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	<title>Alt-Oberkochen Christhard Schrenk | Heimatverein Oberkochen</title>
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	<title>Alt-Oberkochen Christhard Schrenk | Heimatverein Oberkochen</title>
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	<item>
		<title>Vorwort</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/vorwort-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 31 Dec 1983 23:00:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alt-Oberkochen Christhard Schrenk]]></category>
		<category><![CDATA[Vorwort]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Dieser Band beschäftigt sich mit der Vergangenheit: Geschichten und Erzählungen aus früheren Tagen Oberkochens. Es soll versucht werden, die Oberkochener Atmosphäre vor dem Zweiten Weltkrieg einzufangen und Geschichten, “Histörchen” und Begebenheiten aufzuzeichnen, die in den schriftlichen Quellen meist nicht auftauchen und die sonst innerhalb weniger Jahre oder Jahrzehnte unwiederbringlich in Vergessenheit gerieten. Es geht somit nicht um herausragende Ereignisse, sondern um den Alltag. Als Grundlage dienen hauptsächlich Augenzeugenberichte, ergänzt und erhärtet durch verschiedene schriftliche Aufzeichnungen, die z.T. noch in den Häusern zu finden waren. Die Originalzitate sind mit Anführungszeichen gekennzeichnet.</p>
<p>Das Geschriebene stellt die Ansicht und Erinnerung von Oberkochener Bürgern dar und kann deshalb nicht immer streng objektiv sein. Der Text ist eine ergänzte und überarbeitete Fassung der gleichnamigen Artikelserie im Oberkochener Amtsblatt “Bürger und Gemeinde” vom März bis Oktober 1984, die auf Anregung vieler Oberkochener Mitbürger entstand. Es ist mir ein Anliegen, allen zu danken, die Anteil am Zustandekommen des Bandes hatten: Herrn Bürgermeister Gentsch, Herrn Stadtamtsrat Fell, Herrn Stadtkämmerer Maler und Frau Martha Gold von der Stadtverwaltung Oberkochen für Ihre freudliche Unterstützung, — ebenso allen Gesprächspartnern für Ihre Bereitschaft, lange Vergangenes in ihren Erinnerungen wieder aufleben zu lassen:</p>
<p style="text-align: left;">Herrn Gottlob Braun †, Frau Ida Elmer, Frau Maria Fischer, Frau Theresia Gold, Schwester Lidwina Hug, Frau Lucia Hug, Schwester Zita Hug, Frau Lucia Lensler, Frau Marianne Mannes, Frau Emmi Reber, Herrn Hans Scheerer, Frau Ida Trittler, Herrn Paul Trittler †, Herrn Franz Wunderle.</p>
<p style="text-align: right;"><em><strong>Christhard Schrenk</strong></em></p></div>
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		<title>Württembergische Zollstation</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/wuerttembergische-zollstation/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Jan 1984 23:00:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alt-Oberkochen Christhard Schrenk]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 1: Das Alltagsleben]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>650 Jahre seiner knapp 850‑jährigen Geschichte war Oberkochen herrschaftlich geteilt. Das auf-fälligste Merkmal dieser Teilung ist die konfessionelle Trennung, die seit der Reformationszeit so gut wie ununterbrochen bestand ‑ eine außergewöhnliche Tatsache für eine damals doch kleine Gemeinde. Die Wurzel der Württembergischen Zollstation, die sich knapp 200 Jahre (von 1607 bis 1803) in Oberkochen befand, liegt ebenfalls in der herrschaftlichen Teilung des Ortes.</p>
<p>Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts war es in dem herrschaftlich unglaublich zersplitterten Deutschland an fast jeder der unzähligen Grenzen üblich, Zölle zu erheben. Deshalb lief nicht nur eine Konfessions‑, sondern auch eine Zollgrenze durch Oberkochen. In der Oberamtsbeschreibung Aalen von 1847 kann man dazu nachlesen (S. 296): „Vom württembergischen Zoll sind die Einwohner frei bei allem, was sie zum Hausgebrauche einführen, sie haben ihn aber zu entrichten von allem, was sie hinausverkaufen“.</p>
<p>Im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses von 1802/03 verlor die Fürstpropstei Ellwangen, zu der zwei Drittel Oberkochens gehörten, ihre Selbständigkeit&nbsp; und wurde dem Herzogtum Württemberg einverleibt, das am 1. Januar 1806 zum Königtum aufstieg. Mit dem Ende der Fürstpropstei Ellwangen gelangte auch der ellwangische Teil Oberkochens in württembergischen Besitz,&nbsp; und somit fiel die örtliche Zollgrenze weg. Das Zollhaus, das im Zentrum des Ortes (an der damaligen Kreuzstraße beim heutigen Gasthof Lamm) lag, diente nach 1803 dem königlichen Revierforster als Wohnhaus.</p>
<p>Die Abschaffung der lokalen Zollschranken brachte den ortsansässigen Handwerkern, insbesondere den Hafnern, deutliche Handelserleichterungen. Als 1827/28 auch die Zollgrenze zwischen Württemberg und Bayern wegfielen und schließlich wenige Jahre später (1833) der Deutsche Zollverein gegründet wurde, war ein zollfreier Handel mit fast allen deutschen Staaten möglich geworden.</p>
<p>Einige Dinge erinnern noch heute an die alte Zollstation. So ist vielen Oberkochenern der “Zollbach”, und das “Zollbrückle” noch ein Begriff. Unter dem “Zollbach” der die Grenze zwischen dem königsbronnisch‑württembergischen und dem ellwangischen Einflußgebiet markiert, versteht man einen Teil des Katzenbachs. Dieser Teil wurde um 1925 überbaut und fließt heute unterirdisch zwischen den Gebäuden Heidenheimer Straße 2 und 4 sowie 5 und 7. Vor 1925 strömte er offen durch das damalige Fabrikgebäude der Firma J. Adolf Bäuerle (das sich in der Heidenheimer Str. 4 befand) und neben der Schmiede Oppold. Die auf dem Amboß bearbeiteten glühenden Metallstücke wurden direkt im “Zollbach” abgekühlt.</p>
<p>Auch ein Flurname auf Oberkochener Gemarkung erinnert noch an die Zeit der Zollstation; der hinter dem “Märzenbuckel” gelegene “Ochsentrieb”. Dieser Name sei entstanden, weil Hirten oder Händler aus der Gegend von Bopfingen den Zoll sparen wollten, indem sie Oberkochens Zollstation weiträumig umgingen. Sie trieben ihr Vieh über die Flurstücke “Judenangst” und “Ochsentrieb”.</p></div>
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		<title>Eine Beinamputation im 19. Jahrhundert</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/eine-beinamputation-im-19-jahrhundert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Jan 1984 23:00:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alt-Oberkochen Christhard Schrenk]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 1: Das Alltagsleben]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Wie im Jahre 1858 eine Beinamputation vor sich gegangen ist, sei am Beispiel von Johannes Grupp (geboren 1833) erzählt. Berichtet wurde diese Begebenheit von dessen Enkelin, Frau Ida Trittler.</p>
