br>Land‑, Wald- und Forstwirtschaft<br>Wechselausstellungen</p>
<p>Eine alte Schmiede wird ebenfalls im Museumsbereich untergebracht werden.</p>
<p>Wir möchten an dieser Stelle alle Oberkochener Bürger, die am Entstehen eines Oberkochener Heimatmuseums interessiert sind, und die uns oder unserer Stadt verbunden sind, sehr herzlich bitten, den Heimatverein durch eine Geldspende, die zur Beschaffung von Vitrinen eingesetzt wird, zu unterstützen — wir wissen, daß wir mit unserem Anliegen in eine äußerst ungünstige Zeit geraten sind — umsomehr erhoffen wir uns Ihre Hilfe. Die Stadt sieht zur Zeit noch keine Möglichkeit, uns entscheidend zu unterstützen.</p>
<p><strong>Wenn eine Spendenquittung gewünscht wird, muß die Einzahlung der Spende über die Stadtkasse Oberkochen laufen:</strong><br><strong>VR-Bank Aalen, Kto. 50 303 007 — BLZ 614 901 50 Verwendungszweck: »Spende für Heimatverein«</strong><br><strong>Wenn keine Spendenquittung benötigt wird, kann eine Spende auch direkt auf das Konto des Heimatvereins überwiesen werden:</strong><br><strong>VR-Bank Aalen, Kto. 50 660 004 — BLZ 614 901 50 Verwendungszweck: »Spende für Heimatverein«</strong></p>
<p style="text-align: right;">Dietrich Bantel</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="789" height="643" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber207-2.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10643"></span>
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			</item>
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		<title>Bericht 208: Hungerbrunnen und »Kamelbuckel« im Wolfertstal</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-208-hungerbrunnen-und-kamelbuckel-im-wolfertstal/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Jan 1994 23:00:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte 200-299]]></category>
		<category><![CDATA[Gewässer, Brunnen, Quellen]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Wo im Wolfertstal entspringt der Gutenbach?<br>Der eigentliche und ständig schüttende Ursprung des Gutenbachs liegt gute 300 Meter links talaufwärts oberhalb des Aussiedlerhofs Fischer/Pflugwirt. Er heißt NEUBRUNNEN und liegt auf 520 m NN. Die Quelle war früher offen, ist heute gefaßt und fließt seit der Verlegung des LW-Erweiterungsstrangs seitlich in das künstliche Gutenbachbett, das die etwas tiefer gelegenen Wiesen umläuft.</p>
<p>Der NEUBRUNNEN liegt an einer geologischen Verwerfung. Zum unterirdischen Wasserstau mit Quellaustritt kommt es durch den Versatz wasserführender Kalkschichten gegen wasserstauende Mergelschichten. Die Quelle schüttet seit Wochen verstärkt. Das Stadtbauamt hat im letzten Jahr Messungen vorgenommen, um Menge und Permanenz der Schüttung festzustellen. Die außergewöhnlich starken Niederschläge im Dezember, verbunden mit der Schmelze des ersten Schnees, haben gut einen halben Kilometer weiter oben im Wolfertstal, im Bereich des Doppelkreuzes, Abzweig Kirschentäle, und oberhalb der Holz»beigen« beim »Stollen« (Aushub »Osterbuchstollen«) für ein eindrucksvolles Naturschauspiel gesorgt. Dort schütten seit nahezu 4 Wochen ununterbrochen eine Reihe von HUNGERBRUNNEN. Allein beim Abzweig Kirschentäle sind auf einer Fläche von nur ca. 20 auf 20 Meter mindestens 6 Quellaustritte festzustellen.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>In der Beschreibung zum Karstquellenweg wird dieser Bereich als »Ursprung des Gutenbaches« bezeichnet. Genaugenommen trifft dies in der Regel jedoch nur für wenige Tage im Jahr zu.</p>
