Das Jahr 2025 war sehr arbeitsam, denn ich habe an vielen Berichten gleichzeitig gearbeitet. Gleichzeitig kümmerten sich Stefan Müller und Wilfried Preuß um die neue Website des HVO und sorgten dafür, dass auch die alten Berichte nachgezogen wurden.
Was erwartet die Leserschaft im Jahr 2026?
• Start der großen Berichtsreihe „Hall of Names“. Eine Sammlung über Namen und Begriffe aus Oberkochen. Die Reihe wird mindestens 50 Teile umfassen und sich bis ins Jahr 2028 hinziehen
• Mehrteilige Reihe über Auswanderer aus Oberkochen
• Ein Bericht über „80 Jahre Carl Zeiss in Oberkochen“
• Ein Bericht über „meine“ Firma Leitz, die ihr 150jähriges feiern darf
• Der Förstermord jährt sich zum 100sten Mal
• Und mal schauen, was plötzlich noch so nach vorne drängelt
• Und vermutlich geht’s auch um einige runde Geburtstag von Verstorbenen
Heute gibt’s mehrer Guatsle
Drei Guatsle kommen wie fast jedes Jahr vom Wolfgang Ritter aus Dinkelsbühl, der noch etwas zum letztjährigen Thema Gustav Bosch zu erzählen weiß, was aber auch in die heutige Zeit passt, in der oft von Respekt gesprochen wird, der aber oft auch nicht gelebt wird:
„Sehr geehrter Herr Müller und Hallo nach Oberkochen,
zu ihren Ausführungen über Gustav Bosch möchte ich kurz meine persönliche Erinnerung an diesem großartigen Oberkochener Bürgermeister hinzufügen. Ich erinnere mich an einen großen stattlichen Mann, der immer korrekt und vornehm gekleidet und mit würdevollen Schritten unterwegs war.
Ich war in den 60er Jahren ein Schulbub im Alter von 7 – 14 Jahren und für den Bürgermeister eigentlich eine mehr oder weniger unwichtige Person, zumindest hatte ich altershalber kein aktives Wahlrecht, was ihm eventuell zugute hätten kommen können. Vermutlich wusste er auch gar nicht, wer ich war und wohin ich „gehörte“.
Ich aber wusste, wer er war und dass er im Dorf eine wichtige Position innehat. Und meine „gute Kinderstube“ gebot es mir, dass ich Erwachsene, zumal solche mit herausragender Stellung wie zum Beispiel ein Bürgermeister, entsprechend mit „Grüß Gott“ zu grüßen habe.
Und dieser würdevolle stattliche Bürgermeister erwiderte stets meinen Gruß verbunden mit einem leichten Kopfnicken zu mir, dem unbedeutenden Schulbub. Diese „Begegnungen“ habe ich nicht vergessen — und sie sind für mich bis zum heutigen Tag Vorbild für ein anständiges freundliches Miteinander, gleich welcher Alters- und/oder Standesunterschied vorhanden ist.“
S zwoite kommt jetzt auch vom Wolfgang Ritter aus Dinkelsbühl
Sehr geehrter Herr Müller und Hallo nach Oberkochen, zum im Betreff erwähnten Heimatbericht über den “Treppen-Papst” möchte ich wieder mal meinen persönlichen Senf aus Westmittelfranken dazugeben:
„Die Treppenbaukunst des verstorbenen Oberkochener „Treppen-Papstes“ Willibald Mannes habe ich sehr viele Jahre im Reihenhaus-Eigenheim der Eltern in der Waldsiedlung in Königsbronn tagtäglich buchstäblich „besteigen“ können. Als meine Eltern 1969 das schöne Oberkochen, das sich damals immerhin schon Stadt nennen durfte, verließen und unser neues Zuhause im Dorf Königsbronn auf „dem Berg und hinter dem Wald“ bezogen, dünkte mir (fast unheilvoll), dass jetzt irgendwie ein neues Zeitalter anbrach. Jedenfalls waren wir Königsbronner Neubürger noch jahrelang, auch weil die Großeltern ja weiterhin im Dreißental wohnten, mit unserer „alten“ Heimat verbunden. Und das fing bereits vor dem eigentlichen Einzug in unser neues Heim in der Waldsiedlung an – mit einer nigelnagelneuen Treppe von der Firma Mannes aus Oberkochen. In Königsbronn gab es zwar auch eine Schreinerei, Tischlerei usw., aber der Vater hatte wohl zu Herrn Mannes, den er irgendwie persönlich wohl gut kannte (er erstellte viele Jahre vorher für unser Wochenendgrundstück hinten im Langertal ein grundstabiles Gartenholzhaus) ein größeres Vertrauen als in den noch unbekannten Königsbronner Handwerksbetrieb. Und die Treppe wird wohl immer noch ihren Dienst tun – jedenfalls tat sie es bis vor 15 Jahren noch, als wir von Königsbronn wegzogen.
