Es sind doch ein paar Mails zu dem Thema einge­gan­gen und sie haben es verdient, veröf­fent­licht und bearbei­tet zu werden.
Da haben wir zuerst den Wolfgang Ritter aus Dinkels­bühl, der schon zur „Lehrer-Reihe“ seinen „fränki­schen Senf“ in höchs­ter Quali­tät beigesteu­ert hat ????. Seine Eltern, Heinrich und Erna, wohnten einst in der Walter-Bauers­feld-Straße 43.
„Sehr geehr­ter Herr Müller, wieder mal mein persön­li­cher „Senf“ zu ihrem Heimat­be­richt Nr. 766 vom 31. März 2023 über die Oberko­che­ner Straßen­na­men. Die Anmer­kun­gen über den Guten­bach­weg bzw. Guten­bach weckten in mir Erinne­run­gen an meine frühe Kindheit in unmit­tel­ba­rer Nachbar­schaft in der Walther-Bauers­feld-Straße. Die von Ihnen beschrie­be­ne Wasser­füh­rung des kleinen Baches ist mir auch noch in Erinne­rung. In kalten Wintern (und die waren anfangs der 60er Jahre noch üblich und sehr kalt) tummel­te ich mich mit den Nachbar­kin­dern aus der Schil­ler- und Walther-Bauers­feld-Straße auf dem zugefro­re­nen Gewäs­ser, während die Mutter sich sorgte, dass das Eis einbricht. Und das auf dem Bild gezeig­te Guten­bach-Hochwas­ser ist mir auch noch in Erinne­rung, weil es unseren Umzug nach Oberko­chen gewal­tig behin­der­te. Meine Eltern zogen im Frühjahr 1958 von Dinkels­bühl nach Oberko­chen in eine neu erbau­te moder­ne Zeiss-Mietwoh­nung in der Walther-Bauers­feld-Straße. Eine Zufahrt in das Neubau­ge­biet über den Eugen-Bolz-Platz war entwe­der noch nicht möglich oder die ortsun­kun­di­gen Möbel­wa­gen­fah­rer verfuh­ren sich und steuer­ten unsere neue Heimstatt von der Katzen­bach­stra­ße an — bis zum Segel­flie­ger­häus­le, dann war erst mal „Ende Gelän­de“. Aufgrund der Schnee­schmel­ze (vielleicht auch noch Regen zu der Zeit) ließ der noch nicht „gezähm­te“ Guten­bach eine direk­te Zufahrt über das Brück­lein rechts in die Walther-Bauers­feld-Straße nicht zu. Von links wälzte sich eine braune Wasser- und Schlamm­la­wi­ne über die Straße in Richtung der späte­ren Guten­bach-Grünan­la­ge. Soweit ich mich noch erinnern kann, lotsten dann ortskun­di­ge Bauar­bei­ter die verzwei­fel­ten Möbel­wa­gen­fah­rer und Eltern über die Zufahrts­stra­ße des Pflug-Aussied­ler­hofs (Fischer) im Wolfert­s­tal und weiter hinten vor dem „Hunger­brun­nen“ über ein kleines Brück­lein wieder zurück auf der anderen Seite des Wolfert­s­tal in Richtung Neubau­ge­biet. Dazu muss man wissen, dass diese provi­so­ri­sche „Umlei­tungs­stre­cke“ damals unbefes­tig­te Feldwe­ge waren — mit einem belade­nen Möbel-LKW sicher eine ambitio­nier­te Heraus­for­de­rung für unsere Dinkels­büh­ler Möbel-Kutscher. Schluss­end­lich — Mobili­ar und Oberko­che­ner Neubür­ger sind wohlbe­hal­ten angekom­men.“
Da will ich nur allzu gerne noch ein Bild zum Thema Hochwas­ser am Guten­bach spendieren.

