Das Jahr 2025 war sehr arbeit­sam, denn ich habe an vielen Berich­ten gleich­zei­tig gearbei­tet. Gleich­zei­tig kümmer­ten sich Stefan Müller und Wilfried Preuß um die neue Website des HVO und sorgten dafür, dass auch die alten Berich­te nachge­zo­gen wurden.

Was erwar­tet die Leser­schaft im Jahr 2026?

• Start der großen Berichts­rei­he „Hall of Names“. Eine Sammlung über Namen und Begrif­fe aus Oberko­chen. Die Reihe wird mindes­tens 50 Teile umfas­sen und sich bis ins Jahr 2028 hinzie­hen
• Mehrtei­li­ge Reihe über Auswan­de­rer aus Oberko­chen
• Ein Bericht über „80 Jahre Carl Zeiss in Oberko­chen“
• Ein Bericht über „meine“ Firma Leitz, die ihr 150jähriges feiern darf
• Der Förster­mord jährt sich zum 100sten Mal
• Und mal schau­en, was plötz­lich noch so nach vorne drängelt
• Und vermut­lich geht’s auch um einige runde Geburts­tag von Verstorbenen

Heute gibt’s mehrer Guatsle

Drei Guats­le kommen wie fast jedes Jahr vom Wolfgang Ritter aus Dinkels­bühl, der noch etwas zum letzt­jäh­ri­gen Thema Gustav Bosch zu erzäh­len weiß, was aber auch in die heuti­ge Zeit passt, in der oft von Respekt gespro­chen wird, der aber oft auch nicht gelebt wird:

„Sehr geehr­ter Herr Müller und Hallo nach Oberko­chen,
zu ihren Ausfüh­run­gen über Gustav Bosch möchte ich kurz meine persön­li­che Erinne­rung an diesem großar­ti­gen Oberko­che­ner Bürger­meis­ter hinzu­fü­gen. Ich erinne­re mich an einen großen statt­li­chen Mann, der immer korrekt und vornehm geklei­det und mit würde­vol­len Schrit­ten unter­wegs war.

Ich war in den 60er Jahren ein Schul­bub im Alter von 7 – 14 Jahren und für den Bürger­meis­ter eigent­lich eine mehr oder weniger unwich­ti­ge Person, zumin­dest hatte ich alters­hal­ber kein aktives Wahlrecht, was ihm eventu­ell zugute hätten kommen können. Vermut­lich wusste er auch gar nicht, wer ich war und wohin ich „gehör­te“.

Ich aber wusste, wer er war und dass er im Dorf eine wichti­ge Positi­on innehat. Und meine „gute Kinder­stu­be“ gebot es mir, dass ich Erwach­se­ne, zumal solche mit heraus­ra­gen­der Stellung wie zum Beispiel ein Bürger­meis­ter, entspre­chend mit „Grüß Gott“ zu grüßen habe.

Und dieser würde­vol­le statt­li­che Bürger­meis­ter erwider­te stets meinen Gruß verbun­den mit einem leich­ten Kopfni­cken zu mir, dem unbedeu­ten­den Schul­bub. Diese „Begeg­nun­gen“ habe ich nicht verges­sen — und sie sind für mich bis zum heuti­gen Tag Vorbild für ein anstän­di­ges freund­li­ches Mitein­an­der, gleich welcher Alters- und/oder Standes­un­ter­schied vorhan­den ist.“

