Carl-Zeiss-Straße (Archiv Rathaus)

(10) Carl-Zeiss-Straße. Diese Straße wurde der Firma gewid­met, die nach dem Krieg in den alten Fritz-Leitz-Gebäu­den ihre Heimat gefun­den hat und in großem Maß dafür verant­wort­lich ist, was aus dem kleinen Dorf gewor­den ist. Früher ein Fußweg zwischen Dreißen­tal und der Firma Leitz, später Theater­weg genannt, weil man damit zum Martha-Leitz-Haus gelang­te, dass die erste kultu­rel­le Veran­stal­tungs­hal­le für das Dorf war. Vor ein paar Jahren wurde sie an die Firma Zeiss verkauft und gehört seitdem zum Firmen­are­al und ist somit keine öffent­li­che Straße mehr.  Über diese Straße infor­miert der Bericht 697 im Detail.

Carl-Zeiss-Straße (Archiv Rathaus)

(08) Dietrich-Bonhoef­fer-Straße. Dietrich Bonhoef­fer * 4. Febru­ar 1906 in Breslau; † 9. April 1945 im KZ Flossen­bürg war ein luthe­ri­scher Theolo­ge, profi­lier­ter Vertre­ter der Beken­nen­den Kirche und am deutschen Wider­stand gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus betei­ligt. Er habili­tier­te bereits mit 24 Jahren, als ob er wusste, dass ihm nicht viel Zeit blieb. Etwa ab 1938 schloss er sich dem Wider­stand um Wilhelm Franz Canaris an. 1940 erhielt er Redever­bot und 1941 Schreib­ver­bot. Am 5. April 1943 wurde er verhaf­tet und zwei Jahre später auf ausdrück­li­chen Befehl Adolf Hitlers als einer der letzten NS-Gegner, die mit dem Atten­tat vom 20. Juli 1944 in Verbin­dung gebracht wurden, hinge­rich­tet. Wer kennt nicht das Kirchen­lied, dessen Text 1944 im Gefäng­nis entstand: „Von guten Mächten wunder­bar gebor­gen / erwar­ten wir getrost, was kommen mag / Gott ist bei uns am Abend und am Morgen / und ganz gewiss an jedem neuen Tag“.
(06) Dinkel­weg. Der Dinkel (Schwa­ben­korn) Triti­cum spelta, auch Spelz genannt, ist eine (Vor)Form des Weizens. Nach dem Reinheits­ge­bot von 1516 durfte nur Gersten­malz zum Bierbrau­en verwen­det werden. Der Weizen war dem Brotba­cken für die Bevöl­ke­rung vorbe­hal­ten; da wird der Kleber gebraucht. Gerste ist gluten­arm und nicht gut geeig­net zum Brotma­chen. Die ältes­ten Funde von Dinkel stammen aus Westarme­ni­en und den Tälern des Ararat-Gebir­ges (6. bis 5. Jahrtau­send v. Chr.). Der Dinkel ist in den letzten Jahren bei den Bäcke­rei­en im Rahmen der Rückbe­sin­nung auf gutes Brot wieder zu Ehren gekommen.

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Dinkel­feld mit Bürger­meis­ter Gentsch und Hans Schee­rer (Archiv Rathaus)