<p>Auch in diesem Quellbereich, der auf 525 m NN liegt, wurde während der LW-Erweiterung in den frühen Sechzigerjahren leider stark eingegriffen. In halbhohem Strauchwerk bilden granitene Straßenrandsteine eine wenig romantische Art Sammelfassung in Form eines Quellbettes, das für gewöhnlich kein Wasser führt. Die eigentlichen HUNGERBRUNNEN, ein gutes Dutzend an der Zahl, liegen einige Meter oberhalb im aufgeschütteten Wiesenland. 5 von ihnen sind gefaßt und somit unsichtbar, erkennbar jedoch an den runden Kontroll-Schachtdeckeln im Gelände; mindestens 6 weitere sind, wie bereits gesagt, zugänglich und zur Zeit aktiv. Nach den neuerlichen Niederschlägen ist anzunehmen, daß sie noch eine Zeit lang tätig sind.</p>
<p>Das Regen- und Schmelzwasser dieser typischen Karstquellen dringt in den verkarsteten Berg darüber, sickert schnell ab und staut sich dann an den wasserundurchlässigen eingeschwemmten Talschichten. Durch den Staudruck wird es nach oben aus dem Erdreich herausgepreßt. Dabei entstehen bis zu 20 cm hohe, gelegentlich noch höhere Wasserbuckel oder Wasserpilze, die auch im überschwemmten Gelände leicht auszumachen sind. Es ist ein faszinierendes Schauspiel, diese Quellen zu beobachten — sie ähneln kleinen blubbernden Geysiren kurz vor dem Ausbruch.</p>
<p><strong>Nachtrag:</strong> Stadtbaumeister Helmut Kranz weist eine Woche nach Veröffentlichung des Berichts darauf hin, dass die oben erwähnten Metalldeckel im Bereich der Hungerbrunnen Kontrollschachtdeckel der Landeswasserversorgung sind. Die Hungerbrunnen selbst sind nicht direkt gefaßt, wie weiter unten beschrieben wird. – Der gesamte Hungerbrunnenbereich wurde beim Bau der LW, zuletzt in den Sechzigerjahren, gestört. Die Hungerbrunnen haben sich aber in relativ kurzer Zeit wieder ihre Wege nach oben geschaffen. Damals wurde auch eine Sammeldrainage aus Tonrohrstücken in den Bereich der Hungerbrunnen eingebracht, die einen Teil der Hungerbrunnenwasser sammelt. Das so »gesammelte« Wasser gelangt über ein durch Erdreich verdecktes Betonrohr als »Gutenbachquelle« ans Tageslicht, – wenn denn genügend Wasser unterwegs ist. – Kommt zur Schneeschmelze Regen hinzu, so drückt in diesem Bereich so viel Wasser aus dem Boden, daß fast die ganze Wiese zwischen Schuppen und dem Rohraustritt unter Wasser steht . Das abfließende Wasser fließt dann oberirdisch Richtung Rohraustritt und bildete dort einen regelreichten »Hufeisenwasserfall« der sich in die unromantisch gefasste Betonrohr-»Quelle« ergießt. Immer mehr Erdreich wurde im Lauf der Jahre weggeschwemmt, sodaß das Betonrohr über eine Strecke von fast einem Meter offen lag. Im Klartext bedeutet das, dass die Hungerbrunnen nur »aktiv« werden, wenn so viel Wasser unterwegs ist, dass es von der Tonrohrdrainage nicht mehr aufgenommen werden kann. Insofern ist das Hungerbrunnenereignis nur zur Hälfte ein echtes Spiel der Natur. Ende Nachtrag. DB</p>
<p>Beim letzten Hochwasser waren wie gesagt 6 »artesische Springquellen« zu erkennen. Die obige Aufnahme wurde in der Nacht vom 13. auf 14. Dezember geblitzt – die Springquelle« konnte hierfür nur mit Gummistiefeln erreicht werden.</p>
<p>In den letzten Jahren ist das durch die zeitweise heftigen Quellaustritte weggeschwemmte Erdreich durch Auffüllen ersetzt worden. Dem Kräftespiel der Natur überlassen, würde sich das künstlich angelegte Brunnensammelbett durch rückschreitende Erosion vom Fassungsbereich zu den eigentlichen Quelltrichtern in den Wiesen talaufwärts verlagern. Es wäre im Sinne des Naturschutzes, wenn in diesem interessanten Hungerbrunnenquellbereich keine Veränderungen mehr vorgenommen werden würden.<br>Im Bereich der Wiesen hin zum Kirschentäle und entlang dem Vizinalweg nach Essingen befinden sich zahlreiche weitere Hungerbrunnen.</p>