S zwoite kommt jetzt auch vom Wolfgang Ritter aus Dinkels­bühl
Sehr geehr­ter Herr Müller und Hallo nach Oberko­chen, zum im Betreff erwähn­ten Heimat­be­richt über den “Treppen-Papst” möchte ich wieder mal meinen persön­li­chen Senf aus Westmit­tel­fran­ken dazuge­ben:
„Die Treppen­bau­kunst des verstor­be­nen Oberko­che­ner „Treppen-Papstes“ Willi­bald Mannes habe ich sehr viele Jahre im Reihen­haus-Eigen­heim der Eltern in der Waldsied­lung in Königs­bronn tagtäg­lich buchstäb­lich „bestei­gen“ können. Als meine Eltern 1969 das schöne Oberko­chen, das sich damals immer­hin schon Stadt nennen durfte, verlie­ßen und unser neues Zuhau­se im Dorf Königs­bronn auf „dem Berg und hinter dem Wald“ bezogen, dünkte mir (fast unheil­voll), dass jetzt irgend­wie ein neues Zeital­ter anbrach. Jeden­falls waren wir Königs­bron­ner Neubür­ger noch jahre­lang, auch weil die Großel­tern ja weiter­hin im Dreißen­tal wohnten, mit unserer „alten“ Heimat verbun­den. Und das fing bereits vor dem eigent­li­chen Einzug in unser neues Heim in der Waldsied­lung an – mit einer nigel­na­gel­neu­en Treppe von der Firma Mannes aus Oberko­chen. In Königs­bronn gab es zwar auch eine Schrei­ne­rei, Tisch­le­rei usw., aber der Vater hatte wohl zu Herrn Mannes, den er irgend­wie persön­lich wohl gut kannte (er erstell­te viele Jahre vorher für unser Wochen­end­grund­stück hinten im Langer­tal ein grund­sta­bi­les Garten­holz­haus) ein größe­res Vertrau­en als in den noch unbekann­ten Königs­bron­ner Handwerks­be­trieb. Und die Treppe wird wohl immer noch ihren Dienst tun – jeden­falls tat sie es bis vor 15 Jahren noch, als wir von Königs­bronn wegzogen.

Aller guten Dinge sind drei – meint Wolfgang Ritter aus Dinkels­bühl
Zum Bericht 832, der die Würdi­gung der großen Oberko­che­ner Persön­lich­keit „Dietrich Bantel“ zum Inhalt hat, möchte ich einen persön­li­chen Nachtrag hinzufügen.

„Ich kannte Herrn Bantel eigent­lich nur oberfläch­lich als Fachleh­rer für „Bilden­de Kunst“ in meinen 4 Jahren (damals noch) Progym­na­si­um unter dem Tierstein; ich hatte mit ihm also gemäß Stunden­plan vielleicht 1 oder 2 x pro Woche „zu tun“. Ansons­ten erinne­re ich mich an etliche zufäl­li­ge Begeg­nun­gen im Dorf. Irgend­wie positiv ist mir der damals noch sehr junge Lehrer aller­dings schon aufge­fal­len und noch heute in guter Erinne­rung. Er war so erfri­schend unkon­ven­tio­nell im Vergleich zu manch anderen Lehrkräf­ten am PGO. Und das fing schon mit der „Ente“ an, mit der er oft flott unter­wegs war. Mit etlichen meiner Klassen­ka­me­ra­den speku­lier­ten wir öfters, ab wann das schau­keln­de Gefährt wohl in einer Kurve den Seiten­halt verliert. Was ich aber hier spezi­ell noch „loswer­den“ möchte, ist mein persön­li­cher Senf zu seinem Bericht Nr. 615 vom 22.02.2013 über das Oberko­che­ner Kinder­fest vor vielen Jahrzehn­ten „auf dem Berg“ (auf den am Ende der Würdi­gung nochmals hinge­wie­sen wird). Alles das, was er damals vor 12 Jahren darüber – in launi­gen Worten, aber mit einem wehmü­ti­gen und kriti­schen Unter­ton – nieder­schrieb, kann ich aus meinen persön­li­chen Erinne­run­gen nur bestä­ti­gen. Genau­so habe ich das jährli­che Kinder­fest während meiner Oberko­che­ner Schul­zeit erlebt – ich habe für den Rest meiner Schul­zeit nie mehr so schöne Kinder­fest­stun­den erlebt wie dort oben „auf dem Berg“. Diese angeneh­me Zeit bleibt für immer in meiner Erinne­rung an meine schöne Oberko­che­ner Kindheit und frühe Jugend­zeit – und sie kann mir niemand nehmen. Echt schade, dass es so ein gemüt­li­ches Stell­dich­ein „auf dem Berg“ nicht mehr gibt – ich würde in meinen „alten Tagen“ doch tatsäch­lich extra dafür aus meiner neuen Heimat nach Oberko­chen anreisen.

