„Amadeus“ – Georg Stark aus dem Hainbuchenweg 12/1
Oberkochen hat das Glück, dass gleich zwei bekannte Zauberer unter uns wohnen. Den anderen findet ihr unter „Z“ wie Zabuki.
„Aus der SchwäPo aus dem Jahr 2021 nach einem Auftritt in der Versöhnungskirche Oberkochen: “Er versteht einfach sein Handwerk”, meint ein Besucher nach dem ersten Zauberblock von Amadeus. Illusionen mit Seil und Spielkarten präsentiert er mit Leichtigkeit, seine Kommentare sitzen und die Zuschauer sind verblüfft. Keiner kommt ihm auf die Schliche, auch nicht bei der Metamorphose mit Seilen. „Zauberei hat auch mit Fingerfertigkeit zu tun”, sagt Amadeus und bindet das Publikum ins Geschehen. Ein Volltreffer ist die Nummer mit den Geldscheinen, die sich im wahrsten Sinne zauberhaft vermehren.“
Georg Stark, Jahrgang 1939 und gebürtig aus Königsbrunn bei Augsburg. Nach einer Lehre als Elektromechaniker und einem Studium der Elektrotechnik landete er 1963 bei Zeiss in der Entwicklung. Das Interesse und die Liebe zur Zauberei hat seinen Ursprung bei einem Besuch einer VHS-Veranstaltung, der erste Versuche zur Folge hatte. Aber das reale Leben mit Beruf, Hochzeit, Hausbau und Kind hatte erst mal Vorrang. Im zarten Alter von 40, Schwaben werden da ja auch erst gescheit, legte er mit der Zauberei so richtig los. Ein wichtiger Auftritt war eine Silvester-Performance auf der Kapfenburg, bei der er als Zauberer bei einer Feier eines Arbeitskollegen auftrat. Es folgten Jahrzehnte, an denen er in der gesamten Region auftrat und das bis heute tut – oft bei Wohltätigkeitsveranstaltungen. Zudem hat er auch ein Kinderprogramm in Petto. Beispielhaft seien erwähnt:
- In der „Arche“ in Dischingen
- Bei Seniorennachmittagen
- Im Bürgerspital Aalen
- Bei 100jährigen Fest der Carl Zeiss Stiftung
- Bei Benefizveranstaltungen
- Bei Sommerfesten der Firmen Geiger und Kummich
- Besonders liebte er die Auftritte im „Tiefen Stollen“ in Wasseralfingen
- Beim 50jährigen Jubiläum der SFZ Druck und Medien
- Und bei vielen weiteren Gelegenheiten
Ob Tücher, Seile, Kartentricks oder Messer unter Papiertüten oder gar eine Guillotine für die Hände; Geldscheine, die sich vermehren oder gar verbrannt werden; Krawatten, die zerschnitten werden und danach wieder wie neu aussehen. Alles findet in der Zauberei Verwendung. Und wenn der Entwicklergeist sich frei entfalten kann, gibt’s dann auch mal einen Roboter und eine Verschwindemaschine, welche die Zuschauer oft verblüfften.
Natürlich ist er Mitglied im „Magischen Zirkel“ Link:
Über uns ° MZvD, Magischer Zirkel von Deutschland.
Die Ortsgruppe Aalen-Heidenheim trifft sich alle 4 Wochen im „Grauleshof“ in Aalen. In einem Zeitungsbericht aus dem Jahr 2011 wird u.a. über Nachwuchssorgen berichtet. S isch halt überall das Gleiche: Was nicht „Schnell Schnell mit viel Geld“ geht, hat es inzwischen schwer bei uns. Kunscht isch halt au a Gschäft und bekanntlich kommt es von Schaffen und Können – und das braucht Zeit. Auch die Ehrlich-Brothers sind nicht vom Himmel gefallen.
Georg Stark erklärte mir während unseres netten Gesprächs noch die Unterschiede in der Zauberei:
- Micromagie bezeichnet Zauberkunststücke, die in unmittelbarer Nähe zum Publikum ausgeführt werden – meist am Tisch oder im kleinen Kreis, ohne große Bühne oder technische Hilfsmittel
- Künstlerische Illusionsmagie. Diese Form dient der Unterhaltung und basiert auf natürlichen Mitteln, wie sie etwa Zauberer oder Illusionisten verwenden. Sie erzeugt visuelle oder mentale Täuschungen.