<p>Eine interessante Form von Hungerquellen bildete sich zwischen dem 15. und dem 20. Dezember hinter den Holz»beigen« beim »Stollen« rechts des Sträßchens zum LW-Gebäude (Wasserhäusle): Die sogenannten »Kamelbuckel«. Hier haben sich unter der Grassode derartig große Wassermassen angestaut, daß die Grasoberfläche sich bis zu 30 und mehr Zentimeter auf einen Durchmesser von ca. 1 Meter kamelhöckerähnlich nach oben durchwölbte, bis der Druck so groß wurde, daß es hin und wieder zu springquellenähnlichen Wasseraustritten kam.</p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="761" height="457" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber208-2.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10426"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Die Kamelbuckelblase auf Foto 2 wurde am 20.12.93 fotografiert und muß wohl am selben Tag aufgebrochen sein. Als ich den Brunnen am 3.1.94 wieder besuchte, war er bereits versiegt. Das gesamte Erdreich um den Quellaustritt war weggespült. Statt dem blasenähnlichen »Kamelbuckel« war im Erdreich eine trichterförmige Vertiefung zu sehen, in der freigespülter Kalkschotter zutage tritt.</p>
<p>Auch die »Kamelbuckel« laufen unter dem Stichwort HUNGERBRUNNEN. Nach alter Überlieferung heißen all diese sporadischen Quellen HUNGERBRUNNEN, weil nasse Jahre früher oft Hungerjahre waren. Dies traf natürlich vor allem zu, wenn das Zuviel an Wasser während der Blüte- oder während der Wachstumszeit die Ernteerträge gefährdete oder zerstörte.</p>
<p style="text-align: right;">Dietrich Bantel</p></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Bericht 209: Oberkochener Dorfgeschichten — Teil 2 nach den Schultheißen-Amtsprotokollen aus den Jahren 1827/28</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/bericht-209-oberkochener-dorfgeschichten-teil-2-nach-den-schultheissen-amtsprotokollen-aus-den-jahren-1827-28/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[smarterPresence]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Jan 1994 23:00:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Berichte 200-299]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte & Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Sitten, Gebräuche, Erinnerungen]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Misstöne</strong><br>Zunächst gab sie gar keine Töne mehr von sich, die Baßgeige des Heinrich M., der am 11. November 1828 beim Hirschwirt »an des Melchior Gerwegs Hochzeit zum Tanz« aufgespielt hatte. Erhebliche Mißstimmung kam aber auf, als M. den Joseph Katzenstein beschuldigte, »er habe seine Baßgeige, welche zur Bergmusik gehöre, zu Schaden gebrungen«, und Katzenstein dies energisch bestritt. Er »gebrauche keine Lügen und gehe nicht mit Unwahrheiten um«, wenn ich — so dachte er bei sich selbst — auch nur ein Findelkind bin.</p>
<p>Hier ist anzumerken, daß (wie im Oberkochener Heimatbuch auf Seite 443 berichtet) Hafner Hug ihn einst als kleines, jämmerliches Päckchen am Katzenstein gefunden hatte. Da auf seiner Windel »J.K.« geschrieben stand, ließ Hug den Knaben auf den Namen Joseph Katzenstein taufen und nahm ihn in seine Familie auf. Dieser »J.K.« war also nun in den Musikerstreit verwickelt, ja beschuldigt, die Baßgeige von Merz absichtlich beschädigt zu haben.</p>
<p>Nun wurden Zeugen gesucht. »Friedrich Braun, des Hirschwirts Bräuknecht« sollte aussagen, daß »die Baßgeige schon einen Riß und er deshalb mit M. einen Wortwechsel gehabt habe«. Johann Eisele, »einer unter vielen, die im Wirtshaus waren, sollte als Zeuge angeben, daß der M. absichtlich auf Katzenstein zugesprungen sei«, um zu vertuschen, daß das Instrument schon zuvor einen Schaden hatte.</p>