(07) Dives-sur-Mer-Straße. Das ist die erste Stadt, mit der Oberko­chen eine Städte­part­ner­schaft einging. Die kurze Geschich­te wurde der Website des Vereins der Städte­part­ner­schaf­ten entnom­men.
„1971 Die Familie Karl-Maria Riede machte vor vielen Jahren Urlaub im Sport­zen­trum Bomban­nes Maubuis­son an der Atlan­tik­küs­te und lernte dort die Familie Jean-Pierre Boulan­ger aus Dives-sur-Mer an der Côte Fleurie in der Norman­die kennen. Da Jean-Pierre in Dives als Lehrer am Collè­ge Paul Eluard seine Baguettes verdien­te, regte er an, einen Schüler­aus­tausch mit Oberko­chen in Erwägung zu ziehen.
13. April 1980 Erster Schüler­aus­tausch zwischen dem Ernst-Abbé-Gymna­si­um in Oberko­chen und dem Collè­ge Paul Eluard in Dives-sur-Mer.August 1983 Bürger­meis­ter Harald Gentsch besucht mit seiner Frau zum ersten Mal Dives-sur-Mer, um seinen Kolle­gen Bürger­meis­ter Francis Giffard und dessen Stadt kennen­zu­ler­nen.
April 1984 Eine offizi­el­le Diver Delega­ti­on, bestehend aus Bürger­meis­ter Francis Giffard und Gattin, Gemein­de­rat Pierre Fuss, Gemein­de­rä­tin und gleich­zei­tig Delegier­te des Kultur­aus­tau­sches, Eliane Déprés, kommen nach Oberko­chen.
28. Juni 1984 Gründungs­ver­samm­lung des 54. Oberko­che­ner Vereins , der “Verein für Städte­part­ner­schaft Oberko­chen e.V.” Vorsit­zen­der: Rudolf Heite­le, stell­ver­tre­ten­der Vorsit­zen­der: Dr. Hans Brennen­stuhl, Schrift­füh­re­rin: Suse Bantel, Schatz­meis­ter: Johan­nes Feil. 122 Bürge­rin­nen und Bürger treten spontan bei.
29. Septem­ber 1984 Unter­zeich­nung der Partner­schafts-Urkun­de in Dives-sur-Mer. Es sind 81 Bürge­rin­nen und Bürger aus Oberko­chen anwesend.“
(11) Doppler­weg. Chris­ti­an Andre­as Doppler * 29. Novem­ber 1803 in Wien; † 17. März 1853 in Wien war ein öster­rei­chi­scher Mathe­ma­ti­ker und Physi­ker. Er wird für sein Prinzip – bekannt als Doppler-Effekt – gefei­ert, dass die beobach­te­te Frequenz einer Welle von der relati­ven Geschwin­dig­keit der Quelle und des Beobach­ters abhängt. Er nutzte dieses Konzept, um die Farbe von binären Sternen zu erklären.

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Dreißen­tal­stra­ße (Archiv Rathaus)

(02) Dreißen­tal­stra­ße. Die Bedeu­tung des Wortes liegt tief im Dunkel der Geschich­te. Ob es die Tiroler mitge­bracht haben oder ob das Wort gar auf kelti­sche Grabhü­gel zurück­geht. Wir wissen es nicht. Bei „Franz Balle’s Blätter zu einem Oberkoch­ner Heimat­büch­lein“ aus dem Jahr 1953 steht geschrie­ben: „Als neuer Ortsteil präsen­tiert sich das Dreißen­tal mit seinen Hängen und Höhen. Noch vor 50 Jahren (also um 1900) führten aus diesem heime­li­gen Tal die Bauern ihren schöns­ten Klee und gutes Korn heim und am Waldrand ästen fried­lich Rehe. Nun sind sie nicht mehr, die alten lieben Raine, die Hecken und Büsche….“ Das Tal war ein Trocken­tal und reicht hinauf bis zum „Kessel“ am Schüt­zen­haus – das alte Ski- und Schlit­ten­ge­biet für die dort wohnhaf­ten Kinder der 50er und 60er. Beim Schüt­zen­haus gab es auch die Letten­gär­ten. Über das Dreißen­tal infor­mie­ren die Berich­te 746 bis 753 im Detail.
(04) Eichen­dorff­weg. Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichen­dorff * 10. März 1788 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor, Oberschle­si­en; † 26. Novem­ber 1857 in Neisse, Oberschle­si­en war ein bedeu­ten­der Lyriker und Schrift­stel­ler der deutschen Roman­tik. Er zählt mit etwa 5.000 Verto­nun­gen zu den meist­ver­ton­ten deutsch­spra­chi­gen Lyrikern und ist auch als Prosa­dich­ter („Aus dem Leben eines Tauge­nichts“) bis heute gegen­wär­tig. Bekann­te Verto­nun­gen sind u.v.a. „In einem kühlen Grunde“, O Täler weit o Höh’n“ und „Wem Gott will rechte Gunst erwei­sen“.
(11) Einstein­stra­ße. Er darf auf keinen Fall fehlen. Albert Einstein * 14. März 1879 in Ulm Württem­berg † 18. April 1955 in Prince­ton, New Jersey, Verei­nig­te Staaten war ein deutscher Physi­ker mit Schwei­zer und US-ameri­ka­ni­scher Staats­bür­ger­schaft. Er gilt als einer der bedeu­tends­ten theore­ti­schen Physi­ker der Wissen­schafts­ge­schich­te und weltweit als bekann­tes­ter Wissen­schaft­ler der Neuzeit. Seine Forschun­gen zur Struk­tur von Materie, Raum und Zeit sowie zum Wesen der Gravi­ta­ti­on verän­der­ten maßgeb­lich das zuvor gelten­de newton­sche Weltbild. Weltbe­rühmt machte ihn seine Relati­vi­täts­theo­rie und die dazuge­hö­ri­ge Formel, die fast jeder kennt oder schon einmal gesehen hat: E = mc². Er war auch immer ein Mann, der gerne schlaue Sprüche von sich gab (man nennt es heute Zitate). Hier zwei als kleine Auswahl:

1) Proble­me kann man niemals mit dersel­ben Denkwei­se lösen, durch die sie entstan­den sind.
2) Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null — und das nennen sie ihren Standpunkt.

Über sich selbst sagte er einmal: „Wäre ich kein Physi­ker, dann wäre ich bestimmt Musiker gewor­den. Zu Mozart hatte er ein fast schon mysti­sches Verhält­nis, über Beetho­ven befand er „zu persön­lich, zu nackt“. Aber sein Favorit war eindeu­tig J.S. Bach. Über ihn sagte er recht salopp: „Abspie­len, Zuhören, Lieben, Vereh­ren – Das Maul halten!“.
(06) Enzian­weg. Mein Ideen-Geber hat dazu einen eigenen Text verfasst: „Am Oster­sams­tag pilger­ten wir auf den Volkmars­berg (742 m). Auf der Wachol­der­hei­de waren sehr viele blaue Frühlings-Enzia­ne zu sehen zu sehen. Unter der Forst­meis­ter-Schurr-Eiche wurde „gepick­nickt“. Anläss­lich der Hochzeit eines unserer Söhne in Fisch­bach­au stieg ich allein auf den Breiten­stein (1.622 m). In der gesam­ten Gipfel­re­gi­on waren hundert­tau­sen­de Exempla­re des blauen Stängel­lo­sen Enzians zu bestau­nen. Die Anrai­ner nennen diesen, ihren Berg „Broadn Stoa“. Und das erinner­te mich an den Broad­peak (8.051m), Falchan Kangri, im Karako­rum, an der Grenze zum Kashmir und zu China. Auf dem langen Anmarsch­weg nach oben sahen wir auch, auf entspre­chen­der Meeres­hö­he, den Teng-Schan-Gebirgs-Enzian; aber nicht in solchen Mengen wie auf dem „Broadn Stoa“. Er ist auch blau. Der „TengSchan“ ist ein Hochge­bir­ge nördlich des Karako­rum in China. Shan ist ein pan-chine­si­sches Wort für Gebir­ge. Zur Ama Dablam (6.958m) im Solo Khumbu/Himalaya nahe China unter­wegs auf einer Yak-Alm, sah ich Genti­a­na tibeta­na, und zwar weißblü­hend.“
Die Enzia­ne (Genti­a­na) sind eine Pflan­zen­gat­tung in der Familie der Enzian­ge­wäch­se (Genti­a­naceae). Die fast weltweit vorkom­men­den 300 bis 400 Arten gedei­hen vorwie­gend in den Gebir­gen der gemäßig­ten Zonen der Nordhalb­ku­gel, aber auch in den Anden. Einige Arten werden zur Schnaps­her­stel­lung und zur Gewin­nung von Heilmit­teln genutzt. Wenige Arten und Sorten verwen­det man als Zierpflan­zen.
Wer mit Pflan­zen­kun­de nichts am Hut hat, wird dann Enzian aus dem (Schnaps)Glas oder aus der Musik­box (Heino) kennen.
Ich habe ihn nie im Enzian­weg, sondern immer reich­lich bei meinen verstor­be­nen Nachbarn im Vorgar­ten gesehen – bei Maria und Ludwig Becker in der Sonnen­berg­stra­ße 32.
(11) Ernst-Abbé-Platz. Diesen Platz musste ich suchen, der war mir überhaupt nicht bekannt. Es ist der Platz vor dem Treppen­auf­gang zum Gymna­si­um, das densel­ben Namen trägt – EAG. Der folgen­de Text wurde der Website von Carl Zeiss entnom­men.
