
Carl-Zeiss-Straße (Archiv Rathaus)
(10) Carl-Zeiss-Straße. Diese Straße wurde der Firma gewidmet, die nach dem Krieg in den alten Fritz-Leitz-Gebäuden ihre Heimat gefunden hat und in großem Maß dafür verantwortlich ist, was aus dem kleinen Dorf geworden ist. Früher ein Fußweg zwischen Dreißental und der Firma Leitz, später Theaterweg genannt, weil man damit zum Martha-Leitz-Haus gelangte, dass die erste kulturelle Veranstaltungshalle für das Dorf war. Vor ein paar Jahren wurde sie an die Firma Zeiss verkauft und gehört seitdem zum Firmenareal und ist somit keine öffentliche Straße mehr. Über diese Straße informiert der Bericht 697 im Detail.

Carl-Zeiss-Straße (Archiv Rathaus)
(08) Dietrich-Bonhoeffer-Straße. Dietrich Bonhoeffer * 4. Februar 1906 in Breslau; † 9. April 1945 im KZ Flossenbürg war ein lutherischer Theologe, profilierter Vertreter der Bekennenden Kirche und am deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt. Er habilitierte bereits mit 24 Jahren, als ob er wusste, dass ihm nicht viel Zeit blieb. Etwa ab 1938 schloss er sich dem Widerstand um Wilhelm Franz Canaris an. 1940 erhielt er Redeverbot und 1941 Schreibverbot. Am 5. April 1943 wurde er verhaftet und zwei Jahre später auf ausdrücklichen Befehl Adolf Hitlers als einer der letzten NS-Gegner, die mit dem Attentat vom 20. Juli 1944 in Verbindung gebracht wurden, hingerichtet. Wer kennt nicht das Kirchenlied, dessen Text 1944 im Gefängnis entstand: „Von guten Mächten wunderbar geborgen / erwarten wir getrost, was kommen mag / Gott ist bei uns am Abend und am Morgen / und ganz gewiss an jedem neuen Tag“.
(06) Dinkelweg. Der Dinkel (Schwabenkorn) Triticum spelta, auch Spelz genannt, ist eine (Vor)Form des Weizens. Nach dem Reinheitsgebot von 1516 durfte nur Gerstenmalz zum Bierbrauen verwendet werden. Der Weizen war dem Brotbacken für die Bevölkerung vorbehalten; da wird der Kleber gebraucht. Gerste ist glutenarm und nicht gut geeignet zum Brotmachen. Die ältesten Funde von Dinkel stammen aus Westarmenien und den Tälern des Ararat-Gebirges (6. bis 5. Jahrtausend v. Chr.). Der Dinkel ist in den letzten Jahren bei den Bäckereien im Rahmen der Rückbesinnung auf gutes Brot wieder zu Ehren gekommen.

Dinkelfeld mit Bürgermeister Gentsch und Hans Scheerer (Archiv Rathaus)
(07) Dives-sur-Mer-Straße. Das ist die erste Stadt, mit der Oberkochen eine Städtepartnerschaft einging. Die kurze Geschichte wurde der Website des Vereins der Städtepartnerschaften entnommen.
„1971 Die Familie Karl-Maria Riede machte vor vielen Jahren Urlaub im Sportzentrum Bombannes Maubuisson an der Atlantikküste und lernte dort die Familie Jean-Pierre Boulanger aus Dives-sur-Mer an der Côte Fleurie in der Normandie kennen. Da Jean-Pierre in Dives als Lehrer am Collège Paul Eluard seine Baguettes verdiente, regte er an, einen Schüleraustausch mit Oberkochen in Erwägung zu ziehen.
13. April 1980 Erster Schüleraustausch zwischen dem Ernst-Abbé-Gymnasium in Oberkochen und dem Collège Paul Eluard in Dives-sur-Mer.August 1983 Bürgermeister Harald Gentsch besucht mit seiner Frau zum ersten Mal Dives-sur-Mer, um seinen Kollegen Bürgermeister Francis Giffard und dessen Stadt kennenzulernen.
