„Amade­us“ – Georg Stark aus dem Hainbu­chen­weg 12/1
Oberko­chen hat das Glück, dass gleich zwei bekann­te Zaube­rer unter uns wohnen. Den anderen findet ihr unter „Z“ wie Zabuki.
„Aus der Schwä­Po aus dem Jahr 2021 nach einem Auftritt in der Versöh­nungs­kir­che Oberko­chen: “Er versteht einfach sein Handwerk”, meint ein Besucher nach dem ersten Zauber­block von Amade­us. Illusio­nen mit Seil und Spiel­kar­ten präsen­tiert er mit Leich­tig­keit, seine Kommen­ta­re sitzen und die Zuschau­er sind verblüfft. Keiner kommt ihm auf die Schli­che, auch nicht bei der Metamor­pho­se mit Seilen. „Zaube­rei hat auch mit Finger­fer­tig­keit zu tun”, sagt Amade­us und bindet das Publi­kum ins Gesche­hen. Ein Volltref­fer ist die Nummer mit den Geldschei­nen, die sich im wahrs­ten Sinne zauber­haft vermeh­ren.“
Georg Stark, Jahrgang 1939 und gebür­tig aus Königs­brunn bei Augsburg. Nach einer Lehre als Elektro­me­cha­ni­ker und einem Studi­um der Elektro­tech­nik lande­te er 1963 bei Zeiss in der Entwick­lung. Das Inter­es­se und die Liebe zur Zaube­rei hat seinen Ursprung bei einem Besuch einer VHS-Veran­stal­tung, der erste Versu­che zur Folge hatte. Aber das reale Leben mit Beruf, Hochzeit, Hausbau und Kind hatte erst mal Vorrang. Im zarten Alter von 40, Schwa­ben werden da ja auch erst gescheit, legte er mit der Zaube­rei so richtig los. Ein wichti­ger Auftritt war eine Silves­ter-Perfor­mance auf der Kapfen­burg, bei der er als Zaube­rer bei einer Feier eines Arbeits­kol­le­gen auftrat. Es folgten Jahrzehn­te, an denen er in der gesam­ten Region auftrat und das bis heute tut – oft bei Wohltä­tig­keits­ver­an­stal­tun­gen. Zudem hat er auch ein Kinder­pro­gramm in Petto. Beispiel­haft seien erwähnt:

  • In der „Arche“ in Dischingen
  • Bei Senio­ren­nach­mit­ta­gen
  • Im Bürger­spi­tal Aalen
  • Bei 100jährigen Fest der Carl Zeiss Stiftung
  • Bei Benefiz­ver­an­stal­tun­gen
  • Bei Sommer­fes­ten der Firmen Geiger und Kummich
  • Beson­ders liebte er die Auftrit­te im „Tiefen Stollen“ in Wasseralfingen
  • Beim 50jährigen Jubilä­um der SFZ Druck und Medien
  • Und bei vielen weite­ren Gelegenheiten


Ob Tücher, Seile, Karten­tricks oder Messer unter Papier­tü­ten oder gar eine Guillo­ti­ne für die Hände; Geldschei­ne, die sich vermeh­ren oder gar verbrannt werden; Krawat­ten, die zerschnit­ten werden und danach wieder wie neu ausse­hen. Alles findet in der Zaube­rei Verwen­dung. Und wenn der Entwick­ler­geist sich frei entfal­ten kann, gibt’s dann auch mal einen Roboter und eine Verschwin­de­ma­schi­ne, welche die Zuschau­er oft verblüff­ten.
 
Natür­lich ist er Mitglied im „Magischen Zirkel“ Link:
Über uns ° MZvD, Magischer Zirkel von Deutsch­land.
Die Ortsgrup­pe Aalen-Heiden­heim trifft sich alle 4 Wochen im „Grauleshof“ in Aalen. In einem Zeitungs­be­richt aus dem Jahr 2011 wird u.a. über Nachwuchs­sor­gen berich­tet. S isch halt überall das Gleiche: Was nicht „Schnell Schnell mit viel Geld“ geht, hat es inzwi­schen schwer bei uns. Kunscht isch halt au a Gschäft und bekannt­lich kommt es von Schaf­fen und Können – und das braucht Zeit. Auch die Ehrlich-Brothers sind nicht vom Himmel gefal­len.
 Georg Stark erklär­te mir während unseres netten Gesprächs noch die Unter­schie­de in der Zauberei:

