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	<title>Teil 2: Das Gewerbe- und Berufsleben | Heimatverein Oberkochen</title>
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		<title>Das Schulwesen</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/das-schulwesen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Jan 1984 23:00:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alt-Oberkochen Christhard Schrenk]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 2: Das Gewerbe- und Berufsleben]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Die Schulunterrichtszelten waren um 1900 noch ganz auf die Bedürfnisse der Landwirtschaft&nbsp; abgestimmt. So erhielten die Kinder im Sommer nur vormittags Unterrricht, Im Winter zusätzlich&nbsp;zwei Stunden am Nachmittag. Im Sommer<br>fing die Schule um sieben Uhr an, im Winter eine Stunde später. Jeder Schultag begann mit dem Gang in die Kirche. Die “Langgäßler” (Langgasse= Heidenheimer Straße) brachten ihre “Ranzen” vor dem Gottesdienst zuerst in die Schule (Altbau der heutigen Drelßentalschule), die “Kirchgäßler” (Kirchgasse = Aalener Straße) dagegen nahmen ihr “Schulsach” in die Kirche mit. Nach dem Gottesdienst marschierten die Kinder in einem geschlossenen Zug in das Schulhaus. Als katholische&nbsp;Lehrer unterrichteten die Herren Herkommer (Provisor), Rink (bis 1906), Wörner<br>(bis 1926) · und Widmann. Das Lehrerkollegium wurde durch Frl. Keller bzw. deren Nachfolgerin, Frl. Heckmann — die spätere Frau Wörner — vervollständigt. 1911 kam als Widmanns Nachfolger Alfons Mager. Nicht nur die Unterrichtszelten, auch die Schulferien richteten sich nach der Landwirtschaft. Wenn Im Sommer die Frucht reit war, hatten die Kinder drei Wochen Ernteferien; Im Herbst waren Kartoffelferien angesetzt, damit die Kinder auf dem Feld mitarbeiten konnten.</p>
<p>Die Kinder wurden im Alter von sechs bis sieben Jahren eingeschult. In die erste Klasse kamen alle, die im jeweiligen Kalenderjahr das siebte Lebensjahr vollendeten. Während der SchuIzeit gab es so gut wie keine Zensuren, nur Entlaßzeugnisse wurden erteilt. Dann<br>erst erhielten die Schüler Noten für Betragen und einzelne Fächer wie Rechtschreiben, Geschichte, Reallehre (~Naturkunde), Singen, Zeichnen u.ä.</p>
<p>“Sitzenbleiber” gab es in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts noch nicht. Auch die schwachen Schüler, die ruhig und unauffällig ihre Schulzeit hinter sich brachten, erhielten in der Regel ihr Entlaßzeugnis. Doch ein Mädchen bereitete damals ihrer Lehrerin wegen geringer Schulleistungen besondere Sorgen. Als jenes Mädchen ihre siebenjährigen Schulpflicht abgesessen hatte und ihr Abschlußzeugnis ausgestellt werden sollte, sagte die verzweifelte Lehrerin zu ihr: “Sei doch so gut und sag ‘2 mal 2 ist 4’, sonst darf ich dich nicht aus der Schule entlassen!”</p>
<p>Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts gab es eine kleine evangelische und eine etwas größere katholische Bekenntnisschule in Oberkochen. Die katholische Schule befand sich in dem 1900 erbauten roten Backsteingebäude der heutigen Dreißentalschule, dort ist seit einigen Jahren die Musikschule untergebracht. Als Schulleiter fungierte ab 1927 Alfons Mager, außerdem unterrichteten Leo Klotzbücher (ab 1935) und Ignaz Umbrecht, und als unständiger Lehrer war Emil Kessler beschäftigt. Alfons Mager stammte aus Schwäbisch Gmünd, wo sein Vater Professor an der katholischen Lehrerbildungsanstalt (einem “Vorläufer” der dortigen Pädagogischen Hochschule) war; und Leo Klotzbücher stammte aus Lautern am Fuß des Rosensteins.</p>
<p>Im zweiten Stock der katholischen Schule wohnten die Lehrerfamilien Klotzbücher (auf der rechten Seite) und Mager (auf der linken Seite). Ganz oben befand sich die Wohnung des Schuldieners bzw. der Schuldienerin. Irgendwo fand sich auch noch ein Zimmer für den unständigen Lehrer. Familie Umbrecht wohnte außerhalb des Schulgebäudes in der Heidenheimer Straße. Aufgrund des starken Wachstums der Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg war die Schule, die sich mit je zwei Zimmern im Erdgeschoß befand,&nbsp; bald viel zu klein geworden und ein neues Unterrichtsgebäude entstand. Doch schon bald hatte die Realität die Schulhausbauplanung überholt. Zwar wurde 1951 der “Mittelbau” der Dreißentalschule eingeweiht und bezogen, doch fehlten noch im selben Jahr zwei weitere Klassenzimmer. Deshalb mußten die Lehrerfamilien Maikler und Klotzbücher ihre Wohnungen im alten Schulhaus räumen. Auf diese Weise gewann man Platz für die fehlenden zwei “Schullokale”. Die Hausmeisterwohnung blieb bis heute erhalten.</p>
<p>Das alte evangelische Schulhaus der damaligen Zeit ist das heutige Jugendhaus “Eulenspiegel” in der Adresse Aalener Straße 19. Von 1911 bis 1934 hatte Lehrer Karl Günther die einzige evangelische Schulmeisterstelle in Oberkochen inne, davor unterrichtete Lehrer Fünfer. Günther wae ein großer , stattlicher “Felsenmann” mit lauter Stimme. Er versah nebenbei das Amt des evangelischen Kirchenmusikers. Günther zug 1934 nach Waiblingen um. Im August 1934 trat Gottlob Braun dessen Nachfolge als evangelischer Lehrer und Kirchmusker in Oberkochen an. Braun wohnte mit seiner Familie 31 Jahre lang in einer 5 Zimmer-Wohnung in “seinem” Schulhaus. Die evangelische Gemeinde hatte dieses Schulhaus nach einem Tauschgeschäft mit dem Bergmann Ludwig Storg im Jahre 1860 errichtet.</p>
<p>Diese evangelische Bekenntnisschule war eine Einklassenschule, sie wurde um 1930 von ca. 40 Kindern aller Altersstufen besucht und gehörte verwaltungsmäßig zum Bezirksschulamt Heidenheim, während die katholische Schule vier Klassen führte und dem Bezirksschulamt Schwäbisch Gmünd zugeordnet war.</p>
<p>Abgesehen vom Religionsunterricht und der daraus eventuell resultierenden unterschiedlichen “Weltanschauung” gab es keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Konfessionsschulen. Trotzdem wurden die Lehrpläne von zwei verschiedenen, voneinander unabhängigen Oberschulratsbehörden ausgearbeitet. Diese seltsame Situation hat ihre Wurzeln in der Zeit der strengen religiösen Trennung. Damals orientierte sich der katholische Ortsteil nach Ellwangen, der evangelische nach Königsbronn und Heidenheim, Als örtliche Schulaufsichtsbehörde fungierte ein katholischer und ein evangelischer Ortsschulrat, in dem der jeweilige Pfarrer und einige angesehene Bürger über schulische Angelegenheiten berieten.</p>
