
Das Wappen der Familie Balle (überlassen von Martin Balle)
Intro. Balle – eine große Familie in Oberkochen und lange ansässig. Beginnen wir mit einem Rückblick in eine Zeit, die wir uns heute nicht vorstellen können. In der Schule lernten wir, dass der 30jährige Krieg von 1618 bis 1648 dauerte, aber wir lernten nicht, was das bedeutete: Krieg, Verwüstung, Verhungern, Tod, Entvölkerung. Im Jahr 1665, die Wunden des Krieges begannen langsam zu heilen, kauften Caspar Balle (geb. 1615 gest. 1675) und seine Frau Ursula für 1.425 Gulden (heutiger Wert zwischen 300.000 und 600.000 Euro) den Birkhof. Nach dem Tode ihres Mannes übertrug Ursula den Hof 1687 für 1.200 Gulden ihren Söhne Kaspar und Baltes. Im Jahr 1688 wurde der Birkhof geteilt und so kam es zur Trennung in den „oberen Balle und den unteren Balle“. Caspars Sohn Melchior heiratete nach Simmisweiler und dessen Sohn Johann Adam Balle fand den Weg nach Oberkochen und war, so die Annahme, der erste Balle in Oberkochen. Er heiratete am 12. Juli 1707 Theresia Veil aus Oberkochen. Später stellte sich heraus, dass bereits 1696 ein Jakob Balle und dessen Vater Emanuel Balle im Kirchenbuch eingetragen war. 1703 fand man im Kirchenbuch einen Kaspar Balle mit Ehefrau Anna Maria und Sohn Georg.

Der Birkhof – der Herkunftsort der Balles (Archiv Müller)
Und so kennen wir heute die unterschiedlichsten Balle bei uns: Den Fahrrad-Balle, den Tankstellen-Balle, den Christbaum-Balle (dr hentere Balle), den Bürgermeister-vom-Katzenbach-Balle (dr vordere Balle), den CDU-Balle und viele andere mehr.
Kurze Vorstellung der Balle-Linie des Bruno Balle. In der nachstehenden Familienlistung sehen wir, dass es im 19ten Jahrhundert üblich war, wenn ein Kind sehr früh starb, das nächste Kind mit dem gleichen Namen zu taufen. Dahinter standen religiöse Vorstellungen, Familientraditionen und der Wunsch, den „verlorenen“ Namen im Gedächtnis der Familie zu bewahren. Wobei aber auch erkennbar ist, dass nicht in jedem Fall so gehandelt wurde.
Franz Jakob Balle *29.03.1755 / †20.08.1837 und Maria Anna Brandstetter *30.05.1751 / †16.04.1829 / Heirat am 03.02.1776. Aus der Ehe gingen 7 Kinder hervor.
Johann Jakob Sebastian Balle *30.01.1790 / † 06.2.1869 und Maria Viktoria Concordia geb. Schübel *31.12.1788 / †14.05.1861 / Heirat am 22.11.1820. Aus der Ehe gingen 7 oder 8 Kinder hervor: Sie bewirtschafteten das landwirtschaftliche Anwesen in der Feigengasse (dr hentere Balle)
Sohn Jakob Balle *20.04.1823 / †19.04.1878 und Maria Anna geb. Schmid *11.12.1830 / †21.02.1903 / Heirat am 23.06.1852. Sie hatten 13 Kinder:
- Joseph Anton *08.04.1851 †09.04.1938
- Jakob *01.04.1853 †01.02.1856
- Johann Michael *21.09.1854 †04.12.1880
- Maria Aloisa *06.12.1855
- Johann Jakob *08.03.1857 †26.12.1937
- Maria Anna *08.02.1859 †31.05.1933
- Franz Xaver *27.03.1851 †13.02.1920
- Anton *27.08.1862 †31.08.1863
- Anton *03.06.1864 †28.12.1953
- Franz *22.01.1866 †14.10.1934
- Theresia *21.03.1867 †27.06.1867
- Theresia *03.09.1868 †29.08.1944
- Carl *04.05.1873 †01.01.1921

Großvater, der erste Rechner der Gemeinde (überlassen von Martin Balle)