<p>Johannes Grupp hatte als 25jähriger einen Schlag Holz in der Rodhalde gekauft. Er schichtete dort die dickeren Stamme zu »Meterbeigen« auf und bündelte den Rest als Brennholz für den Haushalt. Beim »Holzschleifen« (= das Holz den Berg herunterziehen) verlor er die Kontrolle über seine Fracht, geriet unter die Holzladung und brach sich das Bein. Ein Freund transportierte ihn mit dem Fuhrwerk nach Hause und holte per Kutsche (Chaise) rasch den Arzt Dr. Sinz aus Unterkochen. Der Doktor legte für sechs Wochen einen Gipsverband an, Nach einiger Zeit bekam Johannes Grupp immer stärkere Schmerzen unter seinem Verband, doch der Arzt lehnte es ab, den Gips vor Ablauf der sechs Wochen zu entfernen. Die Schmerzen nahmen weiter zu und eines Tages quoll Eiter aus dem Gipsverband hervor. Das Bein ward inzwischen blau geworden und mußte amputiert werden. Solch eine Amputation war nach unserer heutigen Vorstellung barbarisch. Zu Hause auf dem Küchentisch wurde dem jungen Mann das Bein über dem Knie abgesägt. Die Nachbarn mußten den vor Schmerz laut schreienden Patienten festhalten. Der junge Mann hat diese Tortur dennoch gut überstanden und trug für den Rest seines Lebens als Prothese einen schweren Buchenholzfuß. Johannes Grupp starb 1915 im Alter von 82 Jahren an Wundbrand, den er sich durch eine Verletzung beim Arbeiten zugezogen hatte.</p></div>
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		<title>Der Eisenbahnbau</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/der-eisenbahnbau/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Jan 1984 23:00:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alt-Oberkochen Christhard Schrenk]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 1: Das Alltagsleben]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>1835 fuhr in Deutschland die erste Eisenbahn: Sie verband die beiden Städte Nürnberg und Fürth. Bereits 30 Jahre später war auch Oberkochen als Bahnstation auf der Strecke Aalen-Heidenheim-Ulm an das Eisenbahnnetz angeschlossen.</p>
<p>Im Juli 1863 begann der Eisenbahnbau in Oberkochen mit dem Abstecken der Trasse durch staatliche Landvermesser. Danach kaufte das königliche Cameralamt (Finanzbehörde) die für den Bau benötigten Grundstücke zu einem guten Preis auf. Viele Felder und Wiesen mußten der Eisenbahn weichen, und der sagenumwobene Engelstein wurde in einer spektakulären Aktion gesprengt. Im Ortskern fiel ein Haus (zumindest indirekt) dem Eisenbahnbau zum Opfer. Da der neue Bahnhof außerhalb des damaligen Dorfes lag, mußte er durch eine neue Straße an den Ort angebunden werden. Die “Bahnhofstraße” wurde 1863 im rechten Winkel auf die damalige Langgasse (Heidenheimer Straße) zugeführt. An der geplanten Einmündung stand das Haus der Witwe Viktoria Staud und des Krämers und Gassenwirtes Franz Staud. Die köngliche Eisenbahnkommission kaufte am 30. Oktober 1863 dieses Anwesen zum Preis von 3700 Gulde. Familie Staud durfte das Material aus dem Abbruch ihres alten Hauses für den Bau eines neuen verwenden. So entstand in den Jahren 1864/65 das Anwesen (Haus, Scheuer und Stall), in dem später die “Bahnhofrestauration” eingerichtet wurde.</p>
<p>Der 15. 9. 1864 war ein großer Tag für die gesamte Gemeinde: Der Oberkochener Eisenbahnabschnitt konnte festlich eingeweiht werden. Für die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes war der Anschluß an das Eisenbahnnetz von größter Bedeutung. Durch den Güterzugverkehr wurde z.B. die Holzausfuhr sehr vereinfacht. Das Holz mußte nun mit dem Kuhwagen »nur« noch bis zum Oberkochener Bahnhof transportiert werden. Beim Bahnhof befand sich ein riesiges Holzlager, das sich bis zum Gelände der heutigen Firma Günther und Schramm erstreckt hatte. Teile des Holzes wurden auch auf den Königsbronner Bahnhof geführt, etwa vom Wollenberg aus.</p>
<p>Neben der in dieser Zeit aufkommenden Bohrermacherindustrie profitierten besonders die Oberkochener Hafner von den neu erschlossenen Transportmöglichkeiten. Die Hafner konnten ihre Produkte nun auch direkt versenden. Zuvor waren sie ausschließlich auf die Händler angewiesen, die mit Pferde- oder Ochsenkarren die Tonerzeugnisse abholten. Der Bahntransport war billiger, bruchsicherer und schneller. Außerdem konnte er in größeren Mengen erfolgen. Um das Versenden der Töpferwaren per Eisenbahn zu vereinfachen, wurden die sogenannten “Harassenkisten” entwickelt.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><div id="attachment_29008" style="width: 1210px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-29008" class="wp-image-29008 size-full" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/Abbildung-1-Oberkochen-im-Jahre-1847.jpg" alt width="1200" height="740"><p id="caption-attachment-29008" class="wp-caption-text">Abbildung 1: Oberkochen im Jahre 1847</p></div></div>
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		<item>
		<title>Eine Wegstreitsache aus dem Jahre 1871</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/eine-wegstreitsache-aus-dem-jahre-1871/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Jan 1984 23:00:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alt-Oberkochen Christhard Schrenk]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 1: Das Alltagsleben]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Streitigkeiten gibt es immer und überall, so auch in Oberkochen. Einige dieser Differenzen wurden schnell wieder beigelegt, andere mußten von einer offiziellen Stelle geschlichtet werden. Bei solchen schwierigen Fällen wurde ein Schriftsatz angefertigt, der die amtlich erzielte Einigung festhielt.</p>
<p>Als Beispiel eines Streites zwischen zwei Oberkochener Bürgern sei eine Wegestreitsache angefuhrt, die vor dem Oberamt in Aalen behandelt wurde.</p>
<p>Streitobjekt war ein kleiner Weg zwischen zwei Häusern. Die Nachbarn, A und B konnten sich nicht einigen, wer diesen Weg zu welcher Tageszeit zum Viehtrieb benützen und wer den Dung auf diesem Weg aufsammeln dürfe. Da keine gütliche Einigung erzielt werden konnte, wurde am 2. Mai 1871 ein Termin vor dem Aalener Oberamt, anberaumt. Die Kontrahenten fuhren an diesem Tag mit dem Ochsenkarren nach Aalen. Dort kam folgende Einigung zustande:</p>
<p style="padding-left: 40px;">Königliches Oberamt Aalen, den 2. Mai 1871<br>In der Wegestreitsache zwischen .A und B von Oberkochen kommt heute folgender Vergleich zustande:<br>1. B darf den von A … benützten Weg .… fernerhin in keinerlei Weise verändern…<br>2. B darf den Weg nur Tags über (und) nur zum Begehen benützen, ausgeschlossen ist aber Tags über der Viehtrieb, die Beseitigung des Düngers, sowie alle und jede Handlung, wodurch auch nur vorübergehend das Begehen des Weges eingeschränkt wird.<br>3. Dagegen hat B das Recht, … Vieh auf dem Weg zu treiben, den Dung auf demselben zu beseitigen und zwar: In den Monaten Oktober bis Februar vormittags vor ½ 7 Uhr und abends nach ½ 6 Uhr, in den anderen Monaten morgens vor 6 Uhr abends nach 8 Uhr. Nur in einem absoluten Nothfalle .… ist es gestattet, ohne Aufenthalt dasselbe (Vieh) über den Weg zu führen.<br>4. Belegen des Weges mit Holz, Stroh, Laub und dergleichen Gegenstände, überhaupt Belästigung des Verkehrs auf dem Weg, (Verlegen des Eingangs zum Weg) sind dem B untersagt.<br>5. Jede Zuwiderhandlung gegen die Punkte 2 bis 4 wird gegen B mit einer an A fallenden<br>Conventionalstrafe von 3 Gulden für den einzelnen Fall geahndet.<br>6. Die Convention schließen die Parteien für sich und ihre Besitznachfolger ab, auch soll der Inhalt dieser im Güterbuch eingetragen werden.<br>7. A behält sich das Recht vor, von dem Vertrag (innerhalb) der nächsten 24 Stunden zurückzutreten. Abends 5 Uhr.</p>