Mein diesjäh­ri­ger Dank für die Unter­stüt­zung gilt

• Alois Hirsch, Oberko­chen
• Andre­as Holz, Oberko­chen
• Anja Cheswick, Stadt­bi­blio­thek
• Anton Balle, Oberko­chen
• Anton Schaupp, Aalen
• Barba­ra Mannes, Stutt­gart
• Bruno Brand­stet­ter, Aalen
• Chris­ta, Rudolf und Lutz Hurler mit Anja Art, Oberko­chen
• Frank Köster, Sigma­rin­gen­dorf
• Georg „Schorsch“ Brunn­hu­ber, Oberko­chen
• Hartmuth Köhler, Schorn­dorf
• Heidi Proehl, USA
• Hermann Metz, Breisach
• Hubert Glaser, Oberko­chen
• Hubert Wunder­le, Oberko­chen
• Joachim Fischer „Schrei­ber­le“, Backnang
• Josef Wunder­le, Aalen
• Jürgen „Goggl“ Hahn, Aalen
• Jürgen Kempf, Gaukö­nigs­ho­fen
• Karl „Charly“ Elmer, Oberko­chen
• Karl Kehrle, Oberko­chen
• Ludwig, Burghard, Oberko­chen
• Luitgard Hügle, Poggi­bon­si
• Manfred Mucken­haupt, zeitwei­se Oberko­chen
• Maximi­li­an Hauf, Oberko­chen
• Melanie Jerg
• Monica Hilken und ihrem Bruder Steven Remde, USA
• Ottmar Bihlmai­er, Oberko­chen
• Petra Reimann, Dobbs, USA
• Reinhold Bahmann, Syrgen­stein
• Richard Raith, Remseck a.N.
• Roland Mildner, Oberko­chen
• Rudolf Koller, Oberko­chen
• Ulrich “Uli” Enders
• Uwe Norkus, Poppen­wei­ler
• Sandra Brussa­lis, Oberko­chen
• Sigrun Häußer­mann geb. Eichen­topf, Reutlin­gen
• Werner Bernl­öhr, Neunkir­chen
• Wolfgang „Jagger“ Jäger, Endin­gen
• Wolfgang Ritter, Dinkels­bühl
• sowie „beim Rathaus“ nament­lich BM Peter Traub (auf dessen Unter­stüt­zung ich ab 1. März verzich­ten muss. Ist das für mich eine Art Zeiten­wen­de?), Jürgen Rühle, Natalie Gentner (die das Rathaus inzwi­schen verlas­sen hat) sowie Edgar Hausmann
• und, wie jedes Jahr, natür­lich der Leser­schaft
• sowie den folgen­den Vereinen

o Natur­Freun­de
o Schüt­zen­gil­de
o Tennis­club
o Minia­tur-GolfClub
o Schwä­bi­scher Albver­ein
o Kolpings­fa­mi­lie
o Garten­freun­de

• Nicht zu verges­sen: Michae­la Knecht vom Medien­cen­ter Ellwan­gen für die sehr gute Zusammenarbeit

Dieses Jahr möchte ich einige Mitstrei­ter aus den Reihen meiner Unter­stüt­zer herausheben:

  1. o Bruno Brand­stet­ter aus Aalen: Ohne ihn wären einige Berich­te so nicht möglich gewesen und bei anderen Berich­ten hätte einfach etwas gefehlt.
    o Luitgard Hügle aus Poggi­bon­si: Spät habe ich sie kennen­ge­lernt, aber reich­lich Stoff hat sie mir im Laufe der Jahre gelie­fert und besuchen durfte ich sie auch schon. Ohne sie hätte manchen Berich­ten einfach das Salz in der Suppe gefehlt.
    o Joachim „Schrei­ber­le“ Fischer aus Backnang: Wenn ich ihn nicht hätte, mit seinen Nachfor­schun­gen, Unter­la­gen, Wissen zu Oberko­chen – es bliebe einiges im Dunkeln.
    o Wolfgang Ritter aus Dinkels­bühl: Er schreibt mir immer wieder einige Erinne­run­gen aus seiner kurzen Oberko­che­ner Zeit, die ich gerne verwen­de.
    o Wolfgang „Jagger“ Jäger aus Endin­gen: Er ist immer bereit sich einzu­brin­gen, wenn es um Themen geht, bei denen er helfen kann. Auch zieht es ihn immer wieder auf die Ostalb. Oberko­chen steckt halt in den Knochen.
    o Hermann Metz aus Breisach: Der so vieles aus dem Dreißen­tal zu berich­ten hatte. Und auch der Huga-Paule hilft immer, wenn sein Wissen und sein Fundus gefragt sind.
    o Chris­tia­ne Gaert­ner-Lemoi­ne aus Paris: Sie ist immer bereit ihre Erinne­run­gen und Fotos zu teilen, und so meine Berich­te zu berei­chern.
    o Stefan Müller aus Oberko­chen: Er acker­te sich mit der neuen Website ab. Gab nicht auf, auch wenn’s mitun­ter mehr als mühse­lig war.
    o Wilfried Preuß aus Herford hat sich stark engagiert, um die alten Berich­te auf die neue Website zu bringen und wird sich auch zukünf­tig in diesem Bereich engagie­ren. Eine beson­de­re Leistung ist die Gestal­tung einer „Wirts­haus-Karte“. Somit geht ein alter Wunsch von Dietrich Bantel in Erfül­lung. Dafür gebührt ihm ein großes DANKE. Er betreibt auch eine eigene Website mit inter­es­san­ten Inhal­ten http://w‑preuss.dnshome.de
    o Jürgen Rühle vom Rathaus könnte neben­be­ruf­lich durch­aus als Lektor arbei­ten, denn er findet in der Regel jeden noch so kleinen Fehler und bewahrt mich mitun­ter vor Proble­men. Ich bin froh ihn als Unter­stüt­zer am Rathaus zu haben. Er muss sich halt bei meinen Rückru­fen gedul­den, denn mein Arbeits­tag sieht völlig anders aus als seiner. Auf weite­re gute Zusam­men­ar­beit.
    o Ein guter Schluss ziert alles. Bürger­meis­ter Peter Traub, mit dem ich im Laufe der Jahre ein beson­de­res Verhält­nis aufge­baut habe, danke ich für die jahre­lan­ge Unter­stüt­zung, für seine persön­li­chen Beiträ­ge sowie seine nie versie­gen­de Geduld mit den Wünschen des „Billies vom Sonnen­berg“. Beson­ders stolz, das muss ich schon geste­hen, war ich immer, wenn er mir mitge­teilt hat, dass der eine und andere Bericht offizi­ell im Städti­schen Archiv gelan­det ist. Das ist ja fast wie der OSCAR für die Heimat­kund­ler. Es war für mich eine Ehre und Freude mit Dir zusam­men­zu­ar­bei­ten. Zudem war es uns beiden immer wichtig, dass das „Nehmen und Geben“ immer ausge­gli­chen war. Ich hoffe instän­dig, dass mit dem neuen Bürger­meis­ter eine ähnlich hochwer­ti­ge Zusam­men­ar­beit möglich sein wird.

A weiters Guats­le kommt von Luitgard Hügle aus Poggi­bon­si und sie berich­tet von den Vorfahren.

BILZHANNES oder WOHER WIR KOMMEN – unsere evange­li­schen Vorfahren:

„In der Gemar­kung Oberko­chen, weit drin im Wald, gibt es eine Bilzhüt­te und ein Bilzhaus. Heute ist es nicht mehr viel mehr als eine Ruine, aber dort haben vor etwa 200 Jahren einige Köhler und Bauern, die Viehzucht betrie­ben, mit ihren Famili­en gewohnt. Man weiß nicht mehr viel von ihnen – das Leben im Wald war hart und irgend­wann, Ende des 18. / Anfang des 19. Jahrhun­derts, als von Waldwei­de auf Stall­füt­te­rung umgestellt wurde, sind sie ins Tal gezogen.