Joseph Anton Balle *08.04.1851 / †09.04.1938 und Maria Anna Brandstetter *26.01.1855 / †03.03. 1931 / Heirat am 19.02.1884. Aus der Ehe gingen ebenfalls 13 Kinder hervor:
- Maria Anna *27.02.1876 †10.09.1942
- Magdalena Theresia *26.02.1881 †07.10.1940
- Mathilde Adelheid *26.09.1884 †05.03.1885
- Joseph Anton (Pfarrer) *11.04.1886 †18.01.1945
- Paulina Theresia *16.04.1887 †16.04.1887
- Franz Anton *21.05.1888 †21.05.1888
- Franz Anton *12.10.1889 †22.07.1971
- Anton Paul *04.10.1890 †20.03.1974
- Karl Jakob *28.02.1892 †03.03.1964
- Ignaz Peter Paul *25.06.1891 †21.09.1970
- Agnes Cäcilia *13.05.1895 †14.12.1895
- Aloisius *19.04.1896 †31.12.1896
- Aloisius *12.04.1898 †27.10.1971
Anton Paul *04.10.1890 / †20.03.1974 und Karoline Theresia geb. Weber *02.11.1893 / †16.03.1956 / Heirat am 23.07.1923. Aus der Ehe gingen 6 Kinder hervor:
- Josef Anton *22.04.1925 †25.09.2012
- Anna Karoline *14.07.1926 †15.02.2003
- Thekla *14.06.1929 †14.06.1929
- Gertrud Maria *21.11.1930 †29.11.2014
- Anton *22.05.1932 †18.07.2014
- Karl Bruno *02.02.1936 †10.06.2023
Karl Bruno *02.02.1936 / †10.06.2023 und Hildegard Kreszentia geb. Kaufmann *08.05.1937 / Heirat am 05.05.1972. Aus der Ehe gingen 2 Kinder hervor
- Martin *30.06.1973
- Andreas *13.03.1975

Hochzeit von Bruno Balle und Hildegard Kaufmann im Jahr 1972 (überlassen von Martin Balle)
Das Leben des Bruno Balle. Geboren wurde er am 2.2.1936 als 6. Kind der Eheleute Anton Paul *04.10.1890 / †20.03.1974 und Karoline Theresia geb. Weber *02.11.1893 / †16.03.1956 (Das 3te Kind Thekla verstarb am Tag ihrer Geburt). Nach der obligatorischen Schulzeit, die er u.a. mit Albert Holz, Bruno Brandstetter und Max Trittler verbrachte, begann er eine kaufmännische Lehre bei der Firma Bäuerle in der Bahnhofstraße. Der Firma Bäuerle blieb er 32 Jahre lang treu und wechselte dann für die nächsten 17 Jahre zur Firma Günther + Schramm.
1966 baute er das Haus in der Goethestraße 10 (heute Bürgermeister-Bosch-Straße 10). Im Jahr 1972 wurde die Hochzeit mit Hildegard geb. Kaufmann gefeiert. Die Familie wuchs mit den Jahren, 1973 wurde Martin und 1975 Andreas geboren.
Nun war Bruno Balle aber ein politischer Mensch mit einer großen sozialen Ader und da blieb es nicht aus, dass er bei den verschiedensten Projekten oft an vorderster Front stand. Ein Antrieb für sein politisches und soziales Leben war die Zeit des Nationalsozialismus, in der bereits sein Vater einiges an Schikanen der Nazis erdulden musste:
Als kleines Kind erlebten Bruno und seine Familie die braune Diktatur sehr direkt. Sein Vater und der Fabrikant Josef Schmid waren Mitglieder der Zentrumspartei. 1933 wurden Anton Balle und Josef Schmid aus dem Gemeinderat zwangsweise entfernt. Vater Balle wurde später von der GeStaPo (Geheime Staatspolizei) wegen Widerstandes verhört und ihm und seiner Familie massive Repressionen angedroht – bis hin zum Konzentrationslager. Beide Männer blieben ihrer christlichen Grundüberzeugungen und Linien zwölf Jahre lang treu – entgegen den damaligen Umständen – und zeigten somit, dass es auch anders ging.