<p>Aufschlußreich ist, welche Punkte angesprochen werden. Da ist zunächst der Streit der Nachbarn über die Frage zu nennen, wer den gemeinsamen Weg zu welcher Uhrzeit und zu welchem Zweck betreten durfte. Hierbei handelt es sich wohl um “gewöhnliche” nachbarschaftliche Mißgunst. Von einer gewissen wirtschaftlichen Bedeutung war jedoch die Beseitigung bzw. das Einsammeln des Dungs, da man vor 100 Jahren immer noch auf den Kuhmist als natürlichen Dünger angewiesen und die Landwirtschaft die Haupternährungsquelle der Bewohner Oberkochens war.&nbsp;</p>
<p>Das Protokoll über die Wegstreitsache ist damit in der heutigen Zeit eine Erinnerung an die ehemalige Bedeutung der Landwirtschaft als Erwerbsmöglichkeit für große Bevölkerungsteile, gleichzeitig werden die Grenzen deutlich, die der Düngermangel in der landwirtschaftlichen Produktion setzte.&nbsp;</p></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Der Volkmarsbergturm</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/der-volkmarsbergturm/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Jan 1984 23:00:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alt-Oberkochen Christhard Schrenk]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 1: Das Alltagsleben]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>1890 errichtete das Staatliche Vermessungsamt zu Meß- und Orientierungszwecken einen Holzturm auf dem Volkmarsberg. Diesen Turm konnte 1897 der Albverein erwerben und um fünf Meter auf 16 Meter erhöhen. Am 27. Juni 1897 war die Einweihung, die durch einen wolkenbruchartigen Regen gestört wurde. Der Turm stand über dem Signalstein am höchsten Punkt des Berges. Seine Grundfläche betrug 20 und seine Fläche oben vier Quadratmeter. Vom alten Holzturm aus konnte man sehen: Burgberg, Flexener, Wellerstein, Hesselberg mit den glänzenden Kalkfelsen; im Südwesten die hochgelegenen Aalbuchdörfer Gerstetten, Dettingen, Hausen o.L., Böhmenkirch und Steinenkirch. Bei klarster Witterung sah der Wanderer die Ulmer Münsterspitze, die Oberstdorfer Alpen bis zu Benediktenwand und die Schneehäupter vom Säntis bis zur Zugspitze.</p>
<p>Bald war der Holzturm jedoch baufällig geworden und ohne Gefahr nicht mehr zu besteigen. 1905 wurde er gesperrt und 1911 von einem Sturm aus dem Gefüge gerissen und niedergelegt. Die darauf sofort entstandene Idee, einen massiven Steinturm zu bauen, konnte aber wegen der Kriegszeit und der Wirren danach erst 1929/30 in die Tat umgesetzt werden.</p></div>
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		<title>Weihnachten um 1900</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/weihnachten-um-1900/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Jan 1984 23:00:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alt-Oberkochen Christhard Schrenk]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 1: Das Alltagsleben]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Weihnachtsfest in vielen Punkten ähnlich begangen wie heute. Die drei Stichworte sind Gottesdienst, Christbaum und Geschenke, wobei heute die Schwerpunkte meist anders verteilt sind als früher.<br>Für die Schulkinder begann das Weihnachtsfest um 1900 am Heiligabend um ½ 5 Uhr in der Schule. Sie trafen sich in einem Klassenzimmer, das mit einem Christbaum geschmückt war. Dort wurden gemeinsam Weihnachtslieder gesungen, und jedes Kind erhielt einen Lebkuchen und zwei “Springerle”. Während dieser Zeit schmückten die Eltern zuhause den Weihnachtsbaum beispielsweise mit Glaskugeln und Kerzen. Für die Kinder war das Betreten des “Weihnachtszimmers” streng verboten und deshalb der heimliche Blick durchs Schlüsselloch umso verlockender.<br>“Als es dann endlich so weit war”, betrat die ganze Familie das weihnachtlich geschmückte Zimmer. Man sang gemeinsam Lieder, und der Vater las die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel vor. Danach wurde nochmals gesungen und gebetet, und das Nachtessen schloß sich an. Das “Christkindle” kam dann erst in der Nacht. Die Geschenke fielen bei weitem nicht so üppig aus wie heute. So bekamen die Mädchen z.B. eine Puppe. Im nächsten Jahr gab es dann als Weihnachtsgeschenk dieselbe Puppe mit neuen Kleidern. Manchmal erhielten die Töchter auch eine oder zwei “Zopfmaschen” (Haarschleifen) oder eine neue Schürze.</p>
<p>Der nächste Morgen begann für die katholischen Gemeindeglieder um fünf Uhr mit dem Engelamt, an dessen Stelle heute die nächtliche Christmette steht. Zwei Stunden später gingen die Katholiken zum Hirtenamt, und um neun Uhr versammelten sie sich zum Hochamt erneut in der Kirche. Beim Engelamt um fünf Uhr war es noch dunkel. Weil die Kirche nur vorne rechts und links spärlich erleuchtet war, brachten die Gottesdienstbesucher Kerzen mit, deren Schein die Kirche erhellte.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><div id="attachment_29009" style="width: 1210px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-29009" class="wp-image-29009 size-full" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/Abbildung-2-Oberkochen-vor-1900.jpg" alt width="1200" height="969"><p id="caption-attachment-29009" class="wp-caption-text">Abbildung 2: Oberkochen vor 1900</p></div></div>
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		<item>
		<title>Hochzeit um 1900</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/hochzeit-um-1900/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Jan 1984 23:00:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alt-Oberkochen Christhard Schrenk]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 1: Das Alltagsleben]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Ein Hochzeitsfest begann mit dem “Einzug” schon am Abend vor der Trauung. Am Morgen des Einzugstages suchte die Braut das Schulhaus auf. Sie hatte einen Zettel bei sich, auf welchem alle Personen notiert waren, die sie zum Einzug einladen wollte. Einige von der Braut ausgewählte Kinder bekamen für zwei Stunden schulfrei, um den entsprechenden Leuten die Einladung zum Einzug mitzuteilen. In den jeweiligen Häusern sagten sie ein Sprüchlein auf: “Sind auch freundlich eingeladen zum Einzug von .… “. Nach ihrer Runde im Ort wurden die Kinder im Elternhaus der Braut erwartet. Dort stand für sie Brot, Käse und Limonade bereit. Für die Kinder war es eine ganz besondere Ehre, die Einladungen zum Einzug ausrufen zu dürfen. Diese Sitte wurde um das Jahr 1905 abgeschafft. Einmal verkündeten vier oder fünf Kinder einen Einzug, der überhaupt nicht stattfand. Sie wollten “eben auch einmal” von Haus zu Haus ziehen und den in diesem Fall sehr überraschten Erwachsenen das Sprüchlein darbieten. Die junge Frau übrigens, zu deren angeblichem Einzug die Kinder damals einluden, starb vor einiger Zeit unverheiratet im Alter von etwa 90 Jahren.</p>
<p>Am Einzugsfest transportierten die Brautjungfern das in langen Jahren in der Aussteuerkiste angesammelte “Beibringens der Ehefrau” in Waschkörben vom Elternhaus der Braut in das Haus des Bräutigams. Daher kommt der Name “Einzug”. Die Aussteuer wurde im neuen Heim der Braut aufgebaut und den zukünftigen Verwandten gezeigt. Wenn die Trauung an einem Dienstag stattfand, beging das Brautpaar den Einzug am Montagabend. Meist jedoch wurde an einem Montag geheiratet, so daß der Einzug wegen der “Sonntagsheiligung” schon am Samstagabend stattfand. Das hatte allerdings aus der Sicht der Pfarrer den Nachteil, daß dann einige seiner “Schäfchen” am Sonntagmorgen vom Einzugfeiern müde waren und nicht in der Kirche erschienen. Sie hielten deshalb eine Trauung lieber am Dienstag als am Montag.</p>