- Manipulationsmagie ist eine Form der Magie, die darauf abzielt, das Verhalten, Denken oder die Emotionen anderer gezielt zu beeinflussen – oft subtil und ohne dass die Betroffenen es bemerken
- Manipulationsmagie ist eine Form der Magie, die darauf abzielt, das Verhalten, Denken oder die Emotionen anderer gezielt zu beeinflussen – oft subtil und ohne dass die Betroffenen es bemerken
- Stand-up-Magie ist eine Form der Zauberkunst, die zwischen Close-up-Magie (Tischzauberei) und Bühnenmagie angesiedelt ist. Sie wird typischerweise vor einem mittelgroßen Publikum aufgeführt – etwa bei Firmenfeiern, Hochzeiten oder in kleinen Theatern – und kombiniert visuelle Effekte, Interaktion und Comedy
….. und abschließend gab es natürlich noch einen Karten-Zaubertrick, damit ich auf dem Heimweg etwas zum Nachdenken hatte. Oberkochen kann sich glücklich schätzen, dass gleich 2 Zauberkünstler bei uns beheimatet sind.

Unser Zauberer Amadeus (Überlassen von Georg Stark)
„d Amerikanerin“ – Kreszentia Gold aus der Aalener Straße 32
Im Jahr 1962 war sie die älteste Einwohnerin und verstarb am 14. Februar mit fast 95 Jahren. Ohne Zweifel eine besondere Frau. Schauen wir kurz auf ihr Leben: „Geboren am 9. Mai 1867 als 4tes Kind des Michael Gold (Holzwart) und seiner Frau Kreszentia geb. Weber. Mit 19 Jahren, also 1886, wanderte sie nach New York aus. Während des I. Weltkriegs kam sie zurück. Kurze Zeit später ging sie wieder in die USA, um 1933 endgültig zurückzukehren. Sie gehörte zu den Menschen, die durch zwei Geldentwertungen ihr Vermögen verlor, aber nicht ihre Frohnatur.“
„Dr Amneschtieschligger“
Die Geschichte findet man im Bericht 740.
„S Amtsblatt“ – nicht nur für amtliche Bekanntmachungen
Nachdem Bürgermeister Gustav Bosch entschieden hatte, dass die Zeit des Ausschellens durch den Amtsbüttel vorbei ist, wurde das Amtsblatt „Bürger und Gemeinde“ im Jahr 1953 ins Leben gerufen. Im Volk auch unter den Begriffen (die Bürgermeister Peter Traub nicht so mag) „Käsblätte“, „Bürger und Bauer“ oder oifach „s Blättle“ geläufig. Von Anfang an legte Gustav Bosch aber großen Wert darauf, dass auch heimatkundliche Themen über Alt-Oberkochen im „Blättle“ ihren Platz hatten. Die Autoren aus der Zeit vor Gründung des Heimatvereins hießen:
- Bürgermeister Gustav Bosch
- Konrektor Gottlob Braun
- Oberlehrer Karl Friedrich Fischer
- Oberlehrer Alfons Mager
- Oberlehrer Ignaz Umbrecht
- Pfarrer Josef Trittler
- Steuerinspektor Franz Balle
Dazu griff er einige Male selbst zur Feder oder animierte andere dazu. Auch die Nachfolger im Amt förderten diese Art von Berichten bis heute, was wir auch vom neuen Bürgermeister erwarten. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sich unser Amtsblatt (was die Inhalte angeht) bis heute, im Vergleich zu anderen im Ostalbkreis, doch deutlich abhebt. Die coolste Anzeige, die ich im „Blättle“ gefunden habe, stammt aus dem Jahr 1977.

Die Anzeige des Jahres aus dem Jahr 1977 im Amtsblatt (Archiv Müller)
„dr Amtsbüttl“ – Gibt‘s au nemme: Der personifizierte Vorgänger des Amtsblattes
Ursprünglich war der Büttel (mhd. bütelaere, bütel, bodel, Pedel; ahd. Butil) ein Bote und eine
gerichtliche Hilfsperson, die von der Vorladung zum Gericht über Festnahme und Beschlagnahmung bis hin zum Vollzug von Leib- und Lebensstrafen die unterschiedlichsten Aufgaben erledigten. Büttel waren ursprünglich durch doppeltes „Wergeld“ (Schadensersatz statt Blutrache) geschützte und zumindest bei größeren Gerichten geachtete Männer, denen mancherorts für Bagatellvergehen eigene Gerichtsgewalt übertragen wurde. Erst später, als ihre Befugnisse im Stadtrecht auf niedrige Hilfsdienste eingeschränkt wurden, sanken sie im Ansehen ab und wurden häufig den „unehrlichen“ Leuten (wie z.B. Henker, Totengräber, Abdecker, Zöllner, Türmer, Nachtwächter, Holz- und Feldhüter, Marktschreier, Gaukler, Spielleute, Bettler und Prostituierte) zugerechnet.