Und so gewann Bruno in den 50er Jahren die Einsicht, dass Demokratie Engagement benötigt – diese Erkenntnis braucht es auch heute vermehrt wieder, denn Demokratie fällt nicht vom Himmel und weilt dann ewig unter uns.
Herzensprojekte. Auf die Frage nach „seinen“ Projekten antwortete mir Martin: „Das waren wohl der Krankenpflegeverein, die Realgenossenschaft und das SMT-Projekt sowie die Katholische Kirche“.
Kolping. 1953, im Alter von 17 Jahren, trat er der Kolpingsfamilie bei und seine erste ehrenamtliche Tätigkeit war die des Seniors in der Kolpingfamilie – heute würden wir Vorstand dazu sagen – und es kommt sicher nicht von ungefähr, dass heute wieder ein Balle den Kolping anführt – sein Neffe Anton Balle.
Junge Union. Im Jahr 1965 gründete er mit Hubert Winter die Junge Union in Oberkochen.
Senioren Union. Sie wurde 1988 durch Rudolf Eber, unter Mitwirkung von Staatssekretär Dr. Eugen Volz MdL, gegründet. Bruno war von 2013 bis 2018 ihr Vorsitzender.
Oberkochener Bank / VR Bank Ostalb. Tätigkeiten als Aufsichtsrat und Aufsichtsratsvorsitzender.
Realgenossenschaft. Das war über Jahrzehnte hinweg das Terrain der Balles. Ab 1941 führte sein Vater und Bruno ab 1969 bis zu seinem Tod die Genossenschaft und sorgten dafür, dass ein moderner Forstbetrieb entstand. Während Brunos Amtszeit wuchs der Realwald um 50 ha.
Katholischer Krankenpflegeverein. Gute 52 Jahre lang, von 1966 bis 2019, führte er den Verein und ihm verdanken wir auch die Ökumenische Nachbarschaftshilfe.
CDU-Stadtverband. Ihn führte Bruno von 1983 bis 2008.
Religion und Kirche. Das Christentum war in der Familie Balle zu Hause und wurde gelebt. In diesem Zusammenhang muss die Geschichte der Josefs-Kapelle nochmals angesprochen werden. Bruno Balle war auch als Erbauer bei der Entstehung dieser Kapelle, als Teil der sog. „Bagage“, mit dabei.

Bruno Balle als Gemeinderat (Archiv Rathaus
Gemeinderat. Im Jahr 1975 wurde er erstmals in den Gemeinderat gewählt. Über 34 Jahre gehörte er dem Gremium bis zum Jahr 2009 an. Sieben Mal wurde er gewählt und immer mit einer sehr guten Stimmenzahl:
Jahr Stimmen
- 1975 – 2.295
- 1980 – 2.876
- 1984 – 3.259
- 1989 – 3.527
- 1994 – 3.745
- 1999 – 3.319
- 2004 – 3.093
Erster und zweiter Vertreter des Bürgermeisters sowie Fraktionsvorsitzender waren zusätzliche Ämter, die er jahrelang ausübte. Es gab keine Sitzung, keinen Tagesordnungspunkt, kein Thema, auf das er nicht vorbereitet war und Stellung bezog.
