Wie bereits berich­tet (BuG v. 21.8.98) weilt seit 28. August bis zum Sonntag, 27. Septem­ber eine 14-köpfi­ge inter­na­tio­na­le Jugend­grup­pe, bestehend aus Schülern und Studen­ten unter und über 20 Jahre alt, aus Frank­reich, Spani­en, Tsche­chi­en, Polen, Bulga­ri­en, Japan und Deutsch­land in Oberko­chen: Die ausge­spro­chen konstruk­ti­ve, gut harmo­nie­ren­de und fleißi­ge Gruppe wird betreut von 2 IJGD-Kräften, Mandy Nicolai aus Magde­burg und Joachim Sauer aus Hamburg, die selbst äußerst aktiv Hand mit anlegen. Derar­ti­ge Ferien‑, Erleb­nis- und Arbeits­ein­sät­ze werden seit 1948 organi­siert über eine der 5 bundes­wei­ten Zentra­len der Inter­na­tio­na­len Jugend­ge­mein­schafts­diens­te (IJGD) und mit Mitteln des Bundes, der Länder, der Jugend­wer­ke, Stiftun­gen u.a. bezuschußt. Zum 4. Mal hält sich nun bereits eine IJGD-Gruppe in Oberko­chen auf. Die Jugend­li­chen, die in der Dreißen­tal­turn­hal­le übernach­ten, werden zusätz­lich geför­dert durch das vermit­teln­de Staat­li­che Forst­amt Oberko­chen mit Herrn OFR Johann Reck. Ebenso werden sie unter­stützt von der Stadt Oberko­chen, vom Schwä­bi­schen Albver­ein (Betreu­er Klaus Korn), von der Freiwil­li­gen Feuer­wehr Oberko­chen (Betreu­er Sepp Merz, gleich­zei­tig in seiner Funkti­on als Hausmeis­ter der Dreißen­tal­turn­hal­le) und vom Heimat­ver­ein Oberko­chen (Betreu­er Dietrich Bantel). Die Jugend­li­chen lernen auf diese Weise Land und Leute, Sprache und Kultur kennen. Sie erhal­ten allge­mein ein winzi­ges Geld, kochen sich selbst, arbei­ten in den Berei­chen Umwelt und Natur­schutz, sozia­le Diens­te, Pädago­gik und Kultur­ge­schich­te an den Vormit­ta­gen und unter­neh­men an den Nachmit­ta­gen kultu­rel­le Exkur­sio­nen. Die Oberko­che­ner Gruppe hatte sich wieder, wie in den vergan­ge­nen Jahren, für Natur­schutz und Forst gemeldet.

Oberkochen

Die sogenann­ten IJGD-Workcamps sind entstan­den als Antipro­gramm gegen Konfek­ti­ons- und gegen Konsumurlaub.

In den Tagen vom 24. — 28.8. arbei­te­ten die Jugend­li­chen unter der Leitung des Heimat­ver­eins am Bilzhaus. Dr. Susan­ne Arnold vom Landes­denk­mal­amt hatte bereits vor 2 Jahren weite­re Direk­ti­ven gegeben, wie eine eventu­el­le Weiter­ar­beit Ausse­hen müsse.

Folgen­de Arbei­ten wurden getätigt:

1) Am Montag, 24.8.: Vormit­tags Nonstop Regen. Keine Arbeiten.

2) Am Diens­tag, 25.8.: Entfer­nen des in 2 Jahren seit der letzten Grabung entstan­de­nen Bewuch­ses. Nach einem total verreg­ne­ten Montag war am Diens­tag der neue Grasbe­wuchs auf dem in Kalkbruch­stei­nen geleg­ten und bereits vor 2 Jahren und früher von uns freige­leg­ten Stall­bo­den (1) fast wie ein Teppich aufzu­rol­len. In der 80 cm niedri­ger gelege­nen Einfahrt (2) und im zu Beginn noch nicht freige­leg­ten Wohnteil (3) sowie im nur teilwei­se freige­leg­ten Keller (5) standen 1½ in hohe Disteln dicht an dicht. Nach diesem Einsatz hatten wir das Bilzhaus wieder in dem Zustand, wie wir es vor 2 Jahren verlas­sen hatten.

