Das Wappen der Familie Balle (überlas­sen von Martin Balle)

Intro. Balle – eine große Familie in Oberko­chen und lange ansäs­sig. Begin­nen wir mit einem Rückblick in eine Zeit, die wir uns heute nicht vorstel­len können. In der Schule lernten wir, dass der 30jährige Krieg von 1618 bis 1648 dauer­te, aber wir lernten nicht, was das bedeu­te­te: Krieg, Verwüs­tung, Verhun­gern, Tod, Entvöl­ke­rung. Im Jahr 1665, die Wunden des Krieges began­nen langsam zu heilen, kauften Caspar Balle (geb. 1615 gest. 1675) und seine Frau Ursula für 1.425 Gulden (heuti­ger Wert zwischen 300.000 und 600.000 Euro) den Birkhof. Nach dem Tode ihres Mannes übertrug Ursula den Hof 1687 für 1.200 Gulden ihren Söhne Kaspar und Baltes. Im Jahr 1688 wurde der Birkhof geteilt und so kam es zur Trennung in den „oberen Balle und den unteren Balle“. Caspars Sohn Melchi­or heira­te­te nach Simmis­wei­ler und dessen Sohn Johann Adam Balle fand den Weg nach Oberko­chen und war, so die Annah­me, der erste Balle in Oberko­chen. Er heira­te­te am 12. Juli 1707 There­sia Veil aus Oberko­chen. Später stell­te sich heraus, dass bereits 1696 ein Jakob Balle und dessen Vater Emanu­el Balle im Kirchen­buch einge­tra­gen war. 1703 fand man im Kirchen­buch einen Kaspar Balle mit Ehefrau Anna Maria und Sohn Georg.

Der Birkhof – der Herkunfts­ort der Balles (Archiv Müller)

Und so kennen wir heute die unter­schied­lichs­ten Balle bei uns: Den Fahrrad-Balle, den Tankstel­len-Balle, den Christ­baum-Balle (dr hente­re Balle), den Bürger­meis­ter-vom-Katzen­bach-Balle (dr vorde­re Balle), den CDU-Balle und viele andere mehr.

Kurze Vorstel­lung der Balle-Linie des Bruno Balle. In der nachste­hen­den Famili­en­lis­tung sehen wir, dass es im 19ten Jahrhun­dert üblich war, wenn ein Kind sehr früh starb, das nächs­te Kind mit dem gleichen Namen zu taufen. Dahin­ter standen religiö­se Vorstel­lun­gen, Famili­en­tra­di­tio­nen und der Wunsch, den „verlo­re­nen“ Namen im Gedächt­nis der Familie zu bewah­ren. Wobei aber auch erkenn­bar ist, dass nicht in jedem Fall so gehan­delt wurde.

Franz Jakob Balle *29.03.1755 / †20.08.1837 und Maria Anna Brand­stet­ter *30.05.1751 / †16.04.1829 / Heirat am 03.02.1776. Aus der Ehe gingen 7 Kinder hervor.

Johann Jakob Sebas­ti­an Balle *30.01.1790 / † 06.2.1869 und Maria Vikto­ria Concor­dia geb. Schübel *31.12.1788 / †14.05.1861 / Heirat am 22.11.1820. Aus der Ehe gingen 7 oder 8 Kinder hervor: Sie bewirt­schaf­te­ten das landwirt­schaft­li­che Anwesen in der Feigen­gas­se (dr hente­re Balle)

Sohn Jakob Balle *20.04.1823 / †19.04.1878 und Maria Anna geb. Schmid *11.12.1830 / †21.02.1903 / Heirat am 23.06.1852. Sie hatten 13 Kinder:

  1. Joseph Anton *08.04.1851 †09.04.1938
  2. Jakob *01.04.1853 †01.02.1856
  3. Johann Micha­el *21.09.1854 †04.12.1880
  4. Maria Aloisa *06.12.1855
  5. Johann Jakob *08.03.1857 †26.12.1937
  6. Maria Anna *08.02.1859 †31.05.1933
  7. Franz Xaver *27.03.1851 †13.02.1920
  8. Anton *27.08.1862 †31.08.1863
  9. Anton *03.06.1864 †28.12.1953
  10. Franz *22.01.1866 †14.10.1934
  11. There­sia *21.03.1867 †27.06.1867
  12. There­sia *03.09.1868 †29.08.1944
  13. Carl *04.05.1873 †01.01.1921

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Großva­ter, der erste Rechner der Gemein­de (überlas­sen von Martin Balle)

Joseph Anton Balle *08.04.1851 / †09.04.1938 und Maria Anna Brand­stet­ter *26.01.1855 / †03.03. 1931 / Heirat am 19.02.1884. Aus der Ehe gingen ebenfalls 13 Kinder hervor:

  1. Maria Anna *27.02.1876 †10.09.1942 
  2. Magda­le­na There­sia *26.02.1881 †07.10.1940
  3. Mathil­de Adelheid *26.09.1884 †05.03.1885
  4. Joseph Anton (Pfarrer) *11.04.1886 †18.01.1945
  5. Pauli­na There­sia *16.04.1887 †16.04.1887
  6. Franz Anton *21.05.1888 †21.05.1888
  7. Franz Anton *12.10.1889 †22.07.1971
  8. Anton Paul *04.10.1890 †20.03.1974
  9. Karl Jakob *28.02.1892 †03.03.1964
  10. Ignaz Peter Paul *25.06.1891 †21.09.1970
  11. Agnes Cäcilia *13.05.1895 †14.12.1895
  12. Aloisi­us *19.04.1896 †31.12.1896
  13. Aloisi­us *12.04.1898 †27.10.1971

Anton Paul *04.10.1890 / †20.03.1974 und Karoli­ne There­sia geb. Weber *02.11.1893 / †16.03.1956 / Heirat am 23.07.1923. Aus der Ehe gingen 6 Kinder hervor:

  1. Josef Anton *22.04.1925 †25.09.2012
  2. Anna Karoli­ne *14.07.1926 †15.02.2003
  3. Thekla *14.06.1929 †14.06.1929
  4. Gertrud Maria *21.11.1930 †29.11.2014
  5. Anton *22.05.1932 †18.07.2014
  6. Karl Bruno *02.02.1936 †10.06.2023

Karl Bruno *02.02.1936 / †10.06.2023 und Hilde­gard Kreszen­tia geb. Kaufmann *08.05.1937 / Heirat am 05.05.1972. Aus der Ehe gingen 2 Kinder hervor

  1. Martin *30.06.1973
  2. Andre­as *13.03.1975

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Hochzeit von Bruno Balle und Hilde­gard Kaufmann im Jahr 1972 (überlas­sen von Martin Balle)

Das Leben des Bruno Balle. Geboren wurde er am 2.2.1936 als 6. Kind der Eheleu­te Anton Paul *04.10.1890 / †20.03.1974 und Karoli­ne There­sia geb. Weber *02.11.1893 / †16.03.1956 (Das 3te Kind Thekla verstarb am Tag ihrer Geburt). Nach der obliga­to­ri­schen Schul­zeit, die er u.a. mit Albert Holz, Bruno Brand­stet­ter und Max Tritt­ler verbrach­te, begann er eine kaufmän­ni­sche Lehre bei der Firma Bäuerle in der Bahnhof­stra­ße. Der Firma Bäuerle blieb er 32 Jahre lang treu und wechsel­te dann für die nächs­ten 17 Jahre zur Firma Günther + Schramm.

1966 baute er das Haus in der Goethe­stra­ße 10 (heute Bürger­meis­ter-Bosch-Straße 10). Im Jahr 1972 wurde die Hochzeit mit Hilde­gard geb. Kaufmann gefei­ert. Die Familie wuchs mit den Jahren, 1973 wurde Martin und 1975 Andre­as geboren.