Aller guten Dinge sind drei – meint Wolfgang Ritter aus Dinkelsbühl
Zum Bericht 832, der die Würdigung der großen Oberkochener Persönlichkeit „Dietrich Bantel“ zum Inhalt hat, möchte ich einen persönlichen Nachtrag hinzufügen.
„Ich kannte Herrn Bantel eigentlich nur oberflächlich als Fachlehrer für „Bildende Kunst“ in meinen 4 Jahren (damals noch) Progymnasium unter dem Tierstein; ich hatte mit ihm also gemäß Stundenplan vielleicht 1 oder 2 x pro Woche „zu tun“. Ansonsten erinnere ich mich an etliche zufällige Begegnungen im Dorf. Irgendwie positiv ist mir der damals noch sehr junge Lehrer allerdings schon aufgefallen und noch heute in guter Erinnerung. Er war so erfrischend unkonventionell im Vergleich zu manch anderen Lehrkräften am PGO. Und das fing schon mit der „Ente“ an, mit der er oft flott unterwegs war. Mit etlichen meiner Klassenkameraden spekulierten wir öfters, ab wann das schaukelnde Gefährt wohl in einer Kurve den Seitenhalt verliert. Was ich aber hier speziell noch „loswerden“ möchte, ist mein persönlicher Senf zu seinem Bericht Nr. 615 vom 22.02.2013 über das Oberkochener Kinderfest vor vielen Jahrzehnten „auf dem Berg“ (auf den am Ende der Würdigung nochmals hingewiesen wird). Alles das, was er damals vor 12 Jahren darüber – in launigen Worten, aber mit einem wehmütigen und kritischen Unterton – niederschrieb, kann ich aus meinen persönlichen Erinnerungen nur bestätigen. Genauso habe ich das jährliche Kinderfest während meiner Oberkochener Schulzeit erlebt – ich habe für den Rest meiner Schulzeit nie mehr so schöne Kinderfeststunden erlebt wie dort oben „auf dem Berg“. Diese angenehme Zeit bleibt für immer in meiner Erinnerung an meine schöne Oberkochener Kindheit und frühe Jugendzeit – und sie kann mir niemand nehmen. Echt schade, dass es so ein gemütliches Stelldichein „auf dem Berg“ nicht mehr gibt – ich würde in meinen „alten Tagen“ doch tatsächlich extra dafür aus meiner neuen Heimat nach Oberkochen anreisen.
Mein diesjähriger Dank für die Unterstützung gilt
• Alois Hirsch, Oberkochen
• Andreas Holz, Oberkochen
• Anja Cheswick, Stadtbibliothek
• Anton Balle, Oberkochen
• Anton Schaupp, Aalen
• Barbara Mannes, Stuttgart
• Bruno Brandstetter, Aalen
• Christa, Rudolf und Lutz Hurler mit Anja Art, Oberkochen
• Frank Köster, Sigmaringendorf
• Georg „Schorsch“ Brunnhuber, Oberkochen
• Hartmuth Köhler, Schorndorf
• Heidi Proehl, USA
• Hermann Metz, Breisach
• Hubert Glaser, Oberkochen
• Hubert Wunderle, Oberkochen
• Joachim Fischer „Schreiberle“, Backnang
• Josef Wunderle, Aalen
• Jürgen „Goggl“ Hahn, Aalen
• Jürgen Kempf, Gaukönigshofen
• Karl „Charly“ Elmer, Oberkochen
• Karl Kehrle, Oberkochen
• Ludwig, Burghard, Oberkochen
• Luitgard Hügle, Poggibonsi
• Manfred Muckenhaupt, zeitweise Oberkochen
• Maximilian Hauf, Oberkochen
• Melanie Jerg
• Monica Hilken und ihrem Bruder Steven Remde, USA
• Ottmar Bihlmaier, Oberkochen
• Petra Reimann, Dobbs, USA
• Reinhold Bahmann, Syrgenstein
• Richard Raith, Remseck a.N.