3) Am Mittwoch, 26.8.: Die bis auf das Funda­ment zerstör­te Mauer zwischen dem Stall­teil (1) und der Einfahrt (2) wurde mit den massen­wei­sen lose herum­lie­gen­den Steinen vom Gebäu­de als Trocken­mau­er etwa bis in die Höhe des Stall-Fußbo­dens rekon­stru­iert, um zu verhin­dern, daß der Stall­bo­den immer weiter Richtung Einfahrt abbricht.

4) Bergseits wurde bei den beiden Pfosten­gru­ben im Pflas­ter­bo­den des Stalls (14), wo mit hoher Wahrschein­lich­keit eine Verbin­dung zwischen Einfahrt und Stall bestan­den hatte, 2 Stufen in die Trocken­stein­mau­er eingefügt.

5) Es wurde begon­nen, den ehema­li­gen Wohnraum, in welchem der »Bilzhan­nes« anläß­lich der König­li­chen Jagd im Albuch im Winter 1810/11 König Fried­rich I von Württem­berg empfing, freizu­le­gen. Entspre­chend der Weisung des LDA wurde ein »Profil« angelegt, das jedoch nichts Habhaf­tes hergibt.

6) Der Keller (3) wurde weiter ausge­ho­ben. Hierbei wurden 3 beschrie­be­ne Objek­te gebor­gen, die dem LDA übersandt werden. Beschrei­bung folgt zu gegebe­ner Zeit.

7) Außer­halb des Grund­ris­ses wurde talseits der Boden etwas vereb­net und mit den schot­ter­ähn­li­chen Kalkbruch­stei­nen ein Weg gelegt, der einen schnel­len Wieder­be­wuchs verlang­sa­men soll.

Am Donners­tag, 27.8.:
8) Keller (3) fertig ausge­ho­ben. Der Keller ist wohl schon im 19. Jahrhun­dert verfüllt worden. Der anfangs der Siebzi­ger­jahr einge­schla­ge­ne Hochwald war mindes­tens 100 Jahre alt, so daß geschlos­sen werden kann, daß er um 1870 herum gesetzt und das Gebäu­de zu diesem Zeitpunkt wohl zum ersten Mal kräftig beschä­digt wurde. Einige stark verrot­te­te Stöcke des alten Hochwal­des wurden von uns noch vorge­fun­den; sie hatten großen Schaden an Mauer­werk und Boden­pflas­te­rung angerich­tet. Es gab und gibt im Keller keine archäo­lo­gi­schen Fund-Zusam­men­hän­ge im Verbund. Das bergsei­ti­ge Funda­ment ist aus großen Steinen, teils Findlin­gen, mit starkem Anlauf weit in die Keller­bo­den­flä­che hinein grob gesetzt.

9) Wohnraum (5) fertig freige­legt. Entspre­chend der LDA-Weisung weiter am Profil von S nach W gearbei­tet. Kein Fußbo­den­be­fund. Der westli­che Teil von Raum (5) ist ab dem Profil noch nicht freige­legt, so daß ggflls. noch ein weite­res Profil angelegt werden kann.

10) Niedri­ge Trocken­mau­er zwischen Einfahrt (2) und den Räumen (4) und (5) zur Markie­rung der Trenn­li­nie gesetzt.

11) Sämtli­che Mauer­ober­flä­chen vom Bewuchs befreit.

12) Pflas­ter­bo­den im Stall im Bereich (18) und (17) bis (12) freige­legt. Dto. im Bereich (21) in der Einfahrt.

13) Nordmau­er von außen bis in ca. 15 20 cm Tiefe freigelegt.

14) Fläche im NO Außen­be­reich weiter mit Kalkbruch­stei­nen belegt.

15) 3 Zugangs­stu­fen in abschüs­si­ges Gelän­de im W‑Bereich beim Zugang gelegt.

Der Bereich Feuer­raum (4) wurde nicht weiter freige­legt, weil die Zusam­men­hän­ge unklar sind. Die äußeren Abmes­sun­gen des 2 teili­gen Gebäu­des, das im 17. Jahrhun­dert nach dem 30-jähri­gen Krieg von öster­rei­chi­schen Einwan­de­rern errich­tet, zuletzt spora­disch vom »Bilzhan­nes« bewohnt war und ab 1830 zerfiel, konnten bestä­tigt werden (17.20 m auf 11.70 m).