Nun war Bruno Balle aber ein politi­scher Mensch mit einer großen sozia­len Ader und da blieb es nicht aus, dass er bei den verschie­dens­ten Projek­ten oft an vorders­ter Front stand. Ein Antrieb für sein politi­sches und sozia­les Leben war die Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus, in der bereits sein Vater einiges an Schika­nen der Nazis erdul­den musste:

Als kleines Kind erleb­ten Bruno und seine Familie die braune Dikta­tur sehr direkt. Sein Vater und der Fabri­kant Josef Schmid waren Mitglie­der der Zentrums­par­tei. 1933 wurden Anton Balle und Josef Schmid aus dem Gemein­de­rat zwangs­wei­se entfernt. Vater Balle wurde später von der GeSta­Po (Gehei­me Staats­po­li­zei) wegen Wider­stan­des verhört und ihm und seiner Familie massi­ve Repres­sio­nen angedroht – bis hin zum Konzen­tra­ti­ons­la­ger. Beide Männer blieben ihrer christ­li­chen Grund­über­zeu­gun­gen und Linien zwölf Jahre lang treu – entge­gen den damali­gen Umstän­den – und zeigten somit, dass es auch anders ging.

Und so gewann Bruno in den 50er Jahren die Einsicht, dass Demokra­tie Engage­ment benötigt – diese Erkennt­nis braucht es auch heute vermehrt wieder, denn Demokra­tie fällt nicht vom Himmel und weilt dann ewig unter uns.

Herzens­pro­jek­te. Auf die Frage nach „seinen“ Projek­ten antwor­te­te mir Martin: „Das waren wohl der Kranken­pfle­ge­ver­ein, die Realge­nos­sen­schaft und das SMT-Projekt sowie die Katho­li­sche Kirche“. 

Kolping. 1953, im Alter von 17 Jahren, trat er der Kolpings­fa­mi­lie bei und seine erste ehren­amt­li­che Tätig­keit war die des Seniors in der Kolping­fa­mi­lie – heute würden wir Vorstand dazu sagen – und es kommt sicher nicht von ungefähr, dass heute wieder ein Balle den Kolping anführt – sein Neffe Anton Balle.

Junge Union. Im Jahr 1965 gründe­te er mit Hubert Winter die Junge Union in Oberkochen.

Senio­ren Union. Sie wurde 1988 durch Rudolf Eber, unter Mitwir­kung von Staats­se­kre­tär Dr. Eugen Volz MdL, gegrün­det. Bruno war von 2013 bis 2018 ihr Vorsitzender.

Oberko­che­ner Bank / VR Bank Ostalb. Tätig­kei­ten als Aufsichts­rat und Aufsichtsratsvorsitzender.

Realge­nos­sen­schaft. Das war über Jahrzehn­te hinweg das Terrain der Balles. Ab 1941 führte sein Vater und Bruno ab 1969 bis zu seinem Tod die Genos­sen­schaft und sorgten dafür, dass ein moder­ner Forst­be­trieb entstand. Während Brunos Amtszeit wuchs der Realwald um 50 ha.

Katho­li­scher Kranken­pfle­ge­ver­ein. Gute 52 Jahre lang, von 1966 bis 2019, führte er den Verein und ihm verdan­ken wir auch die Ökume­ni­sche Nachbarschaftshilfe.

CDU-Stadt­ver­band. Ihn führte Bruno von 1983 bis 2008.

Religi­on und Kirche. Das Chris­ten­tum war in der Familie Balle zu Hause und wurde gelebt. In diesem Zusam­men­hang muss die Geschich­te der Josefs-Kapel­le nochmals angespro­chen werden. Bruno Balle war auch als Erbau­er bei der Entste­hung dieser Kapel­le, als Teil der sog. „Bagage“, mit dabei.