<p>Vor dem Zweiten Weltkrieg betrug die Schulpflicht für alle Kinder sieben Jahre. Der Lehrstoff war zwar noch nicht so weit gefächert wie heute, dennoch auch schon sehr “reichhaltig”: von Naturkunde über Geschichte und Erdkunde, Rechnen und Deutsch bis zu Religion, Zeichnen, Musik, Handarbeit und Turnen. Nur Fremdsprachen standen noch nicht im Lehrplan der Oberkochener Konfessionsschulen. Die Schüler lernten viele Gedichte und Balladen auswendig (“Als Kaiser Rotbart lobesam .… “, “Des Sängers Fluch” usw.), außerdem wurde oft gesungen. Beliebt waren Wanderlieder (“Laue Lüfte fühl’ ich weben”) und Heimatlieder (“In der Heimat ist es so schön”). Im Sport dominierte die Gymnastik z. B. mit Stäben, während Spiele wie Fußball oder Handball im Hintergrund standen.</p>
<p>Es wurden vor 50 Jahren auch Schulbücher benutzt. Allerdings waren sie weder so zahlreich noch so ausführlich oder so bunt aufgemacht wie heute. Eine wesentliche Funktion kam dem “Realienbuch” zu, in dem der gesamte Schulstoff für mehrere Jahre “einfach und klar” aufgezeichnet stand.</p>
<p>Um 1930 erhielten die Schüler nur einmal im Jahr Zeugnisse, die Notenskala reichte von eins bis acht, dabei bedeutete acht “vorzüglich”. Die Zensuren wurden aufgrund der schriftlichen Arbeiten und der mündlichen Leistungen vergeben. Die Zahl der Klassenarbeiten blieb dem Lehrer überlassen. Einige Lehrer setzten sehr viele Arbeiten an, andere verzichteten ganz darauf. Im letzteren Fall ergaben sich die Zeugnisnote allein über den “Eindruck”, den der Schüler beim Lehrer hinterlassen hatte.</p>
<p>Einklassenschulen, wie die evangelische Bekenntnisschule, sind heute eine große Seltenheit geworden. Wer es nicht erlebt hat, kann es sich kaum vorstellen, daß über 40 Kinder aus sieben Jahrgängen von einem einzigen Lehrer in einem einzigen Klassenzimmer unterrichtet wurden. Selbstverständlich war eine gute Organisation für den erfolgreichen und reibungslosen Ablauf des Unterrichts notwendig. Die Schüler durchliefen eine Anfängerstufe (1. Schuljahr), eine Mittelstufe (2. bis 4. Schuljahr) und die Oberstufe (5. bis 7. Schuljahr). Der Unterricht war in mittelbare und unmittelbare Phasen aufgeteilt. Beim unmittelbaren Unterricht beschäftigte sich der Lehrer direkt mit seinen jeweiligen Schülern und brachte ihnen den neuen Unterrichtsstoff bei. Während des mittelbaren Unterrichts arbeiteten die Schüler ohne ihren Lehrer. In dieser Zeit galt es Aufsätze zu schreiben, zu zeichnen oder eine große Zahl von Rechenaufgaben zu lösen. Die Vermittlung des Unterrichtsstoffes fand in einem mehrjährigen Zyklus statt. Auf diese Weise lernte jeder Schüler, der z.B. innerhalb von drei Jahren die fünfte, sechste und siebte Klasse durchlief, irgendwann den gesamten Lehrstoff der Oberstufe.</p>
<p>Im Sommer begann der Unterricht um sieben Uhr. Bis neun Uhr war die Oberstufe unter sich und hatte unmittelbaren Unterricht. Um neun gesellte sich die Mittelstufe dazu. Der Lehrer beschäftigte sich mit den jüngeren Schülern, während die älteren alleine arbeiteten. Wenn die “Oberstüfler” Rechenaufgaben zu lösen hatten, beschrieb der Lehrer die ganze Tafel mit Aufgaben und hinterlegte die Lösungen bei einem ausgewählten Schüler. Dieser korrigierte die Rechnungen seiner Mitschüler. Von elf bis zwölf Uhr brachte der Lehrer den Schulanfängern die Grundkenntnisse im Lesen und Schreiben bei, und die größeren arbeiteten im stillen.</p>
<p>Im Klassenzimmer standen große und kleine Bänke, die der Körpergröße der verschiedenen Altersstufen angepaßt waren. Damals saßen die Kinder noch in “Viererbänken” mit Klappsitzen. “Zweisitzer” wurden erst Ende der 30er Jahre aufgestellt. Diese Bänke mit ihren Tintenfäßchen, die oftmals Anlaß für Unfug in der Schule geboten haben, waren noch sehr lange in Benutzung.</p>
<p>Das Klima in der Schule war strenger als heute. “Zucht und Ordnung” wurde mit harter Hand durchgesetzt. Ernsthafte körperliche Strafen wurden damals aber schon seltener verhängt, wenn auch “bestimmte Lehrer” das Prinzip der körperlichen Züchtigung noch eifrig vertraten. Die Schüler seien meist “sehr willig” gewesen, doch habe es auch “ein paar Faulenzer” gegeben.</p>
<p>Schon damals besuchten einige Oberkochener Kinder, vor allem Jungen, höhere bzw. weiterführende Schulen. Hier ist insbesondere das “Realgymnasium” in Aalen zu nennen. Dabei handelt es sich um das heutige Schubartgymnasium, aus dessen in Oberkochen Ende der 50er Jahre errichteten Außenstelle später das örtliche Gymnasium entstand. Vor der Gründung des heutigen Schubartgymnasiums befand sich die nächstgelegene höhere Schule in Ellwangen.</p>
<p>1936 griffen die nationalsozialistischen Ideen tief und sichtbar in das württembergische Schulwesen ein. Die Bekenntnissehulen sollten einer “Deutschen Volksschule” weichen. Zu Beginn des Dritten Reiches versuchten die Verantwortlichen immer wieder, den Mantel einer “demokratischen” Abstimmung über ihre Aktionen zu breiten. So geschah es auch bei der Auflösung der Konfessionsschulen. Die Eltern wurden namentlich nach ihrer Meinung zu diesem Thema gefragt. Allerdings gab es nur die rohe Alternative “Wit oder wit net”, (“Willst du oder willst du nicht”). Gestützt auf das Ergebnis der sogenannten Abstimmung wurde die “Deutsche Volksschule” auch in Oberkochen innerhalb weniger Tage eingeführt. Eine kleine Gruppe von Leuten besaß den Mut, die neue Schule öffentlich abzulehnen und an der alten Konfessionssehule festzuhalten. So entstand schließlich eine vierklassige “Deutsche Volksschule”, und eine einklassige katholische Bekenntnisschule blieb erhalten. Die kleine katholische Schule fand ihre neue Heimat im ehemaligen evangelischen Schulgebäude, Lehrer Leo Klotzbücher unterrichtete dort. Doch die kleine Schule überlebte nicht lange. Immer wieder sprangen Schüler ab, und bald kam ein Erlaß, der die Auflösung der einklassigen katholischen Bekenntnisschule verfügte.</p>
<p>Die “Deutsche Volksschule” nahm ihre Tätigkeit im ehemaligen katholischen Schulhaus auf. In eine Tafel über der Eingangstüre wurde weithin sichtbar “Deutsche Volksschule” eingemeiselt. Die vorgesetzte Schulbehörde war zunächst das Bezirksschulamt Heidenheim, ab 1938/39 dasjenige in Ellwangen.</p>
<p>1938 gingen etwa 250 Kinder in die “Deutsche Schule”. Als 1939 die Schulpflicht auf acht Jahre angehoben wurde, bekam Herr Braun die Aufgabe, das achte Schuljahr zu übernehmen. Der Unterricht der “Achtklässler” fand im alten evangelischen Schulhaus statt, das durch das schnelle Ende der dort untergebrachten einklassigen katholischen Bekenntnisschule inzwischen wieder frei geworden war. Für die ältesten Schüler erhielt das alte Klassenzimmer neue große “Zweisitzerbänke”.. Es war das erste Mal in der Schulgeschichte Oberkochens, daß für einen einzigen Jahrgang ein eigener Lehrer und ein eigenes Klassenzimmer zur Verfügung stand. Doch dieser Zustand sollte nicht lange andauern. Als im September 1939 der Krieg begann, wurden Männer aus allen Berufsgruppen zu den Waffen gerufen. Damit fehlten nun plötzlich auch überall Lehrer, und das siebte und achte Schuljahr mußte zusammengelegt, werden. So entstanden vier Klassen mit je zwei Jahrgängen und je 70 bis 80 Schülern.</p>