„Ernst Abbé — der Refor­mer. Viele Unter­neh­men fingen im späten 19. Jahrhun­dert an, betrieb­li­che Sozial­po­li­tik zu betrei­ben. Jede einzel­ne der Maßnah­men Abbes (zum Beispiel Kranken­ver­si­che­rung, Pensio­nen und 8‑Stun­den-Tag) hat Vorläu­fer. Das Entschei­den­de bei Abbé ist, dass er in ganz bewuss­ter Opposi­ti­on zum “Herr-im-Haus”-Standpunkt andere Unter­neh­mer diese Sozial­leis­tun­gen nicht als Wohlta­ten, sondern als Rechte der Mitar­bei­ter veran­ker­te.
Es wurde eine eigene Inter­es­sen­ver­tre­tung der Mitar­bei­ter geschaf­fen. Diese Vertre­tung hatte zwar kein Mitbe­stim­mungs­recht, aber doch das Recht in allen Fragen des Betrie­bes gehört zu werden.
Die Arbeits­be­zie­hun­gen wurden insge­samt mit Hilfe des Statuts der Carl Zeiss-Stiftung verrecht­licht. Diese Verrecht­li­chung und diese insti­tu­tio­nel­len Mecha­nis­men zur Konflikt­re­ge­lung sind Vorläu­fer der sozia­len Markt­wirt­schaft.
Toleranz ist ein entschei­den­der Begriff in Abbes Denken. Obwohl Abbé sicher­lich kein Sozial­de­mo­krat war, war es ihm wichtig, dass sich diese Partei frei entfal­ten konnte. Auch wandte er sich vehement gegen Rassis­mus, der zu seiner Zeit bereits sein Unwesen trieb. Er sorgte dafür, dass bei Carl Zeiss niemand wegen seiner Religi­on, Abstam­mung oder politi­schen Meinung benach­tei­ligt wurde. Das zeigt sich zum Beispiel auch darin, dass sein engster Mitar­bei­ter in der Geschäfts­füh­rung, Siegfried Czapski, ein Jude war.
Förde­rung von Wissen­schaft und Kultur: Als Privat­mann förder­te Ernst Abbé die Univer­si­tät durch anony­me Spenden. Nach Gründung der Carl Zeiss-Stiftung wurde die Förde­rung der Univer­si­tät und auch der Stadt Jena durch diese Stiftung betrie­ben.“
(11) Ernst-Abbé-Straße. Ernst Karl Abbé * 23. Januar 1840 in Eisen­ach, Sachsen-Weimar-Eisen­ach; † 14. Januar 1905 in Jena, Sachsen-Weimar-Eisen­ach; war ein deutscher Physi­ker, Statis­ti­ker, Optiker, Indus­tri­el­ler und Sozial­re­for­mer. Er schuf zusam­men mit Carl Zeiß und Otto Schott die Grund­la­gen der moder­nen Optik und entwi­ckel­te viele optische Instru­men­te. Seit 1899 war er Allein­in­ha­ber der Firma Carl Zeiss und war maßgeb­lich an der Gründung des Unter­neh­mens Jenaer Glaswerk Schott & Gen (heute Schott AG) betei­ligt. Am 19. Mai 1889 wurde von ihm die Carl Zeiss Stiftung gegrün­det. Ohne ihn wäre Oberko­chen eine kleine, überschau­ba­re, vielleicht unbedeu­ten­de, Gemein­de geblie­ben.
(08) Eugen-Bolz-Platz. Eugen Anton Bolz * 15. Dezem­ber 1881 in Rotten­burg am Neckar; † 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzen­see war ein deutscher Politi­ker der Zentrums­par­tei. Von 1928 bis 1933 war er Staats­prä­si­dent des Volks­staats Württem­berg. Später betei­lig­te er sich am Wider­stand gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus. Das ist die offizi­el­le posta­li­sche Anschrift unseres Rathauses.