<p>Doch Eisele, vom Schultheißen vorgeladen, machte einen Rückzieher, »er selbst habe nichts gesehen und nur den Lärm gehört, die Beteiligten müßten selbst am besten wissen, wer es getan habe«. Damit konnte Schultheiß Scheerer wenig anfangen. Da er aber seine Pappenheimer kannte, machte er »schultheißenamtlich den Vorschlag, daß Kläger M. und Beklagter Katzenstein die Reparatur miteinander bezahlten sollten, jeder je zur Hälfte«. Da Merz »keinen besseren Beweis« liefern konnte, gab er schließlich per Unterschrift sein Einverständnis zu dieser Schadensregulierung. »Auch Katzenstein anerkannte nach gehöriger Belehrung« das Verfahren. Ob er allerdings bezahlte, ist nicht bekannt, denn nach dem Bericht im Heimatbuch »ging er in die Schweiz und man hörte nichts mehr von ihm«.</p>
<p>Nicht nur bei der Tanzmusik gab es gelegentlich Mißtöne, auch unter den Kirchenmusikern kam es zu Unstimmigkeiten. Schulmeister Balluff war erst seit kurzer Zeit in Oberkochen, aber er hatte zusammen mit Pfarrer Lauth die Musik in der katholischen Kirche neu organisiert und einen Kirchenchor gegründet. Nicht, daß zuvor keine Musik in der Kirche gemacht worden wäre. Schon 30 Jahre früher hatten sich unter Leitung von Balluffs Vorgänger, Schulmeister Franz Anton Gold, Musiker zusammengefunden: »Joseph Friz, Franz Anton Wingert, Johannes Elmer, Jakob Elmer, Joseph Gold und Johannes Schoch«. Sie traten bei Hochzeiten, Begräbnissen und an hohen Feiertagen mit ihren Instrumenten in Aktion. Ihr Repertoire war recht ansehnlich und es war nicht notwendig, bei Hochzeit und Leichenbegräbnis dasselbe Stück — mal fröhlich-rasch, mal langsam-getragen — zu spielen. Sogar auswärtige Verpflichtungen hatten sie, und so kam auch etwas Geld herein das sie in einer eigens angefertigten »Musikantenlade« sammelten und auf Jahresende verteilten.</p>
<p>Um diese Musikantenlade entbrannte nun im Januar 1828 der Streit.</p>
<p>Joseph Friz hatte die Lade nach dem Aufzug von Schulmeister Balluff aus dem Schulhaus, ihrem angestammten Aufbewahrungsort, entfernt. Grund dafür war für ihn, daß Schulmeister Gold bei seinem Ausscheiden ihm den Schlüssel für die Lade gegeben, diese also in seine Verantwortung gestellt hatte.</p>
<p>Lehrer Balluff wollte dagegen die bisherige Gepflogenheit beibehalten und beanspruchte die Aufsicht über Lade und Geld. Da Friz nicht einlenkte, klagte Balluff beim Schultheißenamt um Herausgabe der Lade.</p>
<p>Bei der mündlichen Verhandlung versteifte sich Friz auf den Standpunkt, »die Lade sei gemeinsam von den vorne aufgeführten Musikern angeschafft und bezahlt worden, also gehöre sie auch diesen« und Schulmeister Balluff solle gefälligst die Hände davon lassen. Dennoch fand Schultheiß Scheerer eine Lösung, die dem bekannten salomonischen Urteil sehr nahe kommt. Er verfügte nämlich, »die Musikanten-Lade soll im Aufstreich (d.h. durch Versteigerung) verkauft und der Erlös möge den noch vier lebenden Mitgliedern der alten Gilde überlassen werden«.</p>
<p>Ein solch schmähliches Ende der vielgeliebten und langgedienten Musikanten-Lade wollten nun die alten Musiker nicht heraufbeschwören, man einigte sich schließlich mit Schulmeister Balluff und den aktiven Musikern über den weiteren Gebrauch der Lade, — und sie tat noch viele Jahre gute Dienste.</p></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_image et_pb_image_14 bild-container">
				
				
				
				
				<span class="et_pb_image_wrap "><img loading="lazy" decoding="async" width="776" height="554" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/ber209-1.jpg" alt="Oberkochen" class="wp-image-10549"></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Zum Foto:<br>Herr Stadtbaumeister i.R. Kranz hat dem Heimatverein eine größere Anzahl Fotos überlassen, die während seiner Amtszeit als Orts- und Stadtbaumeister entstanden sind. Herzlichen Dank dafür (und zur Nachahmung empfohlen)! Wir veröffentlichen zu den Berichten über altes kommunales Geschehen einige Fotos aus der Bilderspende von Herrn Kranz.</p>
<p style="text-align: right;">Volkmar Schrenk</p></div>
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