  • Micro­ma­gie bezeich­net Zauber­kunst­stü­cke, die in unmit­tel­ba­rer Nähe zum Publi­kum ausge­führt werden – meist am Tisch oder im kleinen Kreis, ohne große Bühne oder techni­sche Hilfsmittel
  • Künst­le­ri­sche Illusi­ons­ma­gie. Diese Form dient der Unter­hal­tung und basiert auf natür­li­chen Mitteln, wie sie etwa Zaube­rer oder Illusio­nis­ten verwen­den. Sie erzeugt visuel­le oder menta­le Täuschungen.
  • Manipu­la­ti­ons­ma­gie ist eine Form der Magie, die darauf abzielt, das Verhal­ten, Denken oder die Emotio­nen anderer gezielt zu beein­flus­sen – oft subtil und ohne dass die Betrof­fe­nen es bemerken
  • Manipu­la­ti­ons­ma­gie ist eine Form der Magie, die darauf abzielt, das Verhal­ten, Denken oder die Emotio­nen anderer gezielt zu beein­flus­sen – oft subtil und ohne dass die Betrof­fe­nen es bemerken
  • Stand-up-Magie ist eine Form der Zauber­kunst, die zwischen Close-up-Magie (Tisch­zau­be­rei) und Bühnen­ma­gie angesie­delt ist. Sie wird typischer­wei­se vor einem mittel­gro­ßen Publi­kum aufge­führt – etwa bei Firmen­fei­ern, Hochzei­ten oder in kleinen Theatern – und kombi­niert visuel­le Effek­te, Inter­ak­ti­on und Comedy

….. und abschlie­ßend gab es natür­lich noch einen Karten-Zauber­trick, damit ich auf dem Heimweg etwas zum Nachden­ken hatte. Oberko­chen kann sich glück­lich schät­zen, dass gleich 2 Zauber­künst­ler bei uns behei­ma­tet sind.

Unser Zaube­rer Amade­us (Überlas­sen von Georg Stark)

„d Ameri­ka­ne­rin“ – Kreszen­tia Gold aus der Aalener Straße 32
Im Jahr 1962 war sie die ältes­te Einwoh­ne­rin und verstarb am 14. Febru­ar mit fast 95 Jahren. Ohne Zweifel eine beson­de­re Frau. Schau­en wir kurz auf ihr Leben: „Geboren am 9. Mai 1867 als 4tes Kind des Micha­el Gold (Holzwart) und seiner Frau Kreszen­tia geb. Weber. Mit 19 Jahren, also 1886, wander­te sie nach New York aus. Während des I. Weltkriegs kam sie zurück. Kurze Zeit später ging sie wieder in die USA, um 1933 endgül­tig zurück­zu­keh­ren. Sie gehör­te zu den Menschen, die durch zwei Geldent­wer­tun­gen ihr Vermö­gen verlor, aber nicht ihre Frohnatur.“

„Dr Amnesch­tie­sch­lig­ger“
Die Geschich­te findet man im Bericht 740.

„S Amtsblatt“ – nicht nur für amtli­che Bekannt­ma­chun­gen
Nachdem Bürger­meis­ter Gustav Bosch entschie­den hatte, dass die Zeit des Ausschel­lens durch den Amtsbüt­tel vorbei ist, wurde das Amtsblatt „Bürger und Gemein­de“ im Jahr 1953 ins Leben gerufen. Im Volk auch unter den Begrif­fen (die Bürger­meis­ter Peter Traub nicht so mag) „Käsblät­te“, „Bürger und Bauer“ oder oifach „s Blätt­le“ geläu­fig. Von Anfang an legte Gustav Bosch aber großen Wert darauf, dass auch heimat­kund­li­che Themen über Alt-Oberko­chen im „Blätt­le“ ihren Platz hatten. Die Autoren aus der Zeit vor Gründung des Heimat­ver­eins hießen:

  • Bürger­meis­ter Gustav Bosch
  • Konrek­tor Gottlob Braun
  • Oberleh­rer Karl Fried­rich Fischer
  • Oberleh­rer Alfons Mager
  • Oberleh­rer Ignaz Umbrecht
  • Pfarrer Josef Trittler
  • Steuer­in­spek­tor Franz Balle

Dazu griff er einige Male selbst zur Feder oder animier­te andere dazu. Auch die Nachfol­ger im Amt förder­ten diese Art von Berich­ten bis heute, was wir auch vom neuen Bürger­meis­ter erwar­ten. Deshalb ist es nicht verwun­der­lich, dass sich unser Amtsblatt (was die Inhal­te angeht) bis heute, im Vergleich zu anderen im Ostalb­kreis, doch deutlich abhebt. Die cools­te Anzei­ge, die ich im „Blätt­le“ gefun­den habe, stammt aus dem Jahr 1977.