Sein Wirken im Gemeinderat lässt sich mit den Worten seiner ersten Rede zum Haushalt beschreiben. Ich fand diese Anmerkung in einer Rede von Franz Uhl: „Der Gemeinderat muss sich stets die Frage stellen,
- wo stehen wir
- erfüllen wir die Aufgaben, die uns gestellt sind
- wirtschaften wir mit den uns zur Verfügung gestellten Mitteln der Bürger optimal
- stellt der Gemeinderat die Weichen der Stadt im Sinne des Bürgers
- hat der Gemeinderat noch das Vertrauen des Bürgers
- vollzieht er Maßnahmen, die den Bürger, aber auch Handel, Gewerbe und Industrie nicht überfordern“
Bei der Verleihung der Bürgermedaille sagte Balle zum Bürgermeister: „Nicht immer waren wir einer Meinung, aber in wichtigen und für die Stadt entscheidenden Belangen, waren wir uns einig.“

Bruno Balle im Gespräch mit MP Erwin Teufel (überlassen von Martin Balle)
Carl Zeiss SMT AG. Es ist auch ihm zu verdanken, dass innerhalb weniger Monate die planerischen, technischen und grundstücksrechtlichen Voraussetzungen geschaffen wurden, um den Verbleib in Oberkochen und den Umzug der SMT an den heutigen Standort Realität werden zu lassen (Das wäre heute so nicht mehr möglich. Das Bürokratie-Monster lässt grüßen). Auch dass Erwin Teufel nach Oberkochen kam und eine „10-Millionen-Förder-Finanzspritze“ mitbrachte, wäre ohne Bruno Balle wohl so nicht geschehen. Und wenn wir uns heute an einem gesunden, und für die Größe unserer Stadt ungewöhnlichen Haushalt, erfreuen können, dann liegt das auch an den Männern der damaligen Zeit: Bruno Balle, Erwin Teufel, BM Peter Traub, Georg „Schorsch“ Brunnhuber und den Entscheidern der Firma Carl Zeiss.
Schöffe. Auch diese Funktion übte er jahrzehntelang aus. Erst beim Amtsgericht Aalen, dann beim Verwaltungsgericht Stuttgart.

Bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde im Jahr 2010 (überlassen von Martin Balle)
Ehrungen und Auszeichnungen. Wer sich so, über die Maßen, in das gesellschaftliche und politische Leben einbringt, kann sich mancher Wertschätzung nicht entziehen und er hat das sicher so verstanden wie Ehrungen gemeint sind: „Als Dankeschön für das Vergangene und als Ansporn für das Zukünftige.“
1980 – Staatsmedaille für besondere Verdienste in der Forstwirtschaft
1986 – Ehrennadel des Landes BaWü
1995 – Ehrennadel in Silber des Gemeindetags BaWü
1996 – Verleihung des Bundesverdienstkreuzes
2005 – Goldene Ehrennadel für 30 Jahre Gemeinderat
2006 – Bürgermedaille der Stadt Oberkochen
2010 – Verleihung des Ehrenbürgerrechts
2019 – Martinus Ehrennadel der Kath. Kirche
2005 – Ehrennadel des Württembergischen Genossenschaftsverbandes
Abschiedsworte. Bruno Balle wurde am 16. Juni 2023 auf dem Katholischen Friedhof in Oberkochen beerdigt. In einer bewegenden Trauerfeier in der Katholischen Kirche St. Peter und Paul wurden zu Herzen gehende und bewegende Nachrufe gehalten. Kurt Abele, Vorstand der VR Bank Ostalb, verwies auf Balles 34-jähriges Engagement im Aufsichtsrat der Oberkochener Bank und nach der Fusion in der VR-Bank Ostalb, Karl Wingert auf sein 54-jähriges Wirken in der Realgenossenschaft Oberkochen für „die Wälder unserer Stadt“. „53 Jahre war Balle eine tragende Säule im katholischen Krankenpflegeverein und später in der ökumenischen Nachbarschaftshilfe“, sagte deren Vorsitzende Brigitte Werner. Und fast 70 Jahre hat sich Balle in der Kolpingsfamilie intensiv eingebracht, wie deren Vorstand Anton Balle ausführte. Sie wollte ihn jetzt zum Ehrenmitglied ernennen, „was nun leider ohne ihn passieren wird“, schloss er. Winfried Mack beschrieb ihn als bescheiden, nicht ohne Ehrgeiz, erdverwurzelt und weltoffen. Pfarrer Macho merkte an, dass ohne ihn manches in Oberkochen heute anders wäre.