Im 19. Jahrhundert war der Amtsbüttel oft für die lokale Polizei und Gerichtsbarkeit zuständig und hatte Aufgaben wie die Überwachung der öffentlichen Ordnung, die Verhaftung von Straftätern und die Durchführung von Gerichtsbeschlüssen. Mit der Zeit wurden diese Aufgaben zunehmend von professionellen Polizeikräften und anderen staatlichen Behörden übernommen.
Im 20. Jahrhundert wurde die Rolle des Amtsbüttels weitgehend abgeschafft oder in andere Beamtenpositionen integriert. Die Aufgaben, die einst dem Amtsbüttel zugeordnet waren, wurden von modernen Polizei- und Verwaltungsbehörden übernommen.
Unsere Alten in Oberkochen erinnern sich vielleicht noch an Stephan Seibold, den letzten Amtsboten in blauer Uniform, der bis Anfang der 1950er Jahre die Ortsnachrichten „ausschellte.” Wo ist die Uniform geblieben? Sie gehört doch ins Heimatmuseum! Ausgestattet mit blauer Uniform und Schelle hatte er viele Jahre die Bürger über das Allerneueste und Wichtigste informiert. Nicht jeder hatte aber die Möglichkeit, sich auf diese Weise Informationen zu beschaffen. Die Werktätigen vor allem waren ausgeschlossen, weil sie ja keine Gelegenheit hatten, sich tagsüber in der Ortsmitte zu versammeln. Wie können die Bürger besser und seriös informiert werden? Wie kann man sie in kommunalpolitische Entscheidungsprozesse einbinden? Mit diesen Fragen befasste sich anfangs der 1950er Jahre der Gemeinderat. Ergebnis war, dass am 6. März 1953 die erste Ausgabe des Amtsblatts “Bürger und Gemeinde” erschien. In seinem Geleitwort zur ersten Ausgabe schrieb Alt-Bürgermeister Gustav Bosch: „Die hergebrachten Formen des Ausschellens und des Anschlags am Rathaus befriedigen nicht mehr. Nur was man Schwarz auf Weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.”
Die Liste der Amtsbüttel ist nicht vollständig:
- Melchior Wellhügel (1830)
- Stephan Seibold (1944 bis 1957)
- Josef Wingert (1957 bis 1975)
- Horst Schiewe (1975 bis 1985)
- Wolfgang Hinnen (1985 bis 2014)
- Dieter Schneider (2014 bis 2021)
- Jürgen Brachhold (2021 bis 2024)
- George Beri (ab 2025)

Mit dr Schell machte sich der Büttel bemerkbar, wenn er etwas auszurufen hatte (Archiv Müller)
„Andi“ – Andreas Holdenried aus der Weingartenstraße 58
Banker, Musiker, Sammler, frankophiler Oldtimerfreak. Seit frühester Jugend wurde er von den großen Saxophonisten der 50er und 60er-Jahre beeinflusst, wie auch vom Soul- und Fusionsstil der 80er. Und so pendelt er seit über 30 Jahren als Grenzgänger zwischen Jazz und Pop. Der lyrische und beseelte Ton seines Saxofones ist das Markenzeichen des Musikers, der stilistisch sowohl traditionell als auch modern zu performen weiß. Als gefragter Sidemann in vielen Bands und Projekten gab und gibt er vielbeachtet seine musikalische Visitenkarte ab. Gefühlsbetont und mit viel Verve ist die musikalische Art der Kommunikation des Instrumentalisten, der stets mit seinem Saxofon förmlich verschmilzt (siehe Website der „Swing Affairs“). Gerne lege ich ab und zu seine CD auf und höre ihm zu.
Auch als Sammler frankophiler Autos und Wohnwagen hat er sich einen Namen gemacht und wenn ein altes französisches Auto durch Oberkochen fährt – da sitzt wahrscheinlich der Andi drin.