<p>Die Einladung zur Hochzeitsfeier wurde nicht per Post verschickt, sondern durch den “Hochzeitslader” überbracht. Um 1930 versah Karl Elmer diesen Dienst. Wenn Elmer als Hochzeitslader in Aktion trat, setzte er als “Dienstkleidung” eine Schildkappe auf, die er meist mit einer Rose verziert hatte. Er suchte nacheinander die Häuser der Eingeladenen auf und sprach im Auftrag der Brautleute die Einladung aus: “Mer isch eiglada zur Hochzeit am… . Und vergesset auch s’Schenken net.” Dabei notierte er, wer kommen würde und wer verhindert war.</p>
<p>Am Hochzeitstag sammelten sich die Gäste um ½ 9 Uhr bei einem der Wirtshäuser. In einem langen Zug, den drei oder vier Musikanten anführten, marschierten die Festgesellschaft zur Kirche. Am Straßenrand “hat alles zugeguckt”. Nach der Trauung zog die Hochzeitsgesellschaft mit Marschmusik ins Gasthaus zurück. Die Musiker hatten inzwischen meist in einer Wirtschaft abgewartet und sich dort auf ihre Aufgabe “vorbereitet”, den restlichen Tag zur Unterhaltungsmusik zu spielen. Der erste Tanz hieß Brauttanz und war den Brautleuten vorbehalten. Er fand noch vor dem Mittagessen statt. Die junge Ehefrau trug ein schwarzes Brautkleid mit weißem Schleier. Dieses Kleid war aus wertvoller Seide gearbeitet und wurde nach der Hochzeit bei festlichen Anlässen getragen. Weiße Brautkleider kamen in Oberkochen frühestens ab 1920 auf.</p>
<p>Nach dem Brauttanz wurde bald das üppige Mittagsmahl aufgetragen. Als erste Vorspeise konnte es eine Suppe serviert werden und als zweite ein Stück Fleisch mit Senf oder “Gsälz” (z.B. aus Preiselbeeren). Als Hauptgericht war ein Schweinebraten mit Salaten und Sauerkraut beliebt. Oft wurde auch noch Blut und Leberwurst serviert. Die Festgäste hatten neben ihrem Gedeck einen zusätzlichen Teller stehen, auf den sie die übriggebliebenen Speisen für die Daheimgebliebenen zurücklegten. Die “vollgepackten”, Teller schickten die Hochzeitsgäste nach Hause.</p>
<p>Die Festgesellschaften waren unterschiedlich groß, oft setzten sie sich aus 50 bis 100 Personen zusammen. Eingeladen wurden Eltern, Paten, Geschwister, “Geschwisterkinder”, und gute Freunde. Es war üblich, das die Gäste das Mittagessen selbst zu bezahlen, indem sie einen Pauschal-betrag entrichteten. Nur für Eltern und Geschwister kam das Brautpaar auf.</p>
<p>Nach dem Festessen stand eine besondere Attraktion auf dem Programm: der “Hochzeitsstrauß”. Dabei konnte jeder, der dies wollte, jedem der Anwesenden ein kleines Geschenk zukommen lassen. Alle vorbereiteten und mit dem Namen des Empfängers versehen Päckchen wanderten in einen großen Korb. Danach rief der Wirt die Namen aus und verteilte die kleinen Aufmerksamkeiten. Es war sehr spannend, wer ein Päckchen, einen sogenannten Hochzeitsstrauß, bekommen würde oder für wen sogar mehr als eines abfallen könnte. Die Päckchen enthielten kleine Geschenke wie z.B. eine Schere, einen Teller oder ein Figürchen.</p>
<p>Abends stand noch die “Schenk” auf dem Programm. Dabei lieferten viele Dorfbewohner ein kleines Brautgeschenk in Form von Bargeld ab. Zu diesem Zweck stand eine Suppenterrine, die mit einem Teller abgedeckt war, auf dem Tisch. Das Brautpaar hielt sich direkt neben diesem Tisch auf. Die Gratulanten überbrachten den jungen Eheleuten ihre Glückwünsche und warfen ihr Brautgeschenk, meist ein oder zwei Mark, in den Suppentopf.</p>
<p>Abends machte dann ein 5‑Liter-Bierkrug die Runde. Erst gegen Mitternacht klang das Hochzeitsfest aus.</p>
<p>Bei einer Hochzeit wurde aber nicht nur gefeiert, es waren manchmal auch juristische Angelegenheiten zu regeln. Dabei konnten z.B. Eheverträge abgeschlossen werden, in denen schriftlich festgehalten wurde, welche Güter und Gegenstände die beiden Neuvermählten mit in die Ehe brachten. Weil solche Verträge interessante Aufschlüsse über Preise und Preisrelationen, über Aussteuer und Haushaltseinrichtungen usw. bieten, sei ein Beispiel aus Oberkochen aus dem Jahre 1898 angefügt.</p>
<p>Oberkochen Gerichtsbezirk Aalen<br>Verhandelt den 20. August 1898 vor der Inventurbehörde.<br>Anwesend: Gerichtsnotariatsverweser Abt in Aalen, Waisenrichter: Schultheiß Betzler und Gemeinderat Sapper.</p>
<p>Beibringens Inventar des…, Oberkochen<br>und seiner ersten Ehefrau …, Oberkochen</p>
<p>Die Eheleute haben sich am 18. Juli 1898 in Oberkochen verehelicht, dieselben haben vom Landrecht abweichende Bestimmungen nicht getroffen.</p>
<p>Zur Vornahme des Geschäfts fanden sich auf Vorladen ein:<br>Die beiden Neuverehelichten, die Eltern des Ehemanns und der Vater der Ehefrau, welche zunächst zu getreuer Vermögensangabe unter Hinweis auf künftig mögliche eidliche Erklärungen erinnert werden.</p>
<p>Nach ihrer Angabe bestehet:<br>I. das Beibringen des Ehemanns in<br>Liegenschaft .… . 0 Mark<br>Fahrniß .… .… . 0 Mark<br>Bargeld .… .… . 0 Mark</p>
<p>- Geschmuck und Silber:<br>1 silberne Taschenuhr .… 10 M</p>
<p>- Manngkleider<br>1 Cylinderhut .… 8 M<br>1 grauer Filzhut .… 2 M<br>1 schwarzer Anzug .…<br>(Rock, Hose, Weste) .… 50 M<br>1 grauer Anzug (ebenso) .… 35 M</p>
<p>- Leibweißzeug<br>12 Hemden a 2 M .… 24 M<br>12 Paar Strümpfe a 50 Pf 6 M<br>12 Taschentücher ä 25 Pf 3 M<br>- Schreinwerk<br>1 tannener Kleiderkasten 20 M</p>
<p>- Bettgewand<br>1 vollständiges Bett, bestehend aus einem<br>Oberbett, Unterbett, Bettrost. tannener<br>Bettlade und zweifachem<br>Überzug 90 M</p>
<p>—————————</p>
<p>Summe 251 M<br>Forderungen 0 M</p>
<p>Sämtlich Heiratsgut bzw. Aussteuer von den Eltern, welche seinerzeit den Geschwistern gegenüber einzuwerfen sind: schuldenfrei!</p>
<p>II. Das Beibringen der Ehefrau in:<br>Liegenschaft .… 0 M<br>Fahrniß .… 0 M<br>Bargeld .… 0 M</p>
<p>- Bücher<br>1 Goffine .… 3 M<br>1 Gebetbuch .… 6 M</p>
<p>- Frauenkleider<br>Diese werden unter Verzicht auf Inventarisation<br>und Specification sowie künftige Revision einschließlich<br>Leibweißzeug summarisch angeschlagen<br>zu .… . 80 M<br>und zwar<br>Aussteuer vom Vater .… 50 M<br>Eigenes .… 30 M</p>
<p>- Bettgewand und Leinwand<br>2 Betten, bestehend aus je einem Oberbett,<br>einem Unterbett, 2 Haipfel, 1 Kissen,<br>Bettrost, tannener Bettlade und<br>Bettüberwurf a 90 M .… 180 M<br>12 Oberbettziechen a 2 M … 24 M<br>12 Haipfelzipfelchen a 1,20 M 14 M 40 Pf<br>12 Kissenziechle a 1 M .… 12 M<br>12 Leintucher á 2 M .… 24 M<br>4 Tischtücher á 1,50 M 6 M<br>12 Handtücher á 30 Pf .… 3 M 60 Pf<br>12 Taschentücher á 25 Pf … 3 M</p>
<p>- Schreinwerk<br>1 Sofa .… . 46 M<br>1 einfacher tannener<br>Kleiderkasten .… 10 M<br>1 Weißzeugkasten .… 30 M<br>1 Kommode 20 M<br>2 Stuhle… 7 M<br>1 Tisch .… 13 M<br>1 Küchenkasten .… 12 M<br>1 Nachtischle .… 9 M<br>1 Mahlsindel . . 9 M<br>1 Wasserbank .… 2 M<br>1 Fußscheinel .… . 2 M<br>1 Nudelbrett … 2 M</p>
<p>- Faß- und Bandgeschirr<br>1 Waschzuber .… 6 M</p>
<p>- allerlei Hausrat<br>3 Portraits .… 6 M<br>1 Armkorb .… 1 M<br>1 Waschkorb .… 1 M<br>1 Brotkörble .… 0 M 40 Pf</p>
<p>——————————————–</p>
<p>Summe: 532 M 40 Pf</p>
<p>Forderung bei dem Vater der Ehefrau:<br>versprochene Heiratsgut zahlbar am 1. September 1898 und bis dahin unverzinslich<br>. 750 M (geschrieben: siebenhundertfünfzig Mark)</p>
<p>Summe Fraubeibringens … 1282 M 40 Pf</p>
<p>und zwar<br>eigenes Vermögen .… 30 M<br>Heiratsgut und Aussteuer<br>vom Vater .… 1252 M 40 Pf</p>
<p>zunächst auf Abrechnung am<br>unausgemittelten Muttergut 1282 M 40 Pf</p>
<p>Summe Beibringens beider<br>Ehegatten .… 1553 M 40 Pf</p>