Gehal­ten hat sich jedoch die Geschich­te vom „Bilzhan­nes“, der in seiner Hütte wohnen blieb. Es war ein bärti­ger Mann mit tiefer Stimme, den Kindern sagte man später: Wenn du nicht artig bis, kommt der „Bilzhan­nes“ und steckt dich in seinen Sack hinein.

Er hieß Matthi­as Wieden­hö­fer (1780 – 1840) und war Weber und Flurschütz. Für den König hat er im Winter 1811/1812 eine Jagd ausge­rich­tet und der König sei sehr zufrie­den gewesen mit ihm. Schon 1810 war er bei der Jagd des Königs im Albuch dabei gewesen. Damals kam der König dann sogar in sein Bilzhaus, und hat sich über den alten rauchen­den Ofen so sehr geärgert, dass er einen neuen Ofen aus Königs­bronn hat kommen lassen. Ins Dorf kam der Hannes nur, um kurz seine Frau zu besuchen, die wohl nicht mehr im Wald wohnte, und um sich mit allem, was es im Wald nicht gibt, beson­ders wohl mit Weinbrand und Schnaps, einzu­de­cken. Mit seinem großen Sack stapf­te er dann einige Kilome­ter zurück in den Wald. Er wurde „Hannes“ genannt nach dem Hausna­men, der auf seinen Vater, Johann Georg Wieden­hö­fer zurückging.

Dieser „Bilzhan­nes“ ist wohl ein Vorfahr gewesen, ein Großon­kel meiner Urgroß­mutter Maria Magda­le­na Wieden­hö­fer, und Tochter des Johann Jakob Wieden­hö­fer, dem Neffen des „Bilzhan­nes“. Man sieht diesen auf einem gemal­ten Bild von Oberko­chen bei der Wiesen­ka­pel­le. Seine Tochter, Maria Magda­le­na Wieden­hö­fer, meine Urgroß­mutter, ist am 21. Novem­ber 1844 geboren. Zwei ihrer Brüder sind nach Ameri­ka ausge­wan­dert. Matthi­as 1866 und Jakob 1875 und haben ihre Schwes­ter mit zwei Geschwis­tern, die beschränkt waren, zurück­ge­las­sen. Es war eine Weber­fa­mi­lie im Hasen­gäss­le, damals Langgass 56. Die Weber waren arme Leute, sie aber muss ein hübsches Mädchen gewesen sein, denn der dunkel­haa­ri­ge und ebenfalls hübsche Georg David Wannen­wetsch, Bäcker aus Zang, heira­te­te sie, und übernahm damit das Häuschen und die Geschwister.

Maria Magda­le­na und David Wannen­wetsch hatten fünf Söhne und eine Tochter. Die Söhne waren alle groß, schlank und dunkel­haa­rig. Georg, unser Großva­ter, blieb im Haus. Karl wurde Werkzeug­bau­er und Gründer der KWO-Werkzeug­fa­brik in Oberko­chen, David arbei­te­te bei Voith in Heiden­heim, Jakob zog nach Cannstatt und Paul nach Lindau an den Boden­see. Dort heira­te­te er die Schwes­ter seiner Schwä­ge­rin Kathe­ri­na. Anna, die Tochter heira­te­te ihrer­seits wieder einen Bäcker, den zweiten evange­li­schen in Oberko­chen, den „Storchen­beck“. Der damali­ge dritte Bäcker hieß Geißin­ger, wohnte in der Kirch­gaß und war katholisch.