In den Sommerferien liebte er es früher als Straßenmusiker nach Paris zu gehen und die künstlerische Atmosphäre einzuatmen und seine beseelte Musik auszuatmen. Auch sein „Vintage 55“ ist etwas Besonderes. Im Januar 2024 erschien ein wunderbarer Artikel über ihn in der SchwäPo.
„Andonia“ – Antonia Minder aus der Heidenheimer Straße 37
Bekannt als Zeitungsausträgerin mit dem berühmten Spruch „Wam’r no koa“. Sie war eine Tochter von Hans Minder und ging in Pantoffeln durch den Ort und zog ihr Loiterwägele voller Zeitungen hinter sich her. Aber sie stellte die Zeitungen auch über „oigene“ Boten zu (wie z.B. über Schüler an die Lehrer). Zu ihrem 65sten Geburtstag dankte ihr „das Rathaus“ für ihre Dienste als Austrägerin des Amtsblattes mit dem Hinweis: „Ihre von kräftigem Humor gewürzten Vorhaltungen am Freitagvormittag, wenn das Bürgerblättle – wie leider meistens – recht spät aus der Druckerei kommt, möchten wir nicht missen.“ Und wünschte ihr noch viele Jahre auf munteren Füßen und weiterhin einen urwüchsigen Mutterwitz.

d‘ Antonia, wie wir sie noch alle in Erinnerung haben (Archiv Rathaus)
„Andy“ – Andreas Neuhauser aus der Dreißentalstraße 48
Andreas Neuhäuser hat 25 Jahre lang als Anwendungsprogrammierer bei Carl Zeiss gearbeitet. Bis zu dem Tag, als es einfach nicht mehr ging, als die Behinderung es nicht mehr möglich machte. Ein Computer-Freak ist er geblieben. Als Webmaster war er geschätzt bei zahlreichen Vereinen. Die Homepages des Albvereins, der Schlaggawäscher, des Heimatvereins und des Sängerbunds hat er entwickelt und er sorgte für deren Pflege.
Aus der SchwäPo ein paar Dinge über ihn: „Andy Neuhäuser ist trotz seiner schweren Körperbehinderung eine Frohnatur. „Ich will unter die Leute, das Leben leben und mein Freund Michael (Michael Amerein verstarb im Jahr 2024) ist mir eine große Stütze, wir ergänzen uns, das ist praktische Inklusion”, sagt Neuhäuser“. Wo die Blasmusik blies, waren die beiden dabei.
Der Zeitung sagte er: „Es wird mittelfristig schwierig sein, weiter zu Hause zu wohnen. Meine Mutter kommt an ihre Grenzen”, sagt Andy und er setzt ganz realistisch hinzu: „Ich bin im Kopf noch gut drauf und will auf keinen Fall ins Pflegeheim.” Das ist ihm erspart geblieben – gestorben ist er trotzdem zu früh.
Im Februar 2008 veröffentlichte die SchwäPo folgenden Artikel über ihn:
„Sauerstoffmangel bei der Geburt führte zur Behinderung. Die Körperbehinderung hat sich beim heute 44-jährigen mit den Jahren ausgewachsen, die Motorik verschlechtert. Trotzdem sagt Andy selbstbewusst im Gespräch mit dieser Zeitung: “Ich habe es allen gezeigt.” Heute ist Neuhäuser eine gefragte Adresse in punkto “Homepage”. Für den Albverein, den Sängerbund, für die Schlaggawäscher, den Heimatverein und für die Skischule hat er eine Internetseite erstellt. “Damals war alles noch viel besser mit der Motorik”, erinnert sich Andy Neuhäuser an die Zeit im Carl-Zeiss-Kindergarten und an die Grundschulzeit im Dreißental. Er wird nachdenklich. “Nach der Grundschulzeit wollte mich keiner”, meint er. Er wollte aufs Gymnasium oder an die Realschule, aber wegen seinem geringeren Arbeitstempo infolge der Körperbehinderung wurde die Aufnahme versagt. Aber für Andy Neuhäuser galt damals dasselbe wie heute, da bald wieder eine schwierige Hüftgelenkoperation ansteht: “Blick nach vorn, die Hoffnung stirbt zuletzt.” Andy machte seinen Realschulabschluss am Reha-Zentrum