Die Anzei­ge des Jahres aus dem Jahr 1977 im Amtsblatt (Archiv Müller)

„dr Amtsbüttl“ – Gibt‘s au nemme: Der perso­ni­fi­zier­te Vorgän­ger des Amtsblat­tes
Ursprüng­lich war der Büttel (mhd. bütel­ae­re, bütel, bodel, Pedel; ahd. Butil) ein Bote und eine
gericht­li­che Hilfs­per­son, die von der Vorla­dung zum Gericht über Festnah­me und Beschlag­nah­mung bis hin zum Vollzug von Leib- und Lebens­stra­fen die unter­schied­lichs­ten Aufga­ben erledig­ten. Büttel waren ursprüng­lich durch doppel­tes „Wergeld“ (Schadens­er­satz statt Blutra­che) geschütz­te und zumin­dest bei größe­ren Gerich­ten geach­te­te Männer, denen mancher­orts für Bagatell­ver­ge­hen eigene Gerichts­ge­walt übertra­gen wurde. Erst später, als ihre Befug­nis­se im Stadt­recht auf niedri­ge Hilfs­diens­te einge­schränkt wurden, sanken sie im Ansehen ab und wurden häufig den „unehr­li­chen“ Leuten (wie z.B. Henker, Toten­grä­ber, Abdecker, Zöllner, Türmer, Nacht­wäch­ter, Holz- und Feldhü­ter, Markt­schrei­er, Gaukler, Spiel­leu­te, Bettler und Prosti­tu­ier­te) zugerech­net.
Im 19. Jahrhun­dert war der Amtsbüt­tel oft für die lokale Polizei und Gerichts­bar­keit zustän­dig und hatte Aufga­ben wie die Überwa­chung der öffent­li­chen Ordnung, die Verhaf­tung von Straf­tä­tern und die Durch­füh­rung von Gerichts­be­schlüs­sen. Mit der Zeit wurden diese Aufga­ben zuneh­mend von profes­sio­nel­len Polizei­kräf­ten und anderen staat­li­chen Behör­den übernom­men.
Im 20. Jahrhun­dert wurde die Rolle des Amtsbüt­tels weitge­hend abgeschafft oder in andere Beamten­po­si­tio­nen integriert. Die Aufga­ben, die einst dem Amtsbüt­tel zugeord­net waren, wurden von moder­nen Polizei- und Verwal­tungs­be­hör­den übernom­men.
Unsere Alten in Oberko­chen erinnern sich vielleicht noch an Stephan Seibold, den letzten Amtsbo­ten in blauer Uniform, der bis Anfang der 1950er Jahre die Ortsnach­rich­ten „ausschell­te.” Wo ist die Uniform geblie­ben? Sie gehört doch ins Heimat­mu­se­um! Ausge­stat­tet mit blauer Uniform und Schel­le hatte er viele Jahre die Bürger über das Aller­neu­es­te und Wichtigs­te infor­miert. Nicht jeder hatte aber die Möglich­keit, sich auf diese Weise Infor­ma­tio­nen zu beschaf­fen. Die Werktä­ti­gen vor allem waren ausge­schlos­sen, weil sie ja keine Gelegen­heit hatten, sich tagsüber in der Ortsmit­te zu versam­meln. Wie können die Bürger besser und seriös infor­miert werden? Wie kann man sie in kommu­nal­po­li­ti­sche Entschei­dungs­pro­zes­se einbin­den? Mit diesen Fragen befass­te sich anfangs der 1950er Jahre der Gemein­de­rat. Ergeb­nis war, dass am 6. März 1953 die erste Ausga­be des Amtsblatts “Bürger und Gemein­de” erschien. In seinem Geleit­wort zur ersten Ausga­be schrieb Alt-Bürger­meis­ter Gustav Bosch: „Die herge­brach­ten Formen des Ausschel­lens und des Anschlags am Rathaus befrie­di­gen nicht mehr. Nur was man Schwarz auf Weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.”
 Die Liste der Amtsbüt­tel ist nicht vollständig:

  • Melchi­or Wellhü­gel (1830)
  • Stephan Seibold (1944 bis 1957)
  • Josef Wingert (1957 bis 1975)
  • Horst Schie­we (1975 bis 1985)
  • Wolfgang Hinnen (1985 bis 2014)
  • Dieter Schnei­der (2014 bis 2021)
  • Jürgen Brach­hold (2021 bis 2024)
  • George Beri (ab 2025)
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Mit dr Schell machte sich der Büttel bemerk­bar, wenn er etwas auszu­ru­fen hatte (Archiv Müller)

„Andi“ – Andre­as Holden­ried aus der Weingar­ten­stra­ße 58
Banker, Musiker, Sammler, franko­phi­ler Oldti­mer­freak. Seit frühes­ter Jugend wurde er von den großen Saxopho­nis­ten der 50er und 60er-Jahre beein­flusst, wie auch vom Soul- und Fusions­stil der 80er. Und so pendelt er seit über 30 Jahren als Grenz­gän­ger zwischen Jazz und Pop. Der lyrische und beseel­te Ton seines Saxofo­nes ist das Marken­zei­chen des Musikers, der stilis­tisch sowohl tradi­tio­nell als auch modern zu perfor­men weiß. Als gefrag­ter Sidemann in vielen Bands und Projek­ten gab und gibt er vielbe­ach­tet seine musika­li­sche Visiten­kar­te ab. Gefühls­be­tont und mit viel Verve ist die musika­li­sche Art der Kommu­ni­ka­ti­on des Instru­men­ta­lis­ten, der stets mit seinem Saxofon förmlich verschmilzt (siehe Website der „Swing Affairs“). Gerne lege ich ab und zu seine CD auf und höre ihm zu.
Auch als Sammler franko­phi­ler Autos und Wohnwa­gen hat er sich einen Namen gemacht und wenn ein altes franzö­si­sches Auto durch Oberko­chen fährt – da sitzt wahrschein­lich der Andi drin.
In den Sommer­fe­ri­en liebte er es früher als Straßen­mu­si­ker nach Paris zu gehen und die künst­le­ri­sche Atmosphä­re einzu­at­men und seine beseel­te Musik auszu­at­men. Auch sein „Vinta­ge 55“ ist etwas Beson­de­res. Im Januar 2024 erschien ein wunder­ba­rer Artikel über ihn in der SchwäPo.

„Andonia“ – Antonia Minder aus der Heiden­hei­mer Straße 37
Bekannt als Zeitungs­aus­trä­ge­rin mit dem berühm­ten Spruch „Wam’r no koa“. Sie war eine Tochter von Hans Minder und ging in Pantof­feln durch den Ort und zog ihr Loiter­wä­ge­le voller Zeitun­gen hinter sich her. Aber sie stell­te die Zeitun­gen auch über „oigene“ Boten zu (wie z.B. über Schüler an die Lehrer). Zu ihrem 65sten Geburts­tag dankte ihr „das Rathaus“ für ihre Diens­te als Austrä­ge­rin des Amtsblat­tes mit dem Hinweis: „Ihre von kräfti­gem Humor gewürz­ten Vorhal­tun­gen am Freitag­vor­mit­tag, wenn das Bürger­blätt­le – wie leider meistens – recht spät aus der Drucke­rei kommt, möchten wir nicht missen.“ Und wünsch­te ihr noch viele Jahre auf munte­ren Füßen und weiter­hin einen urwüch­si­gen Mutterwitz.

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d‘ Antonia, wie wir sie noch alle in Erinne­rung haben (Archiv Rathaus)