<p>Die Ehefrau darüber belehrt, erklärt: Ich verzichte auf Sicherstellung meines beweglichen Beibringens mittels Vormerkung des allgemeinen Pfandrechtstitels.</p>
<p>Vorgelesen und anerkannt<br>t .… . t .… .<br>t .… . t .… .<br>t .… .</p>
<p>Beschluß:<br>Dieses Geschäft (ist) hiermit als erledigt zu betrachten.</p>
<p>Zur Beurkundung<br>Gerichtsnotariat Waisengericht<br>Amtsverweser<br>Abt Betzler, Sapper</p>
<p>1/2 Tag</p>
<p>Kosten:</p>
<p>an die Staatskasse .… 4 M 50 Pf<br>Schultheiß Betzler .… . 2M<br>Gemeinderat Sapper …1 M 50 Pf<br>Amtsdiener .… .… . . 1 M 40 Pf<br>Einband .… .… .… .… 40 Pf<br><span style="text-decoration: underline;">Eine Abschrift .… .… .…80 Pf</span><br>10M 60 Pf</p>
<p>AN diesen Verhältnissen hat sich in den letzten 100 Jahren viles grundlegend geändert. So erhalten heute die Töchter statt Heiratsgut meist eine Ausbildung. Besonders eindrucksvoll ist das “eigene Vermögen” der Braut von 30 Mark. Wesentlich mehr konnte vor 100 Jahren eine junge Frau vor ihrer Heirat kaum ersparen.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><div id="attachment_29007" style="width: 1210px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-29007" class="wp-image-29007 size-full" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/Abbildung-3-Oberkochen-im-Jahre-1897.jpg" alt width="1200" height="875"><p id="caption-attachment-29007" class="wp-caption-text">Abbildung 3: Oberkochen im Jahre 1897</p></div></div>
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		<title>Oberkochen zu Beginn des 20. Jahrhunderts</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/oberkochen-zu-beginn-des-20-jahrhunderts/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Jan 1984 23:00:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alt-Oberkochen Christhard Schrenk]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 1: Das Alltagsleben]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>1898 wurde die alte katholische Pfarrkirche abgerissen und nach einer sehr kurzen Bauzeit unter Pfarrer Emil Bucher am 25. Oktober 1900 wieder neu eingeweiht. Die Innenarbeiten in der St.-Peter- und-Paul-Kirche nahmen aber noch über 10 Jahre in Anspruch.</p>
<p>Im Jahre 1900 entstand ein neues katholisches Schulhaus: Der rote Backsteinbau in der Dreißentalstraße, der für lange Zeit in etwa das Ortsende in Richtung Volkmarsberg markierte. Aus diesem Schulhaus entwickelte sich später die Dreißentalschule.</p>
<p>Ebenfalls um die Jahrhundertwende trug sich eine der heute noch am bekanntesten Geschichten zu, die in verschiedenen Versionen erzählt, wird.</p>
<p>In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg stand in Oberkochen die konservative katholische Zentrumspartei unangefochten hoch im Kurs. Die Sozialdemokratengruppe in Aalen versuchte trotzdem, in Oberkochen Anhänger zu gewinnen und hielt deshalb politische Werbeversammlungen ab. Eine solche abendliche Versammlung fand einmal im Winter im “Hirsch” statt. Die Aalener Sozialdemokraten kamen mit ihrem Pferdeschlitten zu diesem Zweck durch das verschneite Kochertal angereist und stellten ihre “Chaisse” in der “Garage” des “Hirsch” ab. Zwar besuchten angeblich nur wenige Oberkochener diese politische Veranstaltung, dennoch ärgerten sich “einige junge Kerle vom Zentrum” über die ganze Sache und überlegten, welchen Streich sie den Aalenern spielen könnten.</p>
<p>Damals war an eine Kanalisation in Oberkochen noch nicht zu denken, ebensowenig an Toiletten mit Wasserspülung. Eine Abortgrube übernahm die entsprechende Funktion. Von Zeit zu Zeit mußte man diese Grube, die sich “auf natürliche Weise” füllte, ausschöpfen. Dies geschah mit einem Eimer, der an einem langen Stiel befestigt war. Mit diesem sog. “Schapf” beförderte man den Grubeninhalt zum Abtransport in ein großes Güllefaß.</p>
<p>Der “Streich” der jungen Leute basiert auf dieser Situation. Heimlich und unbemerkt “lupften” sie den Deckel einer nahegelegenen Abortgrube, nahmen einen Schapf Grubeninhalt mit und leerten ihn in die Kutsche der Sozialdemokraten hinein. Weil die Nacht “bitter kalt” war, fror alles schnell fest. Nach dem Ende ihrer politischen Versammlung gegen Mitternacht hüllten sich die Aalener in ihre Mäntel und Decken und fuhren nach Hause. Durch die Körperwärme, die sie ausstrahlten, taute der Grubeninhalt in ihrem Pferdeschlitten langsam auf. Das machte sich durch immer stärker werdende eindeutige Gerüche bemerkbar. Auf der Suche nach der Ursache für die eigenartigen Düfte soll einer der Aalener gesagt haben: “Des riecht grad, wie wenn einer in Schlitta neigschißa hätt”. Das trug den Oberkochener den wenig hoffähige Beinamen “Schlittenscheißer” ein.</p>
<p>Nach der Jahrhundertwende fuhr zum ersten Mal ein Auto durch Oberkochen. In diesen Jahren war jedes Auto noch etwas ganz Besonderes (“des war a Fescht”). Der Unterkochener Arzt Dr. Schmitt war die erste Person, die mit einem Auto durch Oberkochen ratterte. Es handelte sich dabei um einen Opel “aus der ersten Serie”, also um ein “echtes Museumsstück”. Dieser Wagen hatte das Lenkrad auf der rechten Seite und mußte vorne mit einem “Triebel” angelassen werden. Die Hupe war außerhalb des “Fahrerhauses” montiert und wurde durch Zusammenpressen eines großen “Gummibollens” betätigt. Der erste Lastwagen, der durch Oberkochen fuhr gehörte der Brauerei Neff in Heidenheim. In diesem Lastwagen, der noch mit Vollgummireifen ausgestattet war, lieferte Neff das Bier an den Gasthof “Grüner Baum”. Auch der erste Lieferwagen, der in Oberkochen zu sehen war, transportierte Getränke. Die Firma Hans Stützel aus Aalen belieferte einige Oberkochener Gasthäuser mit Limonade, die in Fässern abgefüllt war.</p>
<p>Ob es sich um ein Auto, einen Lieferwagen oder einen Lastwagen gehandelt hat, immer konnte man das Gefährt schon von weitem heranrattern hören, und die riesige Staubwolke, die es hinter sich her zog, war weit zu sehen. Die Straßen hatten damals noch keine Teer oder Asphaltschicht. Nach heutigem Verständnis kamen sie Schotterwegen aus zerkleinerten Kalksteinen gleich. Auf den Steinen lag eine zentimeterdicke Staub–&nbsp; und Dreckschicht. Immer, wenn es kräftig genug geregnet hatte, wurde aus dieser Staubschicht eine dicke schwarze “Suppe”. Der Straßenwart, in den zwanziger Jahren Martin Schoch, hatte die Aufgabe, die Wege regelmäßig “abzulaufen”, diesen Dreck mit großen, langen Schaufeln an den Straßenrand zu schieben und zu kleinen Häuflein aufzurichten. Da der Staub z.T. aus dem Kalk der Straßensteine bestand, wurde der “Straßendreck” beim Trocknen fest und konnte als Füllmaterial beim Bau oder zum Ausbessern z.B. der Ställe verwendet werden. Damals standen noch einige Häuser aus behauenem Naturstein in Oberkochen.</p>
<p>Während der “Straßendreck” für die Erwachsenen nützlich sein konnte, bereitete er vielen Kindern eine besondere Freude. Es war ein “schaurig-schönes” Gefühl im flüssigen “Straßendreck” herumzulaufen und die “Suppe” zwischen den Zehen hindurchquellen zu lassen. Der Staub bei Trockenheit — und noch viel mehr der Schlamm bei Nässe — führte, das sei am Rande ebenfalls erwähnt, oft zu extrem schmutzigen Schuhen. Entsprechend aufwendig war auch das Schuheputzen, das immer eine Aufgabe der Töchter, so gut wie nie die Arbeit der Söhne war. Dabei mußte man zuerst den gröbsten Dreck mit einem Messer “wegscharren”. Natürlich benutzte man ein stumpfes Messer, um das Leder nicht zu beschädigen. Danach war mit einer Abreibebürste der feinere Dreck zu entfernen. Erst im nächsten Arbeitsgang konnte mit Schuhcreme eingeschmiert und “glänzig” gerieben werden.</p>