in Neckargemünd bei Heidelberg und wurde dort zum EDV-Kaufmann ausgebildet. Danach schien wieder ein Genickschlag zu drohen. “Gut 100 Bewerbungen habe ich geschrieben, keiner wollte mich”, schaut er zurück. Durch persönliche Fürsprache wurde er dann 1985 mit einer halben Planstelle als Programmierer bei der Firma Carl Zeiss übernommen. “Die Herren haben mich unterschätzt, ich habe mich in der Folgezeit ständig emporgearbeitet”, betont Neuhäuser. Seit drei Jahren arbeitet er jetzt bei der Firma Hewlett-Packard im Zeiss-Areal in Oberkochen. “In der Firma sitze ich acht Stunden am Computer, zu Hause kommen sieben Stunden hinzu”, verweist Andy auf seine ehrenamtliche Tätigkeit als “Homepage-Maker.” Diese “Karriere” begann zu der Zeit, als sich Neuhäuser von einer großen Lendenwirbel-Operation erholte. So ganz im Stillen, knieend, weil er ein halbes Jahr nicht sitzen durfte, machte er sich dran, für die Älbler eine Homepage zu entwerfen. “Die Kenntnisse zum Programmieren habe ich mir selbst aus diversen Computer-Magazinen angeeignet”, betont er. Immer mehr Vereine kamen auf ihn zu. Alles sind voll des Lobes: “Der Andy wird´s schon richten” ………. Mein Leben ist nicht leicht, aber dank meiner noch rüstigen Eltern und guter Freunde mache ich das Beste draus.” Und er setzt hinzu: “Mein Leben ist der Computer, da finde ich Erfüllung.” Eine zweite Leidenschaft sind Reisen, zusammen mit anderen behinderten Menschen. “Ich war schon auf jedem Kontinent”, meint Andy nicht ohne Stolz. Brasilien und die USA hätten ihm besonders gefallen. Beeindruckt hat ihn in den USA die behindertengerechte Infrastruktur in allen Bereichen. In China sei das sehr schwierig gewesen. Dann wird Andy ein wenig nachdenklich: “In vier Wochen werde ich an der Hüfte operiert, da habe ich richtig Angst.” Lachend fügt er aber gleich bei: “Den Laptop nehme ich ins Krankenhaus ganz bestimmt mit.“
Ich habe lange mit ihm auf der Website des Heimatvereins zusammengearbeitet, aber ab Oktober 2022 ging das nicht mehr. Und als er im Jahr 2023 starb, starb auch die Website des Heimatvereins. Vor allem die Auswärtigen vermissten die Website, denn das digitale Amtsblatt ist dafür kein Ersatz. Nach über 1000 Tagen leidvollen Website-Entzugs ist die neue Website des Heimatvereins seit Juli 2025 online. Link: Heimatverein Oberkochen e.V.

Andreas „Andy“ Neuhäuser und Michael Amerein – beide inzwischen verstorben (mit Genehmigung der SchwäPo Regionale Nachrichten aus der Region Aalen — Schwäbische Post)
„Anklopfen“ – Brauchtum zur Weihnachtszeit
Die Klopftage waren zunächst die drei dem Weihnachtsfest vorausgehende Donnerstage, später nur der Donnerstag vor Weihnachten. Ursprung des Brauchs war wohl der heidnische Gedanke, durch an die Fenster geworfene Erbsen ungebetene Geister zu vertreiben. Als Dank für diesen Dienst erbaten sich die Anklopfer kleine Gaben (Apfel, Nüsse und dgl.). Der Brauch geriet aber im Lauf der Jahre etwas in Verruf, da er mehr oder weniger in Bettelei ausartete. Weitere „Sitten und Bräuche“ ab Seite 447 im ersten Heimatbuch „Geschichte Landschaft Alltag“.
„d Anna“ oder „Ochsawirde“ – Anna Edinger geb. Kirchdörfer aus der Aalener Straße 2
Die Tochter Jakob Kirchdörfers, Anna Edinger (1919−1993), führte den „Ochsen“ vom 1.12.1955 bis 21. Juni 1972 weiter. Danach übernahm Karl Jakob „Köbele“ Edinger (1945−2012). Alles weitere zum „Ochsen“ findet sich im Bericht 796.