April 1984 Eine offizielle Diver Delegation, bestehend aus Bürgermeister Francis Giffard und Gattin, Gemeinderat Pierre Fuss, Gemeinderätin und gleichzeitig Delegierte des Kulturaustausches, Eliane Déprés, kommen nach Oberkochen.
28. Juni 1984 Gründungsversammlung des 54. Oberkochener Vereins , der “Verein für Städtepartnerschaft Oberkochen e.V.” Vorsitzender: Rudolf Heitele, stellvertretender Vorsitzender: Dr. Hans Brennenstuhl, Schriftführerin: Suse Bantel, Schatzmeister: Johannes Feil. 122 Bürgerinnen und Bürger treten spontan bei.
29. September 1984 Unterzeichnung der Partnerschafts-Urkunde in Dives-sur-Mer. Es sind 81 Bürgerinnen und Bürger aus Oberkochen anwesend.“
(11) Dopplerweg. Christian Andreas Doppler * 29. November 1803 in Wien; † 17. März 1853 in Wien war ein österreichischer Mathematiker und Physiker. Er wird für sein Prinzip – bekannt als Doppler-Effekt – gefeiert, dass die beobachtete Frequenz einer Welle von der relativen Geschwindigkeit der Quelle und des Beobachters abhängt. Er nutzte dieses Konzept, um die Farbe von binären Sternen zu erklären.

Dreißentalstraße (Archiv Rathaus)
(02) Dreißentalstraße. Die Bedeutung des Wortes liegt tief im Dunkel der Geschichte. Ob es die Tiroler mitgebracht haben oder ob das Wort gar auf keltische Grabhügel zurückgeht. Wir wissen es nicht. Bei „Franz Balle’s Blätter zu einem Oberkochner Heimatbüchlein“ aus dem Jahr 1953 steht geschrieben: „Als neuer Ortsteil präsentiert sich das Dreißental mit seinen Hängen und Höhen. Noch vor 50 Jahren (also um 1900) führten aus diesem heimeligen Tal die Bauern ihren schönsten Klee und gutes Korn heim und am Waldrand ästen friedlich Rehe. Nun sind sie nicht mehr, die alten lieben Raine, die Hecken und Büsche….“ Das Tal war ein Trockental und reicht hinauf bis zum „Kessel“ am Schützenhaus – das alte Ski- und Schlittengebiet für die dort wohnhaften Kinder der 50er und 60er. Beim Schützenhaus gab es auch die Lettengärten. Über das Dreißental informieren die Berichte 746 bis 753 im Detail.
(04) Eichendorffweg. Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff * 10. März 1788 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor, Oberschlesien; † 26. November 1857 in Neisse, Oberschlesien war ein bedeutender Lyriker und Schriftsteller der deutschen Romantik. Er zählt mit etwa 5.000 Vertonungen zu den meistvertonten deutschsprachigen Lyrikern und ist auch als Prosadichter („Aus dem Leben eines Taugenichts“) bis heute gegenwärtig. Bekannte Vertonungen sind u.v.a. „In einem kühlen Grunde“, O Täler weit o Höh’n“ und „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“.
(11) Einsteinstraße. Er darf auf keinen Fall fehlen. Albert Einstein * 14. März 1879 in Ulm Württemberg † 18. April 1955 in Princeton, New Jersey, Vereinigte Staaten war ein deutscher Physiker mit Schweizer und US-amerikanischer Staatsbürgerschaft. Er gilt als einer der bedeutendsten theoretischen Physiker der Wissenschaftsgeschichte und weltweit als bekanntester Wissenschaftler der Neuzeit. Seine Forschungen zur Struktur von Materie, Raum und Zeit sowie zum Wesen der Gravitation veränderten maßgeblich das zuvor geltende newtonsche Weltbild. Weltberühmt machte ihn seine Relativitätstheorie und die dazugehörige Formel, die fast jeder kennt oder schon einmal gesehen hat: E = mc². Er war auch immer ein Mann, der gerne schlaue Sprüche von sich gab (man nennt es heute Zitate). Hier zwei als kleine Auswahl:
1) Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.
2) Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null — und das nennen sie ihren Standpunkt.
Über sich selbst sagte er einmal: „Wäre ich kein Physiker, dann wäre ich bestimmt Musiker geworden. Zu Mozart hatte er ein fast schon mystisches Verhältnis, über Beethoven befand er „zu persönlich, zu nackt“. Aber sein Favorit war eindeutig J.S. Bach. Über ihn sagte er recht salopp: „Abspielen, Zuhören, Lieben, Verehren – Das Maul halten!“.
(06) Enzianweg. Mein Ideen-Geber hat dazu einen eigenen Text verfasst: „Am Ostersamstag pilgerten wir auf den Volkmarsberg (742 m). Auf der Wacholderheide waren sehr viele blaue Frühlings-Enziane zu sehen zu sehen. Unter der Forstmeister-Schurr-Eiche wurde „gepicknickt“. Anlässlich der Hochzeit eines unserer Söhne in Fischbachau stieg ich allein auf den Breitenstein (1.622 m). In der gesamten Gipfelregion waren hunderttausende Exemplare des blauen Stängellosen Enzians zu bestaunen. Die Anrainer nennen diesen, ihren Berg „Broadn Stoa“. Und das erinnerte mich an den Broadpeak (8.051m), Falchan Kangri, im Karakorum, an der Grenze zum Kashmir und zu China. Auf dem langen Anmarschweg nach oben sahen wir auch, auf entsprechender Meereshöhe, den Teng-Schan-Gebirgs-Enzian; aber nicht in solchen Mengen wie auf dem „Broadn Stoa“. Er ist auch blau. Der „TengSchan“ ist ein Hochgebirge nördlich des Karakorum in China. Shan ist ein pan-chinesisches Wort für Gebirge. Zur Ama Dablam (6.958m) im Solo Khumbu/Himalaya nahe China unterwegs auf einer Yak-Alm, sah ich Gentiana tibetana, und zwar weißblühend.“
Die Enziane (Gentiana) sind eine Pflanzengattung in der Familie der Enziangewächse (Gentianaceae). Die fast weltweit vorkommenden 300 bis 400 Arten gedeihen vorwiegend in den Gebirgen der gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel, aber auch in den Anden. Einige Arten werden zur Schnapsherstellung und zur Gewinnung von Heilmitteln genutzt. Wenige Arten und Sorten verwendet man als Zierpflanzen.
Wer mit Pflanzenkunde nichts am Hut hat, wird dann Enzian aus dem (Schnaps)Glas oder aus der Musikbox (Heino) kennen.
Ich habe ihn nie im Enzianweg, sondern immer reichlich bei meinen verstorbenen Nachbarn im Vorgarten gesehen – bei Maria und Ludwig Becker in der Sonnenbergstraße 32.
(11) Ernst-Abbé-Platz. Diesen Platz musste ich suchen, der war mir überhaupt nicht bekannt. Es ist der Platz vor dem Treppenaufgang zum Gymnasium, das denselben Namen trägt – EAG. Der folgende Text wurde der Website von Carl Zeiss entnommen.
„Ernst Abbé — der Reformer. Viele Unternehmen fingen im späten 19. Jahrhundert an, betriebliche Sozialpolitik zu betreiben. Jede einzelne der Maßnahmen Abbes (zum Beispiel Krankenversicherung, Pensionen und 8‑Stunden-Tag) hat Vorläufer. Das Entscheidende bei Abbé ist, dass er in ganz bewusster Opposition zum “Herr-im-Haus”-Standpunkt andere Unternehmer diese Sozialleistungen nicht als Wohltaten, sondern als Rechte der Mitarbeiter verankerte.