<p>Das Ende der “Deutschen Volksschule” in Oberkochen kam im April 1945. Beim Einmarsch der Amerikaner wurde der Schriftzug “Deutsche Volksschule” rasch wieder entfernt. Die Amerikaner beseitigten die “Deutschen Schulen”, in ihrer Besatzungszone. In Südwürttemberg-Hohenzollern gingen die französischen Besatzungsgruppen sogar noch einen Schritt weiter. Sie schafften nicht nur die “Deutschen Volksschulen” ab, sondern führten die alten Konfessionsschulen wieder ein. Sie handelten dabei getreu dem Grundsatz, daß alles wieder so werden müsse, wie es vor 1933 gewesen war.</p>
<p>Mit den Luftangriffen der Amerikaner im April 1945 brach das Schulwesen in Oberkochen zusammen und es lag bis Oktober 1945 völlig darnieder. Danach setzte ein langsamer Neubeginn ein. Das alte evangelische Schulhaus diente noch bis zum Ende der 50er Jahre als Handarbeitsraum: katholische Schwestern erteilten den Unterricht. Nachdem der zweite Erweiterungsbau der Dreißentalschule fertiggestellt war, benötigte man die alten Klassenzimmer nicht mehr. Sie dienten für kurze Zeit dem entstehenden Gymnasium als erste Heimat, bald zog diese neue Schule aber ins “Bergheim” um. Danach wurde im alten evangelischen Schulhaus die Ortsbibliothek eingerichtet.</p></div>
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		<title>Nebenerwerbsmöglichkeiten</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/nebenerwerbsmoeglichkeiten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Jan 1984 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alt-Oberkochen Christhard Schrenk]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 2: Das Gewerbe- und Berufsleben]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Verschiedene Nebenerwerbsmöglichkeiten bot der Wald. In diesem Zusammenhang ist zuerst die Realgenossenschaft mit dem großen Genossenschaftswald zu nennen. Dieser umgibt neben dem Staats- und dem Gemeindewald Oberkochen und steht z.B. am Rodsteinhang und am Volkmarsberg in Richtung Essingen. Es gibt schon seit langer Zeit 93 “Realrechte”, die vor dem Jahre 1866 “Bürgerrecht” genannt wurden. Der Gewinn, den “die Real” durch den Holzverkauf erwirtschaftet, wird nach Abzug der Unkosten für Aufforstung, Wegebau u.a. an die Besitzer der Realrechte ausgeschüttet.</p>
<p>Die Zuteilung des Holzes der Realgenossenschaft fand in Form der “Holzverlosung” statt. Das Holz wurde zu diesem Zweck im Wald in einer “langen Schlange von Beigen” hintereinandergesetzt. Jeder “Holzbeig” erhielt eine Nummer, die danach unter den Realrechtbesitzern ausgelost wurde. Die Holzverlosung bot jedes Jahr Anlaß für ein großes Fest in einem der Wirtshaussäle.</p>
<p>Doch auch die Bauern, die kein Realrecht besaßen, fanden in den Wäldern zeitweise eine Verdienstmöglichkeit und zwar durch Fuhrdienste. Gegen ein gewisses Entgelt wurde Holz vom Wald zum Bahnhof geführt. Im Wald waren von Hand die etwa einen Meter langen Holzstämme auf ein leiterwagenähnliches Gefährt zu laden und von zwei Kühen, Ochsen oder Pferden ins Tal zu ziehen. Einige “Fuhrwerkbuben” mußten dabei mithelfen. Das Holz wurde am Bahnhof abgeladen und kam dann als Brennholz per Güterzug nach Stuttgart. Fuhrdienste konnten natürlich nur von denjenigen Bauern geleistet werden, die entsprechende Zugtiere besaßen. Die “Kühbauern” holten “Schlagholz” (Stangen, Reisig) aus dem Wald.</p>
<p>Eine dritte Möglichkeit, aus dem Wald einen kleinen Gelderwerb zu ziehen, war der Verkauf von “Wellen”. Um Wellen zu produzieren, mußte man zuerst einen Schlag Holz kaufen. Dann sammelte man in diesem Schlag dünne Reisigäste, die etwa bis zu drei Zentimetern dick sein durften und die, wenn es nötig war auf ungefähr einen Meter Länge gekürzt wurden. “Ein Arm voll” solcher Äste wurde mit Draht zu einer Welle zusammengebunden: die dicken Äste außen, die dünnen innen. 100 Wellen lud man im Wald auf einen Wagen, der von zwei Kühen, Ochsen oder Pferden nach Aalen auf den Markt gezogen wurde. Wenn dort ein Käufer für diese 100 Wellen gefunden und ein Preis ausgehandelt war, mußte die Ladung zu dessen Haus gefahren und abgeladen werden.</p>
<p>Wer keine Nutzungsrechte am Wald besaß und auch keine Zugtiere für Fuhrdienste zur Verfügung hatte, konnte durch Waldarbeit — besonders im Herbst und Winter — die Familienkasse ein wenig aufbessern.</p>
<p>Manche Frauen führten, um nebenher etwas Geld zu verdienen, in ihren Wohnhäusern einen kleinen Einkaufsladen (“Gemischtwarenhandlungen”). Es gab etwas 20 solcher “Lädla”, die man sich (von Ausnahmen abgesehen) oft noch kleiner vorstellen muß als das, was man heute unter einem “Tante-Emma-Laden” versteht. Diese Läden verfügten — auch hier wieder von einigen Ausnahmen abgesehen — nicht über Schaufenster mit attraktiv aufgebauten Auslagen; üblicherweise genügten “normale” Fenster. Der Einkaufsladen bestand aus einem kleinen Raum mit Regalen. Nie fehlte eine Waage mit vielen Gewichten. Zu kaufen gab es fast alles: Mehl, Grieß, Bonbons, Knöpfe, “Wagenschmiere”, Schuhwichse, Zucker, Käse, Kaffee, Erdöl, usw. (Mit “Erdöl” wurde damals das Petroleum bezeichnet.) Die Einkaufsartikel in den Läden waren nicht, wie heute üblich, fertig abgepackt, sondern standen in großen Säcken oder entsprechenden Behältern im Laden. So fand sich Salz in einem Rupfensack, und Essig wurde im Faß gelagert. Die jeweils gewünschte Menge wurde für jeden Kunden “herausgewogen”, und wenn die Kinder fürs Vesper des Vaters “für sechs Pfennig Backsteinkäse” holen mußten, dann schnitt die Frau im Laden ein entsprechend großes Stück ab,</p>
<p>Es gab übrigens auch schon damals einen kleinen Stoffladen in Oberkochen, dort wurde hauptsächlich Weißzeug verkauft. Dieser Laden befand sich im heutigen Hause Heidenheimer Straße 22 (Familie Trittenbach) und gehörte der Witwe Steinle und Maria Fischer.</p>
<p>Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wohnten Familienväter im Ort, die nicht jeden Tag Arbeit hatten: z.B. die Tagelöhner. Diese suchten sich Arbeit, wo immer sich eine Möglichkeit bot. Sie halfen etwas beim Ernteeinbringen, beim Heuen, bei der Waldarbeit, sie hüteten Kühe, Schafe oder Gänse und manchmal fanden sie in den Hafnerwerkstätten eine Beschäftigung.</p>