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Eugen Bolz Gedenk­plat­te (Archiv Rathaus)

(11) Euler­stra­ße. Leonhard Euler * 15. April 1707 in Basel; † 18. Septem­ber 1783 in Sankt Peters­burg war ein Schwei­zer Mathe­ma­ti­ker, Physi­ker, Astro­nom, Geograph, Logiker und Ingenieur. Er machte wichti­ge und weitrei­chen­de Entde­ckun­gen in vielen Zweigen der Mathe­ma­tik, wie beispiels­wei­se der Infini­te­si­mal­rech­nung und der Graphen­theo­rie. Gleich­zei­tig leiste­te Euler funda­men­ta­le Beiträ­ge auf anderen Gebie­ten wie der Topolo­gie und der analy­ti­schen Zahlen­theo­rie. Er prägte große Teile der, bis heute weltweit gebräuch­li­chen, mathe­ma­ti­schen Termi­no­lo­gie und Notati­on. Beispiels­wei­se führte Euler den Begriff der mathe­ma­ti­schen Funkti­on in die Analy­sis ein. Er ist zudem für seine Arbei­ten in der Mecha­nik, Strömungs­dy­na­mik, Optik, Astro­no­mie und Musik­theo­rie bekannt. Nach ihm benannt ist eine spezi­el­le, die sog. Euler­sche Zahl: „e“ oder 2,718 281 828 459 045 235 360 287 471 352 662 497 757 247 093 699 959 574 966 967 627 724 076 630 353 547 594 571…“ Ob die einer auswen­dig aufsa­gen kann? Vielleicht ein Autist. Das wäre doch noch eine Alter­na­ti­ve für Richard Burgers Autokenn­zei­chen gewesen ????.
(06) Feigen­gas­se. Das ist eines der großen Geheim­nis­se in Oberko­chen – dieser Namens­ge­bung. Ficus carica, die echte Feige wächst auch in mediter­ra­nen Staaten. Die Urhei­mat ist Südost­asi­en, von Benga­len bis zu den sub-himalay­ischen Wäldern. Abr ois isch gwieß – bei uns hat es nie einen Feigen­baum gegeben.
Bleibt nur die Vermu­tung, dass es um die Feigen geht, also nicht-botanisch betrach­tet, sondern um die Feiglin­ge. Gott bewah­re — Dieses Feld will, kann und darf ich aber nicht speku­la­tiv betre­ten ????.
Bei uns ist die Feigen­gas­se bekannt, weil dort die Familie Balle ihre Weihnachts­bäu­me verkauft.  „Über die Balles“, deren Herkunft vom Birkhof zwischen Unter­ko­chen und Aalen gut dokumen­tiert ist, infor­miert der Bericht 636 im Detail.
(06) Finken­weg. Eine der Straßen aus dem Reich, sprich dem Gebiet der Vögel. Wenn wir schon einige Straßen nach Vögeln benannt haben, sollten wir uns auch deren Bedürf­nis­sen etwas mehr zuwen­den und Nötiges veran­las­sen. Der Spezia­list dafür heißt Ottmar Bihlmai­er und ist aktuell Mitglied des Gemein­de­rats.
Finken sind eine arten­rei­che Familie aus der Ordnung der Sperlings­vö­gel. Sie enthält 40 Gattun­gen (6 ausge­stor­ben) und etwa 200 Arten (14 ausge­stor­ben).
In Deutsch­land gibt es 14 Arten: „Buchfink, Grünfink, Kernbei­ßer, Girlitz, Stieg­litz, Gimpel, Bluthänf­ling, Fichten­kreuz­schna­bel, Bergfink, Erlen­zei­sig, Birken­zei­sig, Zitro­nen­zei­sig, Polar­bir­ken­zei­sig und der Karming­im­pel.“
Die Ernäh­rung der Finken besteht in der Regel aus Samen, Früch­ten und kleinen Tieren wie Insek­ten. Je nach Art, Lebens­raum und Jahres­zeit sind die Schwer­punk­te der Ernäh­rung verschie­den. Viele Finken­ar­ten sind bunt. Sie bauen ihre Nester meist auf Bäumen und Sträu­chern.
(09) Först­erstra­ße. Diese Straße wurde wohl nach dem Förster Wilhelm Braun benannt, der auf dem Ochsen­ber­ger Feld am 1. August 1926 von einem Wilde­rer erschos­sen wurde.