Georg „Schorsch“ Brunnhuber, der sicher eine besondere Beziehung zu ihm hatte, war gerne bereit Bruno Balles Bedeutung für Oberkochen und für ihn selbst zu beschreiben und gab ihm die Headline: „Ein Leben für die Allgemeinheit und ein lebenslanges Engagement für Oberkochen“.
„Wer Bruno Balles Lebenswerk erkennen und begreifen will, der muss tief in die Familie Balle eintauchen! Sein Elternhaus war geprägt von einer tiefen Frömmigkeit und im katholischen Glauben verwurzelt. Sein Vater Anton hat diese tiefe Gläubigkeit in seiner Familie mit 10 Geschwistern (er hatte 12, aber 2 sind bei der Geburt gestorben) und selbstverständlich auch in seiner eigenen Familie verkörpert. Der Bruder von Brunos Vater, Joseph Anton, war Pfarrer im Bistum Augsburg. Dieser schrieb seine Grabrede selbst und sie wurde an seinem Begräbnis öffentlich vorgelesen. Bruno und seine Geschwister besuchten sein Grab in Inchenhofen jährlich. In dieser glaubensstarken Familie ist Bruno aufgewachsen. Er hat als kleiner Bub mitbekommen, wie die GeStaPo seinen Vater mehrmals zum Verhör abgeholt hat. Man wusste nie, ob er jedes Mal wiederkommen würde. Mal kam er nach 3 Tagen oder auch erst nach 2 Wochen nach Hause zurück. Anton Balle war auch in der „Katholischen Zentrumspartei“ aktiv, die im örtlichen Gemeinderat die Mehrheit hatte, bis die Nazis am 30. Januar 1933 die Macht in Deutschland übernahmen. Nur wenige wissen, dass das „Katholische Zentrum“ noch bei der anschließenden Wahl (die keine freie mehr war) am 5. März 1933, die absolute Mehrheit in Oberkochen hatte, obwohl die SA im Wahllokal anwesend war und versuchte, die Wahl zu beeinflussen. Die Katholiken in Oberkochen ließen sich, zumindest im Nov. 1932, nicht beeindrucken.
Einschub: Die Wahlen von 1930 bis 1933 *** in Oberkochen
- Sep 1930 NSDAP-Durchbruch
- Jul 1932 NSDAP stärkste Partei
- Nov 1932 letzte freie Wahl (Zentrumspartei 55,1% / NSDAP 23,2% / KP 13,1% / SPD 2%)
- Jan 1933 Hitler wird Reichskanzler
- Mär 1933 Wahl unter Terrorbedingungen
*** Auf dem Rathaus liegen keinerlei Zahlen zu diesen Wahlen vor. Dort wurde sicher irgendwann „aufgeräumt“. Ich habe Zahlen vom Nov 1932 dem neuen Heimatbuch entnommen. Es hat den Anschein, dass sie aus den Bantel’schen Unterlagen stammen und wenn die Zahlen noch vorhanden sein sollten, dann sind sie es dort..