<p>An eine weitere Einnahmequelle, die es heute schon längst nicht mehr gibt, ist noch zu erinnern. Gemeint sind die “Steineklopfer”, die von ihrer Arbeit nur “armselig” leben konnten. Neben den Tagelöhnern übten betagte Männer — selten auch Frauen — diese Tätigkeit aus, um ihren Lebensabend zu finanzieren. Aus den Steinbrüchen um den Ort (z.B. Langert, Loach, Langteich) wurden große Steine herausgebrochen und an die Baustellen transportiert. Die Steineklopfer schlugen mit Hämmern einzelne Stücke von den großen Kalksteinen ab und zerkleinerten diese in einem zweiten Arbeitsgang. Die abgesplitterten kleinen Steinen fanden beim Straßenbau Verwendung.</p></div>
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		<title>Landwirtschaft um 1920</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/landwirtschaft-um-1920/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Jan 1984 23:00:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alt-Oberkochen Christhard Schrenk]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 2: Das Gewerbe- und Berufsleben]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Oberkochens Bauern arbeitete noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg nach dem bekannten Prinzip der Dreifelderwirtschaft. In Oberkochen gab es das Essinger Feld (Wolfertstal) und das Königsbronner Feld (Rodhalde und Äcker in Richtung Königsbronn). Das dritte Feld lag in Richtung Unterkochen und trug offiziell den Namen “Unterkochener Feld”. Im Volksmund wurde es meist mit “nawärts” bezeichnet. Um den Boden zu schonen und zu erhalten, wurden in einem jährlich wechselnden System im ersten Feld der mit “Korn” bezeichnete Dinkel (Winterfrucht) und später der Weizen, im nächsten Feld die Gerste (Sommerfrucht) und im dritten Feld (Brache) Klee, Kartoffeln, Rüben und weitere Hackfrüchte angebaut.</p>
<p>Die Kartoffelernte war besonders anstrengend und mühsam. Das Kartoffellegen, das heute im landwirtschaftlichen Betrieb maschinell geschieht, wurde damals noch von Hand durchgeführt. Man hackte und häufelte und legte mit dem Pflug die Erde um. Trotzdem mußten die Äcker noch systematisch nach all den Kartoffeln durchgewühlt werden, die nicht zum Vorschein gekommen waren. Beim “Krummbiera grubla” arbeitete die ganze Familie mit, insbesondere die Kinder. Da die Äcker z.T. weit außerhalb des Ortes und meist sehr verstreut lagen, waren mit den Hacken, Rechen und Sensen vor und nach der eigentlichen Arbeit oft lange Wege zurückzulegen. Deshalb nahm man das Mittagessen nicht zu Hause, sondern auf den Feldern ein. Die Frauen transportierten es in großen Schüsseln, die in kleinen Waschkörben untergebracht waren, auf die Äcker. Die Älteren beherrschten noch die Kunst, diese Körbe auf dem Kopf zu tragen, ohne sie mit den Händen festhalten zu müssen. Bei der Arbeit auf dem Feld trank die Familie meistens Wasser, das sie in 10-Liter-Holzfäßchen oder in “Kutterkrügen”, (drei oder fünf Liter) mitgenommen hatte.</p>
<p>Auch das Einbringen des Getreides war keine leichte Arbeit. Bis in die Zeit des Ersten Weltkrieges war die Sense das einzige Hilfsmittel. Die. Mähmaschinen, die etwa ab 1917/20 in Oberkochen aufkamen, waren einfach konstruiert. Sie bestanden im wesentlichen aus einer Deichsel für zwei Zugtiere, einem Sitz und einem Messerbalken. Die Mähmesser wurden über ein Zahnrad und eine Übersetzung durch die Bewegung der Mähmaschine angetrieben. Blieb die Maschine stehen, so standen auch die Messer still. Nach dem Mähen wurden die Halme mit Hilfe von Strohbändern zu Garben gebündelt. Die Bauernfamilie stellte den Winter über viele Schober (60 Bänder = ein Schober) dieser Bänder aus Roggenstroh her. Dazu mußte “ein Weberknoten an den nächsten” gesetzt werden. Wenn die Getreidegarben nach einiger Zeit trocken und dürr waren, brachte man sie mit hochbeladenen Wagen heim in die Scheuer. Dabei passierte es immer wieder, daß der vollgepackte Wagen an den Hängen umfiel. Zuhause mußte die Ernte auf die Tenne, den Garbenstock, hinauf-gestapelt und “schö nabeigt”, werden.</p>
<p>Nach Beendigung der Ernte auf dem Feld wurde der letzte Getreide- oder Fruchtwagen mit einem Bäumchen geschmückt, das mit Bändern oder Taschentüchern verziert war. Dann wußte jeder im Ort: “Die sind jetzt fertig”. Alle Erntehelfer erhielten danach eine Einladung zu einem “Vesper”. Diesen Brauch bezeichnete man als ‚“Sichelhängen”.</p>
<p>Nach abgeschlossener Ernte wurde das Getreide gedroschen. Dies geschah mit Hilfe des “Dresch-okomobils” das lange Zeit die einzige Dreschmaschine am Ort war und Kronenbesitzer Elmer gehörte. Im Herbst, nachdem die Ernte eingebracht war, bestellten die Oberkochener Bauern beim Kronenwirt das “Dreschlokomobil” für einen oder mehrere Tage, und dieser zog dann mit seiner Maschine von Haus zu Haus. Pro Tag konnte etwa die Frucht von zehn bis zwölf Morgen (drei Morgen sind etwa ein Hektar) gedroschen werden.</p>
<p>Das “Dreschlokomobil” bestand aus zwei Teilen; der Dreschmaschine und dem Antrieb, Lokomobil genannt. Letzteres war eine fahrbare Dampfmaschine mit einem großen Dampfkessel, der hinten geschürt werden mußte. Das Auffälligste an der Dreschmaschine selbst waren vier große Schaufeln.</p>
<p>Beim Dreschen arbeiteten viele Personen als Hilfskräfte mit. Jemand hatte die Aufgabe, die Garben von der Tenne herunterzutransportieren, eine weitere Person trug die Garben zur Dreschmaschine, eine dritte löste auf der Maschine (in der man in einer kleinen Kabine wie in einem Panzer sitzen konnte) die Strohbänder. Danach gab man die Garben einzeln und langsam in die Maschine hinein. Das herausgedroschene Getreide fiel in große Säcke, die ein Träger auf den Fruchtboden hinauftragen und dort ausschütten mußte. Es war wichtig, das Getreide “luftig” zu lagern.</p>
<p>An einer zweiten Stelle der Dreschmaschine kamen der “kurze Müll” und der Dreschstaub zum Vorschein. Hier unterscheidet man zwischen “Kees” und “Gsied”, also zwischen grobem und feinem “Kruscht”. Kees wurde gebündelt und als Büschelchen dem Viehfutter beigemischt. Die mit dem “kurzen Müll” beschäftigten Frauen hatten die schlechteste und “dreckigse” Arbeit. Vor der Maschine standen mehrere Frauen, die das anfallende Stroh abnahmen. Diese Helferinnen banden “immer zwei große Arme voll” mit vorbereiteten Bändern zu sauberen Ballen zusammen, indem sie sich auf das Stroh knieten und es zusammenpreßten. Die Strohballen legte man in große “Häufen” vor den Häusern auf die Straße und trug sie abends zum Lagern unter das Dach hinauf.</p>
<p>Die Roggengarben durften nicht mit der Maschine, sondern mußten von Hand gedroschen werden. Das Roggenstroh für die Garbenbänder mußte glatt und lang sein, und das war nur durch Handarbeit zu erreichen. Zum Dreschen breitete man die Roggengarben “in zwei Reihen der Länge nach” in der Scheuer aus und zwar so, daß die Ähren in der Mitte zusammenstießen Danach mußten vier kräftige Leute mit dem Dreschflegel “genau im Takt draufneidrechen”.</p>