<p>In dieser Zeit gab es noch keine Gehwege neben der Straße. Sie waren auch nicht nötig, da man sich damals so gut wie ungestört und auch gefahrlos auf der Straße bewegen konnte.</p>
<p>Damals gab es außer den Straßen sehr viele kleine Wege und Gäßchen, von denen heute leider die meisten verschwunden sind. Trotzdem sind den Kennern der “Oberkochener Altstadt” noch einige dieser schönen, alten und verschlungenen Wege bekannt (z.B. am Kocher bzw. Kocherkanal entlang), und ” es kam schon vor”, daß einige Alt-Oberkochener in einer hellen Mondnacht beschlossen: “Komm, jetzt ganga mer ge Wegla Loffa”, um diese liebenswerten Gäßchen wieder einmal zu durchstreifen.</p>
<p>Eine ähnlich große Attraktion wie das Auto war in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts das Hochrad von Posthalter Späth, das in dieser Zeit das einzige “Veloziped” im Ort war. Üblicherweise bewegte man sich zu Fuß oder im Kuhwagen fort. Offenbar wurden die Pferde in Oberkochen in diesen Jahren immer seltener. Der Grund: “D’ Gäul sind für da Hang wenig geeignet und d’ Küh gäbet zusätzlich Milch”.</p>
<p>Im Februar 1905 wütete ein großer Brand in Oberkochen. Fünf Häuser beim heutigen “Gubi” (damals eine Huf und Nagelschmiede) fielen den Flammen zum Opfer. Zwei Menschen wurden verletzt, und es entstand ein beträchtlicher Sachschaden. Manche Bewohner der brennenden Häuser konnten außer ihrem Leben nur die Kleider retten, die sie auf dem Leib trugen. Die Brandursache blieb ungeklärt, immer wieder ist in diesem Zusammenhang jedoch von Brandstiftung die Rede. Daß das Feuer fünf Häuser auf einmal vernichten konnte, lag an der damaligen Bauweise: Die verbrannten Gebäude waren nur durch ganz enge Wege getrennt, so daß das Feuer sehr schnell übergreifen konnte.</p>
<p>Wenige Jahre später (um 1908) war der erste Skifahrer in Oberkochen zu bewundern. Er kam mit seinen “Brettern” den Katzenbach entlang und kehrte im “Hirsch” ein. Er stellte seine Skier vor dem Wirtshaus ab, und schnell sammelten sich staunende Kinder um dieses unbekannte Fortbewegungsmittel.</p>
<p>In jenen Jahren — und auch noch einige Zeit später — gab es in Oberkochen wie überall einen Steuereinnehmer, der die verschiedenen Abgaben kassierte. Die Steuern waren eine Bringschuld, man mußte das Geld also in das Haus des jeweiligen Steuereinnehmers tragen. Der letzte Vertreter dieses Berufsstandes in Oberkochen war Anton Hug, der 1913 starb. Die bei ihm abgelieferten Beträge trug er mit Tinite in ein großes Buch ein, über das Geschriebene streute er zum Trocknen Sand.</p>
<p>Auf dem Speisezettel standen damals oft “Knöpfle”, die aufwendigen “Spätzle” galten schon fast als “Herrenessen”. Ein noch wichtigeres Nahrungsmittel waren in manchen Familien Kartoffeln. Oft gab es schon zum Frühstück Pellkartoffeln oder eine Kartoffelsuppe, und abends wurde eine große Pfanne Bratkartoffeln zubereitet. Auch aß man Kartoffelpüree; Salzkartoffeln und Kartoffelklöße waren damals noch unbekannt. (Diese Gerichte konnten sich in Oberkochen erst mit dem Zuzug der Neubürger nach dem Zweiten Weltkrieg durchsetzen). Als Vesper gab es eine Rote oder einen Landjäger sowie Backsteinkäse. Schinkenwurst war schon etwas Besonderes. Ebenfalls nur ganz selten wurde das Kranzbrot gebacken. Dieser süße Zopf, der etwa einen Meter lang und 25 Zentimeter breit sein konnte, kam nur zu hohen Festtagen — wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten — auf den Tisch. Häufiger wurden dagegen Pfannenkuchen, Siedfleisch oder Kutteln gegessen.</p>
<p>Ein typisches “Freitagsessen” waren “Bruckhölzer”, die auch heute noch gerne gekocht werden. Die Grundlage dieser Mahlzeit ist ein “Schupfnudelteig”, der in die Form fingerdicker “Rollen” gebracht wird. Diese Teigrollen sind dann Lage für Lage gitterförmig in einem Kochtopf übereinanderzuschichten, mit Milch zu übergießen und zu backen.</p>
<p>Viele Hausfrauen stellten jeden Samstag den Teig für die “weißen Kipf” her. Die Zutaten sind sehr einfach: Zwei Pfund Mehl, Milch, Hefe und Salz. Auf luxuriösere Dinge wie Eier wurde verzichtet. Den “Kipfteig” brachte man in einer Schüssel zu einer der vier Bäckereien Geißinger, Sachter, Storchenbäck Widmann (der lange Zeit ein Strochennest auf dem Dach hatte) und Wannenwetsch. Der Bäcker formte aus dem Teig die langen Weißbrote und buk sie goldgelb und knusprig. Die “Kipf” waren zum Eintunken in den Kaffee gedacht und mußten eine ganze Woche bis zum nächsten Samstag “reichen”, oft waren sie aber schon am Donnerstag verzehrt. Sonntags gab es “Kathreiners-Malzkaffee”.</p>
<p>Heute mag es erstaunlich klingen, daß man die “Kipf” weder völlig selbst gebacken noch ganz fertig beim Bäcker eingekauft hat, sondern sich nur den Teig ausbacken ließ. Für damalige Verhältnisse war das nichts Besonderes, denn die Bäcker waren meist Kundenbäcker. Ein Bäckerladen mit Verkauf stellte eher die Ausnahme dar. Weil man früher einerseits so viel wie möglich selbst herstellte, sich andererseits aber ein großer Backofen nicht für jede Familie lohnte, lag der beschriebene Mittelweg nahe. Aus demselben Grund gab es im Ort auch nur ein “Gsälzhäusle”, nur eine Dreschmaschine usw. Die Idee, die heute in der Landwirtschaft unter dem Stichwort “gemeinsamer Maschinenpark” immer stärker aufkommt, ist also schon alt.</p>
<p>Weit herumzukommen oder gar fremde Länder zu besuchen war damals für die meisten Leute die Ausnahme, wenn auch viele Männer als Soldaten im Ersten Weltkrieg ausländischen Boden betreten hatten. Für manche begann “die große weite Welt” schon in einer Entfernung von wenigen Dutzend Kilometern. Es wird von einer alten Frau erzählt, die ihr Leben lang Oberkochen so gut wie nie verlassen hatte. Im hohen Alter besuchte sie zum ersten Mal das Härtsfeld. Dabei soll sie ausgerufen haben: “I hab gar net gwußt, daß d’Welt so groß isch”.</p>
<p>Wer damals etwas in Aalen einkaufen wollte, mußte nicht unbedingt selbst in die benachbarte Stadt fahren. Was heute große lndustriebetriebe zwischen den Kontinenten unterhalten, gab es damals zwischen Aalen und Oberkochen: Es war ein täglicher Botendienst eingerichtet. Auf diese Weise konnten die Oberkochener wichtige Besorgungen erledigen lassen. Der Bote fuhr jeden Morgen mit dem Zug nach Aalen; die einfache Bahnfahrt kostete übrigens 20 Pfennige, der Preis nach Unterkochen betrug die Hälfte. Wer Schuhe kaufen wollte, konnte sich einige Paare zur Auswahl mitbringen lassen und in Oberkochen anprobieren. Der Rest ging am nächsten Tag wieder nach Aalen zurück. Wichtig waren diese Kurierdienste, die lange Zeit Klara Fischer (“Böde”) versah, auch für Arzneimitteleinkäufe, denn erst seit der Eröffnung der Apotheke Irion im Jahre 1950 waren auch in Oberkochen Arzneimittel erhältlich.</p>
<p>An dieser Stelle sei noch eine kleine Geschichte berichtet, die sich um die Jahrhundertwende in Oberkochen zugetragen hat. Damals badeten die Jungen oft und gerne im Kocher, während für Mädchen dieses Vergnügen verboten war. Einmal mißachtete eines der Mädchen das Badeverbot und tummelte sich zusammen mit den Jungen im Wasser. Zufällig kam der katholische Ortsgeistliche vorbei und tadelte die Kleine: “Man badet doch nicht mit Buben zusammen!”. Darauf entgegnete das Mädchen mit ängstlicher und reuevoller Stimme: “Herr Pfarrer, i hab net gwußt, daß des Buba sind, die habet ja keine Hosen anghabt”.</p></div>