Überschwem­mung Guten­bach im Jahr 1958 (Archiv Rathaus)

Dann hätten wir noch das Mail unseres lieben Revier­lei­ters, dem Förster Reinhold Vogel, aus dem Dezer­nat III — Wald und Forst­wirt­schaft.
„Hallo Wilfried, ich habe soeben wie immer Deine schöne und hochin­ter­es­san­te Berich­te gelesen. Vermut­lich ist Deiner Aufmerk­sam­keit entgan­gen, dass es in Oberko­chen nicht nur eine Heide­stra­ße gibt, sondern auch einen Heide­weg, über den ich auch gerne Infor­ma­ti­on hätte! Beste Grüße aus dem Heide­weg.“
Jetzt bin ich aber erstaunt. So lese ich in der Schwä­po vom 12. Feb. 2019, dass der Wald sein Wohnzim­mer sei und jetzt wohnt er im Heide­weg — Heiden­ei abr au ????. Ebenfalls erstaun­lich ist die Tatsa­che, dass der „verges­se­ne“ Heide­weg, außer ihm, wohl nieman­dem aufge­fal­len ist – nicht einmal den dorti­gen Bewoh­nern. Wenn Frau Dörrich noch leben würde, sie hätte mich bestimmt angeru­fen.
Kommen wir zuerst zum Namen – Heide­weg. Na ja, diese Straße wird als “Weg” bezeich­net, obwohl es Bürger­stei­ge gibt und somit der “Weg” eine Straße ist. Auf einer Straße fahren Autos und dort gehen norma­ler­wei­se keine Leute. Auf einem Weg fahren norma­ler­wei­se keine Autos, sondern gehen Fußgän­ger, fahren Räder oder Landma­schi­nen. Hat man das schon wohl wissend auf die Zukunft erkannt, dass man die „Heide­stra­ße“ als Namen einmal ander­wei­tig brauchen würde? Sehr voraus­schau­end.
Der Heide­weg führte wohl einst hinauf zur Heide, also zur „Hoid nauf“ – zu den Schafen, die dort gehal­ten wurden. Heute haben sich dort oben Menschen nieder­ge­las­sen. Der Weg beginnt mit dem Haus „Dörrich“ und geht bis zum „Natur­freun­de­haus“. Wobei die Hausnum­mern 11 und 13 eine Beson­der­heit darstel­len – sind sie doch links gebaut. Und direkt hinter des „Förster’s Haus“ fängt eine der kürzes­ten Straßen an – Feldrain Nr. 1 und 3.
Der Heide­weg findet sich schon im ersten Einwoh­ner­mel­de­buch aus dem Jahr 1959 – also ein schon recht alter Weg. Ein Blick in die Bücher zeigt folgen­de Bewoh­ner (zwischen 1959 und 2002):
Haus Nr. 2: Dörrich Irmgard, Berthold, Claudia und Otto, Kosmal­la Martha, Kennt­ner Annero­se und Gerhard, Matzek Gerhard und Rosa, Retten­mai­er Annegret, Ritter Brigit­te und Ulf, Schramm Edda und Walter, Lücke Chris­ti­an und Ingrid
Haus Nr. 4: Bahle Hilde­gard, Borst Ernes­ti­ne, Ludwig, Reiner, Roland, Walter und Zwanet­te, Sperle Karl-Heinz und Silvia, Wiedemann Berndhard und Brigit­ta
Haus Nr. 6: Diemer Kaspar und Maria, Langner Johan­na und Klaus, Maslo Agnes, Erwin und Rudolf, Scholz Heinz, Sieber Albert und Lina, Zieschank Elfrie­de und Günter
Haus Nr. 8: Acker­mann Huber­tus, Kutscher­auer Andre­as , Maria, Rosina und Werner, Minder Gerd-Uwe und Kerstin, Soutschek Maria
Haus Nr. 10: Buschak Klaus, Diebel Albert und Eva, Gruber Agnes und Josef, Haas Fried­rich und Johan­na, Hoppe Sonja, Kalmbach Margot und Ortwin, Schör­litz Gerhard
Haus Nr. 11: Bihlmai­er Alfons und Brigit­te, Fröhlich Brigit­te, Dieter, Jutta und Thomas, Gratz­ke Wolfgang, Gröner Heidrun, Hafen­rich­ter Peter, Hummitzsch Charis und Ronny, Dr. Simon Karlheinz und Marian­ne, Zipfel Franz
Haus Nr. 12: Appt Willi­bald, Danner Bernd, Ernst, Frida und Renate, Dunst Marga­re­te und Micha­el, Elze Barba­ra und Bernd, Jakl Anton, Hermann Sandra, Steb Regina, Stöck­ner Christl, Sumacz Agnes, Vilgis Alois, Maria und Thomas, Witt Klothil­de und Hans-Joachim.  In diesem Haus lebte einst Prof. Dr. Thomas Vilgis, ein physi­ka­li­scher Tausend­sas­sa, über und von dem in Kürze einiges zu lesen sein wird.
Haus Nr. 13 Jäger Elfrie­de und Jakob, Roh Maria.  Hier war Wolfgang Jäger (kurz „Jagger“ genannt), Krimi­nal­di­rek­tor i.R. und „Disco-Mitbe­grün­der“ einst zuhau­se. Gefolgt von Steier Christl und Wolfgang. Ab dem 1990er Einwoh­ner­mel­de­buch sind Reinhold und Renate Vogel gelis­tet. Der Garten ist durch­aus gefäl­lig. Ja, da war es, das neue, nicht das alte oder gar das uralte Först­erhaus (ab 1975 im Einwohnermeldebuch).