<p>Mehrmals im Jahr wurden einige Zentner Getreide auf dem Fruchtboden in Säcke eingefaßt und zu einer der beiden Oberkochener Mühlen, Scheerer oder Elser (Kreuzmühle), transportiert</p>
<p>Neben den größeren Bauernhöfen gab es auch einige kleinere “Nebenerwerbslandwirtschaften”. Diese wurden von Familien betrieben, die nur ein kleines “Bauernsächle” besaßen. Genauer gesagt waren es die Frauen, die für die Landwirtschaft verantwortlich waren, weil die Männer vormittags von sechs bis zwölf Uhr und nachmittags von 13 bis 18 Uhr (und länger) in den Fabriken arbeiteten. Nur für einige Wochen während der Erntezeit standen diese Männer (statt Urlaub) völlig der Landwirtschaft zur Verfügung. Das ganze Jahr über hatten die Frauen schon am frühen Morgen das Vieh zu melken und im Stall zu arbeiten. Das war keine Kleinigkeit, da sie oft Mütter von vielen Kindern waren. Natürlich wurden auch die Kinder bei der Feldarbeit eingespannt. Schon die Zehnjährigen mußten hart mitarbeiten.</p></div>
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		<title>Dinkel</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/dinkel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 15 Jan 1984 23:00:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alt-Oberkochen Christhard Schrenk]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 2: Das Gewerbe- und Berufsleben]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Der Dinkel trägt verschiedene Namen. Oft wird er als “Kernen” oder “Korn” bezeichnet, manchmal heißt er auch “Veesen” oder “Spelz”. Über viele Jahrhunderte hinweg war er in Gegenden mit rauherem Klima (z.B. auf der Schwäbischen Alb) das dominierende Getreide. Ortsnamen wie Dinkelsbühl (Erhebung, auf der Dinkel angebaut wird), in dessen Stadtwappen drei Dinkelähren zu sehen sind, oder Dinkelshausen unterstreichen die große Bedeutung dieser Getreideart. Die Vormachtstellung des Dinkel begann nach dem Ersten Weltkrieg abzubröckeln. Er wurde vom Weizen verdrängt.</p>
<p>Der Dinkel war früher schon deshalb in unserer Gegend konkurrenzlos, weil er von Natur aus besonders wetterhart ist. Beim Weizen bedurfte es langer Züchtungsversuche, bis er in unserem Klima gedeihen konnte und nicht mehr “verfror” bzw. “auswinterte”. Durch weitere Züchtungen stieg der Ertrag des Weizens stark an. Beim Dinkel, der mit dem Weizen verwandt ist, gelangen solche Züchtungserfolge nicht. Weder Kreuzungs- noch Veredelungsversuche zeigten zufriedenstellende Resultate. So ließ ab dem Ersten Weltkrieg der Weizen den Dinkel ertragsmäßig weit hinter sich, und er gedieh auch in rauherem Klima. Als sich das gezeigt hatte, übernahm der Weizen bald die führende Position. Der Dinkel konnte sich nur in ganz wenigen Gegenden halten, deren Klima auch für den weitergezüchteten Weizen noch ungeeignet war.</p>
<p>Um so bemerkenswerter scheint es deshalb zunächst, daß der Dinkel in den letzten Jahren in Oberkochen wieder angebaut wurde. Der Grund ist jedoch klar. Dinkel gilt auch heute noch als sehr gesund. In diesem Punkt übertrifft er den wirtschaftlich deutlich überlegenen Weizen. Dinkel soll sich positiv auf das allgemeine Wohlbefinden auswirken und die menschlichen Widerstandskräfte erhöhen. Schon in kleinen, regelmäßigen Mengen kann er gute Wirkungen haben und bei Verdauungsproblemen oder Nierenbeschwerden helfen.</p>
<p>Doch bevor man den Dinkel essen kann, muß er gemahlen werden. Es ist kein einfacher Vorgang, aus dem geernteten und gedroschenen Dinkel das Mehl herzustellen, denn vor dem Mahlen steht das “Dinkelgerben”. Die Kronen des gedroschenen Dinkelkorns sind von Spelzen umschlossen. Diese zu beseitigen, bezeichnet der Fachmann als “Gerben”. Außerdem wird der Dinkel noch “geputzt”. Das Gerben geschieht maschinell, mußte im letzten Jahrhundert aber noch von Hand vorgenommen werden. Im Prinzip wird dabei der Dinkel so lange hin und her gerüttelt, bis Spelzen und Staub entfernt sind. In der Unteren Mühle ist heute noch eine Gerbmaschine aus dem Jahr 1907 in Betrieb. Nach dem ersten Durchgang durch diese Maschine gelangt der Dinkel in einen sechskantigen Staubzylinder, in welchem er vom groben Staub befreit wird. Danach läuft er wieder in die Gerbmaschine zurück. Dort werden die noch verbliebenen Spelzreste entfernt. Der Dinkel passiert anschließend weitere Maschinen, bis er vollständig gereinigt ist.</p>
<p>Nach dem Gerben folgt das Mahlen des Dinkels. Nach einem ersten Mahlvorgang läuft der Dinkel über den sogenannten “Plansichter”. Dort wird “das herausgesiebt, was noch kein Mehl ist” und läuft in die Walzenstühle zurück. Dieser Vorgang, wiederholt sich so lange, bis alles gemahlen ist.</p>
<p>Als der Dinkel in unserer Gegend noch die wichtigste Getreideart war, gab es viele Dinkelrezepte. Natürlich wurde das Brot aus Dinkel gebacken. Dieses Getreide war aber auch Grundlage verschiedener anderer Speisen. Erinnert sei nur an die diversen Dinkelsuppen und an den “Häbernenbrei”. Dieser Brei besteht aus Dinkelschrot, der mit Milch gekocht wird. Der “Häbernenbrei” ist dem Grießbrei ähnlich und war als kräftiges Frühstück beliebt. Die Hausfrauen rundeten seinen Geschmack gerne mit etwas Zucker bzw. Honig und Zimt ab.</p>
<p>Ob die neu aufgeblühte Dinkeltradition in Oberkochen weiterbestehen wird, scheint ungewiß, obwohl der hiesigen Dinkelzucht weit über die Grenzen unseres Bundeslandes hinaus Beachtung geschenkt wird.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><div id="attachment_29011" style="width: 1210px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-29011" class="wp-image-29011 size-full" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/Abbildung-7-Dinkelgerbmaschine-der-Unteren-Muehle.jpg" alt width="1200" height="1516"><p id="caption-attachment-29011" class="wp-caption-text">Abbildung 7: Dinkelgerbmaschine der Unteren Mühle</p></div></div>
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		<title>Das Mühlenwesen in Oberkochen</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/das-muehlenwesen-in-oberkochen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 14 Jan 1984 23:00:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alt-Oberkochen Christhard Schrenk]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 2: Das Gewerbe- und Berufsleben]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts gab es vier Mühlen in Oberkochen: die “Öl- und Schleifmühle”, die “Obere Mühle”, die “Untere Mühle” und die “Kreuzmühle”.</p>