„Anna! S Gedicht!“ – Schwoabaland vom Auguscht Lämmle
So hieß es oft auf Familienfeiern und wenn die Anna, des Engelberts Grupps („Goldabauer“), Schwester, Lust hatte, legte sie los:
Steig nauf da Berg,
guck naus ens Land
Was mier für a scheana Hoimat hent
Doa leit für sich a kloina Welt
Drom rom send Berg ond Hüg’l g’stellt
Ond drüber ischt d’r Hemmel deckt
Ond drunt’r ischt dui Welt versteckt
Ond Wiesa hoats ond Wälder
Ond was für scheana Feld’r
Ond Bächla au mit Brugga
Ma ka’s schiehr net vergugga
Ond mitta en d’r Herrlichkeit
Als hättat Kend’r Bloama g’streit
Leit doa a Dörfle, dort a Haus
Ond drieb’r guckt a Kirchtum raus
A stiller Friede isch drom her
Wia wenns doa äw‘ll Sonndig wär
So liab ischt älles ond vertraut
Als hätts d’r Herrgott zemmabaut
Joa, oans’r Schwoabaldn ischt wägg’r
Wo’s oanpackscht, auf der Alb, am Neck’r
Em Gäu, em Schwarzwald ond dem Ries,
a Ländle grad wias Paradies.

Goldabauer’s Anna (Überlassen von Rita Grupp)
„d Aposchtl- ond Himmelsträger“ – äbbes Kirchlichs
Das war und ist noch immer ein ganz wichtiger Bestandteil der Fronleichnams-Prozession. Im Bericht 640 lesen wir dazu von Petrus Canisius Uhl:
„Die „Himmels- und Apostelträger“ waren i.d.R. honorige katholische Bürger, die dieses Amt ausführen durften. Das Amt wurde nicht „gekauft oder erspendet“ sondern verliehen bzw. ererbt. In den Familien wurde dieses Ehrenamt sehr hochgehalten, auch wenn es tlw. mit Kosten verbunden war.
Himmelsträger 1 Eugen Weber (Nachfahre des Kohlseffs)
Himmelsträger 2 Bernhard Brunnhuber (Holzbau)
Himmelsträger 3 Michael Kistner
Himmelsträger 4 Franz Balle jun. (Bruder von Gerhard Balle)
Apostelträger 1 Gold (Edwin (Skigold) jetzt Sohn Heinz),
Apostelträger 2 Stefan Bauer (Nachfahre von Hassingers im Jägergässle, kommt übrigens jedes Jahr extra von Überlingen angefahren),
Apostelträger 3 Berthold Hug, Sohn von Willibald Hug in der Aalener Straße,
Apostelträger 4 Sohn von Otto Schaupp, wohnhaft Im Mahd,
Apostelträger 5 Sohn von Josef Brandstetter (König) im Katzenbach
Apostelträger 6 Paul Fischer (Woidle), er erhielt seinen Apostel von Bernhard Hirner, der leider vor einigen Jahren verstarb
Apostelträger 7 Maler Hausmann, sein Apostel wurde bisher von seinem Sohn Edgar getragen, im letzten Jahr hat sein Bruder Walter sich für Ihn eingereiht
Apostelträger 8 Petrus Uhl in der Nachfolge seines Bruders Franz
Apostelträger 9 Anton Balle vom Vater übernommen (vorderer Balle in der Katzenbachstraße)
Apostelträger 10 Herbert Betzler (Elektro-Betzler)
Apostelträger 11 Adolf Wunderle
Apostelträger 12 Stefan Balle vom Vater übernommen (Sohn vom hentera Balle Feigengasse)“

Die Apostelträger im Jahr 2013 während des Fronleichnamsumzuges in der Katzenbachstraße (Archiv Müller)
„s Armehaus“ – Gibt‘s nemme: Gebäude im Kapellenweg 8
Das Armenhaus, früher auch Hirtenhaus genannt, wurde im Oktober 1956 abgebrochen. Es unterstand beiden örtlichen Kirchengemeinden. Die ersten Hinweise auf eine gemeinsame Armenkasse gehen auf das Jahr 1650 zurück, als Folge des 30jährigen Krieges, der auch für Oberkochen verheerend war. Aus dem Jahr 1923 gibt es ein Gemälde von Sophie Mehl, das im ersten Heimatbuch auf Seite 75 abgebildet ist. Dazu schrieb Christhard Schrenk einen Bericht über die örtliche Armenfürsorge auf den Seiten 74ff. Siehe auch Bericht 507. Heute wohnt auf diesem Grundstück Hubert Glaser.