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Bruno Balle als Gemein­de­rat (Archiv Rathaus

Gemein­de­rat. Im Jahr 1975 wurde er erstmals in den Gemein­de­rat gewählt. Über 34 Jahre gehör­te er dem Gremi­um bis zum Jahr 2009 an. Sieben Mal wurde er gewählt und immer mit einer sehr guten Stimmenzahl:

Jahr Stimmen

  • 1975 – 2.295
  • 1980 – 2.876
  • 1984 – 3.259
  • 1989 – 3.527
  • 1994 – 3.745
  • 1999 – 3.319
  • 2004 – 3.093

Erster und zweiter Vertre­ter des Bürger­meis­ters sowie Frakti­ons­vor­sit­zen­der waren zusätz­li­che Ämter, die er jahre­lang ausüb­te. Es gab keine Sitzung, keinen Tages­ord­nungs­punkt, kein Thema, auf das er nicht vorbe­rei­tet war und Stellung bezog.

Sein Wirken im Gemein­de­rat lässt sich mit den Worten seiner ersten Rede zum Haushalt beschrei­ben. Ich fand diese Anmer­kung in einer Rede von Franz Uhl: „Der Gemein­de­rat muss sich stets die Frage stellen, 

  • wo stehen wir
  • erfül­len wir die Aufga­ben, die uns gestellt sind
  • wirtschaf­ten wir mit den uns zur Verfü­gung gestell­ten Mitteln der Bürger optimal
  • stellt der Gemein­de­rat die Weichen der Stadt im Sinne des Bürgers
  • hat der Gemein­de­rat noch das Vertrau­en des Bürgers
  • vollzieht er Maßnah­men, die den Bürger, aber auch Handel, Gewer­be und Indus­trie nicht überfordern“

Bei der Verlei­hung der Bürger­me­dail­le sagte Balle zum Bürger­meis­ter: „Nicht immer waren wir einer Meinung, aber in wichti­gen und für die Stadt entschei­den­den Belan­gen, waren wir uns einig.“

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Bruno Balle im Gespräch mit MP Erwin Teufel (überlas­sen von Martin Balle)

Carl Zeiss SMT AG. Es ist auch ihm zu verdan­ken, dass inner­halb weniger Monate die plane­ri­schen, techni­schen und grund­stücks­recht­li­chen Voraus­set­zun­gen geschaf­fen wurden, um den Verbleib in Oberko­chen und den Umzug der SMT an den heuti­gen Stand­ort Reali­tät werden zu lassen (Das wäre heute so nicht mehr möglich. Das Bürokra­tie-Monster lässt grüßen). Auch dass Erwin Teufel nach Oberko­chen kam und eine „10-Millio­nen-Förder-Finanz­sprit­ze“ mitbrach­te, wäre ohne Bruno Balle wohl so nicht gesche­hen. Und wenn wir uns heute an einem gesun­den, und für die Größe unserer Stadt ungewöhn­li­chen Haushalt, erfreu­en können, dann liegt das auch an den Männern der damali­gen Zeit: Bruno Balle, Erwin Teufel, BM Peter Traub, Georg „Schorsch“ Brunn­hu­ber und den Entschei­dern der Firma Carl Zeiss.

Schöf­fe. Auch diese Funkti­on übte er jahrzehn­te­lang aus. Erst beim Amtsge­richt Aalen, dann beim Verwal­tungs­ge­richt Stuttgart.

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Bei der Verlei­hung der Ehren­bür­ger­wür­de im Jahr 2010 (überlas­sen von Martin Balle)

Ehrun­gen und Auszeich­nun­gen. Wer sich so, über die Maßen, in das gesell­schaft­li­che und politi­sche Leben einbringt, kann sich mancher Wertschät­zung nicht entzie­hen und er hat das sicher so verstan­den wie Ehrun­gen gemeint sind: „Als Danke­schön für das Vergan­ge­ne und als Ansporn für das Zukünftige.“