<p>Die “Öl und Schleifmühle” lag am Abfluß des Ölweihers an der heutigen Leitzstraße. Eine erste Erwähnung als Schleifmühle findet sich (nach der Beschreibung des Oberamtes Aalen, Stuttgart 1854, S. 297 bereits 1498. Im Jahr 1725 ist von einer Ölmühle die Rede, in den folgenden Jahr-zehnten kam noch eine Gipsmühle hinzu.</p>
<p>Auch die Kreuzmühle entstand ursprünglich als Öl und Gipswerk. Sie wurde 1845 erbaut und etwa 50 Jahre später zu einer Getreidemühle umgerüstet.</p>
<p>Wesentlich älter sind die »Obere und die Untere Mühle«. Gemeint sind damit die Mühlen »Zimmer-mann« und» Scheerer«.</p>
<p>Die Mühlen in unserer Gegend waren über Jahrhunderte auf die Wasserkraft angewiesen. Der Kocher spielte in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle, und auch die Obere und die Untere Mühle (Zimmermann und Scheerer) siedelten am Kocher an. Sie befinden sich aber nicht direkt am Flußbett. Ein Kanal zweigt vor der Oberen Mühle ab, führt an der Unteren Mühle vorbei und mündet danach wieder in den Kocher ein. Die Obere Mühle (Zimmermann) existiert heute nicht mehr. Die weiter in Richtung Unterkochen gelegene Untere Mühle ist dagegen noch vorhanden und voll funktionsfähig.</p>
<p>Manchmal führt die Bezeichnung Untere Mühle für das Scheerersche Anwesen zu Verwirrung, weil diese Mühle “doch viel weiter oben am Kocher liegt” als die zweite, heute noch bekannte Mühle, die Kreuzmühle. Die Begriffe “oben” und “unten” beziehen sich aber nicht auf die heutigen (Scheerer und Kreuzmühle), sondern auf die beiden alten Kochermühlen (Zimmermann und Scheerer).</p>
<p>Die Untere Mühle (Scheerer) kann auf eine sehr alte Tradition zurückblicken. Ihre erste urkundliche Erwähnung reicht ins Jahr 1358 zurück, die dortigen Müller lassen sich bis ins Jahr 1390 zurückverfolgen, wobei die Besitzerfamilie immer wieder wechselte. 1862 kaufte Caspar Scheerer, der von Beruf Ziegler war, die Untere Mühle. Ihm gehört die Ziegelhütte zwischen Oberkochen und Königsbronn. Dort hatten er und seine Vorfahren über 100 Jahre lang feuerfeste Ziegel und Backsteine gebrannt, die von besonderer Qualität waren. Sie fanden z.B. beim Ausmauern der Eisenbahnheizkessel Verwendung. Bevor 1865 die Bahnlinie von Aalen nach Heidenheim fertiggestellt worden war, transportierte Scheerer seine Produkte mit einem Pferdewagen zu seinen Kunden, zu denen z.B. die Maschinenfabrik in Esslingen zählte.</p>
<p>Der Lehm konnte direkt bei der Ziegelhütte gewonnen werden. Die alten Lehmgruben sind heute noch erkennbar. Um 1860 scheint die Lehmqualität aber immer schlechter geworden zu sein. Deshalb sah sich Caspar Scheerer nach einem anderen Betätigungsfeld um. 1862 stand die Untere Mühle in Oberkochen zum Verkauf an. Dem Vorbesitzer, Josef Stadelmaier, hatte das Anwesen fast 40 Jahre lang gehört. Weil dieser in Geldschwierigkeiten geraten war, mußte er die Mühle verkaufen. Da Scheerers Sohn Georg den Beruf des Müllers erlernt hate, lag es nahe, von der Ziegelei in eine Mühle überzuwechseln. 1877 ließ Scheerer die alte Mühle abreißen und an gleicher Stelle eine neue aufbauen. Die zuvor vorhandenen vier kleinen Wasserräder ersetzte er durch ein großes, das eine Breite von 2,5 Meter und ein Gefälle von 3,5 Meter aufweist. Die Kraft des Wassers wird über verschiedene Zahnräder und Gestänge auf die Mühlsteine, die heute durch Walzenstühle ersetzt sind, übertragen. Im untersten Stockwerk der Mühle stehen große Säcke, in denen die einzelnen Mahlprodukte, vom Mehl bis zum “Dreck” aufgefangen werden.</p>
<p>1885 verkaufte Scheerer die Ziegelhütte an Georg Widmann, dessen Nachfahren noch heute das inzwischen vergrößerte und modernisierte Anwesen betreiben.</p>
<p>Die Untere Mühle befindet sich damit seit mehreren Generationen und seit fast 125 Jahren im Besitz der Familie Scheerer. Nach dem Käufer der Mühle, Caspar Scheerer, hielten zuerst dessen Sohn Georg, danach dessen Enkel Caspar und bis zum heutigen Tag dessen Urenkel Hans Scheerer die Müllereitradition aufrecht.</p>
<p>Die einzelnen Familien mahlten etwa drei- bis viermal im Jahr. Für einen bestimmten Tag “bestellten” sie die Mühle vor. Wenn das vereinbarte Datum gekommen war, transportierten sie mit Schubkarren, Kuhwagen, oder was immer sie sonst zur Verfügung hatten, ihr gedroschenes Getreide zur Mühle. Je nach Familiengröße handelte es sich jeweils um zwei bis fünf Sack, wobei ein Sack etwa 75 Kilogramm wog. Nach der Ernte bis in die Weihnachtszeit und von Neujahr bis Ostern und oft noch darüber hinaus lief die Mühle ununterbrochen. Viele Leute mußten sogar in der Nacht kommen, um ihr Getreide mahlen zu können. Erst in den Wochen vor der nächsten Ernte ging es etwas ruhiger zu.</p>
<p>Es war üblich, selbst zu mahlen oder zumindest kräftig mitzuhelfen. Wer die Mühle benützte, mußte einen “Mahllohn” entrichten. Es gab verschiedene Formen der Bezahlung. Bargeld war dem Müller am liebsten, doch eben das hatten die meisten seiner Kunden am wenigsten. So wurde der Müller meist in Naturalien entlohnt, oder er behielt ca 5% des Getreides als Mahllohn ein. Etwa weitere 5 % des Getreides sind übrigens “verstaubt” oder “verdunstet”.</p></div>
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		<item>
		<title>Hafnereien nach 1900</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/hafnereien-nach-1900/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Jan 1984 23:00:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alt-Oberkochen Christhard Schrenk]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 2: Das Gewerbe- und Berufsleben]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://oberkochen-heimatverein.de/?p=28558</guid>

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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Nach 1900 gab es 21 Hafnerbetriebe in Oberkochen. Die meisten hatten als Nebenerwerb etwa fünf Hektar Land (15 Morgen) und sechs bis sieben Stück Vieh. Die Blütezeit des Oberkochener Hafnergewerbes ging in der Zeit um den Ersten Weltkrieg zu Ende. Damals gaben immer mehr Hafner ihren Beruf auf, weil sich die Arbeit nicht mehr lohnte. Fabriken, die Aluminiumgeschirr herstellten, konnten ihre Erzeugnisse billiger auf den Markt bringen als die Oberkochener Handwerker, die vorwiegend Tonkochgeschirr töpferten.</p>
<p>Ein “Wurf” Geschirr kostete 85 Pfennig und bestand entweder aus 16 “Salatschüsseln”, mit etwa einem Liter Rauminhalt oder aus vier großen “Teigschüsseln” oder aus 24 kleinen Schüsseln. Die Oberkochener Töpferwaren genossen weithin einen sehr guten Ruf. Abnehmer der Erzeugnisse waren Geschirrläden und verschiedene Händler, die mit ihren großen Wagen von Ort zu Ort zogen. Exportiert wurde das Oberkochener Geschirr in die nähere u. weitere Umgebung, teilweise sogar bis in die Bregenzer Gegend.</p>