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		<title>Oberkochen um den Ersten Weltkrieg</title>
		<link>https://oberkochen-heimatverein.de/oberkochen-um-den-ersten-weltkrieg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stefan]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Jan 1984 23:00:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alt-Oberkochen Christhard Schrenk]]></category>
		<category><![CDATA[Teil 1: Das Alltagsleben]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Zu Beginn unseres Jahrhunderts war Oberkochen ein Ort mit etwa 1.300 Einwohnern, also für damalige Verhältnisse kein ganz kleines Dorf, wie es heute manchmal behauptet wird. Doch nur relativ wenige Gebäude aus dieser Zeit sind bis in unsere Tage unverändert erhalten geblieben. Außer einigen Privathäusern sind dies eigentlich nur die katholische Kirche und das rote Schulhaus der Dreißentalschule (“Fuchsbau”).</p>
<p>Geprägt war Oberkochen — außer von der Bohrermacherindustrie — in erster Linie von der Landwirtschaft; eine sehr große Rolle spielte aber auch das Hafnergewerbe. Im äußeren Ortsbild dominierten neben vielen Hafnerhäusern die Bauernhäuser, welche unschwer an den “Misthaufen” vor dem Haus am Straßenrand zu erkennen waren. Da eine Kanalisation erst nach dem Zweiten Weltkrieg verwirklicht wurde, flossen Regen und Abwässer in einer “Kandel” am Straßenrand ab.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Die Bauern betrieben Ackerbau und etwas Viehzucht. Hauptsächlich wurde Dinkel gesät, aber auch Gerste, Hafer, Kartoffeln, Rüben usw. gezogen. Um die Zeit des Ersten Weltkrieges wurde in Oberkochen der erste Weizen angebaut, der ertragreicher und leichter zu verarbeiten ist als Dinkel. Verbreitet war auch der Hafer.</p>
<p>Die beste Düngung, die man damals kannte, war die Schafdüngung. Die entsprechenden “Pferchnächte” wurden auf dem Rathaus versteigert. Der Schäfer erschien daraufhin an dem vereinbarten Tag mit seiner Herde und dem Schäferkarren auf dem Grundstück. Er grenzte mit langen Gittern einen bestimmten Teil des Ackers ab. Nachts sperrte er die Schafe in diesen Pferch. Was die Schafe fallen ließen, blieb als Dung liegen. Die Schafdüngung kostete pro Nacht etwa den Tageslohn eines Fabrikarbeiters. Für die Bauern, die ohnehin immer nur wenig Bargeld besaßen, war dies ein sehr hoher Preis, zumal damit nur ein Bruchteil eines einzigen Ackers versorgt war. Nicht jeder Bauer konnte sich diese teure, aber sehr gute Düngungsart leisten, doch die Kosten “kamen an der Ernte wieder herein”.</p>
<p>Die Schafe weideten tagsüber an den Waldrändern rund um den Ort, im Wolfertstal, Zwerenberg und auf dem späteren Neubaugebiet “Heide”.&nbsp;Viele Neubürger Oberkochens werden sich schon gefragt haben, wie das heutige Waldgebiet “Heide” zu seinem Namen kam. Dieses Areal war früher tatsächlich Heideland: eine Wacholderheide. Erst als es fast keine Schafherden in Oberkochen mehr gab und die Tiere die junge Triebe nicht mehr “zurückstutzten”, begannen dort auch Bäume zu wachsen; ein Prozeß der teilweise durch planmäßige Aufforstung vorangetrieben wurde.</p>
<p>Die Wacholderbüsche auf der “Heide” dienten den Oberkochener Hausfrauen als Grundlage für einen honigartigen Sirup. Da in der Landwirtschaft während der Erntezeit jede Hand gebraucht wurde, war es günstig, daß die Wacholderbeeren erst im Herbst, also nach der Ernte, reiften. Man pflückte die Beeren aber nicht einzeln, sondern rüstete sich mit Handschuhen und einer Wanne aus, bevor man zu den Wacholderbüschen zog. Mit dem Körper preßte man die Wanne unter den Busch und streifte mit den Händen und Unterarmen die Wacholderbeeren direkt in die Wanne hinein (das sogenannte “Wacholderbeerstreifen”). In der Wanne sammelten sich auf diese Weise die Beeren, aber auch Nadeln und andere unbrauchbare Dinge an. Durch geschicktes Schwenken der Wanne und Hochwerfen sonderte man die Wacholderbeeren ab und brachte sie anschließend ins Tal. Den Sirup kochte nicht jede Familie bei sich zuhause, sondern man benützte gegen eine kleine Gebühr das “Gsälzhäusle”, das sich noch heute (wenn auch etwas umgebaut und frisch hergerichtet) auf dem Anwesen der Familie Gutknecht (Schreinergässle) befindet.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Zum “Gsälzen” waren zwei große Kessel nötig, deren Anschaffung sich nicht für jede Familie lohnte. Die Benutzer des “Gsälzhäusles” brachte ihr Brennholz für das Feuer und auch das Wasser aus dem Brunnen selbst mit. Zuerst mußten die Beeren mehrere Stunden in einem großen Kessel gekocht und danach ausgepreßt werden. Der dadurch entstandene Saft wurde in einem zweiten Kessel so lange weitergekocht, bis er Fäden zog und zu Sirup geworden war. Während dieses stundenlangen Vorgangs saß man oft noch bei Kerzenlicht zusammen und “schwätzte” mit den Nachbarn. Der für die Nieren heilsame Sirup wurde ohne Zucker zubereitet. Sirup wurde auch aus den jungen Tannentrieben gewonnen (“Tannenlempf”) und beliebt war ebenso das “Hägenmark” (“Gsälz” von Hagenbutten). Eine weitere wichtige Beerensorte, die in den Wäldern um Oberkochen noch heute weit verbreitet ist, waren die Himbeeren, und nicht zu vergessen sind die Heidelbeeren, die auf der Bilz wuchsen. In der kurzen Zeit der Beerenreife schickten die Eltern ihre Kinder jeden Tag in den Wald. Sie gaben ihnen ein Gefäß mit, das mit Beeren ganz gefüllt werden sollte. Da meist mehrere Kinder zusammen loszogen, war der Sammelehrgeiz sehr groß. Wenn die Suche einmal weniger erfolgreich ausgefallen war, gab es eine einfache Möglichkeit, das Mißergebnis zu verbergen und die Ernte wenigstens optisch etwas besser aussehen zu lassen. Einige erfinderische Kinder legten in diesem Fall unten in ihr Sammelgefäß Gras und füllten es nur oben mit Beeren auf. Begründung: “Leer heimganga isch mer net”.</p>
<p>Die Pilzsuche scheint übrigens in Oberkochen vor dem Zweiten Weltkrieg so gut wie unbekannt gewesen zu sein.</p>
<p>In die Zeit des Ersten Weltkrieges fällt auch ein heute humorvoll erzählter, damals aber doch ernster Zwischenfall im Zusammenhang mit den Bittprozessionen. Alljährlich fanden am Markustag (25. April) und in der Woche um Himmelfahrt von der katholischen Kirche aus Bittgänge und Feldbegehungen in alle Richtungen über die Äcker und Felder des Ortes statt. Dabei wurde um Segen für die Felder bzw. die Ernte und für günstiges Wetter gebetet. Am Markustag führte die Prozession traditionellerweise nach Unterkrochen, um in der dortigen Wallfahrtskirche eine Messe zu feiern. Um sechs Uhr morgens verließ der Zug mit Kreuz und Fahne die katholische Kirche in Richtung Unterkochen. Manche Kinder hatten fünf Pfennige mitbekommen, damit sie sich nach der Messe ein kleines Vesper kaufen konnten. Die Prozession führte an den Feldern entlang in Richtung Unterkochen bis zum Bahnhof der Nachbargemeinde und dann den Berg hinauf zu Wallfahrtskirche. Aber nicht nur die Oberkochener, sondern auch die Unterkochener unternahmen alljährlich am Markustag einen Bittgang. Deren Ziel war umgekehrt die katholische Kirche in Oberkochen, und folglich begegneten sich die beiden Prozessionszüge auf dem halben Wege. Jedes Jahr kamen bei diesem Zusammentreffen die alten Zwistigkeiten zwischen Ober und Unterkochen wieder neu zum Durchbruch.