„Andy“ – Andre­as Neuhau­ser aus der Dreißen­tal­stra­ße 48
Andre­as Neuhäu­ser hat 25 Jahre lang als Anwen­dungs­pro­gram­mie­rer bei Carl Zeiss gearbei­tet. Bis zu dem Tag, als es einfach nicht mehr ging, als die Behin­de­rung es nicht mehr möglich machte. Ein Compu­ter-Freak ist er geblie­ben. Als Webmas­ter war er geschätzt bei zahlrei­chen Verei­nen. Die Homepages des Albver­eins, der Schlag­ga­wä­scher, des Heimat­ver­eins und des Sänger­bunds hat er entwi­ckelt und er sorgte für deren Pflege.
Aus der Schwä­Po ein paar Dinge über ihn:Andy Neuhäu­ser ist trotz seiner schwe­ren Körper­be­hin­de­rung eine Frohna­tur. „Ich will unter die Leute, das Leben leben und mein Freund Micha­el (Micha­el Amerein verstarb im Jahr 2024) ist mir eine große Stütze, wir ergän­zen uns, das ist prakti­sche Inklu­si­on”, sagt Neuhäu­ser“. Wo die Blasmu­sik blies, waren die beiden dabei.
Der Zeitung sagte er: „Es wird mittel­fris­tig schwie­rig sein, weiter zu Hause zu wohnen. Meine Mutter kommt an ihre Grenzen”, sagt Andy und er setzt ganz realis­tisch hinzu: „Ich bin im Kopf noch gut drauf und will auf keinen Fall ins Pflege­heim.” Das ist ihm erspart geblie­ben – gestor­ben ist er trotz­dem zu früh.
Im Febru­ar 2008 veröf­fent­lich­te die Schwä­Po folgen­den Artikel über ihn:
„Sauer­stoff­man­gel bei der Geburt führte zur Behin­de­rung. Die Körper­be­hin­de­rung hat sich beim heute 44-jähri­gen mit den Jahren ausge­wach­sen, die Motorik verschlech­tert. Trotz­dem sagt Andy selbst­be­wusst im Gespräch mit dieser Zeitung: “Ich habe es allen gezeigt.” Heute ist Neuhäu­ser eine gefrag­te Adres­se in punkto “Homepage”. Für den Albver­ein, den Sänger­bund, für die Schlag­ga­wä­scher, den Heimat­ver­ein und für die Skischu­le hat er eine Inter­net­sei­te erstellt. “Damals war alles noch viel besser mit der Motorik”, erinnert sich Andy Neuhäu­ser an die Zeit im Carl-Zeiss-Kinder­gar­ten und an die Grund­schul­zeit im Dreißen­tal. Er wird nachdenk­lich. “Nach der Grund­schul­zeit wollte mich keiner”, meint er. Er wollte aufs Gymna­si­um oder an die Realschu­le, aber wegen seinem gerin­ge­ren Arbeits­tem­po infol­ge der Körper­be­hin­de­rung wurde die Aufnah­me versagt. Aber für Andy Neuhäu­ser galt damals dassel­be wie heute, da bald wieder eine schwie­ri­ge Hüftge­len­k­ope­ra­ti­on ansteht: “Blick nach vorn, die Hoffnung stirbt zuletzt.” Andy machte seinen Realschul­ab­schluss am Reha-Zentrum in Neckar­ge­münd bei Heidel­berg und wurde dort zum EDV-Kaufmann ausge­bil­det. Danach schien wieder ein Genick­schlag zu drohen. “Gut 100 Bewer­bun­gen habe ich geschrie­ben, keiner wollte mich”, schaut er zurück. Durch persön­li­che Fürspra­che wurde er dann 1985 mit einer halben Planstel­le als Program­mie­rer bei der Firma Carl Zeiss übernom­men. “Die Herren haben mich unter­schätzt, ich habe mich in der Folge­zeit ständig empor­ge­ar­bei­tet”, betont Neuhäu­ser. Seit drei Jahren arbei­tet er jetzt bei der Firma Hewlett-Packard im Zeiss-Areal in Oberko­chen. “In der Firma sitze ich acht Stunden am Compu­ter, zu Hause kommen sieben Stunden hinzu”, verweist Andy auf seine ehren­amt­li­che Tätig­keit als “Homepage-Maker.” Diese “Karrie­re” begann zu der Zeit, als sich Neuhäu­ser von einer großen Lenden­wir­bel-Opera­ti­on erhol­te. So ganz im Stillen, knieend, weil er ein halbes Jahr nicht sitzen durfte, machte er sich dran, für die Älbler eine Homepage zu entwer­fen. “Die Kennt­nis­se zum Program­mie­ren habe ich mir selbst aus diver­sen Compu­ter-Magazi­nen angeeig­net”, betont er. Immer mehr Verei­ne kamen auf ihn zu. Alles sind voll des Lobes: “Der Andy wird´s schon richten” ………. Mein Leben ist nicht leicht, aber dank meiner noch rüsti­gen Eltern und guter Freun­de mache ich das Beste draus.” Und er setzt hinzu: “Mein Leben ist der Compu­ter, da finde ich Erfül­lung.” Eine zweite Leiden­schaft sind Reisen, zusam­men mit anderen behin­der­ten Menschen. “Ich war schon auf jedem Konti­nent”, meint Andy nicht ohne Stolz. Brasi­li­en und die USA hätten ihm beson­ders gefal­len. Beein­druckt hat ihn in den USA die behin­der­ten­ge­rech­te Infra­struk­tur in allen Berei­chen. In China sei das sehr schwie­rig gewesen. Dann wird Andy ein wenig nachdenk­lich: “In vier Wochen werde ich an der Hüfte operiert, da habe ich richtig Angst.” Lachend fügt er aber gleich bei: “Den Laptop nehme ich ins Kranken­haus ganz bestimmt mit.“
Ich habe lange mit ihm auf der Website des Heimat­ver­eins zusam­men­ge­ar­bei­tet, aber ab Oktober 2022 ging das nicht mehr. Und als er im Jahr 2023 starb, starb auch die Website des Heimat­ver­eins. Vor allem die Auswär­ti­gen vermiss­ten die Website, denn das digita­le Amtsblatt ist dafür kein Ersatz. Nach über 1000 Tagen leidvol­len Website-Entzugs ist die neue Website des Heimat­ver­eins seit Juli 2025 online. Link: Heimat­ver­ein Oberko­chen e.V.