<p>Vor dem Verkauf der Töpferwaren stand mühsehlige Arbeit. Zuerst mußte die Tonerde aus Zang oder Ochsenberg herbeigeschafft werden. Dazu benötigte man einen “Berechtigungsschein”, den der “Vorsitzende der Hafnergenossenschaft” ausstellte. Diese Funktion übte in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg Anton Hug aus, der 1913 starb. Mit dem Berechtigungsschein in der Tasche fuhren die Hafner mit einem Wagen, der von Kühen gezogen wurde, zu den Tonerdestellen. Dort gruben sie ihr Rohmaterial aus und bezahlten es an Ort und Stelle. Zu Hause mußte die Tonerde mit den Händen “durchgeschafft” werden. Kein noch so kleines Steinchen durfte in der Töpfermasse zurückbleiben, die man danach “wie einen Nudelteig”, zwischen zwei parallel aufeinanderliegenden Rollen “durchwalzte”. Dabei mußte ständig ein wenig Wasser zugesetzt werden. Im nächsten Arbeitsgang formte der Hafner seinen Lehm in Portionsstücke, die er neben seiner Töpferscheibe aufbaute. Nun erst konnte die eigentliche Arbeit beginnen. Während er mit den Füßen die Töpferscheibe antrieb, formte er mit den Händen seine Gefäße. Erfahrenen Hafnern ging diese Arbeit sehr schnell von der Hand. Eine alte Faustregel sagt, daß ein Hafner sieben bis acht Jahre lernen müsse, bis man das Töpfern “richtig raus hat”.</p>
<p>Die mit kundiger Hand geformten Tonprodukte wurden zuerst getrocknet und später glasiert. Normalerweise mußte dieser Vorgang zwei–&nbsp; bis dreimal wiederholt werden. Die Glasur kaufte der Hafner in festem Zustand als “faustgroßen Stein”. Diesen “Stein” mußten meist seine Kinder in mühsamer, langer Arbeit in einem etwa 40 Zentimeter hohen Mörser mit einem schweren “Eisenstämpel zu Mehl” zerstampfen. Im nächsten Arbeitsgang wanderte das “Mehl” zusammen mit wenig Wasser in die “Glättenmühle”. So entstand eine flüssige “Brühe”, die Glasur, mit der die Gefäße nach einem ersten Brennvorgang sorgfältig einzustreichen waren. Dann wurde das Geschirr zum Trocknen auf regalartige Stangen gesetzt, die sich in der ganzen Töpferstube unter der Decke befanden. Auf diese Weise nützten die “Hafner” den Platz in den oft kleinen Töpferstuben optimal aus.</p>
<p>Auch das Brennen der Töpferwaren ist eine Kunst. Der Hafner mußte ganz besonders darauf achten, daß das Geschirr in den Brennofen “pünktlich neibeigt” wurde. Ein solcher Ofen war über zwei Meter hoch und hatte eine Grundfläche von mehr als einen auf zwei Quadratmetern. Zum Brennen wurde er mit Geschirr “ganz vollgefüllt” und zugemauert. Der Brennvorgang dauerte 48 Stunden. Es war sehr wichtig, in dieser Zeit für ein gleichmäßiges Feuer unter dem Ofen zu sorgen. Zum Heizen benutzten die Hafner gespaltene Holzscheite von etwa einem Meter Länge. Am Ende des Brennvorgangs wurde mit Birkenholz “ausgebrannt”. Nach dem Brennen musste die ganze Hafnerfamilie das Geschirr sauber zu putzen und zu sortieren, bevor es zum Verkauf in die “Harassen” hineingestapelt werden konnte. Als Harassen wurden die “Kisten” bezeichnet, in denen das Geschirr zum Versand kam. Sehr große Bestellungen umfaßten bei der Auslieferung bis zu einem ganzen Eisenbahnwagen gefüllt mit Harassen.</p></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Oberkochener Gewerbe um 1910</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/oberkochener-gewerbe-um-1910/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Jan 1984 23:00:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alt-Oberkochen Christhard Schrenk]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 2: Das Gewerbe- und Berufsleben]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://oberkochen-heimatverein.de/?p=28548</guid>

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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Schon vor dem Ersten Weltkrieg blühten in Oberkochen Handwerk und Industrie. Bohrermacher und Hafner dominierten, wobei die Bohrermacher mehr der Industrie, die Hafner eher dem Handwerk zuzuordnen waren. Die Fabrikanten Günther, Leitz, Grupp, Bäuerle und Schmid beschäftigten in der Zeit um den Ersten Weltkrieg zusammengerechnet etwas 120 Arbeiter, andere Männer fanden einen Broterwerb in weiteren Oberkochener Betrieben oder z.B. in der Papierfabrik in Unterkochen bzw. in den Hüttenwerken in Wasseralfingen und Königsbronn. Wer es sich leisten konnte, fuhr mit der Eisenbahn zur Arbeit in die Nachbarorte, die anderen gingen täglich zu Fuß, z.T. bis nach Wasseralfingen. Das Hafnergewerbe war in Oberkochen allerdings schon vor dem Ersten Weltkrieg im Niedergang begriffen. In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts gab es 21 Hafner in Oberkochen, zehn Jahre später nur noch 17:</p>
<ul>
<li>Wingert, Josef; Heidenheimer Str. 64</li>
<li>Müller, Johannes; Hasengäßle 5</li>
<li>Wingert, Josef; Heidenheimer Str. 54</li>
<li>Fischer, Karl (Napoleon); Hdh. Str. 28</li>
<li>Fischer, Karl (Herrgottshäfner); Hdh. Str. 12</li>
<li>Gold, Johannes; Katzenbachstr. 9</li>
<li>Fischer, Franz (Schulstraße); Schulstr. 2</li>
<li>Hug, Johannes; Schreinergäßle 2</li>
<li>Hug, Anton; Katzenbachstr. 21</li>
<li>Fischer, Paul; Katzenbachstr. 29</li>
<li>Fischer, Josef; Katzenbachstr. 31</li>
<li>Sapper, Konrad; Katzenbachstr. 28</li>
<li>Schaupp, Josef; Kronengäßle 2</li>
<li>Hug, Anton; Aalener Str. 18</li>
<li>Fischer, Michael; Dreißentalstr. 6</li>
<li>Gold, Franz; Jägergäßle 3</li>
<li>Gold, Anton; Jagergäßle 7</li>
</ul>
<p>Während die Hafnereien Familienbetriebe geblieben waren, entwickelten sich die Bohrermacherwerkstätten ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu beachtlichen Industriebetrieben: Die bedeutende Industrie Oberkochens auf dem Gebiet der Holzbearbeitungsmaschinen und ‑werkzeuge hat hier ihre Wurzel. In der Zeit um den Ersten Weltkrieg befaßten sich zehn Gewerbebetriebe mit der Bohrerherstellung, sie seien nach ihrem Alter aufgezählt;</p>
<ul>
<li>Bäuerle, Adolf; Heidenheimer Str. 4</li>
<li>Bäuerle, Wilhelm; Aalener Str. 47</li>
<li>Leitz, Albert; Beim Ölweiher</li>
<li>Grupp, Wilhelm; Heidenheimer Str. 100</li>
<li>Schmid, Jakob; Dreißentalstr. 7 (19)</li>
<li>Oppold, August; Heidenheimer Str. 84</li>
<li>Wannenwetsch, Karl; Aalener Str. 44</li>
<li>Schoch, Johannes; Mühlstraße 5</li>
<li>Wirth, Max; Aalener Str. 38</li>
<li>Sapper, Wilhelm; Katzenbachstr. 25</li>
</ul>