&nbsp;Schon wenn man sich aus der Ferne gegenseitig sah (das Unterkochener Kreuz war mit einem Band oder Schleier weithin sichtbar geschmückt), fingen beide Seiten an, ihr Gebet immer lauter und grimmiger zu verrichten. Bei der Begegnung versuchte jeder der beiden Züge, den anderen an Lautstärke zu überbieten und ihn dadurch aus dem Konzept zu bringen. Das berichten übereinstimmend verschiedene Teilnehmer der damaligen Prozessionen.&nbsp;Einmal, etwa 1916 oder 1917, trafen sich die beiden Prozessionszüge wieder auf halbem Wege zwischen Ober- und Unterkochen. Keiner war bereit, dem anderen auszuweichen. Schließlich gab der Zug aus Oberkochen nach und ging zur Seite. Einige Oberkochener Buben wollten aber nicht einsehen, daß gerade sie ausweichen mußten und bewarfen die Unterkochener mit Steinen, die überall am Wegesrand lagen. Offensichtlich waren die Angegriffenen von diesem Vorgang so überrascht, daß sie sich nicht dagegen zur Wehr setzten oder zurückschlugen. Schnell schritt der Oberkochener Polizeidiener Gold ein und sorgte für Ruhe und Ordnung. Er hatte an der Prozession teilgenommen und war deshalb sofort zur Stelle. Um solche Zwischenfälle nicht mehr zu provozieren, gingen später die Prozessionszüge auf getrennten Wegen zu ihrem jeweiligen Ziel, so daß sie sich unterwegs nicht mehr begegneten. Es soll auch vorgekommen sein, daß die Unterkochener mit Messern ihren Namen in die Oberkochener Kirchenbänke einritzten (damals waren die Bänke der St. Peter und Paul Kirche erst wenige Jahre alt), und die Oberkochener zahlten mit gleicher Münze heim.</p>
<p>Nach der Messe in Unterkochen erschien regelmäßig ein Brotverkäufer mit einem großen Brotkorb an der Wallfahrtskirche. Bei ihm konnte man für die mitgenommenen fünf Pfennige einen “Wecken” kaufen. Das Vesper wurde dann in Unterkochen verzehrt, bevor man den Rückweg nach Oberkochen antrat. Gegen Mittag waren die Prozessionsteilnehmer wieder zu Hause.</p>
<p>Während des Ersten Weltkrieges wurde in der katholischen Kirche jeden Abend um 18 Uhr eine Kriegsandacht für den Frieden und das Leben der Soldaten gehalten. In diesem Zusammenhang fand auch eine Wallfahrt nach Ellwangen statt, wobei der Hinweg in sechs Stunden zu Fuß, der Rückweg per Eisenbahn zurückgelegt wurde.</p>
<p>Die meisten Oberkochener mußten sehr sparsam leben. In diesem Zusammenhang war das Brennholz aus den Wäldern eines der wertvollsten Geschenke der Natur. Wer weder einen Schlag Holz noch sonstige Waldnutzungsrechte hatte, konnte “ins Holz gehen”. Dazu benötigte er eine kostenlose Genehmigung, den “Holzschein”. Dieser Erlaubnisschein berechtigte dazu, Holz vom Waldboden aufzusammeln und dürre Äste mit Haken von den Bäumen herunterzuziehen und heimzutragen.</p>
<p>Eine äußerst sparsame Lebensweise war insbesondere in der Zeit des Ersten Weltkrieges notwendig, weil die damaligen Nahrungsmittelzuteilungen ständig zu knapp waren. Deshalb griff man auf das zurück, was die Natur in Oberkochen bot. Als Beispiel sei auf dem Gebiet der Gewürze der Kümmel, der noch heute in großen Mengen beim “Wasserhäusle” im Langert wächst, herausgegriffen. Möglichst viele Dinge, etwa die Getränke, wurden selbst hergestellt. Hier boten sich verschiedene Teesorten (Lindenblüten, Pfefferminze u.a) an, und auch das Hauptgetränk, den Most, bereitete man selbst. Im Ersten Weltkrieg röstete man sogar Weizen als Kaffeeersatz oder um damit den Malzkaffee zu “strecken”.</p>
<p>An Festtagen durften sich die Kinder hin und wieder “für sechs Pfennige Limonade” kaufen und auch den halben Liter Bier für elf Pfennige, den sich manchmal der “Ähle” (Großvater) der Familie nach einem langen Arbeitstag gönnte, konnte man nicht selbst brauen. Deshalb wurden die Enkel mit dem Bierkrug zu einer der drei Oberkochener Brauereien (Hirsch, Ochsen, Schell) geschickt, um das kühle Getränk zu holen. Natürlich war die Versuchung für die Kinder groß, zu probieren, wie das Getränk des Großvaters schmeckte. (Auf die Frage, wie denn seinerzeit das Bier geschmeckt habe, kam die Antwort, daß man damals “nicht wählerisch” gewesen sei.) In einem unbeobachteten Augenblick ist es vorgekommen, daß eines der Kinder nicht widerstehen konnte und einen Schluck probierte. Das Problem war nur, daß jetzt der “Stein” nicht mehr ganz voll war. Aber zum Glück führte der Heimweg an mindestens einem der immer Wasser spendenden Dorfbrunnen vorüber…</p>
<p>&nbsp;</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Das Ortsbild war aber nicht nur durch die Bauernhäuser mit den “Misthaufen” und durch die kleinen Gäßchen geprägt, sondern auch durch die etwa zehn Brunnen, die Oberkochen mit Trinkwasser versorgten. Diese Brunnen hatten gußeiserne Tröge und wurden über hölzerne Wasserleitungen (Deichel) aus dem Luggenlohbrunnen gespeist. Das Wasser floß selbständig aus den Hahnen. Man mußte nicht pumpen, weil die Brunnen 1836 selbst laufend eingerichtet worden waren. Mindestens einer dieser Brunnen, der Lindenbrunnen, ist heute noch allgemein bekannt. Er stammt in seiner jetzigen Form aus dem Jahr 1922 und wurde als Denkmal für die 56 Oberkochener Gefallenen des Ersten Weltkrieges errichtet. In der Heidenheimer Straße (früher Langgasse genannt) befanden sich vier oder fünf Brunnen: z.B. beim “Rössle” (heute Apotheke Mögel), bei Napoleon Fischer und bei Kopp (heute Jelonnek). In den Seitenstraßen des Katzenbachs standen drei (Schill und Gentner in der Geigengasse und Gold in der Schreinergasse) und in der Aalener Straße (früher Kirchgasse) ebenfalls zwei Brunnen (Winter, Schlipf) und noch einer in der Mühlstraße. Diese Brunnen spendeten das Trink- , Koch- und Waschwasser und diente als Viehtränke.</p>
<p>Ab 1918 verloren die Brunnen für Oberkochen ihre Bedeutung. In diesem Jahr erreichte die Leitung der Landeswasserversorgung den Ort. Um die Wasserleitung verlegen zu können, wurden Wiesen, Äcker und viele andere Grundstücke aufgegraben. Da die Oberkochener Männer im Krieg waren, setzte man französische und z.T. auch russische Kriegsgefangene für die Grabungsarbeiten ein. Sie wohnten in Baracken und wurden von Wachmännern beaufsichtigt. Im Sonner 1918 waren für die Landeswasserversorgung im Gunderstal zwei große Stollen durch den Berg nach Essingen gegraben und das “Wasserhäusle” angelegt worden. Der Erdaushub dieser beiden Stollen wurde mit Lohren aus dem Berg heraustransportiert und ist noch heute als kleiner Berg mitten im Feld in der Nähe des Wasserhäuschens zu sehen. Diese Arbeiten führten zu einem guten Teil Italiener aus, die als “Gastarbeiter” vorübergehend in Oberkochen gelebt und gearbeitet haben. Beteiligt waren aber auch Oberkochener und Männer aus der näheren und weiteren Umgebung, die danach teilweise in Oberkochen geblieben sind und eine neue Heimat gefunden haben.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><div id="attachment_29005" style="width: 1210px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-29005" class="wp-image-29005 size-full" src="https://oberkochen-heimatverein.de/wp-content/uploads/Abbildun-5-Lindenbrunnen-um-1930.jpg" alt width="1200" height="1711"><p id="caption-attachment-29005" class="wp-caption-text">Abbildung 5: Lindenbrunnen um 1930</p></div></div>
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