• Der Gemein­de­rat Geißin­ger schlief einst während einer Sitzung ein und als er zur Abstim­mung geweckt wurde, sagte er im Halbschlaf zum Bürger­meis­ter Bosch: „Stimme wie Sapper!“
  • Die drei Eishei­li­gen und die kalte Sophie. Einst saßen am großen Ratstisch die Räte nicht nach Fraktio­nen geord­net, sondern so wie es der Auszäh­lung der Stimmen entsprach. Die Beratun­gen gingen meist zügig voran, es sei denn, man hatte sich in ein spezi­el­les Problem verbis­sen, dann wurde heftig und auch kontro­vers disku­tiert. Aber am Ende lief die Diskus­si­on wunder­sa­mer­wei­se meist immer wieder darauf hinaus: Die Meinung des Vorsit­zen­den wurde zum Beschluss erhoben. Jedoch passier­te an einem lauen Spätsom­mer­abend — zumin­dest in den Augen des Bürger­meis­ters — etwas noch nie Dagewe­se­nes. An Stelle des obliga­ten Vierte­les bestell­te sich Volkmar Schrenk eine große Porti­on Eis und saß alsbald wie ein Fremd­kör­per im Kreis der Vierte­les­schlot­zer. Dies focht ihn aber wenig an, zumal er meinte festzu­stel­len, dass sich einige verstoh­le­ne Blicke beina­he begehr­lich auf seinen Eisbe­cher richte­ten. Nach etwa zehn Bedenk­mi­nu­ten fasste Reinhold Liebmann (CDU) sich ein Herz und bestell­te auch einen Eisbe­cher; dem schloss sich spontan Josef Marscha­lek (SPD) an. So saßen sie als frakti­ons­über­grei­fen­de Eis-Esser-Gruppe am Tisch und Bürger­meis­ter Bosch war es vorbe­hal­ten festzu­stel­len: „Heute haben wir drei Eishei­li­ge unter uns“. Und als bei einer der nächs­ten Nachsit­zun­gen sich auch Frau Dr. Ernes­ti­ne Borst zur Runde der Eislieb­ha­ber gesell­te, war es wieder­um der Bürger­meis­ter, der die Situa­ti­on erfass­te und feststell­te: „Nun hat sich zu den Eishei­li­gen noch die Kalte Sophie gesellt“. Es vergin­gen noch 2 Jahre, bis sich Gustav Bosch auch einmal ein Eis bei der Nachsit­zung bestellte.
  • Debat­ten im Gemein­de­rat. In frühe­ren Zeiten sollen die Räte bis weit nach Mitter­nacht „verhockt“ sein, und erst, als der Bürger­meis­ter mit Julius Metzger griechisch zu parlie­ren begann und man im Morgen­grau­en im druck­fri­schen Exemplar der Zeitung gelesen hatte, was Robert Wolff über die Sitzung berich­te­te, machte man sich auf den Heimweg, nicht ohne noch die ersten Brezeln beim “Storcha­bäck“ zu verkosten.