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Andre­as „Andy“ Neuhäu­ser und Micha­el Amerein – beide inzwi­schen verstor­ben (mit Geneh­mi­gung der Schwä­Po Regio­na­le Nachrich­ten aus der Region Aalen — Schwä­bi­sche Post)

„Anklop­fen“ – Brauch­tum zur Weihnachts­zeit
Die Klopf­ta­ge waren zunächst die drei dem Weihnachts­fest voraus­ge­hen­de Donners­ta­ge, später nur der Donners­tag vor Weihnach­ten. Ursprung des Brauchs war wohl der heidni­sche Gedan­ke, durch an die Fenster gewor­fe­ne Erbsen ungebe­te­ne Geister zu vertrei­ben. Als Dank für diesen Dienst erbaten sich die Anklop­fer kleine Gaben (Apfel, Nüsse und dgl.). Der Brauch geriet aber im Lauf der Jahre etwas in Verruf, da er mehr oder weniger in Bette­lei ausar­te­te. Weite­re „Sitten und Bräuche“ ab Seite 447 im ersten Heimat­buch „Geschich­te Landschaft Alltag“.

„d Anna“ oder „Ochsa­wir­de“ – Anna Edinger geb. Kirch­dör­fer aus der Aalener Straße 2

Die Tochter Jakob Kirch­dör­fers, Anna Edinger (1919−1993), führte den „Ochsen“ vom 1.12.1955 bis 21. Juni 1972 weiter. Danach übernahm Karl Jakob „Köbele“ Edinger (1945−2012). Alles weite­re zum „Ochsen“ findet sich im Bericht 796.

„Anna! S Gedicht!“ – Schwoa­ba­land vom Auguscht Lämmle
So hieß es oft auf Famili­en­fei­ern und wenn die Anna, des Engel­berts Grupps („Goldab­au­er“), Schwes­ter, Lust hatte, legte sie los:
Steig nauf da Berg,
guck naus ens Land
Was mier für a schea­na Hoimat hent
Doa leit für sich a kloina Welt
 Drom rom send Berg ond Hüg’l g’stellt
Ond drüber ischt d’r Hemmel deckt
 Ond drunt’r ischt dui Welt versteckt
 Ond Wiesa hoats ond Wälder
Ond was für schea­na Feld’r
Ond Bächla au mit Brugga
Ma ka’s schiehr net vergug­ga
Ond mitta en d’r Herrlich­keit
Als hättat Kend’r Bloama g’streit
Leit doa a Dörfle, dort a Haus
 Ond drieb’r guckt a Kirch­tum raus
 A stiller Friede isch drom her
 Wia wenns doa äw‘ll Sonndig wär
So liab ischt älles ond vertraut
 Als hätts d’r Herrgott zemma­baut
Joa, oans’r Schwoa­baldn ischt wägg’r
Wo’s oanpackscht, auf der Alb, am Neck’r
Em Gäu, em Schwarz­wald ond dem Ries,
 a Ländle grad wias Paradies.