Es wurde eine eigene Interessenvertretung der Mitarbeiter geschaffen. Diese Vertretung hatte zwar kein Mitbestimmungsrecht, aber doch das Recht in allen Fragen des Betriebes gehört zu werden.
Die Arbeitsbeziehungen wurden insgesamt mit Hilfe des Statuts der Carl Zeiss-Stiftung verrechtlicht. Diese Verrechtlichung und diese institutionellen Mechanismen zur Konfliktregelung sind Vorläufer der sozialen Marktwirtschaft.
Toleranz ist ein entscheidender Begriff in Abbes Denken. Obwohl Abbé sicherlich kein Sozialdemokrat war, war es ihm wichtig, dass sich diese Partei frei entfalten konnte. Auch wandte er sich vehement gegen Rassismus, der zu seiner Zeit bereits sein Unwesen trieb. Er sorgte dafür, dass bei Carl Zeiss niemand wegen seiner Religion, Abstammung oder politischen Meinung benachteiligt wurde. Das zeigt sich zum Beispiel auch darin, dass sein engster Mitarbeiter in der Geschäftsführung, Siegfried Czapski, ein Jude war.
Förderung von Wissenschaft und Kultur: Als Privatmann förderte Ernst Abbé die Universität durch anonyme Spenden. Nach Gründung der Carl Zeiss-Stiftung wurde die Förderung der Universität und auch der Stadt Jena durch diese Stiftung betrieben.“
(11) Ernst-Abbé-Straße. Ernst Karl Abbé * 23. Januar 1840 in Eisenach, Sachsen-Weimar-Eisenach; † 14. Januar 1905 in Jena, Sachsen-Weimar-Eisenach; war ein deutscher Physiker, Statistiker, Optiker, Industrieller und Sozialreformer. Er schuf zusammen mit Carl Zeiß und Otto Schott die Grundlagen der modernen Optik und entwickelte viele optische Instrumente. Seit 1899 war er Alleininhaber der Firma Carl Zeiss und war maßgeblich an der Gründung des Unternehmens Jenaer Glaswerk Schott & Gen (heute Schott AG) beteiligt. Am 19. Mai 1889 wurde von ihm die Carl Zeiss Stiftung gegründet. Ohne ihn wäre Oberkochen eine kleine, überschaubare, vielleicht unbedeutende, Gemeinde geblieben.
(08) Eugen-Bolz-Platz. Eugen Anton Bolz * 15. Dezember 1881 in Rottenburg am Neckar; † 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee war ein deutscher Politiker der Zentrumspartei. Von 1928 bis 1933 war er Staatspräsident des Volksstaats Württemberg. Später beteiligte er sich am Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Das ist die offizielle postalische Anschrift unseres Rathauses.

Eugen Bolz Gedenkplatte (Archiv Rathaus)
(11) Eulerstraße. Leonhard Euler * 15. April 1707 in Basel; † 18. September 1783 in Sankt Petersburg war ein Schweizer Mathematiker, Physiker, Astronom, Geograph, Logiker und Ingenieur. Er machte wichtige und weitreichende Entdeckungen in vielen Zweigen der Mathematik, wie beispielsweise der Infinitesimalrechnung und der Graphentheorie. Gleichzeitig leistete Euler fundamentale Beiträge auf anderen Gebieten wie der Topologie und der analytischen Zahlentheorie. Er prägte große Teile der, bis heute weltweit gebräuchlichen, mathematischen Terminologie und Notation. Beispielsweise führte Euler den Begriff der mathematischen Funktion in die Analysis ein. Er ist zudem für seine Arbeiten in der Mechanik, Strömungsdynamik, Optik, Astronomie und Musiktheorie bekannt. Nach ihm benannt ist eine spezielle, die sog. Eulersche Zahl: „e“ oder 2,718 281 828 459 045 235 360 287 471 352 662 497 757 247 093 699 959 574 966 967 627 724 076 630 353 547 594 571…“ Ob die einer auswendig aufsagen kann? Vielleicht ein Autist. Das wäre doch noch eine Alternative für Richard Burgers Autokennzeichen gewesen ????.
