Der vorge­schicht­li­che Haupt­wall der Kocher­burg
Wenn der Besucher von Osten den »Wallen­teich« zum Plateau des Schloß­bau­fel­des hinauf­geht, so erhebt sich oben der mächti­ge Haupt­wall in beherr­schen­der Lage auf der Gelän­de­kan­te der 630-Meter-Höhen­li­nie. Folgt man dem Waldweg, so durch­schrei­tet der Besucher den antiken Zugang in den Innen­raum der Anlage. Der Zugang wurde an einer günsti­gen Stelle gewählt, dort wo der Wall stumpf­win­ke­lig einzieht und die ehemals hölzer­ne Toran­la­ge geschützt am Ende des Trich­ters errich­tet werden konnte. Hier haben keine Ausgra­bun­gen statt­ge­fun­den, so daß keine Angaben zu der Toran­la­ge gemacht werden können. Der 424 m lange Wall ist noch bis zu 2 bis 3 m hoch erhal­ten. Die Wallschnit­te Hertleins (D und E) und Zürns (F) haben Aufschlüs­se über die ehema­li­gen Mauer­kon­struk­tio­nen ergeben. In der frühla­tene­zeit­li­chen Periode 2 wurde eine Holz-Erde-Stein-Mauer errich­tet, wie sie von anderen Befes­ti­gun­gen bekannt ist.

Drei Baupha­sen konnten am Haupt­pro­fil bei den Ausgra­bun­gen 1957/58 erkannt werden:

Periode 1:
Nur noch Reste einer Wallschüt­tung sind vorhan­den. Starke Brand­res­te deuten auf ehema­li­ge Holzein­bau­ten hin. In der Wallschüt­tung standen 3 vollstän­di­ge frühbron­ze­zeit­li­che Gefäße, die vielleicht als »Bauop­fer« verstan­den werden können.

Periode 2:
Wallauf­schüt­tung aus gelbbrau­nem Lehm (Breite 6 m) mit Kultur­schicht­res­ten, die offen­bar im Bereich der frühbron­ze­zeit­li­chen Siedlungs­flä­che abgegra­ben wurden. Inten­si­ve Brand­res­te deuten auf umfang­rei­che Holzein­bau­ten hin. Vorder- und Hinter­front waren trocken gemau­ert. Keramik­fun­de datie­ren diese ehema­li­ge Holz-Stein-Konstruk­ti­on in die frühe Laténezeit.

Periode 3:
Aufsto­ckung der Wallrui­ne und Errich­tung einer etwa 1,4 m breiten Trocken­mau­er, die wahrschein­lich in das Mittel­al­ter datiert und zu der befes­tig­ten Vorburg der Kocher­burg gehörte.

Oberkochen

Der antike Zugang
Der einzi­ge Zugang in die Befes­ti­gung befand sich in dem stumpf­win­ke­lig einbie­gen­den Wall (B) beim Stand­ort der 2. Tafel. Das nördli­che Wallen­de biegt leicht in den Innen­raum der Anlage zurück, die südli­che Seite ist durch den Wegebau zerstört. Dort wird man sich in prähis­to­ri­scher Zeit eine Verrie­ge­lung oder eine Toran­la­ge vorstel­len müssen. Ein entspre­chen­der Durch­gang durch den äußeren Wall ist nicht bekannt, er könnte jedoch im Bereich des zerstör­ten Abschnit­tes in der Mitte gelegen haben. Der geschot­ter­te Waldweg im Süden hat einen neuen künst­li­chen Durch­bruch durch den Wall geschaffen.

Zur Wasser­ver­sor­gung
Von entschei­den­der Bedeu­tung für die frühen Siedlun­gen war immer die Wasser­ver­sor­gung. In der Fläche zwischen den beiden Wällen, insbe­son­de­re aber im Grabens­be­reich des inneren Walles und hier vor der Toran­la­ge, befin­den sich heute noch einige Hülen, die als Wasser­spei­cher gedient haben mögen.

Oberkochen

Die erste siche­re Erwäh­nung einer adeli­gen Familie, die sich nach »Kochen« bezeich­ne­te, datiert von 1147, als die Bruder Rudolf und Rüdiger von Kochen eine Güter­schen­kung an das Kloster Ellwan­gen bezeugt haben. Die Herren von Kochen, die ursprüng­lich wohl Minis­te­ria­le dieses Klosters waren, sind noch bis in das 13. Jh. verein­zelt genannt. Ob aber die Gründung der Kochen­burg auf dieses Geschlecht zurück­geht, muß offen bleiben.

Die Burg wird i. J. 1300 zum ersten Mal genannt (»castrum Kochen­bur­ch«); damals war sie offen­bar dem Kloster Ellwan­gen entfrem­det. Wenig später (1317) hat sie Abt Rudolf von dem Ritter Konrad von Ahelfin­gen im Tausch gegen anderen Besitz wieder für das Kloster erwor­ben. Fortan blieb die »Kochen­burg« in ellwan­gi­schen Händen und gab einem bis zum Ende des Alten Reiches bestehen­den Kloster­amt den Namen. Sie selbst wurde als adminis­tra­ti­ves und militä­ri­sches Zentrum Sitz eines (adeli­gen) Obervog­tes, der auch über eine kleine Mannschaft gebot. In der Folge­zeit wird es immer wieder zu Baumaß­nah­men gekom­men sein, die sowohl die Wohnge­bäu­de und die Befes­ti­gungs­wer­ke, aber auch die vor allem zur Lagerung der Natural­ab­ga­ben dienen­den Ökono­mie­bau­ten betrafen.

Im frühen 17. Jh. war die Kochen­burg offen­bar baufäl­lig gewor­den. Der Ellwan­ger Fürst­probst ließ i. J. 1627 das alte Schloß abtra­gen und an gleicher Stelle einen Neubau errich­ten, der 1632 vollendet war. Aber schon i. J. 1645 ist das Schloß von den Schwe­den zerstört worden. Das Stift hat als Ersatz das Amtshaus in Unter­ko­chen errich­tet, für dessen Bau die Steine von der Ruine geholt wurden. Auch für andere Bauvor­ha­ben im Tal hat man die Schloß­rui­ne als Stein­bruch ausgebeutet.

Forst­wirt­schaft­li­che Nutzung seit 1813
Das Schloß­bau­feld wurde in histo­ri­scher Zeit als Acker­land genutzt. Davon haben sich im Gelän­de teilwei­se noch deutli­che Acker­ter­ras­sen erhal­ten. Erst im Jahre 1813 wurde die Hochflä­che aufge­fors­tet und ist heute Staats­wald, der zum Staat­li­chen Forst­amt in Aalen gehört.

Ein bedeu­ten­des Kultur­denk­mal
Die Hochflä­che der Kocher­burg stellt mit ihren Befes­ti­gungs­an­la­gen ein wichti­ges und bedeu­ten­des Archäo­lo­gi­sches Kultur­denk­mal dar. Dieses gilt es, als Geschichts­quel­le für zukünf­ti­ge Genera­tio­nen zu erhal­ten, unerlaub­te Grabun­gen und Nachfor­schun­gen sind deshalb verboten.

Dietrich Bantel

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