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Goldabauer’s Anna (Überlas­sen von Rita Grupp)

„d Aposchtl- ond Himmels­trä­ger“ – äbbes Kirch­lichs
Das war und ist noch immer ein ganz wichti­ger Bestand­teil der Fronleich­nams-Prozes­si­on. Im Bericht 640 lesen wir dazu von Petrus Canisius Uhl:
Die „Himmels- und Apostel­trä­ger“ waren i.d.R. honori­ge katho­li­sche Bürger, die dieses Amt ausfüh­ren durften. Das Amt wurde nicht „gekauft oder erspen­det“ sondern verlie­hen bzw. ererbt. In den Famili­en wurde dieses Ehren­amt sehr hochge­hal­ten, auch wenn es tlw. mit Kosten verbun­den war.

Himmels­trä­ger 1 Eugen Weber (Nachfah­re des Kohls­effs)
Himmels­trä­ger 2 Bernhard Brunn­hu­ber (Holzbau)
Himmels­trä­ger 3 Micha­el Kistner
Himmels­trä­ger 4 Franz Balle jun. (Bruder von Gerhard Balle)

Apostel­trä­ger 1 Gold (Edwin (Skigold) jetzt Sohn Heinz),
Apostel­trä­ger 2 Stefan Bauer (Nachfah­re von Hassin­gers im Jäger­gäss­le, kommt übrigens jedes Jahr extra von Überlin­gen angefah­ren),
Apostel­trä­ger 3 Berthold Hug, Sohn von Willi­bald Hug in der Aalener Straße,
Apostel­trä­ger 4 Sohn von Otto Schaupp, wohnhaft Im Mahd,
Apostel­trä­ger 5 Sohn von Josef Brand­stet­ter (König) im Katzen­bach
Apostel­trä­ger 6 Paul Fischer (Woidle), er erhielt seinen Apostel von Bernhard Hirner, der leider vor einigen Jahren verstarb
Apostel­trä­ger 7 Maler Hausmann, sein Apostel wurde bisher von seinem Sohn Edgar getra­gen, im letzten Jahr hat sein Bruder Walter sich für Ihn einge­reiht
Apostel­trä­ger 8 Petrus Uhl in der Nachfol­ge seines Bruders Franz
Apostel­trä­ger 9 Anton Balle vom Vater übernom­men (vorde­rer Balle in der Katzen­bach­stra­ße)
Apostel­trä­ger 10 Herbert Betzler (Elektro-Betzler)
Apostel­trä­ger 11 Adolf Wunder­le
Apostel­trä­ger 12 Stefan Balle vom Vater übernom­men (Sohn vom hente­ra Balle Feigengasse)“

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Die Apostel­trä­ger im Jahr 2013 während des Fronleich­nam­s­um­zu­ges in der Katzen­bach­stra­ße (Archiv Müller)

„s Armehaus“ – Gibt‘s nemme: Gebäu­de im Kapel­len­weg 8
Das Armen­haus, früher auch Hirten­haus genannt, wurde im Oktober 1956 abgebro­chen. Es unter­stand beiden örtli­chen Kirchen­ge­mein­den. Die ersten Hinwei­se auf eine gemein­sa­me Armen­kas­se gehen auf das Jahr 1650 zurück, als Folge des 30jährigen Krieges, der auch für Oberko­chen verhee­rend war. Aus dem Jahr 1923 gibt es ein Gemäl­de von Sophie Mehl, das im ersten Heimat­buch auf Seite 75 abgebil­det ist. Dazu schrieb Christ­hard Schrenk einen Bericht über die örtli­che Armen­für­sor­ge auf den Seiten 74ff. Siehe auch Bericht 507. Heute wohnt auf diesem Grund­stück Hubert Glaser.