1980 – Staats­me­dail­le für beson­de­re Verdiens­te in der Forstwirtschaft

1986 – Ehren­na­del des Landes BaWü

1995 – Ehren­na­del in Silber des Gemein­de­tags BaWü

1996 – Verlei­hung des Bundesverdienstkreuzes

2005 – Golde­ne Ehren­na­del für 30 Jahre Gemeinderat

2006 – Bürger­me­dail­le der Stadt Oberkochen

2010 – Verlei­hung des Ehrenbürgerrechts

2019 – Marti­nus Ehren­na­del der Kath. Kirche

2005 – Ehren­na­del des Württem­ber­gi­schen Genossenschaftsverbandes

Abschieds­wor­te. Bruno Balle wurde am 16. Juni 2023 auf dem Katho­li­schen Fried­hof in Oberko­chen beerdigt. In einer bewegen­den Trauer­fei­er in der Katho­li­schen Kirche St. Peter und Paul wurden zu Herzen gehen­de und bewegen­de Nachru­fe gehal­ten. Kurt Abele, Vorstand der VR Bank Ostalb, verwies auf Balles 34-jähri­ges Engage­ment im Aufsichts­rat der Oberko­che­ner Bank und nach der Fusion in der VR-Bank Ostalb, Karl Wingert auf sein 54-jähri­ges Wirken in der Realge­nos­sen­schaft Oberko­chen für „die Wälder unserer Stadt“. „53 Jahre war Balle eine tragen­de Säule im katho­li­schen Kranken­pfle­ge­ver­ein und später in der ökume­ni­schen Nachbar­schafts­hil­fe“, sagte deren Vorsit­zen­de Brigit­te Werner. Und fast 70 Jahre hat sich Balle in der Kolpings­fa­mi­lie inten­siv einge­bracht, wie deren Vorstand Anton Balle ausführ­te. Sie wollte ihn jetzt zum Ehren­mit­glied ernen­nen, „was nun leider ohne ihn passie­ren wird“, schloss er. Winfried Mack beschrieb ihn als beschei­den, nicht ohne Ehrgeiz, erdver­wur­zelt und weltof­fen. Pfarrer Macho merkte an, dass ohne ihn manches in Oberko­chen heute anders wäre.

Georg „Schorsch“ Brunn­hu­ber, der sicher eine beson­de­re Bezie­hung zu ihm hatte, war gerne bereit Bruno Balles Bedeu­tung für Oberko­chen und für ihn selbst zu beschrei­ben und gab ihm die Headline: „Ein Leben für die Allge­mein­heit und ein lebens­lan­ges Engage­ment für Oberkochen“.

„Wer Bruno Balles Lebens­werk erken­nen und begrei­fen will, der muss tief in die Familie Balle eintau­chen! Sein Eltern­haus war geprägt von einer tiefen Frömmig­keit und im katho­li­schen Glauben verwur­zelt. Sein Vater Anton hat diese tiefe Gläubig­keit in seiner Familie mit 10 Geschwis­tern (er hatte 12, aber 2 sind bei der Geburt gestor­ben) und selbst­ver­ständ­lich auch in seiner eigenen Familie verkör­pert. Der Bruder von Brunos Vater, Joseph Anton, war Pfarrer im Bistum Augsburg. Dieser schrieb seine Grabre­de selbst und sie wurde an seinem Begräb­nis öffent­lich vorge­le­sen. Bruno und seine Geschwis­ter besuch­ten sein Grab in Inchen­ho­fen jährlich. In dieser glaubens­star­ken Familie ist Bruno aufge­wach­sen. Er hat als kleiner Bub mitbe­kom­men, wie die GeSta­Po seinen Vater mehrmals zum Verhör abgeholt hat. Man wusste nie, ob er jedes Mal wieder­kom­men würde. Mal kam er nach 3 Tagen oder auch erst nach 2 Wochen nach Hause zurück. Anton Balle war auch in der „Katho­li­schen Zentrums­par­tei“ aktiv, die im örtli­chen Gemein­de­rat die Mehrheit hatte, bis die Nazis am 30. Januar 1933 die Macht in Deutsch­land übernah­men. Nur wenige wissen, dass das „Katho­li­sche Zentrum“ noch bei der anschlie­ßen­den Wahl (die keine freie mehr war) am 5. März 1933, die absolu­te Mehrheit in Oberko­chen hatte, obwohl die SA im Wahllo­kal anwesend war und versuch­te, die Wahl zu beein­flus­sen. Die Katho­li­ken in Oberko­chen ließen sich, zumin­dest im Nov. 1932, nicht beeindrucken.