• Roland Mildner, Oberkochen
• Rudolf Koller, Oberkochen
• Ulrich “Uli” Enders
• Uwe Norkus, Poppenweiler
• Sandra Brussalis, Oberkochen
• Sigrun Häußermann geb. Eichentopf, Reutlingen
• Werner Bernlöhr, Neunkirchen
• Wolfgang „Jagger“ Jäger, Endingen
• Wolfgang Ritter, Dinkelsbühl
• sowie „beim Rathaus“ namentlich BM Peter Traub (auf dessen Unterstützung ich ab 1. März verzichten muss. Ist das für mich eine Art Zeitenwende?), Jürgen Rühle, Natalie Gentner (die das Rathaus inzwischen verlassen hat) sowie Edgar Hausmann
• und, wie jedes Jahr, natürlich der Leserschaft
• sowie den folgenden Vereinen
o NaturFreunde
o Schützengilde
o Tennisclub
o Miniatur-GolfClub
o Schwäbischer Albverein
o Kolpingsfamilie
o Gartenfreunde
• Nicht zu vergessen: Michaela Knecht vom Mediencenter Ellwangen für die sehr gute Zusammenarbeit
Dieses Jahr möchte ich einige Mitstreiter aus den Reihen meiner Unterstützer herausheben:
- o Bruno Brandstetter aus Aalen: Ohne ihn wären einige Berichte so nicht möglich gewesen und bei anderen Berichten hätte einfach etwas gefehlt.
o Luitgard Hügle aus Poggibonsi: Spät habe ich sie kennengelernt, aber reichlich Stoff hat sie mir im Laufe der Jahre geliefert und besuchen durfte ich sie auch schon. Ohne sie hätte manchen Berichten einfach das Salz in der Suppe gefehlt.
o Joachim „Schreiberle“ Fischer aus Backnang: Wenn ich ihn nicht hätte, mit seinen Nachforschungen, Unterlagen, Wissen zu Oberkochen – es bliebe einiges im Dunkeln.
o Wolfgang Ritter aus Dinkelsbühl: Er schreibt mir immer wieder einige Erinnerungen aus seiner kurzen Oberkochener Zeit, die ich gerne verwende.
o Wolfgang „Jagger“ Jäger aus Endingen: Er ist immer bereit sich einzubringen, wenn es um Themen geht, bei denen er helfen kann. Auch zieht es ihn immer wieder auf die Ostalb. Oberkochen steckt halt in den Knochen.
o Hermann Metz aus Breisach: Der so vieles aus dem Dreißental zu berichten hatte. Und auch der Huga-Paule hilft immer, wenn sein Wissen und sein Fundus gefragt sind.
o Christiane Gaertner-Lemoine aus Paris: Sie ist immer bereit ihre Erinnerungen und Fotos zu teilen, und so meine Berichte zu bereichern.
o Stefan Müller aus Oberkochen: Er ackerte sich mit der neuen Website ab. Gab nicht auf, auch wenn’s mitunter mehr als mühselig war.
o Wilfried Preuß aus Herford hat sich stark engagiert, um die alten Berichte auf die neue Website zu bringen und wird sich auch zukünftig in diesem Bereich engagieren. Eine besondere Leistung ist die Gestaltung einer „Wirtshaus-Karte“. Somit geht ein alter Wunsch von Dietrich Bantel in Erfüllung. Dafür gebührt ihm ein großes DANKE. Er betreibt auch eine eigene Website mit interessanten Inhalten http://w‑preuss.dnshome.de
o Jürgen Rühle vom Rathaus könnte nebenberuflich durchaus als Lektor arbeiten, denn er findet in der Regel jeden noch so kleinen Fehler und bewahrt mich mitunter vor Problemen. Ich bin froh ihn als Unterstützer am Rathaus zu haben. Er muss sich halt bei meinen Rückrufen gedulden, denn mein Arbeitstag sieht völlig anders aus als seiner. Auf weitere gute Zusammenarbeit.