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Das Armen­haus im Brunkel, kurz vor dem Abriss 1956 (Archiv Müller)

„dr ersch­te Arzt“ auch „Pfanna­dok­tor“ – Dr. Eberhard „Ebbe“ Sussmann aus der Bahnhof­stra­ße 15
Er war der erste nieder­ge­las­se­ne Arzt, der nach dem II. Weltkrieg zu uns nach Oberko­chen kam.
Ab 1945/1946 erster und einzi­ger Arzt in Oberko­chen, Bahnhof­stra­ße 5 in der Bäuerle Villa, später im Haus Nr. 15. Die Praxis schloss 1984. Er wurde fast 93 Jahre alt und starb im Jahr 2008. Die Tochter berich­te­te: „Vater ist am 6.6.1916 in Magde­burg geboren. Einzel­kind, Vater im Krieg gefal­len. Mutter hat ihn zielstre­big und streng erzogen. Er war ein streb­sa­mer guter Schüler und studier­te Medizin in Marburg. Kaum hatte er das Examen musste er als Stabs­arzt in den Krieg, Haupt­ein­satz in Südfrank­reich auf einem Flieger­horst bei Sête. Rückkehr 1944 gerade recht­zei­tig zur Geburt seines ersten Kindes Jürgen Ende Juli. Er war dann Assis­tenz­arzt bei Dr. Walz, schwer­punkt­mä­ßig wohl auch Gynäko­lo­gie.“ Die US-Militär­be­hör­de ordne­te im April 1945 an, dass er die ärztli­che Versor­gung der rund 1.000 Fremd­ar­bei­ter in den hiesi­gen Betrie­ben zu überneh­men habe. Daraus ergab sich im Juni 1945 die Arbeit als erster nieder­ge­las­se­ner Arzt in Oberko­chen mit heute kaum mehr vorstell­ba­ren Rahmen­be­din­gun­gen: Keine Instru­men­te, keine Medika­men­te, beschei­de­nen Praxis­räu­me und kein Fahrzeug. Auf einem gelie­he­nen Motor­rad fuhr er die Patien­ten zum Röntgen nach Aalen oder Heiden­heim. Honora­re gab es anfangs so gut wie keines – mal einen Schnaps oder a paar Pfanna.
Mehr dazu im Bericht 576.
Vor seinem Start in Oberko­chen, lag die ärztli­che Betreu­ung bei Dr. Sinz und Dr. Disch­ler, der seine Patien­ten mit dem Pferd aufsuch­te sowie bei Dr. Schmitt — sie kamen alle aus Unter­ko­chen. Dr. Liesching und Dr. Luben­au aus Königs­bronn, der als erster mit dem Auto in Oberko­chen anreiste.

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der frühe­re erste nieder­ge­las­se­ne Arzt Dr. Eberhard Sussmann – gegen­über dem katho­li­schen Fried­hof (Archiv HVO)

Ärzte in Oberko­chen bis heute (hoffent­lich habe ich keinen vergessen)

  • Albert Möhle
  • Albert Schwarz (siehe auch Bericht 749)
  • Anette Köhler
  • Carmen Wörz (hat die Praxis von Peter Gangl übernommen)
  • Diane Hägele
  • Eberhard Sussmann (der erste nieder­ge­las­se­ne Arzt in Oberko­chen siehe auch Bericht 576)
  • Frank­lin Rosen­berg (Gynäko­lo­ge)
  • Fried­rich Busch (Inter­nist)
  • Günther Osang
  • Gottfried Glatt­ing (hat später eine Praxis in Stans am Vierwald­stät­ter See übernommen)
  • Günther Joka (Inter­nist, engagier­te sich stark für Schädel-Hirn-Patienten)
  • Hans Brennen­stuhl (auch im Gemein­de­rat tätig)
  • Josef Jordan (aus dem Sudetenland)
  • Karl Elmer (auch Vorsit­zen­der des HVO und des DRK)
  • Klaus Holtz (auch im Gemein­de­rat tätig)
  • Ludwig Borst (kam als zweiter Arzt 1946 aus dem Sudeten­land und war anfangs auch mein Hausarzt)
  • Marian­ne Schwarz (siehe auch Bericht 749)
  • Matthi­as Möhrle (hat die Praxis von Vater Albert übernommen)
  • Matthi­as Wingert (baut aktuell eine eigene Praxis auf)
  • Micha­el Gall
  • Miriam Deinin­ger
  • Nadja Wagner
  • Peter Gangl (auch im Gemein­de­rat tätig)
  • Peter Schäfer
  • Roland Borst (musste seinen Beruf aufgrund eines Unfalls bei einem Patien­ten­be­such aufgeben)
  • Rolf Aßmuss

Weiter geht’s in Bälde u.a. mit dem „Bälde“ – „Billie vom Sonnenberg“

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