Bruno Balle hatte von seiner frühesten Jugend an eine klare Botschaft von seinem Elternhaus erhalten: „Bleibe dem katholischen Glauben treu und lebe auch in der Öffentlichkeit die christlichen Werte.“ Mit diesen Voraussetzungen war der politische Weg für ihn klar. Sein Vater gründete umgehend nach dem II. Weltkrieg zusammen mit dem Unternehmer Jakob Schmied und anderen ehemaligen Zentrumsmitgliedern die CDU Oberkochen. Bruno gründete zusammen mit Hubert Winter die Junge Union in Oberkochen. Ab diesem Zeitpunkt war er in der Kommunalpolitik angekommen. Mit der Unterstützung von Julius Metzger (damaliger CDU-Vorsitzender und erster Bürgermeister-Vertreter) und später durch Rudolf Eber (Geschäftsführer der Fa. Jakob Schmied und CDU-Vorsitzender) wurde er ein immer wichtigerer Mitstreiter in der CDU und der Kommunalpolitik. Schon Mitte der 70er Jahre war klar, dass er die Nachfolge von Rudolf Eber im CDU-Stadtverband übernehmen würde. 1975 wurde er zum 1sten Mal in den Gemeinderat gewählt. Er nahm seine Aufgaben sehr ernst und engagierte sich zunehmend auf Kreis‑, Bezirks- und Landesebene der CDU. Heute würde man ihn als Netzwerker bezeichnen, denn früh knüpfte er Kontakte zu führenden CDU-Politikern, die später für Oberkochen noch wichtig werden würden. Eine politische Meisterleistung von ihm war sicher meine Nominierung zum CDU-Bundestagskandidaten im Wahlkreis Heidenheim-Aalen. Durch seine freundschaftliche Art konnte er zusammen mit seinem Sohn Martin den CDU-Ortsverband auf 200 Mitglieder ausbauen, wodurch dieser der größte im Wahlkreis wurde. Mit diesem Paket im Rücken gewann ich damals im Jahr 1990 die Kandidatur gegen Prof. Dr. Manfred Abelein.
Für Bruno war die Parteiarbeit keine Last, sondern eine große Freude und packte die Probleme mit großer Begeisterung an. Er kümmerte sich um die Realgenossenschaft, die seine Vorfahren schon erfolgreich führten. Desweiterten engagierte er sich im Katholischen Krankenpflegeverein. Er war auch ein musischer Mensch. Von Jugend an sang er im Kirchenchor und war eine Stütze des berühmten Doppel-Quartetts unter der Leitung von Heinz Sievers.
Kommunalpolitisch war sein Höhepunkt sicher die Umsiedelung der Fa. Carl Zeiss SMT GmbH (Semiconductor Manufacturing Technology) vom Campus an der Carl-Zeiss-Straße zum heutigen Standort zwischen Oberkochen und Königsbronn. Bruno hat damals den Ministerpräsidenten Erwin Teufel zu einer Wahlveranstaltung in die Dreißentalhalle eingeladen. Zu diesem Zeitpunkt stand die Entscheidung auf Messers Schneide – Jena, Aalen-Ebnat oder Oberkochen. Er lud die Verantwortlichen von Zeiss zu der Veranstaltung ein und startete dadurch bezüglich des Standortes einen neuen Denkprozess bei Carl Zeiss. Meine guten Kontakte zum Stiftungskommissar Heinz Dürr brachten dann den Durchbruch. SMT würde in Oberkochen bleiben und neu bauen. Das Ergebnis lässt sich sehen. Hunderte Millionen Euro wurden in mehreren Bauabschnitten investiert und die Gewerbesteuer aus diesem Bereich beträgt inzwischen jährlich deutlich über 100 Millionen Euro!
Alles in allem kann man über Bruno sagen: „Bei allen Erfolgen seines Lebens blieb er immer bescheiden. Er drängte sich nie in den Vordergrund und freute sich über gelungene Werke und Projekte. Er war ein gradliniger ehrlicher Mann, der uneigennützig für alle Mitbürger da war. Man konnte immer zu ihm kommen und er nahm sich immer Zeit für den Menschen und sein Anliegen.“
Bruno verkörpert auch das alte Oberkochen. Er hat die Entwicklung vom Dorf zur Stadt mitgestaltet. Die vielen neuen Bürger, seien sie aus Jena, Coburg, aus Schlesien, dem Sudetenland (Böhmen und Mähren) und aus Ungarn und wo sie sonst noch als Flüchtlinge und Vertriebene zu uns hergekommen sind, hat er mit seinem Élan und seiner kameradschaftlichen Art immer versucht in die Stadtgemeinschaft einzubinden.
