Ca. 1000 Liter Verlust pro Sekunde

Wer am letzten Montag, 11.Juni, im Wolfert­s­tal spazie­ren ging, konnte zufäl­lig Zeuge einer gewal­ti­gen Spring­flut werden, die etwa auf der Höhe des mitten im Tal stehen­den Schup­pens (früher Schenk, heute Löffler) aus dem Waldrand des mit Fichten bewach­se­nen Steil­hangs am Fuß des Volkmars­bergs, über die Wiese des Landwirts Balle schoss, welcher diese erst kurz zuvor in mühsa­mer Arbeit von den Spuren befreit hatte, die ihm die Wildsäue hinter­las­sen hatten. Der Sturz­bach, der sich an der Talsoh­le in den trotz des Regens der vergan­ge­nen Tage ausge­trock­ne­ten Guten­bach ergoss, war so gewal­tig, dass mittel­gro­ße bis größe­re Stein­bro­cken talwärts mitge­ris­sen wurden.

Da ein ähnli­ches Ereig­nis in den letzten 100 Jahren an dieser Stelle nicht überlie­fert ist, war klar, dass es sich hier um keinen neuen Quell­aus­tritt handelt, sondern, dass die relativ bald wieder versie­gen­de Wasser­flut eher durch einen Schaden an der Landes­was­ser­ver­sor­gung zustan­de gekom­men ist.

Wenig später wurde an der Stelle, wo das Wasser aus dem Wald heraus­ge­schos­sen war, ziemlich exakt am Waldrand, ein paar Fichten gefällt. Heute nun, am Donner­tag, 14. Juni, waren an der Spur, die der Wasser­sturz in der Wiese hinter­las­sen hatte, mehre­re schwe­re Bagger- und andere Fahrzeu­ge, auch ein Pkw der LW, erschie­nen. Ein Bagger schob einen Weg hinauf zum Waldrand frei. Am 15.6. wurden schwe­re Beton­plat­ten über die weiter talwärts verlau­fen­den beiden neuen Leitungs­strän­ge von 1964 gelegt, (Foto 1) um diese vom Druck der schwe­ren Fahrzeu­ge zu schüt­zen. Wer Glück hatte, konnte die beiden zustän­di­gen LW-Männer, die Herren Frick von der LW Stutt­gart und Wieland, den örtli­chen Strecken­wart, (Nachfol­ger von Herrn Strobel), treffen, die bereit­wil­lig Auskunft über die Vorgän­ge gaben.

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Der Beschluss zum Bau der Landes­was­ser­ver­sor­gung war, wie wir in unseren Berich­ten 565 (BuG v. 16.4.2010) und 566 (BuG v. 30.4.2010) ausführ­lich beschrie­ben, genau vor 100 Jahren, also im Jahr 1912, durch König Wilhelm von Württem­berg unter­zeich­net worden. – Inter­es­sier­te können unsere Berich­te unter www.heimatverein-oberkochen.de (Titel­sei­te Punkt 4b – Berich­te 500 – 600) nachle­sen. Der Schaden war in der Tat an einem der alten Rohre (ca. 1916) entstanden.

Herr Frick sieht verschie­de­ne Möglich­kei­ten, durch welche der Schaden entstan­den sein könnte, geht aber davon aus, dass durch Druck von unten (minima­le Gelän­de­ver­än­de­rung) ein Stück aus einem gußei­ser­e­n­en Leitungs­rohr heraus­ge­sprengt wurde. Dieser Druck könnte punktu­ell durch einen durch eine minimal verän­der­te Lage eines Steins zwischen Rohr und Gelän­de entstan­den sein. Eine ähnli­che Möglich­keit ist, dass ein punktu­el­ler Druck auf das Rohr von oben her entstan­den ist: auch wenn die Fichten­wur­zeln nicht in die Tiefe gehen, üben sie, vor allem bei Wind oder Sturm, dennoch einen großen Flächen­druck auf die Rohre aus, und auch auf diese Weise können Druck­ver­än­de­run­gen entste­hen und Steine, die früher »harmlos« waren, plötz­lich punktu­el­len Druck ausüben lassen. Genau­es wird erst gesagt werden können, wenn das alte Rohr freige­legt ist. Am 14.6. wurden über die etwas hangab­wärts liegen­den neuen Leitun­gen von 1964 Eisen­be­ton­plat­ten gelegt, damit an diesen kein Schaden entsteht, wenn schwe­res Gerät über sie fährt.

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Wie man den Fehler und den Ort des Fehlers so schnell habe feststel­len können, wollte ich wissen, und erfuhr, dass die Leitung ab dem Zentrum in Lange­nau bis zum Oster­buch­stol­len in verschie­de­ne Kontroll­ab­schnit­te einge­teilt ist, die getrennt vonein­an­der bei ungewöhn­li­chem Wasser­ver­lust durch automa­tisch schlie­ßen­de Schot­ten oder Klappen still­ge­legt werden können. Die für den Abschnitt »Oberko­chen-Oster­buch­stol­len« zustän­di­ge Klappe befin­det sich auf dem Werks­ge­län­de der Firma Carl Zeiss. Die durch­schnitt­li­che Verlust­men­ge auf diesem Abschnitt beträgt maximal 100 Liter pro Sekun­de. Dieser Normver­lust sei inner­halb von Sekun­den auf ca. 1000 Liter pro Sekun­de hinauf­ge­schnellt, was am Kontroll­zen­trum in Lange­nau ables­bar war. Die Still­le­gung des Strecken­ab­schnitts erfolg­te automatisch.

Die LW hofft, dass der Schaden bereits am Montag nächs­ter Woche behoben wird. Die beiden Fotos von heute, 14. Juni, zeigen die vom Bagger frisch hangauf­wärts gescho­be­ne Trasse, auf der das Wasser zu Tal schoss. Der Bagger schafft gerade die erste Schutz­plat­te, die über die neuen Leitun­gen aus den Sechzi­ger­jah­ren gelegt wird. Die alte Leitung, an der der Schaden entstan­den ist, verläuft knapp oberhalb des Waldrands in steile­rem Terrain.

Ergän­zung vom Montag, 18.6.: Das beschä­dig­te Rohr (Foto 1) wurde heute Vormit­tag aus dem Verbund gelöst und ins Tal beför­dert. Das ausge­bro­che­ne Stück verläuft, wie unsere Fotos zeigen, (Foto 1 und 2) in der Längs­rich­tung des 5 Meter langen 90 cm im Durch­mes­ser messen­den Rohrs über mehr als 3 Meter Länge und mehr als 1 Meter des Umfangs. (Foto 3). Ein weite­res Foto (Foto 4) zeigt die „Unfall­stel­le“ mit der 5 m langen Lücke in der Rohrlei­tung. Die LW-Leute vor Ort ließen offen, ob nicht eine dritte und vierte Möglich­keit den Bruch verur­sacht haben könne, — Materi­al­er­mü­dung unter Druck oder Materi­al­feh­ler. Das Neue Rohr soll noch heute, 18.6., gelie­fert und einge­baut werden.

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Nachtrag zu Bericht 602
Am Montag, 18.6.2012 wurde, wie unser Foto 6 zeigt, das neue Rohr einge­setzt. Im Gegen­satz zu den Rohren von 1916 wurde das neue Rohr am 19.6.2012 von einem Sandbett umgeben. — Sämli­che Fichten übrigens, die entlang der Leitung talein­wärts auf der Leitung standen, mussten am 18.6.2012 gefällt werden, damit in Zukunft der schnel­le Zugang zu der LW gewähr­leis­tet ist.

Dietrich Bantel

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