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Förster Braun s Grab(Archiv Müller)

Am 29. Oktober 1926 wurde im Schwur­ge­richts­saal in Ellwan­gen dieses drama­ti­sche Ereig­nis unter starker Anteil­nah­me der Bevöl­ke­rung verhan­delt. Angeklagt wegen »Mordes und erschwer­ten Först­erwi­der­stan­des« war der 56 Jahre alte Landwirt F. aus Ochsen­berg. Zu Grunde lag ein Tatbe­stand, der in der Gerichts­be­richt­erstat­tung des Heiden­hei­mer Tagblat­tes 1 so geschil­dert wurde:

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Förster Braun – von einem Wilddieb im Jahr 1926 dahin gemeu­chelt (Archiv Müller)

„Am Sonntag, dem 1. August 1926 wurde der 48 Jahre alte Förster Wilhelm Braun aus Oberko­chen, verhei­ra­tet und Vater zweier Kinder unter seinem Hochsitz im Waldteil Falchen tot aufge­fun­den. Neben ihm lag sein abgeschos­se­ner Drilling. Braun hatte im Rücken einen Schrot- und einen Kugel­schuss. Sehr bald erkann­te die Staats­an­walt­schaft, dass es sich nicht um einen Unglücks­fall handel­te, sondern dass der Forst­be­am­te aus etwa zehn Meter Entfer­nung rücklings erschos­sen worden war. Der Verdacht der Täter­schaft lenkte sich zunächst nicht auf den Angeklag­ten E. Es gelang der Krimi­nal­po­li­zei, den hartnä­ckig leugnen­den Mitwis­ser G., derart in die Enge zu treiben, dass dieser schließ­lich zugab, dass sein Schwie­ger­va­ter F. den Förster erschos­sen habe. Der darauf­hin verhaf­te­te Angeklag­te versuch­te auch jetzt noch stunden­lang zu leugnen und gestand erst, als ihm jede Einzel­heit seines Verbre­chens vorge­hal­ten wurde. In der Gerichts­ver­hand­lung gab der Angeklag­te zu, schon mehrmals Rehbö­cke erlegt, ohne einen Zusam­men­stoß mit einem Forst­be­am­ten, insbe­son­de­re mit dem ihm seit langem bekann­ten Förster Braun, gehabt zu haben.“
Der Mörder wurde zum Tode verur­teilt. Später wurde das Urteil in eine lebens­lan­ge Zucht­haus­stra­fe umgewan­delt, deren Vollzug sich der Verur­teil­te durch Suizid entzog. Er erhäng­te sich in seine Zelle am Hohen­a­s­perg am 29. Septem­ber 1929. Wer mehr darüber wissen will, der Bericht 501 hat noch einiges zu bieten.
(11) Fraun­ho­fer­stra­ße. Joseph Fraun­ho­fer, seit 1824 Ritter von Fraun­ho­fer, * 6. März 1787 in Strau­bing; † 7. Juni 1826 in München war ein deutscher Optiker und Physi­ker. Er begrün­de­te am Anfang des 19. Jahrhun­derts den wissen­schaft­li­chen Fernrohr­bau. Ein farbrei­ner Objek­tiv­typ, das Fraun­ho­fer-Objek­tiv, wurde nach ihm benannt.