Einschub: Die Wahlen von 1930 bis 1933 *** in Oberkochen

  1. Sep 1930 NSDAP-Durchbruch
  2. Jul 1932 NSDAP stärks­te Partei
  3. Nov 1932 letzte freie Wahl (Zentrums­par­tei 55,1% / NSDAP 23,2% / KP 13,1% / SPD 2%)
  4. Jan 1933 Hitler wird Reichskanzler
  5. Mär 1933 Wahl unter Terrorbedingungen

*** Auf dem Rathaus liegen keiner­lei Zahlen zu diesen Wahlen vor. Dort wurde sicher irgend­wann „aufge­räumt“. Ich habe Zahlen vom Nov 1932 dem neuen Heimat­buch entnom­men. Es hat den Anschein, dass sie aus den Bantel’schen Unter­la­gen stammen und wenn die Zahlen noch vorhan­den sein sollten, dann sind sie es dort..

Bruno Balle hatte von seiner frühes­ten Jugend an eine klare Botschaft von seinem Eltern­haus erhal­ten: „Bleibe dem katho­li­schen Glauben treu und lebe auch in der Öffent­lich­keit die christ­li­chen Werte.“ Mit diesen Voraus­set­zun­gen war der politi­sche Weg für ihn klar. Sein Vater gründe­te umgehend nach dem II. Weltkrieg zusam­men mit dem Unter­neh­mer Jakob Schmied und anderen ehema­li­gen Zentrums­mit­glie­dern die CDU Oberko­chen. Bruno gründe­te zusam­men mit Hubert Winter die Junge Union in Oberko­chen. Ab diesem Zeitpunkt war er in der Kommu­nal­po­li­tik angekom­men. Mit der Unter­stüt­zung von Julius Metzger (damali­ger CDU-Vorsit­zen­der und erster Bürger­meis­ter-Vertre­ter) und später durch Rudolf Eber (Geschäfts­füh­rer der Fa. Jakob Schmied und CDU-Vorsit­zen­der) wurde er ein immer wichti­ge­rer Mitstrei­ter in der CDU und der Kommu­nal­po­li­tik. Schon Mitte der 70er Jahre war klar, dass er die Nachfol­ge von Rudolf Eber im CDU-Stadt­ver­band überneh­men würde. 1975 wurde er zum 1sten Mal in den Gemein­de­rat gewählt. Er nahm seine Aufga­ben sehr ernst und engagier­te sich zuneh­mend auf Kreis‑, Bezirks- und Landes­ebe­ne der CDU. Heute würde man ihn als Netzwer­ker bezeich­nen, denn früh knüpf­te er Kontak­te zu führen­den CDU-Politi­kern, die später für Oberko­chen noch wichtig werden würden. Eine politi­sche Meister­leis­tung von ihm war sicher meine Nominie­rung zum CDU-Bundes­tags­kan­di­da­ten im Wahlkreis Heiden­heim-Aalen. Durch seine freund­schaft­li­che Art konnte er zusam­men mit seinem Sohn Martin den CDU-Ortsver­band auf 200 Mitglie­der ausbau­en, wodurch dieser der größte im Wahlkreis wurde. Mit diesem Paket im Rücken gewann ich damals im Jahr 1990 die Kandi­da­tur gegen Prof. Dr. Manfred Abelein.