o Ein guter Schluss ziert alles. Bürgermeister Peter Traub, mit dem ich im Laufe der Jahre ein besonderes Verhältnis aufgebaut habe, danke ich für die jahrelange Unterstützung, für seine persönlichen Beiträge sowie seine nie versiegende Geduld mit den Wünschen des „Billies vom Sonnenberg“. Besonders stolz, das muss ich schon gestehen, war ich immer, wenn er mir mitgeteilt hat, dass der eine und andere Bericht offiziell im Städtischen Archiv gelandet ist. Das ist ja fast wie der OSCAR für die Heimatkundler. Es war für mich eine Ehre und Freude mit Dir zusammenzuarbeiten. Zudem war es uns beiden immer wichtig, dass das „Nehmen und Geben“ immer ausgeglichen war. Ich hoffe inständig, dass mit dem neuen Bürgermeister eine ähnlich hochwertige Zusammenarbeit möglich sein wird.
A weiters Guatsle kommt von Luitgard Hügle aus Poggibonsi und sie berichtet von den Vorfahren.
BILZHANNES oder WOHER WIR KOMMEN – unsere evangelischen Vorfahren:
„In der Gemarkung Oberkochen, weit drin im Wald, gibt es eine Bilzhütte und ein Bilzhaus. Heute ist es nicht mehr viel mehr als eine Ruine, aber dort haben vor etwa 200 Jahren einige Köhler und Bauern, die Viehzucht betrieben, mit ihren Familien gewohnt. Man weiß nicht mehr viel von ihnen – das Leben im Wald war hart und irgendwann, Ende des 18. / Anfang des 19. Jahrhunderts, als von Waldweide auf Stallfütterung umgestellt wurde, sind sie ins Tal gezogen.
Gehalten hat sich jedoch die Geschichte vom „Bilzhannes“, der in seiner Hütte wohnen blieb. Es war ein bärtiger Mann mit tiefer Stimme, den Kindern sagte man später: Wenn du nicht artig bis, kommt der „Bilzhannes“ und steckt dich in seinen Sack hinein.
Er hieß Matthias Wiedenhöfer (1780 – 1840) und war Weber und Flurschütz. Für den König hat er im Winter 1811/1812 eine Jagd ausgerichtet und der König sei sehr zufrieden gewesen mit ihm. Schon 1810 war er bei der Jagd des Königs im Albuch dabei gewesen. Damals kam der König dann sogar in sein Bilzhaus, und hat sich über den alten rauchenden Ofen so sehr geärgert, dass er einen neuen Ofen aus Königsbronn hat kommen lassen. Ins Dorf kam der Hannes nur, um kurz seine Frau zu besuchen, die wohl nicht mehr im Wald wohnte, und um sich mit allem, was es im Wald nicht gibt, besonders wohl mit Weinbrand und Schnaps, einzudecken. Mit seinem großen Sack stapfte er dann einige Kilometer zurück in den Wald. Er wurde „Hannes“ genannt nach dem Hausnamen, der auf seinen Vater, Johann Georg Wiedenhöfer zurückging.
Dieser „Bilzhannes“ ist wohl ein Vorfahr gewesen, ein Großonkel meiner Urgroßmutter Maria Magdalena Wiedenhöfer, und Tochter des Johann Jakob Wiedenhöfer, dem Neffen des „Bilzhannes“. Man sieht diesen auf einem gemalten Bild von Oberkochen bei der Wiesenkapelle. Seine Tochter, Maria Magdalena Wiedenhöfer, meine Urgroßmutter, ist am 21. November 1844 geboren. Zwei ihrer Brüder sind nach Amerika ausgewandert. Matthias 1866 und Jakob 1875 und haben ihre Schwester mit zwei Geschwistern, die beschränkt waren, zurückgelassen. Es war eine Weberfamilie im Hasengässle, damals Langgass 56. Die Weber waren arme Leute, sie aber muss ein hübsches Mädchen gewesen sein, denn der dunkelhaarige und ebenfalls hübsche Georg David Wannenwetsch, Bäcker aus Zang, heiratete sie, und übernahm damit das Häuschen und die Geschwister.