Das Gebäu­de ist, wie der Römer­kel­ler, von den Oberko­che­nern total »ausge­schlach­tet« worden:
Viele Backstein­bruch­stü­cke, aber kein einzi­ger ganzer Backstein. Außer einem First­zie­gel­bruch­stück, das Herr FR Eberhard vor Jahren in der Bilzhül­be fand, keine Dachzie­gel. (u.U. Stroh­dach?). Nicht die Spur von Bauholz­res­ten. Kein einzi­ges ganzes Gefäß, geschwei­ge denn anderes Inven­tar — bis auf einen barock-ornamen­tier­ten Löffel und eine billi­ge verbo­ge­ne Gabel (1989). Diese und andere wichti­ge Funde der letzten 9 Jahre befin­den sich im Heimatmuseum.

Abschlie­ßend sei vermerkt, daß Bürger­meis­ter Traub mit Frau und Tochter dem Bilzhaus am Vormit­tag dieses letzten Arbeits­ein­sat­zes einen Besuch abstattete.

Oberkochen

Unser Foto unten links zeigt v. links nach rechts: Martin Gold/Bär, Fam. German Schnei­der, Klaus Korn, Bgm Peter Traub mit Frau und Tochter, Dietrich Bantel und OFR Johann Reck vom Staatl. Forst­amt Oberko­chen.
Martin Gold, 2. Vorsit­zen­der des Heimat­ver­eins, und seine Frau sorgten an diesem Vormit­tag für eine ausge­zeich­ne­te Bewirtung.

Der Dank des Heimat­ver­eins gilt allen genann­ten Organi­sa­tio­nen, allen Helfern und nicht zuletzt der Firma Wingert für die Bereit­stel­lung von Werkzeug.

Nun ist das Bilzhaus wieder eine Attrak­ti­on; (Foto). Aber bitte nicht mit der »Bilz-Hütte« verwechseln!

Oberkochen

Und ganz zum Schluß: Inter­es­sant wären Mittei­lun­gen von Oberko­che­nern, die bezeu­gen können, daß die Mauern der Bilzhaus­rui­ne im damals noch stehen­den Hochwald, vor allem in der NO-Ecke, noch in den frühen 60er-Jahren so hoch waren, daß man nicht darüber hinweg sehen konnte. Bis jetzt bestä­ti­gen 4 Oberko­che­ner, daß die Mauern zu diesem Zeitpunkt noch so hoch waren. (Tel. 7377, besser schrift­lich, an DB).

Aktuel­ler Stand »Bilzhaus« nach der Grabung vom 24. — 27.8.1998

Oberkochen

Bilzhaus, Stand 27.08.98

Legen­de zur Grundrißzeichnung

1 Wirtschaftsteil/Stall
11 »Soich­rin­ne« schräg verlau­fend
12 »Absatz­be­cken«
13 Eingang zum Wirtschafts­teil
14 Grund­plat­ten für Pfosten?
15 2 Ausspa­run­gen im Pflas­ter = Pfosten­gru­ben für Tür? Vermu­te­te Verbin­dungs­trep­pe von der Einfahrt zum Stall
16 schräg geleg­ter Belag aus größe­ren Platten (rechts der Zahl 16 eine große Störung durch vergan­ge­ne riesi­ge Wurzel)
17 Viehstand zwischen »Soich­rin­ne«, und Einfahrts­hal­le
18 Mauer ???
19 großer Eckstein

2 Einfahrts»halle«
21 Einfahrt
00 noch nicht freigelegt

3 Keller
31 Absatz in Mauer (Dielen­auf­la­ge für Keller­de­cke bzw. für Fußbo­den im Raum darüber)
32 dto. 33 von uns gesetz­te Stufen

4 Feuer­raum
41 stufig höher gelege­ner Absatz II sauber geleg­tes Pflas­ter über Fußbo­den­ni­veau
42 Eingang
43 2 Backstei­ne — wohl »in situ?«
00 noch nicht freigelegt.

5 Wohnraum
00 noch nicht freige­legt. Die strich­punk­tier­te Linie stellt ein »Profil« dar.

Der Boden in den Räumen 1 und 2 ist mit Kalkbruch­stei­nen gepflas­tert (schwar­ze Punkte). Das Pflas­ter ist durch die Wurzeln der Bäume des alten Hochwal­des und durch die des anfangs der Siebzi­ger-Jahre nach dem Einschlag des Hochwal­des gesetz­ten Jungwalds erheb­lich verwor­fen und beschädigt.

Dietrich Bantel

Weitere Berichte aus dieser Kategorie

Weitere Berichte