Noch eines ist bemerkenswert: Bei vielen Menschen, die sich so über die Maßen engagieren, kommt es mitunter vor, dass sich Kinder von seinem Weg abwenden. Nicht so bei der Familie Balle. Bruno nahm seinen Sohn Martin schon frühzeitig zu allen Veranstaltungen mit und so war es dann auch kein Zufall, dass Martin auch sein Nachfolger in der CDU wurde. Es lässt sich sagen: Bruno war nicht nur ein Vorbild für seinen Sohn Martin, sondern auch für viele Mitstreiter in Oberkochen. So einen Menschen vermisst man, wenn er nicht mehr unter uns weilt. Er war ein toller Mensch.
Bevor wir schließen lassen wir die KI zu Wort kommen:
Engagement und Wirken
- Kommunalpolitiker: Bruno Balle war über viele Jahre hinweg kommunalpolitisch aktiv und prägte das öffentliche Leben in Oberkochen maßgeblich.
- Christliches Elternhaus: Er stammte aus einfachen Verhältnissen und einem christlich geprägten Elternhaus, was seine Haltung und sein Wirken stark beeinflusste.
- Lebensmotto: Sein Handeln lässt sich mit „Einer von uns, einer für uns“ beschreiben – er stellte sein Leben in den Dienst der Gemeinschaft.
- Gesellschaftliches Engagement: Neben der Politik war er in vielen Bereichen ehrenamtlich tätig und setzte sich für den Zusammenhalt in der Gesellschaft ein.
Bedeutung für Oberkochen
- Bruno Balle galt als „Oberkochener par excellence“.
- Mit seinem Tod verlor die Stadt eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten, die das Gemeinwesen nachhaltig beeinflusst hat.
- Sein Wirken wird in Oberkochen als beispielhaft für bürgerschaftliches Engagement angesehen.
- Kommunalpolitische Unterstützung: Bruno Balle war über Jahrzehnte hinweg im Gemeinderat und in Ausschüssen aktiv. Er setzte sich für eine wirtschaftliche Diversifizierung der Stadt ein.
- Netzwerker: Er pflegte enge Kontakte zu Unternehmen und Entscheidungsträgern und trug dazu bei, dass Oberkochen als Standort attraktiv erschien.
- In Nachrufen wurde betont, dass er maßgeblich an der Umsiedelung von SMT beteiligt war – durch seine politische Arbeit und sein Engagement für die Stadtentwicklung.
- Langfristige Wirkung: Mit der Umsiedlung von SMT wurde Oberkochen wirtschaftlich breiter aufgestellt, was auch Balles Ziel war: die Stadt zukunftsfähig machen und Arbeitsplätze sichern.
- Die Umsiedlung von SMT gilt als strategisch wichtig für die Stadt, da sie neue Arbeitsplätze und wirtschaftliche Stabilität brachte.
- Bruno Balle wird in diesem Zusammenhang als Mitgestalter und Wegbereiter gesehen, der die Interessen der Stadt gegenüber Unternehmen und Investoren vertrat.
- Sein Engagement zeigt, dass er nicht nur gesellschaftlich, sondern auch wirtschaftlich prägend für Oberkochen war.
Zusammenfassung
Bruno Balle war nicht nur Kommunalpolitiker, sondern ein lebenslanger Gestalter des öffentlichen Lebens in Oberkochen. Seine Auszeichnungen – vom Bundesverdienstkreuz bis zur Ehrenbürgerwürde – spiegeln wider, wie sehr er für seine Heimatstadt und deren Menschen gewirkt hat.
Schluss. Und so schließen wir den Bericht mit seinen eigenen Worten: „Ich war ein Mann der Gemeinschaft, ein Mann aus der Gesellschaft und das wollte ich sein und bleiben. Jemand von Euch und mit Euch.“ Und wenn er einen Standpunkt hatte und diesen eisern verteidigte, konnte er ein ganz schön harter Brocken sein – aber immer zum Wohle der Stadt (So BM Peter Traub im Rahmen einer Laudatio bei einer Ehrung für ihn).

Bruno und Hildegard Balle im Alter (überlassen von Martin Balle)
Wilfried „Wichai“ Müller – Billie vom Sonnenberg