Das alte Först­erhaus (der Text passt ja hinten und vorne nicht ????)
Es liegt der Wald im letzten Abend­schim­mer,
Der Nebel steigt herauf vom Wiesen­grund.
Der alte Förster sitzt in seinem Zimmer
Und strei­chelt traum­ver­lo­ren seinen Hund.

Haus Nr. 22 Das Natur­freun­de­haus (dessen Geschich­te wird in einem späte­ren Bericht über die „Gasthäu­ser und Vereins­hei­me“ behan­delt werden.
Und dann ist mir selbst doch ein schöner Weg ohne Namen entgan­gen. Früher hatte er ein völlig anderes Gesicht. Laut Stadt­plan beginnt er als Verlän­ge­rung der Albert¬-Bäuerle-Straße, schlän­gelt sich am Kocher entlang bis zur Schee­rer-Mühle. Für die BM Gentsch und Traub war es immer ein Wunsch diesen Weg in der ganzen Länge am Kocher begeh­bar zu gestal­ten. War aber aus meiner Sicht illuso­risch. Begehen können wir den Weg heute, wenn wir beim Raumaus­stat­ter Kaufmann zum Kocher hinun­ter­lau­fen uns dann links halten, die Bahnhof­stra­ße queren und den Kocher entlang spazie­ren, unter­halb der „Neuen Mitte“ in Richtung Scheerermühle.

Die Heiden­hei­mer Straße — links nach der “Dungla­ge” der Durch­gang zum Kocher (Archiv Müller)

