Um den »schon längst in Oberko­chen bestehen­den Vieh- und Krämer­markt am Pfingst­mon­tag lebhaf­ter zu machen«, veröf­fent­lich­te Schult­heiß Wingert »im Namen des Gemein­de­rats« am 30. Mai 1851 eine »Markt-Anzei­ge« im Aalener Blatt, das sich damals »Der Verkün­di­ger« nannte. Wingert war damit dem Beispiel seines Vorgän­gers Schult­heiß Maier gefolgt, der schon 1840 eine entspre­chen­de Offer­te im »Boten von Aalen« aufge­ge­ben hatte. In jenem Jahr war aller­dings noch die Rede von zwei Vieh- und Krämer­märk­ten, am Pfingst­mon­tag und »am Tage Katha­ri­na«. Schult­hei­ßen und Gemein­de­rat hatten sich zur Geschäfts­an­kur­be­lung etwas Beson­de­res einfal­len lassen, und »die Herren Ortsvor­ste­her« der umlie­gen­den Orte wurden »gezie­mend ersucht, solches sogleich in ihrem Amts-Bezirk bekannt machen zu lassen«.

Bezäh­men wir unsere Neugier auf die Werbe­me­tho­den der Oberko­che­ner Schult­hei­ßen noch etwas und verset­zen uns zunächst mit einigen Auszü­gen aus Presse und kirch­li­chen Proto­koll­bü­chern in jene Jahre, wobei wir vor allem pekuniä­re Fragen aufgreifen.

Oberko­chen um 1840
Der katho­li­sche Pfarrer Heinz­mann und Schult­heiß Maier bitten im Febru­ar 1842 um Unter­stüt­zung für eine Frau, der »vor etlichen Tagen ein Fuß abgenom­men werden mußte«. Trotz großer Sparsam­keit sei es dem Mann, »der schon seit drei Jahren seinen Verdienst zur Rettung seiner Frau opfer­te«, nicht mehr möglich, die Unkos­ten aus eigenen Mitteln zu bestreiten.

Das Forst­amt Heiden­heim verkauf­te »Nutz- und Brenn­holz im Revier Oberko­chen«. Insge­samt handelt es sich um 74 Klafter *) »buchene, birkene, aspene, forchene Schei­ter und Prügel, sowie um 21 725 »Wellen« verschie­de­ner Arten und 2 Wagen »Nadel­streu«.

*) 1 Klafter umfaßt ca. 3,5 Kubik­me­ter; 1 Klafter buchene Schei­ter koste­te im Jahre 1840 11 Gulden.

Im Juli 1842 verkauft Pfarrer Heinz­mann 7 Klafter Holz, »600 ausge­prü­gel­te Wellen, etwas Heu und Hausge­rät­schaf­ten: Kommo­de, Mehltru­he, Futter­stuhl, Fässer . .«, denn »Pfarrer Heinz­mann wurde auf 15. August 1842 auf die Pfarrei Dürben bei Spaichin­gen beför­dert«, nachdem kurz vor seinem Abgang noch die Uhr der katho­li­schen Kirche für 235 Gulden repariert worden war.

Im Jahr 1840 mußte »über den Mühlka­nal zunächst Oberko­chen für die Staats­stra­ße eine neue hölzer­ne Brücke erbaut werden«. Die Gesamt­kos­ten kamen laut amtli­cher Bekannt­ma­chung im »Boten von Aalen« vom 4. Juli 1840 auf 755 Gulden und die Arbei­ten wurden »auf dem Rathaus zu Oberko­chen an den Wenigst­neh­men­den öffent­lich verakkordiert«.

Oberko­chen 1851
Katho­li­scher Pfarrer war seit 1846 Carl Wilhelm Desal­ler (auf ihn und sein Wirken wird in einem späte­ren Bericht beson­ders einge­gan­gen). Er nennt das Jahr 1851 ein »Mißjahr mit Regen, Gewit­tern, Wolken­brü­chen überall: Revolu­ti­on in der Natur«. Auch der Winter 1852/53 spiel­te etwas verrückt. Er glich in etwa dem Winter unserer Tage: Milde Tempe­ra­tu­ren, sehr wenig Schnee und im Januar schon Frühlings­blu­men, aber zum Frühjahrs­be­ginn starker Schnee­fall und anschlie­ßend Regen und Unwet­ter bis Mitte Mai, so beschrieb Pfarrer Desal­ler den Winter von vor 140 Jahren.