Nachdem klar war, dass Georg Andre­as, der ältes­te Sohn, im Haus bleiben und die Bäcke­rei weiter­füh­ren würde, heira­te­te er Katha­ri­na Ernst, selbst­ver­ständ­lich war auch sie evange­lisch. In jener Zeit war es völlig unmög­lich, die Ehe mit einem Angehö­ri­gen der anderen Konfes­si­on einzu­ge­hen. Der Vater von Katha­ri­na war Ludwig Ernst, Zimmer­mann in Oberko­chen und war aus Essin­gen zugezo­gen, um Katha­ri­na Speth zu heira­ten. Als Zimmer­mann hat er Anfang des Jahrhun­derts (ca. 1900) den stolzen, hohen Turm der katho­li­schen Kirche in Oberko­chen gebaut. In den Jahren danach war die Bautä­tig­keit auf der Ostalb so gut wie erloschen und so folgte er dem Ruf befreun­de­ter Maurer und zog wie diese nach Lindau am Boden­see. Dort gab es Arbeit. Er war schon um die 60 Jahre alt, als er nach Lindau zog und sich dort ein Haus baute. Seine zweite, wesent­lich jünge­re Tochter heira­te­te dann dort Paul, den jüngs­ten Bruder unseres Großvaters.

Landwirt und Bäcker zu sein, war keine leich­te Aufga­be. Um den Backofen zu heizen, musste das Holz im Wald geholt werden. Noch bei meinem Großva­ter, geboren 1871, war das so. Nachdem er am Morgen schon um 4 Uhr den Backofen angeheizt hatte, ging er zum Holzma­chen. Er nahm die Abkür­zung über den Berg, während unsere Mutter, damals noch ein blutjun­ges Mädchen, mit dem Wagen, gezogen von 2 Kühen, den weiten Weg über das Tiefen­tal nachkam. Gemein­sam haben sie geladen und sind dann heimge­fah­ren. Eines von beiden voran mit den Kühen, das andere hinten bei der „Migge“, der Bremse, um gut den steilen Hang herun­ter­zu­kom­men. Hart mussten sie arbei­ten, aber sie hatten dadurch auch ein bisschen mehr als die einfa­chen Bauern, etwa einmal die Woche ein Stück Fleisch im Topf. Und immer genügend Brot, sogar mal Weißbrot, ein „Kipfle“ mit Salz bestreut oder Brezeln. Täglich wurde aller­dings nicht gebacken, meistens erst dem Wochen­en­de zu. Da brach­ten die Bauern große Schüs­seln mit Brotteig, Kacheln mit Bruck­höl­zer, Salzku­chen zur Kartof­fel­sup­pe und Pfitz­auf, die wunder­schön aufgin­gen. Das war auch noch in den 50iger Jahren des 20. Jahrhun­derts so.

Unsere Großel­tern, Georg und Katha­ri­na Wannen­wetsch geb. Ernst, hatten fünf Kinder. Karl, der Ältes­te, starb bereits im Kindes­al­ter an Diphte­rie. Der zweite Sohn, nach Maria Magda­le­na und Lina, unserer Mutter, hieß Georg, wurde 1911 geboren und kam mit 19 Jahren bei einem Unfall ums Leben. Er hatte in Stutt­gart Bäcker und Kondi­tor gelernt und hat viele Ideen mitge­bracht. Er war der erste, der in Oberko­chen Eis herstell­te. Damals eine Sensa­ti­on! An einem Sonntag­mor­gen war er mit dem Fahrrad unter­wegs, Richtung Königs­bronn, bei der Kocher­brü­cke. Er wurde von einem Motor­rad­fah­rer angefah­ren und war sofort tot. Beide hatten sich wohl ablen­ken lassen und einem nahen vorbei­fah­ren­den Zug nachge­se­hen. Den Tod dieses Sohnes konnte unser Großva­ter nicht überwin­den, er starb 1937. Unsere Mutter sagte: an Herze­leid. Der dritte Sohn, Paul, auch er Bäcker und Kondi­tor ist 1942 in Stalin­grad gefal­len Unsere Eltern haben es erst Anfang 1947 erfah­ren, und der Mutter haben sie es nicht mehr gesagt, zu sehr hoffte sie, dass ihr Paul noch heimkom­men werde aus dem Krieg. Sie ist dann am 9. April 1947 – am Tag des Geburts­ta­ges ihres Sohnes Paul, gestorben.