Maria Magdalena und David Wannenwetsch hatten fünf Söhne und eine Tochter. Die Söhne waren alle groß, schlank und dunkelhaarig. Georg, unser Großvater, blieb im Haus. Karl wurde Werkzeugbauer und Gründer der KWO-Werkzeugfabrik in Oberkochen, David arbeitete bei Voith in Heidenheim, Jakob zog nach Cannstatt und Paul nach Lindau an den Bodensee. Dort heiratete er die Schwester seiner Schwägerin Katherina. Anna, die Tochter heiratete ihrerseits wieder einen Bäcker, den zweiten evangelischen in Oberkochen, den „Storchenbeck“. Der damalige dritte Bäcker hieß Geißinger, wohnte in der Kirchgaß und war katholisch.
Nachdem klar war, dass Georg Andreas, der älteste Sohn, im Haus bleiben und die Bäckerei weiterführen würde, heiratete er Katharina Ernst, selbstverständlich war auch sie evangelisch. In jener Zeit war es völlig unmöglich, die Ehe mit einem Angehörigen der anderen Konfession einzugehen. Der Vater von Katharina war Ludwig Ernst, Zimmermann in Oberkochen und war aus Essingen zugezogen, um Katharina Speth zu heiraten. Als Zimmermann hat er Anfang des Jahrhunderts (ca. 1900) den stolzen, hohen Turm der katholischen Kirche in Oberkochen gebaut. In den Jahren danach war die Bautätigkeit auf der Ostalb so gut wie erloschen und so folgte er dem Ruf befreundeter Maurer und zog wie diese nach Lindau am Bodensee. Dort gab es Arbeit. Er war schon um die 60 Jahre alt, als er nach Lindau zog und sich dort ein Haus baute. Seine zweite, wesentlich jüngere Tochter heiratete dann dort Paul, den jüngsten Bruder unseres Großvaters.
Landwirt und Bäcker zu sein, war keine leichte Aufgabe. Um den Backofen zu heizen, musste das Holz im Wald geholt werden. Noch bei meinem Großvater, geboren 1871, war das so. Nachdem er am Morgen schon um 4 Uhr den Backofen angeheizt hatte, ging er zum Holzmachen. Er nahm die Abkürzung über den Berg, während unsere Mutter, damals noch ein blutjunges Mädchen, mit dem Wagen, gezogen von 2 Kühen, den weiten Weg über das Tiefental nachkam. Gemeinsam haben sie geladen und sind dann heimgefahren. Eines von beiden voran mit den Kühen, das andere hinten bei der „Migge“, der Bremse, um gut den steilen Hang herunterzukommen. Hart mussten sie arbeiten, aber sie hatten dadurch auch ein bisschen mehr als die einfachen Bauern, etwa einmal die Woche ein Stück Fleisch im Topf. Und immer genügend Brot, sogar mal Weißbrot, ein „Kipfle“ mit Salz bestreut oder Brezeln. Täglich wurde allerdings nicht gebacken, meistens erst dem Wochenende zu. Da brachten die Bauern große Schüsseln mit Brotteig, Kacheln mit Bruckhölzer, Salzkuchen zur Kartoffelsuppe und Pfitzauf, die wunderschön aufgingen. Das war auch noch in den 50iger Jahren des 20. Jahrhunderts so.
Unsere Großeltern, Georg und Katharina Wannenwetsch geb. Ernst, hatten fünf Kinder. Karl, der Älteste, starb bereits im Kindesalter an Diphterie. Der zweite Sohn, nach Maria Magdalena und Lina, unserer Mutter, hieß Georg, wurde 1911 geboren und kam mit 19 Jahren bei einem Unfall ums Leben. Er hatte in Stuttgart Bäcker und Konditor gelernt und hat viele Ideen mitgebracht. Er war der erste, der in Oberkochen Eis herstellte. Damals eine Sensation! An einem Sonntagmorgen war er mit dem Fahrrad unterwegs, Richtung Königsbronn, bei der Kocherbrücke. Er wurde von einem Motorradfahrer angefahren und war sofort tot. Beide hatten sich wohl ablenken lassen und einem nahen vorbeifahrenden Zug nachgesehen. Den Tod dieses Sohnes konnte unser Großvater nicht überwinden, er starb 1937. Unsere Mutter sagte: an Herzeleid. Der dritte Sohn, Paul, auch er Bäcker und Konditor ist 1942 in Stalingrad gefallen Unsere Eltern haben es erst Anfang 1947 erfahren, und der Mutter haben sie es nicht mehr gesagt, zu sehr hoffte sie, dass ihr Paul noch heimkommen werde aus dem Krieg. Sie ist dann am 9. April 1947 – am Tag des Geburtstages ihres Sohnes Paul, gestorben.