Verset­zen wir uns mal in alte Zeiten und laufen den Weg ab:
In der Heiden­hei­mer Straße 19 waren im Jahr 1959 gemel­det: August, Josef, Rosa, Rudolf und There­sia Hug. In dem Gebäu­de Richtung Kocher hinab betrieb Schrei­ner­meis­ter Rudolf seine Bau- und Möbel­schrei­ne­rei. Das Haus steht heute noch, das markan­te Kennzei­chen ist die Katzen­klap­pe in der Haustü­re. Im anderen Haus gab es noch keinen Kaufmann. Gemel­det waren im Haus 21 Josef und Maria Betzler sowie Hans und Josefi­ne Wälder, die im selben Haus ein Uhren- und Juwelier­ge­schäft hatten. Dazwi­schen lief der Fußweg, wie wir ihn heute kennen, zum Kocher hinab und traf dort auf’s „Milch-Häusle“, das in den letzten Monaten eine drasti­sche Verän­de­rung durch­lief.
Ein Bericht von Oskar Stroh­mai­er aus dem Jahr 1974 über das alte Milch-Häusle:
„Der Not gehor­chend und der Zeit anpas­send einig­ten sich 1934 die Bauern und Landwir­te Oberko­chens zur Gründung einer Milch­ver­wer­tungs­ge­nos­sen­schaft MVG. Insge­samt 74 (in Worten vierund­sieb­zig !!!!!) landwirt­schaft­li­che Betriebs­in­ha­ber erklär­ten damals ihren Beitritt zu einer genos­sen­schaft­li­chen Einrich­tung, welche die bestmög­li­che Verwer­tung und Vermark­tung des tägli­chen Milch­auf­kom­mens garan­tier­te. Wesent­li­cher Bestand­teil des Betrie­bes der MVG war das Vorhan­den­sein eines Molke­rei­ge­bäu­des. Mutige und schol­len-treue Männer, nicht zuletzt Verwal­tungs­mit­glie­der der zwischen­zeit­lich regis­ter­ge­richt­lich einge­tra­ge­nen Genos­sen­schaft, bahnten alsbald den Weg für einen Neubau. Dankens­wer­ter-weise stell­te Herr Anton Schell­mann ein Grund­stück zum Kaufe frei. Die Finan­zie­rung der Platz- und Baukos­ten wurde langfris­tig auf dem Darle­hens­we­ge einge­plant. Monat­li­che Abzüge vom Milch­geld sicher­ten eine geregel­te Rückzah­lung der Schuld. In jünge­rer Zeit wurde die tägli­che Milch nur noch gewogen und in großen Kannen gesam­melt zum Zwecke der Abholung durch einen von der Bezirks­milch­ver­wer­tung Ellwan­gen zur Verfü­gung gestell­ten LKW. Alles weite­re, was die Bearbei­tung der Milch anbelang­te, ging im Zweig­werk Aalen vor sich. Die Funkti­on einer frühe­ren Rahmstel­le wurde aufge­ge­ben, weil sich die Entrah­mung in der herkömm­li­chen Weise nicht mehr lohnte. So diente das Molke­rei­ge­bäu­de langsam nur noch dem Zweck einer Sammel­stel­le für täglich angeführ­te Milch aus den landwirt­schaft­li­chen Betrie­ben. Gesetz­li­che Bestim­mun­gen unter­sag­ten schließ­lich den jahrzehn­te­lang geübten offenen Frisch­milch­ver­kauf. Der Milch­sam­mel­ex­press, ein moder­nes Trans­port­mit­tel für das empfind­lichs­te aller Geträn­ke, kam schließ­lich auf den Markt und verdräng­te die Existenz eines Molke­rei­ge­bäu­des vollends. Schwe­ren Herzens entschie­den sich die Mitglie­der der MVG, sich von ihrem so ans Herz gewach­se­nen Milch­häus­le am Kocher zu trennen. In der im Dezem­ber 1973 statt­ge­fun­de­nen außer­or­dent­li­chen General­ver­samm­lung beschloss die Mehrheit der anwesen­den Mitglie­der den Verkauf des Gebäu­des. Zwischen-zeitlich ist die Firma Bäuerle Eigen­tü­mer gewor­den. Oberko­chens Landwir­te hoffen und wünschen, dass dieses vergan­gen­heits­träch­ti­ge Bauwerk noch recht lange seinen Platz behaup­ten und der Erinne­rung an vergan­ge­ne schöne Tage dienlich sein möge.“

blank

Der Schellmann’sche Garten mit altem Milch­häus­le rechts (Archiv Müller)

Anschlie­ßend kommen wir am „Schellmann’schen“ Garten und Wohnhaus vorbei, der seit einigen Jahren im Dornrös­chen­schlaf liegt und wartet, dass irgend­ein Inves­tor etwas Vernünf­ti­ges daraus machen will – et bloß ‘n Parkplatz. Wir queren die Straße, links liegt das alte ELEKTRA-Gebäu­de, in dem einst Hans Blum und seine Mannschaft tolle Jahre hatten. Recht­erhand die alte „Schell“ (Bahnhof­re­stau­ra­ti­on), einst im Besitz der Famili­en Winter und Bäuerle und der alte Tanzsaal der Gemein­de (neben dem „Hirsch“). Jetzt geht’s unter­halb der neuen Mitte mit schönem Panora­ma in Richtung „Schee­rer-Mühle“.

blank

Unter­halb der heuti­gen “Neuen Mitte” kurz vor Abriss des alten “Hirsch” (Archiv Müller)

So, des wär jetzt au gschwätzt und über allen Gipfeln herrscht Ruh‘ – frei nach Goethe’s „Wanderer’s Nachtlied“.

Wilfried „Billie Wichai“ Müller vom Sonnenberg

Weitere Berichte aus dieser Kategorie

Weitere Berichte