In den Kriegs- und Nachkriegs­jah­ren war die Bäcke­rei vermie­tet worden. Irgend­wann, Anfang der 50iger, wurde unserer Tante Marie erlaubt, den Bäcke­rei-Betrieb zusam­men mit einem Meister weiter­zu­füh­ren. Doch bereits 1957 ist auch sie, gerade mal 53 Jahre alt, verstorben.“

Ond s letzschte Guats­le isch a Gschicht­le vom Brand­stet­ter Bruno aus Oala:

„Mein Bruder Hubert, der 1944 in Kiew vermisst wurde, hatte einen sehr guten Freund, da Marxa Michel, Micha­el Gold vom Katzen­bach. Er war als Soldat in Itali­en in Corti­na d‘Ampezzo. Bei einem Heimat­ur­laub ca. 1943 brach­te er mir 7‑Jährigen eine (1 Stück) Orange mit. Aller­dings wussten meine Eltern und ich nicht, was eine Orange ist und was man mit ihr macht! Aber sie hatte eine schöne orange­ne Farbe und roch beson­ders angenehm. So wurde die Orange auf meinen Nacht­kas­ten deponiert und ich konnte jeden Tag Orange riechen. Aller­dings, nach einer gewis­sen Zeit, etwa 3 Wochen, habe ich feststel­len müssen, dass die Orange verschim­melt war und nicht mehr so frisch roch und musste daher auf die Miste!! Dass man eine Orange auch essen kann, habe ich dann erst viel später erfah­ren. So war‘s halt.“

Abschlie­ßend noch ein Wort in eigener Sache.

A) Wenn Sie „altes Glomp“, sprich alte Dinge mit heimat­kund­li­chem Wert übrig­ha­ben, dann fragen Sie den Heimat­ver­ein, ob da Inter­es­se besteht.
B) Wenn Sie aber alte Bilder, Druck­sa­chen, Bücher, Jubilä­ums­schrif­ten usw. haben, dann fragen Sie mich.
C) Warum sage ich das? Weil es vorge­kom­men ist, dass der Verein Bilder bzw. Dias abgelehnt hat, und ich habe zu geplan­ten Berich­ten gelegent­lich zu wenig Bilder. In der Regel nehme ich alles – aussor­tie­ren und entsor­gen kann ich später selbst.

Danke fürs zukünf­ti­ge Beach­ten. Für mich ist nichts altes wertlos.

Zum Schluss will ich noch mit einem Mythos aufräu­men. Die erste evange­li­sche Schule war nicht im heuti­gen Schil­ler­haus, das war schon die zweite und die wurde 1860 erbaut. Die erste, vor 1860, befand sich in der Aalener Straße 27 (Einmün­dung Bürger-Meister-Bosch-Straße recht­erhand). Heute steht dort ein Wohnkomplex.

Das alte, genau­er das ganz alte evange­li­sche Schul­haus, später das Haus von Richard Bäuerle (Archiv Müller)

Ein großes herzli­ches „Danke­schön” an Wilfried Müller, für die von ihm veröf­fent­lich­ten Heimat­be­rich­te mit inter­es­san­ten Infor­ma­tio­nen, die wir alle mit Begeis­te­rung lesen. Genera­tio­nen nach uns werden noch davon lesen und auch dafür dankbar sein, dass jemand so viel Arbeits­zeit in seiner Freizeit inves­tiert wie er – der „Billie vom Sonnen­berg“. Was aber „Wilfried Müller – Stefan Müller + Wilfried Preuß“ mit dem neuen Inter­net-Auftritt des Heimat­ver­eins gelun­gen ist, das ist schon einma­lig. Einfach eine gute Übersicht über den Inhalt der verschie­dens­ten Berich­te. Prima und gut zu lesen, auch für ältere Mitmen­schen. So können die ausge­wan­der­ten Oberko­che­ner auf der ganzen Welt diese Berich­te abrufen und lesen. Nochmals herzli­chen Dank und weiter so. Geseg­ne­te Weihnach­ten und ein gutes gesun­des Neues Jahr 2026. Ein Nach Aalen „ausge­wan­der­ter“ Oberko­che­ner namens Bruno.

Bleibet gsoooooood und senkrecht – Euer Billie vom Sonnenberg

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