In den Kriegs- und Nachkriegsjahren war die Bäckerei vermietet worden. Irgendwann, Anfang der 50iger, wurde unserer Tante Marie erlaubt, den Bäckerei-Betrieb zusammen mit einem Meister weiterzuführen. Doch bereits 1957 ist auch sie, gerade mal 53 Jahre alt, verstorben.“
Ond s letzschte Guatsle isch a Gschichtle vom Brandstetter Bruno aus Oala:
„Mein Bruder Hubert, der 1944 in Kiew vermisst wurde, hatte einen sehr guten Freund, da Marxa Michel, Michael Gold vom Katzenbach. Er war als Soldat in Italien in Cortina d‘Ampezzo. Bei einem Heimaturlaub ca. 1943 brachte er mir 7‑Jährigen eine (1 Stück) Orange mit. Allerdings wussten meine Eltern und ich nicht, was eine Orange ist und was man mit ihr macht! Aber sie hatte eine schöne orangene Farbe und roch besonders angenehm. So wurde die Orange auf meinen Nachtkasten deponiert und ich konnte jeden Tag Orange riechen. Allerdings, nach einer gewissen Zeit, etwa 3 Wochen, habe ich feststellen müssen, dass die Orange verschimmelt war und nicht mehr so frisch roch und musste daher auf die Miste!! Dass man eine Orange auch essen kann, habe ich dann erst viel später erfahren. So war‘s halt.“
Abschließend noch ein Wort in eigener Sache.
A) Wenn Sie „altes Glomp“, sprich alte Dinge mit heimatkundlichem Wert übrighaben, dann fragen Sie den Heimatverein, ob da Interesse besteht.
B) Wenn Sie aber alte Bilder, Drucksachen, Bücher, Jubiläumsschriften usw. haben, dann fragen Sie mich.
C) Warum sage ich das? Weil es vorgekommen ist, dass der Verein Bilder bzw. Dias abgelehnt hat, und ich habe zu geplanten Berichten gelegentlich zu wenig Bilder. In der Regel nehme ich alles – aussortieren und entsorgen kann ich später selbst.
Danke fürs zukünftige Beachten. Für mich ist nichts altes wertlos.
Zum Schluss will ich noch mit einem Mythos aufräumen. Die erste evangelische Schule war nicht im heutigen Schillerhaus, das war schon die zweite und die wurde 1860 erbaut. Die erste, vor 1860, befand sich in der Aalener Straße 27 (Einmündung Bürger-Meister-Bosch-Straße rechterhand). Heute steht dort ein Wohnkomplex.

Das alte, genauer das ganz alte evangelische Schulhaus, später das Haus von Richard Bäuerle (Archiv Müller)
Ein großes herzliches „Dankeschön” an Wilfried Müller, für die von ihm veröffentlichten Heimatberichte mit interessanten Informationen, die wir alle mit Begeisterung lesen. Generationen nach uns werden noch davon lesen und auch dafür dankbar sein, dass jemand so viel Arbeitszeit in seiner Freizeit investiert wie er – der „Billie vom Sonnenberg“. Was aber „Wilfried Müller – Stefan Müller + Wilfried Preuß“ mit dem neuen Internet-Auftritt des Heimatvereins gelungen ist, das ist schon einmalig. Einfach eine gute Übersicht über den Inhalt der verschiedensten Berichte. Prima und gut zu lesen, auch für ältere Mitmenschen. So können die ausgewanderten Oberkochener auf der ganzen Welt diese Berichte abrufen und lesen. Nochmals herzlichen Dank und weiter so. Gesegnete Weihnachten und ein gutes gesundes Neues Jahr 2026. Ein Nach Aalen „ausgewanderter“ Oberkochener namens Bruno.
Bleibet gsoooooood und senkrecht – Euer Billie vom Sonnenberg