(06) Feigengasse. Das ist eines der großen Geheimnisse in Oberkochen – dieser Namensgebung. Ficus carica, die echte Feige wächst auch in mediterranen Staaten. Die Urheimat ist Südostasien, von Bengalen bis zu den sub-himalayischen Wäldern. Abr ois isch gwieß – bei uns hat es nie einen Feigenbaum gegeben.
Bleibt nur die Vermutung, dass es um die Feigen geht, also nicht-botanisch betrachtet, sondern um die Feiglinge. Gott bewahre — Dieses Feld will, kann und darf ich aber nicht spekulativ betreten ????.
Bei uns ist die Feigengasse bekannt, weil dort die Familie Balle ihre Weihnachtsbäume verkauft. „Über die Balles“, deren Herkunft vom Birkhof zwischen Unterkochen und Aalen gut dokumentiert ist, informiert der Bericht 636 im Detail.
(06) Finkenweg. Eine der Straßen aus dem Reich, sprich dem Gebiet der Vögel. Wenn wir schon einige Straßen nach Vögeln benannt haben, sollten wir uns auch deren Bedürfnissen etwas mehr zuwenden und Nötiges veranlassen. Der Spezialist dafür heißt Ottmar Bihlmaier und ist aktuell Mitglied des Gemeinderats.
Finken sind eine artenreiche Familie aus der Ordnung der Sperlingsvögel. Sie enthält 40 Gattungen (6 ausgestorben) und etwa 200 Arten (14 ausgestorben).
In Deutschland gibt es 14 Arten: „Buchfink, Grünfink, Kernbeißer, Girlitz, Stieglitz, Gimpel, Bluthänfling, Fichtenkreuzschnabel, Bergfink, Erlenzeisig, Birkenzeisig, Zitronenzeisig, Polarbirkenzeisig und der Karmingimpel.“
Die Ernährung der Finken besteht in der Regel aus Samen, Früchten und kleinen Tieren wie Insekten. Je nach Art, Lebensraum und Jahreszeit sind die Schwerpunkte der Ernährung verschieden. Viele Finkenarten sind bunt. Sie bauen ihre Nester meist auf Bäumen und Sträuchern.
(09) Försterstraße. Diese Straße wurde wohl nach dem Förster Wilhelm Braun benannt, der auf dem Ochsenberger Feld am 1. August 1926 von einem Wilderer erschossen wurde.

Förster Braun s Grab(Archiv Müller)
Am 29. Oktober 1926 wurde im Schwurgerichtssaal in Ellwangen dieses dramatische Ereignis unter starker Anteilnahme der Bevölkerung verhandelt. Angeklagt wegen »Mordes und erschwerten Försterwiderstandes« war der 56 Jahre alte Landwirt F. aus Ochsenberg. Zu Grunde lag ein Tatbestand, der in der Gerichtsberichterstattung des Heidenheimer Tagblattes 1 so geschildert wurde:

Förster Braun – von einem Wilddieb im Jahr 1926 dahin gemeuchelt (Archiv Müller)
„Am Sonntag, dem 1. August 1926 wurde der 48 Jahre alte Förster Wilhelm Braun aus Oberkochen, verheiratet und Vater zweier Kinder unter seinem Hochsitz im Waldteil Falchen tot aufgefunden. Neben ihm lag sein abgeschossener Drilling. Braun hatte im Rücken einen Schrot- und einen Kugelschuss. Sehr bald erkannte die Staatsanwaltschaft, dass es sich nicht um einen Unglücksfall handelte, sondern dass der Forstbeamte aus etwa zehn Meter Entfernung rücklings erschossen worden war. Der Verdacht der Täterschaft lenkte sich zunächst nicht auf den Angeklagten E. Es gelang der Kriminalpolizei, den hartnäckig leugnenden Mitwisser G., derart in die Enge zu treiben, dass dieser schließlich zugab, dass sein Schwiegervater F. den Förster erschossen habe. Der daraufhin verhaftete Angeklagte versuchte auch jetzt noch stundenlang zu leugnen und gestand erst, als ihm jede Einzelheit seines Verbrechens vorgehalten wurde. In der Gerichtsverhandlung gab der Angeklagte zu, schon mehrmals Rehböcke erlegt, ohne einen Zusammenstoß mit einem Forstbeamten, insbesondere mit dem ihm seit langem bekannten Förster Braun, gehabt zu haben.“
Der Mörder wurde zum Tode verurteilt. Später wurde das Urteil in eine lebenslange Zuchthausstrafe umgewandelt, deren Vollzug sich der Verurteilte durch Suizid entzog. Er erhängte sich in seine Zelle am Hohenasperg am 29. September 1929. Wer mehr darüber wissen will, der Bericht 501 hat noch einiges zu bieten.