Seine hervor­ra­gends­te Leistung besteht in der Verbin­dung von exakter wissen­schaft­li­cher Arbeit und deren prakti­scher Anwen­dung für neue innova­ti­ve Produk­te. Mit dieser Denkwei­se wurde der Autodi­dakt Joseph Fraun­ho­fer zum Vorbild und Namens­ge­ber der heuti­gen Fraun­ho­fer-Gesell­schaft. Und jetzt kommt das Insti­tut auch noch mit einer Depen­dance zu uns.
(11) Freiherr-von-Liebig-Straße. Justus Liebig, ab 1845 Justus Freiherr von Liebig * 12. Mai 1803 in Darmstadt; † 18. April 1873 in München, war ein deutscher Chemi­ker und Univer­si­täts­pro­fes­sor in Gießen und München. Liebig erkann­te, dass Pflan­zen wichti­ge anorga­ni­sche Nährstof­fe in Form von Salzen aufneh­men, und begrün­de­te durch seine Forschung die moder­ne Mineral­dün­gung und den Beginn der Agroche­mie. Er entwi­ckel­te ein Herstel­lungs­ver­fah­ren für Rindfleisch-Extrak­te sowie moder­ne Analy­se­ver­fah­ren und gründe­te die renom­mier­te Zeitschrift „Justus Liebigs Annalen der Chemie“. Gleich­zei­tig mit zwei anderen Forschern entdeck­te er das Narko­se­mit­tel Chloro­form.
Der Allge­mein­heit ist er als Erfin­der des „Suppen­wür­fels“ bekannt. Sein Produkt hieß „Liebig’s Fleisch­ex­trakt“ und stamm­te aus der Mitte des 19. Jahrhun­derts und machte ihn wohl sehr vermö­gend.
(06) Fried­hof­weg. Den finden wir an der oberen Garten­stra­ße nach rechts­ab­zwei­gend, der dann in einen Fußweg zum Städti­schen Fried­hof mündet, der auch Teil des Karst­wan­der­we­ges ist. Es ist ein schöner ruhiger alter Teil der Gemein­de, dessen Ruhe hin und wieder durch gewerbs­mä­ßi­ges Holzsä­gen gestört wird. Früher fand sich dort auch eine kleine Forel­len­zucht und einige Gänse wurden dort bis zu Marti­ni durch­ge­füt­tert.
(06) Frühling­s­tra­ße. Diese Namens­ge­bung ist auch nicht nachvoll­zieh­bar, denn über die anderen Jahres­zei­ten haben wir keine Straßen, Gassen oder gar Plätze. Wollte man hier einfach nur einen positiv besetz­ten Namen haben, der auf reich­lich Sonnen­ein­strah­lung hinweist? Ich wohne hier jeden­falls gerne. Ruhig, sonnig, zentral, nette Nachbarn – was willsch in Oberko­chen mehr und der gelegent­li­che Lärm von Kindern vom Bolzplatz oder der Schule zeugt von Leben.

Der vierte Teil folgt in Kürze.

Wilfried „Billie Wichai“ Müller vom Sonnenberg

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