Das Armenhaus im Brunkel, kurz vor dem Abriss 1956 (Archiv Müller)
„dr erschte Arzt“ auch „Pfannadoktor“ – Dr. Eberhard „Ebbe“ Sussmann aus der Bahnhofstraße 15
Er war der erste niedergelassene Arzt, der nach dem II. Weltkrieg zu uns nach Oberkochen kam.
Ab 1945/1946 erster und einziger Arzt in Oberkochen, Bahnhofstraße 5 in der Bäuerle Villa, später im Haus Nr. 15. Die Praxis schloss 1984. Er wurde fast 93 Jahre alt und starb im Jahr 2008. Die Tochter berichtete: „Vater ist am 6.6.1916 in Magdeburg geboren. Einzelkind, Vater im Krieg gefallen. Mutter hat ihn zielstrebig und streng erzogen. Er war ein strebsamer guter Schüler und studierte Medizin in Marburg. Kaum hatte er das Examen musste er als Stabsarzt in den Krieg, Haupteinsatz in Südfrankreich auf einem Fliegerhorst bei Sête. Rückkehr 1944 gerade rechtzeitig zur Geburt seines ersten Kindes Jürgen Ende Juli. Er war dann Assistenzarzt bei Dr. Walz, schwerpunktmäßig wohl auch Gynäkologie.“ Die US-Militärbehörde ordnete im April 1945 an, dass er die ärztliche Versorgung der rund 1.000 Fremdarbeiter in den hiesigen Betrieben zu übernehmen habe. Daraus ergab sich im Juni 1945 die Arbeit als erster niedergelassener Arzt in Oberkochen mit heute kaum mehr vorstellbaren Rahmenbedingungen: Keine Instrumente, keine Medikamente, bescheidenen Praxisräume und kein Fahrzeug. Auf einem geliehenen Motorrad fuhr er die Patienten zum Röntgen nach Aalen oder Heidenheim. Honorare gab es anfangs so gut wie keines – mal einen Schnaps oder a paar Pfanna.
Mehr dazu im Bericht 576.
Vor seinem Start in Oberkochen, lag die ärztliche Betreuung bei Dr. Sinz und Dr. Dischler, der seine Patienten mit dem Pferd aufsuchte sowie bei Dr. Schmitt — sie kamen alle aus Unterkochen. Dr. Liesching und Dr. Lubenau aus Königsbronn, der als erster mit dem Auto in Oberkochen anreiste.

der frühere erste niedergelassene Arzt Dr. Eberhard Sussmann – gegenüber dem katholischen Friedhof (Archiv HVO)
Ärzte in Oberkochen bis heute (hoffentlich habe ich keinen vergessen)
- Albert Möhle
- Albert Schwarz (siehe auch Bericht 749)
- Anette Köhler
- Carmen Wörz (hat die Praxis von Peter Gangl übernommen)
- Diane Hägele
- Eberhard Sussmann (der erste niedergelassene Arzt in Oberkochen siehe auch Bericht 576)
- Franklin Rosenberg (Gynäkologe)
- Friedrich Busch (Internist)
- Günther Osang
- Gottfried Glatting (hat später eine Praxis in Stans am Vierwaldstätter See übernommen)
- Günther Joka (Internist, engagierte sich stark für Schädel-Hirn-Patienten)
- Hans Brennenstuhl (auch im Gemeinderat tätig)
- Josef Jordan (aus dem Sudetenland)
- Karl Elmer (auch Vorsitzender des HVO und des DRK)
- Klaus Holtz (auch im Gemeinderat tätig)
- Ludwig Borst (kam als zweiter Arzt 1946 aus dem Sudetenland und war anfangs auch mein Hausarzt)
- Marianne Schwarz (siehe auch Bericht 749)
- Matthias Möhrle (hat die Praxis von Vater Albert übernommen)
- Matthias Wingert (baut aktuell eine eigene Praxis auf)
- Michael Gall
- Miriam Deininger
- Nadja Wagner
- Peter Gangl (auch im Gemeinderat tätig)
- Peter Schäfer
- Roland Borst (musste seinen Beruf aufgrund eines Unfalls bei einem Patientenbesuch aufgeben)
- Rolf Aßmuss
Weiter geht’s in Bälde u.a. mit dem „Bälde“ – „Billie vom Sonnenberg“