(11) Fraunhoferstraße. Joseph Fraunhofer, seit 1824 Ritter von Fraunhofer, * 6. März 1787 in Straubing; † 7. Juni 1826 in München war ein deutscher Optiker und Physiker. Er begründete am Anfang des 19. Jahrhunderts den wissenschaftlichen Fernrohrbau. Ein farbreiner Objektivtyp, das Fraunhofer-Objektiv, wurde nach ihm benannt.
Seine hervorragendste Leistung besteht in der Verbindung von exakter wissenschaftlicher Arbeit und deren praktischer Anwendung für neue innovative Produkte. Mit dieser Denkweise wurde der Autodidakt Joseph Fraunhofer zum Vorbild und Namensgeber der heutigen Fraunhofer-Gesellschaft. Und jetzt kommt das Institut auch noch mit einer Dependance zu uns.
(11) Freiherr-von-Liebig-Straße. Justus Liebig, ab 1845 Justus Freiherr von Liebig * 12. Mai 1803 in Darmstadt; † 18. April 1873 in München, war ein deutscher Chemiker und Universitätsprofessor in Gießen und München. Liebig erkannte, dass Pflanzen wichtige anorganische Nährstoffe in Form von Salzen aufnehmen, und begründete durch seine Forschung die moderne Mineraldüngung und den Beginn der Agrochemie. Er entwickelte ein Herstellungsverfahren für Rindfleisch-Extrakte sowie moderne Analyseverfahren und gründete die renommierte Zeitschrift „Justus Liebigs Annalen der Chemie“. Gleichzeitig mit zwei anderen Forschern entdeckte er das Narkosemittel Chloroform.
Der Allgemeinheit ist er als Erfinder des „Suppenwürfels“ bekannt. Sein Produkt hieß „Liebig’s Fleischextrakt“ und stammte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und machte ihn wohl sehr vermögend.
(06) Friedhofweg. Den finden wir an der oberen Gartenstraße nach rechtsabzweigend, der dann in einen Fußweg zum Städtischen Friedhof mündet, der auch Teil des Karstwanderweges ist. Es ist ein schöner ruhiger alter Teil der Gemeinde, dessen Ruhe hin und wieder durch gewerbsmäßiges Holzsägen gestört wird. Früher fand sich dort auch eine kleine Forellenzucht und einige Gänse wurden dort bis zu Martini durchgefüttert.
(06) Frühlingstraße. Diese Namensgebung ist auch nicht nachvollziehbar, denn über die anderen Jahreszeiten haben wir keine Straßen, Gassen oder gar Plätze. Wollte man hier einfach nur einen positiv besetzten Namen haben, der auf reichlich Sonneneinstrahlung hinweist? Ich wohne hier jedenfalls gerne. Ruhig, sonnig, zentral, nette Nachbarn – was willsch in Oberkochen mehr und der gelegentliche Lärm von Kindern vom Bolzplatz oder der Schule zeugt von Leben.
Der vierte Teil folgt in Kürze.
Wilfried „Billie Wichai“ Müller vom Sonnenberg