1851 kam Pfarrer Dürr als evange­li­scher Geist­li­cher nach Oberko­chen. Er visitier­te die evange­li­sche Schule an Georgii zum ersten Male und hatte sie »in befrie­di­gen­dem Zustand erfun­den«. Jedoch beschloß der Kirchen-Convent am 6. Mai 1851, für Schul­ver­säum­nis­se Geldstra­fen anzuset­zen: Werktags­schü­ler wurden mit 2 Kreuzern Strafe für einen Tag Schul­schwän­zen belegt, Versäum­nis der Sonntags­schu­le koste­te sogar 3 Kreuzer.

Die von Pfarrer Desal­ler angespro­che­nen Unwet­ter animier­ten die evange­li­sche Gemein­de zu einer »Haus-Collek­te für Hochwas­ser­ge­schä­dig­te«; sie erbrach­te am Sonntag, 5. Oktober, 24 Gulden. Vom 22. Septem­ber 1851 datiert eine Annon­ce in der Aalener Zeitung, die sich damals »Der Verkün­di­ger« nannte, über »Bauar­bei­ten zur Einrich­tung eines neuen Schul­zim­mers im katho­li­schen Schul­haus dahier« (heute altes Schwes­tern­haus). Vorge­se­hen waren Maurer-Arbeit (78 Gulden), Zimmer-Arbeit (47 Gulden), Schrei­ner-Arbeit (40 Gulden), Glaser-Arbeit (26 Gulden), Schlos­ser-Arbeit (25 Gulden). »Meister, welche zur Übernah­me dieser Arbei­ten geneigt waren, hatten sich mit gemein­de­rät­li­chen Vermö­gens­zeug­nis­sen verse­hen auf dem Rathaus einzufinden«.

Lebens­mit­tel­prei­se
Die Frage, was z.B. 1 Gulden im Vergleich zur heuti­gen Währung wert war, läßt sich nur in etwa beant­wor­ten. Als Regel kann gelten, daß 1875 bei der Umstel­lung von Gulden und Kreuzern auf Mark und Pfenni­ge der damals meist übliche Silber­gul­den mit 1 Mark 71 Pfenni­gen umgerech­net wurde. Da auf einen Gulden 60 Kreuzer kamen, ergab 1 Kreuzer bei der Umstel­lung knapp 3 Pfennige.

In der Zeitung wurden von Zeit zu Zeit Übersich­ten zu den gängi­gen Lebens­mit­tel- und Frucht­prei­sen veröf­fent­licht, Viktua­li­en­prei­se genannt. Hier eine Auswahl aus einer derar­ti­gen Preis­lis­te des Jahres 1832:

1 Pfd. Roggen­brot 2 1/4 Kr. (ca. 6 Pfg.)
1 Pfd. Kalbfleisch 6 Kr. (ca. 17 Pfg.)
1 Pfd. Schwei­ne­fleisch 9 Kr. (ca. 26 Pfg.)
1 Hühner­ei 5 Kr. (ca. 14 Pfg.)
1 Maß 1) Milch 4 Kr. (ca. 11 Pfg.)
1 Maß Bier (braun) 7 Kr. (ca. 20 Pfg.)
1 Pfd. Schwei­ne­schmalz 20 Kr. (ca. 57 Pfg.)
1 Pfd. Butter 16 Kr. (ca. 46 Pfg.)
1 Pfd. Seife 14 Kr. (ca. 40 Pfg.)
1 Pfd. Lichter (gegos­sen) 18 Kr. (ca. 51 Pfg.)
1 Simri 2) Roggen 1 Gulden 4 Kr. (ca. 1 M 82 Pfg.)
1 Simri Schön-Mehl 1 Gulden 24 Kr. (ca. 2 M 39 Pfg.)

1) 1 Maß sind knapp 2 Liter
2) Simri ist das alte Getrei­de­maß mit ca. 22 Liter, 8 Simri ergaben 1 Scheffel

Oberkochen

Löhne und Gehäl­ter
Der evange­li­sche Lehrer kam 1827 auf 142 Gulden im Jahr, nachdem ihm zuvor 21 Gulden für den Unter­halt seines Amtsvor­gän­gers abgezo­gen worden waren. Im Jahre 1852 berech­ne­te Schul­meis­ter Weiblen sein Jahres­ein­kom­men zu 250 Gulden. Der katho­li­sche Schul­meis­ter in den Jahren 1827 bis 1852 war Johann Konrad Balluff (siehe HVO-Berich­te 158–160). Er hatte eine dreizehn­köp­fi­ge Familie zu versor­gen und bekam im Jahr 1850 300 Gulden von der Gemein­de, der Mesner­dienst brach­te ihm zusätz­lich 75 Gulden ein.

Der Lohn eines Holzma­chers für das Schla­gen von 1 Klafter Holz betrug 1 Gulden 24 Kreuzer. An »acht Ortsar­me« wurden 1851 6 Gulden aus der sog. Veits­stif­tung verteilt.