Für Bruno war die Partei­ar­beit keine Last, sondern eine große Freude und packte die Proble­me mit großer Begeis­te­rung an. Er kümmer­te sich um die Realge­nos­sen­schaft, die seine Vorfah­ren schon erfolg­reich führten. Deswei­ter­ten engagier­te er sich im Katho­li­schen Kranken­pfle­ge­ver­ein. Er war auch ein musischer Mensch. Von Jugend an sang er im Kirchen­chor und war eine Stütze des berühm­ten Doppel-Quartetts unter der Leitung von Heinz Sievers. 

Kommu­nal­po­li­tisch war sein Höhepunkt sicher die Umsie­de­lung der Fa. Carl Zeiss SMT GmbH (Semicon­duc­tor Manufac­tu­ring Techno­lo­gy) vom Campus an der Carl-Zeiss-Straße zum heuti­gen Stand­ort zwischen Oberko­chen und Königs­bronn. Bruno hat damals den Minis­ter­prä­si­den­ten Erwin Teufel zu einer Wahlver­an­stal­tung in die Dreißen­tal­hal­le einge­la­den. Zu diesem Zeitpunkt stand die Entschei­dung auf Messers Schnei­de – Jena, Aalen-Ebnat oder Oberko­chen. Er lud die Verant­wort­li­chen von Zeiss zu der Veran­stal­tung ein und starte­te dadurch bezüg­lich des Stand­or­tes einen neuen Denkpro­zess bei Carl Zeiss. Meine guten Kontak­te zum Stiftungs­kom­mis­sar Heinz Dürr brach­ten dann den Durch­bruch. SMT würde in Oberko­chen bleiben und neu bauen. Das Ergeb­nis lässt sich sehen. Hunder­te Millio­nen Euro wurden in mehre­ren Bauab­schnit­ten inves­tiert und die Gewer­be­steu­er aus diesem Bereich beträgt inzwi­schen jährlich deutlich über 100 Millio­nen Euro!

Alles in allem kann man über Bruno sagen: „Bei allen Erfol­gen seines Lebens blieb er immer beschei­den. Er dräng­te sich nie in den Vorder­grund und freute sich über gelun­ge­ne Werke und Projek­te. Er war ein gradli­ni­ger ehrli­cher Mann, der uneigen­nüt­zig für alle Mitbür­ger da war. Man konnte immer zu ihm kommen und er nahm sich immer Zeit für den Menschen und sein Anliegen.“ 

Bruno verkör­pert auch das alte Oberko­chen. Er hat die Entwick­lung vom Dorf zur Stadt mitge­stal­tet. Die vielen neuen Bürger, seien sie aus Jena, Coburg, aus Schle­si­en, dem Sudeten­land (Böhmen und Mähren) und aus Ungarn und wo sie sonst noch als Flücht­lin­ge und Vertrie­be­ne zu uns herge­kom­men sind, hat er mit seinem Élan und seiner kamerad­schaft­li­chen Art immer versucht in die Stadt­ge­mein­schaft einzubinden. 

Noch eines ist bemer­kens­wert: Bei vielen Menschen, die sich so über die Maßen engagie­ren, kommt es mitun­ter vor, dass sich Kinder von seinem Weg abwen­den. Nicht so bei der Familie Balle. Bruno nahm seinen Sohn Martin schon frühzei­tig zu allen Veran­stal­tun­gen mit und so war es dann auch kein Zufall, dass Martin auch sein Nachfol­ger in der CDU wurde. Es lässt sich sagen: Bruno war nicht nur ein Vorbild für seinen Sohn Martin, sondern auch für viele Mitstrei­ter in Oberko­chen. So einen Menschen vermisst man, wenn er nicht mehr unter uns weilt. Er war ein toller Mensch.