  • Früher verhiel­ten sich die Debat­ten im Gemein­de­rat, auf ihre Länge bezogen, umgekehrt propor­tio­nal zur Bedeu­tung der zur Beratung anste­hen­den Themen. Es wird heute vielleicht noch ähnlich sein, denn, je weniger wichtig die Inhal­te sind, umso eher kann jeder mitre­den… Die Weisheit: „Selig, wer nichts zu sagen hat und dennoch schweigt“ trifft genau­so ins Volle wie Manfred Rommels kluge Anmer­kun­gen in seinem 2008 erschie­ne­nen neues­ten Buch »Schwä­bi­sches Aller­lei«: „Äußere nie eine Meinung, solan­ge du noch keine hast“, oder „Wenn du schon etwas Falsches sagen willst, sprich wenigs­tens undeut­lich“. Um endlo­se Debat­ten, die sich irgend­wann im Kreis drehen oder sich in unwich­ti­gen Kleinig­kei­ten verlie­ren, zu verhin­dern, gibt es im Gemein­de­rat die Möglich­keit, den Antrag auf „Schluss der Debat­te“ zu stellen. Von dieser Möglich­keit machte der zu früh verstor­be­ne Rechts­an­walt und Stadt­rat Arthur Fischer, der für seine knappen und präzi­sen Diskus­si­ons­bei­trä­ge im Gemein­de­rat bekannt war — Frakti­ons­mit­glied der Freien — hin und wieder gerne Gebrauch. In den Siebzi­ger­jah­ren des letzten Jahrhun­derts ging es in einer Sitzung des Gemein­de­rats um irgend­ein techni­sches Detail. Eigent­lich war aus der Sicht der meisten Räte wohl alles gesagt, aber Stadt­rat Anton Hauber, ein echter schwä­bi­scher „Diftler“, also oiner der s immer ganz genau wissen wollte, gab noch nicht nach, bis Arthur Fischer den Antrag auf „Schluss der Debat­te“ stell­te. Bürger­meis­ter Gustav Bosch bemerk­te, dass über diesen Antrag satzungs­ge­mäß sofort abzustim­men sei. Die Abstim­mung ergab mit großer Mehrheit, dass dem Antrag des StR Fischer zugestimmt wird, worauf Bürger­meis­ter Bosch das umgehen­de Ende der Debat­te feststell­te. Anton Hauber schimpf­te hörbar vor sich hin und melde­te sich zu Wort, worauf Bürger­meis­ter Bosch etwas gönner­haft sagte: „Herrrr Hauber, — zur Sache?“ StR Hauber fragte mit erreg­ter Stimme: „Herr Birgrmoisch­dr, hoißt dees, dass I jetz nex meh saga därf?“. „Jawohl, Herr Hauber, das heißt es“, antwor­te­te der Bürger­meis­ter, worauf Herr Hauber aufstand, und grollend sagte: „Nao ka I ja jetz hoimgan­ga“. Sprach’s, und verließ den Sitzungs­saal mit vernehm­li­chem Türeschließen.
  • „Brezla vom Storcha­beck”. Friar, als d‘ Gmoid­rät noach dr Sitzong no äls grausig vrhockt send, dao isch a maol folgen­des bassiert:
    Versi­on 1: Die Mannt senn bis omma Viere morgens en dr “Gruab” vrhockt. Wie se nao beim Hoimgan­ga beim “Storcha­beck” vorbei­kom­ma senn, hat dao scho s Lieacht brennt — die Bäckr mieaßat ja früh morgens raus. Ond weil se älle Luscht auf a frische Brezel g’hett hant, het dr Feil, dr Amtmao, beim Storcha­beck geschellt. Ond wie sellr nao rausg­s­chriea hat, was sei, häb dr Feil neigs­chriea, ob mr, des hoißt, ob d’Gmo­id­rät schon Brezla hao kennat. Dr Storcha­beck häb drauf rausg­s­chriea, dass mr scho oine kriagt, on daß’r glei aufschlie­aßt — wodrauf dr Amtmao Feil wiedr neige­schriea häb: „Brauchsch fei et aufschlie­aßa — soo groß senn Deine Brezla et — diea kasch ondr dr Diear durch­schie­aba.“
    Versi­on 2: Bei den Gemein­de­rä­ten, die sich kurz vor Tages­an­bruch von der “Grube” auf den Heimweg machten, war auch der Schul­tes Gustav Bosch. Als man beim „Storcha­beck“ vorbei­kam, hatte dieser gerade seine Briedr (Bretter) auf denen die frisch­ge­form­ten Brezeln lagen, durch die Tür hindurch ins Freie gescho­ben, damit der Teig an der frischen Morgen­luft abtrock­ne und fester werde, auf dass man die noch ungeba­cke­nen Brezeln vor dem Backen belau­gen konnte, ohne dass sie sich verfor­men. Neben der Tür lag bereits die noch druck­fri­sche Zeitung des jungen Tages. Der Schul­tes packte die Zeitung und stell­te fest, dass sie bereits den Sitzungs­be­richt vom Abend zuvor enthielt, worauf er äußer­te: „Jetzt kommt dao scho dr Sitzong­sbe­richt en dr Zeidong, on die Saubu­aba von Gmoid­rat sen no netamaol drhoi­mt.”…wobei er sich als “primus inter pares” (Erster unter Gleichen) natür­lich implizierte.

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