<p>Die Produktionspalette umfaßte verschiedene Sorten von Bohrern: Astlochbohrer, Nagelbohrer, Windenbohrer usw. Als Rohmaterial diente Vierkant- oder Rundstahl. Das Herstellen eines Bohrers erforderte mehrere Arbeitsgänge. Zuerst war das Stahlstück “vorne flach und hinten rund” zu schmieden. Im nächsten Arbeitsgang wurde das geschmiedete Stahlstück vorgeschliffen. Daran schloß sich die wichtigste Tätigkeit beim Herstellen eines Bohrers an: das Feilen des Gewindes an der Spitze des Stahlstückes. Dazu saßen die Bohrermacher auf einem “Dreibock”, sie hatten vor sich in einen Schraubstock ein Stück Holz mit einer eingefräßten Nute eingespannt. Auf dieses Holzstück stützten sie ihren Bohrer, während sie von Hand mit einer Flachfeile das Gewinde einfeilten. Entweder mußte ein Doppelgewinde (“zweimal rum um den Bohrer”) oder ein Einfachgewinde (“einmal rum”) entstehen. Nachdem das Gewinde fertiggestellt war, wurden die Bohrer durch Glühen gehärtet, danach “abgeschreckt” (in Wasser, Seifenwasser oder Öl) und am Schluß poliert. Einige Bohrer erhielten vom Drechsler einen Holzgriff (“Heft”). Andere Bohrer wurden so gearbeitet, daß sie in größere Geräte eingespannt werden konnten.</p>
<p>Ursprünglich verrichtete jeder Bohrermacher alle Arbeitsgänge — vom Schmieden bis zum Polieren — selbst. Mit fortschreitender Industriealisierung drang jedoch die Arbeitsteilung immer weiter vor, und die Tätigkeit des Bohrermachers reduzierte sich auf das Feilen der Gewinde.</p>
<p>Einschließlich der 17 Hafner waren&nbsp; vor dem Ersten Weltkrieg etwa 65 selbständige Handwerkerfamilien in Oberkochen ansässig. Damit war etwa jeder fünfte Erwerbstätige “sein eigener Chef”. Dieser Anteil entspricht dem Durchschnitt im damaligen Deutschen Reich. Außer den Hafnern und den Bohrermachern produzierten die meisten Handwerker für den örtlichen Bedarf. Viele hatten zusätzlich eine kleine Nebenerwerbslandwirtschaft. Hier die Selbständigen, nach der Erinnerung von Herrn Wunderle, im Einzelnen:</p>
<p>Beruf&nbsp; &nbsp;Anzahl&nbsp; Name</p>
<p>Hafner 17: s.o.<br>Bohrermacher 10: s.o.<br>Schreiner 5: Karl Fischer, Michael Frank, August Hug, Josef Mauser, Karl Speth<br>Schuhmacher 5: Josef Brunnhuber, Karl Holz, Christian Kopp, Johann Kopp, Josef Trittler<br>Bäcker 3: Willibald Geissinger, Georg Wannenwetsch, Karl Widmann (Storchenbäck)<br>Bierbrauer 3: Georg Nagel (Hirsch), Ludwig Trick (Ochsen), Eugen Winter (Schell)<br>Gärtner 3: Josef Brandstetter, Franz Holz, Anton Mahler<br>Metzger 3: Paul Betzler, Friedrich Reber, Jakob Schneider<br>Müller 3: Karl Elser (Kreuzmühle), Kaspar Scheerer (Untere Mühle), Stadelmaier (Obere Mühle)<br>Schmiede 3: Karl Maier (Kirchenschmied), Paul Oppold, Josef Weber (Kohlschmied)<br>Wagner 3: Anton Bezler, Franz Bezler, Josef Holz<br>Küfer 2: Franz Gold, Anton Wunderle (der auch eine Mosterei betrieb)<br>Maurer 2: Anton Trittler, Franz/Johannes Wingert<br>Sattler 2: Christian Bauer, Karl Seitz<br>Schneider 2: Anton Fischer, Strohmaier, Josef-/Anselm<br>Schlosser 2: Johannes Elmer, Michael Fritz<br>Glaser 1: Paul Wingert<br>Holzdrechsler 1: Josef Wingert<br>Mühlenbauer 1: Josef Mauser<br>Uhrmacher 1: Paul Hofmann<br>Ziegler 1: Karl Gold<br>Zimmermann 1: Bernhard Brunnhuber</p>
<p>Die meisten Handwerker betrieben ihre Werkstatt in ihrem Wohnhaus. Sie schrieben für jeden Kunden nur einmal im Jahr eine Rechnung, in der alle für diese Personen ausgeführten Tätigkeiten aufgelistet waren.</p>
<p>Die Arbeit der Schmiede, ein in dieser Form heute fast ausgestorbener Berufsstand, war für die Bewohner des Ortes unentbehrlich. Sie beschlugen z.B. die Pferde und dingelten in der Erntezeit die “Säges” (Sensenblätter). Das weithin klingende Geräusch beim Klopfen und Hämmern des Metalls auf dem Amboß war eine häufig erklingende “Dorfmusik”.</p>
<p>Einen Mediziner gab es um 1910 in Oberkochen noch nicht. Wenn jemand erkrankte und ein Arzt nötig zu sein schien, beauftragte man meist den Hirschwirt damit, den Doktor aus einer der Nachbargemeinden, meist Dr. Schmidt aus Unterkochen, zu holen. Der Wirt war für diese Aufgabe ausgerüstet, denn “der hatte einen Gaul”. Der nächste Zahnarzt praktizierte in Aalen.</p>
<p>In den dreißiger Jahren war hauptsächlich der Königsbronner Arzt Dr. Lubenau für die medizinische Versorgung Oberkochens zuständig. Er besuchte seine Patienten zu Fuß oder per Fahrrad. Später fuhr er einen großen sechssitzigen “Adler”, mit dem er auch “liegende Krankentransporte” durchführen konnte. Die Oberkochener Buben haben sich oft staunend die Autokonstruktion betrachtet, wenn der Doktor auf Visite war und seinen Wagen vor einem Haus abgestellt hatte. Die Mädchenempfanden vor dem “weißen Schutz” des Arztes meist großen Respekt und hielten sich mehr im Hintergrund. Insgesamt war der Doktor aber bei allen Kindern beliebt. So durften sich z.B. am Ostersonntag alle kleinen Patienten, die in der Osterzeit krank gewesen waren, bei ihm in Königsbronn einen “Osterhasen” abholen.</p>
<p>Dr. Lubenau wird als ein “aufrechter, großer Mann” geschildert, und noch heute ist über ihn in Oberkochen manche kleine Geschichte bekannt. Sol läutete nach Mitternach ein Betrunkener au Oberkochen “Sturm” an der Nachtglocke des Arztes. Dr. Lubenau, der schon zu Bett gegangen war, trat ans Fenster und forschte nach der Ursache des nächtlichen Lärms. Von unten rief ihm eine Stimme entgegen: “I hau d’Ara aa!” (Ich habe den Arm gebrochen!). Da jedoch Dr. Lubenau als Ostpreuße zeitlebens mit dem schwäbsichen Dialekt Schwierigkeiten hatte, war ihm de rZuruf völlig unverständlich. Er fragte ein zweites Mal nach und erhielt dieselbe, im rätselhafte Antwort. Nach dem dritten “I hau d’Ara aa!” entgegnete der Arzt: “ich verstehe immer nur trara!” und ging zu seinem nächtlichen Patienten hinunter. Seit dieser Begebenheit trug Dr. Lubenau den Spitznamen “Dr. Trara”. Er ist nach einem halben Jahrhundert noch vielen MItbürgern als “feiner Doktor, den man bloß loben kann” und als zurvorkommender netter Herr, der zu vielen Patienten “wie ein Vater” war, der aber auch genau wußte, was er wollte und dessen Therapie man sich fügen mußte, in bester Erinnerung.</p>
<p>Erst nach dem Zweiten Weltkrieg ließ sich in Oberkochen mit Dr. Sußmann ein Arzt nieder.</p>
<p>Einige zusätzliche Handwerksberufe wurden nach dem Ersten Weltkrieg in Oberkochen heimisch. Der erste ortsansässige hauptberufliche Friseur war ab 1926 Erwin Wanner. Davor schnitt Josef Elmer, der Bruder des Gründers der Hafnerei Elmer, die Haare der Oberkochener. Josef Elmer, arbeitete zunächst in der Ziegelei Gold und später bei der Gemeinde; nebenberuflich war er bis etwas 1930 “Bader” (Barbier) und Nachtwächter. Ein Konditor war schon sehr früh in Oberkochen ansässig. Er übte aber mangels Nachfrage seinen Beruf nicht aus. Dabei handelte es sich um Posthalter Hermann Späth, der in Oberkochen vor der Errichtung des heutigen Postamtes (1928) für die Postgeschäfte zuständig war. Das Flaschnergewerbe hielt im Jahre 1934 durch Walter Borst seinen Einzug.</p></div>
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