Bevor wir schlie­ßen lassen wir die KI zu Wort kommen:

Engage­ment und Wirken

  • Kommu­nal­po­li­ti­ker: Bruno Balle war über viele Jahre hinweg kommu­nal­po­li­tisch aktiv und prägte das öffent­li­che Leben in Oberko­chen maßgeblich.
  • Christ­li­ches Eltern­haus: Er stamm­te aus einfa­chen Verhält­nis­sen und einem christ­lich gepräg­ten Eltern­haus, was seine Haltung und sein Wirken stark beeinflusste.
  • Lebens­mot­to: Sein Handeln lässt sich mit „Einer von uns, einer für uns“ beschrei­ben – er stell­te sein Leben in den Dienst der Gemeinschaft.
  • Gesell­schaft­li­ches Engage­ment: Neben der Politik war er in vielen Berei­chen ehren­amt­lich tätig und setzte sich für den Zusam­men­halt in der Gesell­schaft ein.

Bedeu­tung für Oberkochen

  • Bruno Balle galt als „Oberko­che­ner par excel­lence“.
  • Mit seinem Tod verlor die Stadt eine ihrer prägends­ten Persön­lich­kei­ten, die das Gemein­we­sen nachhal­tig beein­flusst hat.
  • Sein Wirken wird in Oberko­chen als beispiel­haft für bürger­schaft­li­ches Engage­ment angesehen.
  • Kommu­nal­po­li­ti­sche Unter­stüt­zung: Bruno Balle war über Jahrzehn­te hinweg im Gemein­de­rat und in Ausschüs­sen aktiv. Er setzte sich für eine wirtschaft­li­che Diver­si­fi­zie­rung der Stadt ein.
  • Netzwer­ker: Er pfleg­te enge Kontak­te zu Unter­neh­men und Entschei­dungs­trä­gern und trug dazu bei, dass Oberko­chen als Stand­ort attrak­tiv erschien.
  • In Nachru­fen wurde betont, dass er maßgeb­lich an der Umsie­de­lung von SMT betei­ligt war – durch seine politi­sche Arbeit und sein Engage­ment für die Stadtentwicklung.
    • Langfris­ti­ge Wirkung: Mit der Umsied­lung von SMT wurde Oberko­chen wirtschaft­lich breiter aufge­stellt, was auch Balles Ziel war: die Stadt zukunfts­fä­hig machen und Arbeits­plät­ze sichern.
    • Die Umsied­lung von SMT gilt als strate­gisch wichtig für die Stadt, da sie neue Arbeits­plät­ze und wirtschaft­li­che Stabi­li­tät brachte.
    • Bruno Balle wird in diesem Zusam­men­hang als Mitge­stal­ter und Wegbe­rei­ter gesehen, der die Inter­es­sen der Stadt gegen­über Unter­neh­men und Inves­to­ren vertrat.
    • Sein Engage­ment zeigt, dass er nicht nur gesell­schaft­lich, sondern auch wirtschaft­lich prägend für Oberko­chen war.

Zusam­men­fas­sung

Bruno Balle war nicht nur Kommu­nal­po­li­ti­ker, sondern ein lebens­lan­ger Gestal­ter des öffent­li­chen Lebens in Oberko­chen. Seine Auszeich­nun­gen – vom Bundes­ver­dienst­kreuz bis zur Ehren­bür­ger­wür­de – spiegeln wider, wie sehr er für seine Heimat­stadt und deren Menschen gewirkt hat. 

Schluss. Und so schlie­ßen wir den Bericht mit seinen eigenen Worten: „Ich war ein Mann der Gemein­schaft, ein Mann aus der Gesell­schaft und das wollte ich sein und bleiben. Jemand von Euch und mit Euch.“ Und wenn er einen Stand­punkt hatte und diesen eisern vertei­dig­te, konnte er ein ganz schön harter Brocken sein – aber immer zum Wohle der Stadt (So BM Peter Traub im Rahmen einer Lauda­tio bei einer Ehrung für ihn).

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Bruno und Hilde­gard Balle im Alter (überlas­sen von Martin Balle)

Wilfried „Wichai“ Müller – Billie vom Sonnenberg

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