Aus dem Jahr 1887 liegt eine Bekannt­ma­chung über die Festset­zung von Löhnen vor:

1) Der »Taglohn gewöhn­li­cher Tagar­bei­ter« beträgt 1 M 60 Pf für Erwach­se­ne (m) und 1 M 20 Pf für Erwach­se­ne (w), 80 Pf für Jugend­li­che (m) und 50 Pf für Jugend­li­che (w)

2) »Taglohn für Mitglie­der der Bezirks- und Fabrik­kran­ken­kas­sen« ist in 8 »Klassen« einge­teilt. In der obers­ten Klasse beträgt der Taglohn bis zu 4 M, zurück­ge­hend über 3 M, 2 M, 1 M bis auf 50 Pf.

Oberkochen

Prämi­en für Markt­be­su­cher
Um einen Anreiz zum Besuch des Oberko­che­ner Pfingst­markts zu geben, hatte sich der Gemein­de­rat in den Jahren 1840 und 1851 etwas Beson­de­res einfal­len lassen: »Aus der dasigen Gemein­de­kas­se« gab es für den Viehver­kauf Geldprä­mi­en. Aller­dings war der Modus in den genann­ten Jahren unterschiedlich.

Im Jahr 1840 lockten »sechs Geldprä­mi­en für den höchs­ten Erlös beim Verkauf von Ochsen und Kühen«: 8, 6 oder 4 Gulden gab es für die drei Spitzen­ver­käu­fe bei Ochsen­paa­ren, 4, 3 oder 2 Gulden waren für entspre­chen­de Kaufab­schlüs­se bei Kühen ausgesetzt.

Für den Pfingst­markt 1851 wurden die Prämi­en nach dem Prinzip »wer zuerst kommt, mahlt zuerst« verteilt. Acht Prämi­en waren »fremden Verkäu­fern für die ersten Erlöse von 2 Paar Ochsen, 2 Paar Stieren, 2 Kühen und 2 Kalbeln zugesi­chert«. Und zwar erhiel­ten »der erste und zweite Verkäu­fer von einem Paar Ochsen je 5 Gulden und 24 Kreuzer, von einem Paar Stieren je 4 Gulden, ferner von einer Kuh je 2 Gulden und 42 Kreuzer und von einer Kalbel 2 Gulden«.

Warum das Verfah­ren gewech­selt wurde, ist nicht bekannt. Zwar hatte zwischen 1840 und 1851 die 48iger Revolu­ti­on statt­ge­fun­den, die auch in Oberko­chen Wellen geschla­gen, aber letzt­end­lich nicht viel bewirkt. hatte. Pfarrer Desal­ler hat dies in seinem Pfarr­be­richt lapidar mit der Bemer­kung zusam­men­ge­faßt: »die Verspre­chun­gen wurden nicht gehalten«.

Bemer­kens­wert ist, daß die ausge­setz­ten Prämi­en ausschließ­lich den Verkäu­fern, welche man anlocken wollte, zugute kamen, während Käufer, die oft den Kaufpreis nur mühsam zusam­men­kratz­ten, leer ausgin­gen. Dabei waren die Handels­prei­se für Vieh nicht »von Pappe«. In der Oberamts­be­schrei­bung Aalen aus dem Jahr 1854 lesen wir: »… für einen einein­halb­jäh­ri­gen Farren werden 110–120 Gulden und für eine vierjäh­ri­ge schöne Kuh 80–100 Gulden bezahlt«.

In Oberko­chen waren im Jahre 1840 zwei Vieh- und Krämer­märk­te bekannt, 11 Jahre später hatte sich nur noch der Pfingst­mon­tag-Markt behaup­tet — und dies bis heute, aller­dings nicht als Vieh- und Krämer­markt, sondern nur als Krämer­markt mit kleinem Vergnü­gungs­park. Hoffen wir, daß der Pfingst­markt in Oberko­chen weiter überlebt, — auch dann, wenn der Pfingst­mon­tag als Feier­tag »gekippt« werden sollte!

Zu den Fotos:
Bild 1: Oberko­che­ner Pfingst­markt in der unteren Dreißen­tal­stra­ße im Jahre 1957 in einer Aufnah­me von Robert Wolff.
Bild 2: Im Jahre 1898 wurde auf den Viehmärk­ten 1 Paar Zugstie­re um bis zu 580 Mark gehan­delt. Das Foto zeigt ein Gespann mit Zugstie­ren, das vermut­lich während des 1. Weltkriegs beim Bau der Leitung der Landes­was­ser­ver­sor­gung Rohre transportierte.

Volkmar Schrenk

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